Dienstag, 31. Mai 2022

einzigartig und wertvoll hl

Losung: HERR, gedenke meiner nach der Gnade, die du deinem Volk verheißen hast; erweise an uns deine Hilfe. Psalm 106,4 

Lehrtext: Jedem Einzelnen von uns ist die Gnade gegeben nach dem Maß, mit dem Christus zu geben pflegt. Epheser 4,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor nicht allzu langer Zeit gab es in Europa Staaten mit totalitären Ideologien, in denen der Einzelne nichts zählte. „Du bist nichts, dein Volk ist alles“ - war ein Leitspruch der Nationalsozialisten ausgerechnet in Deutschland, dem Land Martin Luthers, Johann Wolfgang von Goethes und Friedrich Schillers. In der Sowjetunion unter Stalin war es nicht viel anders. Heute zählt der Einzelne in Nordkorea nichts. Und er zählt überall da nichts, wo er in einen Krieg geschickt wird. Nur wenn er tot ist, ist er plötzlich ein Held. Und er zählt auch für die nichts, die mit immer mehr Waffen die Kriege anheizen und verlängern, sodass immer mehr sterben müssen.

In der Bibel aber, wie zum Beispiel in der heutigen Losung, zählt auch der einzelne Mensch vor Gott. Da geht es nicht nur um das Volk im Ganzen, sondern auch um sein Schicksal. Für die Herrschenden ist er eben oft nur ein besserer Arbeitssklave und Kanonenfutter gewesen. Für Gott aber bist du sein persönliches Geschöpf, von ihm gewollt und geliebt, gesegnet und behütet. Er verheizt dich nicht. Denn du bist einzigartig und darum wertvoll. Darum denkt er auch an dich, wenn du Hilfe brauchst (Losung). Darum hast du auch besondere Begabungen, die Gott dir durch Jesus Christus schenkt. Darum hast du aber auch besondere Aufgaben in deinem Lebensumfeld insbesondere, wenn es darum geht, für andere da zu sein.

Nein, du und ich, wir sind keine Produkte des Zufalls und auch keine Massenware. Jeder von uns hat seine eigene Würde, sein eigenes Lebensrecht, sein eigenes Schicksal, seine eigenen Begabungen. So wie andere Menschen auch. Darum:

Vergiss es nie: Dass du lebst, war keine eigene Idee,
Und dass du atmest, kein Entschluss von dir.
Vergiss es nie: Dass du lebst, war eines anderen Idee,
Und dass du atmest, sein Geschenk an dich.

Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur,
Ganz egal ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur.
Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.
Du bist du...

Gebet: Herr, du hast mir zugesagt: „Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ Darauf verlasse ich mich. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 30. Mai 2022

Die Freunde der Hoffnung hl

Losung: Ich bin arm und elend; der HERR aber sorgt für mich. Psalm 40,18 

Lehrtext: Hoffnung lässt nicht zuschanden werden. Römer 5,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

irgendwie, irgendwas hofft wohl jeder. Es sei denn, er ist dem italienischen Dichter Dante (1265 bis 1321) zufolge, durch das Tor der Hölle getreten, über dem geschrieben steht: »Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren«. Dante hat recht, ein Leben ohne Hoffnung, ist die Hölle. Auschwitz war die Hölle. Unheilbarer Krebs ist die Hölle. Die Klimakatastrophe könnte die Hölle werden. Und trotzdem haben Menschen in Auschwitz gehofft, hoffen Krebskranke bis zuletzt, hoffen wir alle irgendwie, dass zumindest die tödlichen Folgen der Klimakatastrophe weitgehend vermieden werden können. 

Selbst wenn es wirklichkeitsfremd ist, in bestimmten Fällen noch zu hoffen, - ich möchte und kann darauf nicht verzichten. Was wäre denn die Alternative? Resignieren? Aufgeben? Verzweifeln? Doch wer hoffen will, muss auch, was in seiner Macht steht, dafür tun. Gebet und Tat sind die Freunde der Hoffnung.

Das letzte Wort

Der unausweichliche Tod könnte uns alle jetzt schon verzweifeln lassen. Trotzdem hoffen die meisten, dass er noch weit weg und das Leben bis dahin noch lebenswert ist. Ich gönne aber auch dem Tod meine Hoffnung nicht. Sie soll auch zuletzt nicht sterben. Er soll sie nicht haben. Er ist erst ein Vorletztes. Ich hoffe, dass der, der das erste Wort gehabt hat, auch das letzte haben wird, »Christus, das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.« (Offenbarung 22,13). Gott möge mir diese Hoffnung bewahren und dir ebenso.

