Mittwoch, 11. März 2026

Vertrauen und Trost für Klein und Groß hl

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Amen, ja mein Glück ist groß.” -  Kommt dir diese Liedzeile bekannt vor? Sie beschließt das Lied: „Weil ich Jesu Schäflein bin”. Aber vielleicht kennst du den Psalm 23, der diesem Lied zugrunde liegt.

Doch ist das hier nicht ein Kinderlied? Ja. Wir Kinder haben das Lied „Weil ich Jesus Schäflein bin ” damals im Kindergarten und in der Grundschule gesungen. Ob ich es verstanden habe? Eher nicht. Aber offenbar strahlte es Geborgenheit aus und weckte mein Vertrauen in Jesus, den guten Hirten. Jedenfalls hat es mich so beeindruckt, dass ich es noch heute auswendig kann.

Und jetzt, da ich alt bin, kommt es mir wieder öfter in den Sinn. Inzwischen gehört es zu meinem Abendgebet vor allem dann, wenn mir vor dem Einschlafen noch viel durch den Kopf geht: das gegenseitige Totschlagen in den aktuellen Kriegen, die vielen Lügen, aber auch private Sorgen. Dann sage ich zu mir: „Weg jetzt mit all dem Negativen in meinem Kopf. Weg mit dem, was ich ohnehin nicht ändern kann. Sei einfach dankbar für so viel Gutes in deinem Leben, auch für die Kraft, zu tragen, was  zu tragen ist.”

Dann bete ich jenes Kindergebet. Und je bewusster ich jeden einzelnen Vers bete, desto ruhiger werde ich, desto mehr fühle ich mich bei meinem guten Hirten geborgen und spüre eine stille Freude.

1. Weil ich Jesu Schäflein bin,

freu ich mich nur immerhin

über meinen guten Hirten,

der mich wohl weiß zu bewirten,

der mich liebet, der mich kennt

und bei meinem Namen nennt.


2. Unter seinem sanften Stab

geh ich ein und aus und hab

unaussprechlich süße Weide,

daß ich keinen Mangel leide;

und sooft ich durstig bin,

führt er mich zum Brunnquell hin.


Marie Luise von Hayn, 1778


Glauben wie ein Kind? Durchaus. Doch zugleich verstehen wie ein Erwachsener auf dem Hintergrund der Lebenserfahrungen, die du bisher gemacht hast.


Zuletzt noch ein Einwand: Ist jenes Lied nicht zu idyllisch, und flach? Früher haben mich vor allem so süßliche Bildworte gestört wie 'Schäflein', 'Schoß' und  'süße Weide'. Inzwischen stehe ich drüber und lass mich davon nicht ablenken. 

Im Psalm 23 steht zumindest noch die Zeile „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir”.

Hm, der Einwand ist berechtigt. Ich kann da nur von mir reden: Wenn ich jenes Lied bete oder auch für mich leise singe, dann ist der Psalm 23 wie eine zweite Stimme, die darunter liegt. Dann bin ich mir jenes „finsteren Tales“ durchaus bewusst. Ich kenne es. Und ich weiß, dass noch das eine oder andere auf mich wartet. 

Aber da gehört noch der zweite Teil der Zeile hinzu: „Du bist bei mir”. Im Kinderlied heißt das so: „Der mich liebet, der mich kennt / und bei meinem Namen nennt”. Darauf vertraue ich. Auf den, der selbst durch finstere Täler gegangen ist und darum weiß, wie einem Menschen zumute sein kann.

Doch über den finsteren will ich auch die „schönen Tage” nicht vergessen. Und darum schließe ich diese kleine Besinnung mit dem dritten und letzten Vers:


3. Sollt ich denn nicht fröhlich sein,

ich beglücktes Schäfelein?

Denn nach diesen schönen Tagen

werd ich endlich heimgetragen

in des Hirten Arm und Schoß.

Amen, ja, mein Glück ist groß!


Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


Montag, 2. März 2026

Wille und Wort hl

Lehrtext: Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen. Offenbarung 4,11

Liebe Leserin, lieber Leser,


wie hat alles angefangen?

Und mit „alles“ meine ich wirklich alles: das, was war, das, was ist, und das, was sein wird. Also unsere Sonne und die anderen Milliarden Sonnensterne im Weltall. Die zahllosen Planeten, darunter unsere Erde. Und auf ihr Wasser und Luft, Pflanzen und Tiere, du und ich. Und all die winzigen Bestandteile, aus denen alles besteht.


