Predigt von Hans Löhr im Lichtblick-Gottesdienst am 3.5.26
Ins Wasser fällt ein Stein
Liebe Besucherinnen und Besucher des Lichtblick-Gottesdienstes,
ich möchte mit euch diese Welt verändern. Macht ihr mit? Vielleicht zweifelst du jetzt, ob das überhaupt geht. Vielleicht sagst du: „Ich hab schon genug mit meiner eigenen, kleinen Welt zu tun.“ Nun, mich plagen ebenfalls Zweifel. Und doch glaube ich gegen alle Schwarzmalerei und Resignation, dass es möglich ist.
Das Thema dieses Lichtblickgottesdienstes heißt „Ins Wasser fällt ein Stein – ganz heimlich still und leise. / Und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise“.
Diesen Vers möchte ich jetzt mit euch gemeinsam singen.
Ins Wasser fällt ein Stein,
ganz heimlich, still und leise;
und ist er noch so klein,
er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe
in einen Menschen fällt,
da wirkt sie fort in Tat und Wort
hinaus in unsre Welt.
Wie in dem Vers, soll auch meine kleine und die große Welt heller und menschenfreundlicher werden. Doch zuerst geht es um „Gottes große Liebe, die in einen Menschen fällt“. Mit ihr beginnt alles. Nicht mit dem, was ich besser machen will, sondern damit, dass etwas in mein Leben fällt. Etwas, das ich mir nicht selbst geben kann: seine Liebe. Durch sie kommt Licht in die Welt, selbst in den hintersten Winkel.
Mir fällt dazu eine bekannte Geschichte ein:
Ein Bauer verspricht dem von seinen drei Söhnen den Hof, der als erster eine leere Scheune bis unters Dach füllt. Als Anreiz bekommt jeder schon mal ein Goldstück. Zwei von ihnen machen sich sofort an die Arbeit. Der eine kauft mit dem Gold Brennholz und stapelt es in seiner Scheune. Der andere kauft Heu und füllt damit seine Scheune. Der dritte aber kauft nichts. Seine Scheune bleibt leer.
Nach einer Reihe von Tagen meldet der erste stolz dem Vater: „Fertig!”. Der schaut in die Scheune. Tatsächlich, alles voll. Nur oben ist noch etwas Luft.
Der zweite hat es nicht ganz geschafft. Eine Fuhre vom gekauften Heu war nicht rechtzeitig angekommen.
Da lobte der Bauer beide und versprach auch dem zweiten einen Anteil. Dann aber sagte er zu seinem dritten Sohn: „Und nun du. Zeige mir deine Scheune!”
Der Sohn öffnet das Tor. Die Scheune ist leer. „Vater”, sagt er, „ich habe nichts gekauft, sondern das Geld den Armen gegeben.” Dann geht er hinein und zündet auf dem Scheunenboden eine Kerze an. Ihr Licht füllt den ganzen Raum bis unters Dach.
Da sagt der Vater: „Deine Brüder haben versucht, den Raum mit materiellen Dingen zu füllen, doch es blieben immer Lücken. Du hast ihn mit Licht erfüllt. Weil du die Welt mit dem Geist und der Liebe erhellen kannst, bekommst du das Erbe.” – Doch sein Sohn antwortet: „Gib nur meinen Brüdern das Erbe. Ich gehe fort, dorthin, wo man über die Dunkelheit schimpft. Da will ich ein Licht anzünden.”
Ja, „Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wird die Welt vom Licht erhellt." Das, liebe Freunde, ist das erste. Wie soll auch ohne ihn etwas besser werden?
Doch damit es heller wird, braucht es auch Menschen, die seine Liebe spüren. Die sein Licht in sich tragen, dorthin, wo es dunkel ist. Wo andere sich sorgen und leiden, wo sie schimpfen und streiten. Doch damit auch ich sein Licht weitertrage, muss ich mich erst selbst ändern.
Dazu orientiere ich mich an Jesus und seiner Menschenfreundlichkeit. Ich nehme mir fest vor, meinen negativen Gefühlen und Gedanken immer weniger nachzugeben. Stattdessen achte ich auf sein Wort: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst”. Das soll mein Leben mehr und mehr bestimmen - Schritt für Schritt.
Es beginnt damit, dass ich inzwischen sofort stopp sage, wenn sich in mir etwas rührt, das mir und anderen nicht gut tut: „Stopp, Hans, das willst du doch nicht mehr. Du änderst mit deinem Ärger und deiner schlechten Laune sowieso nichts. Das zieht dich nur runter und macht nichts besser. Also hör auf damit.”
