Sonntag, 5. Juli 2026

Du wirst nicht verraten hl

Predigt am 5. Juli 2026 im Lichtblickgottesdienst

Du wirst nicht verraten

Bibelwort: Die Fußwaschung (Johannes 13,4.5.12-18)

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Lichtblickgemeinde,

es war im Jahr 1982 im Pastoralkolleg Neuendettelsau. Wir waren eine Handvoll junger Pfarrerinnen und Pfarrer, Anfang 30, und kamen zur Morgenandacht zusammen. Da lagen diese Gegenstände hier vor uns auf dem Boden: Eine Schürze, eine Waschschüssel und eine Dornenkrone. Dann hat der Kursleiter den passenden Abschnitt aus dem Johannes Evangelium (Kapitel 13,4.5.12-15) vorgelesen:
Dieses Bild hat mich tief beeindruckt und nicht wieder losgelassen. Es zeigt, wie Jesus sich selbst verstanden hat und wie er von denen verstanden sein will, die ihm folgen. 

Das Bibelwort

Im Johannesevangelium heißt es dazu: (eine Mitarbeiterin liest den Text vor)
Das Passahfest stand kurz bevor. Jesus wusste, dass nun die Zeit gekommen war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zurückzukehren. Er hatte die Menschen geliebt und er hörte nicht auf, sie zu lieben. An diesem Abend aß Jesus zusammen mit seinen Jüngern. 

Da stand er vom Tisch auf, legte sein Obergewand ab und band sich ein Tuch aus Leinen um.
Er goss Wasser in eine Schüssel und begann, seinen Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Tuch abzutrocknen.
Nachdem er ihnen die Füße gewaschen hatte, zog er sein Obergewand wieder an und kehrte zu seinem Platz am Tisch zurück.

Das Kontrastprogramm

Was wir hier aus dem Johannesevangelium hören, stellt das Bild, das sich viele von Jesus machen, auf den Kopf - bis heute. Diese Tat und seine Worte sind so revolutionär, dass es viele Christen seit 2000 Jahren nicht aushalten, Jesus so zu sehen und zu verstehen. Sie wollen einen Jesus, mit dem man nicht aneckt, mit dem man sich nicht schämen muss genauso wie damals seine Jünger.

Die sind geschockt, sind entsetzt: „Was tut er da? Anderen die Füße waschen? Das darf kein Jude tun und schon gar nicht unser Herr. Damit macht er sich unrein. Damit sinkt er auf die unterste Stufe. Dafür sind doch die heidnischen Sklaven aus dem Ausland da.“ Und jetzt? Jetzt kniet er, ihr Herr, vor ihnen auf dem Fußboden!

Da sagt Jesus etwas, das alles verändert: Er fragt seine Jünger: »Versteht ihr, was ich eben getan habe? Ihr nennt mich Lehrer und Herr. Das ist auch richtig so, denn ich bin es. Wenn schon ich, euer Lehrer und Herr, euch die Füße gewaschen habe, dann sollt auch ihr euch gegenseitig die Füße waschen. Ich habe euch damit ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt. Handelt ebenso!« 

Das ist das krasse Kontrastprogramm zu allen politischen und religiösen Herrschaftsmodellen. Wahre Größe zeigt sich nicht im Beherrschen, sondern im Dienen. Und das Erschreckende ist: Jesus tut das nicht aus einer Schwäche heraus. Aus der Fülle seiner Macht, die Gott ihm gegeben hat, wählt er das Knien, nicht das Thronen. Er ist sich nicht zu schade, sich die Hände schmutzig zu machen. Und er legt uns ans Herz, es ihm gleichzutun.

Seine Größe zeigt sich darin, dass er sich hingibt, demütig und sanftmütig. Dass er vergibt und auf jede Form von militärischer und sonstiger Gewalt verzichtet. Gottes Majestät und Macht zeigt sich darin, dass er in diesem Jesus und in keinem anderen zu uns kommt, in dem Kind aus dem Stall und in dem Mann am Kreuz.

Dienen heute

Das stellt alle Gottesbilder, die man sich auch in anderen Religionen macht, auf den Kopf. Die Neuendettelsauer Diakonissen haben das wohl verstanden, denn ihr Wahlspruch lautet: 

»Was will ich? Dienen will ich. Wem will ich dienen? Dem Herrn in seinen Elenden und Armen. Und was ist mein Lohn? Ich diene weder um Lohn noch um Dank, sondern aus Dank und Liebe; mein Lohn ist, dass ich darf!«

Aber sind das nicht unerfüllbare Forderungen? Kriegt man da nicht ein schlechtes Gewissen, wenn man das hört? Nein, das ist unnötig. Ich weiß ja, was in vielen Häusern in unseren Dörfern geschieht, wie sehr sich die Mütter um ihre Kinder und oft noch um die Alten kümmern; und wie auch die Männer ihren Teil dazu beitragen. Und ich weiß, dass das an der Haustür nicht aufhört. Da sind noch andere im Dorf, ob verwandt oder nicht, die Hilfe und Unterstützung brauchen. Auch die werden bei uns nicht links liegen gelassen. Ausnahmen gibt es immer. Auf die gehe ich jetzt nicht ein. Und dann gibt es auch noch die vielen Organisationen mit den Ehrenamtlichen: die Feuerwehr, den Gemeinderat, die Schülerlotsen, die Besuchsdienste …

Es geht nicht darum, dass man bis zur Erschöpfung für andere da ist. Aber darum geht es heute in der Predigt, dass Jesus uns den Weg zeigt, auf dem wir unterwegs sein sollen, egal wie weit wir kommen.

