Samstag, 7. Dezember 2019

Ins Licht hl

Losung: Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung. Psalm 43,3

Lehrtext: Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. 1.Johannes 1,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

als ich vor einigen Jahren eine jüngere Frau bestatten musste, die an Krebs gestorben war, sagte ich bei der Trauerfeier sinngemäß: 'Sie geht uns jetzt voraus ins Licht. Alles was sie zuletzt an das Leid und die Schmerzen in diesem Leben gefesselt hat, fällt nun von ihr ab: die Schläuche und Kabel der medizinischen Apparate, die Verbände und was sonst noch an ihr Sterben erinnert. Sie geht unbeschwert, aufrecht und frei dem Licht entgegen und die Schatten fallen hinter sie. So geht sie zu dem, der von sich sagt „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis bleiben, sondern das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12) Er ist auch unser Licht in dieser und in jener Welt. In ihm finden wir den Weg nach Hause.' (Losung)
     Viele Menschen, die eine Nahtod-Erfahrung erlebt haben, auch solche, die nicht glauben, erzählen davon, dass sie an diesem Scheidepunkt zwischen Leben und Tod, zwischen Tod und Leben ein strahlendes Licht gesehen haben. Das ist ihre ganz persönliche Erfahrung, die man nicht verallgemeinern, aus der man keine Beweise ableiten kann. Doch diese Erfahrung kann zu denken geben und trösten.
     Bei diesen Gedanken fällt mir ein Kanon ein, den ich vor vielen Jahren gesungen habe, und dem unsere heutige Losung zugrunde liegt. Mit ihm bete ich:

Gebet:
Sende dein Licht und deine Wahrheit,
dass sie mich leiten zu deiner Klarheit
und ich dir danke, dass du mir hilfst.
Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Freitag, 6. Dezember 2019

... aber er hilft uns auch hl

Losung: Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
Psalm 68,20

Lehrtext: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Römer 8,28

Liebe Leserin, lieber Leser,

kannst du das auch sagen, was Paulus im Lehrtext sagt? Ich kann das nur sagen, wenn ich das Wort „wissen“ durch das Wort „hoffen“ ersetze. Ja, das hoffe ich, dass auch die Dinge, die schwer für mich sind, die mir nicht gefallen, die mir weh tun und die ich nicht verstehe – dass auch sie mir letzten Endes zum Besten dienen müssen, weil Gott es so will. Doch das zu hoffen und zu glauben ist alles andere als einfach, wenn du solche Dinge gerade als Last tragen musst.
     In der Losung heißt es, dass Gott es ist, der uns Lasten auflegt, sie uns aber auch tragen hilft und wieder abnimmt. Auch das ist schwer zu glauben. Aber seit den Zeiten des Alten Testaments erfahren Gläubige das, was sie belastet und bedrückt auch als eine Art Prüfung, ob sie, wie Hiob sagt, „nicht nur das Gute, sondern auch das Böse von Gott annehmen“ können. (Hiob 2,10).
     Ich glaube, dass gerade auch die schweren Dinge im Leben dazu beitragen, dass man innerlich wachsen und seelisch stärker werden kann. Sie können wertvolle Erfahrungen sein, auf die man im Nachhinein nicht verzichten möchte.
     Trotzdem wünsche ich jedem und so auch dir, dass uns solche Lasten erspart bleiben. Wenn wir sie aber tragen müssen, dass dann auch gilt und sich erfüllt, was Jesus sagt:
     »Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab.« (Matthäus 11,28+29)
    
Gebet: Herr, du hast mir kein Leben ohne Leid und Last versprochen. Und so soll sich auch dann mein Gottvertrauen bewähren, wenn ich sie tragen muss. Aber du hast versprochen, dass ich mit meinen Lasten zu dir kommen kann und du es mir leichter machen wirst. Darauf hoffe ich und darauf, dass mir auch die schweren Dinge in meinem Leben zum Besten dienen müssen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Donnerstag, 5. Dezember 2019

Sanfter Wind hl

Losung: Vor dem HERRN her kam ein großer und gewaltiger Sturmwind, der Berge zerriss und Felsen zerbrach, in dem Sturmwind aber war der HERR nicht. Und nach dem Sturmwind kam ein Erdbeben, in dem Erdbeben aber war der HERR nicht. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, in dem Feuer aber war der HERR nicht. Nach dem Feuer aber kam das Flüstern eines sanften Windhauchs. 1.Könige 19,11-12

