Dienstag, 7. April 2026

Schwarze Bärte, weißer Schopf hl

Losung: Der HERR schafft Recht den Waisen und Witwen und hat Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben. 5. Mose 10,18-19

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ich will über die Bahn nicht schimpfen. Das hieße, Wasser ins Meer schütten. Jedenfalls habe ich meine einschlägigen Erfahrungen gemacht. Aber neulich hat mir die Bahn auch zu einem anderen Erlebnis verholfen:

Zielbahnhof. Ich will aussteigen und muss an vier jungen Männern mit  Bärten vorbei, die sich über den Gang hinweg unterhalten. ‚Aha, Muslime‘, denke ich. 

Als ich vor ihnen stehe, sehe ich sie freundlich an, lächle und sage: „Ui, vier schwarze Bärte” und streiche mit meiner Hand über mein Kinn. Die Männer unterbrechen ihr Gespräch und lachen freundlich zurück. Dann gehe ich weiter. Das war's schon.

Eigentlich nicht der Rede wert. Oder vielleicht doch? Ich jedenfalls habe über die kleine Begebenheit noch ein bisschen nachgedacht und mir gesagt: Es braucht gar nicht viel, einander freundlich und entspannt zu begegnen: Ein offener Blick, ein Lächeln, eine nette Bemerkung.

Doch warum ist das manchmal so schwer? Die Fremdlinge lieben(Losung) - das war offenbar schon zur Zeit des Alten Testaments nicht einfach, sonst würde es in der Bibel nicht mehrfach betont. Deswegen muss man sich ja nicht gleich um den Hals fallen. Aber einfach achtlos so vorübergehen? Das fühlt sich irgendwie nicht gut an.

Die vier jungen Männer haben diesen flüchtigen Augenblick wahrscheinlich längst vergessen. Doch vielleicht wirkt es bei ihnen und bei mir unbewusst fort, dass man sich vor Fremden nicht unbehaglich fühlen muss. Man kann sich gegenseitig wahrnehmen und ansehen. So wird aus einem Fremden eine Person. So gewinnt einer beim anderen ein kleines bisschen Ansehen: die vier schwarzen Bärte bei einem Weißhaarigen und umgekehrt. Das würde ich zwar nicht als „Fremdenliebe” bezeichnen, aber als eine kleine Vorstufe dazu.

Gott, so heißt es im Bibelwort heute, hat die „Fremdlinge" lieb, nicht nur die, die hier eine Ausbildung machen oder ihr Können schon in den Arbeitsprozess einbringen. Auch und gerade die geflüchtet sind und hier Schutz suchen. So wie damals die Israeliten in Ägypten oder später Maria und Josef mit dem Jesuskind ebenda. 

Ich glaube, alle Migranten sind seine Kinder wie du und ich. Und darum müssen sie auch für mich keine Fremden sein. Ich kann sie ansehen, damit sie auch für mich werden, was sie sind: Brüder und Schwestern.

Gebet: Gott, du bist der Vater aller Menschen. Dir will ich die Ehre geben, indem ich in ihnen meine Schwestern und Brüder sehe. Indem ich bereit bin, sie anzunehmen, wie sie nun mal sind. Gib mir dazu deinen Geist des Friedens und der Freundlichkeit. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 





Sonntag, 5. April 2026

Alles neu hl

Über Ende und Anfang:

Was der Seher Johannes erschaut hat:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen ... 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Offenbarung 21,1.3-5a

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie stellst du dir das Leben in Gottes neuer Welt vor? Auch wenn wir dasselbe Bibelwort lesen, so behält doch jeder seinen eigenen Glauben und seine persönliche Hoffnung.

Der Seher Johannes aus dem Buch der Offenbarung am Ende der Bibel hatte eine grandiose Vision von einem neuen Himmel und der neuen Erde. Sie sollte der damals noch kleinen und zum Teil schon verfolgten Schar der ersten Christen den Glauben stärken und Hoffnung machen. 

Was sie und wir in dieser vergänglichen Welt sehen und erleben, hat zwei Gesichter. Neben unsagbarem Leid widerfährt uns auch Glück und Freude, mit einem Wort: Segen. Vereinfacht gesagt: Zwischen diesen Polen spielt sich unser Leben ab solange wir sind. Und, wenn wir wollen, können wir auch wissen, dass es das Eine nicht ohne das Andere gibt: Der Preis des Lebens ist der Tod. Und auch Segen gibt es nicht ohne Leid. So erlebe ich es. Manchmal erfahre ich auf Erden den Himmel und manchmal die Hölle. Und oft sind wir Menschen es, die beides bewirken.

