Samstag, 8. Februar 2020

Die Hoffnung der Ohnmächtigen hl

Losung: Singet dem HERRN, rühmet den HERRN, der des Armen Leben aus den Händen der Boshaften errettet! Jeremia 20,13

Lehrtext: Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Lukas 1,52

Liebe Leserin, lieber Leser,

nein, wir Menschen sind Gott nicht gleichgültig und schon gar nicht diejenigen, die Hilfe brauchen. Er schwebt nicht desinteressiert über Raum und Zeit. Er hat sich eingemischt in das Leben und Ergehen seiner Geschöpfe und er tut es noch. Und er ergreift Partei. Nach dem Zeugnis der Bibel liegen ihm die Benachteiligten, Erniedrigten und Beleidigten, die Ausgebeuteten und Verstoßenen, die Betrogenen und Belogenen, die Machtlosen und Armen mit einem Wort die Schwachen besonders am Herzen.
     Er ist die Hoffnung der Ohnmächtigen. Für sie haben im Namen Gottes die Propheten des Alten Testamentes Partei ergriffen, auch für die Ausländer und sogar für die Tiere. Und im Neuen Testament ist es Jesus, der zu ihnen geht und seinem Namen alle Ehre macht: Jesus = Gott hilft.
     Lukas erzählt in seinem Evangelium, dass schon seine junge und unbedeutende Mutter Maria, als sie mit ihm schwanger war, ihr aufrührerisches Lied angestimmt hat: »Die Gewaltigen stößt Gott vom Thron und erhebt die Niedrigen.« Das haben die Unterdrückten nicht vergessen, weder die von der Kirche verfolgten, sogenannten Ketzer noch die schwarzen Sklaven in den USA, wenn sie singen:
Geh doch, Mose, gehe ins Ägyptenland;
sag dem Pharao: ‚Lass mein Volk jetzt ziehn!‘
Aber es sind nicht nur Kaiser, Könige, Päpste, Führer und Präsidenten, die ihr Volk und andere Völker unterdrückt haben. Dazu gehören auch skrupellose Chefs in der Firma, gnadenlose Richter, machtgeile Pfarrer, gewalttätige Ehemänner, despotische Väter, und grausame Tierhalter. All denen sei gesagt, es kommt der Tag, wo sie von ihrem Thron stürzen. Wo sie angewiesen sein werden auf das Mitleid derer, die sie drangsaliert haben.
     Und alle diejenigen, die ihre Peiniger losgeworden sind, sollen Gott laut rühmen und preisen, dass er ihr Gott ist und ihnen hilft. Sie sollen so laut davon singen, dass es den Mächtigen in den Ohren gellt.
     Ich aber habe auch für mich Verantwortung, dass ich weder absichtlich noch unabsichtlich anderen das Leben schwer mache.

Gebet: Herr, gegenüber den Machthabern auf dieser Erde kann ich wenig ausrichten. Doch du hast Macht auch über sie. Du bist die Würde der Armen und Erniedrigten. Du bist meine Hoffnung, dass nicht die Brutalen und Gemeinen triumphieren werden, sondern du und mit dir alle, die auf dich hoffen. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Kommentare:

  1. "Wie man nach Auschwitz den Gott loben soll, der alles so herrlich regieret, das weiß ich nicht." Dorothee Sölle

    Ich kann bei Jeremia 20,13 diese kritische Sicht nicht einfach ausblenden. Dafür war dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit einfach zu monströs.

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  2. Alles richtig, und doch kommt unser Leben nicht ohne seelische Erhebung (Gotteslob) aus. Dietrich Bonhoeffer sagte in der NS Zeit auch kritisch: "Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen". Und was "nach Auschwitz" betrifft: Es steht nicht nur die liturgische Praxis, sondern auch die Poesie unter Generalverdacht: "Nach Auschwitz kann man kein Gedicht mehr schreiben" (Theodor W.Adorno). Wir können nicht einfach weitermachen. Wir müssen wachsam sein, daß so etwas nie wieder passiert.

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  3. Mir ist ebenfalls das Wort von Adorno eingefallen. Und doch werden zum Glück weiterhin Gedichte geschrieben und doch singen und lachen und feiern wir, auch wenn einem hin und wieder beim Gedanken an Auschwitz die Lust dazu vergeht. Und doch, und dennoch glauben und hoffen wir auf Gott. Nicht alle, das ist wahr. Nicht wenigen ist der Glaube, ist Gott selbst in den Krematorien mitverbrannt. Doch einige haben ihren Glauben in jener Hölle bewahrt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir das gelungen wäre.
    Gegen die Wiederkehr von Auschwitz hilft meines Erachtens auch und gerade, dass wir das Leben feiern auch mit Gedichten, auch mit Engagement gegen den Rechtsextremismus, auch mit der Hoffnung auf Gott im Herzen und seinem Lob auf den Lippen.

