Samstag, 31. März 2018

Die Welt steht Kopf hl

Losung: Der HERR harrt darauf, dass er euch gnädig sei. Jesaja 30,18 

Lehrtext Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war, und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Lukas 24,6-7 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was meinst du, wer sind die „Sünder“ von denen im Lehrtext die Rede ist? Sind das besonders böse Menschen, besonders verwerfliche, gottlose, unmoralische, liederliche? Ja, sie alle sind Sünder. Und was ist mit den anderen? Den Guten, den Gläubigen, den moralisch Korrekten, die „immer strebend sich bemühen“ wie Goethe sagt, was ist mit den Menschen von hohem Ansehen? Hm, wenn ich die Bibel richtig verstanden habe, dann sind auch sie Sünder, vielleicht umso mehr, je weniger sie es selbst wahrhaben wollen (Lukas 18,9-14)
     Im Lehrtext sprechen zwei Männer in weißen Gewändern und erinnern die erschrockenen Frauen am leeren Grab, was Jesus vor seinem Tod gesagt hatte: Er werde „Sündern“ in die Hände fallen, die ihn kreuzigen. Wer waren diese Leute? Waren das Diebe und Ehebrecher, Huren und Betrüger und sonst allerlei Gesindel? In der Bibel tragen sie andere Namen. Da heißen sie nach den damaligen Begriffen Hohepriester, Priester, Schriftgelehrte. Nach heutigen Begriffen: Bischöfe, Pfarrer, Theologieprofessoren. Es war also die kirchliche Elite, in deren Händen er gefallen ist, die ihn gekreuzigt hat und die er „Sünder“ nennt. Das gibt mir als Pfarrer zu denken. 
     Aber die beiden weiß gewandeten Männer erinnern noch an etwas anderes. Er hatte auch gesagt, dass er am dritten Tage auferstehen werde. Doch wofür das alles, die Verhaftung, die Kreuzigung, die Auferstehung? Für die Sünder, für Menschen mit und ohne Kirche, mit und ohne Glauben, mit und ohne Moral, mit und ohne Gesetz … Für das Gesindel genauso wie für die sogenannte „ehrenwerte Gesellschaft“. Denn Gott besteht darauf, dass er ihnen allen gnädig sei (Losung neu übersetzt).
     Will ich das, dass Jesus auch für die Bösen gestorben und auferstanden ist und nicht nur für Leute wie mich, die sich für gut halten und meinen, anständig zu sein? Oder ist es nicht gerade diese Selbstgerechtigkeit, die mich zu einem Sünder macht, zu einem der schlimmsten überhaupt?
     Die Bibel kann einen manchmal ganz schön durcheinanderbringen, weil aus ihrer Sicht plötzlich längst nicht mehr alles so klar und einfach ist, wie es aus menschlicher Sicht zu sein scheint. Da sind plötzlich die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten (Matth. 20,16). Mächtige werden vom Thron gestürzt und Geringe emporgehoben. Hungernde werden reich und Reiche müssen hungern (Lukas 1,52+53). Wer weint ist glücklich dran, denn er wird lachen (Lukas 6,21b). Und die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten (Pslam 126,5). Einer steht gar von den Toten auf. Und der als Verbrecher hingerichtet wird, ist plötzlich Richter über alle Welt. Ja, wo man es mit Gott zu tun bekommt, steht die Welt Kopf. Wer aber will, dass alles so bleibt wie es ist, sollte ins Bett und sich mit Traditionen, Riten und Ritualen zudecken. Vom Glauben aber sollte er besser die Finger lassen. 

Gebet
„Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit“ (Evang. Gesangbuch Nr. 263,2) -
Darum bitte ich dich, Herr, in diesen Ostertagen. Denn ohne dich ist mein Glaube tot. Durch dich aber wird er lebendig. Darum klammere ich mich nicht an tote Traditionen, so ehrwürdig sie auch sein mögen. Sondern ich halte mich an dich, dass du mich wachrüttelst zum großen Wecken. Amen
Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. 
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Alle bisherigen Losungsauslegungen kann man hier im Internet-Blog nachlesen: <http://glaubenswachstum.blogspot.com/>
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Kommentare:

  1. Lieber Herr Pfarrer, danke für Ihre Andachten, die ich jeden Morgen gern lese. Heute jedoch bin ich mit meinen Vorhaben gerade bei den Traditionen und Osterritualen. Ich vermute, daß Ihr Seitenhieb auf diese Dinge nicht konkret darauf bezogen ist. Nur, ich habe es so verstanden. Ich finde unsere an Ritualen, jedenfalls hier im Brandenburger Land, arme Zeit hat hier eine Einmütigkeit bei Ritualen wie Eierfärben und verstecken/suchen, Osterzweige schmücken und einiges andere. Das mache ich mir neu bewußt. Freilich, wenn nicht meine Kinder und Enkel kämen, würde ich vermutlich alles dies auf Sparflamme setzen. Ihnen wünsche ich ein gesegnetes Osterfest

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  2. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Nichts gegen Rituale, wenn sie wie der Rahmen eines Gemäldes sind, also einen Inhalt umrahmen. Aber wer hängt sich schon einen Rahmen ohne Bild an die Wand? Das Bild, welches ein Ritual einrahmen soll, ist der Glaube an Gott, der sich uns in Jesus Christus zeigt.
    Ich habe in meiner aktiven Zeit als Pfarrer viele Weihnachtsfeiern, Taufen, Konfirmationen und Trauungen erlebt, wo nur noch der Rahmen eine Rolle gespielt hat.
    Der Katholizismus zum Beispiel ist eine klassische Ritualreligion. Nicht umsonst mahnt Papst Franziskus immer wieder an, dass diese Rituale mit einem lebendigen Glauben gefüllt werden, der in der Nächstenliebe praktisch wird.
    Im Protestantismus spielten Rituale anfänglich eine untergeordnete Rolle. Inzwischen sind sie für viele Evangelischen der letzte Grund, warum sie noch in der Kirche sind. Dahinter steckt dann oft ein magisches Verständnis zum Beispiel von der Taufe oder vom Segen. Hing dafür Jesus am Kreuz und ist von den Toten auferstanden?
    Frohe Ostern!

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