Die Dornenkrone

Und dann ist auf dem Bild noch ein dritter Gegenstand zu sehen, eine Dornenkrone, die unser Tagungsleiter damals für unsere Morgenandacht hingelegt hatte. Damit wollte er uns sagen: 

Der da wie ein Sklave seinen Jüngern die Füße wäscht, geht noch weiter. Er bleibt seiner göttlichen Sendung treu. Er läuft nicht davon, wenn es um alles geht, ums Leben. Er verrät Gottes bedingungslose Liebe nicht. Er verrät uns Menschen nicht, egal was wir glauben oder nicht glauben, ob wir männlich sind oder weiblich, oder wie man sich auch immer fühlen mag. Ob Deutsche oder Menschen mit Migrationshintergrund. Jesus verrät die Menschen in den Gefängnissen nicht, genauso wenig wie er den Verräter Judas verraten hat. Auch ihm wäscht er die Füße. Und ich glaube, auch jeder von uns verrät ihn immer wieder auf die eine oder andere Weise. 

Auch ein kleiner Verrat bleibt ein Verrat: wenn wir einander die Liebe und die Vergebung schuldig bleiben. Wenn wir nicht mehr fragen, was Jesus jetzt an meiner Stelle tun würde. Oder wenn wir unsere negativen Gefühle nicht beherrschen und andere abwerten. Jeder weiß doch, worum es geht.

Ja, das ist die Botschaft der Dornenkrone: Du wirst nicht verraten. Vielleicht von Menschen, aber nicht von ihm, nicht von Gott. Er ist und bleibt bei dir in deinen guten Zeiten. Doch er hält bei dir aus auch in den Zeiten deiner Schmerzen und Leiden, in denen du versagst und Angst hast.

Dienen mit Gebet

Vor einiger Zeit ist in meinem Bekanntenkreis ein schlimmes Unglück passiert. Da haben viele der Patientin und ihrem Mann mit ihren Gebeten und guten Wünschen gedient. Ich kenne auch solche Zeiten, wo man zu Hause sitzt und für einen geliebten Menschen nichts tun kann, der auf der Intensivstation in Todesgefahr schwebt.

Doch, du kannst Gott durch Jesus bitten, dass er jetzt bei diesem Menschen ist, ihn von allen Seiten umgibt und seine Hand über ihn hält (Psalm 139). Und du kannst ihm danken, dass er durch so viele andere Menschen hilft, auch durch die, von denen man gar nichts erfährt: angefangen von der Putzfrau im Krankenhaus bis zum Arzt. Ja, dafür kann man danken.

Woraus Jesus seine Kraft schöpft

Und jetzt frage ich euch: Hat Jesus Christus überhaupt die Macht und die Kraft, uns aus unseren Ängsten und Leiden zu reißen? Mitten im Leben und auch am Ende?

Viele von uns würden sofort sagen: „Ja, natürlich!“ Gut. Aber was ist das für eine Kraft? Eine überirdische? Der Liederdichter Paul Gerhardt hat die Antwort in seinem Passionslied gegeben. Er schreibt:

»Wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten 
kraft deiner Angst und Pein.
«

Das ist das Geheimnis unseres Glaubens: Jesus rettet uns nicht um Geld, nicht mit Gewalt und Waffen, auch nicht mit Wundern und Riten.

Seine Kraft kommt aus seiner Angst und seinen Schmerzen. Das Zeichen seiner Macht ist die Dornenkrone. Durch sie sagt er mir: »Ich, Jesus, bin dein König. Ich bin zu den Menschen gekommen, um sie zu lieben. Aber sie haben mich geschlagen. Ich habe nicht zurückgeschlagen, noch habe ich mich verdrückt. Ich halte bei euch aus, bei dir und bei dir, bei jedem, ob er das weiß oder nicht, ob er das glaubt oder nicht. Ich bin auch dann noch bei dir, wenn dir einmal niemand mehr helfen kann.
So bin ich dir treu bis zuletzt, selbst wenn du mich verrätst aus Angst, Zweifel und Unwissenheit. Ich kann dich aus deinen Schmerzen und deiner Angst herausreißen, weil ich sie selbst erlebt habe. Weil ich mitfühle, wenn ein Mensch leidet. Meine Treue und meine Kraft kommt aus meinen Schmerzen und Ängsten. Sie kommt auch zu dir. Amen

Gebet:

Herr, ich danke dir für mein Leben – für die glücklichen Zeiten, aber auch für den ganz normalen Alltag. Ich will dir gerade auch dann danken, wenn es mir mal nicht gut geht. Denn ich weiß: Auch dann bist du bei mir, hältst bei mir aus und du bleibst mir treu, was immer auch kommt.

