Sonntag, 24. September 2017

Gottes Wahlempfehlung hl

LosungIch habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst. 5.Mose 30,19 

LehrtextJesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben. Johannes 10,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wirst du heute noch wählen? Du solltest dieses Recht wahrnehmen, damit du nicht zuletzt die Freiheit stärkst, zwischen verschiedenen Parteien wählen zu können. 
Ich geb dir keine Wahlempfehlung. Und doch frage ich dich: 
     Was wirst du wählen - im Sinn der heutigen Losung? Leben oder Tod? Segen oder Fluch? Gott gibt eine eindeutige Wahlempfehlung, da er sagt: »Wähle das Leben, dass du am Leben bleibst, du und deine Kinder!« 
     Diese Wahlempfehlung ist weit über 2000 Jahre alt. Damals ging es um die Frage, liebe ich Gott und höre ich auf ihn oder diene ich anderen Göttern? Und heute? Heute ist diese Frage noch immer aktuell. Woran hänge ich mein Herz? An wem orientiere ich mich? Wem diene ich? Gott ist noch immer derselbe. Nur die anderen Götter haben inzwischen andere Namen und Bedeutungen. Nicht nur heute in der Wahlkabine, sondern jeden Tag habe ich die Wahl, mich für meine Gier, meine Angst, meine Enttäuschung zu entscheiden ODER eine verantwortungsbewusste Wahl zu treffen. 
# Ich kann wählen zwischen dem Motto „Nach mir die Sintflut“ und meiner Verantwortung für meine Kinder und Enkelkinder, dass auch sie in einer lebenswerten Welt leben können. 
# Ich kann wählen zwischen dem großen Gott, der alles Leben geschenkt hat und der großen Gier, die alles Leben wieder verschlingt: die Gier nach Profit um jeden Preis und sei es um den Preis des Lebens. 
     Ich lebe auf dem Land. Ich habe täglich vor Augen, wie den Insekten und Vögeln der Lebensraum genommen wird. Flächenfraß, Monokulturen, Pflanzen- und Insektengifte, Vernichtung der Artenvielfalt, Überdüngung, ... Das große Sterben hat begonnen. Wer ist nach den Insekten und Vögeln dran?
# Ich kann wählen zwischen Leben und Tod, Segen und Fluch, zwischen dem lebendigen Gott und einer tödlichen Gottlosigkeit. 
     Und das ist nicht nur eine Wahl an einem bestimmten Tag zwischen verschiedenen Parteien mit verschiedenen Programmen. Das ist eine Wahl, die ich jeden Tag treffen muss, die Wahl zwischen einem verantwortungsvollen Lebensstil und einem unverantwortlichen Konsum, zwischen Zufriedenheit und Gier, zwischen dem barmherzigen Gott und dem unbarmherzigen Menschen, der sich selbst zu Gott macht.
     Im Lehrtext sagt Jesus, dass er uns „Leben in Fülle“ bringt. Und das sind nicht Waren, die man für Geld kaufen kann, die doch nicht satt machen, sondern nur noch unersättlicher. „Leben in Fülle“ hat, wer sich von Gott geliebt und in ihm geborgen weiß; wer ihm seine Angst und seine Sorgen geben kann und dafür seinen Frieden empfängt; wer Verantwortung übernimmt für sich, seine Mitmenschen und die Schöpfung.

Gebet: Herr, ich gestehe, wir Menschen haben versagt. Wir sind dem Auftrag, den du uns gegeben hast, dass wir die Erde bebauen und bewahren, nicht gerecht geworden. Wir strafen uns selbst mit den Folgen, die das schon hat und die das noch haben wird. Ich will versuchen, an meinem Platz einen kleinen Beitrag für deine Erde zu leisten. Aber das reicht nicht. So bitte ich dich: Herr, erbarme dich über uns Menschen, erbarme dich über deine Schöpfung. Bleibe du uns freundlich zugewandt und rette uns vor uns selbst. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 23. September 2017

