Donnerstag, 20. Juli 2017

Nur du hl

LosungBei dir finden die Verwaisten Erbarmen. Hosea 14,4

LehrtextDas sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis. Offenbarung 2,8-9 

Also ich, liebe Leserin, lieber Leser, 

habe zunächst an arme Waisenkinder gedacht, als ich die heutige Losung gelesen habe. Ich habe mir auch gleich schon in diese Richtung Gedanken für die Auslegung gemacht. Doch dann habe ich noch mal das Bibelwort in seinem Zusammenhang nachgelesen und plötzlich ergibt es einen völlig anderen Sinn. Denn da heißt es in einer neuen Übersetzung: »Wir verlassen uns nicht mehr auf die Assyrer, wir setzen unser Vertrauen auch nicht auf Pferde und Reiter. Wir werden nie wieder das, was wir mit eigenen Händen gemacht haben, als unseren Gott verehren! Denn nur du hilfst den Menschen, die schutzlos und verwaist sind.« (Hosea 14,4)
     Hm, schon wieder so ein politischer, pazifistischer Vers. In unsere Zeit übertragen würde er dann wohl heißen: „Wir verlassen uns nicht mehr auf die Streitkräfte der Amerikaner in unserem Land, wir setzen unser Vertrauen nicht auf Panzer und Kampfjets (wie sie Deutschland und Frankreich jetzt wieder gemeinsam bauen wollen). Wir werden nie wieder das, was wir mit eigenen Händen gemacht haben (unsere Autos, Häuser, Waffen und Geld), als unseren Gott verehren. Denn nur du hilfst denen, die schutzlos und auf sich allein gestellt sind.“      
     Ich möchte es Ihnen / dir überlassen, darüber nachzudenken, was das für deine Weltanschauung bedeutet, für deine politische Einstellung und dein Verhalten bei Wahlen. »Nur du«, heißt es hier von Gott. Gilt das wirklich für das ganze Leben und nicht nur für seine religiösen Nischen, für den Gottesdienst am Sonntag und die stille Zeit am Morgen...?
     Im Lehrtext spricht Christus durch den Seher Johannes zur Gemeinde von Smyrna. Sie wird verleumdet und von der römischen Militärdiktatur verfolgt (Bedrängnis). Er sagt, dass er um ihre Not weiß. Und dann heißt es da noch: „Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! ... Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“
     Gott sei Dank werden wir in Deutschland nicht wegen unseres Glaubens verfolgt. Aber weltweit sind es Christen, die nach wie vor am stärksten verfolgt werden, nicht zuletzt in muslimischen Ländern wie Saudi-Arabien. Mit diesem Staat machen die Christ(!)-Demokraten und die Sozialdemokraten in der Regierung dicke Geschäfte. Tja, wenn's ums Geld geht, bleibt die Moral meistens auf der Strecke. 
     Aber ich finde, dass der Lehrtext durchaus auch denen etwas zu sagen hat, die jetzt aus anderen Gründen leiden. Gerade das Leid vermag ja beides, es kann Menschen zu Gott hinführen, aber auch wieder wegführen. Und darum wird, wer leidet, ermutigt, im Glauben treu zu bleiben. Denn nicht das Leid wird das Letzte sein, sondern die „Krone des Lebens“. Mich tröstet, dass es dabei mehr noch auf Gottes Treue ankommt als auf meine. Und wenn ich einnmal nicht mehr die Kraft haben sollte, ihm treu zu bleiben. Er hat sie. Darauf verlasse ich mich.

Gebet: Herr, es tut gut zu hören, dass du es weißt, wenn es mir schlecht geht. Es tut gut zu hören, dass du dann an mich denkst, mehr noch, dass du mir auf vielfältige Weise hilfst oft ohne, dass ich es bemerke. So bitte ich dich für alle, die jetzt um sich selbst oder Angehörige Angst haben müssen, die krank sind oder verzweifelt, dass du bei ihnen bist in ihren Gebeten und nahe kommst durch Menschen, die sich ihrer annehmen. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 19. Juli 2017

Das beste Heilmittel des Arztes hl

LosungIch bin der HERR, dein Arzt. 2.Mose 15,26 

LehrtextDurch Christi Wunden seid ihr heil geworden. 1.Petrus 2,24 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn man dich fragt, wer dein Arzt ist, wirst du vermutlich den Namen des Hausarztes oder der Hausärztin nennen. So mache ich es auch. Aber der heutigen Losung zufolge müsste ich sagen: "Gott ist mein Arzt." Für diese Antwort würde ich bestimmt schief angesehen. Aber ist es nicht wirklich so? Wenn es um Krankheit und Gesundheit geht, so ist Gott, der Schöpfer des Lebens, mein eigentlicher Arzt. Die sonstigen Ärzte können seine Instrumente sein, mit denen er mir hilft. Mehr nicht. Doch sie werden von ihren Patienten oft zum „Halbgott in Weiß“ gemacht, von dem man sich Wunderdinge verspricht, obwohl auch die besten Ärzte nur mit Wasser kochen und nicht zaubern können. 
     Ich bin froh, dass es viele tüchtige Ärzte gibt, die die richtige Diagnose stellen und mit geeigneten Mitteln und Methoden die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen. Ja, Ärzte können Leben retten und dafür sind sie zu Recht angesehen. Aber sie können nicht verhindern, dass Menschen immer wieder krank werden und sterben. Manchmal ist eben auch ein guter Arzt machtlos. 
     Das beste Heilmittel, das ein Arzt hat, ist das Vertrauen, das ich in ihn setze. Mein Vertrauen ist umso größer, wenn ich weiß, dass auch der Arzt seine Arbeit im Vertrauen auf Gott macht. Dann bin ich doppelt in guten Händen, in denen des irdischen und in denen des himmlischen Arztes. Das stärkt die Selbstheilungskräfte ungemein, die Gott mir gegeben hat. Und jeder Arzt ist gut beraten, wenn er sie nützt.
     Aber nicht nur der Körper, auch die Seele kann krank werden und leiden. Im Grunde gilt da das gleiche wie auch bei den körperlichen Leiden. Aber einen bedeutenden Unterschied gibt es doch. Die Bibel sagt, nur durch Jesu Leiden und Sterben am Kreuz ist meine Seele gesund und frei geworden von den zerstörerischen Kräften der Sünde. Das bringt kein menschlicher Seelenarzt fertig und ich selbst erst recht nicht.

