Montag, 28. September 2020

Komm und sieh!

Losung: Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: »Sie gefallen mir nicht.« Prediger 12,1


Lehrtext: Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth. Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann aus Nazareth Gutes kommen! Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh! Johannes 1,45-46

Liebe Leserin, lieber Leser,

es heißt, bei wem sich bis zum 13. Lebensjahr nicht wenigstens in Ansätzen der Glaube entwickelt hat, der habe es später schwer, noch einen Zugang zu finden. Nicht zuletzt deshalb habe ich in meiner aktiven Zeit als Pfarrer großen Wert auf Kindergottesdienste gelegt.

     Mit entsprechenden Konzepten und Aufwand kann man auch heute noch regelmäßig viele Kinder gewinnen. 50 statt 5 – ein solches Ziel ist auch unter ungünstigen Bedingungen erreichbar. Es ist eine Frage der Prioritäten in der Gemeindearbeit, des Engagements und der Bereitschaft, neue, unkonventionelle Wege zu gehen.

Gärtnerinnen des Glaubens

     Doch damit der Glaube in einem Kind wachsen kann, sind "Gärtnerinnen und Gärtner" nötig, die ihn hegen und pflegen, Menschen, die selbst glauben und Gottvertrauen ausstrahlen. Die den Glauben nicht als Instrument für Moralerziehung missbrauchen, sondern dem Kind Gottes bedingungslose Liebe nahebringen und die Liebe zu ihm wecken. Die mit dem Glauben auch das Urvertrauen eines Kindes stärken, das dann einen Menschen sein ganzes weiteres Leben tragen kann.

     Dann ist der Mensch auch vorbereitet auf die Zeiten und Jahre, "von denen er sagen wird, sie gefallen mir nicht" (Losung). Dann kann er auch die Herausforderungen in seinem späteren Leben und auch im Alter annehmen und sie mit dem Glauben, also mit Gottes Hilfe bestehen.

     Offenbar kannst du auch ohne Glauben alt werden und alles in allem mit deinem Leben zufrieden sein. Aber ich möchte das nicht. Ich bin einfach nur dankbar, dass ich in meinem Leben immer wieder Menschen hatte, die meinen Glauben gestärkt haben. Oft war ihnen das nichteinmal bewusst. Aber für mich waren sie – im Nachhinein betrachtet – ein Gottesgeschenk.

     "Was kann aus Nazareth Gutes kommen? Was hat Jesus schon für einen Wert?"– so fragte damals Nathanael (Lehrtext) und so fragen auch heute noch viele und geben sich gleich selbst die Antwort: 'Jesus hat für mich keinen Wert'.

     Was kann man darauf sagen? Mit Argumenten ist da wenig auszurichten. Diskussionen führen bei solchen Themen nicht weit. Die wohl beste Antwort hat Philippus gegeben: "Komm und sieh!"

Komm und sieh!

     Er sagt mit anderen Worten: Komm und mach deine eigenen Erfahrungen. Lass dich einfach mal auf Jesus ein und öffne dich seinen Worten und was von ihm erzählt wird. Glaube einfach mal so als ob du glauben würdest. Vertraue ihm so, als ob du vertrauen würdest. Gib ihm deine Sorgen und Ängste, als ob er für dich sorgen würde. Lebe mal so, als ob er mit dir sein und du mit ihm leben würdest: 

     Also schaue auf deine Mitmenschen und diese Welt mit seinen liebevollen Augen und verhalte dich entsprechend. Sei mal, wenn das möglich ist, empfindsamer, freundlicher, verletzlicher, barmherziger, versöhnlicher, gütiger, demütiger, sanftmütiger, friedvoller, gelassener, gutmütiger und gutgläubiger. Sei auch ein unerschrockener Anwalt der leidenden Geschöpfe Gottes, ob Mensch oder Tier, und mache dich zu einem Bollwerk gegen die Herzlosen und Hassenden. Gehe mal eine zeitlang in Jesu Schuhen auf seinen Wegen.

     Und dann frage dich: 'Bin ich in meinem Innersten berührt worden? Tut mir ein solcher Glaube und ein solches Leben gut?' Wenn ja, bleibe dabei. Wenn nein, dann hast du wenigstens mal versucht, dich mit eigenen Erfahrungen dem Glauben anzunähern statt das nachzusagen, was andere sagen, statt nur so zu denken und zu leben, wie andere denken und leben und wie es in unserer Gesellschaft zur Zeit angesagt ist.

     "Komm und sieh! ", sagte Philippus. Für mich heißt das: Komm auf deinen Füßen, sieh mit deinen Augen und glaube mit deinem Herzen.