Alle, die Naturwissenschaften lehren und praktizieren, sind sich einig: Am Anfang von allem war der Urknall – so etwas wie ein unvorstellbar mächtiger Energieblitz. Daraus ist alles entstanden – vor 13,8 Milliarden Jahren.

Und was war davor? Wir wissen es bisher nicht. Und ob wir das jemals wissen können, ist derzeit ungewiss.


Doch Stopp! In der Bibel steht und die Gläubigen glauben, dass vor der Schöpfung Gottes Wille stand (Lehrtext) und aus seinem Willen dieses Wort kam: „Es werde!“ Dieser Wille und dieses Wort bleiben allem voraus, was auch immer wir noch entdecken.


Unter denen, die das glauben, sind auch erstaunlich viele Männer und Frauen aus den Naturwissenschaften. Denn Glaube und Wissenschaft müssen einander nicht ausschließen.


Im Gegenteil: Je mehr ich über die Entstehung des Universums und über die Entwicklung (Evolution) alles Lebendigen lerne, desto mehr staune ich. Desto mehr leuchtet mir das heutige Bibelwort ein: Gott, den Schöpfer, zu ehren und zu preisen.


Denn genau genommen ist alles auf seine Weise ein Wunder: Gott, Jesus Christus, die Schöpfung und wir Menschen, der Glaube, die Wissenschaft, die Musik ... In einem Wort: die Liebe.


Gut, darüber kann man diskutieren. Aber meinen Glauben stärkt es, wenn ich immer wieder einmal nicht für selbstverständlich nehme, was ist, sondern einfach nur staune und danke.


Herzliche Grüße,


Ihr / dein Hans Löhr


Lied zur Auslegung (ausgewählte Verse):


1. Ich singe dir mit Herz und Mund,

Herr, meines Herzens Lust;

ich sing und mach auf Erden kund,

was mir von dir bewusst.


2. Was sind wir doch? Was haben wir

auf dieser ganzen Erd,

das uns, o Vater, nicht von dir

allein gegeben werd?


3. Wer hat das schöne Himmelszelt

hoch über uns gesetzt?

Wer ist es, der uns unser Feld

mit Tau und Regen netzt?


4. Wer gibt uns Leben und Geblüt?

Wer hält mit seiner Hand

den güldnen, werten, edlen Fried

in unserm Vaterland?


5. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir,

du, du musst alles tun,

du hältst die Wach an unsrer Tür

und lässt uns sicher ruhn.


6. Wohlauf, mein Herze, sing und spring

und habe guten Mut!

Dein Gott, der Ursprung aller Ding,

ist selbst und bleibt dein Gut.


Paul Gerhardt 1653

gedichtet fünf Jahre nach dem 30jährigen Krieg (1618 bis 1648)


Samstag, 28. Februar 2026

Die Tränen Jesu hl

Monatsspruch: Da weinte Jesus. Johannes 11,35

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jesus hatte offenbar „nah am Wasser gebaut”. Dreimal wird im Neuen Testament erzählt, dass er weinte. Das finde ich sehr sympathisch. Wie kann man auch in dieser Welt ohne Tränen leben? 

Ich jedenfalls will und kann kein sogenannter „harter Kerl” ohne Mitgefühl und Tränen sein. Auch deshalb bin ich Pazifist, weil ich bei jedem Krieg immer an das Leid der Kinder und Alten auf beiden Seiten denken muss. Auch jetzt wieder beim völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der amerikanischen und israelischen Regierung gegen den Iran. 

Dass ausnahmslos alle lügen, wenn sie ihre militärischen Angriffe rechtfertigen, liegt für mich auf der Hand. Denn in jedem Krieg ist die Wahrheit immer das erste Opfer. Doch genug damit.

Jesus hat geweint, als er erfahren hat, dass sein Freund Lazarus gestorben ist. Darauf bezieht sich das Bibelwort für den Monat März. Er fühlte und trauerte mit den Angehörigen. Er fühlt und trauert auch mit dir und mir.

Er weinte auch bei seinem Einzug in Jerusalem über das Unheil, das über die Stadt und ihre Bewohner hereinbrechen würde und sagte: „Wenn doch auch du erkenntest, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen.” (Lukas 19,41)

Ihm war klar, dass die Stadt zerstört werden würde. Viele Juden wollten damals die Militärdiktatur der Römer mit Waffengewalt abschütteln. Doch der Aufstand im Jahr 70 n.Chr. scheiterte. Die Folgen waren entsetzlich. 