Gebet: Herr, schon oft habe dich gebeten, meine Gesundheit zu erhalten. Und noch immer hast du meine Gebete erhört. Aber ich weiß auch, dass ich schon morgen schwer krank sein kann. Dann brauche ich dich erst recht. Dann musst du mir auch helfen, es zu lernen, mit meiner Krankheit so lange zu leben wie sie eben dauert. Dann brauche ich viel Geduld, viel Hoffnung und Kraft für Leib und Seele, dass ich meinen Teil dazu beitrage, wieder gesund zu werden. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr 

Dienstag, 18. Juli 2017

Mach dich nicht selbst unglücklich hl

LosungDie Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten. Psalm 25,10 

LehrtextWer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. Lukas 16,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was meinst du, wird man von Gott belohnt, wenn man seine Gebote hält und bestraft, wenn man sie bricht? So ungefähr habe ich es als Kind und Jugendlicher gelernt. Inzwischen sehe ich das etwas differenzierter. Die Zehn Gebote sind Grundprinzipien des Lebens. Das ist auch bei Nichtgläubigen allgemein anerkannt, wenn man mal von den ersten beiden Geboten absieht. Wer sie beachtet, kann sich und anderen manches Leid ersparen. Wer sie bricht, muss mit den Folgen leben. 
     Aber die Folgen sind keine Strafe Gottes, sondern das, was ich mir selbst zuzuschreiben habe. Wenn einem als Kind verboten wird, auf die heiße Herdplatte zu langen und man tut's trotzdem, sind die Folgen keine Strafe der Eltern, sondern das Ergebnis eines nicht gerade intelligenten Verhaltens. 
     Ich finde, das Reden davon, dass Gott belohne und strafe ist ein Ausdruck von Religion, aber nicht von Glaube. Ist im Interesse bestimmter Menschen, Kleriker zumal, die sich damit Macht und Autorität anmaßen, aber nicht im Interesse Gottes. Dass im Alten Testament von Belohnung und Strafen durch Gott die Rede ist, widerspricht dem nicht. Auch das Alte Testament enthält viel Religion, aber eben auch Glaube. Und deshalb möchte ich die heutige Losung zweiteilen: der erste Teil ist Glaube, der zweite Religion. Ja, die Wege des Herrn sind lauter Güte und Treue für alle. Punkt. Wer auf ihnen geht, macht sich nicht selbst unglücklich.
     Der heutige Lehrtext heißt im Zusammenhang und in einer neueren Übersetzung: »Nur wer im Kleinen treu ist, wird es auch im Großen sein. Wenn ihr bei kleinen Dingen unzuverlässig seid, werdet ihr es auch bei großen sein. Geht ihr also schon mit dem Geld, an dem so viel Unrecht haftet, nicht gut und treu um, wer wird euch dann die Reichtümer des Himmels anvertrauen wollen? Wenn ihr schon die Güter nachlässig verwaltet, die Gott euch nur vorübergehend anvertraut hat, wie soll er euch dann die Dinge schenken, die wirklich euch gehören sollen?« So sagt es Jesus nach dem Evangelium des Lukas. Diese Lebensweisheit ist so offensichtlich, dass sie keiner weiteren Erklärung mehr bedarf.
 
Gebet: Herr, du selbst bist der Weg, auf dem ich durch die Wechselfälle des Lebens finde. Weil du gütig und treu bist, lässt du mich nicht ins Verderben rennen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 17. Juli 2017

Oder? hl

LosungEr wird Frieden gebieten den Völkern. Sacharja 9,10 

LehrtextPetrus sprach: In jedem Volk, wer Gott fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle. Apostelgeschichte 10,35-36 

Liebe Leserin, lieber Leser,

in fünf Monaten ist bereits Adventszeit. Dann wird in den Kirchen wieder dieses Bibelwort vorgelesen: Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel. Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sacharja 9,9+10). 
     Das hört sich doch gut an. Aber wie hört es sich an, wenn man dieses Wort auf unsere Zeit überträgt? Wenn es dann heißt: Ihr Menschen in Deutschland, freut euch sehr. Jesus, euer König, kommt zu euch, arm und ohne Porsche, sondern in einem klapprigen Kleinwagen. Er wird die amerikanischen Kampfhubschrauber vernichten in Ansbach-Katterbach und die Panzer der Bundeswehr in Veitshöchheim und wird die Schlachtschiffe im Kriegshafen in Kiel versenken...
     Das hört sich doch gleich ein bisschen anders an. Oder? Warum fängt Jesus mit dem Vernichten des Kriegsgerätes nicht bei denen an, vor denen man sich in Deutschland fürchtet, bei den Russen oder Chinesen? Warum soll ausgerechnet von unserem Land Frieden ausgehen? Das haben sich die Leute damals in Jerusalem vermutlich auch gefragt. Warum wir? Warum bei uns? Und warum sollen wir uns darüber freuen?
     Am besten, man nimmt die Bibel nicht beim Wort, vor allem dann nicht, wenn es für einen selbst unangenehm wird. Oder? Und außerdem ist ja da ohnehin von einer fernen Zukunft die Rede, die mit unserer Gegenwart nichts zu tun hat und uns also nichts angeht. Oder? Und wenn schon der Herr den Völkern Frieden gebietet (Losung), dann möge er doch gefälligst erst mal bei den anderen damit anfangen. Wir sind doch sowieso schon friedlich. Oder?
     Im Lehrtext ist vom Frieden die Rede, welchen Gott durch Christus unter uns Menschen gestiftet hat. Damals hat Petrus zum Ärger der rechtgläubigen Juden gesagt, dass Gott die Person nicht ansieht, nicht ihre Stellung, nicht ihre Nationalität, ja nicht einmal ihre Religion, sondern dass ihm jeder in jedem (!) Volk angenehm ist, der ihn achtet und Recht tut. Das war damals radikal. Das war revolutionär. Das hat die bisherige religiöse Ordnung auf den Kopf gestellt. Aber das enthält auch eine entscheidende Einsicht: Ohne Frieden in und unter den Religionen wird und kann es keinen Frieden in und unter den Völkern geben.