Gebet: Herr, ich komme zu dir, weil du zu mir gekommen bist. Ich öffne mich für dich, weil du mir deine Welt geöffnet hast. Dir schenke ich meinen Glauben, dass du für ihn sorgst. Amen

Eine gesegnete Woche!

Hans Löhr

Sonntag, 27. September 2020

Glaube, der nach den Sternen greift

Losung: Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Psalm 98,2


Lehrtext: Als Barnabas und Paulus in Antiochia angekommen waren und die Gemeinde versammelt hatten, berichteten sie, was Gott alles durch sie getan und dass er allen Völkern die Tür zum Glauben aufgetan habe. Apostelgeschichte 14,27

Liebe Leserin, lieber Leser,

das kennzeichnet den Glauben in der Bibel, dass er sich nicht nur auf die kleine Schar der Juden und auf die in den Anfängen winzige Schar der Christen beschränkt, sondern sozusagen nach den Sternen greift: Für alle Völker soll gelten, was beide Glaubensgemeinschaften von und mit Gott erfahren haben.

     Ja die ganze Schöpfung, Himmel und Erde sind gemeint und betroffen. Denn der Gott der Bibel hat universale Bedeutung und mehr als das. Er steht als Schöpfer von allem, was ist, über allem, auch über dem Universum.

     Das ist eine kühne, sehr kühne Aussage, durch nichts als den Glauben gedeckt. Und doch ist sie folgerichtig. Denn wer von Gott redet, spricht vom Ganzen, vom Kleinsten und vom Größten, von Licht und Finsternis, von Glück und Leid. 

     Ich kann mir keinen Bereich denken, wo er nicht ist, mit dem er nichts zu tun hätte, wo er nicht wirkt. Er ist der Schöpfer der fernsten Galaxien, die etwa zwölf Milliarden Lichtjahre von uns entfernt sind und zugleich der Schöpfer und Herr meines Herzens.

     Die Schöpfung aber ist nicht abgeschlossen. Sie ist ein Prozess, der andauert bis hin zur Vollendung. Und darum ist weder die Welt noch bin ich vollkommen, sondern Gottes "Material" wie der Ton in der Hand des Töpfers, aus dem irgendwann das fertige Gefäß hervorgeht. So hat es Martin Luther in seiner Disputation "De homine" treffend ausgedrückt.

     Alles ist noch im Entstehen und Werden. Darum bleibt nichts wie es ist: Das letzte Wert-Urteil über alle Erscheinungen sprechen nicht wir. Das spricht Gott allein.

     Nicht zuletzt deshalb bleibt uns vieles noch unverständlich, bleiben viele Fragen offen. Menschliche Vernunft und Verstand reichen nicht aus, ihn und sein Wirken zu begreifen.

     Doch ist uns "die Tür zum Glauben aufgetan" (Lehrtext) und die Zusage gegeben, dass Gott zum Heil seiner Geschöpfe wirkt und nicht zum Unheil (Losung).

In dieses allumfassende Heil ist auch dein und mein kleines Leben eingebettet. In ihm hat es seine Bedeutung. Bekommt es seinen Sinn. Wir sind ein Teil des großen Ganzen, des großen Werkes unseres großen Gottes. Wir sind ein Teil von seinem Heil.

Gebet: Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen. Dich rühme ich mit meiner kleinen Kraft. Du bist alles in allem und alles für mich. Was ich bin und habe, kommt von dir. Wo ich gehe und stehe, bist du. Wohin ich komme, wirst du sein. Du hast mich gewollt. Du hast mich geschaffen. Du wirst mich vollenden - weil du mich in deinem Sohn Jesus Christus liebst. So bin ich in dir und du in mir - jetzt und für immer. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 26. September 2020

Verlassen von / verlassen auf

Losung: Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe. Jeremia 30,11


Lehrtext: /Paulus schreibt:/ Bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle. Es sei ihnen nicht zugerechnet. Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich. 2. Timotheus 4,16-17

Liebe Leserin, lieber Leser,

in unseren Dörfern ist es so: wer sich zur Gemeinde hält und auch hin und wieder den Gottesdienst besucht, der ist nicht einsam und bleibt auch nicht ohne Hilfe, selbst wenn er keine Angehörigen hat, die für ihn da sind. Das muss nicht  von "höherer" Stelle angeordnet werden. Das tun "die guten Geister" in unseren Dörfern von sich aus. Auch wer sich von Gemeinde und Gottesdienst fern hält, wird nicht links liegen gelassen.

