Donnerstag, 9. Dezember 2021

Hoffen statt fürchten hl

Losung: Der Tag des HERRN ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen? Doch auch jetzt noch, spricht der HERR, kehrt um zu mir von ganzem Herzen! Joel 2,11-12 

Lehrtext: Seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten. Lukas 12,36 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

das gehört zur DNA frommer Christen, dass einmal der Tag des Herrn kommen wird, der Tag des Gerichts und der Abrechnung. Dann kommen die einen ins Töpfchen und die anderen ins Kröpfchen. Dann werden die gerächt, die von der bösen Welt drangsaliert worden sind. Dann gibt es endlich den lang ersehnten Ausgleich. Dann wird denen, die hier lachen, dort das Lachen vergehen. Die hier das Nachsehen hatten, werden dort belohnt. - Schön wär’s.
     Ich muss auch nicht andere zu Gott hintreiben, indem ich ihnen hier schon mal die Hölle heiß mache. Doch das ist Evangelium in dem sonst schrecklich gesetzlichen Losungswort, dass du jederzeit zu Gott kommen kannst. Er hält dir die Tür offen und einen Platz an seinem Tisch frei wie der Vater in Jesu Gleichnis dem „Verlorenen Sohn“.
     Und der Lehrtext? Viele erwarten heute auch so etwas wie ein schreckliches Gericht, nur dass dann die Natur mit allen Menschen abrechnet. Sie fürchten, dass durch den Klimawandel Milliarden Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen, weil ihre Länder überflutet werden oder die Felder verdorren. Manche meinen, dass die Corona-Pandemie ein Vorbote dieser Abrechnung sei, weil sich die Natur jetzt gegen den Schädling Mensch mit allen Mitteln zu wehren begönne.
     Im Unterschied zur Losung wissen sie von keinem Gott, der sie zur Umkehr auffordert, von  keinem, auf den man warten, von keinem, auf den man vertrauen könnte.
     Dem setze ich meinen verrückten Glauben entgegen, dass mein Herr kommt, wenn sich die Herren und Damen dieser Welt aus dem Staub gemacht haben. Ja, es kann sein, dass wir und vor allem unsere Kinder und Enkel schweren Zeiten entgegengehen. Doch ich will nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren, sondern auf meinen Herrn Jesus Christus schauen. Er ist meine Hoffnung hinter allen Problemen. Er gibt mir schon jetzt Lebensmut und Kraft, mich gegen die zerstörerischen Kräfte zu stemmen.
     Was auch in dieser Zeit und Welt geschieht, es ist ein Vorletztes. »Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.« (Hiob 19,25) 

Gebet: Herr Jesus Christus, du rechnest nicht ab. Du rettest. Du bist meine Zuversicht. Auf dich vertrau ich und fürcht‘ mich nicht!  Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Mittwoch, 8. Dezember 2021

Du meine Güte! hl

Losung: Sie haben sich Götter von Gold gemacht. Vergib ihnen doch ihre Sünde! 2.Mose 32,31.32 

Lehrtext: Gebt acht, liebe Brüder und Schwestern, dass in keinem von euch ein böses, ungläubiges Herz sei und niemand abfalle vom lebendigen Gott, sondern redet einander zu Tag für Tag. Hebräer 3,12-13 


Liebe Leserin, lieber Leser, 

du meine Güte! „Ein böses, ungläubiges Herz“, „sündiger Götzendienst“ und „Abfall von Gott“. Jetzt aber! Jetzt haben die Besserwisser und Selbstgerechten, die Superfrommen und Moralapostel Oberwasser. Jetzt können sie anderen die Hölle heiß machen, die nicht so denken und glauben wie sie. Jesus hatte damals seine liebe Not mit ihnen. 

Ein unfassbarer Verlust 

     Ist ein ungläubiges Herz böse? Nein. Für mich ist es arm, verzweifelt arm. Und ist es Sünde, von Gott abzufallen? Ich denke nicht. Für mich ist es ein Verlust, ein geradezu unfassbarer Verlust. Offenbar haben in beiden Fällen Menschen, auf die das zutrifft, nicht die Chance gehabt, auf Gott zu vertrauen und seine Liebe zu spüren. Sie hatten offensichtlich keine Gelegenheit, das Evangelium, die frohe und gute Nachricht von Jesus Christus kennenzulernen, zu verstehen und zu glauben. Und wie anders sollen sie diese Chance bekommen als durch dich und durch mich?
     Aber werden sie diese Chance auch ergreifen? Das liegt nicht in meiner Macht. Aber das schon, dass ich für sie bete und ihnen freundlich und liebevoll begegne, statt von bösen und ungläubigen Herzen zu faseln. Damit meine ich ja doch immer nur die anderen und nicht mich selbst.
 