Die Pessimisten sagen: „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.“ Manchmal denke ich auch so. Doch dann sage ich wieder:

Gebet: Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht; Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht. Amen

Herzliche Grüße und eine gesegnete neue Woche,

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 29. Mai 2022

unfassbar hl

Losung: Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 1.Könige 8,27

 

Lehrtext: Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. 1.Johannes 4,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott ist unfassbar. "Der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen" (Losung), schon gar kein Dom, keine Kathedrale, keine Kirche, kein Tempel. Erst recht nicht der Kopf eines Menschen, und sei er noch so gescheit.
     Wenn ich von Gott rede, kann ich immer nur menschlich von ihm reden, in den engen Grenzen meines Glaubens und meiner Vernunft. Und ich höre von ihm durch begrenzte Menschen, die von ihm in der Bibel geredet haben.

     Wer und was Gott alles ist, werde ich in diesem Leben nie erfahren. Aber wer und was Gott für mich ist, das erfahre ich von denen, auf deren Schultern ich stehe, die vor mir ihre Glaubenserfahrungen mit ihm gemacht, davon geredet, geschrieben und gesungen haben. Das erfahre ich, wenn ich auf Jesus schaue, das »Bild des unsichtbaren Gottes«
(Kolosser 1,15), den »Anfänger und Vollender des Glaubens« (Hebräer 12,2).

Wo mir Gott begegnet

     Gott zeigt sich mir auch in den Wunderwerken der Natur, aber verhüllt und nicht eindeutig. Nein, mein Kopf kann ihn nicht fassen. Aber Er will in mir wohnen. Da begegnet er mir, da begegne ich ihm im Kind in der Krippe und im Mann am Kreuz, ihm, dem liebenden, barmherzigen und heilenden Gott. Da ist offenbar, wie und wer er für mich ist.
     "Niemand hat Gott je gesehen", heißt es im Lehrtext. Und wenn ich mit den stärksten Teleskopen in den Himmel schaue, sehe ich doch nur das Sternenkleid, in das er sich hüllt. Doch wenn ich auf Jesus schaue, sehe ich Gott ins Herz. Das ist mehr als alles. Das ist, wie es in Psalm 16 Vers 2 heißt, »mein ganzes Glück«
(Übersetzung HFA).
     Ja, Gott ist für die Welt unsichtbar und unfassbar, aber nicht für dein glaubendes Herz.

Gebet: Herr, du schenkst mir Glauben, um dich zu fassen und Verstand, um dich zu verstehen. Doch wie unermesslich ist dein Reichtum und wie tief sind deine Gedanken! (Römer 11,33) Wo soll ich dich suchen und wo dich finden? Du machst mein Herz weit und lebst in mir in der Liebe, die ich empfange und schenke. (Lehrtext) Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Samstag, 28. Mai 2022

Von Menschen nicht zu viel erwarten hl

Losung: Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen. Psalm 146,3 

Lehrtext: Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Fürst der Könige auf Erden! Offenbarung 1,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Geh nicht zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst", lautet eine alte Weisheit in meiner Heimat. Heutzutage spielt sie keine Rolle mehr. Die Macht der weltlichen und geistlichen Fürsten über Leib und Leben ihrer Untertanen ist gebrochen. Sie hat sich auf Dauer nicht bewährt.

Ob es die Demokratien auf lange Sicht besser machen? Hitler kam immerhin in einem demokratischen Verfahren an die Macht. Und was in England mit dem Brexit passiert ist und was in den USA geschieht, wo die Gefängnisse überquellen, Drogenkonsum und Waffenbesitz explodieren*, wo wiederholt Schulkinder erschossen werden, ohne dass sich etwas ändert - das alles trägt auch nicht gerade zu einem großen Vertrauen in diese Regierungsform bei.

Die Grenzen der Mächtigen

Vielleicht sollte ich von den Regierenden nicht zu viel erwarten. Sie sind Menschen wie du und ich. Sie können besser reden, ja. Aber können sie auch besser denken? Sie können sich besser darstellen. Aber können sie sich auch in andere einfühlen? Sie wissen besser, wie man an die Macht kommt. Aber was wissen sie wirklich über die Nöte und Bedürfnisse der Menschen in deren Namen sie Macht ausüben? Sie sind die Herrschenden. Aber können sie sich auch selbst beherrschen, ihre negativen Gefühle, ihre Versuchungen? Sie geben vor, den Menschen in ihrem Land helfen zu können, aber auch sie sind Menschen, die Hilfe brauchen. (Losung).

Nein, sie sind keine Lichtgestalten und Heilsbringer und können das auch nicht sein. Manche bemühen sich, für die Menschen in ihrem Land da zu sein. Andere nicht. Ihnen geht es nur um Macht. Aber alle haben sie verständlicherweise auch ihre eigenen Interessen. Worauf kann ich mich dann noch verlassen?