Lehrtext: Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Johannes 4,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie hältst du’s mit der Gewalt?
„Sine vi, sed verbo“, „Ohne Gewalt, sondern mit dem Wort“, lautete ein Grundsatz der Reformatoren vor 500 Jahren. Hätten sich die Christen, gleich welcher Konfession, nur immer daran gehalten!
     Die Geschichte, aus der die Losung kommt, erzählt, dass Gott dem Propheten Elia nicht in den Naturgewalten Sturm, Erdbeben und Feuer begegnete, sondern im „Flüstern eines sanften Windhauchs“. Und Jesus hat lieber die andere Backe hingehalten als zurückzuschlagen. „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“, sagt er von sich und nennt die selig, die selbst sanftmütig sind und Frieden stiften. „Sine vi, sed verbo“.
     Wohl die meisten Menschen, oder soll ich besser sagen Männer?, neigen in Konfliktfällen von Natur aus zur Gewalt. Wie sonst soll man sich die vielen Kriege und Gewaltexzesse bis heute erklären? Doch wer Christ sein will, hat an sich selbst den Anspruch, auf Gewalt zu verzichten. Das verlangt Selbstbeherrschung und Einsicht. Das verlangt, Konflikte in Gesprächen zu lösen und nicht mit Fäusten oder Waffen. Das verlangt vor allem die Fähigkeit zur Selbstkritik und die Bereitschaft zur Versöhnung.
     Es bedeutet einen großen Fortschritt, dass in demokratischen Gesellschaften der Staat mit seinen Polizeiorganen das Gewaltmonopol hat und niemand sich auf eigene Faust mit Gewalt Recht verschaffen darf. Das wirkt nach innen befriedend.
     Doch die Gewaltbereitschaft nach außen, gegenüber anderen Staaten in Form von Rüstung und Militär, bewirkt das meines Erachtens nicht. Das habe ich aus der Geschichte gelernt. Und so ist es ein Trugschluss, von notwendigen Kriegen auf Kosten vieler Opfer und unsäglichen Leids zu sprechen, wenn man dabei außer Acht lässt, dass jeder Krieg eine Vorgeschichte hat, in der die Verantwortlichen versagt haben. Auch der aktuelle Krieg in Afghanistan hat seine Vorgeschichte, als die Amerikaner die Taliban noch aufgerüstet haben.
     Die Römer hatten ihren Kriegsgott Mars. Wir haben Jesus, den „Friedefürst“, wie es in der Bibel heißt. In ihm wirkt Gottes Geist, der Geist des Friedens und der Versöhnung. Der lieber flüstert als schreit. Der keine Gewalt nötig hat, weil sein Wort aufs Ganze mächtiger ist als jede Gewalt, jede Rüstung und alles Militär.  
    
Gebet: Herr, ohne den Geist deines Friedens wird nicht Friede weder im Großen noch im Kleinen. Schenke der Welt diesen Geist und fange bei mir damit an. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Mittwoch, 4. Dezember 2019

Wem Gott was schuldet hl

Losung: Der HERR sprach: Ich will diese Stadt beschirmen, dass ich sie errette um meinetwillen. 2.Könige 19,34

Lehrtext: So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des Heiligen Geistes. Apostelgeschichte 9,31

Liebe Leserin, lieber Leser,

damit das klar ist, Gott schuldet dir gar nichts. Mir auch nicht. Aber sich selbst. Und er ist sich schuldig, dass er um seiner selbst willen seine Zusagen einhält und dein Gott ist und bleibt. Mit dir hat das nichts zu tun, mit mir auch nicht. Wir können ihn zu nichts verpflichten, zu nichts bewegen, zu nichts überreden. Wir können mit ihm nicht handeln, wie alle Religionen, auch die christlichen, meinen. Opfer welcher Art auch immer, sind sinnlos. Spenden ebenfalls, wenn wir sie seinet-  und unseretwegen geben statt anderen Menschen zuliebe, die in Not sind.
     Dass er unser Gott sein will, ist seine freie Entscheidung als Vater, Sohn und heiliger Geist. Das können wir im Glauben dankbar annehmen und auf seine Liebe vertrauen. Mehr braucht es nicht. Mehr ist auch nicht gut, sonst rutschen wir wieder in die hochmütige Versuchung ab, mit Gott religiöse Tauschgeschäfte betreiben zu können.

