Mittwoch, 25. November 2020

Kritik an den Reichen und Selbstkritik hl

Losung: Ihr trinkt den Wein kübelweise und verwendet die kostbarsten Parfüme; aber dass euer Land in den Untergang treibt, lässt euch kalt. Amos 6,6 

Lehrtext: Den Reichen in der gegenwärtigen Welt aber gebiete, nicht überheblich zu sein und ihre Hoffnung nicht auf den flüchtigen Reichtum zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles in reichem Maße zukommen und es uns genießen lässt. Sie sollen Gutes tun, reich werden an guten Werken, freigebig sein und ihren Sinn auf das Gemeinwohl richten. So verschaffen sie sich eine gute Grundlage für die Zukunft, die dazu dient, das wahre Leben zu gewinnen. 1.Timotheus 6,17-19 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

es erstaunt mich immer wieder wie die Reichen und somit Mächtigen in der Bibel von gesellschaftlich unbedeutenden Leuten wie Amos (Losung) und Timotheus (Lehrtext) herausgefordert werden. Soweit ich weiß, hatten sie damals zu ihrer Zeit damit keinen Erfolg. Die Reichen haben trotz ihrer Kritik weitergemacht wie bisher. Und so tun sie es bis heute.

     Aber erstaunlicherweise wurde ihre Kritik nicht gleich wieder vergessen, sondern aufgeschrieben und überliefert von Generation zu Generation bis sie in die Bibel aufgenommen wurde. So können wir auch heute noch davon lesen. Und so bleibt ihre Kritik seit 3000 Jahren ein Stachel im Fleisch der Mächtigen und Reichen.

     Nützt sie denn heute mehr als damals? Es hat nicht den Anschein. Doch ganz so stimmt das nicht. Es gibt durchaus auch unter Reichen Christen, die sich an der Bibel orientieren und somit »Gutes tun, freigebig sind und ihren Sinn auf das Gemeinwohl richten« (Lehrtext).

     Und es gibt Reiche, die nicht gläubig sind, und trotzdem diese Maßstäbe für sich übernommen haben. Sie tun das, weil sie ihrem Land und der Gesellschaft etwas zurückgeben möchten von dem, was sie bekommen haben und Grundlage dafür war, dass sie ihren Reichtum erwirtschaften konnten.

     Soll man denn dann Reiche und Mächtige kritisieren? Durchaus, wenn ihnen das Gemeinwohl egal ist und sie darüber hinaus auch noch Steuern hinterziehen, die für den Bau von Krankenhäusern und Straßen gebraucht werden. Doch zuvor möge man sich bitte selbst fragen: Wie halte ich es mit meinem Vermögen? Bin ich freigebig? Habe ich das Gemeinwohl im Blick? Habe ich für andere etwas übrig? Zahle ich alle meine Steuern? Oder bin ich überheblich (Lehrtext), kleinlich und geizig? …..

     Und man möge sich fragen, „auf welcher Grundlage baue ich an der Zukunft? Worauf setze ich meine Hoffnung? Welche Bedeutung hat für mich ein Leben mit Gott und aus dem Glauben?“ (Lehrtext)    

Gebet: Herr, du weißt am besten wie wichtig mir Geld ist. Du weißt aber auch, dass du mir wichtig bist. Ich wünsche mir für mich selbst, dass du mir immer wichtiger wirst und das Geld immer unwichtiger. Ich wünsche mir, dass ich von materiellen Dingen immer unabhängiger werde und von dir immer abhängiger. Darum setze ich meine Hoffnung und mein Vertrauen auf dich. Du hast nicht dich im Blick, sondern uns Menschen, die wir dich brauchen. Bist barmherzig und freigebig in allen guten Dingen. So ermutigst du mich, in dieser Welt und Zeit deinen Weg zu gehen. Amen 

Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Dienstag, 24. November 2020

Christen fallen auf hl

Losung: Aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. Psalm 98,3 

Lehrtext: Zündet man denn ein Licht an, um es unter den Scheffel oder unter die Bank zu setzen? Und nicht, um es auf den Leuchter zu setzen? So soll alles, was jetzt noch an Gottes Botschaft verborgen ist, ans Licht kommen, und was jetzt noch ein Geheimnis ist, soll jeder verstehen. Markus 4,21 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

was meinst du, von welchem Licht spricht Jesus im Lehrtext? Ich denke, dass es das Licht des Evangeliums ist, also der Guten Nachricht vom barmherzigen Gott und seiner heilenden Liebe, das möglichst für alle sichtbar sein soll. Und wie sehen es die, die nicht glauben? Vielleicht sehen sie es dann, wenn du und ich die Leuchter sind, auf denen dieses Licht brennt.