Gebet: Herr, ich habe zu tun, dass ich dich nicht verliere. Dann hätte ich alles verloren. Aber es liegt nicht in meiner Macht, sondern in deiner, dass du mich im Glauben stärkst. Wenn du willst, so nimm mich in deinen Dienst, dass ich für meine Mitmenschen ein Hinweis auf dich sein kann. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Dienstag, 7. Dezember 2021

Staunender Glaube hl

Losung: Der HERR hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den Himmel ausgebreitet durch seinen Verstand. Jeremia 10,12 

Lehrtext: Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist. Hebräer 11,3 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

jahrtausendelang war für die Menschen der ihnen bekannte Lebensraum zugleich der Mittelpunkt der Welt. Sie glaubten, was sie sahen: im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter. Also muss sie sich um die Erde drehen. Die Sterne sind klein und der Mond ist groß. Also müssen Erde und Mond größer sein als die Sterne.

Du bist der Mittelpunkt der Welt

     Und heute? Niemand kann mehr ernsthaft einem solchen Glauben anhängen genauso wenig, wie dass die Erde eine Scheibe sei. Aber eins stimmt nach wie vor: da wo wir sind, da wo du bist, da ist der Mittelpunkt des gesamten Universums. Doch da wo ein anderer ist, und wenn er auf Neuseeland lebt, gilt das genauso. Und wenn es in irgendeiner fernen Galaxie irgendeinen ähnlichen Planeten geben sollte wie unsere Erde, auf dem Leben existiert, dann ist das ebenso. Jeder Ort im gesamten Universum ist Mittelpunkt, ist sozusagen gleichberechtigt. Keiner ist bevorzugt, keiner benachteiligt. Jeder liegt im Zentrum und keiner am Rand.

     Das ist schwer zu verstehen. Da muss man sich schon mit Astrophysik befassen oder den Wissenschaftlern Glauben schenken, die das herausgefunden haben. Zugleich aber sind die Erkenntnisse der Astrophysiker um ein Vielfaches staunenswerter als alles, was man bis heute von der Größe des Universums gedacht oder geglaubt hat.

     Hätten die Menschen der Bibel nur einen kleinen Schimmer von dem gehabt, was wir heute wissen können, sie hätten, wie ich meine, in ihren Psalmen und Gebeten Gott ohne Ende gepriesen und gelobt. Und ausgerechnet die meisten Naturwissenschaftler, die solche wunderbaren Einblicke und Erkenntnisse haben, tun das nun nicht mehr. Einige aber doch.

Du selbst bist ein unfassbar großes Wunder

     Viele Gläubige sind noch heute wundergläubig, was die Wundererzählungen in der Bibel betrifft. Aber was die Entstehung der Welt und des Lebens angeht, so ist das noch ein viel größeres Wunder als alle Wunder zusammen, die jemals in irgendwelchen Religionen erzählt und geglaubt worden sind. Man braucht dazu gar nicht mal zu den Sternen zu reisen oder mit riesigen Teleskopen das Universum erforschen. Es genügt schon, sich mit dem eigenen Körper zu befassen und den zahllosen Wundern, die in ihm in jeder Sekunde unablässig geschehen. Du selbst bist ein Wunder.

     Ja, »durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist« (Lehrtext). Die Naturwissenschaft allein kann eine solche Erkenntnis nicht gewinnen. Doch wenn einem Menschen ein staunender Glaube gegeben ist, der offen ist für die Welt, nicht doktrinär, nicht engstirnig und starr, nicht rechthaberisch und selbstgerecht, dann kann er gar nicht anders, als immer wieder Gott staunend anzubeten. Aber nicht irgendeine höhere Macht, sondern den Gott der Liebe, den wir an Weihnachten in dem Kind in der Krippe feiern. - Du bist der Mittelpunkt für Gott. Aus seiner Sicht dreht sich alles um dich.

Gebet: Herr, durch dich ist alles, was ist und ohne dich ist nichts, was ist. Deine Schöpferkraft geht weit über das hinaus, was Menschen jemals wissen und glauben können. Du bist für uns unfassbar und unbegreifbar. Doch du kommst mir nahe im Kind in der Krippe und im Mann am Kreuz. Durch ihn glaube ich, dass du alles, was ist, aus Liebe geschaffen hast und schaffst. Ich verstehe das nicht, doch ich vertraue, dass es sich so verhält und darum lobe und preise ich dich, meinen Gott, meinen Schöpfer, Bewahrer und Erlöser. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Montag, 6. Dezember 2021

Christus hat keine Hände hl

Losung: Gott sprach zu Mose: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! 2.Mose 3,5

 

