Samstag, 29. Dezember 2018

Was kann einem Besseres passieren als Gott? hl

​​Losung: Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. Nehemia 8,10 

Lehrtext: Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Römer 15,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

warum soll ich eigentlich glauben? Weil andere das wollen? Weil Gott es so will oder die Eltern oder der Pfarrer oder andere, die Einfluss haben und wichtig sind? Soll ich glauben, weil ich glauben soll? Oder warum sonst? Aus Angst, dass ich sonst etwas falsch mache oder es mir mit Gott oder anderen verderbe? Und aus welchem Grund glaubst du? Ist dir das klar?     
     Manchen ist Gott egal. Manche fürchten ihn. Ich freue mich über ihn. Bisweilen denke ich: Mir kann gar nichts Besseres passieren als Gott. Mein Gottvertrauen lässt mich gelassener leben, gelassener als ich früher war. Lässt mich ruhiger sein, ruhiger als ich früher war. Lässt mich zufriedener sein, zufriedener als ich früher war. Deshalb sitze ich nicht im Lehnstuhl und lächle vor mich hin. Ich bin an dem interessiert, was in der Welt vor sich geht, und kann mich darüber aufregen. Ich mache mir Sorgen um meine Kinder und Enkel, wenn ich an die technologischen Möglichkeiten denke, die wenige in der Hand haben, um das Leben für alle zu ändern. Ich erschrecke, wenn ich von Bekannten höre, die nun an Demenz leiden, an Krebs oder urplötzlich an Herzversagen gestorben sind. Das alles lässt mich nicht unberührt.
     Aber dann sehe ich, wie jetzt in diesem Augenblick, da ich das schreibe, wie eine Blaumeise vor meinem Fenster in der Abendsonne am Meisenknödel pickt. Und dann denke ich mir: Was macht die Schönheit des Lebens, was macht die Freude an Gott aus? Sind es große, langanhaltende Zeiten des Glücks? Nein, es ist der Augenblick, in dem ich glücklich bin. Es ist der Moment, in dem ich dankbar bin. Es ist das Jetzt, dass ich mich meines Lebens und damit auch meines Gottes freue. Ich erinnere mich gern an das, worüber ich mich früher gefreut habe. Manchmal meine ich noch ein Hintergrundrauschen dieser vergangenen Freude zu spüren. Aber Freude empfinden und Glück erleben kann ich nur jetzt.
     Ich kenne Leute, die sind wahre Naturtalente darin, sich des Augenblicks zu freuen, gerade über die kleinen, unscheinbaren Dinge, die uns nahezu ständig umgeben und sich in einem fort ereignen. Früher konnte ich das nicht so gut. Jetzt kann ich das besser. Ich will schon auch noch Außergewöhnliches erleben: Ein mitreißendes Konzert, eine aufregende Reise, ein schönes Fest. Aber ich brauche nicht mehr ständig den großen Kick. Manchmal genügen die ersten Schritte meiner Lilly oder eine Blaumeise, ein Meisenknödel und ein Sonnenstrahl, dass ich mich freue und dankbar bin. 
Gebet: Herr, warum sollte ich nicht glauben? Du wirfst die Blumensamen der Freude mit beiden Händen in meine Welt. Nun liegt es an mir, dass ich sie nicht zertrete. Dass ich sie wahrnehme und behutsam bin, damit sie keimen und auch im Winter blühen. Ich will von diesen Blumen einen großen Strauß pflücken und dir schenken. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden, sie werden im Internet-Blog korrigiert.
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Alle bisherigen Losungsauslegungen im Internet-Blog<http://glaubenswachstum.blogspot.com/
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Kommentare:

  1. Warum Sie glauben sollen, ist klar: weil Sie Theologe und Pfarrer sind. Bei mir liegen die Dinge genau umgekehrt: ich bin Ingenieur, und dazu passt traditioneller Glaube eher schlecht. Existenz und hinreichende Kenntnis (ausnahmefreier) Naturgesetze ist die Voraussetzung verantwortbarer Technik. Ein Glaube bzw. eine Kirche, die auf Wunder baut, passt da nicht ins Bild.

    Wenn ich trotzdem glaube, dann wesentlich vorsichtiger. Allzu lautes, bestimmtes und wie selbstverständlich daherkommendes Reden von Gott stößt mich ab.

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  2. Lieber Thomas Jakob,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Nie hat einer meiner Vorgesetzten nach meinem Glauben gefragt oder gar verlangt, dass ich glauben soll. Als Berufsanfänger musste ich eine schriftliche Erklärung abgeben. Das war's. Man kann in der evangelischen Kirche ganz gut Pfarrer sein, auch ohne zu glauben. Nur sollte man das nicht allzu laut in der Öffentlichkeit sagen.
    Ich weiß nicht, ob ich glauben würde, wenn ich kein Theologe und Pfarrer wäre. Vielleicht würde ich dann so gleichgültig vom Glauben denken wie die meisten meiner Freunde und Bekannten. Der Glaube, den sie als Kinder und Jugendliche in ihren Familien, in der Schule und in der Kirche kennengelernt haben, wäre auch mir gleichgültig.
    Als Theologe und Pfarrer hatte und habe ich die Chance, mich täglich mit Glaubensfragen zu befassen. Das hat zu dem Glauben geführt, den ich jetzt „habe“. Doch ich habe ihn mir nicht "erworben", sondern als ein zerbrechliches und darum kostbares Geschenk entdeckt.
    Zu dem, was Sie sonst schreiben, verweise ich auf meine Losungsauslegung vom 18. Dezember: http://glaubenswachstum.blogspot.com/2018/12/zart-zartlich-selig-hl.html
    Herzliche Grüße und ein gesegnetes neues Jahr!
    Ihr Hans Löhr

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  3. Lieber Hans Löhr,

    Sie schreiben, in der evangelischen Kirche könne man ganz gut Pfarrer sein, auch ohne zu glauben. Es ist vielleicht gut, dass das nicht sofort disziplinarische Konsequenzen hat, aber authentisch ist es nicht und ob man es einer Gemeinde zumuten kann, dass jemand den Segen spendet oder sogar tauft, der selbst eigentlich nicht an das glaubt, was er sagt, darf man schon fragen.

    Ihre Auslegung zu Abrahams Glauben und Glauben als Vertrauen habe ich gelesen und kann sie gut nachvollziehen.

    Auch Ihnen ein gesegnetes Jahr 2019!

    Thomas Jakob

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