Sonntag, 4. Dezember 2011

Eine außergewöhnliche Schwangerschaft hl

Lichtblickpredigt am 2. Advent 2011 von Hans Löhr
Nach Lukas 1, 28-38.

28 Der Engel kam zu ihr und sagte: »Sei gegrüßt, Maria, der Herr ist mit dir; er hat dich zu Großem ausersehen!« 29 Maria erschrak über diesen Gruß und überlegte, was er bedeuten sollte. 30 Da sagte der Engel zu ihr: »Hab keine Angst, du hast Gnade bei Gott gefunden! 31 Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Er wird groß sein und wird ›Sohn des Höchsten‹ genannt werden. Gott, der Herr, wird ihn auf den Thron seines Ahnherrn David erheben, 33 und er wird für immer über die Nachkommen Jakobs regieren. Seine Herrschaft wird nie zu Ende gehen.« 34 Maria fragte den Engel: »Wie soll das zugehen? Ich bin doch mit keinem Mann zusammen!« 35 Er antwortete: »Gottes Geist wird über dich kommen, seine Kraft wird das Wunder vollbringen.6 Deshalb wird auch das Kind, das du zur Welt bringst, heilig und Sohn Gottes genannt werden. … Für Gott ist nichts unmöglich.« 38 Da sagte Maria: »Ich gehöre dem Herrn, ich bin bereit.7 Es soll an mir geschehen, was du gesagt hast.« Darauf verließ sie der Engel.

Liebe Freunde,

heute geht es in der Predigt zum zweiten Advent um eine „außergewöhnliche Schwangerschaft“. Auf dieses Thema bin ich im letzten Hauskreis gekommen, genauer durch eine Geschichte in der Bibel. Meine Frau hat mich allerdings in Verdacht, dass das einen anderen Grund habe. Nicht, was Sie jetzt denken. Nein. Seit letzten Sonntag weiß ich, dass ich zum ersten Mal Großvater werde. Einerseits freut mich das riesig. Andererseits muss man sich an diesen Gedanken erstmal gewöhnen. Zurück zum Thema. Es geht also nicht um die spezielle Schwangerschaft meiner großen Tochter, sondern um die der Maria. Die geht uns alle an. Davon haben wir bereits in der Lesung gehört. Aber inwiefern geht sie uns an? Ist das nicht nur eine schöne alte Geschichte unter vielen, die man in dieser Zeit erzählt?