Was die Bibel sagt, wer ich bin hl

LosungWas ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Psalm 8,5 

LehrtextIn seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Epheser 1,4-6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn es darum geht, was die Bibel von dir und von mir hält, wird immer auch der Psalm 8 zitiert, aus dem das heutige Losungswort kommt. Doch um dieses Wort verstehen zu können, will ich es noch einmal in seinem Zusammenhang bringen. Da heißt es: 
     „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan.“ (Psalm 8,4-7)
     Das scheint auf den ersten Blick eine widersprüchliche Aussage über den Menschen zu sein. Einerseits heißt es, dass der Mensch angesichts des Universums winzig und unbedeutend ist. Andererseits, dass Gott sich trotzdem seiner annimmt, ja, dass er mit Gott fast schon auf einer Stufe steht.
     Was stimmt nun? Ich denke, dass der Lehrtext uns bei der Suche nach der Antwort hilft.
Nein, als Mensch bin ich keineswegs „wenig niedriger als Gott“. Ich bin unvollkommen, fehleranfällig, sterblich. Im Vergleich zu den Tieren habe ich ein Gehirn mit erstaunlichen Fähigkeiten. Doch mit Gott möchte ich mich gar nicht erst vergleichen. Er ist nicht höher als ich bin. Er ist komplett anders: einzigartig, unvergleichlich, unfassbar. Er ist die Macht, die alles schafft. Die alles bestimmende Wirklichkeit. Er ist und bleibt für mich als Mensch unzugänglich, unbegreiflich, unerreichbar.
     Aber nun gilt, was der Lehrtext sagt: »In seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus.« Ich bin und bleibe Mensch, ein winziges Staubkorn im Vergleich zur Größe des Universums. Doch Gott bestimmt mich dazu sein Kind zu sein.
     Wenn es also im Psalm 8 heißt, dass er den Menschen wenig niedriger gemacht hat als sich selbst, dann ist das keine Qualität, die mir als Mensch zueigen wäre. Sondern er erhebt mich sozusagen in den Adelsstand der Gotteskindschaft, weil er es so will, weil sein Sohn Jesus Christus mich und dich Bruder oder Schwester nennt und so zu Kindern Gottes macht.
     Das ändert gar nichts an meiner ganzen Hinfälligkeit, an meinem Versagen, an meiner Schuld. Ich bleibe der, der ich von Natur aus bin und brauche mir nicht im geringsten einzubilden, Gott auch nur im entferntesten ähnlich zu sein. Doch zugleich nimmt er mich als sein Kind an und gibt sich mir als mein Vater zu erkennen, weil ich seine Liebe brauche
     Das also hält die Bibel von mir und von dir, dass wir, dass alle Menschen Gottes Kinder sind im umfassenden Sinn und mit allen Konsequenzen. Es ist gut, wenn wir das selbst von uns halten. Denn das stärkt unser Selbstbewusstsein, unsern Lebensmut und unsere Zuversicht.

Gebet: Herr, niemand außer dir bestimmt, wer ich bin. Auch ich selbst nicht. Du willst, dass ich lebe. Du willst, dass ich dein Kind bin. Du willst, dass ich dich und deine Liebe in Jesus Christus erkenne. So erfahre ich, wer ich bin: von dir grundlos und bedingungslos geliebt, weil ich deiner Liebe bedürftig bin. So kann ich mich nun selbst neu verstehen und als dein Mensch, als dein Sohn leben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 22. September 2017