Gebet: Herr, wir Menschen sind unfähig, den Krieg zu verbannen, auf Gewalt zu verzichten, den Irrsinn aufzugeben, als ob Waffen uns schützen könnten. Immer wieder rennen wir ins eigene Verderben. Und so klage ich dir unseren Unglauben, unser mangelndes Gottvertrauen, unsere Unfähigkeit zu einem dauerhaften Frieden. Erbarme dich! Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Sonntag, 16. Juli 2017

Steh auf! (Predigt) hl

Liebe Freunde,
ich weiß den Namen des Mädchens nicht mehr, das etwas ungelenk an unserer Reisegruppe vorbeiging, mit einem zu schmächtigen Körper für den normal ausgebildeten Kopf. Aber ich erinnere mich noch genau, wie sie uns angelächelt hat. Und mir schien, als ob es das selbstgewisse Lächeln einer Siegerin ist. Nennen wir sie Latifa, zu Deutsch: die Anmutige.
Das war vor ein paar Wochen im palästinensichen Dorf Beit Jala bei Bethlehem. Damals war ich mit einer Reisegruppe unserer Gemeinde in Israel und Palästina unterwegs.
Wir haben viele biblische Stätten aufgesucht am See Genezareth, in Jerusalem und eben auch in Bethlehem. Der See, die Städte und die Landschaft mit ihren Bergen sind immer noch da, wo sie zur Zeit Jesu waren. Aber wo genau Jesus was getan hat, lässt sich heute nicht mehr sagen. Und deshalb hat man sich schon bald Orte für die verschiedenen Geschichten gesucht, um einen Anhaltspunkt dafür zu haben, was die Bibel berichtet. Alles in allem war es eine beeindruckende und darum unvergessliche Reise in einer harmonischen Gruppe.
Aber, wie gesagt, wir haben nicht nur biblische Sehenswürdigkeiten besucht, sondern auch den Ort, an dem uns Latifa begegnet ist, das Mädchen mit dem anmutigen Lächeln. Wie alt sie wohl war? Acht Jahre oder zehn Jahre? Schwer zu sagen. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Latifa vom Personal in Lifegate mit stürmischem Applaus gefeiert, als sie ihre ersten Schritte ohne Geh-Hilfen gemacht hat, die ersten Schritte in ihrem Leben, zum ersten Mal aufrecht auf ihren Beinen.
Unter den Applaudierenden war auch Burghard Schunkert. Er hat das Zentrum 1991 gegründet und leitet diese Rehabilitationseinrichtung bis heute. Wir haben ihn Mitte Juni getroffen. Er hat uns durch das Haus geführt und von Lifegate erzählt, das von vielen Spendern aus Deutschland unterstützt wird. Im Internet heißt es dazu:
Kinder und Jugendliche mit körperlicher und / oder geistiger Behinderung leben in den Palästinensergebieten am Rande der Gesellschaft. Fördermaßnahmen und Bildungsprogramme von öffentlicher Seite, die ihnen eine Chance für ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, sind so gut wie nicht vorhanden. Ein gesetzliches Sozialversicherungssystem fehlt ebenso wie eine spezielle finanzielle Unterstützung für Menschen mit Behinderung.
Mit einem Team von palästinensischen und deutschen Fachkräften stellt sich Lifegate dieser Herausforderung. Unsere Arbeit beruht auf unserer Hoffnung und Liebe zu allen Menschen, die im christlichen Glauben wurzelt und in unsere Arbeit einfließt. Menschen mit Behinderung werden bei Lifegate das von vielen Spendern aus Deutschland unterstützt wird an- und aufgenommen. Wir helfen ihnen, ein gesundes Selbstwertgefühl und Vertrauen aufzubauen – Schlüssel zur Motivation für unser Lernprogramm und ihr ganzes Leben.
Lifegate heißt auf Deutsch „Tor ins Leben“. Dieses Tor hat sich auch für die kleine Latifa aufgetan, die jetzt aus eigener Kraft und auf eigenen Beinen durch dieses Tor in ein selbstbestimmtes Leben gehen kann. Dazu haben Mitarbeiter von Lifegate das Mädchen jahrelang behandelt und trainiert, haben die Familienmitglieder miteinbezogen und sie immer wieder motiviert, dem Kind eine Chance zu geben. Sie haben die Hoffnung für Latifa nicht aufgegeben und auch in Zusammenarbeit mit israelischen Ärzten alles versucht, um ihm zu helfen. Sie haben Spenden gesammelt und ständig die Behandlungsmethoden verbessert. Und sie haben geglaubt an Latifa, an den Erfolg ihrer eigenen Arbeit, aber zuerst und vor allem an Gott.
Dort, wo einst die Krippe gestanden hat und Jesus auf die Welt gekommen ist, dort leben, arbeiten und glauben heute Menschen in seinem Geist, im Geist der Liebe und der Hoffnung.
Als ich Latifa und ihre Geschichte kennenlernte, musste ich unwillkürlich an die Begebenheit aus dem Lukasevangelium denken. Da heißt es: »Eine Frau hörte Jesus zu. Seit achtzehn Jahren war sie verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich: „Du bist von deinem Leiden erlöst!“ Er legte seine Hände auf sie. Sofort richtete sie sich auf und dankte Gott von ganzem Herzen.«
