Sonntag, 3. Mai 2026

Ins Wasser fällt ein Stein hl

Predigt von Hans Löhr im Lichtblick-Gottesdienst am 3.5.26

 Ins Wasser fällt ein Stein

 

Liebe Besucherinnen und Besucher des Lichtblick-Gottesdienstes,

 

ich möchte mit euch diese Welt verändern. Macht ihr mit? Vielleicht zweifelst du jetzt, ob das überhaupt geht. Vielleicht sagst du: „Ich hab schon genug mit meiner eigenen, kleinen Welt zu tun.“ Nun, mich plagen ebenfalls Zweifel. Und doch glaube ich gegen alle Schwarzmalerei und Resignation, dass es möglich ist.

 

Das Thema dieses Lichtblickgottesdienstes heißt „Ins Wasser fällt ein Stein – ganz heimlich still und leise. / Und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise“. 
Diesen Vers möchte ich jetzt mit euch gemeinsam singen.

 

Ins Wasser fällt ein Stein,
ganz heimlich, still und leise;
und ist er noch so klein,
er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe
in einen Menschen fällt,
da wirkt sie fort in Tat und Wort
hinaus in unsre Welt.

 

Wie in dem Vers, soll auch meine kleine und die große Welt heller und menschenfreundlicher werden. Doch zuerst geht es um „Gottes große Liebe, die in einen Menschen fällt“. Mit ihr beginnt alles. Nicht mit dem, was ich besser machen will, sondern damit, dass etwas in mein Leben fällt. Etwas, das ich mir nicht selbst geben kann: seine Liebe. Durch sie kommt Licht in die Welt, selbst in den hintersten Winkel.

 

Mir fällt dazu eine bekannte Geschichte ein:

Ein Bauer verspricht dem von seinen drei Söhnen den Hof, der als erster eine leere Scheune bis unters Dach füllt. Als Anreiz bekommt jeder schon mal ein Goldstück. Zwei von ihnen machen sich sofort an die Arbeit. Der eine kauft mit dem Gold Brennholz und stapelt es in seiner Scheune. Der andere kauft Heu und füllt damit seine Scheune. Der dritte aber kauft nichts. Seine Scheune bleibt leer. 

Nach einer Reihe von Tagen meldet der erste stolz dem Vater: „Fertig!”. Der schaut in die Scheune. Tatsächlich, alles voll. Nur oben ist noch etwas Luft. 

Der zweite hat es nicht ganz geschafft. Eine Fuhre vom gekauften Heu war nicht rechtzeitig angekommen. 

Da lobte der Bauer beide und versprach auch dem zweiten einen Anteil. Dann aber sagte er zu seinem dritten Sohn: „Und nun du. Zeige mir deine Scheune!”

Der Sohn öffnet das Tor. Die Scheune ist leer. „Vater”, sagt er, „ich habe nichts gekauft, sondern das Geld den Armen gegeben.” Dann geht er hinein und zündet auf dem Scheunenboden eine Kerze an. Ihr Licht füllt den ganzen Raum bis unters Dach.

Da sagt der Vater: „Deine Brüder haben versucht, den Raum mit materiellen Dingen zu füllen, doch es blieben immer Lücken. Du hast ihn mit Licht erfüllt. Weil du die Welt mit dem Geist und der Liebe erhellen kannst, bekommst du das Erbe.” – Doch sein Sohn antwortet: „Gib nur meinen Brüdern das Erbe. Ich gehe fort, dorthin, wo man über die Dunkelheit schimpft. Da will ich ein Licht anzünden.

 

Ja, „Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wird die Welt vom Licht erhellt." Das, liebe Freunde, ist das erste. Wie soll auch ohne ihn etwas besser werden? 

 

Doch damit es heller wird, braucht es auch Menschen, die seine Liebe spüren. Die sein Licht in sich tragen, dorthin, wo es dunkel ist. Wo andere sich sorgen und leiden, wo sie schimpfen und streiten. Doch damit auch ich sein Licht weitertrage, muss ich mich erst selbst ändern.

Dazu orientiere ich mich an Jesus und seiner Menschenfreundlichkeit. Ich nehme mir fest vor, meinen negativen Gefühlen und Gedanken immer weniger nachzugeben. Stattdessen achte ich auf sein Wort: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst”. Das soll mein Leben mehr und mehr bestimmen - Schritt für Schritt.