Und er weinte aus Todesangst im Garten Gethsemane am Abend vor seiner Hinrichtung am Kreuz (Hebräer 5,7). Er sollte sterben, weil er der Oberschicht in Jerusalem ein Dorn im Auge war. Sie fürchteten diesen gewaltlosen und demütigen König und seine Botschaft. Ich aber fürchte die Kriegstüchtigen, die wähnen, so dem Frieden zu dienen.

Gebet: Herr, ich denke an die Kinder im Iran, in der Ukraine und überall dort, wo Menschen zu Waffen greifen, um sich totzuschlagen. Wo sie nicht begreifen wollen, was dem Frieden dient. 
Du bist der Friede in mir. Du bist der Weg zum Frieden mit den Feinden, für die wir die Feinde sind.
Du rufst uns nicht zum Kampf auf, sondern zur Versöhnung im Kleinen wie im Großen. 
Deinen Weg will ich mit dir gehen auch durch schwierige Zeiten. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 23. Februar 2026

Der arme König hl

Losung: Ich weiß, dass der HERR des Elenden Sache führen und den Armen Recht schaffen wird. Psalm 140,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

ob die Armen alle zu ihrem Menschenrecht kommen, wie es einem jeden zusteht? In dieser Welt wohl nicht. Aber das glaube ich, dass Gott parteilich ist. Er steht auf Seiten der Armen und Machtlosen.

Oft genug merkt man nichts davon. Und warum? Weil es meine Sache ist, in seinem Namen für die Armen und Unterdrückten Partei zu ergreifen. Aber wie?

Zuerst muss ich mich prüfen, ob ich denn ein Herz für sie habe - unabhängig von ihrer Religion, Herkunft und sonstiger Unterschiede. Das heißt, ich muss mich fragen, ob ich vielleicht Vorurteile habe und wie ich sie überwinden kann.

Und was habe ich bisher für sie getan? Nun ja, so viel war es auch wieder nicht. Ich war kein Albert Schweitzer und keine Mutter Teresa. Aber kalt lässt mich ihr Schicksal bis heute nicht. Darum soll mir auch jeder Euro von meinen Steuern recht sein, den der Staat für die Unterstützung von sozial Schwächeren ausgibt. Hauptsache, er wird nicht für Waffen verschwendet.

Dass Gott auf Seiten der Armen ist, stimmt das? Ja, wir beide, du und ich, haben dafür ein starkes Glaubensargument: Er ist in Jesus einer von ihnen geworden: besitzlos und arm, gewaltfrei und obdachlos. In ihm ist er „der heruntergekommene Gott” in des Wortes doppelter Bedeutung. 

Und dabei möchten wir Menschen doch einen vitalen Superkönig anbeten mit goldener Krone, auf goldenem Thron, in goldener Rüstung. Und nicht den sterbenden König am Kreuz mit einer Krone aus Dornen. 

Immer wieder gab es in der Geschichte des Glaubens Frauen und Männer, die genau diesem König anhingen wie Franz von Assisi, der vor 800 Jahren gestorben ist, und seine Schwester Clara. Seine Knochen, die jetzt ausgestellt werden, interessieren mich nicht. Aber seine Liebe zu Jesus umso mehr. Und die zeigte sich vor allem, wie er zu seinen Mitmenschen und den Tieren war.

Gebet: Herr, hilf mir, dich so zu lieben, wie du es uns allen ans Herz gelegt hast:
„Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.”
Dann werdet wir ihm antworten und sagen: „Herr, wann haben wir dich so gesehen? Und der König wird antworten: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.” (Matthäus 25,35-40) Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein

Hans Löhr

Sonntag, 22. Februar 2026

Schluss mit dem Teufel hl

Wochenspruch: Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. 1. Johannes 3,8

Liebe Leserin, lieber Leser,

zunächst wollte ich den Wochenspruch nicht erwähnen und auch keinen Tagesimpuls dazu schreiben. Aber das wäre dann doch ein bisschen feige gewesen. Auch wenn manche, die das jetzt lesen, meine Sicht ablehnen, will ich doch damit nicht hinterm Berg halten.