Seit mehr als dreitausend Jahren thront die Stadt Jerusalem auf dem Berg Zion. 
  • Gegründet wurde sie von Heiden, den Jebusitern, 
  • erobert von David 1000 v.Chr.
  • zerstört vom Babylonier Nebukadnezar 588 v.Chr. 
  • und noch einmal von dem Römer Titus 70 n.Chr. 
  • erobert von den muslimischen Sassaniden 614 n.Chr., 
  • mehrfach erfolglos umkämpft von den Kreuzfahrern im Hochmittelalter. 
  • verwaltet von den Briten nach dem Untergang des osmanischen Reiches 1919. 
  • Zurückerobert und annektiert von Juden 1948 teilweise und 1967 vollständig.
     Bei so vielen Kriegen und Kämpfen ist es wie ein Wunder, dass es Jerusalem heute überhaupt noch gibt. Die Hauptstädte der Großmächte des Alten Orients, der Assyrer, Babylonier, Ägypter und Perser sind verschwunden. Die Stadt Jerusalem steht noch immer.

Faszinierende Stadt

     Doch ein allgemeingültiger Beweis ist das leider nicht, dass unser heutiges Losungswort stimmt. Höchstens ein Zeichen für Menschen, die glauben. Wer als ein solcher heute Jerusalem besucht, kann sich der Faszination dieser Stadt nicht entziehen. Für Juden und Israelis ist sie ein Symbol ihrer Freiheit und Macht, ihrer Geschichte und Tradition und der Ort, an dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte. Für Christen ist sie der Ort, an dem Jesus von Menschen gefangen, gefoltert, verhört und gekreuzigt, von Gott aber auferweckt wurde. Für sunnitische Muslime ist sie der Legende zufolge der Ort, an dem Mohammed mit seinem Pferd in den Himmel geritten ist.
     Eines aber ist Jerusalem ganz und gar nicht: eine heilige Stadt. Abgesehen davon, dass nichts und niemand heilig ist als Gott allein, ging und geht es in Jerusalem sehr irdisch und sehr menschlich zu mit viel Leid und Streit bis heute.
     Aber als gläubiger Mensch kann ich das so sehen, dass Gott diese Stadt bis heute „beschirmt“, nicht um der Juden, der Christen oder Muslime willen, sondern um seinetwillen, um seines Sohnes Jesus Christus willen, in dem er zu mir kommt und zu dir.
    
Gebet: Herr, du allein bist der Geber aller Gaben und ich bin der mit den leeren Händen. Auch mein Leben kann ich dir nicht übergeben, denn es gehört dir sowieso. Und jedes Gebet, jedes Lob, jeder Dienst am Nächsten und jeder Gottesdienst kann nicht mehr sein als ein Dankeschön. Du bist mir nichts schuldig. Aber du gibst mir und allen deinen Menschen, was wir brauchen ob wir glauben oder nicht. Alles, was du geschaffen hast, gehört dir, auch ich. Das zu wissen, tut gut. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 3. Dezember 2019

Warum Beten Sinn macht hl

Losung: Hilf uns, HERR, unser Gott; denn wir verlassen uns auf dich. 2.Chronik 14,10

Lehrtext: Wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Matthäus 7,8

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Glauben erfahre ich, dass Gott mich beschenkt noch ehe ich ihn darum bitte (Matthäus 6,8). Warum soll ich es dann trotzdem tun?

Beten stärkt Gottvertrauen

     Ich verstehe den Lehrtext so: Wer da bittet, wird zuversichtlich, dass er bekommt, was Gott ihm schon längst geben will. Wer da sucht, der findet heraus, dass er von Gott längst gefunden ist. Und wer da anklopft, der erfährt, dass die Tür für ihn längst offensteht.
     Wer aber nicht bittet, weiß nicht, woher das Gute in seinem Leben kommt und hat keine Vertrauen, dass Gott ihm auch künftig geben wird, was er braucht. Wer aber nicht sucht, hat keine Ahnung, dass Gott ihn längst gefunden hat und nicht mehr verlieren wird. Und wer im Gebet nicht anklopft, wie soll der glauben, dass er ein Zuhause hat, wo die Tür für ihn offensteht?
(Lehrtext)
     Im Glauben verlasse ich mich auf Gott, dass er mir helfen und geben wird so wie er das bisher getan hat. (Losung)
    
Gebet: Herr, ich weiß nicht, ob jeweils in deinem Sinn ist, worum ich dich bitte. Viele Gebete erhörst du. Manche aber auch nicht. Doch darauf vertraue ich, dass du dein Versprechen hältst und mir geben wirst, was nach deinem Willen gut für mich ist. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Montag, 2. Dezember 2019

Glauben ohne Angst hl

Losung: Fürchte dich nicht und verzage nicht! Josua 8,1

Lehrtext: Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. 1.Johannes 4,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

diesen Satz aus der heutigen Losung würde ich gern auf mich beziehen. Und generell stimmt er ja auch, weil Gott im Alten und Jesus im Neuen Testament immer wieder einmal sagt: „Fürchte dich nicht!“. Aber der Zusammenhang, in dem das heutige Bibelwort steht, ist abstoßend.