Das war vor 2000 Jahren. Und auch heute werden immer noch Menschen in seinem Namen aufgerichtet sowie die kleine Latifa und wie viele andere, denen geholfen wird. Wir sehen darin kein Wunder mehr, sondern führen das auf die Kunst der Medizin zurück. Und das stimmt ja auch. Aber, so frage ich mich, heilt nicht Gott gerade auch durch die Medizin, durch Ärzte und das Pflegepersonal? Sind sie nicht allesamt seine Mittel, mit denen er Gutes tut? Und ist das nicht auch ein Wunder, dass vor mehr als 25 Jahren ein junger Christ aus Deutschland nach Bethlehem kommt und angesichts der behinderten Kinder dort seine Bestimmung entdeckt, ihnen aus seinem Glauben heraus zu helfen? Und was mich besonders beeindruckt und freut, er hilft nicht nur den Christen unter den Palästinensern, sondern genauso den muslimischen Kindern und ihren Angehörigen. Er tut das im Geiste Jesu, der sich auch über die Grenzen hinweggesetzt hat, die Menschen willkürlich gezogen haben.
Liebe Freunde, ich bin inzwischen lange genug auf der Welt, um zu wissen, dass auch viele, die äußerlich aufrecht gehen, innerlich verkrümmt sind. Da ist der smarte, braun gebrannte Typ in seinem Cabrio-Sportwagen, den immense Schulden drücken. Da ist die Mutter, auf der die Sorgen um ihre 17-jährige Tochter lasten, die Drogen nimmt. Da ist die Frau, die ahnt, dass ihr Mann fremdgeht und fürchtet, dass die Ehe zerbricht. Da ist der Familienvater, der in seiner Firma nur noch Druck hat und nicht mehr abschalten kann, wenn er zu Hause ist. Da hat jemand in der Familie eine Krebsdiagnose bekommen und ist am Boden zerstört.
Das alles kann Menschen seelisch verkrümmen und beugen, kann ihnen die Freude nehmen und das Leben vergällen. Und manchmal ist es auch eigene Schuld, die einen belastet und ein schlechtes Gewissen, das einen niederdrückt.
Doch ich kann zu allen diesen Menschen nicht einfach sagen: „Du musst halt glauben, dann wird es dir schon wieder gut gehen.“ Auch die Mitarbeiter von Lifegate haben das nicht zu Latifa gesagt. Aber sie haben selber geglaubt, an dieses Mädchen und an Gott. Und haben sich seiner angenommen und mit ihm jahrelang gearbeitet, bis das Kind eines Tages auf eigenen Füßen stand und aufrecht gehen konnte.
Aber was ist mit den Menschen, von denen ich gerade gesprochen habe, die äußerlich aufrecht gehen, innerlich aber verkümmert und verkrümmt sind? Ich meine, auch sie brauchen jemanden, an dem sie sich aufrichten können, der an sie glaubt und bei ihnen aushält, der sie nicht aufgibt und nicht links liegen lässt, sondern ihnen immer wieder Mut macht und für sie und vielleicht auch mit ihnen betet. Gott sei Dank kenne ich nicht wenige in unseren Dörfern, die das auf bewundernswerte Weise tun.
Als wir dann in Jerusalem waren, haben wir auch die Anlage von Betesda besucht, eine große Zisterne, von deren Wasser man sich zur Zeit Jesu Heilung erhofft hatte. Die Bibel erzählt von einem Gelähmten, der schon 38 Jahre am Beckenrand lag und praktisch die Hoffnung aufgegeben hatte, jemals noch geheilt zu werden. Er hatte auch niemanden, der ihm in das Heilbad hinein geholfen hätte. Als Jesus ihn sieht, fragt er ihn: „Willst du gesund werden?“ Eine komische Frage. Ist das nicht selbstverständlich? Nein, Jesus will aus dem Mund des Kranken hören, was dieser tatsächlich will, ob er aus seiner Krankengeschichte wirklich aussteigen will oder ob er sich damit abgefunden und darin eingerichtet hat. Da jammert der Kranke: „Ich hab doch niemanden, der mir hilft.“ Und Jesus sagt: „Los, steh auf, steh einfach auf, nimm die Matte, auf der du liegst, roll sie zusammen und geh!“ Das tat der Mann. Und er wusste nicht einmal, wer es war, der ihm geholfen hatte.
Diese Geschichte sagt mir: „Wenn du scheiterst, wenn du am Boden liegst aus welchem Grund auch immer, bleibt nicht liegen. Wenn du niedergeschlagen bist, richte dich in diesem Gefühl nicht ein. Wenn du seelisch leidest, nimm das nicht als ein unabänderliches Schicksal hin. Sondern steh auf! Steh auf im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Stell dich aufrecht hin. Schaue auf zu Gott und sage ihm: ‚Ich verlasse mich darauf, dass du mir hilfst. Du weißt ja, was du zu tun hast. Und ich weiß, was ich zu tun habe. Ich werde alles daran setzen, wieder hochzukommen. Ich werde darum kämpfen, dass sich meine katastrophale Lage wieder ändert. Ich werde und will mit dir zusammen kämpfen und mit dir zusammen siegen. Auch wenn es dauert. Ich werde und will mich nicht aufgeben. Es wird auch für mich deine Sonne wieder aufgehen und ein neuer Tag kommen, den du mir schenkst und an dem ich mich freuen kann‘.“
Liebe Freunde, Gott hat uns nicht dazu geschaffen, dass wir gebeugt durchs Leben gehen. Ich weiß, das sagt sich leicht. Aber trotzdem, als Menschen die ihm gehören und ihm vertrauen, können wir den aufrechten Gang wagen. Und auch wenn uns Schuld oder ein schlechtes Gewissen beugen, so vergibt er uns, damit wir ihn wieder mit einem freien Herzen loben können.
Die verkrümmte Frau, der gelähmte Mann vom Teich Betesda, die kleine Latifa, die jahrelang auf dem Fußboden leben musste, weil sie ihre Beine nicht gebrauchen konnte - sie alle sind ein Beispiel dafür, dass Gott Menschen aufrichtet sei es durch Jesus Christus oder durch andere Menschen, die in seinem Geist handeln.