Vor vielleicht 20 Jahren war ich in der Adventszeit mit Studenten auf einer Einkehrtagung bei der Christusbruderschaft in Selbitz. Da hatten wir die Aufgabe,  eine halbe Stunde lang über die Geschichte nachzudenken, wie ein Engel Maria die Geburt Jesu ankündigt und dabei zu überlegen, was das vielleicht uns angehen könnte. Und dabei habe ich eine Entdeckung gemacht, die ich jetzt mit Ihnen / euch teilen möchte. Mir ist mit einem Mal etwas klar geworden, was wohl für die meisten biblischen Geschichten gilt. Sie sind nicht nur für die Menschen damals erzählt worden, sondern auch für uns heute. Und sie betreffen nicht nur Menschen aus der Bibel, sondern uns. Genauer gesagt, wir selber spielen in der Bibel mit, wir selber sind heute sozusagen Maria und lernen in dieser Rolle, was Gott uns sagen will.
 Kurz und gut, der Engel kommt heute zu dir und zu mir und sagt uns: „Sei gegrüßt, … der Herr ist mit dir!… Denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Etwas Außergewöhnliches wird geschehen: Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, den du Jesus nennen wirst.“
 Das ist wirklich etwas Außergewöhnliches, etwas sehr Außergewöhnliches, besonders für uns Männer! Wir und schwanger? Rein äußerlich gesehen, könnte das ja bei nicht wenigen von uns zutreffen. Aber beileibe nur äußerlich! Nebenbei bemerkt, es soll Männer geben, die hätten auch gern mal so ein Schwangerschaftserlebnis gehabt. Ich gehöre nicht dazu.
 Als Maria die Botschaft des Engels hört, ist sie erstmal skeptisch. Doch der Engel erklärt ihr das mit dem Heiligen Geist und sagt: „Du siehst, für Gott ist nichts unmöglich.“
 Also liebe Männer, wenn jetzt einer von uns tatsächlich schwanger wird, soll er zu Gott auf gut Fränkisch sagen: „Des hätts fei net braucht.“ Und vielleicht antwortet dann der Herr und sagt: „Etz ward erscht amol. Wirscht scho nu segn, wouzu des guod is.“ Ihr meint, Gott könne nicht Fränkisch? Er kann, man soll es nicht glauben, auch Schwäbisch.
 Wie gesagt, es geht dabei ja nicht um eine x-beliebige Schwangerschaft, sondern um eine ganz außergewöhnliche. In jedem von uns, egal ob Mann oder Frau, soll das Jesuskind heranwachsen, nicht in unserem Bauch, aber in unseren Herzen. Und da soll es auch geboren werden und zur Welt kommen.
 Man sagt ja manchmal: „Ich gehe mit einem Gedanken schwanger“ und wenn der Pfarrer am Samstag manchmal ein bisschen komisch drauf ist, dann denkt sich seine Frau: „Naja, er geht eben mit seiner Predigt schwanger. Das war bei mir mit meinen Kindern auch viel nicht anders.“ Nun führen aber alle normal verlaufenden Schwangerschaften zu einer Geburt. Diese Predigt hier, war auch eine Geburt. Und bei der außergewöhnlichen Schwangerschaft, um die es heute geht, ist es ebenso. In einem alten Gedicht heißt es dazu:  „Wär´ Jesus tausendmal zu Bethlehem geboren, doch nicht in dir: du bliebst noch ewiglich verloren.“ (Angelus Silesius)

Du also bist Maria, du bist die Krippe, du bist der Stall, du bist Bethlehem – das ist das tiefe Geheimnis von Weihnachten. Diese ganze wunderbare Geschichte, sie will und soll in dir zum Leben erwachen und dich ganz und gar erfüllen.
 Aber noch sind wir nicht beim Kern dieser Adventspredigt angekommen. Jetzt frage ich euch: „Wisst ihr eigentlich, mit wem Maria schwanger war und mit wem du im Herzen schwanger sein sollst?“ Einige ahnen jetzt schon, dass die Antwort „mit Jesus“ zu simpel ist. Und doch stimmt sie, aber nur dann, wenn du weißt, was Jesus für dich bedeutet. Diesen Namen für ihr Kind hat Maria vom Engel bekommen und das gleiche gilt für dich. Auch das, was in deinem Herzen heranwächst und lebt hat einen Namen, den ihm ein Engel gegeben hat. Einen wunderbaren Namen der, wie es an anderer Stelle in der Bibel heißt, über alle andere Namen ist. Einen Namen, der nicht Schall und Rauch ist, sondern Programm. Der genau das bewirkt, was er bedeutet. Und dieser hebräische Name „Jesus“ heißt ins Deutsche übersetzt: „Gott hilft!“