     Warum das so ist, ist nicht so wichtig. Hauptsache, es geschieht. Ich selbst habe ja in den letzten Tagen nach meinem Missgeschick auch von "wildfremden" (merkwürdiges Wort) Menschen viel Hilfe erfahren.

     Genau so hilft Gott, auch wenn das die Helfer und die Hilfsbedürftigen weder wissen noch glauben. Doch er hilft noch auf andere Weisen, zum Beispiel durch Haustiere, die Alleinstehenden zum seelischen Überleben helfen. Durch seine Heilkräfte in der Natur. Durch wundersame Fügungen, die leider oft als Zufall abgetan werden. Und immer wieder und ganz besonders durch Glauben und Gottvertrauen. So löst er sein Versprechen ein, das er uns mit der heutigen Losung gibt.

     Auf ihn, sagt die Bibel, ist Verlass. Auf Menschen nur bedingt (Lehrtext). In einem besonders kritischen Moment wurde Jesus von allen (!) seinen Jüngern, auch von dem Prahlhans Petrus verlassen und ebenso Paulus von allen seinen Gefährten (Lehrtext). So ist die Wirklichkeit.

     Ich halte meinen Glauben dagegen und sage mit einem alten Liedvers:

Gebet:

"Wenn alles bricht,
Gott verlässt uns nicht.
Größer als der Helfer
Ist die Not ja nicht.

Ewige Treue,
Retter in Not,
rett auch unsre Seele,
du treuer Gott!"

(Lied "Harre meine Seele", Vers 2)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 25. September 2020

Der Gott mit dem goldenen Herzen

Losung: Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben; sie werden nicht straucheln. Psalm 119,165


Lehrtext: Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit. Kolosser 3,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

liebst du Gottes Gesetz? (Losung) Ich nicht. Ich liebe
ihn, meinen Schöpfer und barmherzigen Vater, wie er mir in Jesus begegnet. Und ich glaube und spüre, dass mir das inneren Frieden bringt. Aber ich versuche auch, seinen Willen zu achten, soweit er in den Geboten der Bibel zum Ausdruck kommt.

Und warum liebe ich Gott? Weil ich es soll? Eher nicht, sondern weil ich fest glaube, dass er für mich ein goldenes Herz hat und für dich auch. Ja, er ist der Gott mit dem leuchtenden Angesicht über uns und einem goldenen Herzen für uns. Oder siehst du das anders?

Woher ich das weiß? Naja, wissen im eigentlichen Sinn kann ich das nicht. Aber der Geist Jesu, der aus den Evangelien und anderen biblischen Schriften zu mir spricht (Lehrtext), lässt mich das glauben.

Dazu muss mich niemand "ermahnen". Das würde mich nur abschrecken. Aber ans Herz legen darf man mir das schon.

Liebe Grüße

Hans Löhr

PS: Herzlichen Dank für die guten Wünsche, die ich in den letzten Tagen bekommen habe.

Donnerstag, 24. September 2020

Guter Baum mit Friedensfrucht

Losung: Sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede. Jeremia 6,13-14

Lehrtext: Ein jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn man pflückt nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens. Lukas 6,44-45

Liebe Leserin, lieber Leser,

die OP gestern verlief gut. Die Nacht war dafür umso schlechter, da die Schmerzmittel nicht angesprochen haben. Jetzt ist es Tag, und mir geht es wieder besser. So viel zu meiner Befindlichkeit, mit der ich die heutige Losungsauslegung schreibe.

     Kannst du dir vorstellen, dass Gott  gegen sein eigenes Volk Krieg führt? Der Prophet Jeremia, aus dessen Buch die Losung kommt, sagt das. Zwei von vielen "Kriegsgründen" werden in unserem Bibelwort genannt: Gier und Lüge.

     Ausgerechnet die Priester (Bischöfe, Pfarrer) bezichtigt Jeremia der Lüge: Gott führt Krieg gegen sein Volk mit Hilfe der Babylonier. Und sie sagen "Friede, Friede", wollen die Gefahr nicht wahrhaben.

     Auch der zweite Weltkrieg mit allen seinen schlimmen Folgen für unser Volk wurde damals von vielen als Gottesgericht über Deutschland angesehen. War das so?

Goldene Regel gegen Krieg

     Ich sehe das eher so, dass sich damals die Generation meiner Eltern das Verhängnis selbst zugezogen hat. Gott hat die Welt offenbar so eingerichtet, dass Hochmut vor dem Fall kommt, die Gier vor dem Untergang, die Lüge vor dem Verderben: Das eine zieht das andere nach sich, nicht unbedingt sofort, aber auf die Dauer der Zeit schon. Demzufolge führen wir Menschen Krieg gegen uns selbst, wenn wir im Großen wie im Kleinen die Goldene Regel missachten: "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu." Hoffentlich lernen wir, die nachgeborenen Generationen, daraus.