Das habe ich in Lifegate erlebt. Dort gehen kranke Kinder durch ein Tor gebaut aus Glauben und Nächstenliebe ins Leben. Das macht mir Mut, selbst immer wieder aufzustehen und den nächsten Schritt zu wagen. Amen
Hans Löhr 

Samstag, 15. Juli 2017

Bin ich nicht sein Mensch? hl

LosungMose sprach zu dem HERRN: Sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist. 2.Mose 33,13 

LehrtextDer gute Hirte ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. Und wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Johannes 10,3-4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vielleicht muss man auch manchmal für sich selbst so beten, wie Mose für sein Volk und sagen: 
     Gebet: Herr, sieh doch, dass ich dein Mensch bin. Hast du mich nicht geschaffen? War es nicht dein Wille, dass es mich gibt? Heißt es nicht von dir, dass du mich liebst? Dann lass mich doch jetzt nicht im Stich. Wie soll ich denn leben ohne deine Hilfe? Ja, ich bin manchmal eigenmächtig und eigenwillig und frage nicht nach dir. Das stimmt. Und dann muss ich auch die Folgen für meine Entscheidungen tragen. Aber du bist doch ein Gott, der vergibt und ein Hirte, der sich um seine Herde kümmert. Auf dich vertraue ich. Du wirst, du kannst mich nicht enttäuschen. Amen
     Der Lehrtext ruft mir ins Gedächtnis, dass Jesus dich und mich beim Namen kennt. Wir sind ihm nicht fremd. Wir sind, um im Bild zu bleiben, seine Schafe. Und er ist mir nicht fremd. Ich kenne seine Stimme. Es ist die Stimme Gottes, die durch ihn aus der Bibel spricht. Sie hat einen freundlichen Klang. Sie flößt mir Vertrauen ein. Sie tut mir gut. Ja, er redet mit mir, täglich. Aber es liegt an mir, ob ich auch auf ihn höre oder ob ich anderen Stimmen folge.

Herzliche Grüße 

Hans Löhr  

Freitag, 14. Juli 2017

Treue, die sich bewährt hl

LosungGottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Psalm 85,10.11

LehrtextWir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. 2.Petrus 3,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ob du für dich schon mal ähnlich gebetet hast wie die Nachkommen Korachs im Psalm 85, aus dem die Losung kommt? Sie sagen zu Gott: „Du bist uns doch früher gnädig gewesen, so hilf uns auch jetzt. Zeige doch, wie sehr du uns liebst! Lass uns deine Rettung erfahren! Du sagst, denen, die dir die Treue halten, sie sollen nicht in ihre alte Unvernunft zurückfallen. Du wirst bestimmt allen helfen, die dir mit Ehrfurcht begegnen, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen." (Nach der Übersetzung "Hoffnung für alle")
     Vermutlich erlebt jeder immer wieder auch schlechte Zeiten, in denen er an die guten zurückdenkt und sich wünscht, dass es wieder so ähnlich werden möge. Und dann liegt es nahe, Gott um seine Hilfe zu bitten, aber auch selbst das Seine dazu zu tun, damit es wieder besser wird. Und was ist das, das Seine? Im Psalm heißt es, dass wir Gott die Treue halten, ihm, der uns treu war, treu ist und treu bleibt. Und wie unter Menschen, so bewährt sich auch die Treue zwischen Gott und mir gerade in Krisenzeiten. Anders gesagt, meine Treue muss sich in solchen Zeiten bewähren. Seine Treue steht außer Frage.
     Ich mag das Bibelwort aus der heutigen Losung sehr, in dem Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Damit ist eigentlich alles gesagt, was für ein gedeihliches Zusammenleben im Kleinen wie im Großen erforderlich ist. Denn wie soll man ohne Güte und Treue miteinander auskommen? Und wie soll Friede werden ohne Gerechtigkeit und Gerechtigkeit ohne Friede? Wenn es in dieser Welt wieder mehr Frieden geben soll, dann muss es auch mehr Gerechtigkeit geben gerade der reichen Länder gegenüber den ärmeren. Dann darf es auf dem Weltmarkt nicht weiterhin so ungerecht und ausbeuterisch zugehen, wie schon seit vielen Jahrzehnten.
     Wir Menschen schaffen mit unserer Anstrengung, wenn überhaupt, immer nur kleine Schritte in Richtung auf mehr Gerechtigkeit und mehr Frieden. Auch diese kleinen Schritte sind nicht zu verachten. Aber den großen Durchbruch zum endgültigen Weltfrieden und zu einer wirklichen Gerechtigkeit, den schaffen wir nicht. Das schafft nur Gott, wenn er einst alles neu macht und das Alte für immer vergangen ist. (Lehrtext)

Gebet: Herr, wer weiß, was alles noch auf uns zukommt. Wer weiß, ob wir uns nicht noch einmal zurücksehnen in diese Zeit, die wir oft nicht wertschätzen, in der wir jammern und unsere Enttäuschungen pflegen. Bei allem, was jeder von uns an persönlichen Problemen hat, geht es uns doch im Großen und Ganzen gut. Dafür will ich dir ausdrücklich danken. Ich bitte dich aber auch, dass du uns treu bleibst und uns gerade dann hilfst, wenn jeder von uns darauf angewiesen ist. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Donnerstag, 13. Juli 2017

Unfassbar und doch ganz nah hl

LosungSalomo sprach bei der Einweihung des Tempels: Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? 1.Könige 8,27 

LehrtextNiemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat es verkündigt. Johannes 1,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der vollständige Vers der heutigen Losung heißt: »Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?« Ja, König Salomon hat recht, der Himmel und aller Himmel Himmel können Gott nicht fassen. Wie sollte er da auf der Erde wohnen? Gott ist einfach zu groß als dass das Wort „groß“ für ihn passen könnte. Er sprengt alle Dimensionen. Aber was können wir mit einem solchen Gott anfangen, der für uns unfassbar ist? 
     Von Augustinus, dem Bischof von Hippo aus dem vierten Jahrhundert, wird erzählt, dass er Folgendes geträumt habe: Am Strand spielt ein Kind und schöpft mit einer Muschelschale Wasser in eine Sandkuhle. Augustinus fragt: „Was machst du da?“ Und das Kind antwortet: „Ich fülle das Meer in meine Kuhle.“ „Aber das Meer ist doch viel zu groß dafür. Das wird dir niemals gelingen.“ Da antwortet das Kind: „Und du willst Gott mit deinem Verstand fassen?“
     Dieser Gott, liebe Leserin, lieber Leser, ist Mensch geworden und lag in einer Futterkrippe, damit wir ihn mit unserem Herzen fassen können. Aber für unseren Kopf bleibt er unfassbar. Niemand kann Gott begreifen. Niemand kann ihn sehen. "Doch sein einziger Sohn, der selbst Gott ist und in enger Gemeinschaft mit dem Vater lebt, hat ihn uns gezeigt." (Lehrtext)
     Gott hat sich klein gemacht, damit ich ihn mit meinem Herzen fassen kann. Aber wenn er sich uns auch in Jesus gezeigt hat, so bleibt er doch für unseren Verstand unfassbar. Für mich als Menschen gibt es nur zwei Wege, auf denen er mir nahe kommt und ich ihm, der eine heißt Vertrauen und der andere Liebe.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mir in dem, wie du bist, was du sagst, was du tust und was du lebst Gott als meinen Vater zeigst. Du bist der Weg und die Tür. Durch dich komme ich zu ihm. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 12. Juli 2017

tätowiert hl

LosungIch will mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen; denn ich habe meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen, spricht Gott der HERR. Hesekiel 39,29 

