Montag, 19. Februar 2018

Gottes freie Diener hl

LosungGefällt es euch nicht, dem HERRN zu dienen, so wählt euch heute, wem ihr dienen wollt. Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen. Josua 24,15 

LehrtextDafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. 1.Korinther 4,1 

Liebe Leserin, lieber Leser,

muss ich denn überhaupt jemandem „dienen“? Bin ich nicht frei und kann tun und lassen was ich will? Hm, das ist eine knifflige Frage. Sie berührt den Streit, ob der Mensch einen freien Willen hat oder nicht. Darüber haben schon Martin Luther und der Humanist Erasmus gestritten. Nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis habe ich, wenn überhaupt, nur eine geringe Entscheidungsfreiheit im eng begrenzten Rahmen meiner Voraussetzungen, die da sind: Gene, biochemische Prozesse im Gehirn, natürliche Umwelt, Erziehung, gesellschaftliche Einflüsse und so weiter. Das würde bedeuten, dass es mit meiner Freiheit nicht so weit her ist, dass ich zu einem großen Teil das tue, was ich tun muss und dabei die Illusion habe, dass ich täte, was ich will.
     Das mag, objektiv betrachtet, so sein. Subjektiv aber erlebe ich mich anders. Ich meine, mich sehr wohl zwischen verschiedenen Dingen frei entscheiden und wählen zu können. Und die Bibel mutet mir das auch zu wie es zum Beispiel in der heutigen Losung heißt. Aber sie sagt auch, dass ich trotzdem nicht völlig frei bin, sondern mich nur entscheiden kann, wem ich dienen will, aber nicht ob ich das überhaupt will. Denn auch wenn ich mir selbst diene, also nur das mache, was mir passt, mache ich meine Bedürfnisse, mein Verlangen, meine Vor-Urteile zum Herrn über mich selbst. Wäre ich dann nicht irgendwie ich-sucht-krank?
     Unter diesen Umständen erscheint es mir immer noch am besten, Gott zu dienen wie er in der Bibel bezeugt wird und mir in Jesus begegnet. Denn das macht mich frei, frei vom Willen anderer, frei vom eigenen Willen, der nur das tut, was ich will. Gott in Christus dienen macht mich frei von Ideologien, Religionen, Weltanschauungen, Moden, Meinungen und sonstigen Einflüssen. 
     Stopp! Ganz so ist es leider nicht. Ich bin alledem nach wie vor ausgesetzt und auch davon beeinflusst. Oft merke ich es gar nicht. Und doch kann der Glaube an Gott helfen, eigenständiger und selbstverantwortlicher zu leben. Gott dienen heißt doch, sich an anderen Maßstäben und Werten orientieren, als nur an denen, die sonst so gelten. Von ihm her erscheint diese Welt und mein Leben in einem anderen Licht. 
     Davon spricht auch der Lehrtext. Denn seine Geheimnisse, die mir und dir anvertraut sind, sagen doch: „Lass dich nicht verrückt machen von den Nachrichten, von den Ansprüchen, und Ängsten der Menschen um dich her. Dein Leben ist mehr als was du im Augenblick erlebst. Diese Welt hat eine andere Zukunft als Menschen schaffen können. 
     Das Heilmittel der Erlösung, die Jesus gebracht hat, wirkt bereits und wird dazu führen, dass alles, was jetzt krank, kaputt und aussichtslos zu sein scheint, geheilt wird. So verstehe ich diese Geheimnisse aus dem Lehrtext. Für mich münden sie alle in dem einen Satz: ‚Alles wird gut.‘ Das ist nicht so, weil ich das sage oder will, sondern weil ich darauf vertraue, dass Gott vollenden wird, was er geschaffen hat. Dieses Vertrauen auf Gott hilft mir, wieder ruhiger und gelassener zu werden. Dieses Vertrauen hält immer wieder meine Sorgen und Ängst in Schach und gibt mir neue Zuversicht.

Gebet: Herr, je mehr wir Menschen über uns selbst erfahren, desto mehr erkennen wir unsere Abhängigkeit. Ich muss das auch für mich akzeptieren. Doch zugleich erfahre ich im Glauben eine neue Freiheit. Ich bin nicht auf Gedeih und Verderb dieser Welt und mir selbst ausgeliefert. Mitten in der Nacht glaube ich an den neuen Tag. Mitten im Winter an den Frühling. Mitten in der vergehenden Zeit an die Ewigkeit. Du bist die Zukunft. Mein Schicksal liegt in deiner Hand. Darum will ich dir dienen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden, sie werden im Internet-Blog korrigiert.
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Alle bisherigen Losungsauslegungen kann man hier im Internet-Blog nachlesen: <http://glaubenswachstum.blogspot.com/>
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer umfangreichen Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 
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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Sonntag, 18. Februar 2018

Verantwortung übernehmen hl

Predigt von Hans Löhr im Lichtblickgottesdienst am 18.2.2018. Predigttext: 1. Mose 3