Hinsehen und hinhören hl

LosungEin hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR. Sprüche 20,12 

LehrtextPrüft aber alles und das Gute behaltet. 1.Thessalonicher 5,21 

Liebe Leserin, lieber Leser,

warum nicht mal einen Witz erzählen: Geht ein Schwabe zum Optiker. Sagt: „I hätt gern a Brill." Die Verkäuferin: "Kurzsichtig? Oder Weitsichtig?" Sagt der Schwabe: "Hm, am liebste durchsichtig."
     Aber was meint nun die heutige Losung? 
- Ich denke, hier geht es um ein Auge, das nicht nur sieht, sondern genau hinsieht, wie es in dieser Welt zugeht. Nein, nicht die Liebe macht blind, sondern die Gleichgültigkeit. Wirkliche Liebe hat keine rosa Brille auf, sondern sieht, was anderen weh tut. 
- Und es geht in der Losung um ein Ohr, das nicht nur hört, sondern genau hinhört - auf Gottes Wort wie auf die Schreie von Menschen in Not.
     Einfacher wäre es, sich Augen und Ohren zuzuhalten oder wegzusehen. Diese „Kunst“ beherrschen viele. Aber die „Kunst“ hinzuhören und hinzusehen ist offenbar nicht sehr verbreitet. Es kommt dann noch hinzu, dass ich auch mein Herz nicht verschließe und meine Hand nicht zurückziehe. *
     Der Lehrtext sagt: „Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge“ braucht auch wer prüft, was er für sich annehmen und wonach er sich richten will. Und, so möchte ich hinzufügen, er braucht ein weites Herz. Das befähigt ihn, auch von anderen zu lernen und Gutes anzunehmen, von denen, die anders sind, fremd und eigen-artig. Ich jedenfalls habe für meinen Glauben auch von Christen in Tansania und in den USA gelernt. 

Gebet

1 Herr, gib uns Mut zum Hören
auf das, was du uns sagst.
Wir danken dir,
dass du es mit uns wagst.

2 Herr, gib uns Mut zum Sehen
auf Menschen in der Not.
Wir danken dir,
durch uns gibst du das Brot. *

3 Herr, gib uns Mut zum Reden,
was hilfreich ist und wahr,
wir danken dir,
dein Wort ist stark und klar.

4 Herr, gib uns Mut zum Glauben
an dich, den einen Herrn.
Wir danken dir,
denn du bist uns nicht fern.

(Verse 1 und 4 Kurt Rommel. Verse 2 und 3 HL)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

* Erdbebenopfer in Mexico. Sturmopfer in der Karibik

Donnerstag, 21. September 2017

Seinen Freunden gibt er es im Schlaf hl

LosungEs ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf. Psalm 127,2 

LehrtextMein Gott wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus. Philipper 4,19 

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du ein Freund Gottes? Du überlegst? Doch, du bist einer. Denn das hängt nicht von dir ab, sondern von ihm.
     Viele aber wissen nicht, dass sie Gottes Freunde sind und werden es vielleicht auch nie erfahren. Schade, denn es würde ihnen helfen, gelassener und zuversichtlicher zu sein. Stattdessen meinen sie, ihr Leben ausschließlich selbst in die Hand nehmen und es mit viel Einsatz und Stress so hinbiegen zu müssen, wie es die gesellschaftliche Anerkennung fordert. Dabei sind nicht wenige zu großen und bewundernswerten Leistungen fähig. Aber ein solches Leben kostet seinen Preis. Die hohen Anforderungen, die heutzutage In Ausbildung und Beruf gestellt werden und die man an sich selbst stellt, übersteigen nicht selten die eigenen Kräfte. Das geht auf Kosten der Gesundheit und der Beziehungen.
     Freunde Gottes haben die Zusage, dass man selbst nicht alles geben muss, sondern dass auch Gott etwas dazugibt. Es ist schon gut, wenn ich im Rahmen meiner Möglichkeiten meinen Teil dazu beitrage, die mir gestellten Aufgaben zu erfüllen. Es ist aber auch gut, wenn ich meine Grenzen kenne und dann auch einmal Ruhe gebe. Und dann, so sagt es das heutige Losungswort, kann ich darauf vertrauen, dass auch Gott vieles zu meinen Gunsten fügt. Und warum soll das auch nicht gerade dann geschehen, wenn ich schlafe?
     Vielleicht erkenne ich seinen Beitrag nicht immer sofort. Vielleicht verschließt er mir auch einen Weg, den ich unbedingt gehen will, weil er nicht gut für mich ist und er stattdessen einen besseren weiß. Aber niemals bleibe ich ohne seine Hilfe. Das sagt auch der Lehrtext, der darauf hinweist, dass ich nicht perfekt sein muss, sondern das, was mir abgeht von Gott bekommen werde.