Lehrtext: Wir wollen, die wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein und Gott dienen, wie es ihm gefällt, mit Scheu und Ehrfurcht. Hebräer 12,28 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

heilige Orte wie heilige Häuser, heilige Haine, heilige Berge und so weiter gibt es in vielen Religionen. In den Moscheen muss man noch heute die Schuhe ausziehen, in den Synagogen müssen Männer und Frauen den Kopf bedecken, in katholischen Kirchen sollten Besucherinnen und Besucher nicht den Altarbereich betreten. Und Mose sollte vor dem lebendigen Gott, der aus dem brennenden Busch zu ihm sprach, „Scheu und Ehrfurcht zeigen“ und seine Sandalen ablegen.
     Mit Jesu Geburt hat sich da etwas grundsätzlich geändert. Er kam nicht im Allerheiligsten des Tempels zur Welt, abgeschirmt von den Menschen, sondern in einem stinkenden Stall. Seitdem ist klar: es gibt keine heiligen Orte. Jeder Ort auf der Erde ist, wenn man so will, heilig, weil Gott überall ist, eher in den Hütten als in den Palästen, eher in den Höhlen der hochansteckenden Leprakranken als in den Synagogen, eher auf den Intensivstationen als in den Kirchen, eher im Gefängnis als im Gerichtssaal…..
 

Das Beispiel Jesu 

     Und mit Jesu Geburt hat sich auch an diesem Punkt etwas grundlegend geändert. Jetzt dienen nicht mehr wir Gott mit allen möglichen religiösen Geschäftigkeiten, sondern er dient uns. Jesus hatte wie ein Sklave seinen Jüngern die Füße gewaschen und gesagt: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.“ (Johannes 13,15) Und „Der Größte unter euch, soll euer Diener sein“ (Matthäus 23,11) Und „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen.(Markus 10,45) 

Christus hat keine Hände

     Gott dient mir in Jesus, indem er segnet und heilt, rettet und vergibt. Und er dient in mir meinen Mitmenschen. Denn »Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen(Gebet aus dem 14. Jahrhundert) 

Gebet: Herr, dich ehre ich und vor dir habe ich Respekt, nicht weil du mächtiger, stärker und größer wärst als irgendein Mensch. Sondern weil du barmherzig bist und mir mit deiner Liebe dienst. Ich will deinem Beispiel folgen und meinen Mitmenschen dienen und dir in ihnen (Lehrtext). Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.

Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert. 

Sonntag, 5. Dezember 2021

"Der Herr sei mit dir!" hl

Losung: HERR, sei du mit mir um deines Namens willen; denn deine Gnade ist mein Trost: Errette mich! Psalm 109,21

 

Lehrtext: Stephanus rief den Herrn an und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Er fiel auf die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Apostelgeschichte 7,59-60 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

»Der Herr sei mit dir!« – Mit diesem uralten Segenswort grüße ich die Gemeinde in  jedem Kirchengottesdienst (vergleiche Losung). Und genau darum geht es ja, dass wir uns im Gottesdienst gemeinsam vergewissern: Wir sind nicht allein. Gott ist da! Er ist mit dir und mit mir.

     »Der Herr sei mit dir!« – Mit diesem Wort grüße ich dich heute, am 2. Advent, liebe Leserin, lieber Leser. Vielleicht kannst du es mitnehmen in diesen Tag oder, wenn du diese Auslegung erst abends liest, in die Nacht. 

In der Liebe bleiben 

     Ich glaube, wer im Vertrauen auf dieses Wort lebt, der bekommt auch die Kraft, noch in höchster Not Gott anzurufen. Der bekommt sogar die Kraft, angesichts seiner Mörder Jesu Gebot zu erfüllen und, wie Stephanus, für seine Feinde zu beten (Lehrtext). Oder anders gesagt: Der bekommt die Kraft, in der Liebe zu bleiben bis zum Ende.

Ich sage bewusst „der bekommt“ und nicht „der hat“ die Kraft. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich von mir aus dazu in der Lage wäre.

     »Der Herr sei mit dir!« Das wünsche ich dir. Mehr noch, das kann ich dir im Vertrauen auf Jesus zusagen. Er lasse dich seine Gegenwart spüren und gebe dir die Kraft, im Glauben zu bleiben, was auch geschieht. 

Gebet: Herr, jetzt fällt es mir leicht zu glauben, dass du bei mir bist. Aber wenn ich Schmerzen habe, erregt bin oder Leid mich überschattet, habe ich dazu keine Kraft mehr. Dann musst du in mir und für mich glauben. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.

Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert. 

Samstag, 4. Dezember 2021

Ins Weite, ins Freie hl

Losung: Israel aber wird errettet durch den HERRN mit einer ewigen Rettung, und ihr werdet nicht zuschanden noch zu Spott immer und ewiglich. Jesaja 45,17 

Lehrtext: Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Matthäus 13,43 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ins Weite, ins Freie – das war das unbewusste Streben von uns allen, als die Zeit im Mutterleib gekommen war und wir endlich auf die Welt kommen wollten. Leicht war das nicht, als wir durch den engen Geburtskanal gepresst wurden. Leicht war das nicht, als die Nabelschnur durchtrennt und wir von der unmittelbaren Versorgung durch die Mutter abgeschnitten waren.

