Sonntag, 13. September 2020

Die alternative Macht hl

Losung: Ach HERR, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgereckten Arm, und es ist kein Ding vor dir unmöglich. Jeremia 32,17 

Lehrtext: Jesus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Matthäus 28,18-20 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

was meinst du, warum ist im Glaubensbekenntnis vom »Schöpfer des Himmels und der Erde« die Rede? Und warum stehen am Anfang der Bibel die beiden Schöpfungsberichte? Ich hatte immer gedacht, damit die Glaubenden wissen sollen, wie alles entstanden ist und durch wen. Damit sie eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung aller Dinge bekommen. Doch das ist nicht der eigentliche Grund. Vielmehr geht es um den Alltag der gläubigen Juden und Christen und nicht um eine Weltentstehungstheorie.

     Vom Schöpfer ist deshalb die Rede, weil von Gott damit gesagt wird, dass er allmächtig und ihm darum kein Ding unmöglich ist (Losung). Diese Aussage steht wie ein Vorzeichen vor allem anderen, was danach in der Bibel kommt: Er ist Gott in der Fülle seiner Macht und Kraft, dem die Menschen für seinen Segen danken und zu dem sie in ihrer Not mit ihren Bitten kommen. Er ist der „starke Helfer in der Not" (Lied: Großer Gott, wir loben dich, Vers 3). Die an ihn glauben, sollen wissen, dass sie den Allmächtigen auf ihrer Seite haben, der die Kraft und die Macht hat, ihnen in allen Dingen zu helfen.

In einem Lied von Paul Gerhardt heißt es dazu: 

Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht, / das weisen die Geschöpfe, / die seine Hand gemacht: / den Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer, /  der Fisch' unzähl'ge Herde / im großen, wilden Meer.

Vor diesem Hintergrund ist der Streit über die Evolutionstheorie belanglos. Das sind Probleme, die wir Menschen der Neuzeit uns machen. Für das Gottvertrauen spielen sie keine Rolle.

     Dieser Gott »erweist den Menschen Liebe und Treue über tausend Generationen hin«, doch »wenn sie Schuld auf sich geladen haben, bestraft er auch ihre Kinder dafür.« So steht es im Buch des Propheten Jeremia in den Versen nach unserer Losung.

     Ein paar Kapitel später ändert sich bereits diese Sicht von Gott. Für die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier soll nun gelten: »Zu derselben Zeit wird man nicht mehr sagen: „Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern werden die Zähne stumpf“, sondern ein jeder wird um seiner eigenen Schuld willen sterben, und wer saure Trauben isst, dem werden die eigenen Zähne stumpf.« (Jeremia 31,29+30)

     Auch die Einleitung des Lehrtextes hat den Zweck, die eher unbedeutenden Mitglieder der wenigen, kleinen und ohnmächtigen ersten Christengemeinden zu ermutigen und für ihren Auftrag auszurüsten. Dass der auferstandene Christus „alle Gewalt im Himmel und auf Erden“ habe, war angesichts der damaligen, realen Machtverhältnisse ein ausgesprochen kühner Glaube. Doch aus dem Senfkorn sollte ein großer Baum werden, von dessen Früchten unser Glaube heute noch lebt. Und der Glaube damals hat tatsächlich die Berge der Machtverhältnisse versetzt.

     Das große Missverständnis war dann allerdings, als ginge es um politische Macht und Einfluss. Die späteren Päpste wollten mit ihren Armeen und ihrer Politik auch über die Kaiser und Könige der Welt herrschen. Das ging Gott sei Dank schief. Denn Christus herrscht nicht mit Feuer und Schwert, Geld und Intrigen, sondern mit Liebe und Barmherzigkeit, Sanftmut und Geduld. Ihm darin nachzufolgen, sollen seine Jüngerinnen und Jünger den Völkern der Welt ein Vorbild sein. 

Gebet: Herr, dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Dein Reich ist nicht von dieser Welt und deine Kraft und Macht hat mit der unseren nichts gemein. Deine Herrlichkeit zeigt sich nicht in menschlichem Glanz und Gloria, sondern spiegelt sich im Gesicht derer, die deine Liebe und meine Hilfe brauchen. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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