Ich danke dir, dass du auch bei meinen Angehörigen bist, ob sie es nun spüren oder nicht. Ich danke dir, dass du diese Schöpfung in deinen Händen hältst, auch wenn ich deine Wege nicht immer verstehe.

Hilf mir dabei, etwas von deiner Menschenliebe weiterzugeben, so gut ich kann. Damit will ich dich ehren. Halte deine segnende und schützende Hand über uns alle und lass in unserer kleinen und in der großen Welt deinen Willen geschehen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein

Hans Löhr

Abschied und Dank: 

Ich möchte mich hier von allen Leserinnen und Lesern des Blog "Nachdenken über die Bibel" offiziell verabschieden. Vielen Dank, dass Sie sich teilweise über Jahre für meine Gedanken und Gebete interessiert haben. Das gilt auch für die, die mir gegenüber kritisch eingestellt waren und sind.

Wenn es die Umstände erlauben, werde ich vielleicht noch das eine oder andere Bibelwort auslegen. Regelmäßige Veröffentlichungen finden nicht mehr statt.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Gott wechselt die Seiten hl

Tageslosung: Dein Herz eifre nicht gegen die Sünder, sondern jederzeit nach der Furcht des HERRN. Sprüche 23,17

Liebe Leserin, lieber Leser, 

„halt“, habe ich zu mir gesagt, „nicht gleich über die Losung heute hinweglesen, weil sie dir nichts zu sagen scheint. Erstmal nachdenken. Was meint hier 'eifern' und was 'Furcht des Herrn'? Und was hat dieses Bibelwort mit mir zu tun?“

Also „eifern gegen Sünder”, gegen Menschen mit moralisch zweifelhaftem Verhalten, was man traditionell unter 'Sündern' versteht, - da bin ich vorsichtig. Erstens untersagt das Bibelwort selbst ein solches Verhalten. Zweitens will ich kein eifernder Moralapostel sein. Drittens habe auch ich immer wieder Grund zur Selbstkritik. Und viertens ist dieses Sündenverständnis problematisch, wenn man es absolut setzt. So viel habe ich in meinem Glaubensleben gelernt: 'Sünde' meint zuallererst, von Gott getrennt sein'. 

Sünde kommt ja von dem Wort 'Sund', wo ein ins Land ragender Meeresarm eine Küste von der anderen trennt. Um im Bild zu bleiben: Gott ist auf jener Seite und ich bin ohne ihn auf dieser. Oder? Ja, so kann man das sehen. 

Andere, die aus welchen Gründen auch immer Gott aus den Augen verloren haben, vermissen ihn gar nicht mehr. Sie meinen, man müsse im Leben allein zurechtkommen und kann von Glück sagen, wenn da noch andere sind, die einem helfen.

Doch da sind auch die, die darunter leiden, dass sie Gottes heilsame Nähe nicht spüren. Sie fürchten sich vor seinem drohenden Zeigefinger, wenn sie versagt haben oder finden ihn nicht in ihrem Alltag.

Gott wechselt die Seiten

Dabei ist er doch ebenfalls auf dieser Seite des Sundes, wo die Sünder sind. Ist er bei mir und bei dir und bei allen anderen auch. Ist er bei denen, die sich nach einem liebenden und barmherzigen Gott sehnen, selbst wenn sie  nicht wissen, was der tiefste Grund ihrer Sehnsucht ist. Ja, bei den Sündern will er sein.

Ganz unten

Und da ist er auch: ganz unten, selbst noch in den menschlichen Abgründen. Da ist er: verborgen im Bild des Kindes aus dem Stall und des Mannes am Kreuz. In dem, der von sich sagte: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig." Und zugleich zeigt sich Gott in ihm, wie er wirklich ist. So wie der heißt, den wir mit seinem hebräischen Namen „Jesus” nennen: „Gott hilft.”

Davon erzählen die Evangelien: Von den Sündern und Sünderinnen, zu denen er gegangen ist, um mit ihnen zu essen, um sie vor den Moralaposteln in Schutz zu nehmen, um Gottes bedingungslose Liebe zu ihnen zu bringen. Und um damit zu zeigen, dass ihnen vergeben ist – dir und mir. 

Das haben ihm die Glaubenswächter damals nicht durchgehen lassen. Dafür musste er sterben. Denn damit hatte er die Gottesvorstellung von vielen auf den Kopf und die alten Ordnungen infrage gestellt – und tut es noch. In ihren Augen war Jesus ein gefährlicher Provokateur.

Ich aber, und jetzt spreche ich bewusst von mir, weil du deine eigene Antwort finden sollst – ich will „eifern nach der Furcht des Herren", wie es im Bibelwort heißt. Mit anderen Worten: Das soll mir heilig sein, der höchste Wert in meinem Leben, dass ich Gott, meinen Nächsten und mich selbst liebe. Doch dazu brauche ich ihn, Jesus Christus, den „Gott hilft “.