Der Preis der Freiheit

Aber Freiheit kostet ihren Preis. Und der Preis heißt, für sein Leben zunehmend selbst verantwortlich zu werden. Es in die eigenen Hände zu nehmen. Auf eigenen Füßen zu stehen. Der Preis der Freiheit heißt, unabhängig zu werden in vielfacher Hinsicht. Eigene Entscheidungen zu treffen. Selbst herauszufinden, was mir gut tut und was nicht. Was für mich passt und was nicht.

     Und zur Freiheit eines Menschen gehört wesentlich auch, dass er seinen Verstand gebraucht und prüft, ob stimmt, was andere behaupten. Dass er nicht einfach nachplappert, was sie ihm vorsagen. Dass er um Gottes willen nicht alles glaubt, was er glauben soll, sondern kritisch wird und bleibt besonders gegenüber denen, die den Anschein erwecken, die Wahrheit gepachtet zu haben. Zur Freiheit gehört, dass der Mensch erwachsen wird und seine von Gott geschenkte Vernunft einsetzt.

Abnabelungen

Das alles ist mit Ängsten und Schmerzen verbunden: Der Abnabelungsprozess von den Eltern in der Pubertät, besonders, wenn sie ihrem Kind die Freiheit nicht zutrauen. Aber auch der Abnabelungsprozess von allen möglichen Autoritäten in der Kindheit und Jugendzeit und auch in der Zeit, in der man erwachsen wird. Krisenhaft kann auch der Abnabelungsprozess vom Kinderglauben sein, vom Wunderglauben und davon, dass die Bibel nur überzeitliche Wahrheiten enthalte und wortwörtlich verstanden werden müsse.

     Aber dann muss ich mich doch auch wieder vom Glauben an die absolute Geltung des Verstandes und der Vernunft abnabeln, um Gottvertrauen zu gewinnen in einer oft nicht vertrauenswürdigen Welt, um die Hoffnung zu behalten inmitten hoffnungsloser Zustände, um in der Liebe zu bleiben unter lieblosen und manchmal auch zynischen Menschen.

     Ins Weite, ins Freie, raus aus den Beschränkungen, als ob sich die Sonne um die Erde drehe und die Welt um mich. Als ob meine Person, meine Familie, mein Land, meine Kultur – und mein Glaube der Nabel der Welt seien. Als ob die Welt so sein müsse, wie ich sie anschaue. Als ob Gott so sein müsse, wie ich ihn mir vorstelle.

Die Tendenz der Bibel

Ins Weite, ins Freie - das ist für mich die Tendenz der Bibel. Je mehr Schriften hinzugekommen sind, desto weiter wurde der biblische Horizont. Und mit dem Evangelium, der guten Nachricht von Jesus für dich und mich, fielen die letzten Ketten und Mauern. Jetzt war offenbar, was sich bereits in manchen alttestamentlichen Schriften angekündigt hatte: Der Gott Israels ist kein Stammesgott, kein Volksgott und kein Nationalgott. Er ist der Herr und Schöpfer der Welt und der barmherzige Vater aller seiner Geschöpfe und somit auch aller Menschen. Seine Liebe ist durch nichts begrenzt. Sie ist universal, bedingungslos und grenzenlos. Die „ewige Rettung“ gilt nicht den Israeliten oder Juden allein (Losung). Sie gilt auch uns Christen, den Muslimen, den Buddhisten … und den Atheisten.

     Und wenn, wie es im Lehrtext heißt, »die Gerechten wie die Sonne leuchten werden«, dann sind das nicht die, die aus sich selbst gerecht sind, die Selbstgerechten, sondern die, die durch Jesus gerecht gemacht sind, die durch ihn ihrem himmlischen Vater recht sind. Und das bist du, das bin ich und das ist unser schwieriger Nachbar auch.

     „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ – so singen wir jetzt in dieser Adventszeit. Hoch und weit sollen die Türen und Tore unseres Herzens für Jesus sein, auf dessen Geburtstag wir zugehen. Hoch und weit sollen die Türen und Tore unseres Herzens für unsere Mitmenschen sein, auch für die Coronaleugner, Impfgegner und Verschwörungstheoretiker, aber nicht für ihre gefährlichen Ansichten. Mir fällt das nicht leicht. Aber fällt es denn Gott immer leicht, für mich ein weites Herz zu haben? 

Gebet:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
Es kommt der Herr der Herrlichkeit,
Ein König aller Königreich,
Ein Heiland aller Welt zugleich,
Der Heil und Leben mit sich bringt;
Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
Mein Schöpfer reich von Rat.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
So diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
Da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
Bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
Mein Tröster früh und spat.

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
Meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
Dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
Den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
Sei ewig Preis und Ehr.