Nun, wenn du dir von Gott nichts mehr erwartest und dir von ihm nichts mehr versprichst, bleibt dir nichts anderes übrig, als deine Hoffnungen auf vergängliche, fehlerhafte Menschen mit Charakterschwächen zu setzen und natürlich auf dich. Doch du kennst dich am besten und weißt hoffentlich, wo deine Grenzen und Schwächen sind.

„Fürsten sind Menschen, die können doch nicht helfen“, Könige und Scheichs ebensowenig und auch keine Kanzlerinnen, Präsidenten, Ministerinnen und Regierungsbeamte, Konzernchefs und Banker. Sie können genauso wenig wie du um die nächste Kurve sehen und haben keine Ahnung, wozu beispielsweise der Krieg in der Ukraine noch führen wird. Sie alle treffen immer wieder mal falsche Entscheidungen mit verheerenden Folgen für alle. Und auch du kannst dich am eigenen Schopf nicht aus dem Sumpf ziehen.

Sie alle, wir alle brauchen in den verschiedensten Angelegenheiten immer wieder selbst Hilfe. Das festzustellen ist ernüchternd. Doch du und ich, wir erwarten uns Hilfe von Gott, von Jesus, dem König mit der Dornenkrone (Lehrtext). Deshalb lesen wir in der Bibel. Deshalb beten wir. Deshalb bekennen wir: „Unsere Hilfe stehet im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Deshalb setzen wir unser Vertrauen auf ihn. Oder hast du eine bessere Idee?

Gebet: Herr, ich setze mein Vertrauen auf dich, den Schöpfer von Himmel und Erde und allem, was lebt. Ich setze mein Vertrauen auf dich, der du durch Jesus alle deine Geschöpfe liebst, auch mich. Ich setze mein Vertrauen auf dich, den lebendigen, heilenden und tröstenden Geist, der du uns mit dir und untereinander verbindest mit dem Band des Friedens. Du bist meine Hilfe. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr 

* "Laut US-Gesundheitsbehörde sterben in den USA durchschnittlich 100 Menschen pro Tag (!) durch eine Schusswaffe." (Quelle: tagesschau online)

Und hier der der Link zum Psalm 146, dem die Losung entnommen ist: TEXT

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Freitag, 27. Mai 2022

Gott sei mit dir! hl

Losung: Geh hin, der HERR sei mit dir! 1.Samuel 17,37 

Lehrtext: Wenn jemand dient, tue er's aus der Kraft, die Gott gewährt. 1.Petrus 4,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeder kennt die Geschichte von David und Goliath. Na gut, fast jeder. Aber wer weiß noch, was unmittelbar vor diesem Zweikampf geschah? Der schmächtige Hirtenjunge David musste mitansehen, wie Goliath das Heer der Israeliten unter König Saul verhöhnte. Doch keiner war bereit, mit ihm zu kämpfen. Alle hatten sie Angst vor seiner mächtigen Gestalt. Da trat David vor den König und sagte, er sei bereit. Saul wiegelte ab: „Das kannst du nicht. Du bist doch fast noch ein Kind. Er aber ist ein Mann und ein erprobter Soldat.“ Doch David ließ nicht locker und erzählte dem König, wie er als Hirte seine Herde vor Bären und Löwen beschützt habe. Schließlich ließ sich Saul überreden. Er hätte ihm sogar seine Rüstung überlassen. Doch darin fühlte sich David nicht wohl. Ihm genügten ein Stecken, seine Steinschleuder und – ? Gottvertrauen. Und so schickte ihn Saul in den Kampf mit dem Segenswort der heutigen Losung: „Geh hin, der Herr sei mit dir!“

Ein Wort für Herausforderungen

Wenn ich mich recht erinnere, habe auch ich meine Kinder mit einem ähnlichen Wort einst in ihre Abiturprüfungen geschickt. Ob sie daraus Selbstvertrauen gezogen haben, weiß ich nicht. Vielleicht war es so. Vielleicht hat ihnen das geholfen. Jedenfalls war das meine Absicht. Die meisten kommen sich wohl komisch vor, wenn sie einem anderen ein solches Wort in eine Prüfung oder er eine Operation oder eine ähnliche Herausforderung mitgeben. Bei mir kann man wenigstens noch sagen: „Naja, der ist halt Pfarrer. Darum redet er so.“

Ich glaube, es ist ein großer Verlust, dass nach meiner Einschätzung nur noch wenige solche Segensworte bekommen von denen, die ihnen nahe stehen. Und ich glaube auch, dass solche Worte mehr sind als leere Formeln. Doch dazu gehört, dass beide an ihre Wirksamkeit glauben, derjenige, der sie sagt und derjenige, der sie empfängt.