Da hinein spricht Johannes von einer Hoffnung, die alle irdischen Grenzen übersteigt, und sagt: 
„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.”

Diese kühne Verheißung entzündet in mir ein Hoffnungslicht. Ich glaube, dass jenseits meines persönlichen Endes und des Endes der Welt etwas Neues kommen wird. Es wird ein radikaler Neuanfang sein. Doch ich muss das nicht schaffen. Das liegt in den Händen Gottes, wie er sich in Jesus zeigt. Nach Einzelheiten darfst du mich nicht fragen. Aber ich hoffe schon, dass Tränen und Leid, Schmerz und Tod keine Zukunft haben werden.

Diese Hoffnung feiern wir heute an Ostern. Ganz gleich, wie man sich die Auferstehung vorstellt. Sie ist ein Blick über die Grenze, die Gott uns allen mit dem Tod zieht. Ein Blick, der Mut macht, nicht aufzugeben. Der uns im Diesseits hilft, die Liebe nicht zu verraten und für den Frieden zu beten und zu arbeiten. Ein Blick, der hoffen lässt, dass nicht alles sinnlos ist.

Lied:

Meine Hoffnung und meine Freude
Meine Stärke, mein Licht,
Christus meine Zuversicht, 
auf dich vertrau ich und fürchte mich nicht.

Herzliche Grüße und frohe Ostern!

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 4. April 2026

Trotz allem Frohe Ostern! hl

Kundgebung für den Frieden (Ostermarsch)

Redebeitrag von Hans Löhr, Pfr. iR, am 4.4.2026 auf dem Martin-Luther-Platz in Ansbach


Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,


lasst mich mit einer Geschichte beginnen, der ich mit 15 Jahren in der Schule begegnet bin. Geschrieben hat sie Wolfgang Borchert kurz nach dem Krieg. Sie heißt „Nachts schlafen die Ratten doch” Mit den Kriegen heute und dem neuen Militarismus in unserem Land scheint sie erst mal wenig zu tun zu haben. Doch hört selbst:


„Nachts schlafen die Ratten doch”


Ein Mann hat den Krieg überlebt und streift nun durch die Trümmer von Berlin. Auf einem Schutthaufen sitzt ein neunjähriger Junge mit einem Stock. Der Mann fragt ihn, was er denn hier mache. Der Junge antwortet: „Ich muss aufpassen.”

„Aber worauf musst du denn aufpassen?” „Auf meinen kleinen Bruder.” „Und wo ist er?” „Er liegt hier unter den Trümmern und ist tot.” Der Mann schweigt. Dann sagt er: „Ich weiß was Besseres. Komm mit. Ich zeige dir meine Kaninchen, die haben gerade Junge.”

„Nein, ich muss aufpassen, sonst kommen nachts die Ratten und fressen meinen kleinen Bruder.” „Die Ratten? Aber die schlafen doch nachts.” „Aber unser Lehrer hat gesagt, dass die Ratten nachts nach Fressen suchen.” „Da hast du aber einen dummen Lehrer. Die Ratten schlafen nachts, ganz bestimmt. 

Also komm jetzt. Ich schenk dir eins von meinen Kaninchen und zu essen bekommst du auch was.” „Ich weiß nicht.” „Komm nur, nachts schlafen die Ratten doch.” (nacherzählt und gekürzt)


Die Menschen in den Blick nehmen


Mich hat diese Geschichte damals berührt. Und sie hat mich dazu bewegt, den Sinn militärischer Gewalt zu hinterfragen. Sie hat mir geholfen, von den vielen verlogenen Heldengeschichten aus dem Krieg wegzukommen und stattdessen die Opfer in den Blick zu nehmen: die Einzelschicksale, die Familien, die Kinder. 

Deshalb geht es mir heute nicht nur um den Iran, den Libanon, die Ukraine und Gaza. Nicht nur um das gebrochene Völkerrecht oder militärische und politische Kommentare. 

Mir geht es um die Menschen in diesen Ländern, die genauso fühlen wie du und ich. Die sich fürchten und leiden, trauern und verzweifeln. Die leben möchten und sich wieder freuen. Und die doch sinnlos sterben müssen für die Interessen der Mächtigen.