 

Es beginnt damit, dass ich inzwischen sofort stopp sage, wenn sich in mir etwas rührt, das mir und anderen nicht gut tut: „Stopp, Hans, das willst du doch nicht mehr. Du änderst mit deinem Ärger und deiner schlechten Laune sowieso nichts. Das zieht dich nur runter und macht nichts besser. Also hör auf damit.”

 

Ach, liebe Freunde, das muss ich leider oft zu mir sagen. Doch es wirkt tatsächlich, je öfter ich mich darin übe. Klar hätte ich an vielem etwas auszusetzen, wenn ich nur lange genug herumstochere. Da genügt es schon, wenn ich ins Auto steige und mich über die Langsamen vor mir ärgere. Aber was soll das bringen? Je älter ich werde, desto langsamer werde auch ich. Also sage ich zu mir: „Schluss damit. Mach selbst den ersten Schritt und sei freundlich und nachsichtig. Sei selbst so, wie du dir das von anderen wünscht.“

Das beginnt in der Familie und geht weiter im öffentlichen Raum, überall dort, wo man anderen begegnet. Eigentlich sage ich das zu mir und nicht zu dir. Ich will hier ja niemandem Vorschriften machen. Wir alle sind alt genug, dass wir wissen können, was wir tun.

 

Und so habe ich mir vorgenommen, nicht nur meine problematischen Gefühle und Gedanken im Zaum zu halten. Wenn ich zum Beispiel einen Laden, eine Praxis oder eine Behörde wieder verlasse, soll von meinem Besuch bei den Angestellten ein gutes Gefühl zurückbleiben. Dazu braucht es nicht viel: einen freundlichen Gruß, ein Lächeln, eine nette Bemerkung und ein Dankeschön für ihren Dienst. Einmal hat einer gesagt: „Das hat mir jetzt den besch... Tag gerettet.”

 

Aber ist das nicht nur ein bloßes ‚Seid nett zueinander‘? Das geht auch ohne Glauben. Stimmt. Aber erstens ist es nie falsch, wenn man nett zueinander ist. Und zweitens merkt es der andere, ob das nur oberflächlich ist, oder ehrlich und unverstellt, weil es aus einer tieferen Quelle kommt.

 

Ja, ich kenne das: andere kritisieren, ihnen Vorwürfe machen, sie beschuldigen, schlecht von ihnen denken. Ist das normal? Für mich soll das nicht länger normal sein. Und dafür gibt's einen Grund: Dankbarkeit. Jeden Morgen wenn ich die Augen aufschlage, sage ich zuerst ‚Danke, Herr‘. Egal wie es mir gerade geht und was sonst so los ist. 'Danke, dass ich lebe.'

 

Mich vom Negativen in mir lösen - manche können das nicht. Können einfach nicht loslassen. Vielleicht sind die Verletzungen zu tief und schmerzen noch immer. Aber ich will keine Ratschläge erteilen. Jeder kämpft auf seine Weise. Ich kann fremdes Leid nur respektieren. Und, wenn gewollt, sagen, wie ich mit meinen Enttäuschungen und Problemen umgehe. Wie ich um den Glauben ringe, dass Gottes Licht selbst die dunklen Winkel der Seele erreicht. Auch darum heißt ja dieser Gottesdienst „Lichtblick“.

 

Und was bleibt dann noch zu tun? Nichts mehr. Ich verlasse mich darauf, dass mein Verhalten bei meinen Mitmenschen nachwirkt und Kreise zieht wie ein Stein, der ins Wasser fällt. Vielleicht ist das kaum wahrnehmbar. Und doch wirkt mein Verhalten fort, auch wenn ich nichts mehr davon weiß, weil es nur ein guter Gedanke oder ein kleines Gebet für einen anderen war. 

 

So, liebe Freunde, so trage ich mit Gottes Hilfe meinen Teil dazu bei, dass sich die Welt ändert. Und du tust das auch, selbst wenn es dir nicht bewusst ist. Nichts was im Namen Jesu geschieht, ist umsonst. Wo das Böse mit Gutem überwunden wird, ist das schon ein kleiner Sieg. Was aus alledem wird, habe ich sowieso nicht in der Hand. Aber was aus Liebe geschieht, wird Kreise ziehen. Vielleicht weiter, als ich mir vorstellen kann. Und auch die Kreise anderer erreichen mich und wirken. Selbst wenn ich nicht weiß, von wem sie kommen.

