Sonntag, 11. Januar 2026

Den Vögeln predigen? hl

Lehrtext: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Markus 16,15

Liebe Leserin, lieber Leser, 

„Aller Kreatur”, also allem Lebendigen, das Gott geschaffen hat, soll die gute und frohe Botschaft von Gottes Liebe verkündigt werden. So sagt es Jesus im Markus-Evangelium.

Franz von Assisi (1182 bis 1226) hat das wörtlich genommen und den Vögeln gepredigt. Für ihn waren auch die Tiere seine Brüder und Schwestern. Vielleicht war er der Mensch, der in seiner Weise zu leben und zu glauben Jesus am nächsten kam. 

Und du? Nein, ich spreche lieber von mir, denn ich reiche an Franz von Assisi bei Weitem nicht heran. Und doch soll er mir nach Jesus ein weiterer Leuchtturm in meinem Leben sein.

Doch nun zu der Frage: Soll auch ich heute den Tieren predigen? Und kannst du das auch? Und wie? 

Ich denke, einfach dadurch, dass ich sie als meine Mitgeschöpfe ansehe und anständig behandle. Denn wie ich mich anderen gegenüber verhalte, das ist die wirksamste Predigt für Tiere und Menschen.

Was nützen schon die schönsten und frömmsten Worte, wenn daraus keine Taten folgen? Jesu Botschaft der Liebe und des Friedens tut meiner Seele gut tut. Aber nicht nur. Sie tut genauso dem Zusammenleben mit anderen gut und kommt auch den Tieren zugute, wenn ich versuche, mich nach ihr zu richten.

Bei mir ist da noch „viel Luft nach oben”. Ich schaffe es nicht, sofort das Ziel zu erreichen. Aber ich will wenigstens in der richtigen Richtung unterwegs sein. Und das heißt auch, mein Verhalten immer wieder zu überprüfen und mich zu korrigieren.

Und wie sieht das konkret aus? Ich kann nicht, wie Franz von Assisi, den Vögeln predigen. Aber ich kann sie jetzt, besonders in der kalten Jahreszeit und darüber hinaus, füttern. Stimmt, das ist nicht ganz billig, weil ich inzwischen eine größere Schar zu versorgen habe. 

Und auch die oft ungeliebten Elstern, Dohlen und Tauben wollen ihren Teil haben. Aber das ist es mir wert. Denn ich freue mich an den Meisen, Finken und Spatzen und vor allem an den seltenen Rotkehlchen und Zaunkönigen. Doch sehe ich in ihnen auch meine Schwestern? Nun ja, ich „arbeite” daran.

„Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.” - Ich weiß, dass das naiv erscheint. Und Franz wusste das auch. Denn auch zu seiner Zeit waren viele grausam zu ihresgleichen und zu den Tieren. Umso wichtiger ist es in unserer Zeit, wo die Starken die Schwachen mit Füßen treten, Jesu Auftrag zu befolgen. Gerade jetzt kommt es auf uns an, auf unsere Worte und mehr noch auf unser Verhalten: zu den Mitmenschen und  zu den Tieren, auch die nicht singen und die man nicht streicheln kann.

Denn, liebe Leserin, lieber Leser, zum Evangelium gehört auch, dass Jesus sich nicht schämte, uns als seine Schwestern und Brüder anzunehmen (Hebräer 2,11) und mit seinen Worten und seinem Verhalten zu zeigen, wie Gott zu uns ist.

Gebet: Herr, mit deinen Tieren und meinen Mitmenschen bin ich eine Faser in deinem großen Gewebe des Lebens. Ohne sie kann ich nicht sein. Ohne dich kann nicht sein mit allem, was lebt. Erhalte in mir das Mitgefühl lebendig, für die, denen ich Gutes tun kann. Rette du für uns alle und durch uns die Liebe und den Frieden auf deiner Erde. 
Ich preise dich für die Wunder deiner Schöpfung und danke dir, dass auch ich ein Teil davon sein darf. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein 

Hans Löhr 

2 Kommentare:

  1. Vielen herzlichen Dank lieber Herr Löhr.

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  2. Danke lieber Herr Pfarrer Hans Löhr! Es ist so schön, von Ihnen zu hören/ lesen. Ich wünsche Ihnen und allen LeserInnen einen gemütlichen Sonntagsausklang und morgen einen fröhlichen Start in eine gesegnete Woche. Herzlichst Ursula Anna

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