Liebe Freunde,

heute geht es in der Predigt um das Thema „Verantwortung übernehmen“. Dazu werfen wir zunächst einen Blick in die Geschichte und dann erzähle ich noch von einem aktuellen Beispiel, von dem ich kürzlich in der Zeitung gelesen habe. Ausgangspunkt ist ein Film, den ich vor einiger Zeit gesehen habe. Er spielt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs und heißt „Drei Tage im April“. Ich will ihn jetzt nicht erzählen, sondern beschränke mich auf den Text, mit der er in einem Fernsehmagazin angekündigt wurde.
Vorab noch ein Hinweis: Es geht mir im Folgenden nicht in erster Linie um die deutsche Vergangenheit, sondern um mich heute. Nicht um Schuld damals, sondern um Verantwortung heute. Doch hört selbst, was in der Programmvorschau stand:
Überschrift: Verblendete Generation. Titel: Drei Tage im April. Eckartshausen bei Crailsheim (Filmname „Nesselbühl“) in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Täglich wird mit dem Eintreffen der Amerikaner gerechnet. In der Dorfschänke stößt man bereits auf das Ende des Krieges an. Da rollt eines Tages ein Güterzug im Bahnhof ein. Aufgrund technischer Probleme werden drei Viehwagen abgekoppelt. Hunderte von verhungernden KZ-Häftlingen sind in den Waggons eingepfercht, bewacht von SS-Soldaten. Das Schreien und Wimmern der Gefangenen dringt durch das ganze Dorf, doch niemand wagt es, den Eingeschlossenen zu helfen. Ausgerechnet die Gastwirtstochter Anna, bislang ein überzeugtes BDM-Mädel, findet schließlich den Mut, die Qual der Menschen zu lindern. Die Wachmannschaft, mit Cognac bestochen, erlaubt, die Waggontüren für zehn Minuten zu öffnen. Anna verteilt ein paar Lebensmittel. Dann werden die Türen wieder geschlossen. Die Dorfbewohner diskutieren am Kneipentisch, wie man sich das Elend am besten aus den Augen schaffen kann. Als die Wachmannschaften vor den heranrückenden Amerikanern geflohen sind, schieben die Bewohner die ungeöffneten Waggons mit den Verhungerten und Sterbenden auf das abschüssige Gleis zum Nachbarort und lassen sie davon rollen.
“Drei Tage im April” beruht auf einer wahren Begebenheit. Der Regisseur entwirft ein erschütterndes Bild einer in zwölf Jahren Nazizeit durch Passivität, Ignoranz und Verblendung geprägten Generation.”

Soweit die Auszüge aus dem Fernsehmagazin.
Nein, liebe Freunde, in diesem Film geht es nicht nur um die Generation meiner Eltern, hier geht es nicht um einen weiteren Schuldvorwurf, nicht um nachträgliche Urteile über eine vergangene Zeit. Hier geht es um mich. Ich meinte, in den Bildschirm des Fernsehers zu schauen und hab doch nur in den Spiegel geblickt.
Denn weiß ich, wie ich anstelle der Menschen, die in dem Film vorkommen, damals gehandelt hätte? Vielleicht ist es ja so, dass ich sagen muss:
Ich könnte der schwäbische Bahnhofsvorsteher in dem Film sein, in dessen Dienstordnung ein solcher Fall wie mit diesen Waggons nicht vorgesehen ist und der deshalb mit der Situation nicht zurechtkommt.
Ich könnte der Bürgermeister damals sein, der sich als nicht zuständig erklärt und, als er niemanden erreichen kann, der zuständig wäre, auch nicht bereit ist, für diese Ungeheuerlichkeit auf dem Abstellgleis nebenan die Verantwortung zu übernehmen.
Ich könnte der Dorfpfarrer sein, der als einziger Mann des Dorfes etwas gegen das Elend zu unternehmen versucht, aber klein beigibt, als ihm sein Vorgesetzter am Telefon jede Einmischung in politische Angelegenheiten verbietet.
Ich könnte die verbitterte Mutter sein, deren Sohn im Krieg nach großen Qualen gestorben ist und die nun keine Augen und Ohren mehr hat für das Leiden anderer.
Ich könnte der sein, der am Eck des Stammtisches sitzt, nie eine eigene Meinung hat und sich immer an Macht und Mehrheit anpasst.
Ich könnte sein – nein, ich bin ein Mensch wie sie. Die Schwäche all der Menschen aus jenem schwäbischen Dorf ist auch meine Gefahr. Ich lebe wie sie auf demselben Stern, im selben Land. Warum sollte ausgerechnet ich anders sein? Niemand von uns, der damals nicht dabei war, kann heute sagen, wie er sich entschieden und verhalten hätte, niemand.
Und leider liegt es nahe, dass ich und mit mir manch anderer hier damals versagt hätte. Denn dieses Versagen liegt in der Natur des Menschen. Davon spricht die Bibel schon ganz am Anfang.
Das erste Versagen, die erste Sünde war, dass sich Eva und Adam nicht an das gehalten haben, was Gott ihnen gesagt hatte. Sie haben auf die Schlange gehört und die verbotene Frucht vom Baum des Lebens gegessen. Das zweite Versagen, die zweite Sünde folgte auf dem Fuß. Sie wiegt in meinen Augen noch schwerer. Adam und Eva – und das heißt nichts anderes als der Mensch schlechthin – sie übernehmen für ihre Tat keine Verantwortung. Stattdessen schiebt einer die Schuld auf den anderen. Eva schiebt sie auf die Schlange. Und Adam erst! Er schiebt sie auf Eva und erdreistet sich, die Schuld auch auf Gott zu schieben als er zu ihm sagt: „Die Frau, die du mir gegeben hast, gab mir von dem Baum, und ich aß.“
„Du, Hans, du bist Adam“, sagt mir die Bibel mit dieser Geschichte. Und euch sagt sie: „Ihr seid es auch. Ihr seid Adam und Eva, seid Menschen wie sie.“
Die Geschichte von Adam und Eva ist die Geschichte vom Menschen schlechthin, der wie ein Kind keine Verantwortung für sich und seine Taten übernehmen will und deshalb die Schuld auf andere schiebt. Genauer, es ist die Geschichte vom Erwachsenen, der nicht erwachsen sein will und es doch unter Schmerzen lernen muss. Weiß der Himmel, warum es so schwer ist, in allem, was ich tue und lasse und was mir widerfährt die Verantwortung für mich selbst zu übernehmen. Weiß der Himmel, warum es so schwer ist zu erkennen, dass ich zuständig bin, wenn mir jemand begegnet, der mich braucht.
In der Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies ist dem Menschen zwar der Zugang zum Baum des Lebens verwehrt, nicht aber zum Baum der Erkenntnis. Gott stellt es dem Menschen anheim zu entscheiden. Das macht meine Freiheit und Würde aus, dass ich ein Wesen bin, das wählen und entscheiden kann. Gott stellt es mir frei zu wählen. Damit traut er mir zu, dass ich Verantwortung übernehmen kann – für mich und andere.
Seitdem gibt es im Himmel und auf Erden keine Instanz, die mir die Verantwortung für mich selbst abnimmt. Zur Selbstverantwortung gehört, dass ich aufhöre, die Schuld auf andere zu schieben, auf Eva, auf Gott, auf die Schlange, auf dich.
Und zur Selbstverantwortung gehört nun mal, dass ich auch immer zuständig bin, immer, wenn Not am Mann ist und sonst kein offiziell Zuständiger da ist. Ich soll nach meiner inneren Überzeugung, nach meinen Werten handeln. Ob das immer gelingt, ist eine andere Frage.
   Kennt jemand von euch Manfred Kick? Am 13. Februar habe ich folgende Notiz von ihm in der Zeitung gelesen:
   Vor einem Jahr wurde Manfred Kick plötzlich berühmt. Eigentlich war er nur auf der A 9 unterwegs, als er vor sich ein Auto bemerkte, das merkwürdig schlingerte. Kick sah den Fahrer bewusstlos im Gurt hängen, und wusste, was zu tun war. Er gab Gas, setzte sich mit seinem Tesla vor den VW Passat, ließ ihn auffahren und brachte ihn zum Stehen. Weil Kick, 42, dem 57-Jährigen damit wohl das Leben rettete, berichteten internationale Medien über ihn. Ein Jahr danach erwischt man Manfred Kick am Telefon, er sitzt - natürlich - gerade im Auto.
SZ: So ein teures Auto wie den Tesla würde wahrscheinlich nicht jeder opfern.
M. Kick: Klar, das habe ich aber auch erst später begriffen. Ein Freund, der professionell mit Autotuning zu tun hat, fing am Telefon an zu weinen und sagte, keiner seiner Kunden hätte so etwas getan. Mir schien es normal.
SZ: Also haben Sie einfach nicht so eine große Liebe für Autos wie andere?
M. Kick: Nein, das würde ich nicht sagen! Aber ich weiß, dass ein Auto ein Gebrauchsgegenstand ist. Ist doch nur Blech, man kann es reparieren. Das mag auch mit meinem Beruf zu tun haben, ich bin Metallbauer. Aber dass ein Menschenleben vorgeht, sieht wohl jeder so. Es war ja klar, dass man dem Mann sofort helfen muss.
    Soweit die Zeitung. Ja, dem Metallbauer Kick war klar, dass ein Menschenleben wichtiger ist als ein neues, teures Auto. Und ihm war auch klar, dass er jetzt Verantwortung übernehmen musste, als er den bewusstlosen Fahrer entdeckt hatte. Hätte er erst die Polizei rufen sollen? Bis die eingetroffen wäre, wäre der Fahrer vermutlich tot gewesen oder es hätte inzwischen einen Unfall mit weiteren Beteiligten gegeben. Und so wurde Manfred Kick bewusst: „Ich bin jetzt zuständig und muss etwas unternehmen und dafür auch mein neues Auto aufs Spiel setzen. Ich bin jetzt verantwortlich und darf mich nicht drücken.“  
Was mit den Waggons und den Menschen geschehen ist, die damals aus Eckartshausen in Richtung Sulzdorf bei Schwäbisch-Hall weggeschoben wurden, bleibt unklar. Es scheint, als hätten sie sich in Luft aufgelöst. Doch das Problem war damit nicht aus der Welt. In den Köpfen und im Gewissen der damals Beteiligten existierten sie noch. Jahrzehnte später waren sie plötzlich wieder da. Diesmal via Fernsehapparat mitten im Wohnzimmer, auch in meinem.
Niemand kommt aus der Verantwortung wieder heraus, der glaubt, sich ihr entziehen zu können. Unsere Taten und Unterlassungen bleiben wirksam, oft unmerklich, oft tief im Verborgenen. Doch was verdrängt wurde, kehrt wieder. Was abgeschoben wurde, meldet sich zurück.
Ich lerne für mich, dass es besser ist, sich gleich der Verantwortung zu stellen, sie anzunehmen und, wie Manfred Kick, das zu tun, was getan werden muss. Auch wenn ich dafür Nachteile in Kauf nehmen muss. Dazu helfe mir Gott. Amen