Hinrichtung und Krieg

     Im Josua-Buch wird erzählt, wie Gottes Zorn darüber entbrennt, dass ein Israelit sein Verbot, sich nach der Eroberung Jerichos etwas von der Beute zu nehmen, missachtet hatte. Darauf folgt die Hinrichtung des Schuldigen. Er und seine ganze Familie samt den Kindern werden vom Volk gesteinigt und danach verbrannt (Sippenhaft). Dann kommt der Satz aus der Losung mit der Aufforderung Gottes an Josua, ein weiteres Mal in den Krieg zu ziehen.
     Nun kann man wissen, dass es aus der Zeit, die hier berichtet wird, keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt. Die Geschichtswissenschaft kann auch nicht belegen, ob es Josua und die Eroberung Jerichos, wie sie erzählt wird, überhaupt gegeben hat.

Das strategische Interesse der Verfasser

     Wichtiger finde ich, mit welchem Interesse eine solche und andere Geschichten im Alten Testament verfasst und weitererzählt wurden. Die Israeliten in späteren Zeiten sollten damit ermahnt werden, Gottes Gebote unbedingt und ohne Ausnahme zu erfüllen, weil ihnen sonst Unheil droht. Wenn sie das aber tun, dann bleibt Gott auf ihrer Seite und hilft ihnen, ihre Feinde zu vernichten.
     Uns heute befremdet ein solches strategisches Vorgehen. Wir würden gerne wissen, ob das tatsächlich so gewesen ist und stimmt, wie es in der Bibel steht. Aber das scheint früher nicht so wichtig gewesen zu sein. Hauptsache die Absicht ist richtig. Und die hieß in diesem Fall: Gottes Gebot unter allen Umständen und vollständig erfüllen, wenn man seine Hilfe und seinen Segen möchte.

Die ganz andere Gotteserfahrung

     An diesem Beispiel wird wieder mal deutlich, wie sehr sich Jesus von bestimmten religiösen Traditionen seines Volkes absetzt. Seine Gotteserfahrung geht weit darüberhinaus. Und so begegnet mir in ihm der Gott des Friedens und der Barmherzigkeit, welcher mit dem Gott aus dem Josua-Buch nur noch wenig gemein hat.

     Der Zusammenhang, aus dem der Lehrtext stammt, spricht für sich selbst. Diese Worte gehören zum Zentrum des Evangeliums und meines Glaubens:

Liebe vertreibt Angst

     »Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Wir haben erkannt, dass Gott uns liebt, und wir vertrauen fest auf diese Liebe. Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin hat Gottes Liebe ihr Ziel erreicht, dass wir dem Tag des Gerichts voller Zuversicht entgegengehen können. Denn wir sind in dieser Welt schon ebenso mit dem Vater verbunden, wie Christus es ist. Wirkliche Liebe ist frei von Furcht. Ja, wenn Gottes vollkommene Liebe uns erfüllt, vertreibt sie sogar die Angst (Lehrtext). Wer sich also fürchtet und vor der Strafe zittert, bei dem ist Gottes Liebe noch nicht zum Ziel gekommen. Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat(1. Johannes-Brief 4,15-19. Übersetzung: „Hoffnung für alle“. Die zentralen Aussagen sind von mir kursiv gesetzt.) Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.
    
Gebet: Herr Jesus Christus, in dir erkenne ich und erfahre ich, wer und wie Gott zu mir und allen Menschen ist. Vor ihm muss ich mich nicht fürchten. Zu ihm darf ich kommen, so oft ich seine Nähe und Hilfe brauche. Und er kommt zu mir und bleibt bei mir in Zeit und Ewigkeit. Das tröstet mich und gibt mir Zuversicht. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Sonntag, 1. Dezember 2019

Wie erfülle ich Gottes Willen? hl

LosungHERR, wer sollte dich nicht fürchten, du König der Völker? Dir muss man gehorchen. Jeremia 10,7

Lehrtext: Der Gott des Friedens mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus. Hebräer 13,20.21

Liebe Leserin, lieber Leser,

in dieser Welt gibt es viele Gesetze, die dazu beitragen, dass wir leben können. An erster Stelle sind das die Naturgesetze, die nicht von Menschen nach deren Belieben in Kraft oder außer Kraft gesetzt werden können. Wer auf den Eiffelturm steigt und springt, weil er meint, das Naturgesetz der Schwerkraft gelte nicht für ihn, der ist tot und wenn er noch so glaubt.