Im Kirchengottesdienst, wenigstens bei uns in Bayern, bekommst du am Ende jedes Mal ein ähnliches Wort. Da heißt es unmittelbar vor dem Segen: »Der Herr sei mit euch!« Die Gemeinde antwortet: »und mit deinem Geist.« Und darauf der Pfarrer oder die Pfarrerin: »Gehet hin im Frieden des Herrn!« Da gilt das gleiche, was ich soeben geschrieben habe. Es kommt wohl auf den Glauben des einzelnen Gottesdienstgastes an, ob diese Worte wirken und er mit gestärktem Gottvertrauen und Selbstvertrauen in die neue Woche geht.

Gebet: Ja, sei mit mir, Herr. Sei mit mir an diesem Tag und an allen, die du mir gibst. Sei mit mir in den guten Zeiten, aber auch dann, wenn ich mich Herausforderungen stellen muss. Sei mit mir, wenn ich vor schwierigen Entscheidungen stehe, aber auch, wenn ich mir Sorgen mache. Und so sage ich mit Davids Worten (Psalm 23,4) vertrauensvoll zu dir: »Ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir!« Amen

Gott sei mit dir!
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 26. Mai 2022

Das Geheimnis von Himmelfahrt hl

Losung: Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein. Psalm 92,14-15 

Lehrtext: Jesus spricht: Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Johannes 16,22

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu dem Pfarrhaus, dass ich zuletzt bewohnt habe, gehörte ein 1500 Quadratmeter großer Garten. Er hat Arbeit gemacht, ja das stimmt. Aber ich habe ihn geliebt. Einer der fünf Apfelbäume war äußerlich in einem erbärmlichen Zustand: der krumme Stamm war teilweise aufgerissen, stellenweise war der Baum dürr, und hier und da gähnten große Löcher von abgebrochenen Ästen. Einmal im Jahr gab es eine Gartenaktion der Mitglieder des Kirchenvorstands, um mich bei Arbeiten zu unterstützen, die ich alleine nicht bewältigen konnte. Dabei sagte ein freundlicher, tatkräftiger und hilfsbereiter Kirchenvorsteher zu mir: „Der Apfelbaum da taugt doch nichts mehr. Den machen wir weg.“ „Halt“, sagte ich, „das ist der wertvollste Baum im ganzen Garten. In seinen Löchern sind Vögel und Insekten zu Hause, die sollen bleiben. Und außerdem blüht er in jedem Frühjahr aufs Neue, auch wenn die Früchte nicht besonders sind.“

So möchte ich auch sein, wie dieser Apfelbaum. Auch wenn ich körperlich mit Jüngeren nicht mehr mithalten kann, sollen sich Kinder wie Erwachsene bei mir zuhause fühlen. Und solange mir Gott Gnade dazu gibt, will ich geistig und seelisch blühen und fruchtbar sein. Ich denke, das wird wohl nur gehen, wenn ich in seiner Nähe bleibe (Losung)Oder soll ich besser sagen: wenn er in meiner Nähe bleibt? 

Hier und jetzt

Bei seiner Himmelfahrt hat Jesus versprochen, bei uns zu bleiben alle Tage bis ans Ende der Welt. Und genau das ist ja Sinn und Geheimnis des heutigen Feiertags. Jesus ist weder in jener Zeit, in der Antike, noch an jenem Ort, also in Palästina, geblieben, wovon die Evangelien berichten. Die Erzählung von seiner Himmelfahrt sagt, dass er bei Gott ist. Auf diese Weise ist er nunmehr in jeder Zeit und an jedem Ort bei dir und bei mir, auch jetzt in diesem Augenblick. Wie die Sonne für die Erde, so ist er für uns Menschen da am Tag und in der Nacht. Nun liegt es an mir, mich darauf zu verlassen. Nun liegt es an mir, ihn in mein Leben einzuladen und ihm mein Herz zu öffnen. Und doch ist das, was an mir liegt, zugleich sein Geschenk.

Gebet: Herr, du bist da, bist im heiligen Geist bei mir, hier und jetzt. Du bleibst bei mir und ich will bei dir bleiben. So gehe ich zuversichtlich in jeden neuen Tag und freue mich am Leben, das du schenkst. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 25. Mai 2022

Christen sind Anarchisten hl

Losung: Dein, HERR, ist die Größe und die Macht und die Herrlichkeit und der Ruhm und die Hoheit. Denn alles im Himmel und auf Erden ist dein. 1.Chronik 29,11 

Lehrtext: Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat als Lösegeld für alle. 1.Timotheus 2,5-6

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Christen sind wir Anarchisten. Wie bitte? Sind das nicht diese Typen, denen nichts heilig ist und die vor Gewalt nicht zurückschrecken? Solche gibt‘s auch, leider. Aber ein Anarchist ist im Wortsinn einer, der keine Herrschaft (= An-archia) über sich anerkennt, der niemand verehrt, sich niemand unterwirft, aber auch selbst niemand beherrscht, erniedrigt oder sich über einen anderen erhebt. Das funktioniert unter Menschen nur schlecht. Alle anarchistischen Experimente, vor allem im 19. Jahrhundert in Russland, im Schweizer Jura, in Italien und im spanischen Katalonien sind letztlich gescheitert.