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Diese Predigt ist eine Fortführung meiner Gedanken zu Losung und Lehrtext vom 14.2.2018 mit dem Titel "Niemand hat das Recht zu gehorchen". Diese Losungsauslegung wurde von mir nachträglich noch einmal überarbeitet. Bei Interesse kann man sie hier nachlesen: http://glaubenswachstum.blogspot.de/2018/02/niemand-hat-das-recht-zu-gehorchen-hl.html

Samstag, 17. Februar 2018

Kostenlose Therapie hl

Losung: Gott, mein Herz ist bereit, ich will singen und spielen. Wach auf, meine Seele! Psalm 108,2 

LehrtextLeidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Jakobus 5,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wahnsinn, was sich alles in meinem bisherigen Leben geändert hat und was erst zu Lebzeiten meines Vaters, der 98 Jahre geworden ist. Manche Veränderungen begrüße ich. Manche bedaure ich. Aber ich freue mich auch, wenn manches gleich bleibt. Und was heute in Losung und Lehrtext steht, bleibt sich seit 3000 Jahren gleich und ist heute so aktuell wie damals zur Zeit von König David. Nehme ich zur Losung den nächsten Satz mit hinzu, dann heißt sie in einer neueren Übersetzung:
     Ein Lied von David. Gott, mein Herz ist voller Zuversicht, darum will ich singen und für dich musizieren. Alles in mir soll darin einstimmen! Harfe und Laute, wacht auf! Ich will den neuen Tag mit meinem Lied begrüßen. HERR, ich will dir danken. Groß ist deine Güte, sie reicht über den Himmel hinaus! Und wohin die Wolken auch ziehen: Überall ist deine Treue
     Wer das sagen kann, wer so singen und spielen kann oder sich wenigstens ein entsprechendes Lobpreislied anhören kann, dem geht es in der Regel gut. Jemand, der nicht glaubt, ist verständnislos, wenn du von Gottes Güte und Treue in deinem Leben sprichst. Aber du weißt, warum du das tust. Du weißt, dass du trotz allem Schwerem, was du auch schon durchgemacht hast, allen Grund hast, so zu reden und zu singen. Und darum tust du das auch. Dein Lied tut dir gut und wenn du es am nächsten Sonntag zusammen mit anderen im Gottesdienst singst, tut es dir noch besser. Ja, singe Psalmen und sonstige geistliche Lieder. Das ist die beste kostenlose Therapie für eine angekratzte Seele.
     Und wenn du gerade leidest und dir nicht nach Singen zumute ist, dann lass dich vom Lehrtext inspirieren und bete. Jakobus, von dem der heutige Lehrtext stammt, weiß schon, was hilft. Ich bin seinem Rat schon oft gefolgt und werde das auch in Zukunft tun.

