Sonntag, 11. August 2019

Zufall oder Gott? hl

Kirchweihpredigt von Hans Löhr bei der Niederoberbacher Zeltkirchweih

Liebe Kirchweihgemeinde,

böse Zungen behaupten, die Niederoberbacher seien unentschlossen. Sie könnten sich nicht entscheiden, ob sie nun Niederbacher oder Oberbacher heißen möchten. Ich behaupte, die Niederoberbacher sind besonders kompromissbereit, was eben auch in ihrem Ortsnamen zum Ausdruck kommt. Und darum spreche ich in dieser Predigt heute die Niederoberbacher in erster Linie an und frage: Worin unterscheidet sich eure Kirchweih vom Münchner Oktoberfest und vom Nürnberger Volksfest? Nun, das Oktoberfest ist für die Münchner und seine Besucher aus aller Welt. Das Volksfest ist für Nürnberger und seine Besucher aus dem Umland. Die Kirchweih in Niederoberbach aber ist nicht nur für die Niederoberbacher und ihre Gäste, sondern zugleich das Fest der Niederoberbacher.
Und damit meine ich: Die Volks- und Kirchweihfeste in größeren Städten werden von bestimmten Zeltwirten, von kommerziellen Gastronomen und von professionellen Schaustellern ausgerichtet. Und Besucher sind ausschließlich Konsumenten. In Niederoberbach aber, wie auch nächste Woche in Thann, sind es die Bewohner selber, die ihre Kirchweih ausrichten, die selbst kochen, ausschenken und kassieren; die selbst das Zelt aufbauen und wieder abbauen; die selbst für das Unterhaltungsprogramm sorgen und die selbst auch diesen Zeltgottesdienst hier mit vorbereitet haben.
Die Kirchweih in diesem Dorf ist eure Kirchweih und nicht nur ein Kirchweihfest für euch. Damit das so ist, braucht es eine Dorfgemeinschaft, braucht es Leute, die bereit sind, bei der Kirchweih mitzuarbeiten. Die sich engagieren und etwas für andere tun. Freilich sind das meistens immer dieselben. Glücklicherweise wachsen aber immer auch neue Mitarbeiter nach. Und auch die Gäste sind weithin dieselben. Glücklicherweise kommen aber auch immer wieder neue hinzu.
Ihr, die ihr hier mitarbeitet und auch ihr, die ihr als Gäste zur Kirchweih kommt, sorgt dafür, dass in unseren Dörfern noch gemeinsam gefeiert werden kann. So kann ein Gemeinschaftsgefühl entstehen, das die Voraussetzung für ein Dorfleben ist. Und darum ist Niederoberbach auch ein lebendiges Dorf, in dem etwas los ist, und nicht eines von den toten Dörfern, von denen es leider auch welche gibt. Gerade die Dorffeste tragen dazu bei, dass Menschen zusammenkommen und sich als eine Gemeinschaft erleben. Gerade die Dorffeste verbinden und stärken das Zusammenleben.
Hier auf der Kerwa (fränkisch Kirchweih) feiern wir das Leben. Solange es und schmeckt, solange wir uns treffen, geht‘s uns verhältnismäßig gut. Aber machen wir uns denn auch bewusst, wie gut es uns geht? Ist uns eigentlich klar, was wir für Glückspilze sind? Zum einen haben wir großes Glück, dass wir zu dieser Zeit in diesem Land leben ohne Hunger, Krieg und Flucht. Darum beneiden uns die meisten Menschen auf der Erde. Zum anderen sind wir aber auch deshalb Glückspilze, weil wir das große Los gezogen haben. Denn die Wahrscheinlichkeit in dem riesigen Universum, das uns umgibt, eine gewisse Zeit leben zu können, ist so gering, dass sie niemand begreift.
Wir können uns keine Vorstellung davon machen, was von Anbeginn der Welt alles geschehen musste und muss, damit wir jetzt in diesem Augenblick hier im Kirchweihzelt sein, Gottesdienst feiern und anschließend miteinander essen und trinken können. Die Physiker sprechen in diesem Fall von der Feinabstimmung des Universums und nehmen als Vergleich 10 hoch 55 Rasierklingen, die so exakt auf der Schneide übereinandergestapelt sind, dass dieser Turm nicht umfällt. 10 hoch 55 ist eine Eins mit 55 Nullen. Zum Vergleich: Eine Million ist eine Eins mit sechs Nullen. Nur weil das Universum von Anfang an so hauchfein abgestimmt ist, gibt es Leben auf der Erde, gibt es uns.
Gläubige Menschen sprechen in diesem Zusammenhang von Gottes Wundern. Ungläubige zucken mit den Schultern und sprechen von Zufall. Du kannst es dir aussuchen, wem du das unfassbare Wunder deines Lebens verdankst. Sage ruhig Zufall. Es wird dich kein Blitz treffen. Niemand wird dich deswegen strafen. Aber wenn du Zufall sagst, dann bist auch du ein Zufall. Dann sind deine Kinder Zufall, deine Enkel. Dann ist alles Zufall. Dann kann alles so oder so sein, diesen Wert oder keinen Wert haben. Zufall eben.