     Doch offenbar fühlen sich viele an diese Regel nicht gebunden, sind nur auf ihren Vorteil auf Kosten anderer aus und erkennen nicht, dass das ihnen selbst schließlich zum Nachteil gerät.

     Jesus nennt sie in seinem Gleichnis  (Lehrtext) Dornen, die nur verletzen, aber keine guten Früchte bringen.

     Nun gut, ganz und gar selbstlos ist wahrscheinlich niemand. Warum auch. Das gute Zusammenleben zwischen Menschen und Staaten basiert auf einem gesunden Ausgleich von Interessen, von Geben und Nehmen. Wer aber den anderen ausnützt, zerstört diese Balance. Und wer gute Feigen und einen guten Wein will (Lehrtext), muss sich um seinen Feigenbaum und um seine Weinstöcke kümmern. 

     Ganz und gar selbstlos ist nur, wer bedingungslos lieben kann, ist nur Gott, wie er sich in Jesus zeigt. Er führt gegen niemand Krieg, sondern lässt seinen Engel verkünden: "Friede auf Erden!". Er schlägt nicht, sondern heilt, er lügt nicht, sondern ist selbst das Licht der Wahrheit. Ihm kann ich vertrauen - ganz und gar.

Gebet: Herr Jesus Christus, du bist der Friedefürst. Du kennst keine Gier, keine Lüge und machst niemandem Angst. Ich will den Frieden, der von dir ausgeht an meine Mitmenschen weitergeben. So bitte ich dich, erfülle mich mit deinem Frieden und mach mich für andere zu einem guten Baum. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr


Mittwoch, 23. September 2020

Das Leben hat den Tod verschlungen

 Losung: Gott wird den Tod verschlingen auf ewig. Jesaja 25,8

Lehrtext: Wir sind bedrückt und stöhnen, solange wir noch in diesem Körper leben; wir wollen aber nicht von unserem sterblichen Körper befreit werden, sondern in den unvergänglichen Körper hineinschlüpfen. Was an uns vergänglich ist, soll vom Leben verschlungen werden. 2. Korinther 5,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

bin gerade in der Klinik und warte auf die Operation meines Schlüsselbeins. Da klingt der erste Teil des Lehrtextes nicht gerade aufmunternd in meinen Ohren. Aber was mir gut tut, ist die Hilfsbereitschaft nahestehender  Menschen und die liebe WhatsApp-Nachricht meiner 17jährigen Tochter, die soeben angekommen ist.

      Und was mich aufmuntert, ist der furiose Choralsatz von Johann Sebastian Bach in meinem Kopf zu den kraftvollen und zupackenden Worten Martin Luthers:

Es war ein wunderlicher Krieg,
Da Tod und Leben rungen,
Das Leben behielt den Sieg,
Es hat den Tod verschlungen.
Die Schrift hat verkündet das,
Wie ein Tod den andern fraß,

(= wie der besondere Tod Jesu den allgemeinen Tod gefressen hat)

Ein Spott aus dem Tod ist worden.

Mit diesen Worten hat Luther aus Losung und Lehrtext einen Liedvers gemacht. Er steht in seinem Osterlied "Christ lag in Todesbanden" EG 101 Vers 4

Am 10. April 2017 in habe ich schon einmal diese Losung ausgelegt, die heute wieder auftaucht. Da ich es nicht besser als damals sagen kann, drucke ich die Auslegung hier noch einmal ab:

Dem Tod die Zunge rausstrecken hl

Liebe Leserin, lieber Leser,

kühn ist die Bibel in ihrer Ausdrucksweise. Kühn sollen auch wir sein im Glauben. Die heutige Losung malt uns das Bild vor Augen, wie Gott wie ein Raubtier über den Tod herfällt, ihn zermalmt und verschlingt – auf ewig. Paulus schreibt ähnlich im Korintherbrief, dass der Tod vom Sieg verschlungen wird, vom Sieg Jesu am Kreuz. Und Martin Luther dichtet in seinem Osterlied „Christ lag in Todesbanden“ (EG 101,4):

»Es war ein wunderlicher Krieg..." (siehe oben).