Gebet: Ja, Herr, wenn ich an dich denke und zu dir bete, spüre ich Zuversicht. Dann wird mir wieder klar, dass du es bist, der alles regiert, diese Welt und mein Leben. Dann weiß ich wieder, dass ich allen Grund habe dir meinen Dank zu sagen und zu singen. Höre auch mein Gebet, wenn es mir nicht gut geht und richte mich auf mit deiner Kraft. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. 
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer umfangreichen Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 
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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Freitag, 16. Februar 2018

Anruf bei Gott hl

Losung: Gott spricht: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. Psalm 50,15 

LehrtextLasst uns freimütig hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit. 
Hebräer 4,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Oberrabbiner von Jerusalem besucht den Papst in Rom. Am Abend bittet er ihn, mit Gott telefonieren zu dürfen, weil er mit ihm ein wichtiges Anliegen zu besprechen habe. Es dauert einige Zeit, bis die Verbindung steht. Danach werden ihm für das Gespräch 17.843,42 Euro in Rechnung gestellt. "Ja", sagt der Papst entschuldigend, "so ein Ferngespräch in den Himmel ist teuer. Bedenken Sie die Entfernung." Der Oberrabbiner verzieht keine Miene, bezahlt und lädt den Papst nach Jerusalem ein.
     Als der Papst in Jerusalem weilt, will auch er mit Gott telefonieren. Und so fragt er den Oberrabbiner, ob das möglich sei. „Freilich“, sagt dieser, „Wählen Sie nur 5015“. „Ohne Vorwahl?“ fragt der Papst. Er wählt die Nummer und kann schon nach kurzer Zeit Gott sprechen. Als er nach der Rechnung fragt, sagt der Oberrabbiner: „Ach lassen Sie nur, das sind umgerechnet 20 Cent.“ „So wenig?“, sagt der Papst. „Ja“, antwortet der Oberrabbiner, „für uns hier ist die Verbindung zu Gott nur ein Ortsgespräch.“
     5015, also Psalm 50 Vers 15 (Losung) – mehr braucht es auch für dich nicht, um mit Gott verbunden zu sein, egal, wo du gerade bist. Ist das wirklich so einfach? Die Bibel sagt es so. Warum soll ich es dann schwieriger machen?
     Der Weg zum „Thron der Gnade“ (Lehrtext) ist nur ein Gebet weit weg. Wir müssen nicht erst lange warten, bis wir vorgelassen werden. Wir müssen nicht auf dem Bauch dahin kriechen. Jeder darf erhobenen Hauptes zu Gott kommen und zuversichtlich sein, dass er von ihm zur rechten Zeit bekommt, worum er bittet. Denn unser Gott ist gnädig und barmherzig und weiß, was er zu tun hat und wann, damit es uns nützt.

Gebet: Herr, im selben Augenblick, da ich ernsthaft zu dir bete, hörst du mich schon. Manchmal hilfst du mir sofort. Manchmal dauert es etwas. Und manchmal muss ich lange warten. Aber nicht ich weiß, was für mich gut ist, sondern du. Und nicht ich weiß, wann es richtig ist, dass du in meinem Leben etwas zu meinen Gunsten veränderst, sondern du. Darum will ich geduldig sein und auf dich vertrauen. Du wirst es gut machen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. 
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer umfangreichen Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 
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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Donnerstag, 15. Februar 2018

Von Eigentum und Wahrheit hl

Losung: Ich weiß, mein Gott, dass du das Herz prüfst, und Aufrichtigkeit ist dir angenehm. 1.Chronik 29,17 

LehrtextLasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. Epheser 4,15 

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen«, heißt es im Artikel 14 unseres Grundgesetzes. Wenn dem nur auch Folge geleistet würde! Wenn nur diejenigen in den Vorstandsetagen der Banken und Konzerne, die immer mehr einstecken, im Interesse der Allgemeinheit auch immer mehr zurückgeben würden. Schließlich profitieren sie allesamt von den Straßen und Krankenhäusern, Schulen und Universitäten, die von den Steuern dieser Allgemeinheit finanziert werden.
     Vor Gott gibt es kein Eigentum, sagt König David, da ihm sowieso alles gehört, alles, was wir ihm geben könnten, alles, was wir einem anderen geben, alles, von dem wir meinen, dass es uns selbst gehört. Hier das heutige Losungswort in seinem Zusammenhang:
     Danach lobte David den HERRN: »Gepriesen seist du, HERR... Alles, was im Himmel und auf der Erde lebt, ist dein. Du bist König, der höchste Herrscher über alles. Du verleihst Reichtum und Ehre, du allein bist der Herr... Wer bin ich schon, und was ist mein Volk, dass wir dir heute so viel geben konnten? Denn alles, was wir besitzen, kommt von dir. Wir sind vor dir nur Gäste auf dieser Erde, Fremde ohne Bürgerrecht, so wie unsere Vorfahren. Unser Leben ist vergänglich wie ein Schatten. Dem Tod können wir nicht entfliehen. HERR, unser Gott, wir möchten einen Tempel bauen, um deinen Namen zu verherrlichen. Das ganze Baumaterial, das wir heute dafür zusammengelegt haben, kommt aus deiner Hand, und darum gehört es auch dir. Ich weiß, mein Gott, dass du unser Herz prüfst und dich freust, wenn wir aufrichtig sind. Was ich für den Bau des Tempels gestiftet habe, das habe ich gern und mit aufrichtigem Herzen gegeben. (1. Buch Chronik Kapitel 29)
     Aufrichtig sein heißt demzufolge auch, mich selbst und andere nicht darüber täuschen, wie es sich tatsächlich mit meinen Besitz und mein Leben verhält. Ich bin, genau betrachtet, immer nur Empfangender. Auch die sogenannte eigene Leistung ist nichts anderes, als dass Gott mir die Möglichkeit und Fähigkeit dazu gegeben hat. 
     Im Lehrtext heißt es heute: Wir wolllen die Wahrheit in Liebe leben und in allem zu Christus hinwachsen, dem Haupt der Gemeinde. (Epheser 4,13-15)
     „Die Wahrheit in Liebe leben“ – wenn das nur in allen Religionen und vor allem auch in unserer geschehen wäre und würde! Wenn man nur dem anderen die Wahrheit wie einen Mantel hingehalten hätte, statt sie ihm wie einen nassen Lappen um die Ohren zu schlagen! Denn durch Zwang wird Wahrheit zur Lüge. Schließlich ist die Wahrheit ja immer nur meine Wahrheit, das, was ich im Rahmen meiner Möglichkeiten für wahr halte. Und darum muss ich dem anderen zugestehen, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas anderes für wahr hält. 
     Die Wahrheit, von der Paulus im Lehrtext schreibt, ist für ihn Christus. Sie ist kein abstraktes Prinzip. Sie wird in Jesus zur Person, wird persönlich und zeigt sich in dem, was er gesagt und getan hat, wie er gelitten hat und gestorben ist. Zu dieser Wahrheit kann ich einladen. Sie wird, so lerne ich von Paulus, dann am ehesten angenommen, wenn ich sie selbst glaubwürdig lebe. Wenn ich, um im Bild zu bleiben, diesen "Mantel" selbst trage und ihn auch anderen hinhalte - in Liebe, wie der Lehrtext sagt.