LehrtextDurch Christus hat Gott auch euch sein Siegel aufgedrückt: Er hat euch den Heiligen Geist gegeben, den er den Seinen versprochen hatte. Epheser 1,13 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

hast du ein Tattoo? Da ich nicht weiß, ob ich mich in jüngeren Jahren nicht auch für ein Tattoo entschieden hätte, das heutzutage modern ist, will ich nicht herumkritisieren. Jetzt bin ich zu alt dafür und im Grunde auch froh, kein Tattoo zu haben. Denn es ist Ausdruck der Zeit und der Mode, in der es entstanden ist. Und da sich beides ändert, würde mich ein Tattoo festlegen auf etwas, das mit der Zeit aus der Zeit fällt. Und dass ich heute nicht mehr zeitgemäß bin, dass sagen schon meine Falten, da brauche ich nicht noch ein Tattoo.
     Aber trotzdem trage ich ein Tattoo an mir, das allerdings nicht sichtbar ist. Der Lehrtext sagt dazu „Siegel“. Demzufolge Ist meine Seele von Gott mit dem Christus-Tattoo gesiegelt oder tätowiert. Und das zeigt, wem ich gehöre. 
     Dass ich das so sagen kann, ist Ausdruck meines Glaubens. Und den habe ich nicht selbst erfunden. Für mich ist er ein Geschenk des Heiligen Geistes.
Damit man den Glauben, der eigentlich unsichtbar ist, sichtbar machen kann, „tätowieren“ manche ihr Auto mit einem Fisch-Tattoo. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit, dass der Glaube sichtbar wird, und das ist die Haltung, mit der ich anderen begegne. Nächstenliebe ist eben nicht nur ein Gefühl, sondern auch Haltung und somit ein sprechendes Zeichen.

Gebet: Herr, nicht ich habe mich für dich entschieden, sondern du dich für mich. Nicht ich habe dir mein Siegel aufgedrückt, sondern du mir deins. Jetzt bist du nicht irgendein Gott für mich, sondern der Vater Jesu Christi und somit der Gott der Liebe. Und ich bin nicht irgendein Mensch, sondern dein Kind. Amen

Herzliche Grüße 
Hans Löhr 

Dienstag, 11. Juli 2017

Der Schutzraum hl

LosungSei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen. Psalm 71,3 

LehrtextPaulus kniete nieder und betete mit ihnen allen. Da begannen alle laut zu weinen und sie fielen Paulus um den Hals und küssten ihn, am allermeisten betrübt über das Wort, das er gesagt hatte, sie würden sein Angesicht nicht mehr sehen. Und sie geleiteten ihn auf das Schiff. Apostelgeschichte 20,36-38 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wohin ziehst du dich zurück, wenn du Schutz brauchst? Schutz? Sind wir denn im Krieg? Ich glaube, manchmal muss man sich vor anderen Menschen schützen, die einem nicht gut tun oder auch vor sich selbst, wenn man sich in eine fatale Abhängigkeit begibt. Manchmal muss man sich vor seinen eigenen Sorgen schützen und vor der Angst, die einen überfällt. Du weißt selbst, was dir Sorgen und Angst macht.
     Wo ist die Burg, wo der Hort, hinter dessen starken Mauern ich sicher bin?
     Losung und Lehrtext sagen, es ist das Gebet, in das ich mich zurückziehen, in das ich flüchten kann, um bei Gott zu sein. Der Mensch im Psalm 71 betet und bindet Gott an seine Zusage, ihm zu helfen: "Du hast es doch zugesagt, also hilf mir jetzt auch. Enttäusche mich nicht. Halte dein Versprechen..." - Kann man so mit Gott reden? Man soll! 
     Und Paulus betet beim Abschied von der Gemeinde in Ephesus ebenfalls. Er betet aber nicht darum, dass ihm nichts Böses zustoßen solle. Er weiß ja, dass es Schwierigkeiten geben wird, wenn er den Glauben an Jesus verkündet, womit der sonstige Religionszirkus entzaubert wird. Er sucht aber den Schutzraum des Gebets auf, um da sein Schicksal vertrauensvoll in Gottes Hände zu legen. Und es tut ihm gut, dass er dabei nicht allein ist, sondern andere mit und für ihn beten und mit ihrer Zuneigung bei ihm bleiben und sei es nur in Gedanken.
     Wohin ziehst DU dich zurück, wenn du Schutz brauchst?

Gebet: In meiner Not fliehe ich zu dir, Herr. Öffne mir die Tür, dass ich ganz bei dir sein kann. Denn bei dir bin ich geborgen, wenn die Stürme toben. Was auch geschieht, ich vertraue darauf, dass du mir hilfst und der Weg, den ich gehen muss, zu einem guten Ziel führt. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Hinweis: Dass der erste Satz des Textes manchmal klein geschrieben wird, ist ein Fehler im Programm Google-Blogger.