 

Weite Kreise zieht der kleine Stein, der ins Wasser fällt. Von den Folgen spricht der letzte Vers unseres Liedes:

Nimm Gottes Liebe an.
Du brauchst dich nicht allein zu mühn,
denn seine Liebe kann
in deinem Leben Kreise ziehn.
Und füllt sie erst dein Leben
und setzt sie dich in Brand,
gehst du hinaus, teilst Liebe aus,
denn Gott füllt dir die Hand.

Amen

Mittwoch, 15. April 2026

Meine Zeit in guten Händen hl

Meine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16

Liebe Leserin, lieber Leser,


dass in meinem Leben schon einige Zeit vergangen sein muss, kann man an meinem Gesicht ablesen. Viel wird es wohl nicht mehr sein. Aber wie viel? Das steht in Gottes Hand.


Zwar trage ich Verantwortung für mich selbst; ich soll im Rahmen meiner Möglichkeiten dafür sorgen, so gut es geht gesund zu bleiben. Doch zugleich ist es Gott, der dazu den Willen und die Kraft gibt. In diesem Spannungsfeld zwischen Selbstverantwortung und Dankbarkeit spielt sich mein Leben ab.


Es bleibt dabei: Meine Zeit steht in seinen Händen. Er hält die ganze Welt und mein kleines Leben. Letzten Endes ist alles, was geschieht, seine Sache – auch wenn ich vieles nicht verstehe. Wo ich jedoch etwas zum Guten beitragen kann, soll ich es tun. Das ist dann jedes Mal ein kleiner „Stein“, mit dem er sein Reich baut.


Dieses Reich kann niemand zerstören: kein Kriegstreiber und Menschenmörder, kein Unglück, keine Krankheit und keine seelische Grausamkeit. Daran halte ich fest, auch wenn mein begrenzter Horizont oft nicht ausreicht. Eines weiß ich: Dem, was ich für böse halte, will ich auf keinen Fall meine Hand reichen.


Dass das Gute dennoch wirkt, habe ich kürzlich wieder erlebt: Jemand in meinem Umfeld hat nach einer schweren Krankheit endlich ein gutes Untersuchungsergebnis erhalten. Trotz aller Last geschieht jeden Tag so viel Gutes. Ich muss nur richtig hinschauen.

Nicht nur meine Zeit steht in seiner Hand, auch deine und die aller Lebewesen. Beweisen kann ich das nicht. Aber ich will darauf vertrauen. Denn wenn ich das nicht mehr könnte, was bliebe dann für mich? Blanker Zynismus? Resignation? Hass?


Nein. So nicht. Ich will danken für seinen Segen, bitten um seine Kraft und vertrauen auf seine Güte. Auch wenn manchmal zutrifft, was wir in dem alten Lied singen:

Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,

du führst mich doch zum Ziel auch durch die Nacht.“

Über allem, was ich erlebt habe und noch erleben werde, was in der Welt geschieht und noch geschehen wird steht dieses Wort: Alle Zeit steht in Gottes Händen.


Gebet:

Herr, mein Gott,

ich danke dir für die Zeit, die du mir geschenkt hast – für die hellen Stunden, aber auch für die schweren Tage. Gerade durch Zweifel und Leid hast du mich näher zu dir geführt.

Ich danke dir für deinen Segen:

Für die Menschen, die mein Leben reich machen.

Für den Frieden, in dem ich leben darf.

Für das, was mich freut: die Musik, die Natur und die Begegnungen mit anderen.

Vor allem aber danke ich dir für Dich. Dir vertraue ich mich an – mit allem, was war, und allem, was kommt.

Und auch wenn meine Zeit einmal abgelaufen ist, bleibe ich dennoch in deiner Hand. Amen.


Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

p.s. In den  nächsten 14 Tagen wird es wohl keinen Tagesimpuls geben. Ich bitte um Verständnis.

Sonntag, 12. April 2026

Start in den Tag hl

Liebe Leserin, lieber Leser, 

vor einem Jahr habe ich hier mein Morgengebet veröffentlicht. Zwischenzeitlich ist es mir wieder entglitten. Frag mich nicht warum. Ich weiß es selbst nicht. Aber vergessen habe ich es nicht. Nun hat es sich wieder in mir gemeldet.
Wer das Gebet schon kennt, kann es ja begrüßen wie einen Bekannten, dem man wieder mal begegnet. Wer nicht, mag vielleicht selbst mal versuchen, auf diese Weise in den Tag zu starten:

Mein Morgengebet:

(Hände in Kopfhöhe):

Vater im Himmel, 


(Arme nach oben):

Komm zu mir in deiner Kraft.