Herzliche Grüße

Ihr / dein

Hans Löhr

Montag, 11. Mai 2026

Brief an Valentin hl

Gedanken zum Konfirmationsspruch von Valentin:

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.Psalm 18,30 b


Lieber Valentin, 


diese Gedanken zu deinem Konfirmationsspruch sollen dich ermutigen, dass du zuversichtlich deinen Lebensweg weitergehst, ob er leicht ist oder auch mal schwer.


„Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen” - das sagt ein Mann aus der Bibel, der auf sein bisheriges Leben zurückschaut und staunt, wie er über die Hindernisse hinweg gekommen ist, die ihm im Weg standen. Hindernisse, vor denen er sich zunächst gefürchtet hat. Er glaubte, dass sie zu hoch für ihn seien und er scheitern würde.


Was solche Mauern in deinem Leben waren, weißt nur du. Aber so viel kann ich aus meinem sagen: dazu gehörten Prüfungen und Tests, vor denen es mir manchmal graute. Dazu gehörten Krankheiten und Operationen. Dass das alles gut ausgehen würde, wusste ich vorher natürlich nicht. 


Dazu gehörten auch Streit unter Freunden, Enttäuschungen und das Gefühl, nicht gut genug zu sein, nicht stark genug, nicht erfolgreich genug und nicht selbstbewusst genug.


Wenn dann alles vorbei und gut überstanden war, dachte ich nicht länger darüber nach, was mir geholfen hatte. Aber manchmal schaute ich doch zurück. Dann glaubte ich, eine große und gute Kraft in meinem Leben zu spüren. Sie hatte mir geholfen und mich behütet. Das machte mich dankbar.


Für mich ist das Gott, der mir über die verschiedenen Mauern geholfen hat. Er hat mir auch durch andere Menschen geholfen, früher durch meine Eltern, später durch meine Freunde und jetzt durch meine Nachbarn und deine Oma.


Er hat mir immer wieder Lebensmut und Freude geschenkt, vor allem durch meine Kinder und Enkelkinder. Und auch über dich freue ich mich, einfach weil es dich gibt. Du bist ein Geschenk.


Das alles, lieber Valentin, macht mich zuversichtlich, meinen Lebensweg weiterzugehen und jeden Tag dankbar zu sein, auch wenn es mir mal nicht so gut geht. Das gibt mir Kraft, auch die Hindernisse zu überwinden, die noch vor mir liegen.


Lieber Valentin, ich wünsche dir zur Konfirmation und für dein weiteres Leben, dass auch du von Gott sagen kannst: „Mein Gott.” - Er ist keine anonyme Macht. Wie er zu dir ist, zeigt er dir in Jesus: freundlich, liebevoll und treu. Zugleich sind seine Worte wie Sterne, an denen wir uns orientieren können.


Er ist es, der auch dich in Zukunft über Mauern springen lässt. Er ist bei dir, auch wenn du nicht an ihn denkst oder glaubst. Und wenn du mal vor einer großen Mauer stehst, die dir Angst macht und die zu hoch für dich scheint, dann kannst du ihm sagen: 


„Hilf mir auch jetzt, mein Gott. Ich nehme meinen Mut zusammen und springe mit all meiner Kraft, die du mir gibst. Doch wenn ich einen anderen Weg gehen soll, so zeige ihn mir. Hauptsache, du weißt den Weg für mich und bleibst bei mir. Darauf will ich mich verlassen.”


Also, mein Valentin, alles Gute und Liebe zu deiner Konfirmation und für dein weiteres Leben.


Gott segne dich!


Dein Opa Hans

Sonntag, 3. Mai 2026

Ins Wasser fällt ein Stein hl

Predigt von Hans Löhr im Lichtblick-Gottesdienst am 3.5.26

 Ins Wasser fällt ein Stein

 

Liebe Besucherinnen und Besucher des Lichtblick-Gottesdienstes,

 

ich möchte mit euch diese Welt verändern. Macht ihr mit? Vielleicht zweifelst du jetzt, ob das überhaupt geht. Vielleicht sagst du: „Ich hab schon genug mit meiner eigenen, kleinen Welt zu tun.“ Nun, mich plagen ebenfalls Zweifel. Und doch glaube ich gegen alle Schwarzmalerei und Resignation, dass es möglich ist.

 

Das Thema dieses Lichtblickgottesdienstes heißt „Ins Wasser fällt ein Stein – ganz heimlich still und leise. / Und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise“. 
Diesen Vers möchte ich jetzt mit euch gemeinsam singen.

 

Ins Wasser fällt ein Stein,
ganz heimlich, still und leise;
und ist er noch so klein,
er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe
in einen Menschen fällt,
da wirkt sie fort in Tat und Wort
hinaus in unsre Welt.

 

Wie in dem Vers, soll auch meine kleine und die große Welt heller und menschenfreundlicher werden. Doch zuerst geht es um „Gottes große Liebe, die in einen Menschen fällt“. Mit ihr beginnt alles. Nicht mit dem, was ich besser machen will, sondern damit, dass etwas in mein Leben fällt. Etwas, das ich mir nicht selbst geben kann: seine Liebe. Durch sie kommt Licht in die Welt, selbst in den hintersten Winkel.

