Dienstag, 6. Januar 2026

Anders sehen hl

Gott wird sichtbar

Liebe Leserin, lieber Leser, 

unsere katholischen Glaubensgeschwister feiern heute den „Dreikönigstag". Und die evangelischen Christen? Für uns heißt dieser Tag „Epiphanias”, auf Deutsch: „Erscheinung” (des Herrn). In einem Satz: Gott ist in Jesus sichtbar geworden (erschienen) nicht nur für die Juden damals, sondern genauso für uns heute und alle Welt. Damit zeigt er sich, zeigt, wer und wie er ist:

Er führt nicht Krieg gegen uns Menschen, sondern bringt uns mit Jesus seinen Frieden. 
Er droht nicht, sondern hilft. 
Er straft nicht, sondern verzeiht. 
Er spaltet uns Menschen nicht in die Guten und die Bösen, nicht in die, die vorgeben richtig zu glauben und in die anderen. 
Er ist keine undurchschaubare, launische Macht, der wir ausgeliefert wären. 
Er ist der Gott der Liebe für dich und mich - und die andren auch. Ja, auch für sie.

So will er gesehen und geglaubt werden. Und deshalb zeigt er sich in Jesus, in dessen Worten, Taten und Leben.

Epiphanias bedeutet für mich aber auch einen Unterschied: 
Da sich Gott in Jesus zeigt, habe auch ich die Chance, ihn anders zu sehen. Aber nicht nur ihn, sondern auch mich, meine Mitmenschen und seine Schöpfung. Ich könnte anders sehen als andere und verstehen, was es im Licht des Glaubens bedeutet.

Ein Beispiel:
Zwei gehen in der Wintersonne unter blauem Himmel spazieren. Beide genießen dieses Erlebnis und freuen sich. Aber der eine von beiden sieht anders. Er sieht das stille Wirken des gütigen Gottes. Er sieht es in der riesigen Sonne und im winzigen Schneekristall ... Er erlebt das als Geschenk und ist dankbar.

Und darum wird mir an Epiphanias wieder bewusst: 
Als Mensch lebe ich nicht glaubenslos auf die Welt fixiert. Ich muss nicht nur mit meinesgleichen reden oder Selbstgespräche führen. Als Geschöpf und Kind Gottes habe ich die Möglichkeit, mit ihm im Gespräch zu bleiben. Er wird es nicht abbrechen. Wem sonst als ihm kann ich alles sagen, wirklich alles? Wem sonst kann ich klagen, was mich schmerzt und was mich freut? Er kennt ja das unsagbare Menschenleid, kennt Verzweiflung und Todesangst. Ist da selbst hindurchgegangen. Und er kennt das Glück der Menschen, unsere Freude und Dankbarkeit.

So wäre ich über das, was ich neu sehe und erkenne mit Gott im Gespräch. Aber nicht mit irgendeiner anonymen höchsten Macht, sondern mit dem, der sich in Jesus zeigt, 
So müsste ich, was ich erlebe, nicht nur mit mir selbst ausmachen. Ich könnte ihm sagen, was mich bewegt und er würde den Sturm in mir stillen. *
Ja, als sein Geschöpf und Kind habe ich dazu die Möglichkeit. Werde ich sie ergreifen? Nicht nur heute, sondern auch morgen noch?

Gebet: Herr, das wünsche ich mir, dass die Verbindung mit dir nicht abreißt. Und wenn sie unterbrochen ist, weil ich mit meinen Gedanken und Gefühlen ganz woanders bin, dass du dann die Unterbrechung reparierst. Schenke mir und allen anderen die Gnade, dich in Jesus zu erkennen und dir zu vertrauen. Denn was soll ich schon mit einem Leben ohne dich? Amen

Herzliche Grüße und eine gesegnete, friedvolle Epiphaniaszeit.

Ihr / dein 

Hans Löhr 

* siehe Lehrtext zum Epiphaniasfest:  „Jesus sagt zu den Jüngern: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?, und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; und es ward eine große Stille.” Matthäus 8,26

Sonntag, 4. Januar 2026

Stern über Bethlehem hl

Lichtblick-Gottesdienst am 4. Januar 2026

Begrüßung:

Gottes Segen zum neuen Jahr, liebe Freunde. Schön, euch nach langer Zeit wiederzusehen, seit ich das letzte Mal hier gepredigt habe. Viele von euch sind mir vertraut. Und etliche sind in den letzten Jahren neu zur Lichtblick-Gemeinde hinzugekommen. Ich denke, wir alle können dankbar sein, dass dieser Gottesdienst so viele Jahre nach seiner Gründung weitergeht vor allem dank der vielen Ehrenamtlichen, die ihn tragen.

