Dienstag, 22. Oktober 2019

Gut und Böse hl

Losung: Elia sprach zu allem Volk: Kommt her zu mir! Und als alles Volk zu ihm trat, baute er den Altar des HERRN wieder auf, der zerbrochen war. 1.Könige 18,30

Lehrtext: Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander. Römer 14,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu den Verhaltensregeln, die die Bibel gibt, gehört auch, dass ich mich aufbauend verhalte und nicht zerstörend, konstruktiv und nicht destruktiv (Lehrtext).
     Wir Menschen sind von Natur aus wohl eher destruktiv. Wie sonst soll man sich die Lust an Zerstörung erklären, die seit Menschengedenken immer wieder und überall auf der Welt wütet. Kriege sind dafür das eindrückliche Beispiel. Aber schon Kleinkinder machen sich gegenseitig die Bauwerke kaputt, die sie mit ihren Bauklötzchen errichtet haben. Und schließlich gibt es ja auch noch die verderbliche Lust, einen anderen Menschen nicht nur physisch, sondern auch seelisch kaputt zu machen, ihn zu erniedrigen und zu beleidigen.
     Warum das so ist? Ich weiß es nicht. Schließlich sind wir doch Gottes Geschöpfe. Die traditionelle Theologie spricht deshalb von „Erbsünde“, also von einer Schuld, die von Anbeginn von Mensch zu Mensch vererbt wird. Damit versucht sie etwas zu erklären, was im Grunde unerklärlich ist.
     Wie auch immer, der Zerstörungsdrang gehört offenbar zum Menschsein dazu. Aber wir können nicht nur uns selbst und unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören, sondern auch etwas aufbauen, etwas konstruieren. Dazu gehören herrliche Bauwerke (Losung), dazu gehört die Kunst, dazu gehört eine funktionierende politische und wirtschaftliche Organisation. Dazu gehören Medizin und Pflege. Dazu gehört auch, dass ich einen anderen Menschen, der buchstäblich oder seelisch am Boden liegt, wieder aufrichte. Und dazu gehört, dass ich mich im Kleinen wie im Großen für den Frieden einsetze und mich anderen gegenüber so verhalte, dass es sie aufbaut.
     Paulus zufolge (Lehrtext) ist das unsere Christenpflicht. Das heißt nicht, dass ich zu allem Ja und Amen sage. Ich darf und manchmal muss ich auch kritisieren. Aber auch dann kann ich das auf zweierlei Weise tun: Destruktiv oder konstruktiv. Kritisiere ich destruktiv, mache ich den anderen fertig, entmutige ich ihn, zerstöre ich sein Selbstbewusstsein. Kritisiere ich konstruktiv, so zeige ich ihm Wege, wie er es besser machen, wie er seine Fähigkeiten und Begabungen einbringen kann.
     Von Jesus erzählen die Evangelien, dass er geheilt hat. Im ersten Johannesbrief Kapitel 3 Vers 8 heißt es aber auch: »Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.« Durch diesen Satz schimmert die alte Vorstellung eines Kampfes zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis. Im Grunde genommen erzählen viele Computerspiele, Science-Fiction-Filme, Krimis und Western-Filme davon, wenn die Guten gegen die Bösen kämpfen und am Ende siegen.
     Wenn‘s nur immer so einfach wäre! Wenn man nur immer so problemlos Gut und Böse unterscheiden könnte! Wenn nur immer das Gute siegen würde! Wenn man immer nur wüsste, ob das Gute auf Dauer wirklich gut und das Böse auf Dauer wirklich schlecht ist! Manchmal wirkt sogar eine Scheidung segensreich und eine andauernde Partnerschaft wie ein Fluch. Gar nicht so selten geht ein Mensch aus einer schweren Krankheit gestärkt hervor. Manchmal muss einer gegen die Wand rennen, um zur Besinnung zu kommen und sein Leben zu ändern. Und selbst der Tod hat sein Gutes. Ohne ihn könnte es nicht immer wieder neues Leben geben. Ein Sprichwort sagt: „Es gibt keinen Schaden, wo nicht auch ein Nutzen dabei ist.“ Das ist natürlich stark vereinfacht. Aber gänzlich falsch ist es nicht.
     Letzten Endes weiß nur Gott, warum alles so ist, wie es ist und wozu es dient und führt. Er „kann und will auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen“ (D. Bonhoeffer). Wir müssen uns in unserem Leben immer wieder neu entscheiden zwischen dem, was wir für gut und dem, was wir für böse halten. Doch dabei sollte man vorsichtig sein, um nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten. Als Orientierung und Faustregel aber dient durchaus, dass wir den Frieden suchen und nicht den Streit, dass wir aufbauen und nicht zerstören.

Gebet: Herr, ich muss mit meiner Unvollkommenheit leben, mit dem, was mir gelingt und dem, woran ich scheitere. Mit meinen guten Seiten und meiner Schuld. Doch du vergibst mir und gibst mir immer wieder eine neue Chance. Du machst mich nicht fertig, sondern richtest mich auf. Schenke mir den Willen und die Kraft, dass ich für andere ein Segen sein kann, dass das, was ich tue und sage, aufbaut und dem Frieden dient. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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