 

Mir fällt dazu eine bekannte Geschichte ein:

Ein Bauer verspricht dem von seinen drei Söhnen den Hof, der als erster eine leere Scheune bis unters Dach füllt. Als Anreiz bekommt jeder schon mal ein Goldstück. Zwei von ihnen machen sich sofort an die Arbeit. Der eine kauft mit dem Gold Brennholz und stapelt es in seiner Scheune. Der andere kauft Heu und füllt damit seine Scheune. Der dritte aber kauft nichts. Seine Scheune bleibt leer. 

Nach einer Reihe von Tagen meldet der erste stolz dem Vater: „Fertig!”. Der schaut in die Scheune. Tatsächlich, alles voll. Nur oben ist noch etwas Luft. 

Der zweite hat es nicht ganz geschafft. Eine Fuhre vom gekauften Heu war nicht rechtzeitig angekommen. 

Da lobte der Bauer beide und versprach auch dem zweiten einen Anteil. Dann aber sagte er zu seinem dritten Sohn: „Und nun du. Zeige mir deine Scheune!”

Der Sohn öffnet das Tor. Die Scheune ist leer. „Vater”, sagt er, „ich habe nichts gekauft, sondern das Geld den Armen gegeben.” Dann geht er hinein und zündet auf dem Scheunenboden eine Kerze an. Ihr Licht füllt den ganzen Raum bis unters Dach.

Da sagt der Vater: „Deine Brüder haben versucht, den Raum mit materiellen Dingen zu füllen, doch es blieben immer Lücken. Du hast ihn mit Licht erfüllt. Weil du die Welt mit dem Geist und der Liebe erhellen kannst, bekommst du das Erbe.” – Doch sein Sohn antwortet: „Gib nur meinen Brüdern das Erbe. Ich gehe fort, dorthin, wo man über die Dunkelheit schimpft. Da will ich ein Licht anzünden.

 

Ja, „Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wird die Welt vom Licht erhellt." Das, liebe Freunde, ist das erste. Wie soll auch ohne ihn etwas besser werden? 

 

Doch damit es heller wird, braucht es auch Menschen, die seine Liebe spüren. Die sein Licht in sich tragen, dorthin, wo es dunkel ist. Wo andere sich sorgen und leiden, wo sie schimpfen und streiten. Doch damit auch ich sein Licht weitertrage, muss ich mich erst selbst ändern.

Dazu orientiere ich mich an Jesus und seiner Menschenfreundlichkeit. Ich nehme mir fest vor, meinen negativen Gefühlen und Gedanken immer weniger nachzugeben. Stattdessen achte ich auf sein Wort: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst”. Das soll mein Leben mehr und mehr bestimmen - Schritt für Schritt.

 

Es beginnt damit, dass ich inzwischen sofort stopp sage, wenn sich in mir etwas rührt, das mir und anderen nicht gut tut: „Stopp, Hans, das willst du doch nicht mehr. Du änderst mit deinem Ärger und deiner schlechten Laune sowieso nichts. Das zieht dich nur runter und macht nichts besser. Also hör auf damit.”

 

Ach, liebe Freunde, das muss ich leider oft zu mir sagen. Doch es wirkt tatsächlich, je öfter ich mich darin übe. Klar hätte ich an vielem etwas auszusetzen, wenn ich nur lange genug herumstochere. Da genügt es schon, wenn ich ins Auto steige und mich über die Langsamen vor mir ärgere. Aber was soll das bringen? Je älter ich werde, desto langsamer werde auch ich. Also sage ich zu mir: „Schluss damit. Mach selbst den ersten Schritt und sei freundlich und nachsichtig. Sei selbst so, wie du dir das von anderen wünscht.“

Das beginnt in der Familie und geht weiter im öffentlichen Raum, überall dort, wo man anderen begegnet. Eigentlich sage ich das zu mir und nicht zu dir. Ich will hier ja niemandem Vorschriften machen. Wir alle sind alt genug, dass wir wissen können, was wir tun.

 

Und so habe ich mir vorgenommen, nicht nur meine problematischen Gefühle und Gedanken im Zaum zu halten. Wenn ich zum Beispiel einen Laden, eine Praxis oder eine Behörde wieder verlasse, soll von meinem Besuch bei den Angestellten ein gutes Gefühl zurückbleiben. Dazu braucht es nicht viel: einen freundlichen Gruß, ein Lächeln, eine nette Bemerkung und ein Dankeschön für ihren Dienst. Einmal hat einer gesagt: „Das hat mir jetzt den besch... Tag gerettet.”

 

Aber ist das nicht nur ein bloßes ‚Seid nett zueinander‘? Das geht auch ohne Glauben. Stimmt. Aber erstens ist es nie falsch, wenn man nett zueinander ist. Und zweitens merkt es der andere, ob das nur oberflächlich ist, oder ehrlich und unverstellt, weil es aus einer tieferen Quelle kommt.