Aber ich will heute noch kurz auf die augenblickliche Situation in der Welt eingehen. Vielen macht Angst, dass seit gestern auch das US-Militär unter Trump mitten in der Nacht ein anderes Land überfällt, den Präsidenten fesselt und ihn gewaltsam entführt. Wieder wird das Völkerrecht gebrochen, wie es schon Putin in der Ukraine getan hat. Wieder wird der internationalen Ordnung schwerer Schaden zugefügt. Wir wissen nicht, was das in Zukunft für uns alle bedeutet. Kein Wunder, dass viele tief besorgt sind.

Aber, liebe Freunde, aber: wir feiern trotzdem in den Gottesdiensten weiterhin unseren Glauben und leben ihn: öffentlich und zu Hause. Denn trotz allem Kriegsgeschrei gilt, was bisher schon gegolten hat: "Die Herren dieser Welt gehen. Unser Herr aber kommt." An diesen Bekenntnis lasst uns festhalten.

Und jetzt beginnen wir gemeinsam im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und singen das erste Lied.


Lied: Stern über Bethlehem


.....


Predigt:

Liebe Freunde,

ich nehme an, dass ihr in der Weihnachtszeit zu Hause Sterne aufgehängt habt, zum Beispiel am Christbaum oder an den Fenstern. Auch in den Geschäften der Städte und Dörfer hängen überall  Sterne. Worauf sie hinweisen und was sie uns sagen, will ich nun erzählen:


Noch zwei Tage sind sie unterwegs, die drei Könige, zwei Tage bis zum 6. Januar. Aber das wissen sie noch nicht. Und ebenso wenig wissen sie, wo ihre lange Reise endet, und schon gar nicht, was sie dort erwartet.

Sie wissen auch nicht, dass sie einen falschen König suchen am falschen Ort, einen neugeborenen Prinzen im Palast des Königs Herodes in Jerusalem. 

Denn sie sehen den Stern nicht mehr, denn sie haben aufgehen sehen und haben die Orientierung verloren. 


Und wir? Wissen wir mehr?

Wissen wir so genau, was wir im Leben suchen? Und wenn wir gefunden haben, was wir wollten, hat es sich dann gelohnt? Oder klopfen auch wir, wie jene Könige, an der falschen Tür? Weil wir wohl alle meinen: was groß und mächtig ist, sei verehrungswürdig und wertvoll. Das muss doch irgendwie oben sein, über uns, etwas, zu dem wir aufblicken können.


Die drei Könige müssen weiterwandern, nach dem kleinen Dorf Bethlehem, wohin sie Herodes und seine Berater schicken. Da sehen sie zu ihrer Freude den Stern wieder. Doch zu ihrer Überraschung steht er über einem windschiefen Stall. 


Und der neugeborene König? Weit und breit kein Palast. Nichts, wozu man ehrfürchtig aufblicken könnte. Stattdessen müssen sie sich bücken, um durch die kleine Stalltür zu kommen. 

Sie sehen auch da keine goldenen Wiege, sondern einen Futtertrog. Darin ein Kind armer Leute. Davor knien Hirten, raue Gesellen in Lumpen.

Die drei Könige stellen sich hinten an und dann knien sie mit ihnen. Und draußen vor der Tür stehen wir. Wollen wir rein? Auch wir müssten uns demütig bücken, wenn wir in den Stall wollen zum Kind. Auch wir müssten knien vor dem, der alle Welt erhält und trägt, alle Welt! Hirten und Könige, mich und dich. Will ich das? Und du?


An diesem elenden Ort, in diesem hilflosen Kind zeigt sich Gott, so erzählt es Lukas. Da lässt er sich finden von dir und von mir - unten, ganz unten:


Großer Herr und starker König,

liebster Heiland, o wie wenig

achtest du der Erden Pracht!

Der die ganze Welt erhält,

ihre Pracht und Zier erschaffen,

muss in harten Krippen schlafen.  


Diese Wahrheit, liebe Freunde, lässt sich nicht in nüchternen Glaubenssätzen  sagen. Sie leuchtet aus den wunderbaren Bildern der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas und klingt im Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach.


