Dienstag, 22. September 2020

Der Glaube und das Leid hl

Losung: HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Psalm 13,2

Lehrtext: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Johannes 16,33

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Der verborgene Gott" ist immer wieder ein Thema für den Glaubenden und darum auch für die Theologie. Die Klage des Psalmbeters aus der Losung bleibt durch die Jahrtausende hindurch aktuell. Wie also an Gott glauben mitten im Leid?

Eine Möglichkeit ist, gar nicht mehr an ihn zu glauben, also ihn ebenfalls zu vergessen. Aber das würde mein Leid nicht lindern. Im Gegenteil. Dann wäre ich damit völlig allein.

Eine andere Möglichkeit ist, was die Losung sagt: Vor Gott sein Herz ausschütten, ihm sein Leid klagen und seine Tränen zeigen. Wer das tut, geht davon aus, dass Gott doch irgendwie da ist, und hört, auch wenn er sich nicht zeigt. Du kannst das mit der Sonne vergleichen, die doch da ist und scheint, auch wenn schwere Wetterwolken den Tag verdunkeln.

Martin Luther weist noch auf eine andere Möglichkeit hin. Er sagt: Fliehe vor dem verborgenen Gott zu dem, der sich in Christus zeigt. Schaue in deinem Leid auf sein Leid am Kreuz. Dort hat er Leid, Schuld und Tod überwunden (Lehrtext). 

Anders gesagt: Alle diese negativen Dinge sind immer noch da und machen uns manchmal das Leben schwer. Aber sie haben nicht mehr das letzte Wort. Sie sind nicht das Letzte, sondern ein Vorletztes. Sie befinden sich nicht mehr auf dem Vormarsch, sondern auf dem Rückzug. Und darum heißt die Losung der Christen nicht: "Es wird alles schlechter", sondern "alles wird gut". Die dunklen Wolken verziehen sich wieder und die Sonne sendet wieder ihre wärmenden Strahlen. Wann und wie das jeweils sein wird, weiß ich auch nicht. Aber ich glaube und vertraue darauf, dass es so ist. Das hilft mir, auch die dunklen Tage zu überstehen.

Gebet: Herr, ich danke dir nicht für das Leid. Aber ich danke dir, dass du mir auch ihn ihm so viel Kraft gibst, dass ich es tragen kann. Du bist ja der große Überwinder und hilfst auch mir, zu überwinden. Amen

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