Gebet: Herr, ich danke dir für alles, was ich bin und habe. Alles kommt von dir. Alles gehört dir und hast es mir geliehen auf Zeit. Was ich anderen gebe, gebe ich von dem, was du mir gegeben hast. Die wertvollste Gabe aber ist Jesus Christus. Durch ihn hast du mich geschaffen und erlöst. Durch ihn erfahre ich die Wahrheit über dich und mich. Und die Wahrheit ist, dass du deine Geschöpfe liebst. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. 
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer umfangreichen Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 
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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Mittwoch, 14. Februar 2018

Niemand hat das Recht zu gehorchen hl

LosungGehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein. Jeremia 7,23 

LehrtextJesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,31-32 

Liebe Leserin, lieber Leser,

zur heutigen Losung fällt mir ein Satz von Hannah Arendt ein: »Niemand hat das Recht zu gehorchen«. 
Dieser Satz stammt von Hannah Arendt, einer Philosophin aus dem letzten Jahrhundert. Sie formulierte ihn im Hinblick auf die Verbrechen während des Nationalsozialismus, für die nach dem Krieg niemand mehr verantwortlich sein wollte. Man berief sich darauf, nur Befehlen von Vorgesetzten gehorcht zu haben und die schoben ihre Verantwortung auf die inzwischen toten Naziführer ab. Wie erbärmlich!     
     Doch Hannah Arendt spricht ihnen und allen Kriegsverbrechern bis heute genau dieses Recht ab, bedingungslos zu gehorchen. Ja das gilt auch heute unter uns am Arbeitsplatz oder wo auch immer. Denn der Satz »Niemand hat das Recht zu gehorchen« heißt, niemand hat das Recht, sich darauf hinauszureden, dass er ja nur getan habe, was ein anderer ihm gesagt hat. Aber, so will ich ergänzen, jeder hat die Pflicht, alles, was ein anderer von ihm will, zu prüfen und dann selbst zu entscheiden, ob er das auch tun will. Und wenn er es dann tut, dann hat er sich den Willen des anderen zu eigen gemacht, zu seinem eigenen und ist für die Folgen voll verantwortlich. Das gilt auch für Soldaten, für Polizisten, Lehrer und sonstige Staatsbedienstete, die dem Staat gegenüber eine Treueerklärung gegeben haben. Ob ich gehorchen will oder nicht, muss ich selbst entscheiden und dann auch bereit sein, so oder so die Folgen zu tragen.     
     Und ich gehe noch einen Schritt weiter und sage: Ein Vorgesetzter ist erst dann ein guter Vorgesetzter, wenn er seinen Untergebenen die Selbstverantwortung zugesteht und damit ihr Recht zu prüfen, ob sie seinen Anweisungen folgen können oder nicht. Und wenn sie gute Gründe dafür ins Feld führen können, warum sie es nicht tun wollen, sollte er das akzeptieren und sich selbst fragen, ob nicht er mit seiner Anweisung einen Fehler gemacht hat.
     Keiner hat das Recht zu gehorchen, das gilt auch Gott gegenüber. Wer ihm nur aus Angst vor Strafe folgt oder um ihn damit zu einer Gegenleistung zu verpflichten, sollte es besser sein lassen. Gott will keinen sklavischen Gehorsam, keinen Kadavergehorsam. Er will, dass seine Kinder gerne und somit freiwillig tun, was er sagt, weil sie davon überzeugt sind, dass das gut und richtig ist. Gott will Freiwillige und keine Sklaven. Das ist meine Überzeugung.     
     Bequem ist das alles nicht. Gehorchen ist bequem. Aber selbstverantwortlich leben und das eigene Gewissen prüfen und dann gegebenenfalls nein sagen, wenn jemand was von mir will, das ist verdammt unbequem und kostet Kraft.     
     Ich muss mich jeden Tag darum bemühen, das zu tun und das zu sagen, was ich für richtig und wichtig halte, auch wenn es anderen nicht gefällt. Natürlich sage ich auch mal nichts und provoziere keinen unnötigen Konflikt. Aber wenn es drauf ankommt, wenn es um meine Selbstachtung oder die Würde eines anderen geht, muss ich Stellung beziehen. Immer gelingt mir das nicht. Ich ziehe auch die Harmonie einem Streit vor. Aber ein fauler Friede war noch nie gut. Über kurz oder lang rächt es sich, wenn man im falschen Moment geschwiegen und gehorcht hat. Selbstverantwortung und Verantwortung vor Gott, Selbstvertrauen und Gottvertrauen – das sind für mich zwei Seiten derselben Medaille. Damit hoffe ich, leben zu können mit meinen Siegen und Niederlagen.