Diese Wahrheit, liebe Freunde, lässt uns alles in einem anderen Licht sehen: 

Der unfassbare und heilige Gott in der Höhe wird Mensch, bekommt ein Gesicht, eine Stimme und einen Namen: "Jesus", auf Deutsch: "Gott hilft".


So kommt er auf die Erde. Aber nicht zuerst zu Königen, Stars und Präsidenten. Nicht zuerst zu Bischöfen und uns Pfarrern. Auch nicht zu den Frommen. Zuerst kommt Gott in dem Jesuskind zu denen, die ganz unten sind, am Rand der Gesellschaft, zu Hirten, die damals nichts galten. Ihnen erscheint der Engel und sagt: "Füchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr." 


Und was ist mit den anderen, mit den Bürgern in ihren festen Häusern in Bethlehem bei uns? Was ist mit allen anderen und mit dir und mit mir?  

Gott sei Dank sagt der Engel auch: "Ich verkündige Freude, die allem Volk widerfahren wird". Allen, den Armen zuerst, aber auch den Reichen. Den Machtlosen zuerst, aber auch den Mächtigen. Den Kranken zuerst, aber auch den Gesunden. Den Unglücklichen zuerst, aber auch den Unbeschwerten. Den Sündern zuerst, aber auch den Frommen. 

Sie alle sollen mit dem Kind in der Krippe Freude erfahren. Auch die, die nicht mehr glauben, hoffen und lieben können. Doch zuerst kommt Gott zu denen ganz unten, um allen zu zeigen: Gerade sie sind meine Kinder. Doch ihr anderen gehört auch dazu.


Im Licht des Sterns über Bethlehem werden wir, was wir in Gottes Augen längst sind: seine Kinder. Und das, liebe Freunde, wollen wir allen zugestehen. Denn wer bereit ist, auch im anderen ein Kind Gottes zu sehen, ist selbst eins.


So lässt mich die Weihnachtsgeschichte Gott und die Welt und auch dich und mich in einem neuen Licht sehen, im Licht seiner Liebe. Denn der Stern von Bethlehem steht auch über unserem Leben. 

Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam dem Stern folgen. Wer weiß, vielleicht finden wir dann nicht nur den Stall, sondern den, der uns gefunden hat: Jesus, den guten Hirten, der gekommen ist, uns zu suchen und zu finden, damit keiner verloren sei.


[HL: tritt vor die große Holzkrippe (mit Kerze) und spricht den ersten Vers:]


Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und lass dir’s wohlgefallen.


Alle singen noch einmal Vers 1:


Ich steh an deiner Krippen hier ...

Mitarbeiter/in 1: Ja, Jesus, ich gehöre dir. Nimm mich an so wie ich bin mit meinen guten und schwierigen Seiten, mit meinen Glauben und meinen Sorgen.


Alle singen Vers 2:


Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.


Mitarbeiter/in 2: Und du, Jesus, willst mir gehören. Du bist damals in Bethlehem auch zu mir auf die Welt gekommen. Und heute liegst du für mich in der Krippe und zeigst mir Gottes Liebe.


Alle singen Vers 3:


Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht’,
wie schön sind deine Strahlen.


Mitarbeiter/in 3: Was wäre ich ohne dich? In meinen schweren Zeiten warst du meine Kraft. In meinen dunklen Stunden warst du meine Sonne. Du hast mich wieder froh gemacht und in mir den Glauben geweckt. Du bist auch morgen für mich da.


Alle singen Vers 4:


Eins aber, hoff ich, wirst du mir,

mein Heiland, nicht versagen,

dass ich dich möge für und für

in meinem Herzen tragen.

So lass mich doch dein Kripplein sein;

komm, komm und lege bei mir ein

dich und all deine Freuden.


Mitarbeiter/in 4: Komm, Herr, zu mir. Komm jetzt und bleibe  bei mir, was auch  geschieht. Wohne in mir mit deiner Freude und schenke mir und der Welt deinen Frieden.


HL: Also, liebe Freunde, möge der Stern von Bethlehem mit dir in das neue Jahr wandern und dich immer wieder an seine Botschaft erinnern. Und vielleicht behältst du nach dieser Zeit einen Stern vom Weihnachtsschmuck in deiner Wohnung und hängst ihn über dein Bett. Dann kann er dir, sooft du ihn siehst, sagen:„Gott ist da, in Jesus. Er hilft dir und tröstet dich.”


GW zu HL: „Und du, ja du, und ihr alle seid seine Krippe.”


HL: So sei es. Amen

.....