Gesetze, nach denen alle leben

     In dieser von Gott geschaffenen Welt herrschen Gesetze, die musst du befolgen, weil du gar keine Wahl hast. Oder du kannst dich gleich verabschieden. Wir alle leben nach diesen Gesetzen, ohne dass wir darüber nachdenken, ganz gleich ob wir Christen sind oder Atheisten. In dieser Hinsicht stimmt der Satz aus der Losung: „Dir, Herr, muss man gehorchen.“
     Doch da ist noch Gottes Wille, wie ihn Jesus verkündet hat. Er hat alle 613 Gebote und Verbote des Judentums in dem einem Satz zusammengefasst: „Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten (egal ob Freund oder Feind) wie dich selbst!“ Das genügt.

Dieses Gebot geht über meine Kraft

     Klingt gut, klingt einfach und geht doch über meine Kraft. Was mache ich dann, der ich doch, wie die Losung sagt, Gottes Willen gehorchen muss? Mir bleibt nichts anderes übrig, als mir den Segenswunsch aus dem Hebräerbrief (Lehrtext) zu eigen zu machen und Gott zu bitten:

Gebet: Herr, von dir kommt aller Friede. Hilf mir, in jeder Hinsicht das Gute zu tun und deinen Willen zu erfüllen. Jesus Christus gib mir die Kraft, das zu tun, was Gott gefällt. Amen

     Damit ist auch klar, dass kein Mensch von einem anderen einfordern kann, Gottes Willen zu tun. Aber er kann ihn dabei in einer guten Weise unterstützen und für ihn wie für sich selbst im Sinn des Lehrtextes beten. Allerdings bleibt dann von kirchlichen Geboten und Verboten, Pflichten und Lebensordnungen nicht mehr viel übrig. Sie alle sind Menschenwerk zur Sicherung der Organisation und der Macht. Sie stehen und fallen damit, ob sie das Leben der Menschen erleichtern und Gottes Willen erfüllen, wie ihn Jesus verkündet hat.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Samstag, 30. November 2019

Du bist Jerusalem. Du bist Gottes Tattoo. hl

Losung: Du wirst erfahren, dass ich der HERR bin, an dem nicht zuschanden werden, die auf mich harren. Jesaja 49,23 

Lehrtext: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Römer 12,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

um die heutige Losung besser zu verstehen, bringe ich hier den ganzen Bibelabschnitt, in dem sie steht. Ich meine, es lohnt sich, über den Gesamtzusammenhang nachzudenken. Schließlich geht es darin um dich und um mich:

Du bist Jerusalem

     „Jerusalem klagt: »Ach, der HERR hat mich im Stich gelassen, er hat mich längst vergessen!« Doch Gott antwortet: »Kann eine Mutter ihren Säugling vergessen? Bringt sie es übers Herz, das Neugeborene seinem Schicksal zu überlassen? Und selbst wenn sie es vergessen würde – ich vergesse dich niemals! Unauslöschlich habe ich deinen Namen auf meine Handflächen geschrieben! Das verspreche ich dir! Noch liegst du in Trümmern. Doch schon bald werden so viele Menschen bei dir wohnen, dass der Platz knapp wird. Aber von denen, die dich verschlingen wollten, ist weit und breit nichts mehr zu sehen. ‹ Ja, ich, der HERR, kündige dir an: Ich will die Völker herbeiwinken. Sie werden deine Söhne auf ihren Armen herbei-tragen und deine Töchter auf den Schultern. Könige hüten deine Kinder, und Königinnen sind deine Ammen. Voll Ehrfurcht werfen sie sich vor dir zu Boden und küssen dir den Staub von den Füßen. Wenn das geschieht, wirst du erkennen, wer ich bin: Ich bin der HERR! Ich enttäusche keinen, der mir sein Vertrauen schenkt. (Losung) Du wendest ein: ›Man kann doch einem mächtigen Herrscher nicht die Beute abnehmen, und einem Tyrannen kann man die Gefangenen nicht entreißen!‹ Doch ich, der HERR, verspreche: Genau das wird geschehen! Wer dich angreift, den greife ich an! Ich selbst werde deine Kinder befreien. Ich bin der HERR, dein Retter, dein Erlöser, der starke Gott Israels!«

Du bist Gottes Tattoo

Du bist Jerusalem. Wenn es dir richtig schlecht geht, lies diese Sätze aus Jesaja Kapitel 49 (leicht gekürzt). Sie gelten dir. Du hast Einwände, du hast Zweifel? Gott hat Macht und Kraft, dein Schicksal zu wenden. Glaube nicht deinen Einwänden und Zweifeln. Glaube ihm. Vertraue seinem Versprechen; er wird dich nicht enttäuschen. Sei guten Mutes, dass er seine Zusagen erfüllt. Bleibe in deinem Leid geduldig. Hör nicht auf zu beten (Lehrtext). Er kann dich nicht vergessen. Du bist sein Tattoo in seiner Hand - unauslöschlich.