Montag, 10. Juli 2017

Die ganz besondere Liebeserklärung hl

LosungAm Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 1.Mose 1,1 

LehrtextDurch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist. Hebräer 11,3 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die moderne Naturwissenschaft hat inzwischen die erstaunlichsten Erkenntnisse hervorgebracht, wie das Universum und mit ihm auch unsere Erde und das Leben auf ihr entstanden ist. Aber sie kann keine Antwort geben auf die Frage, warum Himmel und Erde entstanden sind. Zu welchem Zweck. Und was der Sinn des Ganzen ist.
     Darauf weiß wiederum die Bibel eine Antwort. Gleich im ersten Satz überhaupt macht sie eine deutliche Ansage: Gott ist es, der Himmel und Erde geschaffen hat und nicht der blinde Zufall und nicht irgendwelche Teufel und Dämonen. Und Er hat, wie der Lehrtext sagt, die Welt durch sein Wort geschaffen. Aber was war das für ein Wort? Ein Fluch? Ein Segenswort? 
     Dazu sagt das Johannesevangelium: »Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Alles wurde dadurch geschaffen. Und das Wort wurde Mensch und lebte unter uns. Wir selbst haben seine göttliche Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit, wie sie Gott nur seinem einzigen Sohn gibt.« (Joh. 1,1ff)
Und weiter heißt es im Kolosserbrief: »Er, Christus, ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. In ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und es besteht alles in ihm.«  (Kolosser 1,15-17)
     Dass es sich so verhält, das kann ich nicht an der Welt ablesen. Das kann ich aber, wie der Lehrtext sagt, durch den Glauben erkennen. So finde ich auch die Antwort auf die Frage, warum Himmel und Erde entstanden sind und welchen Sinn das Ganze hat: 
     Der Ursprung von  allem, was ist, auch der Ursprung von dir und mir, ist die Liebe Gottes. Und so glaube ich, dass es diese besondere Liebe ist, die sich in Jesus Christus gezeigt hat und durch die alles geschaffen worden ist. Es ist nicht die Liebe zu den Engeln, sondern zu mir, dem vergänglichen und fehlbaren Menschen. Es ist nicht die Liebe zu den Sternen, sondern zu dieser Erde, auf der Krippe und Kreuz gestanden haben. Es ist nicht die Selbstliebe Gottes, sondern die Nächstenliebe Jesu. 
     Aus ihm und durch ihn ist alles geworden, was ist. Er ist die menschgewordene Liebeserklärung Gottes an dich und mich - und an diese Welt. Wenn ich das durch den Glauben erkenne, dann sehe ich die Welt und die Menschen und auch mich selbst mit anderen Augen, nämlich mit den Augen Jesu. Dann mag es auf ihr zugehen wie es will. Sie ist und bleibt von Gott geliebt. Dann mag mit mir geschehen, was will. Ich bin und bleibe von Gott geliebt, so wie du auch.
     Wenn es denn irgendeinen Sinn macht davon zu reden, dass Gott Himmel und Erde geschaffen hat, dann den, dass er das aus Liebe getan hat. Das kann mir kein Naturwissenschaftler sagen. Aber das kann ich ihm sagen und mir und dir, weil ich mir das von der Bibel sagen lasse.

Gebet: Herr, es tut mir gut zu glauben und darauf zu vertrauen, dass du alles aus Liebe geschaffen hast. Über dieser Welt und meinem Leben waltet kein Fluch, sondern das Segenswort deiner Liebe. Und auch wenn es mir manchmal schwer fällt, das zu glauben, so will ich doch daran festhalten, weil du selbst es mir durch dein Wort sagst. Amen

Herzliche Grüße  

Hans Löhr

Sonntag, 9. Juli 2017

Auch dein Leben zählt (Predigt) hl

Predigt von Hans Löhr in Wernsbach Sankt Laurentius und Neuendettelsau Sankt Nicolai. Predigttext: 1. Mose 50,15-21. 