Abendgebet: Herr, alles was der Tag heute gebracht hat, lege ich nun zurück in deine Hand. Das, was mir gelungen ist, was mich gefreut und was mir gut getan hat, - ich lege es zurück - und was ich versäumt habe, woran ich gescheitert bin, was mich enttäuscht und mir weh getan hat. Alles was mir durch den Kopf geht, – ich lege es zurück. Alle meine Sorgen, - ich lege sie in deine Hand. Du aber schenke mir einen erholsamen Schlaf, dass ich neue Energien tanke und füge alles, was ich dir gegeben habe, zu meinem Besten. Amen

Was heute war, gehört, Herr, nun dir.
Ich gebe es ab. Gib du mir dafür
den Trost des Schlafes, den Frieden der Nacht,
in der dein Engel treu bei mir wacht.
Freude und Sorgen - nimm du sie hin.
Wandle zum Segen nach deinem Sinn,
was ich dir schuldig geblieben bin.
Alles, was ich nicht zuende gebracht,
bring du zuende in dieser Nacht.
Auch meine Lieben vertrau ich dir an.
Sei für sie da wie ich es nicht kann.
Das, wozu ich nicht imstande bin,
du wirst es fügen, du bringst es hin.
Hülle mich in deinen Segen ein,
lass mich bei dir geborgen sein. (HL)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 20. September 2017

Geist und Ungeist hl

LosungEs kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Joel 3,1 

LehrtextPetrus sprach: Da Jesus nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr seht und hört. Apostelgeschichte 2,33 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was für ein Geist herrscht eigentlich in unserem Land? Ein Geist des Friedens und der Mitmenschlichkeit? Ein Geist der Freundlichkeit und der Dankbarkeit?
     Angesichts dessen, wie gut es uns allen in Deutschland geht im Vergleich zu den Menschen in anderen Ländern, könnte man meinen, dass ein solcher guter Geist in unserem Land herrschen müsste. Mir ist durchaus bewusst, dass es auch etliche gibt, die auf der Schattenseite unserer Gesellschaft leben. Aber in welchem Land würden sie das nicht? Das ist kein Grund, sie zu übersehen und zu vernachlässigen. Sie bleiben eine Herausforderung für unser Land, dass auch ihr Schicksal erträglicher werde. Doch die weitaus meisten Menschen hier hätten allen Grund, mit ihrem Leben zufrieden zu sein.
     Mein Eindruck ist ein anderer. Mich erschreckt, was man in Internetforen für hasserfüllte Kommentare liest zum Beispiel zu Meldungen von tagesschau-online oder was über das Verhalten mancher Leute auf den Marktplätzen unserer Republik berichtet wird, die ihre Wut und ihren Hass gegen Politiker und Minderheiten hinausbrüllen. Was für ein Geist ist nur in sie gefahren? Woher nur diese Aggressivität?
     Ach dass doch die Zeit schon da wäre, von der in der Losung die Rede ist, die Zeit, in der Gott seinen Geist über alle Menschen ausgießt, über alle ohne Ausnahme. Aber haben nicht längst alle, die an Jesus Christus glauben und sich haben taufen lassen den Heiligen Geist empfangen? Petrus legt das zumindest nahe, wenn man die weiteren Bibelworte liest, die auf den heutigen Lehrtext folgen. Ich will das auch glauben. Aber ich weiß doch auch, wenn ich in mich hineinschaue, dass da immer auch noch ein anderer Geist ist. Er kommt nicht von Gott, sondern aus dem, was mich aufregt und treibt, aus einem gefährlichen Gemisch aus Gier und Furcht, Abneigung und Vorurteilen, Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit. Und so liegt in mir der eine Geist mit dem anderen im Streit. Welcher wird gewinnen? Der, den ich füttere, dem ich in mir Raum gebe und freien Lauf lasse.
     Jedenfalls kann und will ich von mir nicht sagen, dass ich den Heiligen Geist gepachtet hätte. Und ich bin auch allen anderen gegenüber höchst skeptisch, die von sich den Eindruck erwecken als hätten sie ihn gepachtet. Kein geweihter katholischer Priester, kein ordinierter evangelischer Pfarrer besitzt den Heiligen Geist. Wir alle zusammen können nur immer wieder neu darum bitten, dass wir ihn empfangen, wenn der Ungeist in uns wütet und nach Alleinherrschaft schreit.
     Offenbar verhalten sich Geist und Ungeist wie eine Flüssigkeit, die alles durchdringt. Der Heilige Geist ist wie frisches, klares Quellwasser, das Gott "ausgießt", das den Durstigen belebt. Der Ungeist aber ist wie Meerwasser, das den Durst nicht löschen kann, das nur noch durstiger macht, den Organismus vergiftet und tötet.
     Und so führt mich die Frage, was für ein Geist in unserem Land herrscht zuerst zu mir. Was für ein Geist herrscht in mir? Wes Geistes Kind bin ich? Welchen Gefühlen und Gedanken gebe ich in mir Raum? Was sind meine Maßstäbe? Woran orientiere ich mich? Was hilft im Zusammenleben mit anderen und was schadet? Was stärkt meinen Glauben und was schwächt ihn? 
     Einmal wird Gott seinen guten Geist ausgießen über alle (!) Menschen. Bis dahin liegen Geist und Ungeist noch miteinander im Streit: in der Welt, in unserem Land, in mir. Bis dahin kann ich mich täglich neu entscheiden, welchem Geist ich folge.

