Sonntag, 3. November 2019

Nimm Gott beim Wort (Predigt) hl

Predigt zum Reformationsfest 2019 von Hans Löhr in Reuth und Neuendettelsau

Liebe Gemeinde,

Karl-Heinz hat endlich wieder Arbeit. Fast drei Jahre war er arbeitslos gewesen und lebte zuletzt von Hartz 4. Nur weil er eisern sparte, konnte er sein Häuschen halten, das noch nicht abbezahlt war. Er musste jeden Cent buchstäblich zweimal umdrehen, bevor er ihn ausgab. Ja, Karl-Heinz hat gelernt zu sparen und sich zu bescheiden. Seinen Mittelklasse-BMW hat er längst verkauft. Jetzt fährt er einen gebrauchten Kleinwagen. Im Supermarkt sieht er sich nach Sonderangeboten um. Und er geht schon lange nicht mehr aus, alleine nicht und schon gar nicht mit seiner Frau und den beiden Kindern. Essen im Gasthaus, das ist nicht mehr drin.
     Karl-Heinz ist gerade drei Wochen in der Firma, da macht der Chef mit seiner kleinen Belegschaft einen Betriebsausflug nach Rothenburg. Man kehrt in einem Restaurant der gehobenen Klasse ein, um zu Abend zu essen. Karl-Heinz muss mitgehen, wohl oder übel. Nachdem er einen flüchtigen Blick auf die Speisekarte geworfen hat, gibt er sie sogleich an seinen Nebenmann weiter. Nein, diese Preise will und kann er sich nicht leisten. Er bestellt sich nur ein Mineralwasser und täuscht eine Magenverstimmung vor. Die Kolleginnen und Kollegen aber suchen sich die besten Speisen aus: Rehbraten und Zanderfilet, Entenbrust und Pfeffersteak, Schweinelendchen und Spanferkel. Karl-Heinz läuft das Wasser im Mund zusammen. Aber es hilft nichts, da muss er jetzt mit seinem Mineralwasser durch.
     Als die Speisen aufgetischt sind, klopft sein Nachbar ans Weinglas und gratuliert dem Chef zum 60. Geburtstag. Die Stimmung am Tisch ist bestens. Nur Karl-Heinz mit seinem Mineralwasser mag sich nicht so recht freuen. Ihm knurrt der Magen und er bedauerte sich selbst. Bevor es ans Zahlen geht, klopft sein Nachbar noch einmal ans Glas, erhebt sich und sagt: „Chef, ich möchte Ihnen im Namen der Belegschaft herzlich danken, dass Sie uns eingeladen und das Essen für uns bezahlt haben.“
      Liebe Gemeinde, Karl-Heinz kann einem leidtun. Er ist schon ein Pechvogel! Endlich könnte er mal unbeschwert etwas Gutes genießen, da verpasst er die entscheidende Information. Er kriegt nicht mit, als der Chef sagt »Im Übrigen lade ich Sie an meinem Geburtstag zum Essen ein. Bestellen Sie, was Sie wollen.«
     Ja, Karl-Heinz kann einem leidtun. Aber auslachen sollten wir ihn nicht. Er ist nicht der einzige, der eine wichtige Information nicht mitkriegt und darum unnötigerweise Verzicht übt. Mir scheint, diese Welt ist voll von Karl-Heinzen. Von Leuten, die nicht mitkriegen, dass sie eingeladen sind.
     Wir sind von Gott eingeladen, größere Geschenke in Empfang zu nehmen als ein teures Abendessen in einem Rothenburger Restaurant. Die Bibel ist voll von seinen Zusagen und Verheißungen. Und er hat sie nicht nur einmal gemacht für die Menschen damals. Er steht dazu auch heute: Die Fehler, die wir uns selbst nicht verzeihen können, er hat sie verziehen. Die Schuld, die uns andere Menschen nicht vergeben, er hat sie vergeben. Wenn ich schwach bin, schenkt er mir neue Kraft. Wenn ich mutlos bin, macht er mich wieder zuversichtlich. Habe ich Angst, so sagt er: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir.“ Bin ich krank, so heilt er mich. Fühle ich mich wertlos, so sagt er: „Du bist doch mein Kind, von mir gewollt, von mir geliebt, von mir gesegnet, von mir erlöst.“
Was er den Menschen der Bibel Gutes getan hat, das kann er auch dir tun. Also nimm ihn beim Wort. Und darum geht es heute in der Predigt, ob wir dem Wort Gottes, wie es in der Bibel enthalten ist, Glauben schenken oder nicht.
     Für Martin Luther war das keine Frage. Für ihn war Gottes Wort die Quelle zur Erneuerung der Kirche, aber auch zur Erneuerung des persönlichen Lebens. Heute erinnern wir uns an seine 95 Thesen, womit er vor 502 Jahren die Reformation einläutete. Ihm lag viel daran, dass es den Christen nicht wie Karl-Heinz geht, der die wichtigste Nachricht des Abends verpasst hatte. Niemand soll die wichtigste Nachricht seines Lebens verpassen, dass Gott ihn durch Jesus Christus liebt. Darum hat Martin Luther die Bibel in verständliches Deutsch übersetzt. Jeder sollte selbst Jesus kennenlernen. Sollte selbst Gottes Wort lesen können. Darum hat Luther dafür gesorgt, dass auch für die Kinder kleiner Leute Schulen eingerichtet wurden, wo sie lesen und schreiben lernten.
     Nun haben wir also die Bibel in unserer Sprache. Nun lasst uns auch glauben, was sie uns sagt.