(beide Hände auf den Kopf):

Schütze mich mit deiner Macht. 


(Hände in Hüfthöhe öffnen und nach oben): 

Mit deinem Segen fülle mich. 


(Arme um den Oberkörper legen):

In deine Liebe hülle mich. 


(beide Hände aufs Herz legen):

Bleib bei mir in Jesu Namen.


(Arme weit öffnen):

Du bist meine Freude. Amen


Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr






Freitag, 10. April 2026

Aus Gottes Sicht hl

Losung:
Der HERR sprach zu Jakob: Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.
1. Mose 28,15

Liebe Leserin, lieber Leser, 

was hast du heute vor? Wenn möglich, wirst du heute wohl das Haus verlassen. Wenn du berufstätig bist, dann sowieso. Vielleicht musst du Kinder oder Enkel zum Kindergarten oder in die Schule bringen. Vielleicht gehst du einkaufen. Oder du hast einen Termin beim Arzt.

Jedenfalls gilt, was Gott in der Losung zu Jakob sagt, auch für dich, ganz gleich, wie es dir gerade geht. Denn es gibt aus seiner Sicht keinen Grund, gar keinen, warum er das nicht auch zu dir sagen sollte. Er sieht, was wir brauchen und nicht, was wir verdienen.

Und falls du meinst, du seist dazu bei ihm nicht würdig genug, dann erinnere ich dich kurz an Jakob: 

Der hat seinen Bruder Esau schändlich betrogen. Nun muss er vor dessen Zorn fliehen. Da träumt er von einer Himmelsleiter, auf der die Engel Gottes auf und niedersteigen. Und hört, wie Gott ihn segnet und verspricht, ihn zu beschützen. 

Wenn Gott schon so einen Erzbetrüger segnet, dann gelten seine Segensworte auch für dich und mich. Dann gilt die Losung heute nicht nur für den Weg zum Supermarkt, sondern für alle Wege bis zum letzten Schritt. 

Gebet nach Psalm 23: 

Du, Herr, bist mein Hirte. 
Du segnest mich mit dem, was ich zum Leben brauche, selbst wenn ich vor dir versagt habe. Du bist bei mir auch in den schweren Tagen. 
Sei du es auch heute. So kann ich in diesen unsicheren Zeiten zuversichtlich bleiben. 
Denn auf dich will ich hoffen und dir vertrauen. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 7. April 2026

Schwarze Bärte, weißer Schopf hl

Losung: Der HERR schafft Recht den Waisen und Witwen und hat Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben. 5. Mose 10,18-19

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ich will über die Bahn nicht schimpfen. Das hieße, Wasser ins Meer schütten. Jedenfalls habe ich meine einschlägigen Erfahrungen gemacht. Aber neulich hat mir die Bahn auch zu einem anderen Erlebnis verholfen:

Zielbahnhof. Ich will aussteigen und muss an vier jungen Männern mit  Bärten vorbei, die sich über den Gang hinweg unterhalten. ‚Aha, Muslime‘, denke ich. 

Als ich vor ihnen stehe, sehe ich sie freundlich an, lächle und sage: „Ui, vier schwarze Bärte” und streiche mit meiner Hand über mein Kinn. Die Männer unterbrechen ihr Gespräch und lachen freundlich zurück. Dann gehe ich weiter. Das war's schon.

Eigentlich nicht der Rede wert. Oder vielleicht doch? Ich jedenfalls habe über die kleine Begebenheit noch ein bisschen nachgedacht und mir gesagt: Es braucht gar nicht viel, einander freundlich und entspannt zu begegnen: Ein offener Blick, ein Lächeln, eine nette Bemerkung.

Doch warum ist das manchmal so schwer? Die Fremdlinge lieben(Losung) - das war offenbar schon zur Zeit des Alten Testaments nicht einfach, sonst würde es in der Bibel nicht mehrfach betont. Deswegen muss man sich ja nicht gleich um den Hals fallen. Aber einfach achtlos so vorübergehen? Das fühlt sich irgendwie nicht gut an.