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  4. Wenn ich einen Satz diesen hier lese: "wir Menschen sind Gott nicht gleichgültig und schon gar nicht diejenigen, die Hilfe brauchen. Er schwebt nicht desinteressiert über Raum und Zeit. Er hat sich eingemischt in das Leben und Ergehen seiner Geschöpfe und er tut es noch", dann denke ich sofort "das stimmt einfach nicht" und "siehe AUSCHWITZ". Wenn Gott sich da nicht eingemischt hat, warum sollte er es jetzt und im Kleinen tun. Ich glaube an Gott, trotzdem, und an Jesus Christus. Ihn sich als fürsorglichen und ansprechbaren Vater vorzustellen, ist gut und menschlich, aber man darf dieses Modell nicht mit der Wirklichkeit verwechseln.

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  5. Lieber Thomas Jakob,
    in einer Hinsicht gebe ich Ihnen recht: Auschwitz ist für den Glauben eine Wunde, die sich nicht schließt. Alle Antworten darauf sind unzureichend und oft auch gefährlich.
    Aber daneben gibt es auch die persönliche Gottes- und Glaubenserfahrung. Und darum wage ich zu sagen, dass ich ihm nicht gleichgültig bin und seine Hilfe mehrfach erfahren habe. Und ich hoffe, dass Sie das für sich auch so sehen können.
    Und dann ist Glaube immer wieder ein „Dennoch-Glaube“. So heißt es im Psalm 73: »Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, 24 du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. 25 Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. 26 Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.«
    Ob ich in einer solchen Notlage, wie sie bei dem Verfasser des Psalms 73 durchschimmert, trotzdem noch glauben könnte, weiß ich nicht. Doch ich hoffe, dass Gott mir dann die Kraft dazu gibt.
    Und ein Letztes: In den beiden Bibelworten geht es nicht um die persönliche Gotteserfahrung Einzelner. Da geht es schon um Hilfe für ein Kollektiv von Unterdrückten und Gequälten. Manchmal meine ich angesichts der Ereignisse in Geschichte und Gegenwart, eine solche Hoffnung nicht haben zu dürfen. Aber es gibt zum Beispiel für Juden auch eine Post-Auschwitz-Erfahrung. Sie zeigt sich meines Erachtens darin, dass die Davongekommenen und ihre Nachfahren jetzt in einem eigenen Staat leben können. Sie zeigt sich auch darin, dass die Überlebenden viele Nachkommen haben, auch die, die Oskar Schindler wieder aus Auschwitz zurückgeholt hat. Das wiegt das unsagbare Leid nicht auf. Und doch sind es ein paar Gegengewichte auf der anderen Waagschale.

    Einen schönen Sonntag!
    Ihr Hans Löhr

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  6. Lieber Hans Löhr,
    danke für Ihre ausführliche Antwort! Mit vielem daraus kann ich etwas anfangen. Z. B. mit dem Begriff "Dennoch-Glaube". Ob ich den unverfügbaren Teil meines persönlichen Wohlergehens schlicht als glücklichen Zufall oder als von Gott geschenkt ansehe, bleibt eine persönliche Entscheidung. Ich neige zur zweiten Möglichkeit.
    Der Hinweis auf die Überlebenden von Auschwitz ist wichtig und gut. Wenn diese Jeremia 20,13 aus vollem Herzen beten, ist das nur zu verständlich. Nur Abstraktionen und Verallgemeinerungen daraus bleiben immer schwierig.

    Eine gute Woche!
    Ihr
    Thomas Jakob

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  7. Danke für diese Kommentare.Ich habe sie erst heute gelesen.
    Mit dieser Frage schlage ich mich schon lange rum. Wie kann Gott so furchtbare Dinge in Vergangenheit und Gegenwart geschehen lassen. Meiner Mutter ist in den letzten Jahren ihres 91jährigen Lebens darüber der Glaube verloren gegangen. Ich bete darum, meinen Glauben behalten zu dürfen, habe ich doch Gottes Liebe schon so oft erfahren dürfen.
    Rita St.

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