Liebe Gemeinde,
heute heißt das Thema: „Auch dein Leben zählt“. Dazu spreche ich über einen Ausschnitt aus einer der schönsten Geschichten der Bibel. Sie steht im ersten Buch Mose, in den Kapiteln 37 bis 50 und enthält alles, was eine gute und spannende Geschichte ausmacht: Leidenschaft und Gefühlsausbrüche, eine Familientragödie, ein vertuschtes Verbrechen, Höhen und Tiefen im Leben des Helden unserer Geschichte, sexuelles Begehren und Gefängnis, Träume und Pläne, Überfluss und Hungersnot und schließlich das große Happy End.
Und dieses glückliche Ende ist auch der Predigttext für diesen Sonntag. Ich lese ihn euch jetzt aus dem Alten Testament vor:
Die 10 Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater Jakob gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. Darum ließen sie ihm ausrichten: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: So sollt ihr zu Josef sagen:Vergib doch deinen Brüdern die Missetat ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. - Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters!Aber Josef weinte, als sie solches zu ihm sagten.
Hier will ich unterbrechen und sagen, warum Josef geweint hat. Er sah die Angst seiner Brüder, dass er sich nun, nach des Vaters Tod, an ihnen rächen könnte. Und noch einmal lief seine Lebensgeschichte wie ein Film vor ihm ab: Wie der Vater ihn als Kind seinen zehn Brüdern vorgezogen hatte. Wie er selbst ihnen hochmütig seine Träume erzählte, in denen er über sie herrschte. Wie sie ihn dann aus Eifersucht, Neid und Hass beseitigen wollten und ihn als Sklaven in das ferne Ägypten verkauften. Josef sah sich im Hause des Ägypters Potiphar, in dem er es bis zum Vorgesetzten über die anderen Sklaven brachte. Er sah vor sich, wie ihn Potiphars Frau verführen wollte und er daraufhin unschuldig ins Gefängnis kam. Er erinnerte sich der Träume, die er deuten konnte und dass ihn diese Begabung nach über zehn Jahren die Freiheit wieder brachte. Und nun sah er sich als Stellvertreter des Pharao, des Königs von Ägypten. Nun hätte er die Macht, sich an seinen Brüdern zu rächen und sie zu vernichten. Das alles sah Josef vor sich und die Tränen liefen ihm übers Gesicht. Und Josef sah noch etwas, dass Gott in alledem am Werk war und sein Ziel mit ihm verfolgte.
Und während er das sah, heißt es weiter in der Bibel:
Und seine Brüder gingen hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes Statt? Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.
Soweit diese Geschichte. Und jetzt frage ich dich: Was siehst du, wenn du auf dein Leben schaust? Welche Freude hast du erlebt? Und welches Leid, das sich vielleicht eingegraben hat in dein Gesicht? Welches Glück ist dir widerfahren? Welche Verluste haben dich gezeichnet und welche Narben hat deine Seele? Und - wie war es mit Gott in alledem? Hast du sein Wirken gespürt? Verstehst du im Nachhinein, warum dieses und jenes so kommen musste, wie es gekommen ist? Und kannst du erkennen, ob alles einem guten Zweck dient? - - -
Die Brüder des Josef gedachten es böse mit ihm zu machen, wie die Bibel sagt. Und weiter: Gott aber gedachte es gut zu machen. Wozu? Um Josef einen Gefallen zu tun? Um ihm zu helfen? Das mag vordergründig so aussehen. Aber im Hintergrund hat Gott sich den eitlen, hochnäsigen Josef ausgesucht, um seine Verheißung zu erfüllen, die er Abraham gegeben hatte. Dessen Nachkommen sollten ein großes Volk werden und nicht wieder untergehen. Und dazu hatte Gott sich zuvor den betrügerischen Jakob ausgesucht, der seinen Bruder Esau und seinen blinden Vater Isaak hintergangen hatte, und zuvor die grausame Sarah, die ihre Magd Hagar mit dem kleinen Ismael in die Todeswüste schickte. Aber Gott rettete auch diese beiden. Später hat er sich für seine Verheißung König David ausgesucht, der eine verheiratete Frau schwängerte und ihren Mann umbringen ließ. Und wieder später den feigen Petrus und den Christenverfolger Paulus und so weiter und so weiter.
Immer waren es Menschen aus Fleisch und Blut mit ihren guten und schlechten Seiten, die Gott sich ausgesucht hat und bis heute aussucht, um seine Pläne zu erfüllen, aber keine Engel und keine Heiligen. Und warum? Gott hat nur solche Menschen wie wir sind. Und mit uns baut er seine Welt, mit unseren guten Taten und mit unserem Versagen. Ja, Gott gebraucht auch unser Versagen, um daraus schließlich etwas Gutes zu machen. Auch die bösen Absichten der Menschen müssen dazu dienen, dass er seine Pläne erfüllt.
So war das mit den Brüdern des Josef. Doch er hat seinen Plan auch mit dir und mit mir. Rückblickend, hatte schon alles seinen Sinn. Darum wird auch das, was heute ist, seinen Sinn haben, auch wenn wir das noch nicht verstehen können. Genauso wie das, was war und was morgen sein wird. Und wenn du gerade schwere Zeiten durchmachst, dann hilft es dir vielleicht, wenn du so betest: „Herr, ich verstehe meine Not nicht, aber du weißt, welchen Sinn sie hat.“
Liebe Freunde, mögen Kirchen und Religionen ihre Heiligen haben. Gott hat nur Menschen wie dich und mich, um seine Pläne zu verwirklichen, fehlbare Menschen und doch bemüht. Solche, die scheitern und denen dann doch auch etwas gelingt. Solche, die sich schuldig machen, denen er aber vergibt. Genau zu solchen Leuten ist Jesus mit Gottes Liebe gekommen, um ihnen, um dir und mir zu sagen, wie wichtig wir für ihn sind.
Mögen die Menschen denken, dass nur die Erfolgreichen und Tüchtigen, nur die Vornehmen und Angesehenen, die Besseren und Frömmeren, die Mächtigen und Reichen,  die mit der weißen Weste und einem schwarzen Talar, - mögen Menschen denken, dass nur solche bedeutend sind und einen großen Einfluss auf das Weltgeschehen haben. Solche, die sich in Hamburg zum G 20 Gipfel getroffen haben. Mögen Menschen das denken. Gott denkt so nicht.
Ihm sind unsere Maßstäbe herzlich egal. Er misst mit seinem Maß. Und dabei fragt er uns nicht, ob uns das passt. Gehen wir noch einmal zurück zur Josefsgeschichte. Gott hatte Josef in Ägypten gebraucht. Und damit der dorthin kam, haben ihn seine Brüder verkauft. Gott hatte Josef als zweitmächtigsten Mann nach dem Pharao gebraucht. Und damit er diese Stellung erreichte, musste er zuvor ins Gefängnis, wo er die Träume seiner Mitgefangenen deutete, weshalb der Pharao auf ihn aufmerksam wurde.
Jetzt endlich hatte Gott den Josef an der Stelle, an der er ihn haben wollte. Jetzt konnte Josef mit seinen Begabungen die heraufziehende, große Hungersnot abwenden und somit auch seine Brüder und die ganze Sippe retten, die Nachkommen des Abraham. Die zogen nun nach Ägypten, um von Josef Getreide zu kaufen und so am Leben zu bleiben.
Die Brüder hatten das nicht verstanden. Aber Josef. Er wusste nun, wozu er das alles durchgemacht hatte, all die Höhen und Tiefen in seinem Leben. Er wusste, dass Gott seine Hand im Spiel hatte, damit die Geschichte mit seinem Volk weitergehen konnte. Viele Generationen später ging aus diesem Volk Jesus hervor, der uns Menschen nicht nur aus einer Hungersnot rettet, sondern aus der Macht des Bösen und des Todes.
So verbindet sich die uralte Josefsgeschichte mit unserer Lebensgeschichte heute. So gilt auch für dich und für mich, dass unser Leben einen Sinn hat, den Gott stiftet und einen Zweck, den er bestimmt. Auch wir wissen meist nicht, warum es neben den ruhigen und normalen Tagen auch wieder Höhen und Tiefen gibt, die uns im Innersten treffen, Tage der Freude, an denen Kinder geboren werden, eine Ausbildung erfolgreich beendet oder eine Hochzeit gefeiert wird, aber eben auch Tage des Leids, an denen man am Grab eines lieben Menschen steht, wo Partnerschaften zerbrechen, der Arzt eine schlechte Nachricht hat, Kinder Sorgen machen oder eine finanzielle Notlage droht.
Doch in all dem Auf und Ab, in der Weltgeschichte ebenso wie in unserer Lebensgeschichte, geht Gott unbeirrt seinen Weg mit uns. Er will uns an das Ziel zu bringen, das er vorgesehen hat und seine Schöpfung vollenden. Und dabei spielst auch du und spiele auch ich eine Rolle für ihn. Er braucht uns für sein großes Ziel. Auch du bist ihm wichtig. Auch dein Leben zählt.
Das Happy End, das gute Ende der Bibelgeschichte ist, dass Josef sich mit seinen Brüdern versöhnt. Er nimmt ihnen die Angst, redet freundlich mit ihnen und versorgt sie.

Das Happy End, das gute Ende unserer Lebensgeschichte ist, dass Jesus sagt: Komm zu mir. Alles ist gut. Was dich quält und was dir Angst macht, ich habe es überwunden. Amen