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Freitag, 3. Dezember 2021

Wiederannäherung hl

Losung: Als der Pharao sah, dass Regen, Donner und Hagel aufhörten, versündigte er sich weiter und verhärtete sein Herz. 2.Mose 9,34 

Lehrtext: Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr leitet? Römer 2,4 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

manchmal sind die Beziehungen zwischen zwei Menschen so verkantet, manchmal ihre Herzen so hart geworden, dass eine Wiederannäherung nicht möglich scheint. Da spricht der Vater mit dem Sohn jahrelang nicht. Oder die Beziehung zu den Nachbarn liegt schon seit Jahrzehnten auf Eis. Die Kinder sind nach dem Erbfall zerstritten. Oder in der Ehe hat man sich nichts mehr zu sagen. Im Grunde leiden dann alle Beteiligten darunter und ihr Umfeld ebenso.

     Von außen meint man, es könne doch gar nicht so schwer sein, dass man wieder aufeinander zugeht, die alten Geschichten auf sich beruhen lässt und eine halbwegs normale Beziehung zum anderen hat. Doch die Verletzungen sind so tief und die Schuld, die einer dem anderen vorwirft, so schwer, dass beide aus ihrem Irrgarten nicht mehr herausfinden je länger sie sich darin aufhalten.

     Das ist dann eine echte Tragödie, denn wer unversöhnlich ist, vergiftet sein eigenes Herz und hat gute Chancen, darüber auch körperlich krank zu werden.

     Ob ein Dritter helfen kann, einer wie Herr Mittler aus Goethes Roman „Wahlverwandtschaften“? Ja so ein Moderator, der zwischen beiden Parteien vermittelt, wäre eine Möglichkeit vor allem, wenn er oder sie Außenstehende ist und strikt neutral bleibt. Aber leider ist die Bereitschaft, sich auf so einen Versöhnungsprozess einzulassen, oft sehr gering. Das Herz ist schon zu hart. Die Seele schon zu krank.

Sich erweichen lassen

     So viel aber ist klar: Vorwürfe und Schuldzuweisungen führen nur noch tiefer in den Irrgarten der Unversöhnlichkeit. Aus meiner Sicht gibt es nur einen Weg, den Weg der Güte, der Schritt für Schritt wieder hinaus führt. Und gütig ist, wer sich erweichen lässt, wer den ganzen Jammer spürt und um des lieben Friedens willen darauf verzichtet, Recht haben zu wollen.

     Gott ist gütig. Er verzichtet auf sein Recht, das er mir gegenüber geltend machen könnte, wenn ich nicht nach seinen Geboten gelebt habe. Er tut den ersten Schritt. Er versöhnt mich mit sich und verzeiht. In Jesus Christus ist er auf mich zugegangen, um mich mit seinem Frieden zu heilen. 

Gebet: Herr, wenn ich zu einem Menschen auf Abstand gehe, um mich vor weiteren Verletzungen zu schützen, so will ich doch wieder versöhnlich sein, wenn die Zeit, wenn du die Wunde geheilt hast. Ich schaue auf dich und deine Güte. Gib mir die Kraft, selbst gütig zu sein, damit ich nicht an meiner eigenen Härte zugrunde gehe. Amen

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Das Zeichen der Kerze hl

Losung: Merke auf mich, mein Volk, hört mich, meine Leute! Denn Weisung wird von mir ausgehen, und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen. Jesaja 51,4 

Lehrtext: Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. 1.Johannes 2,8 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ja, das glaube ich: Gottes Gebote sind für alle Menschen Licht in einer  dunklen Welt. Damit finden wir zum Frieden unter den Völkern, zum Frieden im eigenen Herzen und mit den Mitmenschen. Seine Weisung ist das Licht, das uns den Weg der sozialen Gerechtigkeit weist und uns aus der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen herausführt.

     Doch wie soll das anders gehen, als dass ich mich von ihm heilen lasse von meiner Gottesblindheit, damit ich sein Licht sehe? Denn wenn ich selbst blind bin, weil ich nur mich und meine Interessen sehe, wie kann ich dann vom Licht reden?

     Letzten Sonntag habe ich die erste Adventskerze angezündet als Zeichen für mich, dass Christus auch in meine Dunkelheit Licht bringt und es in mir und um mich heller wird, je mehr ich auf ihn schaue, das "Licht aus der Krippe". 

Gebet:
Du bist das Licht der Welt,
du bist der Glanz, der uns unseren Tag erhellt.
Du bist der Freudenschein,
der uns so glücklich macht,
dringst selber in uns ein.
Du bist der Stern in der Nacht,
der allem Finsteren wehrt,
bist wie ein Feuer entfacht,
das sich aus Liebe verzehrt,
du, das Licht der Welt.
(Autor und Komponist unbekannt) 

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Von Schafen und Menschen hl

Losung: Mose sprach zu dem HERRN: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf. 2.Mose 33,15 

Lehrtext: Der gute Hirte geht vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Johannes 10,4 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ach die Schafe! Vor ein paar Wochen bin ich bei meinem Spaziergang an der Herde unseres Dorfschäfers vorbeigegangen, und prompt sind sie mir nachgelaufen. Ich habe sie dann zurückgescheucht, bis die Hütehunde kamen und die Herde zu ihrem Herrn getrieben haben.