Wir bleiben auf Distanz

Als Christen sind wir, was die kleinen und großen Herrn und Damen dieser Welt betrifft, Anarchisten. Wir erkennen nur einen Herrn über uns an (Losung) und singen deshalb jeden Sonntag im Kirchengottesdienst: „Allein Gott in der Höh sei Ehr“. Was die Mächtigen dieser Welt betrifft, so ertragen wir sie, aber verehren sie nicht. Wir bleiben höflich und kommen unseren staatsbürgerlichen Pflichten nach. Wir achten und befolgen die Gesetze, sofern wir damit nicht Unrecht begehen. Wir gehen wählen und engagieren uns im Rahmen unserer Möglichkeit für Dinge, die uns wichtig sind. Aber wir hängen unser Herz nicht an eine politische Mode, noch an eine Ideologie oder den Zeitgeist. Wir arbeiten vielleicht in einer Partei mit, um Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen. Aber wir identifizieren uns nicht mit einer Partei. Wir bleiben auf Distanz. Wir bleiben in dieser Welt und in ihren Institutionen Anarchisten beziehungsweise „Partisanen des lieben Gottes“ (Karl Barth). Je mehr Menschen über Partei- und Mediengrenzen hinweg einer Meinung sind wie jetzt zum Ukrainekrieg, desto kritischer werden wir. Von der Begeisterung der Massen für eine Person oder ein Programm lassen wir uns nicht anstecken. Wir lehnen jeden Totalitarismus rundweg ab.

Gott mehr gehorchen als den Menschen

Und wenn wir deshalb Nachteile erleiden, nehmen wir sie in Kauf. Und falls es wieder einmal dazu kommen sollte, dass wir als Abweichler und Außenseiter verfolgt und eingesperrt werden, bleiben wir doch innerlich frei. Man kann uns in Beugehaft nehmen, aber im Herzen beugen wir uns nicht. Wir werden keine Macht der Welt anbeten. Und wenn man uns dazu auf die Knie zwingt, bleiben wir im Geist aufrecht. Denn als Christen sind wir Anarchisten, die außer Gott allein, wie er uns in Jesus Christus begegnet, keinen Herrn über sich anerkennen, geschweige denn ihm Ehre erweisen. Ja, wir lieben nach Jesu Gebot unsere Feinde, indem wir für sie beten und sie segnen. Wir werden sie nicht mit Gewalt bekämpfen, weil wir dem Frieden verpflichtet sind. Aber wir unterwerfen uns ihnen nicht, auch wenn es nach außen hin so aussehen mag. Denn wir folgen dem Bibelwort, dass wir Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apostelgeschichte 5,29).

Als Christen lehnen wir auch jeden Mittler zwischen Gott und uns ab, er sei ein Heiliger, ein Papst, ein Bischof, eine Kirche oder was auch immer. Wir sind Kinder unseres Vaters im Himmel und brauchen keinen heiligen Vater auf Erden. Wir lieben unseren Herrn Jesus Christus und brauchen keinen Stellvertreter. Jeder hat durch ihn unmittelbaren Zugang zu Gott und kann sich im Gebet direkt an ihn wenden (Lehrtext).

Gebet: Ja, Herr, dein ist die Größe und die Macht und die Herrlichkeit und der Ruhm und die Hoheit. Denn alles im Himmel und auf Erden ist dein (Losung). Vor dir, der du deine Hoheit und Macht in der Niedrigkeit und Ohnmacht von Stall und Kreuz gezeigt hast, gehe ich auf die Knie. Denn dir allein gehöre ich. Du gibst mir meinen Wert gerade dann, wenn mein Glaube in dieser Welt nichts gilt. Du bist meine Kraft in meiner Schwachheit, meine Hoffnung in aller Verzweiflung, mein Vertrauen in aller Furcht. Du bist mir treu. Hilf, dass auch ich dir treu sein kann, was immer geschieht. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 24. Mai 2022

Die Sündennuss knacken hl

Losung: HERR, zürne nicht so sehr und gedenke nicht ewig der Sünde! Sieh doch an, dass wir alle dein Volk sind! Jesaja 64,8 

Lehrtext: Johannes schreibt: Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist. 1.Johannes 2,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer sagt eigentlich, was Sünde ist? Und mit welchem Recht wirft er anderen ihre Sünden vor?