Donnerstag, 1. Januar 2026

Was bleibt hl

Bibelwort zum Neujahrstag:

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Hebräer 13,8

Liebe Leserin, lieber Leser,  

alles ändert sich. Alles. 

Das ist eine Binsenweisheit. Und trotzdem hänge ich an dem, was mir lieb und teuer ist und möchte keine großen Veränderungen. Denn das Neue ist ungewohnt und bringt neue Herausforderungen mit sich. 

Als ich noch jünger war, hat mir das nicht so viel ausgemacht. Aber inzwischen fällt es mir schwerer, mich darauf einzulassen.

Alles ändert sich. Wirklich? Ja. Nicht nur die Zeiten ändern sich, nicht nur ich selbst ändere mich – ob ich will oder nicht. Auch die ganze Schöpfung ändert sich fortwährend. Ständig  entstehen in unserer Milchstraßen-Galaxie und in den Milliarden anderen Galaxien neue Sonnensterne mit neuen Planeten. Und wenn ihr atomares Feuer ausgebrannt ist, vergehen sie wieder. 

Nichts ist ewig. Nichts bleibt. Das Leben nicht, die Erde nicht, die Sonne nicht. Und irgendwann auch das gesamte Universum nicht.  Nichts ist ewig. Nichts bleibt. Bis auf einen: Gott, der sich uns in Jesus gezeigt hat. 

Von ihm heißt es in der Bibel: „Gott ist Liebe. - Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Gedicht:

Der Mensch lebt und bestehet
Nur eine kleine Zeit;
Und alle Welt vergehet
Mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig und an allen Enden,
und wir in seinen Händen.

Claudius Matthias (1740 - 1815)

Gebet: Herr, ja wir sind in deinen Händen geborgen, ob wir das glauben oder nicht. Und wir bleiben da, auch wenn wir von dieser Erde wieder gehen müssen. Denn du bist ein Gott des Lebens, wie es Jesus verkündigt hat. Du zerstörst nicht, sondern rettest und schaffst neues Leben, wie es uns verheißen ist. Amen

Herzliche Grüße und ein gesegnetes neues Jahr. 

Ihr / dein 

Hans Löhr 


Mittwoch, 24. Dezember 2025

Wie es Weihnachten wird hl

Ich steh an deiner Krippen hier

von Paul Gerhardt

Ich steh an deiner Krippen hier, / o Jesu, du mein Leben; / ich komme, bring und schenke dir, / was du mir hast gegeben. / Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, / Herz, Seel und Mut, nimm alles hin / und lass dir’s wohlgefallen.


Da ich noch nicht geboren war, / da bist du mir geboren / und hast mich dir zu eigen gar, / eh ich dich kannt, erkoren. / Eh ich durch deine Hand gemacht, / da hast du schon bei dir bedacht, / wie du mein wolltest werden.


Ich lag in tiefster Todesnacht, / du warest meine Sonne, / die Sonne, die mir zugebracht / Licht, Leben, Freud und Wonne. / O Sonne, die das werte Licht / des Glaubens in mir zugericht’, / wie schön sind deine Strahlen!


Ich sehe dich mit Freuden an / und kann mich nicht satt sehen; / und weil ich nun nichts weiter kann, / bleib ich anbetend stehen. / O dass mein Sinn ein Abgrund wär / und meine Seel ein weites Meer, / dass ich dich möchte fassen!


Eins aber, hoff ich, wirst du mir, / mein Heiland, nicht versagen: / dass ich dich möge für und für / in, bei und an mir tragen. / So lass mich doch dein Kripplein sein; / komm, komm und lege bei mir ein / dich und all deine Freuden.


Frohe Weihnachten


Ihr / dein 


Hans Löhr


P.S. Am besten die Verse nicht nur lesen, sondern sich Zeit nehmen, sie zu meditieren: Was bedeutet jeder einzelne Satz für mich?


Sonntag, 21. Dezember 2025

Darum geht's hl

Lehrtext: Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit. Titus 3,4-5

Liebe Leserin, lieber Leser,

Das ist es, was du und was ich unbedingt brauchen: die Freundlichkeit und die Barmherzigkeit Gottes. 

Das ist es, was wir an Weihnachten feiern, seine Menschenliebe: Sie kommt als schutzloses und verletzliches Kind in einem Viehstall zur Welt, liegt in einem Futtertrog - dort, wo die Hirten, die Ärmsten der Armen leben: draußen vor der Tür, in der Kälte, bei den Tieren (Lukas 2).*
Und auch das gehört dazu: gleich darauf wird das obdachlose Kind verfolgt, muss mit seinen Eltern nach Ägypten fliehen und dort als Migrant leben (Matthäus 2,13-15).
Das ist es, worum es Gott geht, worum es in der Bibel geht und im Glauben.

