Donnerstag, 20. August 2020

Liebe, Scham und Umkehr hl

 Losung: Hass erregt Hader; aber Liebe deckt alle Übertretungen zu. Sprüche 10,12 

Lehrtext: Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Johannes 13,35 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie geht es dir mit der Losung? Kannst du zustimmen? Ich habe ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits geht es nicht ohne verzeihende Liebe wo Menschen zusammenleben in der Partnerschaft, in der Familie, auch in der Nachbarschaft und vielleicht auch am Arbeitsplatz. Andererseits darf auch die Liebe schreiendes Unrecht und Gräueltaten nicht zu decken. Schwere Vergehen müssen aufgedeckt werden. Schwere Schuld verlangt Sühne. Die Wahrheit muss ans Licht. Der Verbrechen der Vergangenheit muss man sich erinnern, damit sie sich nicht wiederholen. Mahnmale und Gedenkstätten sollen die Erinnerung auch für spätere Generationen wachhalten.

     Nein, die Kinder und Enkel der Täter und all derer, die die Verbrechen zugelassen und schweigend hingenommen haben, müssen weder Schuldgefühle noch ein schlechtes Gewissen haben. 

Das große Schämen 

     Aber zum Beispiel wir Deutschen, auch die Nachgeborenen, sollten Scham empfinden über das, was im Namen des deutschen Volkes im Nationalsozialismus verbrochen worden ist. Und ebenso die Japaner im Hinblick auf die Kriegsverbrechen, die von ihnen im Zweiten Weltkrieg in Fernost verübt worden sind. Und ebenso die Spanier wie die Amerikaner beim Gedenken des Völkermordes an den indianischen Ureinwohnern, des jahrzehntelangen Rassismus oder der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Und ebenso sollten sich die Russen, die Chinesen und die Kambodschaner der entsetzlichen Verbrechen schämen, die unter Stalin bzw. Mao Tsetung und Pol Pot in ihrem jeweiligen Land verübt worden sind. Und ebenso sollten sich die Erben der Kolonialmächte und der Sklavenhaltergesellschaften schämen, die Briten, die Franzosen, die Holländer, die Portugiesen die Muslime, wenn sie an die Verbrechen ihrer Vorfahren denken. Und nicht zuletzt sollten auch wir Christen uns schämen, wenn wir uns daran erinnern, wie viel Leid in 2000 Jahren durch die Kirche über die Menschen gekommen ist. Eines aber habe ich noch vergessen. Die Menschheit insgesamt sollte und muss sich schämen angesichts dessen, was sie seit weit über 10.000 Jahren bis heute den anderen Tieren antut. Und damit auch ich. Mir gelingt ein völliger Verzicht auf Fleisch und Fisch einfach nicht. Vier bis fünf vegetarische Tage in der Woche schaffe ich gerade. Aber vielleicht geht so eine Umstellung tatsächlich nur Schritt für Schritt, zumindest bei mir.

     Das alles, was ich im letzten Absatz geschrieben habe, darf die Liebe nicht zudecken, wenn es wenigstens eine kleine Chance geben soll, dass aus der Geschichte ein bisschen gelernt wird und wir unser Verhalten ändern.

     Scham und Verhaltensänderung dürfen aber auch nicht selbstgerecht von anderen eingefordert werden. Da muss jeder selbst den ersten Schritt tun. Auch hier gilt, mit Liebe kommt man weiter als mit Druck. Und genau das ist es ja auch, was uns der Lehrtext ans Herz legt. 

Gebet: Herr, ich wundere mich, dass du uns angesichts dessen, was wir Menschen im Lauf der Jahrtausende einander und den Tieren angetan haben noch immer am Leben lässt. Deine Geduld ist unbegreiflich und deine Liebe grenzenlos. Wenn sich bei uns etwas ändern soll, musst du bei mir damit anfangen. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Kommentare:

  1. Das Leid der Tiere - ein Thema für sich. Finde ich Wegweiser in der Bibel für ein vegetarisches / veganes Leben?

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    1. Das große Fressen und Gefressen werden beginnt erst nach der Vertreibung der Menschen aus dem Paradies, als, diesem Mythos zufolge, durch ihre Sünde der Tod in die Welt gekommen ist. Es endet nach den Verheißungen der alttestamentlichen Propheten in der messianischen Heilszeit am Ende aller Geschichte (Jesaja 11,6-8; Jes 65,25; Römer 8,20-22).
      Sonst kann ein solcher Wegweiser, wie Sie schreiben, nur indirekt gefunden werden im Mitgefühl und im Liebesgebot, in der Verurteilung von Gier und Völlerei.
      Das massenhafte, industrielle Hinmorden von Tieren wie in unseren Tagen, war der Bibel fremd.

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  2. Ein jeder sollte diesen Wegweiser in seinem Innersten finden. Kontrollierter Fleischkonsum aus artgerechter Tierhaltung ist durchaus möglich.

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  3. Meine Frage hierzu ist, ob Jesus Vegetarier war. In der Bibel heißt es, Jesus war ohne Sünde. Dazu müsste man den Begriff "Sünde" verstehen. Ich verstehe darunter: "Trennung von Gott". Sehe ich das richtig?
    Falls Jesus an den zahlreichen Festen, an denen er teilgenommen und Fleisch (wahrscheinlich Lamm) gegessen hat, und dies aber bei uns heute als sündhaft angesehen wird, wäre er in unseren Augen ein Sünder. Was er aber laut Bibel nicht war.
    Einen maßvollen Fleischkonsum und eine artgerechte Tierhaltung am besten mit Weideschlachtung halte ich für legitim. Ernährungstechnisch enthält Fleisch auch Vitamine und Co, die in vegetarischer Form nicht oder nicht so gut verfügbar sind. Lieber ein gutes biologisches Landhähnchen als importierte, aus Übersee eingeflogenen Nahrungsmittel.
    Bei all der Diskussion müsste man dann nämlich auch die Milchlandwirtschaft, Lederwirtschaft, Schaf-Angorawolle usw unter die Lupe nehmen. Und vieles mehr.
    Viele Grüße Nelli

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