     Johann Sebastian Bach hat diesen Vers auf höchst kunstvolle Weise vertont. BWV 4 (Versanfang bitte in YouTube eingeben und anhören)

     Das ist es, was ich auch heute noch dem Tod entgegensetzen kann, dass ich ihm kühn und trotzig die Zunge rausstrecke und sage: „Du kannst mir keine Angst mehr machen. Du bist längst von Gott verschlungen und vom Tod Jesu gefressen (siehe Liedvers). Ja, ich werde sterben. Aber doch nur, um in Gott zu leben und bei ihm zu bleiben, weil ich ihm gehöre und nicht dir.“ 

     Nein, mit Argumenten und Vernunft komme ich dem Tod nicht bei. Aber mit einem kühnen Glauben, der sich an den Glauben der Menschen in der Bibel hängt und an den Glauben Martin Luthers und anderer, die den Tod, allen Erfahrungen zum Trotz, ausgelacht haben. Denn was sind schon menschliche Erfahrungen gegen die göttliche Verheißung?! Gerade der Osterglaube ist ein fröhliches Protestlied gegen die dem Tod ergebene Welt. 

     Ich weigere mich, dem Tod Respekt zu zollen. Ich weigere mich, vor ihm klein beizugeben. Ich erweise ihm nicht die Ehre, mich vor ihm zu fürchten. Ich respektiere Gott, der Christus von den Toten auferweckt hat und auch mich auferwecken wird. Ich lasse ihn über mich herrschen und erweise ihm alle Ehre. Und ich halte mich gar nicht erst lange mit irgendwelchen Zweifeln auf. Ich glaube einfach. Denn etwas Besseres weiß ich nicht. - Aber... Nix aber! 

Gebet: Herr Jesus, Gott hat dich von den Toten auferweckt, damit ich über meine Lebenszeit hinaus hoffen kann in die Ewigkeit. Ich schaue nicht auf mich und meinen kleinen Glauben und meine großen Zweifel, sondern auf dich. Von dir her biete ich dem Tod die Stirn und verachte ihn in deinem Namen. Von dir nehme ich mir den Mut, ihn mit einem fröhlichen „Halleluja“ auszulachen. Amen

Herzliche Grüße, Hans Löhr 

Dienstag, 22. September 2020

Der Glaube und das Leid

Losung: HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen? Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Psalm 13,2

Lehrtext: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Johannes 16,33

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Der verborgene Gott" ist immer wieder ein Thema für den Glaubenden und darum auch für die Theologie. Die Klage des Psalmbeters aus der Losung bleibt durch die Jahrtausende hindurch aktuell. Wie also an Gott glauben mitten im Leid?

Eine Möglichkeit ist, gar nicht mehr an ihn zu glauben, also ihn ebenfalls zu vergessen. Aber das würde mein Leid nicht lindern. Im Gegenteil. Dann wäre ich damit völlig allein.

Eine andere Möglichkeit ist, was die Losung sagt: Vor Gott sein Herz ausschütten, ihm sein Leid klagen und seine Tränen zeigen. Wer das tut, geht davon aus, dass Gott doch irgendwie da ist, und hört, auch wenn er sich nicht zeigt. Du kannst das mit der Sonne vergleichen, die doch da ist und scheint, auch wenn schwere Wetterwolken den Tag verdunkeln.

Martin Luther weist noch auf eine andere Möglichkeit hin. Er sagt: Fliehe vor dem verborgenen Gott zu dem, der sich in Christus zeigt. Schaue in deinem Leid auf sein Leid am Kreuz. Dort hat er Leid, Schuld und Tod überwunden (Lehrtext). 

Anders gesagt: Alle diese negativen Dinge sind immer noch da und machen uns manchmal das Leben schwer. Aber sie haben nicht mehr das letzte Wort. Sie sind nicht das Letzte, sondern ein Vorletztes. Sie befinden sich nicht mehr auf dem Vormarsch, sondern auf dem Rückzug. Und darum heißt die Losung der Christen nicht: "Es wird alles schlechter", sondern "alles wird gut". Die dunklen Wolken verziehen sich wieder und die Sonne sendet wieder ihre wärmenden Strahlen. Wann und wie das jeweils sein wird, weiß ich auch nicht. Aber ich glaube und vertraue darauf, dass es so ist. Das hilft mir, auch die dunklen Tage zu überstehen.