Manche meinen seit biblischen Zeiten, Sünden seien das, was jemand falsch macht. Und sie meinen, im Besitz des Maßstabes zu sein, was richtig und was falsch ist. Sie kennen die 613 mosaischen Gebote und Verbote aus dem Alten Testament. Über manche wird geflissentlich hinweggesehen, weil sie einem selbst als unpassend erscheinen. Auf andere wird umso mehr geachtet, insbesondere auf die, welche irgendwie mit der Sexualität anderer zu tun haben. Von der eigenen und den Problemen, die man damit hat, spricht man lieber nicht. Die Missbrauchsfälle in den Kirchen und wie damit umgegangen wurde, werfen auf diese Doppelmoral ein grelles Licht .

Goldenes Wort zu Selbstgerechten

Manche meinen seit biblischen Zeiten, Sünden seien wie Steine, die man anderen an den Kopf werfen dürfe. Viele wurden so bestraft oder sogar getötet. Jesus selbst hat die Hinrichtung einer Frau verhindert, die wegen Ehebruchs angeklagt war (Johannes 8,2-11). Er sagte zu den Selbstgerechten, die sie steinigen wollten, jenes goldene Wort: »Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.« Und dabei klingt sein Wort aus der Bergpredigt nach: »Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen“ (2. Mose 20,14). Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.« (Matthäus 5,27-28) Jesus lässt sich nicht auf die billige Ausrede ein, dass man doch bestimmte Dinge gar nicht getan hätte und deshalb unschuldig sei. So nimmt er jedem das Recht, einem anderen Sünden vorzuwerfen, der sie in Gedanken schon mal begangen hat. Wer kann dann noch über einen anderen richten?

Sünde und Scham

Nein, Sünden sind keine Steine, die wir uns gegenseitig vorwerfen könnten. Sie sind eine Sache des eigenen Gewissens, in dem ich mich vor Gott schäme über Dinge, die ich falsch gemacht habe. Hauptsächlich aber schäme ich mich deswegen, dass ich ihm, anderen, mir selbst und auch meinen Feinden die Liebe schuldig geblieben bin, die er mir gibt, um sie zu teilen. Und auch das tut mir leid, dass ich meinem Gott nicht mehr vertraue, als ich könnte.

Sünden sind eher so etwas wie harte Nüsse, die es zu knacken gilt, um in ihnen den Kern der Vergebung zu finden. Denn jede Sünde, die ich vor Gott bekenne, ist vergeben (Lehrtext).

Gebet: Ja, Herr, wir alle sind dein Volk (Losung). Mehr noch, wir alle sind deine Kinder. Mit Schmerzen siehst du, wie wir von Anfang an streiten, uns gegenseitig Vorwürfe machen und die Liebe schuldig bleiben. Nicht, dass wir Fehler machen, ist das Problem, sondern dass wir sie nicht verzeihen. Du aber bist Gott und siehst mit Nachsicht auf uns. Du bist nicht auf Strafe aus, sondern darauf, unser liebloses Herz zu heilen und uns die gottlose Angst zu vergeben. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 23. Mai 2022

Die Richtung muss stimmen hl

Losung: Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist! Psalm 81,2 

Lehrtext: In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben. 2.Korinther 6,4.10

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer die Hotline, also das Servicetelefon einer Firma oder Bank anruft, freut sich, wenn am anderen Ende der Leitung ein Mensch sitzt, der freundlich, verständnisvoll, hilfsbereit, kompetent und geduldig ist. Im besten Fall sind diese Leute gut geschult und sind Aushängeschilder für ihre Firma. Schließlich will man ja die Kunden nicht verprellen. Die Firmenleitung erwartet von ihren Mitarbeitenden zurecht, dass sie mit ihrem Verhalten dem Ruf der Firma förderlich sind.

Genau darum geht es auch dem Apostel Paulus im Lehrtext. An seinem Verhalten soll deutlich werden, dass er ein „Diener Gottes“ ist und ihm Ehre macht. Darum schreibt er in seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth (2.Korinther 6,3-10):