Und da mache ich keinen Unterschied: Auch um die zivilen Opfer in Israel und Russland geht es. Aber ebenso um die israelischen, russischen und amerikanischen Soldaten, denen der Angriffskrieg ihrer eigenen Regierung Tod, Unglück und Leid bringt. An sie alle will ich erinnern. Darum stehe ich hier.


Jesu naive Friedensbotschaft


In meiner pazifistischen Einstellung wurde ich noch bestärkt, als ich in Jesu Bergpredigt las: „Selig sind, die Frieden schaffen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.” Und das heißt nicht, Frieden schaffen mit militärischer Gewalt, mit völkerrechtswidrigen Kriegen, aus Machtgier und Geldgier. 

In seinen Worten heißt das: 

Lass die Waffe stecken, denn alle, die zu Waffen greifen, werden durch Waffen umkommen.” Schlage nicht zurück. Gib um des Friedens willen nach. Reiche die Hand zur Versöhnung. Und wenn es sein muss, leide für den Frieden und nicht für den Krieg.

Das ist doch naiv, sagen die Kriegstüchtigen. Man muss sein Land verteidigen. Die anderen sind doch die Bösen. - Wirklich?  Das hat man schon immer so gesagt. Und dann hat man die jungen Männer ins Feuer geschickt, um zu töten und getötet zu werden.


Ich habe die Erzählungen nicht vergessen, wie in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts die sterbenden Soldaten in den Schützengräben geschrien haben. Und sie haben nicht geschrien: Hurra, ich sterbe, aber Deutschland oder Frankreich oder die Sowjetunion soll leben. Wisst ihr, was sie geschrien haben? – Mama! Ein jeder in seiner Sprache. Und die Verschütteten in den zerbombten Städten ebenso.

Das, liebe Friedensfreunde und alle, die jetzt zuhören, das ist Krieg. Und davor schützen keine Minister und Generäle, keine Waffen und keine Armeen. Im Gegenteil.


Fragen an meine Kirche


An dieser Stelle frage ich nun meine evangelische Kirche:  

-  Warum unterstützt du in deinen offiziellen Äußerungen die Politik der Regierung, dass Deutschland mehr Soldaten brauche und aufrüsten müsse? Hast du vergessen, wohin das führt?

– Warum bestärkst du die Menschen in unserem Land, dass Waffen und Militär für sie Zuflucht und Schutz seien. War das denn jemals so?

Und noch schlimmer: 

- Warum behauptest du, dass im Extremfall auch der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden dürfe?

Ist das die Botschaft, Kirche, die du für die Menschen heute hast?


Zurück zum Anfang


Zurück zum Anfang: Der neunjährige Bub auf dem Trümmerhaufen hatte doch recht: Die Ratten schlafen nicht, auch nachts nicht. Sie schliefen 1945 nicht in den Trümmern von Berlin und Ansbach. Sie schlafen heute Nacht nicht in Kiew und Gaza, in Teheran und Beirut. Sie fressen die toten Kinder unter dem Schutt der zerbombten Häuser - heute und überall, wo die Mächtigen einen Krieg verbrechen und die Machtlosen leiden. Wo Angst den Verstand lähmt und Furcht den Mut zum Frieden tötet.


Trotzkraft des Glaubens


Doch wir wollen uns nicht entmutigen lassen. In jedem von uns steckt eine Kraft, die die Mächtigen nicht ersticken können. Es ist die Kraft zum zivilen Widerstand gegen Rüstung und Krieg, die Kraft, gegen den Strom zu schwimmen. Für mich als Christ ist es die Trotzkraft des Glaubens.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen und trotz allem Frohe Ostern!

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Freitag, 3. April 2026

untrennbar hl

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Römer 8,38-39

Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist eines meiner Lieblingsworte aus der Bibel. Und dazu zwei Anmerkungen:

Erstens: 
Nein, anders als der Apostel Paulus bin ich nicht gewiss. So stark ist mein Glaube nicht. Aber ich hoffe und vertraue darauf, dass es sich so verhält, wie das Wort sagt.

Und zweitens:
Gottseidank kommt es nicht darauf an, wie ich mich Gott gegenüber verhalte, wie oft ich bete, wie viel Gutes ich tue, wie viel ich spende, was ich alles glaube, in einem Wort: wie fromm ich bin. Einzig und allein auf die Liebe Gottes kommt es an, die in Christus Jesus ist.

