Sonntag, 20. Mai 2018

Was darf ich hoffen? (Predigt) hl

Die etwas andere Pfingstpredigt von Hans Löhr
Bibelwort: Jesaja 25, 6-9 (neue Übersetzung)

Liebe Freunde,

heute rede ich zu euch über die Frage „Was darf ich hoffen?“. Jeder von uns denkt immer wieder einmal darüber nach, was wohl die Zukunft bringt. Und jeder denkt darüber nach, was nach dem Tod sein wird. Wird dann alles aus sein? Kommt dann das große schwarze Loch, in dem alles verschwindet? Oder gibt es ein Leben nach dem Tod? Und wenn ja, wie wird das wohl sein?
Das wäre schon interessant, wenn ich jetzt jeden einzelnen von euch fragen könnte, welche Antworten er gefunden hat oder ob er es aufgegeben hat, auf diese Frage überhaupt eine Antwort zu finden. Und darum stelle ich jetzt die Frage noch einmal: „Was darf ich hoffen?“
Kann ich denn über die Grenze des Todes hinaus einen Blick werfen? Mit den Augen der Vernunft und des Verstandes gelingt mir das nicht. Aber vielleicht mit den Augen der Hoffnung?
Wer weit blicken will, wer über den Horizont des Alltags hinausschauen will, muss hoch hinauf, muss auf einen Berg steigen. Von da sieht er Dinge, die die Menschen im Tal nicht sehen.
2006 sind meine Frau und ich mit einer gemeinsamen Freundin auf den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo gestiegen. Man braucht dazu keine besonderen bergsteigerischen Fähigkeiten. Man braucht etwas Kondition und vor allen Dingen Zeit, vier bis fünf Tage für den Aufstieg, damit sich der Körper allmählich an die große Höhe gewöhnen kann. Immerhin geht es auf fast 6000 Meter hinauf, doppelt so hoch wie die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg.
Auf die Einzelheiten gehe ich jetzt nicht ein, da im Rahmen einer Predigt nicht die Zeit dazu ist. Nur so viel kann ich sagen: Es war in der dünnen Luft anstrengend, unglaublich anstrengend.
Die letzte Etappe zum Gipfel begannen wir um Mitternacht, damit wir zum Sonnenaufgang oben sein konnten. Und als es dann im Osten, über dem indischen Ozean dämmerte, wusste ich, dass sich die Mühen gelohnt hatten. Lange vor den Menschen, die in den Ebenen Tansanias leben, sahen wir das Licht. Während unten noch alles dunkel war, ging uns die Sonne auf. Wir waren überwältigt von dem Erlebnis und jeder von uns lobte und dankte Gott auf seine Weise.
Heute nun steige ich mit euch auf den Berg der biblischen Verheißung, von dem aus wir über den Horizont des Todes hinausblicken können, hinein in Gottes neue Welt. Dort, wo der Morgenglanz der Ewigkeit alles überstrahlt. Ich lese euch jetzt diese Verheißung aus dem Buch des Propheten Jesaja einmal vor. Ihr könnt den Text an der Leinwand mitlesen und von da an, wo „alle“ geschrieben steht, bitte ich euch laut mitzulesen:
Es wird geschehen:
Der Herr, der Herrscher der Welt,
wird den Trauerschleier zerreißen, der allen Völkern das Gesicht verhüllt;
er wird das Leichentuch wegziehen, das über den Nationen liegt.
Von jedem Gesicht wird er die Tränen abwischen.
und den Tod wird er für immer vernichten
Für alle Völker wird er ein Festmahl geben mit feinsten Speisen und besten Weinen.
Der Herr, der mächtige Gott, hat es versprochen!
An jenem Tag wird man sagen:
(alle) »Er, der Herr, ist unser Gott!
Auf ihn hatten wir unsere Hoffnung gesetzt und er hat uns die Rettung gebracht;
wir haben nicht vergeblich gehofft.
Nun können wir voll Freude singen, weil er unser Erlöser ist!«