Wie Paulus Gott Ehre macht

»Niemand soll uns persönlich etwas Schlechtes nachsagen können, damit nicht unser Auftrag in Verruf gerät. In allem empfehlen wir uns als Gottes Mitarbeiter: Wir bleiben standhaft in Bedrängnissen, in Not und Schwierigkeiten, auch wenn man uns schlägt und einsperrt, wenn wir aufgehetzten Menschen ausgeliefert sind, bis zur Erschöpfung arbeiten, uns kaum Schlaf gönnen und auf Nahrung verzichten. Wir lassen uns nichts zuschulden kommen und erkennen Gottes Willen; wir sind geduldig und freundlich, Gottes Heiliger Geist wirkt durch uns, und wir lieben jeden Menschen aufrichtig. Wir verkünden Gottes Wahrheit und leben aus seiner Kraft. Zum Angriff wie zur Verteidigung gebrauchen wir die Waffen Gottes: das richtige Verhalten vor Gott und den Menschen. Dabei lassen wir uns nicht beirren: weder durch Lob noch Verachtung, weder durch gute Worte noch böses Gerede. Man nennt uns Lügner, und wir sagen doch die Wahrheit. Für die Welt sind wir Unbekannte, aber Gott kennt uns. Wir sind Sterbende, und dennoch leben wir. Wir werden geschlagen und kommen doch nicht um. In allen Traurigkeiten bleiben wir fröhlich. Wir sind arm und beschenken doch viele reich. Wir haben nichts und besitzen doch alles« (Lehrtext, Übersetzung: Hoffnung für alle).

Nicht auf die Palme

Nein, ich kann das von mir nicht sagen. Ich kann so wie Paulus meinen Glauben nicht leben. Das würde mich überfordern. Aber die Tendenz, die aus seinen Worten spricht, soll auch für mich eine Orientierung in meinem Leben als Christ sein. Und diese Tendenz heißt für mich, dass ich in meinem Verhalten nicht reflexartig auf das reagiere, was mir widerfährt. Ich will immer wieder versuchen, meine Enttäuschungen, seelischen Verletzungen, mein jeweiliges körperliches Befinden, meine negativen Gefühle wie Wut, Abneigung und dergleichen zu beherrschen und sie nicht an anderen auszulassen. Ich will versuchen, so gut es geht, besonnen zu bleiben und nicht auf jede Palme zu klettern, die man mir in den Weg stellt. Ich will versuchen, meinen guten Mut zu behalten, weil ich meinem Gott, so gut ich kann, Ehre machen und das Evangelium von Jesus Christus durch mein Verhalten nicht verdunkeln möchte.

Ich schreibe bewusst: „Ich will das versuchen.“ Und das heißt eben nicht, dass ich das alles könnte und schon gar nicht, dass mir das leicht fiele. Doch wenn ich auch noch weit vom Ziel entfernt bin, ein solches Leben führen zu können, möchte ich doch in der richtigen Richtung unterwegs sein. Ich möchte mich darum immer wieder korrigieren und korrigieren lassen, wenn ich von diesem Weg abweiche. Das aber kann ich jetzt schon tun: Gott ein fröhliches Lied singen gerade dann, wenn mir nicht danach zumute ist. Danach bin ich fast immer „besser drauf“ (Losung).

Gebet: Herr, du weißt, viel zu oft lasse ich mich noch aus meinem inneren Gleichgewicht bringen, wenn mich etwas stört. Dann schäme ich mich, wenn ich mich nicht so verhalten habe, wie ich sollte. Ich möchte so gern als Christ glaubwürdig leben, kann aber aus eigener Kraft auch nicht besser sein als andere. Darum wende ich mich an dich; denn du bist meine Stärke gerade dann, wenn ich versage. Du gibst mir wieder guten Mut und schenkst mir Freude am Glauben. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 22. Mai 2022

Schicksal UND Freiheit hl

Losung: Ich will sie durchs Feuer gehen lassen und läutern, wie man Silber läutert, und prüfen, wie man Gold prüft. Dann werden sie meinen Namen anrufen, und ich will sie erhören. Sacharja 13,9 

Lehrtext: Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird. 1.Petrus 1,6-7

Liebe Leserin, lieber Leser,

irgendwie möchte man schon verstehen, warum Menschen, die an Gott glauben und ihn lieben trotzdem leiden müssen. Die Verfasser der biblischen Schriften haben sich immer wieder mit einer Antwort herumgequält. Einmal meinen sie, dass das Leiden eine Strafe für geheime oder unerkannte Sünden sei. Ein anderes Mal meinen sie, Leiden und Anfechtungen seien Bewährungsproben, die ans Licht bringen, wie tief und echt der Glaube eines Menschen wirklich ist (Losung und Lehrtext). Und dann gibt es noch die Antwort des Hiob Buches, demzufolge Gottes Handeln für uns Sterbliche unergründlich ist. Dann können wir das, was uns widerfährt, nur hinnehmen und im besten Fall annehmen. Ich neige der dritten Antwort zu und glaube, dass Gott in jeder Hinsicht, im Guten wie im Bösen mein Schicksal ist. Manchmal leuchtet es mir ein. Manchmal verstehe ich es nicht.