Gebet: Herr, bevor ich aufgebe, werfe ich mich in deine Arme und schreie zu dir: Enttäusche mich nicht. Halte dein Versprechen. Vergiss mich nicht und rette mich. Du bist der Herr auch über mein Schicksal. Du hast die Macht es zu wenden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Freitag, 29. November 2019

Arche Jesus hl

Losung: Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten. Psalm 103,13

Lehrtext: Jesus spricht: Ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen. Matthäus 8,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

und was ist mit uns, den Europäern, die im Norden wohnen und den Schwarzafrikanern aus dem Süden? Werden die nicht kommen? Werden die im Himmelreich keinen Platz am Tisch haben? Schließlich spricht Jesus im Lehrtext nur von den Menschen aus dem Osten und dem Westen. Doch das glauben nicht mal die christlichen Fundamentalisten oder die Zeugen Jehovas, die sonst auf den Wortlaut der Bibel pochen. Ja, wenn‘s um die eigene Haut, besser, um die eigene Seele geht, wird man zur Not schnell ein bisschen liberal.
     Der Sinn des Lehrtextes ist natürlich, dass das Himmelreich keine Grenzkontrollen hat und keine Obergrenzen kennt, wer da noch aufgenommen wird. Ob da die Engel dagegen protestieren? Oder vor allem die, die schon da sind?

Keine Grenzkontrollen

     Aber jetzt wieder ernsthaft: Gottes Reich hat keine Grenzen und darum wird auch niemand ausgeschlossen, nicht einmal die „Ungläubigen“. Dazu muss man nur die Geschichte lesen, die den Lehrtext enthält. Jesus sagt in ihr von dem römischen Hauptmann, einem Heiden, der ihn um Hilfe gebeten hatte: »Eins ist sicher: Unter allen Juden in Israel bin ich keinem Menschen mit einem so festen Glauben begegnet wie ihm.« (Matthäus 8,10)
     Doch was hatte denn der römische Hauptmann geglaubt? Kannte er die jüdischen Gesetze auswendig? Kannte er die Psalmen oder andere Bibelworte? Kannte er das Glaubensbekenntnis? Hatte er all die Voraussetzungen erfüllt, die damals dazu berechtigten, zu den frommen und reinen Juden zu gehören und damit zum Volk Gottes? Nein. Das alles traf nicht zu. Nach dem Urteil der damaligen Kirche blieb der römische Hauptmann ein Ungläubiger, ein Unreiner, ein Heide. Aber was hat er denn dann geglaubt, wenn Jesus so anerkennend von ihm spricht?

Wie du glaubst ist wichtiger als was

     Jesus ging es weniger um das Was des Glaubens als um das Wie. Wer weiß, was der Hauptmann tatsächlich geglaubt hat. Vielleicht war er ein treuer Anhänger seiner römischen Religion und befolgte genau die vorgeschriebenen Rituale. Aber das hat Jesus offenbar nicht interessiert. Ihm war viel wichtiger, dass dieser Mann im entscheidenden Augenblick sein ganzes Vertrauen, seine ganze Hoffnung auf ihn gesetzt hat. Für den Soldaten war Jesus der rettende Strohhalm, an den er sich klammerte. Und dieser „Strohhalm“ erwies sich als tragfähig, erwies sich als Arche Noah, besser, als „Arche Jesus“, die nicht nur den Hauptmann retten würde und dessen Knecht, sondern die ganze Welt: Den Osten und den Westen, den Norden und den Süden. Denn in ihm begegnet der barmherzige Gott einem jeden Menschen, damit keiner verloren geht.    

Gebet:
Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.
Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.
Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,
und vergibt ihnen beiden.

„Christen und Heiden“ von Dietrich Bonhoeffer

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Donnerstag, 28. November 2019

Böse, die Gutes tun hl

Losung: Wende dich, HERR, und errette meine Seele, hilf mir um deiner Güte willen! Psalm 6,5

Lehrtext: Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten! Matthäus 7,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du böse? Natürlich nicht. Oder vielleicht doch ein bisschen so ganz im hintersten Winkel deines Herzens, wo du deine negativen Gedanken versammelt hast, deine Vorbehalte gegen andere, die du nicht magst, deine Abneigungen?

Ich bin kein Engel. Und du?

