Freitag, 31. Juli 2020

Jakob der Lügner hl

Losung: Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten. 2.Mose 23,1 

Lehrtext: Paulus schreibt: Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als ein angesehener und untadeliger Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht vertritt. 2.Timotheus 2,15 

Liebe Leserin, lieber Leser,

warum ist man mit Fake News, also erlogenen Behauptungen, bei manchen so erfolgreich? Ein Hauptgrund dürfte das tiefe Misstrauen sein, das verhältnismäßig viele gegen politische Parteien und gegen die Medien hegen. Oft kommen solche angeblich objektiven „Nachrichten“  wichtigtuerisch daher. Manche sind einfach nur dumm. Andere aber auch gefährlich, weil sie gutgläubige Menschen grundlos verunsichern. Offenbar gibt es Fake News seitdem es Menschen gibt. Sie waren auch in biblischen Zeiten ein Problem, sonst hätte es weder des 8. Gebots noch der heutigen Losung bedurft.           Doch ganz so einfach ist es auch wieder nicht. In seltenen Fällen sind Fake News enorm wichtig, wenn man damit Hoffnungslosen wieder neue Hoffnung machen kann. So ein Fall wird in dem Tatsachen-Roman „Jakob der Lügner“ von Jurek Becker erzählt.

Lüge, die Hoffnung macht

     Die Geschichte spielt während des 2. Weltkriegs in einem jüdischen Ghetto einer osteuropäischen Stadt. Die Nazi-SS hat Juden in einem Stadtteil eingesperrt und lässt sie dort bis zur Deportation in die Vernichtungslager Zwangsarbeit verrichten. Die Lebensbedingungen sind entsetzlich. Viele begehen Selbstmord, weil sie die Leiden und die Verzweiflung nicht mehr ertragen. Da verbreitet der Jude Jakob Heym Nachrichten vom Vormarsch der Roten Armee und behauptet, heimlich ein Radio zu besitzen, was im Ghetto bei Todesstrafe verboten war.
     Sofort ist er unter seinen Leidensgenossen der wichtigste Mann. Endlich bekommt man Nachrichten von außerhalb des Ghettos. Und die Siege und der Vormarsch der Russen geben allen wieder Hoffnung. Schlagartig hören die Selbstmorde auf und viele schmieden Pläne für die Zeit nach der Befreiung.
     Doch die Nachrichten von Jakob sind Fake News. Er hat gar kein Radio. Zunehmend leidet er unter dem Druck, immer wieder neue Nachrichten erfinden zu müssen. Doch als er das seinem ältesten Freund gesteht, erhängt sich dieser kurz darauf. Nun weiß Jakob, er muss mit seinen Lügengeschichten weitermachen, um die Hoffnung aufrechtzuerhalten und den Überlebenswillen der Ghetto-Juden zu stärken.     
     Und nun frage ich dich: Hat Jakob Heym recht gehandelt? War das, was er tat, im Sinne Gottes? Kann unter extremen Umständen auch mal eine Lüge »das Wort der Wahrheit« sein? 

Gebet: Gütiger Gott und barmherziger Vater, wie dankbar bin ich dir, dass ich bisher nie solche Leiden und Ängste ausstehen musste. So hast du mir auch den Konflikt erspart, anderen etwas vorlügen zu müssen, um sie vor Schlimmeren zu bewahren. Gib mir die Kraft und den Mut, wo immer es nötig ist, gegen Rassismus und Nationalismus vorzugehen. Nie wieder darf sich wiederholen, was im Namen meines Volkes verbrochen wurde. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Hier Näheres zu dem Roman 

p.s. Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden, sie werden nachträglich korrigiert.In diesem Blog finden Sie über 3000 Losungsauslegungen. Kontakt: hansloehr@yahoo.de


Kommentare:

  1. Danke für den Hinweis auf "Jakob der Lügner". Ich halte Jakobs Verhalten in dieser Situation für eine lässliche Sünde. Evtl. hätte er damit sogar Menschenleben retten können. Die Tragik in diesem Roman ist ja, dass das am Ende nicht passiert, wenn ich es richtig übersehe. Das Positive war immerhin, dass vielen dadurch Hoffnung gegeben wurde.

    Ich habe diesen Roman auch immer als Parabel auf die Verkündigung der Kirche gesehen.

    AntwortenLöschen
  2. Auf die Idee mit der Parabel bin ich nicht gekommen. Man könnte es in der Tat so sehen.
    Die Wirkung seiner Fake News zeigt sich mE nicht am Ziel, sondern am Weg. Die kurze Zeit bis zur Deportation war eine Zeit der alles in allem nicht ganz unbegründeten Hoffnung. Die Rote Armee, die ja tatsächlich im Anmarsch war, hat schließlich doch noch die Lager im Osten befreit, wenn auch für viele Opfer zu spät.

    AntwortenLöschen