     In einer der größten Gottesdienstgemeinden der Welt, in Houston Texas, halten jedes Wochenende 45.000 Leute ihre Bibel hoch und bekennen gemeinsam: „Das ist meine Bibel. Ich bin, was sie sagt, dass ich bin; ich habe, was sie sagt, dass ich habe; ich kann tun, was sie sagt, dass ich tun kann.“
     Das heißt: Nicht irgendjemand, auch nicht du selbst, sagt dir, wer und was du bist. Die Bibel sagt dir, wer du in Gottes Augen bist. Und darauf kommt es an, wer du in den Augen deines Schöpfers und himmlischen Vaters bist.
     Vielleicht denkst du jetzt, das sind doch nur Worte, was wollen die schon bewirken? Doch unterschätze nicht die ungeheure Macht und Kraft von Worten. Wenn dich zum Beispiel jemand grob beleidigt, sagst du dann auch: ‚Das sind doch nur Worte‘? Be-leid-igen heißt doch im Wortsinn, dass ein anderer dir Leid zufügt. Und wenn dich einer lobt und sagt: ‚Das haben Sie aber toll gemacht, besten Dank!‘ – Dann lässt auch das dich nicht unberührt. Dann freust du dich. Und dieses Lob kann einen ganzen Tag oder länger nachwirken und du freust dich, so oft du daran denkst.
     Also, die Bibel sagt dir, wer du in Gottes Augen bist. Darauf kommt es an. Lass dich durch sein Wort aufrichten und stärken.
     Für den Finanzminister bist du ein Steuerzahler, für den Politiker bist du ein Wähler, für den Chef bist du ein Arbeitnehmer, für die Geschäftswelt bist du ein Konsument.
     Und wer bist du für dich selbst? Hast du eine gute Meinung von dir? Hast du ein gesundes Selbstbewusstsein? Oder neigst du dazu, dich selbst immer wieder zu entwerten, dich selbst herabzusetzen, dauernd an dir selbst herumzukritisieren?
     Viele, zu viele Menschen haben von sich selbst kein gutes Bild. Sie haben die Urteile für sich übernommen, die andere über sie gesprochen haben, die Eltern zum Beispiel oder die Lehrer oder der Chef und manchmal auch der Ehepartner. Zu oft haben sie gehört: du kannst nichts, du taugst nichts, du bist nichts. Sie fühlen sich als Versager, als minderwertig, als bedeutungslos. Sie wurden von anderen klein und verächtlich gemacht.
     Durch die Bibel sagt Gott etwas ganz anderes zu dir. Er sagt: »Ich kenne dich mit Namen, du gehörst mir. Ich habe meinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Tag und Nacht umgebe ich dich von allen Seiten und beschütze dich. Ich denke an dich mit Liebe und gebe dir eine gute Zukunft ...«
      Das sind Worte aus der Bibel. Worte Gottes. Auf sie kommt es an.
Sie gelten dir ganz persönlich. Er ist mit dir noch nicht fertig. Er sorgt weiterhin für dich und will dich mit Segen überschütten. Die Frage ist nur, wie groß dein Glaubenstopf ist, den du ihm hinstellt, damit er ihn füllen kann. Je größer dein Glaubenstopf ist, desto mehr passt von Gottes Segen hinein. Je mehr du von ihm erwartest, desto mehr kriegst du. Sei nicht so bescheiden! Nimm Gott beim Wort! Es hat eine große Kraft und bewirkt, was er sagt. Durch sein Wort hat Gott das ganze Universum geschaffen, die Erde und auch dich. Durch sein Wort macht er dir Lebensmut, spricht er dich frei von aller Schuld und ruft er dich einst aus dem Tod zu sich. Vertraue seinem Wort, glaube ihm.
          Vielleicht ist dir bis heute nicht bewusst geworden, was denn Glaube tatsächlich ist. Manche meinen, das sei ein Fürwahr-halten von dogmatischen Sätzen. Oder Glaube sei so was wie ein Vermuten, dass es da irgendwie in dieser Welt eine höhere Macht gäbe. Lassen wir uns von Martin Luther heute im Reformationsgottesdienst neu sagen, was Glaube ist. Er schreibt: „Der Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade. Solche Zuversicht macht fröhlich, trotzig und lässt dich freuen über Gott und alle Geschöpfe. Dieser Glaube macht die keck, fröhlich, mutig, ja beflügelt dich zu einer heiteren Dreistigkeit, nahezu im Schwung des Übermutes, das Leben anzupacken und zu gewinnen.
     Das wär's doch, liebe Freunde, wenn wir fröhlich, beflügelt und mutig, ja sogar übermütig das Leben anpackten und gewönnen. Oder wollen wir wie Karl-Heinz hungrig und schlecht gelaunt am gedeckten Tisch sitzen? Wollen wir Mineralwasser trinken, während andere das Leben genießen, nur weil wir etwas nicht oder nicht richtig verstanden haben?

     Nein, das wäre zu schade, wo wir doch von Gott eingeladen sind, das Gute, das er uns geben will, umsonst zu empfangen. Wir sind zu einem guten Leben eingeladen, nicht zu einem Leben in Ärmlichkeit. Er hat die Rechnung für uns längst bezahlt. Worauf es für uns ankommt, ist, dass wir das wissen und glauben. Dann können wir es uns an seinem Tisch so richtig schmecken lassen. Amen

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