Die vier jungen Männer haben diesen flüchtigen Augenblick wahrscheinlich längst vergessen. Doch vielleicht wirkt es bei ihnen und bei mir unbewusst fort, dass man sich vor Fremden nicht unbehaglich fühlen muss. Man kann sich gegenseitig wahrnehmen und ansehen. So wird aus einem Fremden eine Person. So gewinnt einer beim anderen ein kleines bisschen Ansehen: die vier schwarzen Bärte bei einem Weißhaarigen und umgekehrt. Das würde ich zwar nicht als „Fremdenliebe” bezeichnen, aber als eine kleine Vorstufe dazu.

Gott, so heißt es im Bibelwort heute, hat die „Fremdlinge" lieb, nicht nur die, die hier eine Ausbildung machen oder ihr Können schon in den Arbeitsprozess einbringen. Auch und gerade die geflüchtet sind und hier Schutz suchen. So wie damals die Israeliten in Ägypten oder später Maria und Josef mit dem Jesuskind ebenda. 

Ich glaube, alle Migranten sind seine Kinder wie du und ich. Und darum müssen sie auch für mich keine Fremden sein. Ich kann sie ansehen, damit sie auch für mich werden, was sie sind: Brüder und Schwestern.

Gebet: Gott, du bist der Vater aller Menschen. Dir will ich die Ehre geben, indem ich in ihnen meine Schwestern und Brüder sehe. Indem ich bereit bin, sie anzunehmen, wie sie nun mal sind. Gib mir dazu deinen Geist des Friedens und der Freundlichkeit. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 





Sonntag, 5. April 2026

Alles neu hl

Über Ende und Anfang:

Was der Seher Johannes erschaut hat:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen ... 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Offenbarung 21,1.3-5a

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie stellst du dir das Leben in Gottes neuer Welt vor? Auch wenn wir dasselbe Bibelwort lesen, so behält doch jeder seinen eigenen Glauben und seine persönliche Hoffnung.

Der Seher Johannes aus dem Buch der Offenbarung am Ende der Bibel hatte eine grandiose Vision von einem neuen Himmel und der neuen Erde. Sie sollte der damals noch kleinen und zum Teil schon verfolgten Schar der ersten Christen den Glauben stärken und Hoffnung machen. 

Was sie und wir in dieser vergänglichen Welt sehen und erleben, hat zwei Gesichter. Neben unsagbarem Leid widerfährt uns auch Glück und Freude, mit einem Wort: Segen. Vereinfacht gesagt: Zwischen diesen Polen spielt sich unser Leben ab solange wir sind. Und, wenn wir wollen, können wir auch wissen, dass es das Eine nicht ohne das Andere gibt: Der Preis des Lebens ist der Tod. Und auch Segen gibt es nicht ohne Leid. So erlebe ich es. Manchmal erfahre ich auf Erden den Himmel und manchmal die Hölle. Und oft sind wir Menschen es, die beides bewirken.

Da hinein spricht Johannes von einer Hoffnung, die alle irdischen Grenzen übersteigt, und sagt: 
„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.”

Diese kühne Verheißung entzündet in mir ein Hoffnungslicht. Ich glaube, dass jenseits meines persönlichen Endes und des Endes der Welt etwas Neues kommen wird. Es wird ein radikaler Neuanfang sein. Doch ich muss das nicht schaffen. Das liegt in den Händen Gottes, wie er sich in Jesus zeigt. Nach Einzelheiten darfst du mich nicht fragen. Aber ich hoffe schon, dass Tränen und Leid, Schmerz und Tod keine Zukunft haben werden.

Diese Hoffnung feiern wir heute an Ostern. Ganz gleich, wie man sich die Auferstehung vorstellt. Sie ist ein Blick über die Grenze, die Gott uns allen mit dem Tod zieht. Ein Blick, der Mut macht, nicht aufzugeben. Der uns im Diesseits hilft, die Liebe nicht zu verraten und für den Frieden zu beten und zu arbeiten. Ein Blick, der hoffen lässt, dass nicht alles sinnlos ist.

Lied:

Meine Hoffnung und meine Freude
Meine Stärke, mein Licht,
Christus meine Zuversicht, 
auf dich vertrau ich und fürchte mich nicht.

Herzliche Grüße und frohe Ostern!