Ich mag die Verbindung mit Gott verlieren, weil mich das Leben von ihm entfremdet oder der Tod meinen Glauben zerstört. Oder irgendwelche Mächte, Gewalten und Kreaturen mögen mich dazu bringen oder zwingen, Gott zu verlassen. Ja, das alles ist möglich, denn so ein Glaubensheld bin ich nun mal nicht.

Und gottseidank kommt es darauf auch nicht an. Aber auf die Liebe Gottes kommt alles an. Und darauf hat niemand Einfluss, ich nicht und andere nicht.

Wen Gott liebt, den liebt er. Und warum sollte er nicht seine Geschöpfe lieben, die er geschaffen hat? Warum nicht dich und mich? Schließlich ist auch mein Versagen für ihn kein Grund. Denn mein Versagen und meine Sünde können nicht größer und stärker sein als seine Liebe. Und das gilt auch für dich. 

Und wer Gottes Liebe spürt, der ist auch motiviert sie, sogut es geht, weiterzugeben indem, wie er sich anderen gegenüber verhält.

Darum lass uns nicht auf uns schauen - weder mit Stolz noch mit Scham. Lass uns auf ihn schauen. Selbst die Gräueltaten und Verbrechen, die Menschen an Jesus Christus verübt haben, können Gottes Liebe nicht sterben lassen.

Am Kreuz starb Jesus, der sterbliche Mensch, aber nicht Gottes Liebe in ihm für uns. Da erst wurde sie in ihrer ganzen Tiefe offenbar. Und doch bleibt sie ein unergründliches Geheimnis.

Einen besinnlichen Karfreitag,

Ihr / dein Hans Löhr

Dienstag, 24. März 2026

Auf dem Meer der Zeit hl

Liebe Leserin, lieber Leser, 

habe gestern auf meiner Musik-App ein altes Lied gehört:

Mein Wandel auf der Welt

Ist einer Schifffahrt gleich ...


Dieses „Bild” hat mich angesprochen. Stimmt, der Lebenswandel eines Menschen gleicht einer Schifffahrt. Manchmal über ruhige, glatte See. Dann wieder durch Sturm und Wellen.


Doch wohin? Habe ich ein Ziel? Oder treibe ich orientierungslos auf dem Meer der Zeit, bis ich irgendwann und irgendwo Schiffbruch erleide? Solche Fragen beunruhigen mich in diesen Tagen.

Dann aber meldet sich wieder die leise Stimme des Glaubens und sagt mir: „Du bist unterwegs zu deinem Heimathafen. Von da bist du gekommen. Dahin wirst du wieder zurückkehren –  in Gottes ewige Arme."


Nein, ich muss nicht wissen, wie das im Einzelnen sein wird. Mir soll genügen, dass mir mein Ziel bekannt ist, auch wenn es noch hinterm Horizont liegt. Dahin will ich denken, wenn ich an mein Ende denke. 

Und davor muss ich mich nicht fürchten. Muss diesen Gedanken nicht verdrängen. Ich überlasse es meinem Gott, wie und wann das sein wird. 

Bis dahin aber will ich leben mit der Last und aus der Kraft, die er mir gibt. Will, so gut es geht, gelassen und dankbar sein.


Das alles hat für mich auch mit Ostern zu tun. Dazu brauche ich nicht unbedingt Hasen und bunte Eier. 

Aber wenn ich es nicht wieder vergesse, will ich dieses Jahr zum Fest ein kleines Papierschifflein falten und ihm den Namen „Hoffnung” geben.


Gebet: Herr, du bist mein Ziel. Welche Turbulenzen in meinem Leben noch kommen werden, welche Stürme in der großen Welt mir auch den Mut nehmen wollen - du gebietest den Wogen und stillst den Sturm, dass ich ruhig werde. Denn du bist bei mir, bis ich einmal ganz bei dir bin. Amen


Herzliche Grüße, 


Ihr / dein Hans Löhr

Montag, 23. März 2026

Dein Diener hl

Wochenspruch: Jesus sagt: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. Matthäus 20,28

Liebe Leserin, lieber Leser,


glaubst du an Gott? Nun, wenn du dich für solche Texte wie hier interessierst, wird das vielleicht so sein. Viele, sehr viele glauben an Gott. Auf unserer Erde sind die weitaus meisten Menschen nach wie vor religiös, auch wenn sie anderen Religionen angehören. Auch wenn sie ihrem Gott andere Namen geben und sich andere Geschichten von ihm erzählen. Selbst in westlichen Ländern scheint die Religiosität derzeit wieder zuzunehmen, auch wenn bei uns weiterhin viele aus der Kirche austreten.