Was mit den Waggons und den Menschen, die damals Richtung Nachbardorf weggeschoben wurden, geschehen ist, konnte später trotz aufwendiger Untersuchungen nicht mehr geklärt werden. Es scheint, als hätten sie sich in Luft aufgelöst. Doch das Problem war damit nicht aus der Welt. In den Köpfen und im Gewissen der damals Beteiligten existierten sie noch. Jahrzehnte später waren sie plötzlich wieder da. Diesmal via Fernsehapparat mitten im Wohnzimmer, auch in meinem. 

     Und nun zum Lehrtext: »Die Wahrheit wird euch frei machen« – dieser Satz ist eine allgemeine Lebensweisheit, die du vermutlich bestätigen kannst. Die Lüge bindet einen Menschen. Je länger er dabei bleibt, desto tiefer verstrickt er sich darin. Ständig muss er auf der Hut sein, sich nicht zu verraten. Wer aber frank und frei sagt, was wahr ist, kann dem andern geradewegs in die Augen schauen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.
     Doch bei Jesus geht es noch um eine andere Wahrheit als nur darum, nicht zu lügen. Wer an dem festhält, was Er sagt, wird die Wahrheit erkennen. Aber welche Wahrheit? Jesus hat nicht irgendwas gesagt. Hat nicht irgendwelche allgemeinen Redensarten von sich gegeben. Er hat von Gott gesprochen, von seinem Vater und davon, dass Gott auch unser Vater ist. 
     Seine Wahrheit ist, dass in ihm Gott zu uns Menschen kommt.  Das ist es, was einen Menschen frei macht, frei von aller Angst vor einem strafenden Gott, einem dunklen Schicksal, einer finsteren, bösen Macht. In Jesus kommt das himmlische, göttliche Licht in die Menschenwelt. Wer an ihm festhält, muss nicht länger in der Finsternis seiner Sorgen und Ängste, seiner Zweifel und Unsicherheiten herumirren. Er lebt fortan als freier Mensch im Licht der Gnade und Barmherzigkeit. So verstehe ich den Lehrtext und die Botschaft des Johannesevangeliums. 


Gebet: Herr, gib mir die Kraft, bei der Wahrheit zu bleiben. Gib mir den Glauben, in dir Gottes Geist und Wesen zu erkennen. Gib mir den Mut zum Widerstand, wenn ich Menschen mehr gehorchen soll als dir. Gib mir ein waches Gewissen. Gib mir die Weisheit, wann ich ja oder nein sagen muss. Und gib mir ein Herz, das gern und freiwillig tut, was du sagst. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr


Mit Spracherkennung diktiert. 
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer umfangreichen Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 
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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Dienstag, 13. Februar 2018

Erkenntnis und Glaube hl

Losung: Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Sprüche 1,7 

LehrtextPaulus schreibt: Wir lassen nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht. Kolosser 1,9 

Liebe Leserin, lieber Leser,

kurz und knapp: Es gibt verschiedene Wege, etwas zu erkennen, den Weg der Naturwissenschaften, den Weg der Philosophie, den Weg der Kunst, den Weg des Glaubens... Aus Sicht der Naturwissenschaften bin ich ein Zufallsprodukt der Evolution, aufgebaut aus Atomen, Molekülen, lebendig durch biochemische Prozesse u.s.w.  Aus Sicht der Philosophie kann ich zum Beispiel sagen »Ich denke, darum bin ich« (Descartes) oder »Ich weiß, dass ich nichts weiß« (Sokrates) oder in mir ist ein »moralisches Gesetz« (Immanuel Kant) oder meine Erkenntnisfähigkeit ist bedingt und begrenzt durch die Bedingungen, die auf dem Planeten Erde herrschen (Erkenntnistheorie). Aus Sicht der Kunst ändert sich das Bild des Menschen fortwährend je nach den geschichtlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen. Aus Sicht des Glaubens bin ich von Gott gewollt, geschaffen, erhalten, geliebt, gerettet und erlöst. Aus dieser Sicht bin ich einzigartig, habe ich einen Würde, einen Wert, hat mein Leben ein Ziel und einen Sinn.
     Jeder Erkenntnisweg hat seine Berechtigung und hilft mir, mich und meine Welt besser zu verstehen. Schließlich sind ja Verstand, Vernunft, Logik, Weisheit, Kreativität und Glauben Gaben, die Gott seinen Menschen geschenkt hat, und von denen allen wir Gebrauch machen sollen.
     Im Lehrtext ist es Gottes Geist, der dich und mich mit Weisheit und Einsicht erfüllt. Nicht, damit wir mehr wissen als andere oder gescheiter wären als sie, sondern um seinen Willen immer besser zu erkennen. Denn seine Gebote haben für mich den Sinn, die Dinge zu unterlassen, die mir und anderen schaden und das zu tun, was meinen Mitmenschen und mir hilft, damit wir uns gemeinsam unseres Lebens freuen können, das er uns geschenkt hat.

Gebet: Herr, ohne dich, ohne Ehrfurcht vor dir, ohne dass man nach deinem Willen fragt, gibt es für uns Menschen keine Zukunft. Das wird mir immer klarer. Denn alle die Gaben, die du uns geschenkt hast, mit denen wir Erkenntnis gewinnen und uns Wissen aneignen, werden von uns Menschen allzu leicht missbraucht für egoistische Zwecke. Darum bitte ich dich, dass du unseren Verstand und unsere Vernunft leitest. Dass du uns Weisheit schenkst, die aus dem Glauben kommt. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. 
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer umfangreichen Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Montag, 12. Februar 2018

Feuer, Wasser, Geist hl

Losung: Du machst Winde zu deinen Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern. Psalm 104,4 