Feinabstimmung in Evolution und Schicksal

Naturwissenschaftler sagen, dass das gesamte Universum in physikalischer und chemischer Hinsicht vom ersten Augenblick, vom größten bis zum kleinsten Objekt und Ereignis auf das Feinste abgestimmt ist. Ohne diese 'Feinabstimmung' würde es unser Sonnensystem, unsere Erde und uns Menschen nicht geben. Zu dieser Feinabstimmung gehören auch Katastrophen wie Vulkanausbrüche, Erdbeben, Einschläge von riesigen Meteoren usw., ohne die Leben nicht möglich wäre.

Und so frage ich mich, warum es neben der physikalischen und chemischen Feinabstimmung nicht auch eine geben sollte, die das Schicksal jedes einzelnen Menschen bestimmt. Schließlich war jeder von uns bereits seit der Geburt des Universums vor 13,8 Milliarden Jahren eine Möglichkeit, die Wirklichkeit geworden ist. Schließlich ist Gott die alles (!) bestimmende Wirklichkeit. Doch damit komme ich sofort in eine Aporie, in den unauflösbaren Widerspruch zwischen einem vorherbestimmten, unabänderlichen Schicksal und der Willensfreiheit des Menschen, der Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen kann.

Zwei Sichtweisen - eine Wirklichkeit

Mir leuchtet am ehesten die doppelte Betrachtungsweise ein: Wenn ich glaube, dass ein unabänderliches Schicksal über mir waltet, dann rede ich mir selbst dazwischen und sage: ‚Moment mal, es spricht auch sehr viel dafür, dass du einen freien Willen hast und Verantwortung übernehmen kannst.‘ Und wenn ich davon überzeugt bin, dass es sich so verhält, sage ich mir: ‚Langsam, da ist immer noch ein Gott über dir, dessen Wille geschieht und der deine Wege kennt.‘ Für beides finde ich in der Bibel Belege. Was auch immer geschieht, hat diese zwei Seiten. Darum haben für mich beide Sichtweisen ihre Berechtigung. Doch die eine stimmt nur, wenn zugleich die andere im Blick ist.

Ich will das mit der Betrachtung einer Dose vergleichen. Schaust du genau von oben darauf, siehst du nur einen Kreis. Betrachtest du sie genau von vorn, siehst du nur ein Rechteck. Beide Ergebnisse sind richtig. Doch zur Dose wird der Gegenstand erst, wenn du sie in ihren drei Dimensionen anschaust. Um das zu erkennen, was alles wirklich ist, fehlen uns ein paar Dimensionen. Nur Gott, so glaube ich, kennt seine Schöpfung in allen ihren Erscheinungsweisen und Dimensionen.

Die eigenen Grenzen erkennen

Wir bleiben mit den Möglichkeiten unseres, ausschließlich an irdische Voraussetzungen angepassten Gehirns, Lichtjahre und Quantensprünge dahinter zurück. Was wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten erkennen können, muss uns genügen, um in dieser Welt zurechtzukommen. Doch zu diesen Möglichkeiten gehört auch, dass wir uns unserer Begrenztheit bewusst werden. Wie begrenzt wir Menschen tatsächlich sind, zeigt nicht zuletzt die Unfähigkeit, unsere negativen Gefühlen zu beherrschen: Angst und Gier, Aggression und Hass. Klimakatastrophe, Corona-Epidemie und die Kriege in Afghanistan, Libyen, Jemen und jetzt in der Ukraine sprechen Bände. Ein Wunder, dass es uns überhaupt noch gibt. Ein Wunder, dass Gott so viel Geduld mit uns hat. Ihn können wir nicht erkennen wie er an und für sich ist, sondern nur glauben, wie er sich uns in Jesus zeigt.

Gebet: Herr, du bist in jeder Hinsicht mein Schicksal. Doch zugleicht gibst du mir die Möglichkeit, dass ich mich als willensfrei und verantwortungsfähig erleben kann. Mein Glaube hilft mir, dass ich mich nicht mit meinem Verstand überhebe und wähne, ohne dich leben zu können. Mein Verstand hilft mir, dass ich mich nicht im Glauben überhebe und allzu plumpe Antworten auf schwierige Fragen gebe. Ich danke dir für alles Gute, das Menschen mit ihrem Verstand entdeckt haben und so zum allgemeinen Wohl beitragen. Ich danke dir für den Glauben, der mir hilft, mich nicht vom Bösen überwinden zu lassen, sondern es mit Gutem zu überwinden; aus dem ich Trost erfahre und Zuversicht schöpfe; durch den ich dir in Jesus Christus begegne, der mich segnet und heilt, liebt und beschützt. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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