Irgendwie glauben viele an Gott. Aber an Jesus? Nach dem Zeugnis der Bibel ist Gott der Schöpfer der Welt, ihr König, der sie regiert. Dem man mit Ehrfurcht und Bewunderung begegnen und dienen soll. Aber wie soll man ihn sich vorstellen? 


Von Jesus heißt es in der Bibel: „Wer mich sieht, der sieht den Vater”. Oder: „Ich und der Vater sind eins.” Und was genau sehe ich, wenn ich Jesus so sehe? Jedenfalls nicht das, was man sich normalerweise unter einem Gott vorstellt. Ich sehe ein Kind in einem Futtertrog in einem Viehstall und einen sterbenden Mann am Kreuzgalgen. 

Und in der Bibel lese ich, dass er gesagt hat: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.” Und "Liebe deinen Nächsten, auch deinen Feind.” Im Bibelwort für die neue Woche sagt er sogar: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.”


Ein Gott, der uns Menschen dient? Der sich die Schürze umbindet und seinen Jüngern die Füße wäscht? (Joh 13). Ja, sein Leben für uns gibt? Der uns auf diese Weise freikauft von unserer Selbstbezogenheit, von allem, was uns gefangen nimmt und von ihm trennt? 

Das und noch mehr stellt die Vorstellung von einem Gott auf den Kopf. Kein Wunder, dass Juden und Muslime das anders sehen.

Und wir Christen? Wie viele von uns glauben wirklich an Jesus und daran, dass in ihm Gott selbst bei uns ist?


Gebet: Herr, dich so zu sehen, wie du dich zeigst, mit Herz und Verstand zu fassen, was du sagst und tust, fällt mir nicht leicht. Doch gerade weil du so ganz anderes bist als erwartet, überraschst du mich und bringst mich dazu, auf dich zu achten, dir zu vertrauen und dich zu lieben. Amen


Herzliche Grüße, 


Ihr / dein Hans Löhr 


Dienstag, 17. März 2026

Mit seiner Kraft hl

Aus Psalm 86:

Herr, erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen ehre.

Ich danke dir, Herr, mein Gott, von ganzem Herzen. Du bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue.

Wende dich zu mir und sei mir gnädig; stärke mich mit deiner Kraft. 


Liebe Leserin, lieber Leser, 


was mir die Worte aus Psalm 86 in dieser schwierigen Zeit bedeuten, bringe ich im folgenden Gebet vor Gott. 


Gebet: Sei mir gnädig, Herr. Sei mir nahe, dass es mir leichter werde und ich aufatmen kann. So gibst du mir wieder Kraft.

Vieles kann ich nicht ändern, nicht in meiner kleinen Welt und schon gar nicht in der großen. 

Vieles, was geschieht, verstehe ich nicht. 

Aber ich bringe es dir und lege es in deine Hand, damit ich ruhig werde.

Ich will mich von den schlechten Nachrichten nicht lähmen lassen. Mit deiner Kraft und mit meinem Glauben stemme ich mich dagegen. Du wirst mir helfen.

Lass mich nicht bitter werden in meinem Zorn auf die, die keine Gewalt und Lüge scheuen, um an der Macht zu bleiben. Die Kriege entfesseln und Tausende töten.

Doch das Böse schleicht sich auch in mein Fühlen und Denken, Reden und Tun. Hilf mir, freundlich und verträglich zu sein und doch aufrichtig und klar. 

So schaue ich auf dich, Herr. Denn du bist barmherzig, geduldig und von großer Güte. ‚Wende dich zu mir und sei mir gnädig; stärke mich mit deiner Kraft.’ (Psalm 86,16)

Amen


Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr

Freitag, 13. März 2026

Wasser, Wind und Wellen hl

Petrus schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? (Lehrtext: Matthäus 14,30-31*)

Liebe Leserin, lieber Leser, 


als sich mein Kinderglaube verflüchtigte, begann ich zu fragen, ob das, was von Jesus in den Evangelien erzählt wird, tatsächlich so geschehen ist. Ob er, wie in der heutigen Geschichte, wirklich auf dem Wasser gehen konnte und so weiter. Manche meiner Freunde haben darüber ihren Glauben verloren. Mit solchen Wundergeschichten wurde ihnen gleich die ganze Bibel unglaubwürdig.