Maria hätte damals, als der Engel zu ihr kam, auch sagen können: „Du meine Güte, ich und schwanger? Ich bin doch viel zu unbedeutend, viel zu jung. Was sagen denn da die Leute? Nein, bitte nicht, ich bin dazu noch nicht bereit.“
 Und so stehst auch jetzt du vor der Frage, wie du auf die Botschaft des Engels antworten willst, der zu dir sagt: „Du wirst in deinem Herzen mit Jesus schwanger werden und diesen „Gott hilft!“ in dir tragen und groß werden lassen.“
 Gott sei Dank hat Maria damals nicht nein gesagt, sondern „Ich bin dazu bereit, meinem Gott zu dienen. All das kann mit mir so geschehen, wie du es gesagt hast.« Und du? Wie wirst du antworten?
 Vor ein paar Tagen haben wir eine alte Dame mit 92 Jahren aus Niederoberbach beerdigt. Geboren ist sie im Sudetenland, im heutigen Tschechien, wo sie auch ihre Kindheit verbracht hat.
Dann haben die Nazis einen Krieg angefangen und verloren, und diese Dame musste als junge Frau ihr Haus, ihr Dorf, ihre Heimat verlassen. Als Heimatvertriebene strandete sie nach etlichen Zwischenstationen schließlich in Niederoberbach.
Sie hatte keinen anderen Besitz mehr als die Kleider, die sie auf dem Leib trug. Als ihr Mann schließlich aus der Gefangenschaft heim kam, fingen sie wortwörtlich beim Nullpunkt an. Aber das war nur äußerlich so. Alles konnten ihr die Tschechen wegnehmen, aber ihren Jesus nicht.
Diesen „Gott hilft!“ trug sie in ihrem Herzen über die Grenze, durch zahllose Dörfer und Städte bis sie endlich in Niederoberbach eine neue Heimat fand. Dieser „Gott hilft!“ gab ihr den Lebensmut und die Kraft, die schweren Strapazen zu überstehen und neu anzufangen. Und diesen Jesus trug sie in ihrem Herzen durch ihr ganzes langes Leben, durch schöne Zeiten und schwere Zeiten, durch Krankheit und Not, durch Segen und Glück. Und mit ihm in sich hat sie ihren letzten Atemzug getan. Und jetzt, wenn sie zu neuem Leben erwacht, wird sie ihn vor sich sehen, den „Gott hilft!“, und das Erste, was sie sagen wird, heißt: „Danke! Danke, Jesus, dass du mich für würdig befunden hast, in mir zu wohnen. Danke, dass du deinem Namen Ehre gemacht und mir durch mein langes Leben hindurch geholfen hast.“
Und jetzt sage ich nochmal zu dir: „Nimm auch du die Botschaft des Engels an. Trage diesen Jesus in deinem Herzen wie eine Frau ihr Kind im Mutterleib. Lass ihn in dir lebendig sein und groß werden. Sei dazu bereit, dass er in dir geboren wird und trage ihn überall mit hin, wo du arbeitest und lebst, wo es dir gut geht und schlecht geht. Nimm ihn mit in deinen Urlaub und, wenn es sein muss, ins Krankenhaus. Trage ihn zu den Menschen, mit denen du lebst und zusammen bist. Und sei dir bei alledem bewusst, dass du in jedem Augenblick den „Gott hilft!“ in dir hast. Auch andere sollen erkennen können, dass du ein Mensch bist, der in allen Lebenslagen darauf vertraut, dass Gott hilft.
 Wenn du eine Verkäuferin bist und an der Fleischtheke im Supermarkt stehst und wegen der vielen Kunden davor gestresst bist, dann halte einen Augenblick inne, lege kurz deine Hand auf die Herzgegend und sage still vor dich hin: »Du bist da, Jesus, du bist mein „Gott hilft!“«.
Und wenn du im Friseursalon arbeitest und eine Kundin unfreundlich zu dir ist, dann mach es genauso. Und wenn du in der Fabrik arbeitest oder daheim im Haushalt, wenn du unterwegs bist oder im Wartezimmer, wenn du vor einem Grab stehst oder wenn du nicht mehr weißt, wie es weitergehensoll, dann leg deine Hand aufs Herz und sag: »Du bist da, Jesus, du bist mein „Gott hilft!«
 Denn was für Maria gilt, gilt auch für dich: Gott hat dich auserwählt, seinen Sohn in dir zu tragen. Er hat dir Gnade gegeben und dich für würdig befunden. Du musstest dazu nichts Besonderes sein, wie ja auch Maria nichts Besonderes gewesen war. Doch wenn du ja dazu sagst, Jesus in deinem Herzen zu tragen, dann bist du etwas Besonderes, egal ob Mann oder Frau, denn dann trägst du den König der Welt in dir. Er will in dir leben und zur Welt kommen in deinen Worten, in deinen Taten, in deiner Liebe.
 Von einer Frau, die schwanger ist, sagte man früher, sie sei „guter Hoffnung“. Jetzt bist du guter Hoffnung mit Jesus, dem Gott hilft! Denn für ihn ist kein Ding unmöglich.

Amen

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