     Ich selbst brauche mir diese Frage gar nicht erst zu stellen. Ich weiß, dass ich kein Engel bin. Aber ich weiß auch, dass ich zu denen, die mir am Herzen liegen, gut sein kann. Und bei dir ist das vielleicht genauso (Lehrtext).
     Jesus beschreibt immer wieder das Verhältnis zwischen Gott und Mensch als eines zwischen Vater und Kindern. Und so bin ich froh, dass er den Satz aus dem heutigen Lehrtext sagt, dass Gott mir Gutes gegeben hat, gibt und geben wird so wie auch dir. Und er tut das nicht, weil ich das verdient hätte, sondern weil ich es brauche. Das hilft mir, auch selbst immer wieder gut zu sein zu denen, die ich mag und ein bisschen zu den anderen auch.

Was das Gebet bewirkt

     Doch gibt Gott nur denen Gutes, die ihn bitten? Das glaube ich nicht. Aber das glaube ich, dass, wer Gott bittet, weiß, dass das Gute von ihm kommt. Das Gebet bewirkt nicht erst, dass Gott sich mir zuwendet (vergleiche auch die Losung). Das tut er sowieso. Aber es zeigt mir wie ein Kompass die Richtung, woher alles kommt, was ich bin und habe. Beim Beten vergewissere ich mich, woher die Hilfe und Rettung kommt, die ich brauche.

Gebet: Herr, immer wieder bitte ich dich für dies und das, für mich selbst, für meine Familie und Freunde. Du gibst uns, was gut für uns ist, auch ohne dass ich darum bitte. Aber wenn ich bete, habe ich das gute Gefühl, dass meine Sorgen und Bitten bei dir aufgehoben sind und dein Wille geschieht. Amen

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Mittwoch, 27. November 2019

Was dich erneuert hl

Losung: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott. 3.Mose 19,2

Lehrtext: Er hat uns geboren nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir die Erstlinge seiner Geschöpfe seien. Jakobus 1,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Erstlinge“? (Lehrtext) - Komisches Wort. Ich denke da gleich an Trump und sein „America first“ (Amerika zuerst), an Johnson und sein „Great Britain first“, an die Nationalisten in unserem Land und ihr „Deutschland zuerst“. Ich denke an die Polen und Ungarn, an den Türken Erdogan, an die Nationalisten in Israel, Russland, China und so weiter. - Sie alle wollen vorn dran sein.
     Wenn aber alle immer nur die Ersten sein wollen, bleibt das Gemeinsame auf der Strecke. Da wird es dann ganz schön eng an der Spitze. Und aus dem Gerangel um den ersten Platz kann schnell ein gewaltsamer Konflikt oder gar ein Krieg werden. Die Geschichte liefert dafür viele, zu viele Beispiele.

Wir sind immer noch dieselben alten Menschen

     Lese ich den Lehrtext in einer neuen Übersetzung, dann heißt er: »Es war Gottes Wille, dass er uns durch das Wort der Wahrheit, durch die rettende Botschaft, neues Leben geschenkt hat. So sind wir der Anfang seiner neuen Schöpfung geworden.« Das klingt gleich etwas freundlicher. Aber mit dem „Anfang seiner neuen Schöpfung“, also mit uns Christen, ist es auch nicht so weit her, wenn man die letzten 2000 Jahre betrachtet. Da müsste die Welt schon ganz anders aussehen, wenn das zuträfe. Die Welt ist immer noch die alte. Und wir Christen sind immer noch dieselben alten Menschen, ob uns das gefällt oder nicht. Wir unterscheiden uns in unseren Genen, Gefühlen, Stimmungen, Gedanken, Verhalten etc. in nichts von anderen Menschen. Wir sind immer noch „der alte Adam“, wie Luther sagt. Unterscheiden wir uns wenigstens im Glauben von ihnen?
     Darum glaube ich nicht, dass Jakobus nach 2000 Jahren Erfahrungen mit dem Christentum den Satz aus dem Lehrtext heute noch einmal so schreiben würde. Vermutlich wäre er inzwischen ein ganzes Stück nüchterner, bescheidener und demütiger.

Glaube im Alltag heißt der neue Ton

     Und doch, irgendetwas Neues muss doch mit den Menschen, die an Jesus Christus glauben und auf ihn vertrauen in diese alte Welt gekommen sein. Und wenn es nur eine verschwindende Minderheit ist, auf die das zutrifft. Dieses Neue ist für mich, dass ich in dem Glauben und Vertrauen lebe, dass Gott bei mir ist am Tag und in der Nacht und es gut mit mir meint. Wenigstens einen Abglanz von seiner Liebe möchte auch ich an die Menschen weitergeben, mit denen ich zu tun habe: An die anonymen Menschen, mit denen ich telefoniere, weil ich mit dem Produkt, das ich gekauft habe, nicht zurechtkomme. An den abgehetzten Paketboten, dessen Namen ich nicht kenne. An den Mitarbeiter der Bank, über die ich mich ärgere … Wenn sich mein Glaube bewährt, dann im Alltag.
     Doch, das wünsche ich mir von anderen Christen und erwarte ich von mir selbst, dass durch uns ein neuer Ton in die alte Welt kommt, weil uns immerhin etwas heilig ist, weil uns kein Geringerer als Gott heilig ist (Losung).
    
