Mittwoch, 20. Mai 2020

Helfen aus Dankbarkeit hl

Losung: Der Gerechte erkennt die Sache der Armen. Sprüche 29,7 

Lehrtext: Gott ist nicht ungerecht, dass er vergäße euer Werk und die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient. Hebräer 6,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Ich glaube … an die Gemeinschaft der Heiligen“, heißt es im Glaubensbekenntnis. Als junger Mensch dachte ich noch, das seien die Heiligen, wie sie in der katholischen Kirche verehrt werden. Erst als Theologiestudent habe ich gelernt, dass sich die ersten Christen gegenseitig so genannt haben (Lehrtext), zuerst die Christengemeinde in Jerusalem. Dem Glaubensbekenntnis zufolge ruft der Heilige Geist Menschen in diese Gemeinschaft, die sich selbst alsbald „Kirche“, auf Griechisch Ekklesia, übersetzt „die Herausgerufenen“ genannt hat.
     Damals gehörte es zum Kennzeichen christlichen Lebens, dass man seine Mitchristen (also die Heiligen) nach Kräften unterstützt hat, besonders wenn sie arm oder krank waren. Doch dazu musste man offenbar von den Gemeindeleitern immer wieder aufgefordert werden. Denn auch die ersten Christen waren keine Engel, sondern hatten eigene Interessen und verloren darüber manchmal die Not ihrer „Brüder und Schwestern im Glauben“ aus den Augen.
     Der unbekannte Verfasser des Hebräerbriefs, aus dem der Lehrtext kommt, macht das recht geschickt. Er motiviert seine „Heiligen“ zu diesem „Dienst der Liebe“, indem er sagt: »Wir sind überzeugt, dass ihr gerettet werdet und das Ziel erreicht, weil Gott sich daran erinnert, was ihr getan habt und wie ihr aus Liebe zu ihm anderen Christen geholfen habt und noch immer helft.« Statt denen, die unwillig sind, zu drohen, stellt er ihnen den Lohn von Gott für ihre guten Taten vor Augen.
     Martin Luther hat diese Art zu argumentieren nicht gefallen, weil sie der von ihm abgelehnten „Werkgerechtigkeit“ entspricht. Deshalb hat er auch den Hebräerbrief ebenso wie den Judas-Brief, den Jakobus-Brief und die Offenbarung des Johannes nicht sonderlich geschätzt, von der er sagte: „Mein Geist will sich in dies Buch nicht schicken.“
Nächstenliebe ist kein Tauschobjekt
     Nichtsdestoweniger gehört die Hilfe für Notleidende zum Zentrum des christlichen Glaubens. Doch das Motiv dazu sollte nach evangelischem Verständnis nicht die Eintrittskarte ins Himmelreich sein, sondern die Dankbarkeit Gott gegenüber für seine Hilfe, die er täglich zuteilwerden lässt. Nächstenliebe ist demzufolge kein Tauschobjekt wie Geld, mit dem man sich Vorteile erkauft, sondern folgt der Liebe zu Gott und fließt aus einem dankbaren Herzen.
     So verstehe ich auch die heutige Losung. Der „Gerechte“, weniger missverständlich: der Mensch, der Gott vertraut, hat auch einen Blick für seine Mitmenschen in Not. »Er erkennt die Sache der Armen.« Hier, im Alten Testament, sprudelt bereits die Quelle der sozialen Gerechtigkeit. Die karitativen und diakonischen Tätigkeiten der Kirchen sowie unser moderner Sozialstaat lassen sich darauf zurückführen.     

Gebet: Herr, noch nie musste ich materielle Not leiden. Ich hatte immer genug zu essen, anzuziehen, ein Dach über dem Kopf und medizinische Hilfe. Ich weiß nicht, warum ich im Vergleich zu den meisten anderen Menschen zu den Privilegierten auf der Erde gehöre. Doch ich will dieses Privileg auch als Auftrag verstehen, die Armen nicht zu vergessen. Damit danke ich dir für alles, was du mir Gutes getan hast und tust. Amen 

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

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