Kurz, ich halte es für problematisch, wenn man heute noch manche Aussagen aus dem Johannesbrief kritiklos übernimmt. Andere wiederum sind unverzichtbar und tröstlich wie Vers 20 in Kapitel 3: „Gott ist größer als unser Herz.”

Zurück zum Thema: Es ist immer gefährlich, vom Teufel zu reden, besonders wenn es um die Verteufelung anderer geht. Lieber wäre mir, es würde heißen: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er unser Vertrauen auf Gott stärke und den Glauben an den Teufel zerstöre. 

Wer anders als wir Menschen sind es denn, die den Teufel an die Wand malen? Und was anderes sind seine Werke als das Böse, das wir sagen und tun? So jedenfalls verstehe ich das Evangelium, also die gute Nachricht von Gott. Und daneben brauche ich nicht noch die schlechte Nachricht von einem Teufel. Der gehört ins Kasperletheater, und da soll er auch bleiben.

Im Johannesbrief herrscht noch die Denkweise vor: »wir - die«: Wir die Guten, Gerechten, Frommen. Und die anderen - die Schlechten, Ungerechten und Bösen. Darüber sollten wir hinaus sein, die wir auf Jesus schauen.

Natürlich weiß ich, dass offen oder insgeheim fast alle Menschen immer wieder so denken, auch Christen, auch ich. Aber ich weiß auch, dass das nicht in Ordnung ist. Und dann schäme ich mich, wenn ich mich bei solchen Gedanken ertappe.

Wer bin ich denn, dass ich es wage, so zu urteilen? Sind wir nicht alle Gottes Geschöpfe? Ist unsere Aufgabe nicht, zu anderen und zu uns selbst (!) so zu sein, wie er zu uns: miteinander reden, einander vergeben, barmherzig sein, auf jede Form von Gewalt verzichten, Gutes tun und segnen?

Jesus hat doch zu allen gesagt, die auf ihn hören:
„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.” (ausführlicher bei Lukas 6,27-35) 
Daran versuche ich, mich zu halten.

Ja, das Böse in unserer Menschenwelt ist eine traurige und manchmal auch furchtbare Tatsache. Wie wir ihm begegnen sollen, hat Paulus in Jesu Geist unmissverständlich gesagt: „Lasst dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem” (Römer 12,21)in dir und in deiner Welt.

Gebet: Herr, ich glaube nicht an den Teufel, sondern an dich. In deiner Kraft kann ich das Böse in mir und außer mir überwinden. Und wenn es gar nicht anders geht, werde ich es wohl ertragen müssen – mit dir. Du hast es ja auch ertragen. Und so bitte ich mit deiner Gemeinde: ‚Erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist die Kraft.’ Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

Samstag, 21. Februar 2026

Mit Flügeln des Glaubens hl

Lehrtext: Paulus schreibt:

Ist jemand in Christus, so ist er ein neues Geschöpf; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2. Korinther 5,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja, das will ich glauben, dass ich „in Christus” bin so wie du. Dafür habe ich nichts getan. Das fordert das heutige Bibelwort auch nicht, sondern sagt es mir zu. Aber leider vergesse ich das immer wieder. Und dann verhalte ich mich so, als sei es nicht wahr. Dann bin ich wieder in mir gefangen und lebe mein altes Leben. 

Dazu fällt mir das Bild von der Raupe ein, aus der ein Schmetterling wird. Eine Raupe weiß nichts davon, dass sie dazu bestimmt ist, ein neues Geschöpf zu werden. Ein Schmetterling aber, der vergisst, dass er Flügel hat, kann sein anderes, sein neues Leben nicht leben.

Um im Bild zu bleiben: Als Raupe bin ich gebunden an die Erde wie ein Kriechtier. Als Schmetterling aber bin ich aus dieser alten Lebensform erlöst und frei, um unter dem Himmel zu fliegen.

Dazu lasse ich mich vom Lehrtext erinnern, dass ich in Christus bin - und bleibe: als ein neues Geschöpf mit den Flügeln des Glaubens, getragen und frei. Und das gilt unabhängig von meiner jeweiligen Befindlichkeit.

Mein erdenschwerer Leib wird wohl kein Schmetterling mehr. Und meine Seele? Manchmal, nicht immer, wird es ihr im Glauben leicht. Dann fallen meine persönlichen Sorgen wie auch die schwermütigen Gedanken über den Zustand der Welt eine Zeit lang von mir ab. Dann gewinne ich wieder Mut, meinen Beitrag zu leisten, wie es anders sein soll. Und ich werde  wieder froh und freue mich über die kleinen Freundlichkeiten, die mir andere erweisen. 