Gebet: Herr Jesus Christus, du allein bist der neue Mensch, wie Gott ihn will. Du erneuerst auch mich, wenn ich dir vertraue und folge. Ich selbst kann mich nicht am Schopf aus meinem alten Leben ziehen. Durch dich habe ich die Hoffnung, dass nicht alles beim Alten bleibt, weil du selbst sagst: „Ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5). Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 26. November 2019

Das Leben lieben hl

Losung: Du tust mir kund den Weg zum Leben. Psalm 16,11

Lehrtext: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist. Philipper 3,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch die Zeiten, in denen ich unglücklich war, gehören zu meinem Leben. Auch sie haben mich geprägt und mit dazu beigetragen, dass ich jetzt der bin, der ich bin und da bin, wo ich bin. Aber ich wühle nicht ständig in der Vergangenheit und bemitleide mich selbst. Gegenwart und Zukunft sind mir wichtiger. Trotzdem folge ich dieses Mal nicht dem Apostel Paulus, der schreibt:

Weltflucht ins Himmelreich

     »Um Christus allein geht es mir. Ihn will ich immer besser kennen lernen: Ich will die Kraft seiner Auferstehung erfahren, aber auch seine Leiden möchte ich mit ihm teilen und mein Leben ganz für Gott aufgeben, so wie es Jesus am Kreuz getan hat. Dann werde ich auch mit allen, die an Christus glauben, von den Toten auferstehen. Noch bin ich nicht am Ziel angekommen. Aber eins steht fest: Ich will vergessen, was hinter mir liegt, und schaue nur noch auf das Ziel vor mir. Mit aller Kraft laufe ich darauf zu, um den Siegespreis zu gewinnen, das Leben in Gottes Herrlichkeit. Denn dazu hat uns Gott durch Jesus Christus berufen.« (Philipper 3,10-14)

Die Probleme des Paulus sind nicht die meinen

     In einem habe ich den gleichen Wunsch wie Paulus: Auch ich möchte Christus immer besser kennenlernen und die Kraft seiner Auferstehung erfahren, aber nicht im Jenseits, sondern in diesem Leben. Denn ich lebe viel zu gern und bin Gott dankbar für die Zeit, die ich hier auf der Erde verbringen darf. Ich liebe seine Schöpfung und seine Geschöpfe. Dazu gehören in erster Linie meine Kinder und Enkelkinder. Warum soll ich mich von ihnen wegwünschen? Warum soll ich Ihnen davonlaufen „in Gottes Herrlichkeit“, wie Paulus sagt. Nun gut, er hatte keine Frau, keine Kinder und Enkel und er hatte ein, wie ich meine, problematisches Verhältnis zu seinem irdischen Leben, zu seiner Sexualität, zu dieser Welt. Das ist sein Problem, aber nicht meins.
     Und ich brauch mich auch nicht abzustrampeln, um einmal in Gottes Herrlichkeit zu sein. Den Weg dorthin hat Jesus längst geebnet und die Tür hat er längst weit aufgetan. Ich brauche mir keine Sorgen mehr zu machen um ein Leben nach dem Tod. Dafür hat Gott gesorgt. Und darauf vertraue ich. Stattdessen will ich jetzt in dieser Zeit „den Weg zum Leben“ weitergehen, „den Gott mir kundtut“ (Losung).

Zuversichtlich und entspannt

     Auch an meinem Lebensende will ich nicht vergessen, was hinter mir liegt, sondern dankbar auf das zurückblicken, was Gott mir alles geschenkt hat und wie er mir auch in schwierigen Zeiten geholfen hat. Und dann warte ich zuversichtlich und entspannt darauf, wie er alles zu einem guten Ende bringen wird.

Gebet: Herr, ich kann beim Blick auf mein bisheriges Leben nur dankbar sein. Auch die schweren Zeiten von Unglück und Leid haben mich weitergebracht, vor allem im Glauben. Und darum lebe ich gern und freue mich an der Schöpfung, die du mir geschenkt hast, insbesondere an meinen Kindern und Enkeln. Ja, es ist ein schöner Gedanke, dich einmal von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Doch bis dahin möchte ich noch ein bisschen auf deiner Erde bleiben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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