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 4. April 2026

Trotz allem Frohe Ostern! hl

Kundgebung für den Frieden (Ostermarsch)

Redebeitrag von Hans Löhr, Pfr. iR, am 4.4.2026 auf dem Martin-Luther-Platz in Ansbach


Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,


lasst mich mit einer Geschichte beginnen, der ich mit 15 Jahren in der Schule begegnet bin. Geschrieben hat sie Wolfgang Borchert kurz nach dem Krieg. Sie heißt „Nachts schlafen die Ratten doch” Mit den Kriegen heute und dem neuen Militarismus in unserem Land scheint sie erst mal wenig zu tun zu haben. Doch hört selbst:


„Nachts schlafen die Ratten doch”


Ein Mann hat den Krieg überlebt und streift nun durch die Trümmer von Berlin. Auf einem Schutthaufen sitzt ein neunjähriger Junge mit einem Stock. Der Mann fragt ihn, was er denn hier mache. Der Junge antwortet: „Ich muss aufpassen.”

„Aber worauf musst du denn aufpassen?” „Auf meinen kleinen Bruder.” „Und wo ist er?” „Er liegt hier unter den Trümmern und ist tot.” Der Mann schweigt. Dann sagt er: „Ich weiß was Besseres. Komm mit. Ich zeige dir meine Kaninchen, die haben gerade Junge.”

„Nein, ich muss aufpassen, sonst kommen nachts die Ratten und fressen meinen kleinen Bruder.” „Die Ratten? Aber die schlafen doch nachts.” „Aber unser Lehrer hat gesagt, dass die Ratten nachts nach Fressen suchen.” „Da hast du aber einen dummen Lehrer. Die Ratten schlafen nachts, ganz bestimmt. 

Also komm jetzt. Ich schenk dir eins von meinen Kaninchen und zu essen bekommst du auch was.” „Ich weiß nicht.” „Komm nur, nachts schlafen die Ratten doch.” (nacherzählt und gekürzt)


Die Menschen in den Blick nehmen


Mich hat diese Geschichte damals berührt. Und sie hat mich dazu bewegt, den Sinn militärischer Gewalt zu hinterfragen. Sie hat mir geholfen, von den vielen verlogenen Heldengeschichten aus dem Krieg wegzukommen und stattdessen die Opfer in den Blick zu nehmen: die Einzelschicksale, die Familien, die Kinder. 

Deshalb geht es mir heute nicht nur um den Iran, den Libanon, die Ukraine und Gaza. Nicht nur um das gebrochene Völkerrecht oder militärische und politische Kommentare. 

Mir geht es um die Menschen in diesen Ländern, die genauso fühlen wie du und ich. Die sich fürchten und leiden, trauern und verzweifeln. Die leben möchten und sich wieder freuen. Und die doch sinnlos sterben müssen für die Interessen der Mächtigen.

Und da mache ich keinen Unterschied: Auch um die zivilen Opfer in Israel und Russland geht es. Aber ebenso um die israelischen, russischen und amerikanischen Soldaten, denen der Angriffskrieg ihrer eigenen Regierung Tod, Unglück und Leid bringt. An sie alle will ich erinnern. Darum stehe ich hier.


Jesu naive Friedensbotschaft


In meiner pazifistischen Einstellung wurde ich noch bestärkt, als ich in Jesu Bergpredigt las: „Selig sind, die Frieden schaffen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.” Und das heißt nicht, Frieden schaffen mit militärischer Gewalt, mit völkerrechtswidrigen Kriegen, aus Machtgier und Geldgier. 

In seinen Worten heißt das: 

Lass die Waffe stecken, denn alle, die zu Waffen greifen, werden durch Waffen umkommen.” Schlage nicht zurück. Gib um des Friedens willen nach. Reiche die Hand zur Versöhnung. Und wenn es sein muss, leide für den Frieden und nicht für den Krieg.

Das ist doch naiv, sagen die Kriegstüchtigen. Man muss sein Land verteidigen. Die anderen sind doch die Bösen. - Wirklich?  Das hat man schon immer so gesagt. Und dann hat man die jungen Männer ins Feuer geschickt, um zu töten und getötet zu werden.


Ich habe die Erzählungen nicht vergessen, wie in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts die sterbenden Soldaten in den Schützengräben geschrien haben. Und sie haben nicht geschrien: Hurra, ich sterbe, aber Deutschland oder Frankreich oder die Sowjetunion soll leben. Wisst ihr, was sie geschrien haben? – Mama! Ein jeder in seiner Sprache. Und die Verschütteten in den zerbombten Städten ebenso.

