Freitag, 24. Juli 2020

Der zerrissene Himmel hl

Losung: Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab! Jesaja 63,19 

Lehrtext: Erlöse uns von dem Bösen. Matthäus 6,13 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Zvi Kolitz* schrieb kurz nach dem Ende des Holocausts eine Erzählung in Form eines Testaments. Darin verdichtete er die unfassbaren Qualen seiner jüdischen Leidensgenossen beim Warschauer Ghetto-Aufstand 1943 gegen die SS. Da heißt es: »Größere und Bessere als ich sind fest davon überzeugt, dass diese Leiden jetzt keine Frage von Strafen für Sünden und Vergehen mehr sind. Etwas ganz besonderes geht vielmehr vor auf der Welt, und es hat einen Namen: Hastores Ponim - das heißt: Jetzt ist die Zeit, da Gott sein Gesicht verbirgt und so die Menschen ihren eigenen wilden Trieben und Instinkten ausliefert.«

     Immer wieder einmal wird von den Glaubenden angesichts unfassbarer, menschlicher Leiden eines Einzelnen oder ganzer Völker Gott als abwesend und verborgen erfahren. So, als ob er die Erde und seine Menschen verlassen, sich in den Himmel zurückgezogen und ihn verschlossen hätte.

     Aber, so frage ich mit der heutigen Losung, muss Gott angesichts des Leids seiner Geschöpfe nicht den Himmel zerreißen und herabkommen und helfen? Wir Menschen denken in einer solchen Situation vielleicht so. Aber Gott ist, während ich leide, nicht im Himmel, sondern hängt am Kreuz. Da ist er in seinem Leid bei mir in meinem Leid. Da, an diesem Ort, erlöst er mich von dem Bösen, das mir widerfährt und das ich anderen antue (Lehrtext). 

Gebet: Herr, schrecklich ist es, wenn du dich nicht mehr zeigst. Wenn ich mich von dir und den Menschen verlassen fühlen muss. Dann lass mich dich in dem Gekreuzigten suchen und finden. Da bist du in deinem Leid in meinem Leid. Da bist du mir nahe und verstehst meine Schmerzen und Angst. Da erlöst du mich von der Macht des Bösen. So fühle ich mich von dir verstanden und getröstet. Amen 

O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf;
reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloss und Riegel für.
(Evang. Gesangbuch, Lied 7 Vers 1 von Friedrich Spee 1591 bis 1635)) 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

* Zvi Kolitz, Jossel Rakovers Hinwendung zu Gott 

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