LehrtextEs geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist. Apostelgeschichte 2,2-4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was wohl der Wind von Gott erzählt und wozu ihm das Feuer dient? 
Die Losung heute sagt, auch Naturereignisse sind seine Mittel, mit denen er seine Ziele mit uns Menschen verfolgt. Mir erzählt der Wind, der das Meer zu mächtigen Wogen auftürmt, von Gottes großer Kraft. Ich kann lange auf die See hinausschauen und mich an dem Schauspiel nicht satt sehen.
Ich kann auch lange ins Feuer schauen, wie die Flammen in verschiedenen Farben züngeln, wie das Holz erst brennt, dann glüht und schließlich zu Asche zerfällt. Das fasziniert mich.
     Die Hurrikane, Taifune und Zyklone in der Karibik und in Fernost zeigen aber auch, dass der Mensch die Naturkraft von Wind und Wasser genauso wenig im Griff hat wie die Kraft des Feuers, das immer wieder riesige Wälder und ganze Siedlungen frisst. Wir können die Kraft von Wind und Feuer nutzen, aber vollständig bändigen können wir sie nicht. Wir können einen kleinen Teil der Windenergie zur Stromgewinnung nutzen und das Feuer zum Kochen, Heizen und Arbeiten. Aber wir müssen uns auch vorsehen, wenn diese Naturkräfte mit ihrer Zerstörungskraft über uns hereinbrechen. Dann führen sie uns vor Augen, wie schwach und zerbrechlich wir doch sind und dass es von einem Augenblick auf den anderen mit uns aus sein kann.
     Ist es das, was der Wind von Gott erzählt und wozu das Feuer ihm dient? Lehren uns diese Kräfte, wieder etwas demütiger zu werden, der Natur mit mehr Respekt und dem Schöpfer mit mehr Ehrfurcht zu begegnen? Lehren sie uns, das natürliche Klima nicht mutwillig zu verändern, um unsere Zukunft und die unsere Nachkommen nicht aufs Spiel zu setzen?
     Im Lehrtext dienen Wind und Feuer dazu, die Wirkung des heiligen Geistes zu veranschaulichen. Der Wind brachte damals Bewegung in die Jünger, blies ihnen den Staub von den Herzen, trieb sie hinaus in die Welt, um von Jesus zu berichten. Das Feuer war Sinnbild für ihre Begeisterung, mit der sie von ihrem Glauben erzählten. So ist das bis heute geblieben: Mit einem Mal kommt ein Mensch zum Glauben, kommt in Bewegung, ändert sein Leben, ist begeistert von Gott und von ihm erfüllt. Das, so sagt die Bibel, macht der Heilige Geist. Deshalb muss nicht jeder zu einem Missionar oder Prediger werden. Aber jeder, der glaubt, der auf Gott vertraut, bringt etwas zum Vorschein von dem Geist, der in ihm ist und ist ein Hoffnungsfunke in dieser manchmal so trüben Welt.

Gebet:  Aus dem Sonnengesang, der Franziskus von Assisi (1181-1226) zugeschrieben wird und dem zu Ehren der gegenwärtige Papst seinen Namen gewählt hat:

Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch welches du Deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst
Gepriesen seist Du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist sie und demütig und rein.
Gepriesen seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch den Du die Nacht erleuchtest, er ist schön und liebenswürdig und kraftvoll und stark. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. 
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer umfangreichen Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 
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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Sonntag, 11. Februar 2018

Beten wie David (Predigt) hl

Predigt von Hans Löhr am Sonntag Estomihi, 11.02.2018 
Predigttext Psalm 31,2-4 = Sonntagspsalm.