Ich selbst habe einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass es für mich nicht darauf ankommt, ob sie tatsächlich passiert sind. Mir ist wichtiger, was sie bedeuten. 


Dass zum Beispiel Jesus und Petrus vor 2000 Jahren auf dem Wasser gehen konnten, hilft mir heute wenig. Aber dass in meiner Not Gott, wie er sich in Jesus zeigt, zu mir kommt - das hilft mir schon. Das glaube ich. Und ich vertraue darauf, dass er mich dann festhält und ich in Zweifel und Furcht nicht untergehe.


Wie gesagt, das ist mein Verständnis solcher Wundergeschichten. Wer sie anders versteht und glaubt, dem will ich seinen Glauben nicht nehmen.


Doch was genau bedeutet nun diese Geschichte für mich? Sie sagt mir: 

Du bist kein Baron Münchhausen, der vorgab, dass er sich samt Reitpferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen habe.

Die Initiative, dir zu helfen, behält Gott. Du kannst ihn zwar wie Petrus bitten. Aber er ist es, der zu den Jüngern in ihrer Todesangst kommt. Er ist es, der die Hand des sinkenden Petrus ergreift und ihn rettet. Er hat das Heft des Handelns** in der Hand, damals wie heute. 

Und wenn du meinst, aus eigener Kraft etwas erreicht zu haben, so kommt auch diese Kraft von ihm.”


So verstehe ich auch das Sprichwort: ,Hilf dir selbst, so hilft dir Gott’. Was ich kann, muss ich selbst beitragen. Doch er gibt mir auch dazu die Möglichkeit.


Und ein Letztes: Wenn ich keinen Weg mehr sehe, wie es  weitergeht - Gott hat überall Wege, auf denen er zu mir kommen kann, zu Wasser und zu Land.


Gebet: Herr, du ersparst mir nicht Sturm und Wellen. Doch bisher hast du mich in meinen Sorgen und Problemen nicht ertrinken lassen. Auch wenn ich dich aus den Augen verloren habe, bist du gekommen und hast mich gehalten. Danke. Du wirst das auch künftig tun. Darauf verlasse ich mich. Amen


Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr


* Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen: Matthäus 14,24-33


** = Heft bedeutet hier Griff. So hat zB ein Messer Heft und Schneide.

Donnerstag, 12. März 2026

Halskette mit Kreuz hl

Meine Hoffnung und meine Freude
Meine Stärke, mein Licht

Christus, meine Zuversicht

Auf dich vertrau' ich

Und fürcht' mich nicht.


Liebe Leserin, lieber Leser,


dieses kleine Gebetslied aus Taizé habe ich einst bei einem Treffen mit Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Wir haben es während einer Andacht mehrfach und mehrstimmig gesungen. Der schlichte Text und die ruhige Melodie haben uns alle berührt.


Man kann es eigentlich zu jeder Tageszeit singen oder beten. Manchmal starte ich damit in den Tag. Manchmal beschließe ich ihn damit. Mit diesen Worten vergewissere ich mich, was ich glaube und wem ich vertraue.


In der Arztpraxis sitzt mir gegenüber ein vielleicht Siebzigjähriger. Er ist Tumorpatient und hat unterhalb des Schlüsselbeins einen Port. Dadurch bekommt er regelmäßig seine Infusionen. Weil er dazu sein Hemd etwas aufknöpfen muss, kann ich die Kette mit dem goldenen Kreuz sehen. 

Unwillkürlich frage ich mich, ob ihm das jemand geschenkt hat, wie lange er es schon trägt und was es für ihn bedeutet. Im Beisein der anderen Patienten will ich mit ihm nicht darüber reden. Also muss ich selbst mögliche Antworten finden.

Ich denke mir, dass es mit seiner Krankheit zusammenhängt. Vielleicht hat es ihm seine Frau geschenkt und dazu gesagt: ‚Wir halten uns daran  gemeinsam fest.’

Oder das Kreuz ist nur ein Schmuckstück und der Glaube spielt für ihn keine Rolle.

Wie und was er glaubt, kann ich nicht wissen. Aber ich denke, es könnte ihm helfen, wenn das Kreuz an der Halskette das für ihn bedeuten würde, was das kleine Lied sagt:


Gebet:

Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Stärke, mein Licht

Christus, meine Zuversicht

Auf dich vertrau' ich

Und fürcht' mich nicht.


Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr