Sonntag, 4. Mai 2014

Alles hat seine Zeit hl

Predigt im Lichtblickgottesdienst von Hans Löhr
Biblische Lesung vor der Predigt:
Altes Testament (klick), Prediger Salomo, Kapitel 3, 1-8.11.12.15
(Gute-Nachricht-Bibel)


Liebe Freunde,
„alles hat seine Zeit“, so heißt das Thema dieser Predigt. Manchmal wundern wir uns, warum es so lange dauert, bis sich in unserem Leben etwas zum Guten verändert. Wir beten dafür, wir glauben und doch scheint nichts zu passieren. Das enttäuscht uns und manchmal meinen wir, dass sich auch nichts mehr ändern wird. Aber Gott weiß, wann die Zeit da ist, dass sich in unserem Leben etwas zum Besseren wandelt. Denn alles, so haben wir es in der Lesung soeben gehört, alles, was auf Erden geschieht, hat seine von ihm bestimmte Zeit.
Meine Frau liebt ihren Gemüsegarten über alles. Da könnte ich fast eifersüchtig werden. Sie gießt die Pflanzen mit Hingabe, beschützt sie vor Schnecken, befreit sie von Unkraut und schaut sie verliebt an. Und erst die Geduld, die sie mit ihren Pflanzen hat! So viel hat sie mit mir nicht. Sie würde jetzt sagen, wenn ich sie denn ließe: „Naja, die Pflanzen müssen erst noch wachsen. Du aber müsstest schon erwachsen sein und all das tun, was ich von dir erwarte.“ 
Ihr kennt doch die Geschichte, wie Gott eines Tages zu den Frauen und Männern sagt: „Hier sind zwei Reihen. In die eine stellen sich alle Frauen, die daheim die Hosen anhaben und in die andere die Männer. Die Reihe mit den Frauen war mehrere 100 km lang. In der Reihe für die Männer stand nur ein einziger. Das sagte Gott: „Was ist nur mit euch Männern los? Ich hab euch doch nicht dazu geschaffen, damit ihr auf der Arbeit die große Klappe gehabt, aber daheim immer klein beigebt. Wenigstens einer rettet eure Ehre.“ Und Gott fragte den einen Mann in der Männerreihe: „Wie machst du das, dass du hier stehen kannst?“ Da antwortet der: „Keine Ahnung. Meine Frau hat gesagt, dass ich mich hierhin stellen soll.“
Doch zurück zu unseren Gemüsebeeten. Leider muss ich noch bis Juni warten, bevor die Erdbeeren reif sind und noch länger, bevor ich die Gurken essen kann. Am liebsten würde ich ja an den kleinen Gurkenpflänzchen ziehen, damit sie schneller aus der Erde kommen. Aber damit würde ich alles kaputt machen und einen gehörigen Krach bekommen. Also übe ich mich in Geduld und lass die Eifersucht auf die Gurken fahren, weil schließlich auch ich davon etwas abbekomme – oder?
Alles hat seine Zeit. Alles braucht seine Zeit. Nicht nur die Pflanzen, auch die Menschen und vor allem die Kinder. Gestern erst hat mir eine Oma voll Stolz von ihrem Enkel erzählt, dass er sich jetzt doch prächtig entwickle, nachdem man sich zuvor seinetwegen Sorgen machen musste.
Aber stimmt das auch, was die Bibel sagt? Hat Gott festgelegt, was in der Zukunft geschehen wird? Oder stimmt, was viele sagen, nämlich, dass alles nur Zufall sei?
Klaus und Martina sehen das anders. Sie hatte vor zwölf Jahren mitten im Berufsverkehr in Nürnberg einen platten Reifen. Also Warnblinkanlage an. Aussteigen. Und dann? Hilflos stand sie vor der Misere. Viele fuhren vorbei. Doch da hielt einer an. Lief zurück und fragte, ob er helfen könne. Martina schaute ihn erst prüfend an: Er sah gut aus, hatte ein sympathisches Gesicht und nett war er obendrein. Als Klaus die Sache mit dem platten Reifen in Ordnung gebracht hatte, lud er sie anschließend zum Essen ein und danach gingen sie zum Standesamt. Naja, ganz so schnell ist es dann doch nicht gegangen. Aber inzwischen sind sie elf Jahre glücklich verheiratet. „Nein“, sagen beide, „dass wir uns gefunden haben, war kein Zufall. Das hat Gott so arrangiert.“ Und jetzt stellt euch mal vor, was Gott alles tun musste, damit diese beiden sich gefunden haben. Er musste eine Nagel auf die Straße legen, Klaus zur rechten Zeit aus dem Büro scheuchen, die Ampeln richtig schalten und verhindern dass irgend ein anderer vor ihm anhalten würde. Jedenfalls stelle ich mir das so vor. Genau besehen, musste Gott noch viel mehr arrangieren. Ist so etwas überhaupt möglich? Bei Gott schon. Er ist der Schöpfer des Universums und der Herr der Zeit. Er legt fest, was geschieht zu der Zeit, da er will.
Das war und ist bei dir nicht anders. Und ich kann mir denken, dass jetzt noch die eine oder der andere hier erzählen könnte, was für ein glückliches Zusammentreffen es damals war, als man sich kennen gelernt hat.
Freilich geschehen auch Dinge, die dir nicht gefallen. Plötzlich schließt sich eine Tür für dich, durch die du doch so gerne gegangen wärst. Tina hat 30 oder 40 Bewerbungen geschrieben. Beim Auswahlgespräch Ihrer Wunschfirma kam sie bis in die Endrunde. Doch dann hat eine andere die Stelle gekriegt. Tina war total enttäuscht und entmutigt. Hatte sie für die Stelle nicht sogar gebetet? Doch dann tut sich ein paar Wochen später eine andere Tür auf. Sie bekommt eine Arbeit, wenn auch nicht so gut bezahlt wie die bei der Wunschfirma, aber sie ist zufrieden und allmählich steigt sie auf und hat auch die Position, die sie sich schon immer gewünscht hat. Eines Tages erfährt sie, dass die Firma, die sie damals nicht genommen hat, bankrott gegangen ist und alle entlassen hat. Und jetzt versteht sie, warum Gott damals jene Tür für sie geschlossen und kurz danach eine andere geöffnet hat. Alles hat seine von Gott bestimmte Zeit.
Natürlich heißt das nicht, dass wir einfach die Hände den Schoß legen und darauf warten sollen, was Gott tut. Er hat uns geschaffen, damit wir unser Leben aktiv gestalten und eigene Entscheidungen treffen. Doch dabei sollen wir fragen, ob sie in Übereinstimmung damit stehen, was er will. Denn bei allen eigenen Aktivitäten bleibt doch maßgeblich, worum wir im Vaterunser bitten: »Dein Wille geschehe.«
Zu den Problemen, mit denen wir zu tun haben, könnte auch gehören, dass wir nicht warten können, sondern Gott eigenmächtig vorgreifen und problematische Entscheidungen ohne ihn treffen. Und dann wundern wir uns, dass sich die Dinge nicht so entwickeln, wie wir uns das vorgestellt haben.
Anna wurde als junge Frau krank. Sie war Bäuerin und hätte für die viele Arbeit früher viel Kraft gebraucht. Doch sie konnte kaum ihre Hausarbeit machen. ‚Die wird mal nicht alt‘, hörte sie immer wieder. Jahr um Jahr hat Anna gehofft und gebetet und nicht aufgegeben, auf Gott zu vertrauen. 20 Jahre später war sie mit einem Mal gesund. Kürzlich habe ich sie zum 91. Geburtstag besucht. „Herr Pfarrer, mir hat der Herrgott geholfen.“ Davon ist Anna bis heute fest überzeugt.
Hättest du diese Geduld, dieses beharrliche Gottvertrauen? Könntest du 20 Jahre am Glauben festhalten, bis sich etwas zum Guten ändert? Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Christen in Rom im Kapitel fünf: »Durch Geduld kommt es zur Bewährung, durch Bewährung festigt sich die Hoffnung.«
Ich selbst bemühe mich, die Dinge in meinem Leben, die mir nicht gefallen, so zu sehen: Gott schickt sie mir, dass ich mein Vertrauen auf ihn bewähre. Das kostet manche Stunde der Enttäuschung. Da sind Zeiten, in denen ich deprimiert bin. Doch ich merke, wie ich dazulerne und wie das, was mich unglücklich machen will, seine Macht über mich verliert. Ich wüsste nicht, was mir sonst dabei hilft als mein Glaube.
Gestern hat mir eine Frau freudestrahlend erzählt, dass ihr erwachsener Sohn nach jahrelangen Schikanen durch seinen Vermieter endlich eine neue Wohnung gefunden hat und dass es ihm jetzt auch seelisch wieder besser geht. Du kannst solche Geschichten einfach so zur Kenntnis nehmen. Du kannst in ihnen aber auch einen Hinweis darauf sehen, dass Gott die Gebete erhört, wenn auch nicht zu der Zeit, die ich will, sondern die er will.
In der zurückliegenden Woche habe ich auch mit zwei Männern gesprochen, Mitsechziger wie ich. Beide sagten unabhängig voneinander, dass sie sich in einer Krise befänden, weil sie nicht wüssten, wie es weitergehen solle, wenn sie demnächst in Rente sind. Der eine ist ein alter Freund von mir. Er kann mit dem Glauben nichts anfangen. Er lässt sich aber regelmäßig unseren Gemeindebrief zuschicken. Der andere sagte, nachdem er von seinen Zukunftssorgen gesprochen hatte: „Ich bete in letzter Zeit täglich meinen Konfirmationsspruch aus dem Psalm 25: »Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige.« Er täte das nicht, wenn ihm das nicht hülfe (um mal einen schönen Konjunktiv zu benutzen). Übrigens, auf der Rückseite des neuen Gemeindebriefs steht der Vers: »... Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.« Vielleicht liest das mein Freund. Vielleicht gibt ihm das zu denken.
Wir dürfen nur nicht zu früh aufgeben, sondern müssen mit unserem Glauben dranbleiben, dass Gott der Herr über unsere Zeit bleibt und auch in Zukunft für uns Türen öffnen wird, durch die wir gehen können.
Schauen wir in die Bibel: Abraham und Sara mussten viele, viele Jahre warten bis endlich der heiß ersehnte Sohn geboren wurde. Josef saß über zehn Jahre unschuldig im Gefängnis des Pharao, bis sich seine Träume erfüllten und er ein mächtiger Mann wurde. So konnte er sein Volk vor dem Verhungern retten. Und als Maria ihren Sohn Jesus auf der Hochzeit in Kana bedrängte, dass er doch was tun solle, weil dem Gastgeber der Wein ausgegangen war, sagte er: »Meine Zeit ist noch nicht gekommen.« Aber bald darauf war es dann soweit.
Und du? So oft du im Krankenhaus warst, so oft kam auch der Tag, an dem du wieder entlassen wurdest. Und wer von euch Frauen Kinder hat, vergisst nach der anstrengenden Schwangerschaft nie mehr den schmerzvollen und doch erlösenden Tag der Geburt.
Vertraut also, dass Gott den Tag kommen lässt, an dem geschieht, was er für uns vorbereitet hat. Nicht umsonst singen wir bei den Beerdigungen oft das Lied: »Harre meine Seele« und darin den Vers: »Sei unverzagt, bald der Morgen tagt und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach.«
Also, meine liebe Seele, harre, warte, hoffe auf Gott den Herrn und vertraue ihm. Und hab Geduld, wenn sich die Zeit dehnt und es dauert, bis er hilft. Gib also nicht auf, meine Seele, und ihr hier, gebt auch nicht auf. Denn alles hat seine Zeit, und Gott weiß, wann es Zeit ist, dir zu geben, was dir hilft. Das nimmt viel von dem Druck weg, den du dir selbst machst. Es tut dir nicht gut, das, was du dir wünscht, sofort haben zu wollen und wenn du es nicht gleich bekommst, es dir selbst besorgen zu müssen. Gott ist nicht Amazon und liefert nicht innerhalb von zwei Tagen. Er lässt dich erst innerlich reifen und im Glauben wachsen. Und das braucht Zeit
Zuletzt lasse ich die Bibel selbst sprechen und lese, was der Apostel Paulus im Brief an die Christen in Galatien im sechsten Kapitel schreibt. Es ist ein Wort der Ermutigung für dich und für mich:
»Wir wollen nicht müde werden, zu tun, was gut und recht ist. Denn wenn die Zeit da ist, werden wir auch die Ernte einbringen. Wir dürfen nur nicht aufgeben.« Amen

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