Ach wir Menschen! Schön wär‘s, wenn wir Jesus, dem guten Hirten folgen würden. Der Psalm 23 sagt dazu, er würde uns auf grüner Aue weiden, zum frischen Wasser führen und auch im finsteren Tal bei uns sein (Psalm 23). Da ginge es unserer Seele gut.

Aber wem laufe ich nicht alles nach?! Ich meine, anderswo wäre es aufregender, unterhaltsamer und interessanter. Und die anderen sind ja auch längst anderswo unterwegs. Die werden sich doch nicht irren, so viele sie sind. Da orientiere ich mich mal an ihnen. Dann bin ich kein Außenseiter und gehöre dazu.

Soll ich also nicht lieber doch in der großen Herde mitlaufen? Die wird schon wissen, wo’s lang geht. Sie weiß es nicht. "Wie Schafe, die keinen Hirten haben", sagt Jesus.

Es bleibt meine Aufgabe, unter den tausend Stimmen, die von überall her auf mich eindringen auf die Stimme meines guten Hirten zu hören und ihm zu folgen. Wenn ich auch meine künftigen Wege nicht kenne, - er weiß den Weg für mich. 

Gebet: Herr, wohin auch immer mich mein Lebensweg führen wird, ich weiß es nicht. Aber das weiß ich, dass ich diesen Weg nicht ohne dich gehen möchte. Oft genug habe ich es ja erlebt, dass du mich auch aus den Krisenzeiten meines Lebens wieder herausgebracht hast. Darum vertraue ich dir in dunklen Tälern wie auf sonnigen Höhen. Amen 

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Dienstag, 30. November 2021

Gotteszeit – Menschenzeit hl

Losung: Meine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16 

Lehrtext: Wer von euch vermag mit seinem Sorgen seiner Lebenszeit auch nur eine Elle hinzuzufügen? Lukas 12,25 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

natürlich können wir heute die Lebenszeit deutlich verlängern. Die gute Ernährung in unserem Land, die allgemeinen Sicherheitsstandards und die moderne Medizin haben wesentlich dazu beigetragen. Und Gott? Was ist mit ihm? Steht nun meine Zeit in seiner Hand? Ist nun das Leben eines Menschen so lang wie er will? Oder hängt eine höhere Lebenserwartung vom Arzt, von meinen Fitnessübungen und vom Biobauern mit seinem gesunden Nahrungsangebot ab?

     Ich denke, das kommt auf meinen Glauben an. Entweder ist Gott nur für die religiösen Dinge am Sonntagvormittag zuständig oder für alles. Im ersten Fall befriedigt er die religiöse Eitelkeit. Im zweiten Fall bestimmt er dein Leben. Dann geschieht vierundzwanzigsieben (24 Stunden mal sieben Tage), was er will. Dann bleibt er, was er ohnehin ist, der Herr über deine und meine Zeit. Was auch immer ich dann tue, an meiner Lebenserwartung kann ich nichts ändern.

     Und doch bleibe ich für mich verantwortlich und soll für ein langes, gesundes Leben tun, was mir möglich ist. Und meine Verantwortung? Auch sie ist letzten Endes sein Werk wie auch die Zeit, die er mir zu leben gibt. Ein „Entweder oder“ trifft die Sache nicht.

     Beides, also sein Wirken und meine Verantwortung zusammenzudenken, fällt mir nicht leicht. Doch mein Glaube mutet mir zu, auch in Widersprüchen zu denken. Denn ganz so einfach, wie sich der kleine Hansi mal Gott und die Welt vorgestellt hat, ist es eben nicht. 

Gebet: Herr, ich will auf meine Gesundheit achten und dafür tun, was ich kann. Doch zugleich ist es deine Sache, mich darin zu unterstützen und mein Leben zu behüten. Darum will ich nicht mehr fragen, wie lange ich lebe, sondern mit wie viel Leben ich die Zeit fülle, die mir bleibt. Und ich will dir danken, was du durch die moderne Medizin für mich tust, damit es mir so gut geht wie möglich solange du willst. Amen 

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Montag, 29. November 2021

Wie soll, wie kann ich mich entscheiden? hl

Losung: Wenn du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst: Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang und gesegnet bei deinem Ausgang. 5.Mose 28,1.6 

Lehrtext: Jesus spricht: Wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter. Matthäus 12,50 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wie und wo höre ich Gottes Stimme? In meinem Gewissen? Nun, mein Gewissen ist geprägt von den Werten, die mir seit früher Kindheit von den Eltern, Lehrerinnen und anderen gesellschaftlichen Autoritäten vermittelt worden sind. Es ist auch davon geprägt, wie jene die Bibel verstanden haben und was für sie im Glauben wichtig war. Die Psychologie nennt das Gewissen vereinfacht gesagt "Über-Ich". Es meldet sich, wenn das, was ich gerade tue, denke oder sage mit jenen Werten nicht im Einklang ist. Dann habe ich ein "schlechtes Gewissen".