Gebet: Herr, ich danke dir nicht für das Leid. Aber ich danke dir, dass du mir auch ihn ihm so viel Kraft gibst, dass ich es tragen kann. Du bist ja der große Überwinder und hilfst auch mir, zu überwinden. Amen

Montag, 21. September 2020

In die Freiheit hl

 Losung: Ich liege gefangen und kann nicht heraus, mein Auge vergeht vor Elend. HERR, ich rufe zu dir täglich. Psalm 88,9-10 

Lehrtext: Jesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Johannes 17,15 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

was ist dein Gefängnis? Eine chronische Krankheit? Eine Sucht? Eine unglückliche Beziehung? Der Arbeitsplatz, an dem es dir nicht gut geht? Binden dich Schulden? Nimmt dich die Meinung anderer gefangen? Fesseln dich Verpflichtungen, aus denen du nicht herauskommst? Ist es deine problematische Erziehung, die du nicht abschütteln kannst? Oder sind es diffuse Lebensängste? Oder ist es etwas anderes, das hier nicht aufgeführt ist?

     Der die Losung geschrieben hat, sah für sich keinen Ausweg aus seinem Gefängnis. Doch warum hat er dann täglich zum Herrn gerufen? Offenbar hat er trotz allem gehofft, dass Gott den Schlüssel hat, um die Tür seines Gefängnisses aufzusperren und ihm den Weg in die Freiheit zu zeigen.

     In der Bibel stehen mehrere Geschichten, wie er Menschen aus ihren Gefängnissen geführt hat: Josef aus dem Gefängnis des Pharao; die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten; Daniel aus der Löwengrube; Hiob aus dem Gefängnis seines Elends; die Israeliten aus dem Exil in Babylon; Jesus hat Besessene, Aussätzige, Blinde, Gelähmte, Taubstumme und nicht zuletzt Sünder geheilt und so aus ihren Gefängnissen befreit; Paulus und Silas kamen mit Gottes Hilfe aus dem Gefängnis der Stadt Thyatira frei. - Unser Gott will die Freiheit seiner Geschöpfe, sagen diese Geschichten. Denn das ist ja auch unser aller Ziel: „Die herrliche Freiheit der Kinder Gottes.“ (Römer 8,21)

     Nicht aus jedem Gefängnis kommst du wieder heraus. Einer tödlichen Krankheit zum Beispiel entkommt man in der Regel nicht. Aber das ist eine Ausnahme. Viele könnten ihre Ketten abschütteln. Aber sie tragen sie weiter, weil sie keine Alternative sehen. Sie trauen sich nicht sich gegen andere aufzulehnen. Sie haben Angst ihre bisherige, bedrückende Lebenssituation zu verlassen, weil sie nicht wissen wohin. Sie richten sich ständig nach der Meinung anderer, weil sie so hoffen, dass hinter ihrem Rücken nicht schlecht über sie geredet wird. Aber diese Hoffnung ist trügerisch. Viele Gefängnisse könnte man verlassen, wenn man den Mut aufbrächte, den Schritt in die Freiheit zu tun. Und wo du wirklich nicht ausbrechen kannst, da lass dich wenigstens innerlich nicht gefangen nehmen, sondern lebe nach dem Wort: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ (2. Kor. 3,17)

     Nach den Vorstellungen und dem Glauben des Johannes ist die Welt insgesamt ein Gefängnis, in dem die Christen aushalten müssen, bis der Herr kommt und sie befreit (Lehrtext). Bis dahin aber soll Gott sie vor dem Bösen bewahren. Es hat immer wieder Lebensumstände gegeben und gibt es heute noch, die die Welt als ein Gefängnis erscheinen lassen. Ich erinnere nur an die Sklaverei. Aber für uns heute trifft das nicht zu. Wir haben das Glück und die Gnade, in äußerer Freiheit zu leben. Aber leben wir auch in innerer Freiheit? Genau dazu ruft Paulus uns auf, wenn er im Galaterbrief sagt: »Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben. Jetzt kommt es darauf an, dass ihr euch nicht wieder vom Gesetz versklaven lasst.« (Galater 5,1) 

Gebet: Herr, du bist mein Erlöser, mein Befreier. Immer wieder erlöst du mich aus meinen negativen Gefühlen und Gedanken, aus Niedergeschlagenheit, Schmerzen und Leid bis du mich eines Tages auch vom Tod erlösen wirst. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Sonntag, 20. September 2020

Irrtum und Nachsicht hl

Losung: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. 2.Mose 20,12 

Lehrtext: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre. Römer 15,7  

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch Martin Luther hat geirrt. Warum auch nicht? Schließlich war auch er ein Mensch, für den das antike Sprichwort gilt: errare humanum est – irren ist menschlich.

     Einer seiner Irrtümer betrifft ausgerechnet das Herzstück seiner Arbeit, den Kleinen Katechismus. Er hat ihn als Lehrbuch zusammengestellt, aus dem die „Hausväter“ ihre Kinder belehren sollten. Aber gerade die Zehn Gebote eignen sich nicht als Erziehungsinstrument für Kinder. Sie sind für die Erwachsenen gedacht. Das wird besonders an der heutigen Losung deutlich. Da geht es darum, dass die erwachsenen Kinder ihre alt gewordenen Eltern mitkommen lassen, sich um sie kümmern und sie gegebenenfalls pflegen. Trotzdem schadet es natürlich nichts, wenn auch schon Kinder von diesen Geboten für Erwachsene hören.

     Auch der Lehrtext ist Erwachsenen gesagt. Christus hat uns angenommen mit unseren Gaben und Schwächen, mit unseren guten und schlechten Seiten, mit unserem Gelingen und Versagen. Er hat viel Nachsicht mit mir. Da sollte auch ich mit meinen Mitmenschen etwas nachsichtiger sein. 

Gebet: Herr, ich bin darauf angewiesen, dass andere Menschen mit mir nachsichtig sind, aber vor allem du. Danke, dass du das warst, bist und sein wirst. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Samstag, 19. September 2020

Von ganz oben nach ganz unten hl

 Losung: Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt? Hiob 9,4 

Lehrtext: Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug. Römer 12,16 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

irgendwie will es mir nicht so recht gelingen, den beiden Bibelworten heute zuzustimmen. Was da im Hiobbuch steht, entspricht nicht meinen Lebenserfahrungen. Oder kannst du das bestätigen, dass automatisch von Gott bestraft wird, wer sich ihm entgegenstellt?

     Und wenn ich den Lehrtext lese, frage ich mich, ob der Apostel Paulus diesen Satz nicht nur anderen ins Stammbuch schreibt, sondern selbst danach handelt und lebt. Also in theologischen Dingen, hat er sich durchaus selbst für klug gehalten. Sonst hätte er nicht mit anderen, nicht zuletzt mit Petrus, so erbittert darüber gestritten.

     Ich bin durchaus der Meinung, dass Menschen danach streben sollten, Frauen wie Männer, sich so viel Bildung anzueignen wie möglich. Dass es bewundernswert ist, wenn sie sich bemühen, hohe und höchste Dinge zu verstehen.

     Nur überheblich sollten sie deshalb nicht sein. Denn auch der Verstand ist eine Gottesgabe und kein eigenes Verdienst. Und vor Gott zählt das Herz mindestens genauso viel wie der Kopf.

      Und schließlich, wer hoch hinaus will, sollte sich auch für geringe Dienste nicht zu schade sein. Es ist noch niemand ein Zacken aus der Krone gefallen, wenn er auch mal das Klo für andere geputzt hat. 

Gebet: Herr, du bist der Höchste und bist doch ganz nach unten gegangen, in einen stinkenden Stall und an den schändlichen Kreuzgalgen. Darum ist bei dir niemand verloren, wie tief er auch gesunken ist. Wo sonst ist ein Gott wie du, der dazu fähig ist? Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Freitag, 18. September 2020

Räuber im weißen Kragen hl

Losung: Ich bin der HERR, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst. Jesaja 61,8

Lehrtext: Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel. Denn der Herr straft dies alles. 1.Thessalonicher 4,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein etwas unfreundliches Sprichwort sagt: »Wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat, hat das Recht.« Ganz so ist es zumindest in unserem Land nicht. Aber in vielen Ländern Südamerikas, Afrikas und in Teilen Asiens verhält es sich so. Dort sind die schlimmsten Räuber die im weißen Kragen. Aber man muss gar nicht mit dem Finger auf diese Länder zeigen. Die Finanzkrise 2008 hat gezeigt, dass solche Räuber auch bei uns ihr Unwesen treiben. Damals wurden viele Sparer und Kleinaktionäre über den Tisch gezogen.

     Das Problem, von dem Losungen Lehrtext reden, bleibt aktuell. Daran ändert auch Gott nichts. Höchstens insofern als Menschen, die glauben, sich für so ein Verhalten vor Gott schämen und darauf verzichten.

     An anderer Stelle heißt es in der Bibel: »Nur wer im Geringsten treu ist, ist auch im Großen treu.« Rechtschaffenes Verhalten zeigt sich also schon in den kleinen Dingen. Und da sind wir alle gefragt. 