So danke ich Gott, dass das Leben trotz allem wieder leichter wird. Und ich glaube zu spüren, was mir das Bibelwort heute zusagt: In Christus bist du ein neuer Mensch.

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

Morgenlied:

1) Mein erst Gefühl sei Preis und Dank;
erheb ihn, meine Seele!
Der Herr hört deinen Lobgesang;
lobsing ihm, meine Seele!

2) Mich selbst zu schützen ohne Macht,
lag ich und schlief im Frieden.
Wer schafft die Sicherheit der Nacht
und Ruhe für die Müden?

3) Du bist es, Herr und Gott der Welt,
und dein ist unser Leben;
du bist es, der es uns erhält
und mir’s jetzt neu gegeben.

J.F. Gellert

Donnerstag, 19. Februar 2026

Geduld mit Gott hl

Lehrtext: Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, 6damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. (Römer 15,5-6)

Liebe Leserin, lieber Leser,

vom „Gott der Geduld” schreibt der Apostel Paulus. Ja, das gehört zu meinem Glauben, dass ich auf seine Geduld vertrauen kann. Es gibt Zeiten, da dauert es einfach, bis ich wieder zu meinem Glauben und zu ihm zurückfinde. Da muss ich erst andere, meist problematische Erfahrungen verarbeiten, bis mein Herz wieder frei ist für ihn.

Aber nun frage ich mich und dich: haben wir denn auch Geduld mit Gott? 

Manchmal dauert es schon ziemlich lang, bis ich wieder synchron mit ihm bin. Bis ich ihm nicht mehr hinterher laufe, weil ich mich von anderen Dingen habe ablenken lassen. Aber ich sollte auch nicht vorpreschen und mich dann wundern, dass ich plötzlich allein auf weiter Flur bin.

Zum Glauben gehört offenbar, dass ich auf Gottes Zeit achte. Doch dazu brauche ich Geduld und viele andere ebenfalls.

Vielleicht haben manche ihn auch deshalb aus den Augen verloren, weil sie vorschnell geurteilt und eigenmächtig gehandelt haben, ohne zu warten, ob und wann es an der Zeit ist.

Ich nenne das mal das Petrus-Problem. Dieser hatte bei der Gefangennahme Jesu gleich das Schwert gezückt und einem der Kriegsknechte ein Ohr abgehauen. Da fuhr ihm Jesus mit diesem denkwürdigen und bis heute gültigen Satz in die Parade: „Stecke dein Schwert in die Scheide, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen." (Johannes 18,10-11a und Matthäus 26,52)

Ach wenn nur immer gleich in Erfüllung ginge, worum ich bitte und bete. Manchmal muss ich schon arg lange warten. Und manchmal kommt es ganz anders, als ich mir gedacht hatte.

Ja, „Gottes Mühlen mahlen langsam”, sagt das Sprichwort - aber, so möchte ich hinzufügen: sie mahlen. Ich darf nur nicht die Geduld verlieren.

In einem alten Adventslied heißt es dazu:

Ihr dürft euch nicht bemühen
noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wollet ziehen
mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen,
ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen,
die ihm an euch bewusst. 
(1)

Gebet: Mein Schöpfer, du bist Herr über Zeit und Ewigkeit. „Ich hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.” (2) Du weißt, wie du's aufs Beste mit mir machen willst (3). Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein 

Hans Löhr 

(1) Paul Gerhardt, Lied: Wie soll ich dich empfangen, Vers 7
(2) Psalm 31,15+16
(3) Martin Luther


Dienstag, 17. Februar 2026

Die Geheimnisse des Glaubens hl

Lehrtext: Sie sollen das Geheimnis Gottes erkennen: Christus. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Kolosser 2,2-3

Liebe Leserin, lieber Leser, 

das glaube ich:

Gott ist das Geheimnis der Welt.
Jesus Christus ist das Geheimnis Gottes.
Sein Geheimnis ist die bedingungslose und unterschiedslose Liebe.
Dein Geheimnis ist, dass auch du von ihm geliebt bist und andere lieben kannst.
Das Geheimnis deines Glaubens ist die Trotzkraft, mit der du deine Lasten trägst.