 

Ja, ich kenne das: andere kritisieren, ihnen Vorwürfe machen, sie beschuldigen, schlecht von ihnen denken. Ist das normal? Für mich soll das nicht länger normal sein. Und dafür gibt's einen Grund: Dankbarkeit. Jeden Morgen wenn ich die Augen aufschlage, sage ich zuerst ‚Danke, Herr‘. Egal wie es mir gerade geht und was sonst so los ist. 'Danke, dass ich lebe.'

 

Mich vom Negativen in mir lösen - manche können das nicht. Können einfach nicht loslassen. Vielleicht sind die Verletzungen zu tief und schmerzen noch immer. Aber ich will keine Ratschläge erteilen. Jeder kämpft auf seine Weise. Ich kann fremdes Leid nur respektieren. Und, wenn gewollt, sagen, wie ich mit meinen Enttäuschungen und Problemen umgehe. Wie ich um den Glauben ringe, dass Gottes Licht selbst die dunklen Winkel der Seele erreicht. Auch darum heißt ja dieser Gottesdienst „Lichtblick“.

 

Und was bleibt dann noch zu tun? Nichts mehr. Ich verlasse mich darauf, dass mein Verhalten bei meinen Mitmenschen nachwirkt und Kreise zieht wie ein Stein, der ins Wasser fällt. Vielleicht ist das kaum wahrnehmbar. Und doch wirkt mein Verhalten fort, auch wenn ich nichts mehr davon weiß, weil es nur ein guter Gedanke oder ein kleines Gebet für einen anderen war. 

 

So, liebe Freunde, so trage ich mit Gottes Hilfe meinen Teil dazu bei, dass sich die Welt ändert. Und du tust das auch, selbst wenn es dir nicht bewusst ist. Nichts was im Namen Jesu geschieht, ist umsonst. Wo das Böse mit Gutem überwunden wird, ist das schon ein kleiner Sieg. Was aus alledem wird, habe ich sowieso nicht in der Hand. Aber was aus Liebe geschieht, wird Kreise ziehen. Vielleicht weiter, als ich mir vorstellen kann. Und auch die Kreise anderer erreichen mich und wirken. Selbst wenn ich nicht weiß, von wem sie kommen.

 

Weite Kreise zieht der kleine Stein, der ins Wasser fällt. Von den Folgen spricht der letzte Vers unseres Liedes:

Nimm Gottes Liebe an.
Du brauchst dich nicht allein zu mühn,
denn seine Liebe kann
in deinem Leben Kreise ziehn.
Und füllt sie erst dein Leben
und setzt sie dich in Brand,
gehst du hinaus, teilst Liebe aus,
denn Gott füllt dir die Hand.

Amen

Mittwoch, 15. April 2026

Meine Zeit in guten Händen hl

Meine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16

Liebe Leserin, lieber Leser,


dass in meinem Leben schon einige Zeit vergangen sein muss, kann man an meinem Gesicht ablesen. Viel wird es wohl nicht mehr sein. Aber wie viel? Das steht in Gottes Hand.


Zwar trage ich Verantwortung für mich selbst; ich soll im Rahmen meiner Möglichkeiten dafür sorgen, so gut es geht gesund zu bleiben. Doch zugleich ist es Gott, der dazu den Willen und die Kraft gibt. In diesem Spannungsfeld zwischen Selbstverantwortung und Dankbarkeit spielt sich mein Leben ab.


Es bleibt dabei: Meine Zeit steht in seinen Händen. Er hält die ganze Welt und mein kleines Leben. Letzten Endes ist alles, was geschieht, seine Sache – auch wenn ich vieles nicht verstehe. Wo ich jedoch etwas zum Guten beitragen kann, soll ich es tun. Das ist dann jedes Mal ein kleiner „Stein“, mit dem er sein Reich baut.


Dieses Reich kann niemand zerstören: kein Kriegstreiber und Menschenmörder, kein Unglück, keine Krankheit und keine seelische Grausamkeit. Daran halte ich fest, auch wenn mein begrenzter Horizont oft nicht ausreicht. Eines weiß ich: Dem, was ich für böse halte, will ich auf keinen Fall meine Hand reichen.


Dass das Gute dennoch wirkt, habe ich kürzlich wieder erlebt: Jemand in meinem Umfeld hat nach einer schweren Krankheit endlich ein gutes Untersuchungsergebnis erhalten. Trotz aller Last geschieht jeden Tag so viel Gutes. Ich muss nur richtig hinschauen.

Nicht nur meine Zeit steht in seiner Hand, auch deine und die aller Lebewesen. Beweisen kann ich das nicht. Aber ich will darauf vertrauen. Denn wenn ich das nicht mehr könnte, was bliebe dann für mich? Blanker Zynismus? Resignation? Hass?


Nein. So nicht. Ich will danken für seinen Segen, bitten um seine Kraft und vertrauen auf seine Güte. Auch wenn manchmal zutrifft, was wir in dem alten Lied singen:

Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,

du führst mich doch zum Ziel auch durch die Nacht.“

Über allem, was ich erlebt habe und noch erleben werde, was in der Welt geschieht und noch geschehen wird steht dieses Wort: Alle Zeit steht in Gottes Händen.