Ach, liebe Freunde, das muss ich leider oft zu mir sagen. Doch es wirkt tatsächlich, je öfter ich mich darin übe. Klar hätte ich an vielem etwas auszusetzen, wenn ich nur lange genug herumstochere. Da genügt es schon, wenn ich ins Auto steige und mich über die Langsamen vor mir ärgere. Aber was soll das bringen? Je älter ich werde, desto langsamer werde auch ich. Also sage ich zu mir: „Schluss damit. Mach selbst den ersten Schritt und sei freundlich und nachsichtig. Sei selbst so, wie du dir das von anderen wünscht.“
Das beginnt in der Familie und geht weiter im öffentlichen Raum, überall dort, wo man anderen begegnet. Eigentlich sage ich das zu mir und nicht zu dir. Ich will hier ja niemandem Vorschriften machen. Wir alle sind alt genug, dass wir wissen können, was wir tun.
Und so habe ich mir vorgenommen, nicht nur meine problematischen Gefühle und Gedanken im Zaum zu halten. Wenn ich zum Beispiel einen Laden, eine Praxis oder eine Behörde wieder verlasse, soll von meinem Besuch bei den Angestellten ein gutes Gefühl zurückbleiben. Dazu braucht es nicht viel: einen freundlichen Gruß, ein Lächeln, eine nette Bemerkung und ein Dankeschön für ihren Dienst. Einmal hat einer gesagt: „Das hat mir jetzt den besch... Tag gerettet.”
Aber ist das nicht nur ein bloßes ‚Seid nett zueinander‘? Das geht auch ohne Glauben. Stimmt. Aber erstens ist es nie falsch, wenn man nett zueinander ist. Und zweitens merkt es der andere, ob das nur oberflächlich ist, oder ehrlich und unverstellt, weil es aus einer tieferen Quelle kommt.
Ja, ich kenne das: andere kritisieren, ihnen Vorwürfe machen, sie beschuldigen, schlecht von ihnen denken. Ist das normal? Für mich soll das nicht länger normal sein. Und dafür gibt's einen Grund: Dankbarkeit. Jeden Morgen wenn ich die Augen aufschlage, sage ich zuerst ‚Danke, Herr‘. Egal wie es mir gerade geht und was sonst so los ist. 'Danke, dass ich lebe.'
Mich vom Negativen in mir lösen - manche können das nicht. Können einfach nicht loslassen. Vielleicht sind die Verletzungen zu tief und schmerzen noch immer. Aber ich will keine Ratschläge erteilen. Jeder kämpft auf seine Weise. Ich kann fremdes Leid nur respektieren. Und, wenn gewollt, sagen, wie ich mit meinen Enttäuschungen und Problemen umgehe. Wie ich um den Glauben ringe, dass Gottes Licht selbst die dunklen Winkel der Seele erreicht. Auch darum heißt ja dieser Gottesdienst „Lichtblick“.
Und was bleibt dann noch zu tun? Nichts mehr. Ich verlasse mich darauf, dass mein Verhalten bei meinen Mitmenschen nachwirkt und Kreise zieht wie ein Stein, der ins Wasser fällt. Vielleicht ist das kaum wahrnehmbar. Und doch wirkt mein Verhalten fort, auch wenn ich nichts mehr davon weiß, weil es nur ein guter Gedanke oder ein kleines Gebet für einen anderen war.
So, liebe Freunde, so trage ich mit Gottes Hilfe meinen Teil dazu bei, dass sich die Welt ändert. Und du tust das auch, selbst wenn es dir nicht bewusst ist. Nichts was im Namen Jesu geschieht, ist umsonst. Wo das Böse mit Gutem überwunden wird, ist das schon ein kleiner Sieg. Was aus alledem wird, habe ich sowieso nicht in der Hand. Aber was aus Liebe geschieht, wird Kreise ziehen. Vielleicht weiter, als ich mir vorstellen kann. Und auch die Kreise anderer erreichen mich und wirken. Selbst wenn ich nicht weiß, von wem sie kommen.
Weite Kreise zieht der kleine Stein, der ins Wasser fällt. Von den Folgen spricht der letzte Vers unseres Liedes:
Nimm Gottes Liebe an.
Du brauchst dich nicht allein zu mühn,
denn seine Liebe kann
in deinem Leben Kreise ziehn.
Und füllt sie erst dein Leben
und setzt sie dich in Brand,
gehst du hinaus, teilst Liebe aus,
denn Gott füllt dir die Hand.
Amen