Das, liebe Freunde, ist der hohe Berg, von dem aus wir sehen, was wir hoffen dürfen, Gottes neue Welt. Das habe nicht ich mir ausgedacht. Das steht so in der Bibel. Natürlich sind das menschliche Bilder für das, wofür wir Menschen keine Worte haben. Auch der Prophet Jesaja wusste, dass er von menschlichen Vorstellungen sprach, damit die Israeliten ihn auch verstanden. Ja, diese Sprachbilder sind noch nicht die Sache selbst. Aber sie enthalten eine göttliche Wahrheit. Denn sie sagen:
‚Habt keine Angst vor dem, was sein wird. Habt auch keine Angst vor dem Tod und dem was danach kommt. Freut euch vielmehr, dass ihr in Gottes unmittelbarer Gegenwart sein und mit ihm das große Fest feiern werdet. Er wird euch nicht verurteilen wegen eurer Schuld. Er wird euch nicht bestrafen wegen eures Versagens. Ihr müsst in keinem Fegefeuer brennen und vor keiner Hölle euch fürchten.
Stattdessen wird Gott den Schleier der Trauer zerreißen und das Leichentuch wegziehen. Er wird die Tränen trocknen und den Tod töten. Und er wird euch einladen zum großen Freudenmahl mit besten Speisen und köstlichem Wein. So werdet ihr‘, sagt diese Verheißung, ‚so werdet ihr eure Befreiung feiern, die Erlösung aus allem Bösen und dem Tod. So werdet ihr mit allen Geschöpfen Gottes das Leben feiern und die Liebe, die euch Gott mit Jesus geschenkt hat. Dann wird er alles vollenden, was er einst begonnen hat. Dann wird alles gut.‘
Und was der Prophet Jesaja in seiner Bildersprache sagt, soll jetzt nicht nur so dahingesagt sein. Was wir auf dem Berggipfel seiner Verheißung sehen, das wollen wir jetzt in diesem Gottesdienst vorwegnehmen. Wollen es darstellen und spielen. So wollen wir hören, sehen und schmecken, was wir hoffen dürfen.
Denn darum geht es: Wir müssen uns nicht vor einem bösen Ende fürchten. Wir dürfen auf einen neuen und guten Anfang hoffen. Denn das himmlische Licht aus Gottes neuer Welt strahlt in unsere alte Menschenwelt. Wenn das Alte vergangen ist, wird Gott mit seinen Geschöpfen neu beginnen. Das macht uns Hoffnung und Lebensmut.
Um diese Bibelworte darzustellen, brauche ich jetzt Gerd, der sich auf diesen Tisch legen soll. Gerd, du bist jetzt für ein paar Augenblicke tot. Aber dann, Gerd, aber dann… Lass dich überraschen. Christine bitte ich, sich neben ihn zu stellen und ihr mit einem Trauerschleier bedecktes Gesicht in ihren Händen zu verbergen. Und dich, Gerhard, bitte ich, dass du die biblische Verheißung noch einmal vorliest, so langsam, dass alles geschehen kann, was die Worte sagen:
[Das Vorlesen beginnt: Schleier wird zerrissen, Tuch wird weggezogen, Tränen werden getrocknet, Totenkopf auf Papier wird zerknüllt und in einer Blechbüchse verbrannt, alle kommen nach vorn, bekommen einen Schluck Wein, erheben ihr Glas auf Gott den Vater, Jesus den Sohn und den Gott den hl. Geist und preisen ihn mit einem „Halleluja – Gelobt sei Gott!“]
  Ja, liebe Freunde, das dürfen wir hoffen, für uns und die ganze Welt. Nicht das Böse wird triumphieren, sondern Gott. Er ist unsere Sonne. Sie geht auf über der Nacht des Todes und schenkt uns neues Leben. Wir hoffen nicht vergeblich. Darum loben wir den großen König und singen:
[Alle singen, wo sie gerade stehen, das Lied „Zehntausend Gründe“:]
Komm und lobe den Herrn, meine Seele sing, bete den König an!
Sing wie niemals zuvor, nur für Ihn Und bete den König an!
Ein neuer Tag und ein neuer Morgen und wieder bring ich dir mein Lob,
Was auch vor mir liegt, und was immer auch geschehen mag -
Lass mich noch singen wenn der Abend kommt! …
Komm und lobe …]
[HL spricht mitten unter den Gottesdienstgästen das Schlussgebet und den Segen]

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