Das, liebe Friedensfreunde und alle, die jetzt zuhören, das ist Krieg. Und davor schützen keine Minister und Generäle, keine Waffen und keine Armeen. Im Gegenteil.


Fragen an meine Kirche


An dieser Stelle frage ich nun meine evangelische Kirche:  

-  Warum unterstützt du in deinen offiziellen Äußerungen die Politik der Regierung, dass Deutschland mehr Soldaten brauche und aufrüsten müsse? Hast du vergessen, wohin das führt?

– Warum bestärkst du die Menschen in unserem Land, dass Waffen und Militär für sie Zuflucht und Schutz seien. War das denn jemals so?

Und noch schlimmer: 

- Warum behauptest du, dass im Extremfall auch der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden dürfe?

Ist das die Botschaft, Kirche, die du für die Menschen heute hast?


Zurück zum Anfang


Zurück zum Anfang: Der neunjährige Bub auf dem Trümmerhaufen hatte doch recht: Die Ratten schlafen nicht, auch nachts nicht. Sie schliefen 1945 nicht in den Trümmern von Berlin und Ansbach. Sie schlafen heute Nacht nicht in Kiew und Gaza, in Teheran und Beirut. Sie fressen die toten Kinder unter dem Schutt der zerbombten Häuser - heute und überall, wo die Mächtigen einen Krieg verbrechen und die Machtlosen leiden. Wo Angst den Verstand lähmt und Furcht den Mut zum Frieden tötet.


Trotzkraft des Glaubens


Doch wir wollen uns nicht entmutigen lassen. In jedem von uns steckt eine Kraft, die die Mächtigen nicht ersticken können. Es ist die Kraft zum zivilen Widerstand gegen Rüstung und Krieg, die Kraft, gegen den Strom zu schwimmen. Für mich als Christ ist es die Trotzkraft des Glaubens.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen und trotz allem Frohe Ostern!

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Freitag, 3. April 2026

untrennbar hl

Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Römer 8,38-39

Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist eines meiner Lieblingsworte aus der Bibel. Und dazu zwei Anmerkungen:

Erstens: 
Nein, anders als der Apostel Paulus bin ich nicht gewiss. So stark ist mein Glaube nicht. Aber ich hoffe und vertraue darauf, dass es sich so verhält, wie das Wort sagt.

Und zweitens:
Gottseidank kommt es nicht darauf an, wie ich mich Gott gegenüber verhalte, wie oft ich bete, wie viel Gutes ich tue, wie viel ich spende, was ich alles glaube, in einem Wort: wie fromm ich bin. Einzig und allein auf die Liebe Gottes kommt es an, die in Christus Jesus ist.

Ich mag die Verbindung mit Gott verlieren, weil mich das Leben von ihm entfremdet oder der Tod meinen Glauben zerstört. Oder irgendwelche Mächte, Gewalten und Kreaturen mögen mich dazu bringen oder zwingen, Gott zu verlassen. Ja, das alles ist möglich, denn so ein Glaubensheld bin ich nun mal nicht.

Und gottseidank kommt es darauf auch nicht an. Aber auf die Liebe Gottes kommt alles an. Und darauf hat niemand Einfluss, ich nicht und andere nicht.

Wen Gott liebt, den liebt er. Und warum sollte er nicht seine Geschöpfe lieben, die er geschaffen hat? Warum nicht dich und mich? Schließlich ist auch mein Versagen für ihn kein Grund. Denn mein Versagen und meine Sünde können nicht größer und stärker sein als seine Liebe. Und das gilt auch für dich. 

Und wer Gottes Liebe spürt, der ist auch motiviert sie, sogut es geht, weiterzugeben indem, wie er sich anderen gegenüber verhält.

Darum lass uns nicht auf uns schauen - weder mit Stolz noch mit Scham. Lass uns auf ihn schauen. Selbst die Gräueltaten und Verbrechen, die Menschen an Jesus Christus verübt haben, können Gottes Liebe nicht sterben lassen.

Am Kreuz starb Jesus, der sterbliche Mensch, aber nicht Gottes Liebe in ihm für uns. Da erst wurde sie in ihrer ganzen Tiefe offenbar. Und doch bleibt sie ein unergründliches Geheimnis.

Einen besinnlichen Karfreitag,

Ihr / dein Hans Löhr