     Manche nennen Menschen, die glauben „Armleuchter“. Damit wollen sie sie verspotten. Aber dieser Begriff ist im Grunde genommen eine Auszeichnung, sofern wir das Licht des Evangeliums tragen und an uns sichtbar werden lassen.

     Jemand sagte mal, es gibt fünf Evangelien: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes und dich. Die ersten vier Evangelien werden von den meisten kaum gelesen. Aber du bist für andere sichtbar. Was sehen sie, wenn sie dich sehen? Wie beurteilen sie dich, wenn sie wissen, dass du nicht nur getauft, sondern wirklich Christ bist?

     Manchmal sagt einer von einem anderen, dessen Verhalten er missbilligt: „Und das soll ein Christ sein?“ Dahinter stecken meistens bürgerliche Vorurteile. Mit dem Glauben hat das oft wenig zu tun. Denn ein Christ wird nicht daran erkannt, dass er ein angepasstes Leben führt, nicht auffällt und im großen Strom mitschwimmt.

     Sondern Christen fallen auf, weil sie aus dem üblichen Rahmen fallen.

  • Sie fallen auf, wenn sie der allgemeinen Meinung über eine Person widersprechen.
  • Sie fallen auf, wenn sie nicht die gleichen politischen Phrasen dreschen wie andere.
  • Sie fallen auf, wenn sie widersprechen, wenn ein anderer herabgesetzt wird. 
  • Sie fallen auf, wenn sie die in unserer Gesellschaft Geringgeschätzten schätzen.
  • Sie fallen auf, wenn sie ihren negativen Gefühlen nicht freien Lauf lassen.
  • Sie fallen auf, weil sie mehr von sich verlangen als von anderen.
  • Sie fallen auf durch ihre Hilfsbereitschaft und ihren Anstand gerade gegenüber denen, die für sie schwierig sind.
  • Sie fallen auf durch Gewaltverzicht, Friedenswillen und dem Wunsch nach Versöhnung im persönlichen wie im öffentlichen Leben.
  • Sie fallen auf, wenn sie in der Corona-Depression zuversichtlich bleiben.
  • Sie fallen auf, wenn sie sich von Menschen fernhalten, die an die niedrigen Instinkte appellieren.
  • Sie fallen auf durch Höflichkeit und Manieren, durch Freundlichkeit und Entgegenkommen, durch Verständnis und Nachsicht, durch eine heitere Gelassenheit und Humor.
  • Sie fallen auf durch Selbstkritik und die Bereitschaft dazuzulernen.
  • .....
  • Sie fallen auf, weil sie sich nach Jesus ‚Christen‘ nennen, durch den und in dem sie erkennen, wer und wie Gott ist.
  • Und wohl am meisten fallen sie auf durch ihr Gottvertrauen.

     Nein, man versteckt das Licht nicht unter einem Scheffel, wo es niemand sieht, wo es nicht auffällt, sondern setzt es auf einen Leuchter.

Gebet:

Du bist das Licht der Welt, du bist der Glanz der uns unseren Tag erhellt.
Du bist der Freudenschein, der uns so glücklich macht, dringst selber in uns ein.
Du bist der Stern in der Nacht, der allem Finsteren wehrt,
bist wie ein Feuer entfacht, das sich aus Liebe verzehrt,
du, das Licht der Welt.

Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Montag, 23. November 2020

Sie wissen nicht, was ihnen fehlt hl

 Losung: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen. Jesaja 57,15 

Lehrtext: Jesus sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Markus 6,34 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wir haben einen Gott, dem seine Menschen leid tun, wenn es ihnen nicht gut geht. Und ich glaube, dass ihm auch heute all die leid tun, die sich allein und verloren vorkommen, weil sie nicht glauben können, dass sie einen guten Hirten haben. Sie wissen nicht, was ihnen fehlt, da sie den Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ nicht vertrauensvoll beten können. Sie wissen nicht, was ihnen fehlt, da sie Jesus seine große Menschenliebe nicht glauben können. Sie wissen nicht, was ihnen fehlt, da sie sich nicht darauf verlassen können, dass Gott da ist, nur ein Gebet weit weg.

     Und darum können die beiden Bibelworte heute sie nicht trösten, weil sie ihren Trost nicht kennen und weil sie nicht spüren, was sie unbewusst vermissen.

·      Denn jeder Mensch braucht einen, der bei ihm ist, gerade dann, wenn es ihm nicht gut geht, wenn er deprimiert, gedemütigt und enttäuscht ist.

·      Jeder Mensch braucht einen, der seine Not kennt und ihn versteht, der sich ihm zuwendet und bei ihm aushält.

·      Nicht jeder hat einen solchen Menschen an seiner Seite.

·      Doch für jeden ist Gott da, der, dem seine Menschen leid tun, wenn sie orientierungslos sind und niemand haben, der für sie sorgt. Auch für dich.

·      Besonders aber für die, die niedergeschlagen sind und am Boden liegen, dass er ihnen aufhelfe. Auch dir. 

Ich aber habe seinen Trost erlebt und weiß, was mir fehlen würde, wenn ich nicht mehr glauben könnte.  

Gebet: Herr, solange ich glauben kann, bin ich nie ganz allein. Stärke meinen Glauben und mache mich jeden Tag gewiss, dass du da bist. Komm auch zu denen, die nicht wissen, dass du ihnen fehlst. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Sonntag, 22. November 2020

Wie Trauer helfen kann (Predigt) hl

Gottesdienst zum Gedenken der Verstorbenen im letzten Kirchenjahr 

Bibelwort: Matthäus 11,28+29

Liebe Angehörige der Verstorbenen, liebe Gemeinde,

ihr wurdet zu diesem Gottesdienst eingeladen, um euch dabei zu unterstützen, einen weiteren Schritt durch die Zeit der Trauer zu tun. Denn Trauer ist ja nicht nur ein Gefühl. Sie ist ein Weg, den jeder gehen muss, der vom Tod eines ihm nahestehenden Menschen betroffen ist. Dabei hilft es, wenn ihr eure verschiedenen Gefühle zulassen könnt, den Schmerz, den der Verlust euch bereitet, aber auch andere, oft verwirrende Gefühle, die auftauchen und vielleicht auch beunruhigen. Auch sie haben ihr Recht und wollen gefühlt sein, damit sie wieder vergehen können.

 Jeder von euch hier trauert anders. Und deshalb soll auch jeder von euch zu seiner ganz persönlichen Trauer stehen. Schaut also nicht darauf, was andere vielleicht dazu sagen. Verhaltet euch so, wie ihr es selbst für richtig haltet. Ihr müsst niemandem etwas vorspielen, was ihr nicht seid. Seid vielmehr so, wie euch zumute ist.

  Ihr wurde in die Kirche und in diesen Gottesdienst eingeladen, weil ihr hier einen Raum habt, wo ihr zur Ruhe kommen könnt und eure Seelen vielleicht Frieden finden. Hier wollen wir gemeinsam der Verstorbenen des letzten Jahres gedenken. Hier können wir uns daran erinnern, was uns der Mensch bedeutet hat, der von uns gegangen ist. Hier können wir Gott im Gebet sagen, was wir auf dem Herzen haben. Hier könnt ihr ihm bringen, was das Herz beschwert. Er selbst sagt in Jesus zu einem jeden einzelnen von euch:

Du bist eingeladen

  »Kommt alle zu mir, die ihr bedrückt seid und schwer an eurem Leid tragt. Ich will es euch leichter machen. Vertraut euch mir an, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. So findet ihr Ruhe für euer Leben.« (Matthäus 11,28+29)

  Vielleicht bist du jetzt unsicher, weil du nicht weißt, wie du auf diese Einladung reagieren sollst. Vielleicht meinst du sogar, dass sie dir nicht gilt, weil du nicht glaubst. Dann lass dir sagen: Jesus lädt dich nicht ein, weil du ein besonders vorbildlicher Mensch bist und im Glauben alles richtig machst. Wer ist schon so? Er lädt dich ein, weil er sieht, dass dein Herz schwer ist. Und weil er dir helfen kann. Ob und wie du glaubst, ist ihm nicht so wichtig. Wichtig ist ihm allein, dass dein verwundetes Herz heilen kann und die Schmerzen der Trauer vergehen. Und dafür brauchst du keinen Krankenschein und kein Rezept. Da genügt es, wenn du dich öffnest und an ihn abgibst, was dir weh tut.

Trauer ist ein Weg

     Nein, da wird nicht sofort alles gut. Wie gesagt, Trauer ist ein Weg. Aber es ist ein Unterschied, ob ich diesen Weg allein gehen muss, oder ob da einer mitgeht so wie wir bei der Trauerfeier mit dem Psalm 23 gebetet haben: »Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.«

     Selbst wenn du nicht weißt, wer das ist, der da mitgeht, so gilt doch auch für dich, was Dietrich Bonhoeffer gedichtet hat: »Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag«. Ja, in dieser oft so schwierigen Welt und auch in deinem nicht immer einfachen Leben gibt es diese guten Mächte. Das sind zunächst einmal all die Menschen und Dinge, die dir gut tun. Und dass es sie gibt, ist kein Zufall. Ich glaube, Gott hilft uns vor allem durch sie. Und darum geht das Gedicht von Bonhoeffer so weiter: »Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.«

Auch morgen ist wohl für die meisten von euch hier wieder ein Tag der Trauer. Manchmal erlebt ihr sie intensiver und manchmal ist sie weniger stark. Manchmal tut es mehr weh, aber dann auch wieder ein bisschen weniger. Ja, das finstere Tal kann ganz schön lang sein. Und doch hat es einen Ausgang. Und dann wird es allmählich wieder heller auch in deinem Leben. Und vielleicht kannst du irgendwann auf diesem Weg zu Gott sagen: „Lass mich spüren, dass du da bist. Geh mit mir durch dieses Tal und bring mich wieder hinaus.“

Im Rahmen der Aussegnung oder der Trauerfeier werden oft diese Worte gesagt:

»Wir nehmen Abschied von diesem Menschen. Wer ihn lieb gehabt und geachtet hat, trage diese Liebe und Achtung weiter. Wen er lieb gehabt hat, danke ihm alle Liebe. Wem er etwas schuldig geblieben ist an solcher Liebe in Worten und Taten, bitte Gott um Vergebung. Und wem er wehgetan haben sollte, verzeihe ihm, wie Gott uns vergibt, wenn wir ihn darum bitten. So nehmen wir Abschied mit Dank für alles Gewesene und im Frieden.«

Annehmen, was war und was ist

     Diese Sätze, die allen Trauernden gelten, sollen helfen, dass sie annehmen, was und wie es zu Lebzeiten des Verstorbenen war. Da geht es um das, was schön und gut war, aber auch um das, was schwierig war. Niemand kann das mehr ändern. Aber du hast die Möglichkeit, so damit umzugehen, dass es dir gut tut. Jene Sätze geben einen Hinweis, wenn es da heißt: »So nehmen wir Abschied mit Dank für alles Gewesene und im Frieden.« Wohl kaum jemand kann für alles Gewesene dankbar sein. Aber im Lauf der Zeit verändert sich der Blick auf das, was war. Und dann versteht man allmählich, dass auch das seinen Sinn hatte, was schwierig war und dass es am besten für den eigenen Seelenfrieden ist, insgesamt dankbar auf die gemeinsame Zeit zurückzublicken.

    Doch es geht nicht nur darum, anzunehmen, was war und seinen Frieden damit zu machen. Es geht jetzt auch darum, anzunehmen was ist. Nämlich, dass der Abschied unwiderruflich ist. Wenn die Verstorbenen länger leiden mussten, sagen wir gewöhnlich bei ihrem Tod: Er oder sie ist erlöst. Das stimmt schon. Aber es ist doch nur ein kleiner Trost, weil der Tod eben auch endgültig ist. Weil er einen harten Einschnitt ins Leben bedeutet. Und alle, die trauern, merken das auch daran, dass es seine Zeit braucht, bis die eigene Seele so weit ist, das anzunehmen. Doch genau das ist auch die Aufgabe in der Trauerzeit, dass wir annehmen, was ist und zu dem Punkt kommen, an dem man sagen kann: „Ja, jetzt bin ich damit einverstanden, denn jetzt habe ich meinen Frieden gefunden.“

Der Tod ist nicht das Letzte

     Seit zweieinhalb tausend Jahren steht dieses Wort in der Bibel: »Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen.« Ich weiß nicht, ob diejenigen, die glauben, leichter annehmen können, was ist. Aber sie können zu sich sagen: "Ich hab diesen Menschen, der von mir gegangen ist, aus Gottes Hand bekommen und ich gebe ihn nun wieder dahin zurück. Denn mit ihm, dem Schöpfer aller Dinge, hat alles begonnen und mit ihm wird alles enden. Nicht der Tod ist das Letzte. Er ist nur ein Vorletztes. Das Letzte aber ist, was Gott tut. Er wird niemand verlieren und niemand verdammen, niemand bestrafen und niemand vergessen. Er wird heilen, was krank war und zerbrochen ist. Er wird aufrichten, was krumm ist. Er wird vergeben, was misslungen ist." 

     Und er wird vollenden, was er begonnen hat mit dem Verstorbenen, mit dir und mit mir. So bringt er alles zu einem guten Ende. Denn trotz allem, was wir in diesem Leben auch an Leid und Schmerz erfahren, vertrauen wir auf den Gott der Liebe, der in Jesus Christus zu uns gekommen ist und bleibt. Amen

Musik nach dem Verlesen der Namen der Verstorbenen: "Wachet auf, ruft uns die Stimme"

 

Samstag, 21. November 2020

Liebe und Lebenswirklichkeit hl

Losung: Gott, deine Güte ist besser als Leben. Psalm 63,4 

Lehrtext: Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1. Johannes 4,16 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

»Gott ist Liebe« – gäbe es ein Grundgesetz des Glaubens, wäre das wohl der Artikel 1. Was sollte Gott auch sonst sein. Nun, wem im Leben so richtig übel mitgespielt worden ist, sieht das vielleicht anders. Vielleicht würde ich es an seiner Stelle auch anders sehen. Aber Gott sei Dank kann ich mich nach wie vor zu diesem Satz bekennen: »Gott ist Liebe«.

     Schwieriger ist es schon mit dem darauf folgenden Satz im Lehrtext: »Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.« Ja, das möchte ich schon auch. Aber ich kann das nicht immer. Ich kann nicht jeden Menschen in Vergangenheit und Gegenwart lieben. Erst gestern habe ich in der Losungsauslegung von den „Finsterlingen“ geschrieben. Sie zu lieben, übersteigt meinen Glauben, meinen Verstand und meine Kraft. Das konnte und kann nur Jesus Christus, in dem Gottes Liebe bis zum letzten Atemzug geblieben ist.

     Der Verfasser des ersten Johannesbriefs hatte wunderbare Glaubenseinsichten und hat sie in wunderbaren Sätzen formuliert wie im heutigen Lehrtext. Aber dann greift er im selben dritten Kapitel doch wieder kräftig daneben, wenn er schreibt: »Wer in Gott bleibt, der sündigt nicht; wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen noch erkannt.« Und noch drastischer: »Wer Sünde tut, der ist vom Teufel« (1. Joh 3,8a).

     Für mich geht das an der Lebenswirklichkeit komplett vorbei, auch an der Lebenswirklichkeit dessen, der das geschrieben hat. Und darum sagt Martin Luther: »Der Mensch ist gerecht und Sünder zugleich«. Daran ändert auch nicht die Beichte und auch nicht die Vergebung, die dem zugesprochen wird, der seine Sünden bekennt. Ich komme als Sünder zur Beichte und gehe als Sünder wieder davon. Ich komme als der, der Gott recht ist (den er gerecht gemacht hat) zur Beichte, und gehe als der, der ihm recht ist wieder davon.

     „Wie oft soll ich meinem Bruder oder meiner Schwester vergeben?“, wird Jesus gefragt. Und er antwortet: „Nicht siebenmal, sondern 7 × 70 mal“, was so viel bedeutet wie immer. Ich bin ein Mensch, der auf Gottes Vergebung und die seiner Mitmenschen angewiesen bleibt. Und gerade deshalb, bleibe ich auch in seiner Liebe. Nicht, weil ich die übermenschliche Kraft hätte, nicht mehr zu sündigen, sondern weil Gott weiß, dass ich gerade als der, der immer wieder versagt, seine Liebe brauche. Das ist seine Güte, von der ich lebe (Losung).        

Gebet: Herr, ich kann nicht aus eigener Kraft in der Liebe bleiben. Aber gerade deshalb bleibst du in mir. Denn nur so heilst du mich und vergibst mir. Doch ich bitte dich, dass du mir immer wieder von deiner Kraft gibst, damit ich auch die lieben kann, mit denen ich Probleme habe. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Freitag, 20. November 2020

Was meinen Glauben und Verstand übersteigt hl

Losung: Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein. Daniel 2,21 

Lehrtext: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Offenbarung 15,3-4 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

was sich Gott wohl dabei gedacht hat, als er Donald Trump als Präsident eingesetzt hat? Wollte er uns allen mal einen gehörigen Schrecken einjagen? Nun ja, Trump haben die Amerikaner gewählt und wieder abgewählt. Und ich weiß nicht recht, ob Gott wirklich Trump eingesetzt hat. Dann müsste er ja auch Hitler und Stalin eingesetzt haben und die anderen Massenmörder wie Mao Tsetung und Pol Pot und viele andere Finsterlinge mehr. Das zu glauben fällt mir schwer.

     Nun, glücklicherweise war Trump als Präsident kein Massenmörder. Das muss man ihm zugutehalten. Während seiner Präsidentschaft sind, soweit ich weiß, weniger Menschen von amerikanischen Soldaten getötet worden als unter seinen Vorgängern.

     Dass Gott die Diktatoren und Tyrannen wieder davon gejagt hat, das fällt mir leicht zu glauben. Aber dass er sie auch an die Macht gebracht hat ...?

     Natürlich bin auch ich überzeugt, dass in allen Dingen letztlich sein Wille geschieht. Aber manchmal übersteigt dies meine Kraft zu glauben. Dann kann ich bestenfalls noch sagen: Ja, es wird wohl so sein, dass auch die entsetzlichen Dinge nicht gegen Gottes Willen geschehen können. Aber mehr kann und will ich dazu nicht sagen. Was den Glauben und den Verstand übersteigt, dazu will und muss ich, was Gott betrifft, schweigen, aber nicht dazu, was uns Menschen betrifft und unsere Verantwortung.

     Ja, die Werke des Herrn sind wunderbar (Lehrtext), aber manchmal eben auch wunderlich. Ich habe genug Anlass, ihn immer wieder zu loben, zu preisen und ihm zu danken sowohl was mein kleines Leben angeht, als auch die große Welt. Aber manchmal verschlägt es mir auch die Sprache. 

Gebet: Herr, dein Wille geschieht. Wessen Wille sollte denn sonst geschehen? Er geschieht von Anbeginn des Universums bis zum heutigen Tag und er wird auch in Zukunft geschehen. Ich bin froh, dass ich das glauben kann. Denn in deinem Willen fühle ich mich geborgen. Ich vertraue darauf, dass du alles zu einem guten Ende bringen wirst, mich kleinen Menschen und die Menschheit im Ganzen. Doch auf diesem Weg geschehen immer wieder Dinge, die meinen Glauben und meinen Verstand übersteigen, die mich erschüttern und verzweifeln lassen. Dann muss ich die Reste meines Gottvertrauens zusammenkratzen, um nicht an dir irr zu werden. Darum bitte ich dich, überfordere nicht meinen Glauben und meinen Verstand. Gibt mir die Kraft, auch in finsteren Stunden an das zu denken, was du mir und anderen Gutes getan hast. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 19. November 2020

Alles ist bereit hl

 Losung: Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Psalm 34,9 

Lehrtext: Kommt, alles ist schon bereit! Lukas 14,17 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

alles ist bereit – für dich! Willst du mit Gott leben? Seine Arme sind schon offen, um dich zu empfangen. Er nimmt dich so auf wie du bist. In seinen Augen bist du schon immer sein Kind. Warum sollte er dich dann nicht aufnehmen? Also »komm, es ist schon alles für dich bereit.« (Lehrtext)

     Sind deine Arme, ist dein Herz offen für ihn? Nimm ihn so auf, wie er ist. Gott ist dir von jeher freundlich (Losung) gesinnt und dein barmherziger Vater. Daran ändert sich nichts.

     Wenn du zu ihm kommst, musst du nichts mitbringen, gar nichts, nur dich selbst. Wenn er zu dir kommt – und das hat er in Jesus längst getan – bringt er alles mit, was du für Zeit und Ewigkeit brauchst. Lass dich von ihm beschenken.

     Kürzlich habe ich wieder einen bombastischen Sonnenuntergang gesehen (siehe Bild). Vorhin habe ich einen Apfel gegessen. Da habe ich buchstäblich wieder gesehen und geschmeckt, wie freundlich der Herr zu mir ist – wie auch zu dir.

     Manche meinen, sie müssten Bibelworte erst spiritualisieren also vergeistlichen, um ihren Sinn zu verstehen. Ich meine das nicht. Gottes Freundlichkeit sehe und schmecke ich mitten im Leben. Guten Appetit! 

Gebet: Herr, du bist bereit für mich. Forme meinen Glauben, dass ich bereit bin für dich. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 18. November 2020

Nicht mit den Wölfen heulen hl

Losung: HERR, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über uns als du, aber wir gedenken doch allein deiner und deines Namens. Jesaja 26,13 

Lehrtext: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apostelgeschichte 5,29 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

als junger Pfarrer sollte ich Religionsunterricht am Gymnasium geben. Dazu musste ich vor dem Schulleiter eine Art Treuebekenntnis zum bayerischen Staat unterschreiben. Die Einzelheiten weiß ich nicht mehr. Aber das weiß ich noch: Ich habe damals eigenhändig hinzugefügt, dass Apostelgeschichte Kapitel 5 Vers 25 (siehe Lehrtext) über dieser Erklärung steht. Der Schulleiter war empört. Sowas war ihm bisher noch nicht vorgekommen. Er musste erst bei der Regierung nachfragen, ob diese Art von eingeschränktem Treuebekenntnis zum Staat gilt und ob ich Religionsunterricht erteilen darf. Offenbar wollten seine Vorgesetzten es nicht auf einen Konflikt ankommen lassen und haben grünes Licht gegeben.

     Und nun frage ich dich: Was ist für dich die höchste Instanz, der gegenüber du dich verantwortlich weißt und der du im Konfliktfall folgst? Die Eltern, der Partner, der Chef, die Polizei, der Bischof, die Justiz, der Staatschef, du selbst?

     Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus dem König Herodes oder dem Kaiser Tiberius in Rom oder dem Hohenpriester Kaiphas in Jerusalem mehr gehorcht hat als Gott. Man wusste damals sehr gut, warum man ihn umbringen wollte. Der böhmische Reformator Jan Hus hat den Kirchenfürsten auch nicht gehorcht und musste deshalb 100 Jahre vor Martin Luther auf dem Scheiterhaufen brennen. Luther hat in Glaubensfragen weder dem Papst noch dem Kaiser gehorcht. Dafür wurde er für vogelfrei erklärt. Dietrich Bonhoeffer hat sich Hitler nicht unterworfen. Dafür bezahlte er im KZ Flossenbürg mit seinem Leben.

     Es ist schon so, wer Gott mehr folgt als den Menschen, muss die Konsequenzen dieser Menschen fürchten. Doch heute kann dich der Chef schlimmstenfalls entlassen. Die Kirche kann dir Gott sei Dank nichts mehr tun. Der Staat kann dir den Zugang zu seinen Ämtern verwehren oder je nach Lage der Dinge dich anderweitig bestrafen. In unserem Rechtsstaat musst du aber deswegen nicht viel fürchten.

     Ja, »es herrschen wohl andere Herren über uns als Gott« (Losung). Sie können gegebenenfalls äußeren Zwang anwenden. Aber sie können nicht über dein Herz herrschen, wenn du es nicht willst. Niemand kann das. Doch um dich nicht von anderen beherrschen zu lassen, sagt die Bibel: »Rühme allein Gott und seinen Namen.« 

Gebet: Herr, was für ein Glück und eine Gnade, dass ich in diesem Land meinen Glauben unbehelligt leben kann. Aber auch in dieser Gesellschaft und in meinem Leben werde ich immer wieder einmal vor die Frage gestellt, wer eigentlich mein Herr ist, wem ich folgen will und wem nicht. Ich will lieber auf dich hören als auf meine augenblicklichen Gefühle und Bedürfnisse, die sich so schnell wieder ändern können. Und auch sonst im Umgang mit anderen Menschen will ich deinem Kurs folgen und nicht meinen Mantel nach dem Wind hängen oder mit den Wölfen heulen. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 17. November 2020

Zum Glück! hl

Losung: Um meines Namens willen halte ich meinen Zorn zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich mich zu deinen Gunsten, dass ich dich nicht ausrotte. Jesaja 48,9 

Lehrtext: Gott hat uns errettet und uns berufen mit heiligem Ruf, nicht aufgrund unseres Tuns, sondern aufgrund seiner freien Entscheidung und seiner Gnade, die uns in Christus Jesus zugedacht wurde. 2.Timotheus 1,9 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

die heutige Losung klingt schon etwas gruselig. Da malt uns der Prophet einen Gott mit geschwollenen Zornesadern vor Augen, der sich nur mit Mühe bezähmen kann, sein Volk nicht auszurotten (!). Zugunsten des unbekannten Verfassers, den man den zweiten Jesaja nennt, möchte ich sagen, dass es ihm offenbar ein Herzensanliegen war, die Israeliten zu warnen. Sie sollten ihr Verhalten ändern, um Gott, wie er ihn sich in seinem Glauben vorstellte, nicht allzu sehr zu reizen, damit nicht doch noch ein Unglück geschieht.

     Dieses Bild haben Generationen von Gläubigen bei Juden und Christen für bare Münze genommen und sich vor Gott gefürchtet. Doch diese Gottesvorstellungen ist allzu menschlich. Da wurde wieder einmal Gott mit einem strengen Richter oder wütenden Tyrannen verwechselt. Aber hat es jemals solche gegeben, die gedroht haben, das eigene Volk auszurotten?

     Was beide Bibelworte heute verbindet, ist, dass Gott seine Entscheidungen und sein Verhalten nicht davon abhängig macht, wie Menschen sich verhalten. In der Losung nimmt er Rücksicht auf seinen Namen und seinen Ruhm. Im Lehrtext ist es seine freie Entscheidung und das Geschenk seiner Menschenliebe (= Gnade), die er „uns in Christus Jesus zugedacht“ hat. Allein aus diesem Grund, so der Lehrtext, „hat Gott uns errettet und berufen“, seine Kinder zu sein.

     Und genau das ist das Evangelium, die frohe und gute Botschaft, die mit Jesus zu uns gekommen ist: Dass Gott sich mir zuwendet und mir hilft, hängt nicht von meinem Tun und Lassen ab, sondern ist einzig und allein seine Entscheidung. Er schenkt mir mit Jesus Christus seine bedingungslose und unverdiente Liebe nur deshalb, weil er es will. Und ich kann mich auch nur darauf verlassen, auf nichts anderes, schon gar nicht auf mich und mein Verhalten. Zum Glück! 

Gebet: Herr, von dir aus ist alles klar. Du bist die helle Sonne über mir und allen Menschen, die keine Wolke trübt. Aber von mir aus ist nichts klar. Mein Glaube schwankt und mein Vertrauen in dich ist nicht so stark, wie ich gerne möchte. Ich brauche deine Kraft auch noch für meinen Glauben, damit ich in schwierigen Zeiten durchhalten kann. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Montag, 16. November 2020

Den Nächsten und den Fernsten lieben hl

Losung: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR. 3.Mose 19,18 

Lehrtext: Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Hebräer 13,1-2 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

dass man seinen Nächsten lieben soll, dieses Gebot gibt es so gut wie in allen Religionen, so auch im Judentum (siehe Losung). Doch in der Regel bezieht sich das nur auf die Angehörigen der eigenen Gruppe, also auf die Familie, die Verwandtschaft, die religiöse Gemeinschaft, die Sippe. Aber sind die Leute aus dem Nachbardorf auch gemeint? Und wie steht‘s mit der Nachbarschaft?

     Und wie ist es, wenn dein Nächster schwul ist oder schwarz oder einen Migrationshintergrund hat oder früher mal im Gefängnis war oder einer politischen Gruppierung anhängt, die du verabscheust? Sollst du den dann auch lieben?

     Wenn ich jetzt einfach nur mit „Ja“ antworte, würde ich es mir zu leicht machen. Ja, wenn Jesus dieses Gebot aufgreift, dann gilt es auch für die, die ich gerade genannt habe. Aber ist das denn so einfach? Nein, einfach ist es überhaupt nicht. Ich jedenfalls muss mich in dem einen oder anderen Fall echt überwinden und meine Vorbehalte wenigstens hintanstellen.

     Friedrich Nietzsche sagt, du sollst nicht deinen Nächsten, sondern den Fernsten lieben. Ich sehe da keine Alternative. Gerade in unserer Zeit ist die Liebe zu den Fernsten eine Voraussetzung dafür, dass wir Menschen auf diesem kleinen Planeten Erde überleben können und auch noch unsere Kinder und Enkelkinder eine Zukunft haben. Bei dem, was wir hier in Deutschland machen, müssen wir mit bedenken, wie sich das auf Menschen in Indonesien oder Peru auswirkt. Wir müssen ihre Interessen im Blick haben und sie berücksichtigen, wenn wir hier technologische und wirtschaftliche Entscheidungen treffen.

     Doch was heißt hier „lieben“? Ich denke, es geht darum, dass ich gegenüber jedermann einfach hilfsbereit bin, freundlich und versöhnlich. Dass ich meine negativen Gefühle und Einstellungen beherrsche. Und dass ich konkrete Menschen liebe und nicht abstrakte, künstliche, erfundene Gebilde wie Nation, Kirche, Kapitalismus, Deutschland, Sozialismus, das Christentum, den Islam, den Staat, das Geld das Gesetz usw. Das alles sind menschliche Erfindungen und Fiktionen. Der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann, ein engagierter evangelischer Christ, wurde mal gefragt, ob er seine Kirche liebe. Er antwortete kurz und knapp: »Nein, ich liebe meine Frau.«

     Ich meine, wir können es uns nicht mehr leisten, nationalistisch zu denken und zu fühlen so als ob die deutsche Nation – was immer das sein soll – oder die deutsche Kultur besser und edler sei als die anderer Nationen. So hat man in der Steinzeit gefühlt und gedacht. Doch wir müssen die Steinzeit in unseren Köpfen und Herzen endlich überwinden. Statt wieder egoistisch zu sein wie ein Kleinkind und Parolen auszugeben wie „Amerika zuerst“ oder „Deutschland über alles“ müssen sich die Menschen in allen Ländern dieses Planeten als eine Gemeinschaft erkennen. Sie wird nach menschlichem Ermessen nur dann überleben, wenn sie die ungeheuren Herausforderungen wie künstliche Intelligenz, Biotechnologie, die Kontrolle der Datenmengen, eine Pandemie, Überbevölkerung, atomare Bedrohung und den Klimawandel gemeinsam meistert. Bei alledem haben Nationalisten keine Lösung parat, sondern sind Teil des Problems.

Ja, ich finde es richtig, den Nächsten zu lieben. Aber ich darf darüber auch den Fernsten nicht vergessen. 

Gebet: Herr, ich will bei Fremden nicht mehr auf die Unterschiede starren, sondern das Gemeinsame sehen. Wir alle sind ja auf diesem Planeten deine Kinder, alle mit gleicher Würde und gleichen Rechten begabt. Alle sind wir nach deinem Bild geschaffen. Das soll mein Denken und Fühlen bestimmen und nicht mehr die Angst vor dem Unbekannten und Fremden. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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