     Soweit, so gut. Aber wie verlässlich ist die Stimme des Gewissens? Sie ist nicht unbedingt Gottes Stimme in mir, sondern, wie gesagt, ein Chor vieler Menschenstimmen. 

Jeder ist sich selbst der Nächste. Oder nicht?      

  In den wichtigen Schriften der Bibel geht es nie nur um mich selbst, um mein Gewissen, mein Heil, meine Rettung und so weiter, sondern immer zuerst (!) um den anderen. Es geht um die Frage: Habe ich ihm das zuerst getan, was ich mir von ihm wünsche? (Goldene Regel) Liebe ich ihn, wie ich Gott in Jesus liebe? (Doppelgebot der Liebe) Bin ich im Extremfall bereit, mein Leben für einen anderen zu lassen? Konkret: Soll ich notfalls auf mein Intensivbett verzichten und mich in Lebensgefahr begeben, um einem jüngeren, verbohrten Impfverweigerer mit Familie das Weiterleben zu ermöglichen? (Gebot der Feindesliebe)

Was heißt es, in einem solchen Fall auf Gott zu hören (Losung) und "den Willen des Vaters im Himmel" (Lehrtext) zu tun? Was meinst du? 

Gebet: Herr, wenn ich eine schwerwiegende Entscheidung treffen muss, will ich nicht auf meinen Bauch oder mein Gewissen hören, sondern auf dich. Dann musst du zu mir reden aus deinem Wort und in meinem Gebet. Dann musst du mir die Kraft geben, die Folgen meiner Entscheidung anzunehmen und zu tragen. Wie sonst soll ich tun können, was du willst? Amen 

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

Das Beispiel Dietrich Bonhoeffer:

Entscheidung gegen das Gewissen 

     Auch für Dietrich Bonhoeffer war das Gewissen bei aller Hochschätzung nicht die letzte und höchste Instanz, als er sich entschied, am gewaltsamen Widerstand gegen das damalige Staatsoberhaupt Adolf Hitler teilzunehmen. Es fiel ihm als Pazifisten besonders schwer, das Attentat gutzuheißen. Aber er wusste, jetzt kommt es darauf an, nicht mehr nur auf das Gewissen, sondern konsequent und unbeirrt auf Gott selbst zu hören. So las er die Bibel in jener Situation noch einmal neu und rang im Gebet um die richtige Entscheidung. 1943 schrieb er in Nazi-Haft:

     »Einsam erwehrt sich der Mensch des Gewissens der Übermacht der Zwangslagen, die Entscheidung fordern. Aber das Ausmaß der Konflikte, in denen er zu wählen hat – durch nichts beraten und getragen als durch sein eigenstes Gewissen –, zerreißt ihn. Die unzähligen ehrbaren und verführerischen Verkleidungen, in denen das Böse sich ihm nähert, machen sein Gewissen ängstlich und unsicher, bis er sich schließlich damit begnügt, statt eines guten ein salviertes (entlastetes) Gewissen zu haben, bis er also sein eigenes Gewissen belügt, um nicht zu verzweifeln; denn dass ein böses Gewissen heilsamer und stärker sein kann als ein betrogenes Gewissen, das vermag der Mensch, dessen einziger Halt sein Gewissen ist, nie zu fassen (Dietrich Bonhoeffer, "Nach zehn Jahren", 1943)

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Sonntag, 28. November 2021

Advent: Zeit-Raum der Erwartung hl

Losung: Deine Gnade soll mein Trost sein, wie du deinem Knecht zugesagt hast. Psalm 119,76 

Lehrtext: Ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm. Lukas 2,25 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

von Wartezimmern habe ich keine besonders hohe Meinung. Am schlimmsten waren die Wartezeiten beim HNO-Arzt in meiner Kindheit. In seiner Praxis wurde ich noch mit Äther traktiert. Am angenehmsten ist es bei meinem Zahnarzt. Da ist das Wartezimmer kaum besetzt und ich komme schnell dran.
     Die Adventszeit, die heute beginnt, ist auch so etwas wie ein Wartezimmer. Doch an ihrem Ende wird nicht gebohrt, sondern gefeiert: Weihnachten. Deshalb sage ich lieber, sie ist ein Zeit-Raum der Erwartung. Natürlich kommt Jesus nicht erst da zu mir. Aber an Weihnachten will ich das auch mal feiern, am besten mit meinen Lieben.
     Was wäre denn Weihnachten, ohne dass Gott sich seinen Menschen zuwendet - bedingungslos 
(Losung).         
Was wäre Weihnachten ohne das Jesuskind in der Krippe und zwar das lebendige und nicht aus totem Holz, Gips oder Plastik? Was wäre Weihnachten ohne dieses Gottesgeschenk (= Gnade)?