Dann sind für dich alle Fragen beantwortet, denn auf jede Frage, die du stellst, gibt es dann nur noch diese eine Antwort: Zufall. Und wenn dich dann Mädchen fragt: „Liebst du mich?“ Kannst du sagen: „Ja, zufällig.“ Und wenn sie sagt: „Ist dieser Sonnenuntergang nicht schön?“ Kannst du sagen: „Das ist nur zufällig so.“ Und wenn dir jemand von einem tollen Song vorschwärmt, ist deine Antwort: „Das ist nichts Besonderes, nur eine zufällige Anordnung von Tönen.“ So eine Antwort ist der Tod jeder Romantik und eines jeden schönen Gefühls. Und wenn dir einer dein Auto klaut und du regst dich auf, kann er sagen: „Ich bin nur zufällig vorbeigekommen. Und dann bin ich zufällig damit weggefahren. So ein dummer Zufall.“ Und wenn du schwerverletzt im Straßengraben liegst, kann einer, der vorbeikommt sagen: „Zufällig habe ich gerade keine Zeit. Aber vielleicht hilft dir ja der Zufall.“ Ja, mit dem Zufall kannst du alles erklären und alles beantworten.
Ich spreche nicht von Zufall. Ich spreche von Gott und sage: Er hat das unermessliche Universum und die winzige Erde und dich und mich geschaffen. Ihm verdanke ich alles, was ich bin und habe. Nichts, was geschieht, geschieht ohne seinen Willen. Alles hat seinen Wert. Und das alles deshalb, weil er die Menschen, weil er dich und mich liebt. Das zeigt er mir in Jesus, der nicht aufgehört hat uns Menschen zu lieben auch als man ihn ans Kreuz geschlagen hat.
Für mich ist Er die Antwort auf alle Fragen. Manchmal verstehe ich die Antwort nicht. Oft aber bin ich dankbar für mein Leben und das meiner Kinder und Enkel. Für die Wiesenblumen und Insekten, ohne die wir nicht leben könnten. Für die Lerchen und Feldhasen. Für Sonnenuntergänge und Mondnächte. Für die Musik, für einen funktionierenden Staat, für den Wohlstand, den Frieden und vieles andere mehr. Und ich bin dankbar für meinen Glauben.
Sooft ich mir das bewusst mache, werde ich wieder zufriedener und gelassener. Doch dem Zufall kann ich nicht dankbar sein. Ihm kann ich keine Loblieder singen. Zu ihm kann ich nicht beten. Auf ihn kann ich mich nicht verlassen. Ich entscheide mich für Gott, wie er sich mir in Jesus zeigt. Er macht mein Leben reich. Und du? Wofür entscheidest du dich?
Kürzlich war ich auf einer Beerdigung. Da ging es um die Frage, warum wir alle sterben müssen. Die Antwort ist offengeblieben. Aber ich habe mir gedacht: Wir müssen alle einmal sterben, weil wir alle leben dürfen. Beides gehört zusammen. Eines gibt‘s nicht ohne das andere. Nur wer stirbt, hat zuvor gelebt. Und darauf kommt es doch an. Zum Leben gehört eben auch, dass man sich trifft, gemeinsam feiert und gemeinsam isst und trinkt. Zum Leben gehört, dass man miteinander redet und lacht. Dass man gemeinsam singt und guter Dinge ist wie jetzt auf der Niederoberbacher Kerwa. Und wenn jemand jammert, dass er sterben muss, warum freut er sich nicht auch, dass er leben darf? Wir sagen schnell: „Warum nur geht es mir so schlecht?“ Aber wir sagen selten: „Warum nur geht es mir so gut?“
Und das Leben, liebe Freunde schätzen und lieben wir umso mehr, als wir den Satz aus dem 90. Psalm beherzigen: „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.“
Ja, ihr Jüngeren hier, lasst es euch von uns Älteren sagen: „Gestern waren wir noch jung. Heute schon sind wir alt. Und wir wundern uns, wohin all die Jahre gekommen sind. Denn das Leben fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Manchmal, wenn ich Motorrad fahre, denke ich an diesen Satz: als flöge ich davon.
Darum lasst uns das Leben nicht noch gegenseitig schwer machen. Es ist doch oft schon so schwer genug. In der Bibel im Buch des Predigers Salomo steht das Wort: „Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass wir Menschen in dem kurzen Leben, das Gott uns zugemessen hat, nichts Besseres tun können als essen und trinken und es uns wohl sein lassen bei aller Mühe, die wir haben. So hat Gott es für uns bestimmt.(Prediger 5,17 GNB)
Das wollen wir heute tun. Die Kirchweih ist dazu da, dass wir uns für ein paar Augenblicke gemeinsam unseres Lebens freuen und daran denken, wem wir es verdanken. Darum loben und danken wir Gott mit den Liedern, die wir hier singen und mit unserem Gebet.
Böse Zungen behaupten, die Niederoberbacher seinen unentschlossen. Sie könnten sich nicht entscheiden. Ich glaube das nicht. Wer heute im Zeltgottesdienst war, der weiß, dass es eine bessere Antwort gibt als den Zufall.
Amen


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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

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