Einwand: Aber stimmt das auch mit der bedingungslosen und unterschiedlosen Liebe Gottes zu ausnahmslos allen Menschen? 

Meine Erfahrung - und deine gewiss auch - sagt etwas anderes. 

Da gibt es viele, zu viele die nicht liebenswert sind, ja, die in meinen Augen böse sind. All die Kriegstreiber und Menschenfeinde. Alle, die sich für etwas Besseres halten, andere verachten und drangsalieren in der Ferne und in der Nähe.

Warum ist das so? Warum Gott das zulässt? Ich weiß es nicht.

Eines aber weiß ich: Wer Jesu Gebot achten und Gott, seinen Nächsten und sich selbst lieben will, muss den Widerspruch aushalten zwischen Gottes Liebe zu allen und dem, wie es unter uns Menschen zugeht. Der muss sich auch selbst kritisch fragen, wo die Grenze zwischen gut und böse im eigenen Herzen verläuft, in den Gefühlen und Gedanken und vielleicht auch in den Worten und Taten.

Daran aber will ich im Glauben festhalten, dass über unserer Welt Gottes Regenbogen steht als Zeichen, dass er die menschliche Bosheit erträgt (1. Mose 8,21). Und daran,  dass mitten unter uns allen Jesu Kreuz steht als Zeichen seiner Versöhnung. Hier spricht er das entscheidende Wort für jeden: „Vater vergib, denn sie wissen nicht, was sie tun.” (Lukas 23,34)


Herzliche Grüße, 


Ihr / dein Hans Löhr 


Montag, 16. Februar 2026

eigentlich jeden Tag hl

Denn Gott hat beschlossen, mit seiner ganzen Fülle in Christus zu wohnen und alles im Himmel und auf der Erde durch ihn mit sich zu versöhnen. 1. Kolosser 1,19+20

Liebe Leserin, lieber Leser, 


eigentlich ist jeden Tag Advent, und Christus kommt zu dir und zu mir.

Eigentlich ist jeden Tag Weihnachten und Gottes Liebe kommt in dir und in mir auf die Welt.

Eigentlich ist jeden Tag Epiphanias, und 

Christus, der Morgenstern, bricht die Macht der Finsternis.

Eigentlich ist jeden Tag Karfreitag, und Christus stirbt am Kreuz für die, denen er noch heute im Weg ist - für alle, die wir seine Vergebung brauchen.

Eigentlich ist jeden Tag Ostern, und Jesus zerbricht das Grab, um in dir und in mir zu leben, um uns hoffen zu lassen über alles hinaus, was uns bedrückt.

Eigentlich ist jeden Tag Himmelfahrt, und er verbindet Himmel und Erde, Gott und uns Menschen, dass uns nichts mehr trennt.

Eigentlich ist jeden Tag Pfingsten, und er ist in seinem Geist bei dir und bei mir, damit wir in ihm leben für uns und unseren Nächsten, für Frieden und Gerechtigkeit.


Gut, dass wir im Laufe des Jahres diese Feiertage haben, um uns daran zu erinnern. Doch in ihm ist all dies vereinigt, jederzeit, dass wir es nicht nur ab und an feiern, sondern mit ihm leben können - jeden Tag.


Und darum, liebe Leserin, lieber Leser, tut es mir gut, wenn ich mitten im Sommer ein Weihnachtslied für mich singe und mitten im Winter ein Osterlied. Wenn ich im Advent sein Kreuz nicht aus den Augen verliere und am Karfreitag nicht seine Herrlichkeit.


Eigentlich leben wir alle mitten in dieser Welt in seinem Reich, jeden Tag: in den dunklen und hellen Stunden, in Freude und Angst, wenn wir lachen und wenn wir weinen, böse sind und Gutes tun.


Leider vergesse ich das allzu oft. Nur gut, dass er uns nicht vergisst, dich nicht und mich nicht.


Gebet: Unfassbarer Gott, der du alles reagierst, was war, was ist und was sein wird. Wie soll ich kleiner Mensch dich begreifen? So hast du  dich für uns klein gemacht im Kind in der Krippe und bist selbst Mensch geworden in Jesus, unserem Herrn, damit wir in ihm deine Liebe erfahren und erwidern. Amen


Herzliche Grüße und eine gesegnete, neue Woche


Ihr / dein Hans Löhr