Ein Leben lang auf Weihnachten gewartet

     Simeon, von dem der Lehrtext erzählt, wartete ein Leben lang geduldig „auf den Trost Israels“. Am Ende seines langen Lebens war es dann soweit.
Ihn tröstete das kleine Jesuskind, das er in Händen hielt. Mit diesem winzigen Wesen hat Gott seine Verheißungen erfüllt für Simeon und für mich und für dich und sagt: „Ich bin für dich da. Ich lasse dich nicht im Stich.“
     Manche glauben bis heute, wenn Gott eingreift, dann müssten gewaltige Dinge geschehen, die die Welt erschüttern und die Menschen aufrütteln. Doch er kommt völlig unspektakulär. Er kommt in einem schutzbedürftigen Kind, kommt in einen stinkenden Stall. Und die, denen er da zuerst begegnet, sind arme Hirten und sternkundige, fremdgläubige Ausländer von weither. Alle anderen aber, die Frommen und Mächtigen, die Reichen und Starken müssen sich erst mal hinten anstellen.
     Er kommt auch heute in die Welt, zu allen Menschen. Wie damals in Bethlehem bleiben viele Türen zu. Aber wo man die Herzenstür hoch und die Tore weit macht, da tritt er ein. 

Gebet:
Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
Meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
Dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
Den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
Sei ewig Preis und Ehr.
 

(EG 1 Macht hoch die Tür, Vers 5)

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.

Samstag, 27. November 2021

Auch kleine Schritte führen weiter hl

Losung: Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die Zuflucht suchen vor denen, die sich gegen deine rechte Hand erheben. Psalm 17,7 

Lehrtext: Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. 1.Thessalonicher 5,23 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

etwas schlanker übersetzt heißt die heutige Losung: »Zeige deine wunderbare Güte, Herr, der du rettest, die bei dir Zuflucht suchen vor ihren Feinden.«

Deutschland nimmt die Flüchtlinge an der Ostgrenze zu Polen nicht auf, die dort in dieser Jahreszeit unter menschenunwürdigen Bedingungen ausharren. Die anderen Länder der europäischen Union auch nicht. So war es diese Woche in den Nachrichten zu hören.

Politisch ist das vielleicht noch verständlich. Menschlich ist das hart, sehr hart. Wenigstens versuchen einzelne Polen den Unglückseligen so gut es geht zu helfen. Aber mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein kann das nicht sein. Jetzt ertrinken Flüchtlinge bereits im Ärmelkanal. 

Die Evangelische Kirche in Deutschland EKD hat ein Rettungsschiff gechartert, um Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten. Auch das ist nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Ursachen für Flucht und Vertreibung werden damit nicht beseitigt.

- Aber in Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter wartet dieser auch nicht, bis die Regierung in Jerusalem dem Bandenunwesen im judäischen Gebirge das Handwerk gelegt hat. Jetzt ist Not am Mann. Jetzt muss geholfen werden. Jetzt steht das Leben derer, die Zuflucht suchen auf dem Spiel - wie auch der menschliche Anstand und die Christenpflicht zu helfen.

Ja, viele Flüchtlinge können für eine Gesellschaft eine Zumutung sein, sogar eine Belastung. Und den Politikern und Politikerinnen in Regierungsverantwortung kosten sie Wählerstimmen. Ganz so einfach ist es auch mit der Hilfsbereitschaft nicht. 

- Aber zur Aufgabe, Menschen aus Elend und Todesgefahr zu retten, gibt es keine Alternative. Zur Nächstenliebe gibt es keine Alternative. Denn politisches Handeln ohne Liebe wird schnell unmenschlich. Aber auch Nächstenliebe ohne Verstand ist problematisch. Ideallösungen sind in diesem Bereich nicht in Sicht. Doch auch mit kleinen, pragmatischen Schritten und Zwischenlösungen kommt man weiter.

Und ein Letztes. Im Bibelwort heißt es, dass die Menschen nicht bei uns Zuflucht suchen, sondern bei Gott. Bei Gott? Ja, denn er begegnet ihnen in uns! 

Gebet:  Herr, du bist „der Gott des Friedens“, der die aufatmen lässt, die sich zu dir flüchten. Du verschließt dein Herz vor ihnen nicht. So wirkt dein Frieden auch in mir, wenn ich mein Herz nicht verschließe. Amen 

Herzliche Grüße! 

Ihr / dein Hans Löhr

 PS: Ich freue mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.

Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.