Aber ist das auch, worum es mir geht? 

Glaube ich denn jeden Tag aufs Neue, dass er mich liebt und freundlich zu mir ist? Gerade dann, wenn ich nicht liebenswert bin und seine Freundlichkeit nicht verdiene?
Glaube ich denn, dass er mich auch dann noch liebt, wenn ich davon nichts zu spüren meine? Wenn es mir nicht gut geht? Wenn ich niedergeschlagen und enttäuscht bin?

Ja, so verstehe ich die gute Nachricht von Jesus: Gott liebt die Gescheiterten, die mit ihrem Leben und ihrem Glauben nicht gut zurecht kommen: die Zweifler und Untröstlichen, die sich durchs Leben kämpfen müssen und immer wieder verlieren; und nicht zuletzt die Leidenden, die sich gottverlassen fühlen wie Jesus am Kreuz. Sie alle hat er nicht vergessen. Doch auch sie sind darum nicht besser als andere.

Ihm geht es nicht zuerst darum, ob jemand reich ist. Das bin ich auch, wenn ich mich mit anderen vergleiche: mit denen, die arm und elend sind - anderswo und auch in unserem Land.
Ihm geht es nicht darum ob jemand Macht hat in Politik, Wirtschaft und Militär. Der Stall von Bethlehem steht nicht in den Zentren der Macht. Nicht in Jerusalem und Rom damals. Nicht in Washington, Moskau oder Berlin heute.
Und es geht ihm nicht darum, ob jemand glaubt, dass er Gott gefalle, weil er, anders als andere, alles richtig machen würde. 
Wegen solcher Dinge liebt Gott uns Menschen nicht.

Ihm geht es um uns, wie wir wirklich sind hinter unseren Masken und Fassaden. Um dich und mich. Denn alle sind wir im Grunde unseres Herzens bedürftig und arm. Alle. Da kann er nicht anders als barmherzig sein.

Das verstehe ich oft nicht. Gilt das auch für solche, die anderen das Leben schwer machen? Als Mensch habe ich andere MaßstäbeIch urteile und verurteile nach meinen Werten. Darum kann und will ich nicht alle lieben, schon gar nicht die Menschenfeinde, denen das Leben, die Würde und das Glück anderer egal ist. Doch vor Gott kann ich mich damit nicht rechtfertigen. Vor ihm muss ich eingestehen, dass ich versage, da ich auch die lieben soll, die ich nicht leiden kann.

Er aber weiß, dass Drohungen und Strafen alles nur schlimmer machen. Er weiß, wie sehr jeder Mensch seine Freundlichkeit und Liebe braucht. Und so schenkt er sie bedingungslos uns allen mit dem Kind im Futtertrog. Da finde ich sie und nirgends sonst.

Gebet: Herr, was bin ich ohne dich: ein Mensch voll Unruhe und Sorge. Einer, der ständig um sich selbst kreist, um seine eigenen Befindlichkeiten. Der erwartet, dass andere sich ändern müssen, damit es ihm gut geht. Einer wie ein Schilfrohr im Wind der Zeit.
Aber du hilfst mir, von mir abzusehen und auf dich zu schauen, auf Jesus, das Kind in der Krippe, den Mann am Kreuz, der von deiner Liebe zeugt und für sie bürgt. Amen

Herzliche Grüße und einen gesegneten vierten Advent,

Ihr / dein 

Hans Löhr 

* Was der Evangelist Lukas mit seiner Weihnachtsgeschichte erzählt, hat bis heute eine tiefere Bedeutung für den, der glaubt und versteht. Deshalb begnügt er sich nicht mit einem Bericht nüchterner, historischer Fakten.
Er verwendet eine bildhafte Sprache, die eine Wahrheit ausdrückt, die sich anders nicht sagen lässt. Er erzählt nicht wie es war, sondern was es bedeutet, dass Gott in dieser Welt Mensch wird.

