Freitag, 24. Dezember 2021

Alle Jahre wieder – Weihnachtspredigt 2021 hl

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Ich möchte mit euch in der Stille um den Segen für die Predigt beten: …..

Blasinstrument: „Alle Jahre wieder“, 1 Vers

Liebe Freundinnen und Freunde,

was hättest du gesagt, wenn die neue Regierung beschlossen hätte, dass Weihnachten heuer ausfallen muss? Ich hätte gesagt: Für euch vielleicht, aber nicht für mich. Ihr könnt noch so viel beschließen, Weihnachten könnt ihr nicht verhindern. Das kann kein Mensch. Denn
Alle Jahre wieder / kommt das Christuskind /
auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.

Dieses Kind in der Krippe ist von keiner Macht der Welt aufzuhalten.

Weihnachten wird es für dich. Für wen sonst?

Alle Jahre wieder wird es Weihnachten für dich seitdem du lebst und solange du lebst und darum auch heute. Du hast darauf keinen Einfluss. Es geschieht einfach. Zwar könntest du sagen: „Nein, ich brauche das nicht. Ich kann damit nichts anfangen.“ Trotzdem kommt Jesus auch heute auf die Erde nieder wo die Menschen sind, wo du bist. Er kommt zu dir. Zu wem denn sonst? Daran kann keine Regierung der Welt und auch sonst niemand was ändern, nur du, wenn du dich ihm verschließt.

Aber warum solltest du das tun? Du kannst dich öffnen und sagen: „Ja, Weihnachten darf nicht ausfallen. Deshalb bin ich jetzt hier. Ich will wieder die Worte hören und die Lieder singen, die mir gut tun, die heilen, was mir weh tut und was zerbrochen ist. Ich wünsche mir Frieden in meinem Herzen und mit denen, die mir nahestehen.“

Ich weiß nicht, wie dir heute zumute ist, aber mich tröstet, dass es allen Widerständen zum Trotz immer wieder Weihnachten wird. Daran ändert das Wetter nichts, aber auch nicht die Corona-Pandemie, nicht die drohende Deponie in Sommersdorf mit giftigem Schutt noch ein anderes gesellschaftliches oder politisches Problem. Daran ändert auch nicht,  ob du mit einem leichten oder einem schweren Herzen gekommen bist.

     Viele in unserem Land feiern Weihnachten, ohne dass sie noch wissen, worum es geht. Sie scheinen die Geschichte von der Geburt Jesu im Stall nicht zu brauchen, auch keinen Gottesdienst. Ihnen reichen der Weihnachtsmann, der Christbaum, die Geschenke und ein festliches Essen. Soll man das verurteilen? Nein. Denn gerade für Menschen wie sie ist Jesus auf die Erde gekommen, nicht um zu drohen oder zu strafen, sondern um ihnen Gottes Liebe zu bringen und die gute Nachricht zu sagen: „Du bist ein Gotteskind wie ich. Dein barmherziger Vater vergisst dich nicht und lässt dich nicht im Stich. Vertraue einfach, dass es so ist. Du wirst erleben, wie gut dir das tut.“ Das ist heute die gute Nachricht unter all den schlechten.

                                                Neue Glaubenschancen

     Vielleicht war es auch dem einen und der anderen hier jahrelang egal, worum es wirklich an Weihnachten geht. Doch auf einmal hat sich in ihrem Leben etwas geändert und sie sind nachdenklich geworden.

     So haben auch in diesem Jahr Eltern ihre Kinder taufen lassen. 20 waren es in unserer Pfarrei. Offenbar lag ihnen daran, dass ihr Baby in der Taufe gesegnet und von Gott behütet wird. Plötzlich erwacht da die Frage: ‚Woher kommen wir eigentlich? Was darf ich für mich und mein Kind hoffen? Was ist im Leben wichtig?‘ Und dann fangen viele wieder an zu beten, dieses Mal mit ihren Kindern und sie feiern anders Weihnachten als bisher. Manche bauen nach langer Zeit wieder eine Krippe auf, erzählen die Geschichte von Bethlehem und singen ohne Scham: „Ihr Kinderlein kommet“.

     Aber auch das ist in diesem Jahr geschehen: 20 Menschen in unserer Pfarrei sind gestorben und wurden kirchlich bestattet. Offenbar lag den Angehörigen daran, dass tröstende Worte gesagt werden. Dass ihre Toten noch einmal gesegnet werden bevor das Grab zugeschüttet wird und man für sie ein letztes Vaterunser betet. Und nun feiern die Familien Weihnachten heute ohne Opa oder Oma, ohne die verstorbene Mama oder den Papa oder die Schwester, den Bruder und wer sonst gegangen ist. Da klingt für sie „Stille Nacht, heilige Nacht“ anders als sonst und mancher horcht auf, wenn es heißt: „Durch der Engel Halleluja / tönt es laut von fern und nah: / Christ, der Retter, ist da!“ Gibt es vielleicht doch eine Hoffnung. Gibt es eine Rettung auch aus der letzten Not, aus dem Tod und hat das was mit dem Jesuskind zu tun?