Gebet:

Herr, mein Gott,

ich danke dir für die Zeit, die du mir geschenkt hast – für die hellen Stunden, aber auch für die schweren Tage. Gerade durch Zweifel und Leid hast du mich näher zu dir geführt.

Ich danke dir für deinen Segen:

Für die Menschen, die mein Leben reich machen.

Für den Frieden, in dem ich leben darf.

Für das, was mich freut: die Musik, die Natur und die Begegnungen mit anderen.

Vor allem aber danke ich dir für Dich. Dir vertraue ich mich an – mit allem, was war, und allem, was kommt.

Und auch wenn meine Zeit einmal abgelaufen ist, bleibe ich dennoch in deiner Hand. Amen.


Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

p.s. In den  nächsten 14 Tagen wird es wohl keinen Tagesimpuls geben. Ich bitte um Verständnis.

Sonntag, 12. April 2026

Start in den Tag hl

Liebe Leserin, lieber Leser, 

vor einem Jahr habe ich hier mein Morgengebet veröffentlicht. Zwischenzeitlich ist es mir wieder entglitten. Frag mich nicht warum. Ich weiß es selbst nicht. Aber vergessen habe ich es nicht. Nun hat es sich wieder in mir gemeldet.
Wer das Gebet schon kennt, kann es ja begrüßen wie einen Bekannten, dem man wieder mal begegnet. Wer nicht, mag vielleicht selbst mal versuchen, auf diese Weise in den Tag zu starten:

Mein Morgengebet:

(Hände in Kopfhöhe):

Vater im Himmel, 


(Arme nach oben):

Komm zu mir in deiner Kraft.


(beide Hände auf den Kopf):

Schütze mich mit deiner Macht. 


(Hände in Hüfthöhe öffnen und nach oben): 

Mit deinem Segen fülle mich. 


(Arme um den Oberkörper legen):

In deine Liebe hülle mich. 


(beide Hände aufs Herz legen):

Bleib bei mir in Jesu Namen.


(Arme weit öffnen):

Du bist meine Freude. Amen


Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr






Freitag, 10. April 2026

Aus Gottes Sicht hl

Losung:
Der HERR sprach zu Jakob: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.
1. Mose 28,15

Liebe Leserin, lieber Leser, 

was hast du heute vor? Wenn möglich, wirst du heute wohl das Haus verlassen. Wenn du berufstätig bist, dann sowieso. Vielleicht musst du Kinder oder Enkel zum Kindergarten oder in die Schule bringen. Vielleicht gehst du einkaufen. Oder du hast einen Termin beim Arzt.

Jedenfalls gilt, was Gott in der Losung zu Jakob sagt, auch für dich, ganz gleich, wie es dir gerade geht. Denn es gibt aus seiner Sicht keinen Grund, gar keinen, warum er das nicht auch zu dir sagen sollte. Er sieht, was wir brauchen und nicht, was wir verdienen.

Und falls du meinst, du seist dazu bei ihm nicht würdig genug, dann erinnere ich dich kurz an Jakob: 

Der hat seinen Bruder Esau schändlich betrogen. Nun muss er vor dessen Zorn fliehen. Da träumt er von einer Himmelsleiter, auf der die Engel Gottes auf und niedersteigen. Und hört, wie Gott ihn segnet und verspricht, ihn zu beschützen. 

Wenn Gott schon so einen Erzbetrüger segnet, dann gelten seine Segensworte auch für dich und mich. Dann gilt die Losung heute nicht nur für den Weg zum Supermarkt, sondern für alle Wege bis zum letzten Schritt. 

Gebet nach Psalm 23: 

Du, Herr, bist mein Hirte. 
Du segnest mich mit dem, was ich zum Leben brauche, selbst wenn ich vor dir versagt habe. Du bist bei mir auch in den schweren Tagen. 
Sei du es auch heute. So kann ich in diesen unsicheren Zeiten zuversichtlich bleiben. 
Denn auf dich will ich hoffen und dir vertrauen. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 7. April 2026

Schwarze Bärte, weißer Schopf hl

Losung: Der HERR schafft Recht den Waisen und Witwen und hat Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben. 5. Mose 10,18-19

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ich will über die Bahn nicht schimpfen. Das hieße, Wasser ins Meer schütten. Jedenfalls habe ich meine einschlägigen Erfahrungen gemacht. Aber neulich hat mir die Bahn auch zu einem anderen Erlebnis verholfen:

Zielbahnhof. Ich will aussteigen und muss an vier jungen Männern mit  Bärten vorbei, die sich über den Gang hinweg unterhalten. ‚Aha, Muslime‘, denke ich. 

Als ich vor ihnen stehe, sehe ich sie freundlich an, lächle und sage: „Ui, vier schwarze Bärte” und streiche mit meiner Hand über mein Kinn. Die Männer unterbrechen ihr Gespräch und lachen freundlich zurück. Dann gehe ich weiter. Das war's schon.