Liebe Gemeinde,

ich möchte euch heute mal ein Kompliment machen. Jedem von euch hat es schon mal in seinem Leben den Boden unter den Füßen weggezogen. Und trotzdem hast du dich wieder aufgerappelt, hast vielleicht die Zähne zusammenbeißen müssen, aber du hast weitergemacht. Hast dich nicht aufgegeben. Und auch darum bist du heute Morgen hier.
Gründe, warum jeder schon mal am Ende war, gibt es viele: Vielleicht war es eine schlechte Nachricht vom Arzt. Vielleicht der Tod eines Menschen, dem du nahegestanden hattest? Vielleicht ein Unfall? Vielleicht war es eine Scheidung? Oder es waren Probleme auf der Arbeit, mit den Kindern, mit dem Alkohol oder dem Geld? Oder mehrere auf einmal.
Manches tut dir vielleicht heute noch weh. Von manchem sind Narben auf deiner Seele zurückgeblieben. Aber du hast dich nicht unterkriegen lassen. Du hast auch nicht deinen Glauben aufgegeben, sondern bist auch heute wieder in die Kirche gekommen, um deinem Gott nahe zu sein, um ihm dein Lied zu singen, von ihm zu hören, getröstet zu werden und ihm zu sagen, was du auf dem Herzen hast.
Und in diesem deinen Glauben will ich dich heute wieder bestärken mit Worten aus dem Wochenpsalm, von dem wir schon im Introitus ein paar Verse gesprochen haben. Sie sollen dir die innere Kraft geben, auch weiterhin die Herausforderungen, die auf dich zukommen, anzunehmen und zu bewältigen.
Höre dazu die Bibelworte für diese Predigt aus Psalm 31:
HERR, auf dich traue ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden. Errette mich durch deine Gerechtigkeit! Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Denn du bist mein Fels und meine Burg,… du bist meine Stärke.
Der diesen Psalm betet, ist kein Schwächling, kein armer Schlucker, kein ohnmächtiger, unbedeutender, kleiner Mann. König David höchstpersönlich betet diesen Psalm. Ja, auch so ein mächtiger Mann wie er hat es nicht nur einmal erlebt, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Er musste mehrmals um sein Leben fürchten und sah keinen anderen Ausweg als sich zu Gott zu flüchten, die Hände zu falten und zu beten: »Herr, auf dich vertraue ich, lass mich nicht umkommen!«
Damit sind wir schon beim entscheidenden Punkt. Wohin soll ich mich den flüchten, wenn ich von Sorgen und Problemen bedrängt werde? Ja, es ist gut, wenn ich einen Menschen habe, dem ich davon erzählen kann. Aber nicht jedem kann man alles erzählen. Und wem möchte man schon seine Schwäche zeigen, seinen Schmerz, seine Tränen?
David sagt zu Gott: „Du bist mein Zufluchtsort, meine Burg, wohin ich fliehen kann, wo ich sicher bin, wo ich ausruhen kann und schwach sein darf.“ Und er ist ganz sicher, dass die Tore der Gottesburg für ihn offenstehen.
Jetzt frage ich dich: Bist auch du sicher, dass diese Tore für dich offenstehen, dass du jederzeit zu Gott fliehen kannst und bei ihm Zugang hast? Oder wirst du am Burgtor erst einmal geprüft, ob du auch würdig bist, eingelassen zu werden? Wie wird dann diese Prüfung ausfallen?
David hat sich solche Fragen auch gestellt. Und darauf eine eindeutige Antwort gefunden. Er sagt »Errette mich, Gott, durch deine Gerechtigkeit!« Es kommt also nicht auf David an, es kommt nicht auf dich an, ob du für Gottes Hilfe würdig bist. Egal was in deinem Leben bisher war, egal, ob du versagt hast oder dich schuldig fühlst, - schlage dir alle deine Bedenken aus dem Kopf. Gott wird dir helfen wie er dir auch schon bisher geholfen hat, aber nur aus dem einzigen Grund, weil er barmherzig ist.
In den Gesetzbüchern der Menschen ist genau aufgeschrieben, welche Strafen es für welche Vergehen gibt. So versuchen die menschlichen Richter, der irdischen Gerechtigkeit Genüge zu tun. Im Gesetzbuch Gottes steht nur ein einziges Wort, nach dem er urteilt und richtet. Da steht in goldenen Buchstaben: Barmherzigkeit. Und damit wird er dir und mir gerecht.
»Sei mir ein starker Fels, eine Burg, dass du mir helfest!« – So betet David in seinem Psalm. Was könnte denn dieser Felsen, was könnte denn diese Burg heute für dich sein? Wohin kannst du dich zurückziehen, wenn das Böse in dein Leben einbricht?
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mal als Kind auf der Flucht vor meinem großen Bruder war. Ich weiß nicht mehr, warum er so wütend auf mich war. Wahrscheinlich war er im Recht. Aber mir war damals klar: Wenn er mich jetzt erwischt, kriege ich eine Tracht Prügel. Ich bin also gerannt so schnell ich konnte. Im Fränkischen sagt man „gewetzt“. In Reichweite war ein kleines Wäldchen mit jungen Bäumen. Instinktiv bin ich da hineingerannt und auf den erstbesten Baum geklettert. Mein Bruder war zwar stärker als ich. Aber ich konnte besser klettern als er, viel besser, fast wie ein Eichhörnchen. Und so bin ich in Windeseile diesen dünnen Baum hochgeklettert. Mein Bruder mir nach. Jetzt hatte ich nur noch eine Chance, so hoch wie möglich zu steigen und meinem Bruder damit klarzumachen: ‚Wenn du mir jetzt auch noch folgst, wird die Baumspitze abbrechen und wir beide werden fünf, sechs Meter in die Tiefe stürzen.‘ Das hat tatsächlich geholfen. Unter lauten Verwünschungen und Drohungen stieg er wieder hinunter. Ich blieb aber noch einige Zeit da oben in meiner schwankenden ‚Burg‘ aus Laub und dünnen Ästen, bis ich sicher war, dass er sich verzogen hatte.
Aus Lebensbeschreibungen mancher Menschen, die Schlimmes durchgemacht haben, weiß ich, dass sie sich in Leid und Bedrängnis, in Kummer und Schmerz in ihr Innerstes zurückgezogen haben, dorthin, wo ihre Peiniger sie nicht erreichen konnten. Sie hatten tief in sich einen Ort, wo sie sich geborgen fühlten, weil sie da Gott begegnet sind. So war es zum Beispiel auffällig, dass gläubige Menschen die KZs der Nationalsozialisten besser überstanden haben als andere. Sie haben sich innerlich nicht brechen lassen. Sie konnten der Macht ihrer Schergen mit ihren seelischen Kräften widerstehen.
Wenn einer sich in sein Innerstes zurückzieht, ist das so ähnlich wie bei einem Wirbelsturm. Wo er wütet, ist er eine große Gefahr und bringt viel Leid und Zerstörung mit sich. Aber mitten in diesem Sturm ist eine windstille Zone, das sogenannte Auge des Hurrikans. Da kannst du erst mal aufatmen und dir einen sicheren Platz suchen, wenn alsbald der Sturm wieder über dich hinwegfegen wird.
David hat sich so in sein Innerstes zurückgezogen. Da hat er gebetet und sich vergewissert, dass er in Gott geborgen ist. Das war seine Burg, sein Auge im Sturm, sein Baum, auf den er sich geflüchtet hatte. Und du und ich, wir können das auch. Auch du hast diesen Zufluchtsort, wenn Böses in dein Leben einbricht. Tief in dir begegnet dir Gott im Gebet und gibt dir Kraft, zu widerstehen und deine Last zu tragen.
Mach es dann wie David. Frage dich nicht erst lang, ob Gott dir wirklich hilft. Zweifle nicht, ob er tatsächlich deine Burg ist und dich schützt. Sondern schau vertrauensselig zu ihm auf und sage „Auf dich traue ich, denn du bist mein letzter Halt. Auf dich verlasse ich mich, weil ich allein nicht die Kraft habe, durchzuhalten.“ Und dann füge treuherzig hinzu: „Denn du, Herr, bist mein Fels und meine Burg und meine Stärke.“
Liebe Freunde, in der Menschenwelt muss man vorsichtig sein, ob man vertrauensselig und treuherzig sein kann. Doch vor Gott sind das genau die Eigenschaften, mit denen du sein Herz bezwingst.
Und so möchte ich dir heute Morgen ein Kompliment machen, dass du dich bisher durchs Leben gekämpft hast, manchmal mit zusammen gebissenen Zähnen, manchmal unter Tränen und dass du bei allem, was schwer für dich war und vielleicht auch jetzt ist, an Gott festgehalten hast. Tu das weiterhin. Denn in Jesus begegnet dir Gott als der Barmherzige, der hilft und vergibt, der dich rettet und beschützt. Amen
HL