     Für die glücklichen Eltern und ihre Kinder wie für die, die um einen Menschen trauern, der ihnen nahestand – für sie alle ist es auch heute wieder Weihnachten geworden. Ihnen allen und dir und mir bringt Jesus Gottes bedingungslose Liebe. Sie will dich trösten. Sie will dir versichern: ‚Du musst auf dieser Erde keine Angst haben; denn du bist nicht verloren, weder in den guten noch in den schlechten Zeiten.‘ - Ich selbst wusste dieses Geschenk lange Zeit nicht wirklich zu schätzen. Jetzt weiß ich es.

Blasinstrument: „Alle Jahre wieder“, 1 Vers

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind
Auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.
Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus,
Geht auf allen Wegen mit uns ein und aus.

Das sind einfache Worte und doch voll Kraft. Sie sprechen vom Segen im Haus, der hilft, miteinander gut auszukommen und sich immer wieder zu vertragen. Sie sagen: Wo du auch bist, du bist nicht allein. Auf allen deinen Wegen ist das Christuskind, ist Jesus mit dabei. Er teilt mit dir Freude und Leid. Du merkst vielleicht nichts davon. Du wunderst dich vielleicht manchmal, warum es in deinem Leben doch immer weiterging gerade dann, als du dachtest, du seist am Ende. Warum plötzlich eine Tür aufging, obwohl du keinen Ausweg mehr gesehen hattest. Und da sagen die letzten Zeilen unseres Liedes vom Christuskind:

Steht auch dir zur Seite still und unerkannt,
Dass es treu dich leite an der lieben Hand.

 „Still und unerkannt“ steht mir Jesus zur Seite. Er drängt sich mir nicht auf. Er hindert mich nicht, so zu leben, wie ich es für richtig halte, aber wenn ich ihn brauche, ist er da, ist er nur ein Gebet weit weg. Dann kann ich aus der Hand legen, was ich krampfhaft festgehalten habe, meine Sorgen, meine Probleme, meine Ängste und kann sie ihm geben.

Alle Tage wieder

Vielleicht gehörst auch du zu denen, die an diesem Heiligen Abend nachdenklich werden und sich fragen: Kann es wirklich sein, dass der Glaube so eine gute Kraft ist? Dass aus ihm immer wieder neuer Lebensmut kommt trotz mancher Rückschläge und Enttäuschungen? Für mich ist das so. Warum nicht auch für dich? Probier’s aus. Sage: „Mein Gott, lass mich spüren, dass du für mich da bist.“

Auch heuer ist es wieder Weihnachten geworden trotz allem, was die Freude trübt. Doch ich will mir die Freude, die der Engel von Bethlehem allen Menschen verheißen hat, nicht nehmen lassen. Und du sollst das auch nicht. Öffne dich heute aufs Neue der Liebe, die Gott dir mit dem Kind in der Krippe schenkt, damit sie dich erfülle und du sie an andere weitergeben kannst.
     Alle Jahre wieder feiern wir Jesu Geburtstag. Aber alle Tage wieder ist er für uns da. Amen

Gebet:
Ich steh‘ an deiner Krippe hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring‘ und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel‘ und Mut, nimm alles hin
und lass dir’s wohl gefallen.

Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib’ ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär’
und meine Seel’ ein weites Meer,
dass ich dich möchte fassen.

(Text: Paul Gerhardt, 1653)

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Ihr / dein Hans Löhr

5 Kommentare:

  1. Guten Morgen Hans,
    wie gut, dass Sie mich/uns immer wieder an Ihren Gedanken teilhaben lassen. Herzlichen Dank für dieses Geschenk, dass Sie mir/uns an Ihren guten und schlechten Tagen machen. Ich mag es, dass sich die Menschen auf Ihrem Block gut gegenseitig aushalten. Das ist so kostbar und in der realen Welt zu einem seltenen Gut geworden. "...Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus...". Es tut gut, diesen Segen in Ihren Worten zu spüren. Danke, dass Sie sich vom Herrn gebrauchen lassen und Ihre Version von der Liebe unseres Herrn Jesus weitergeben. Das berührt mein Herz.
    Gnade sei auch mit Ihnen und das Geschenk seines übernatürlichen Friedens.
    Ich wünsche allen, dass Sie Weihnachten besinnlich und in Frieden daheim verbringen können. Und allen, insbesondere denen, denen es gerade nicht so gut geht, dass sie nach Jesus rufen und seine Wärme und Nähe spüren.
    Für mich wünsche ich mir, dass ich heute und morgen beim Arbeiten immer wieder Zeit finde, um mich auf den Herrn zu besinnen.
    Herzliche und gesegnete Weihnachtsgrüße aus der Nähe von Magdeburg
    sendet Sylvana

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  2. Ich bedanke mich für die Losungen über das ganze Jahr. Ihre Losungen Herr Löhr berühren meine Seele.
    Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest voller Freude. LG Manfred.

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  3. Vielen Dank für die wohltuende Predigt, die ich jedem vermitteln möchte. Auch Ihnen gesegnete Weihnacht und vielen Dank für den Dienst, den sie uns mit diesem Blog erweisen. Luebe Grüße aus,dem hohen verschneiten Norden Deutschlands

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  4. Danke für diese wundervollen Gedanken in dieser Predigt. Ich wünsche Ihnen und allen Lesern dieses Blocks frohe gesegnete Weihnachten. Bleibt behütet und der Friede Gottes der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne. AMEN.

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  5. Danke für diese Predigt! Dieses Jahr konnte ich aus verschiedenen Gründen nicht wie sonst am Heiligabendgottesdienst teilnehmen und habe so etwas vermisst.

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