Eigentlich nicht der Rede wert. Oder vielleicht doch? Ich jedenfalls habe über die kleine Begebenheit noch ein bisschen nachgedacht und mir gesagt: Es braucht gar nicht viel, einander freundlich und entspannt zu begegnen: Ein offener Blick, ein Lächeln, eine nette Bemerkung.

Doch warum ist das manchmal so schwer? Die Fremdlinge lieben(Losung) - das war offenbar schon zur Zeit des Alten Testaments nicht einfach, sonst würde es in der Bibel nicht mehrfach betont. Deswegen muss man sich ja nicht gleich um den Hals fallen. Aber einfach achtlos so vorübergehen? Das fühlt sich irgendwie nicht gut an.

Die vier jungen Männer haben diesen flüchtigen Augenblick wahrscheinlich längst vergessen. Doch vielleicht wirkt es bei ihnen und bei mir unbewusst fort, dass man sich vor Fremden nicht unbehaglich fühlen muss. Man kann sich gegenseitig wahrnehmen und ansehen. So wird aus einem Fremden eine Person. So gewinnt einer beim anderen ein kleines bisschen Ansehen: die vier schwarzen Bärte bei einem Weißhaarigen und umgekehrt. Das würde ich zwar nicht als „Fremdenliebe” bezeichnen, aber als eine kleine Vorstufe dazu.

Gott, so heißt es im Bibelwort heute, hat die „Fremdlinge" lieb, nicht nur die, die hier eine Ausbildung machen oder ihr Können schon in den Arbeitsprozess einbringen. Auch und gerade die geflüchtet sind und hier Schutz suchen. So wie damals die Israeliten in Ägypten oder später Maria und Josef mit dem Jesuskind ebenda. 

Ich glaube, alle Migranten sind seine Kinder wie du und ich. Und darum müssen sie auch für mich keine Fremden sein. Ich kann sie ansehen, damit sie auch für mich werden, was sie sind: Brüder und Schwestern.

Gebet: Gott, du bist der Vater aller Menschen. Dir will ich die Ehre geben, indem ich in ihnen meine Schwestern und Brüder sehe. Indem ich bereit bin, sie anzunehmen, wie sie nun mal sind. Gib mir dazu deinen Geist des Friedens und der Freundlichkeit. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 





Sonntag, 5. April 2026

Alles neu hl

Über Ende und Anfang:

Was der Seher Johannes erschaut hat:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen ... 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Offenbarung 21,1.3-5a

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie stellst du dir das Leben in Gottes neuer Welt vor? Auch wenn wir dasselbe Bibelwort lesen, so behält doch jeder seinen eigenen Glauben und seine persönliche Hoffnung.

Der Seher Johannes aus dem Buch der Offenbarung am Ende der Bibel hatte eine grandiose Vision von einem neuen Himmel und der neuen Erde. Sie sollte der damals noch kleinen und zum Teil schon verfolgten Schar der ersten Christen den Glauben stärken und Hoffnung machen. 

Was sie und wir in dieser vergänglichen Welt sehen und erleben, hat zwei Gesichter. Neben unsagbarem Leid widerfährt uns auch Glück und Freude, mit einem Wort: Segen. Vereinfacht gesagt: Zwischen diesen Polen spielt sich unser Leben ab solange wir sind. Und, wenn wir wollen, können wir auch wissen, dass es das Eine nicht ohne das Andere gibt: Der Preis des Lebens ist der Tod. Und auch Segen gibt es nicht ohne Leid. So erlebe ich es. Manchmal erfahre ich auf Erden den Himmel und manchmal die Hölle. Und oft sind wir Menschen es, die beides bewirken.

Da hinein spricht Johannes von einer Hoffnung, die alle irdischen Grenzen übersteigt, und sagt: 
„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.”

Diese kühne Verheißung entzündet in mir ein Hoffnungslicht. Ich glaube, dass jenseits meines persönlichen Endes und des Endes der Welt etwas Neues kommen wird. Es wird ein radikaler Neuanfang sein. Doch ich muss das nicht schaffen. Das liegt in den Händen Gottes, wie er sich in Jesus zeigt. Nach Einzelheiten darfst du mich nicht fragen. Aber ich hoffe schon, dass Tränen und Leid, Schmerz und Tod keine Zukunft haben werden.

Diese Hoffnung feiern wir heute an Ostern. Ganz gleich, wie man sich die Auferstehung vorstellt. Sie ist ein Blick über die Grenze, die Gott uns allen mit dem Tod zieht. Ein Blick, der Mut macht, nicht aufzugeben. Der uns im Diesseits hilft, die Liebe nicht zu verraten und für den Frieden zu beten und zu arbeiten. Ein Blick, der hoffen lässt, dass nicht alles sinnlos ist.

Lied:

Meine Hoffnung und meine Freude
Meine Stärke, mein Licht,
Christus meine Zuversicht, 
auf dich vertrau ich und fürchte mich nicht.

Herzliche Grüße und frohe Ostern!

Ihr / dein Hans Löhr