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Hinweis zu Losung und Lehrtext
1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. 
 Hinweis für Smartphone-Nutzer
So finden Sie frühere Auslegungen: Weiter nach unten gehen. Auf den Link "Web-Version anzeigen" tippen. In der rechten Spalte gewünschtes Jahr antippen.. Sie können die Losungsauslegungen gerne über WhatsApp, E-Mail etc. weitergeben: Den Link einfach markieren, kopieren und versenden. Der Text ist teilweise diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.
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Sonntag, 14. Dezember 2025

Trost im Advent hl

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Ich möchte dich etwas fragen: Hast du zu Hause einen Adventskranz? Also, ich kaufe jedes Jahr einen, denn für mich wäre die Adventszeit ohne Kranz trostlos. Mein Kranz hat vier dicke, rote Kerzen, wie wohl die meisten Adventskränze. Aber der erste Adventskranz hatte 24 Kerzen: vier große weiße für jeden Sonntag und 20 kleine rote für jeden Werktag vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend. 

Und dieser „Kranz” war ein schlichtes, großes Wagenrad mit Holzspeichen. Aufgehängt hat es im Jahre 1839 der evangelische Pfarrer und Pädagoge Hinrich Wichern in Hamburg. Er leitete eine Einrichtung für Straßenkinder, die kein rechtes zu Hause hatten. Sie fragten ihn in der Adventszeit ständig, wie viele Tage es noch bis Weihnachten wären. Da kam er auf die Idee mit dem Rad und den Kerzen. 

Damals hat man in solchen diakonischen Einrichtungen jeden Morgen eine Andacht gehalten. Pfarrer Wichern zündete dabei jeden Tag eine weitere Kerze an. Und so erlebten die Kinder, wie es immer heller und heller wurde und der Glanz von Weihnachten sich immer mehr in ihrem Speisesaal ausbreitete. Dazu sangen sie Adventslieder und Pfarrer Wichern erzählte ihnen, was Weihnachten bedeutet.

Der ursprüngliche Adventskranz war also beides: eine  Art Adventskalender und Zählhilfe. Zugleich war er ein sichtbares Zeichen für die Botschaft von Weihnachten, von Jesus Christus, dem Licht der Welt inmitten von Finsternis von Krankheit, Armut und Leid. Das Tannengrün als Zeichen der Hoffnung kam erst ein paar Jahre später hinzu.

Heute nun feiern wir den dritten Advent. Ich zünde die dritte Kerze an und singe für mich ein paar Adventslieder: „Wie soll ich dich empfangen”, „Macht hoch die Tür” und das kleine schlichte Lied:

Seht, die gute Zeit ist nah
Gott kommt auf die Erde,
kommt und ist für alle da,
kommt, dass Friede werde,
kommt, dass Friede werde.

Hirt und König, Groß und Klein,
Kranke und Gesunde,
Arme, Reiche lädt er ein,
freut euch auf die Stunde,
freut euch auf die Stunde.

Seht, er wird geboren als Kind,
Gott kommt auf die Erde.
Kommt und nimmt uns, wie wir sind,
kommt, dass Friede werde,
kommt, dass Friede werde!


(Text: Friedrich Walz 1972 nach einem mährischen Weihnachtslied)


Früher habe ich die Lieder oft nur vor mich hingesungen. Jetzt achte ich mehr denn je auf den Text. Ich brauche einfach die gute Nachricht und den Trost von Weihnachten.

Die meisten Adventslieder kenne ich schon aus meiner Kindheit. Sie sind für mich alles andere als abgedroschen. Sie sind selber so etwas wie Adventskränze mit Licht für die Augen und die Seele.

Unabhängig davon, wie es dir gerade geht, wünsche ich dir in dieser Zeit ein paar Augenblicke der Stille, in denen solche Glaubenssymbole wie der Lichterkranz und in 10 Tagen auch der Christbaum zu dir sprechen. Augenblicke, in denen du auf die Texte der Lieder achtest und aufs Neue die Weihnachtsgeschichte hörst - wie ein Kind.

Und hier als Gebet noch zwei Strophen aus dem Adventslied „Wie soll ich dich empfangen”. Paul Gerhardt hat es 1653, kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, geschrieben.

Was hast du unterlassen

zu meinem Trost und Freud,

als Leib und Seele saßen

in ihrem größten Leid?

Als mir das Reich genommen,

da Fried und Freude lacht,

da bist du, mein Heil, kommen

und hast mich froh gemacht.


Nichts, nichts hat dich getrieben

zu mir vom Himmelszelt,

als das geliebte Lieben,

damit du alle Welt

in ihren tausend Plagen

und großen Jammerlast,

die kein Mund kann aussagen,

so fest umfangen hast.


Herzliche Grüße und eine gesegnete dritte Adventswoche

Ihr / dein 
Hans Löhr