Gebet: Herr, du selbst sagst: »Wenn jemand mit dir um dein Hemd prozessieren will, dann gib ihm den Mantel dazu.« Ob ich dazu bereit wäre, weiß ich nicht. Aber das weiß ich, dass ein solches Verhalten am besten wäre. Gib mir die Kraft, lieber Unrecht zu leiden als Unrecht zu tun. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Donnerstag, 17. September 2020

Das Ende einer Tour hl

Losung: Ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir! Jesaja 41,13 

Lehrtext: Als Petrus den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn. Matthäus 14,30-31 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

meine Motorradtour ist zu Ende, allerdings anders, als ich mir das vorgestellt hatte. Habe noch kurz vor meiner Ankunft daheim einen Abstecher nach Marbach gemacht, um mir mal die Stadt und das Haus anzusehen, wo Friedrich Schiller geboren wurde. In einer engen Straße musste ich ausweichen und bin mit dem Fuß in einen tiefen Rinnstein geraten. Ich fand keinen Halt, das Motorrad kippte mit mir um und ich brach mir das rechte Schlüsselbein.

     Und dann wurde für mich wahr, was das Losungswort heute sagt: Sofort waren Leute da, die mir geholfen haben. Als erster ein Muslim mit seiner traditionell gekleideten Frau. Dann der Antiquitätenhändler von der Unfallstelle gegenüber. Eine Frau brachte mir Wasser zu trinken. Schnell war der Krankenwagen da und brachte mich ins Klinikum Ludwigsburg. Dort wurde ich geröntgt und mit Schmerzmitteln und einem Arztbrief ausstaffiert. Ein Taxi brachte mich dann nach Hause. Die nicht unbeträchtlichen Kosten übernimmt nach telefonischer Rücksprache mein Automobilclub. Er wird auch das unbeschädigte Motorrad wieder zurückbringen.

     Nun, anfänglich war ich tief deprimiert. Jetzt hatte ich so eine schöne Tour über die höchsten Alpenpässe Europas gemacht ohne irgendeinen Zwischenfall und dann das. Aber bald wurde mir klar, wie froh ich im Grunde genommen doch sein kann, dass es so viele freundliche und hilfsbereite Menschen gibt und ich in einem Land lebe, in dem sofort medizinische Hilfe zur Stelle ist. Doch, die Losung stimmt schon. Gott hat seine Zusage gehalten und mir durch die vielen Leute geholfen. Nur an einem Punkt bin ich etwas anderer Ansicht. Bei meiner rechten Hand soll er mich zur Zeit nicht nehmen. Das würde weh tun. 

Ich finde, das ist eine wertvolle Erfahrung, wenn man sich nicht fürchten muss, ohne Hilfe zu bleiben (Losung). Und die andere wertvolle Erfahrung spricht aus dem Lehrtext:

     Natürlich war ich zunächst drauf und dran wie Petrus im See Genezareth so ich in meinen Schmerzen, in meinem Selbstmitleid, in meiner Enttäuschung, in meinem Verzagtsein und in meinem Ärger zu versinken. Aber als ich das Krankenhaus verlassen hatte und auf dem Weg nach Hause war, hatte ich meinen guten Mut wieder und konnte dankbar sein. Dabei dachte ich an das Sprichwort: „Jesus lässt zwar sinken, aber nicht ertrinken.“ (Lehrtext) Anders gesagt: Der Glaube hilft mir, nicht auf das Unglück zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange, sondern die Hilfe wahrzunehmen, die mir Gott zuteilwerden lässt. Man kann das alles auch ganz anders sehen. Aber ich sehe es so.

     Trotz alledem war es eine sehr schöne Tour bei strahlendem Wetter. Ob ich nächstes Jahr, wenn alles ausgeheilt ist, wieder motorradfahren werde? Ich habe mich noch nicht entschieden.

     PS: Zu Hause angekommen, kam mein bester Freund aus unserem Dorf vorbei, um mir zu sagen, dass er sich letzten Freitag beim Fahrradfahren (!) das rechte Schlüsselbein gebrochen hat. Als ich ihm von meinem Missgeschick erzählte, wollte er es erst gar nicht glauben. Dann haben wir ein Bier miteinander getrunken und jeweils mit der linken Hand auf unsere Gesundheit angestoßen. 

Gebet: Herr, du verblüffst mich immer wieder, dass dein Wort mitten im Alltag plötzlich wahr wird. Und auch die alten Glaubensgeschichten, die in der Bibel erzählt werden, sind plötzlich hochaktuell. So hilfst du mir, mein Leben im Licht deines Wortes zu deuten und trotz allem Missgeschick froh und dankbar zu bleiben. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Eines der romanischen Juwelen in der Auvergne, die Kirche Saint Nectaire, 12. Jahrhundert