Gebet: Herr, ich bitte dich um deinen Heiligen Geist, dass mein Glaube wachsen und meine Liebe zu dir und meinen Mitmenschen blühen kann. Ich bitte dich um deinen Geist für alle deine Menschen, dass sich der Friede durchsetze und die Freundlichkeit siege. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 19. September 2017

Kein Zwang, keine Gewalt! Ein Wahlaufruf hl

LosungDann aber will ich den Völkern reine Lippen geben, dass sie alle des HERRN Namen anrufen und ihm einträchtig dienen. Zefanja 3,9 

LehrtextAlle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Philipper 2,11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

würde es dir auch gefallen, wenn endlich mal aller Streit in den Familien begraben wäre, die Gräben zwischen den politischen Lagern zugeschüttet wären und die Feindseligkeit zwischen Staaten und Völkern sich wie ein Unwetter für immer verzogen hätte? Ich denke, viele tragen in sich die Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und Harmonie, wo die Menschen, die bis jetzt in verschiedene Fraktionen, Religionen und Konfessionen gespalten sind, endlich einmal einträchtig lebten und zum Wohl aller zusammenwirken würden.
     Aber wenn man nur ein bisschen weiter denkt, kommt man aufgrund geschichtlicher Erfahrung schnell zu dem Ergebnis, dass das alles andere als ein erstrebenswertes Ziel ist. Es hat viele Versuche in der Geschichte der Menschen gegeben, Einheit im Denken und Handeln herzustellen. Und alle diese Versuche endeten in einem menschenverachtenden Totalitarismus, wenn Diktatoren, Parteien oder Religionsführer ihre Ideen, ihre Sichtweise, ihre politischen und religiösen Ziele für die einzig wahren ansahen und daneben nichts anderes mehr duldeten: 
     Im Alten Ägypten galt nur das Wort des Pharao. Mohammed war nur anfangs tolerant und als zum Beispiel die Juden seine Religion nicht annehmen wollten, wurde er gewalttätig. Karl der Große zwang die heidnischen Sachsen mit brutaler Gewalt, sich taufen zu lassen. Im Dreißigjährigen Krieg schlugen sich Protestanten und Katholiken gegenseitig die Köpfe ein. Hitler ebenso wie Stalin in der Sowjetunion, wie Pol Pot in Kambodscha und Mao Tse Tung in China opferten vor wenigen Jahrzehnten Abermillionen von Menschen auf dem Satansaltar ihrer Ideologie. Sie maßten sich an, allein herrschen und bestimmen zu wollen, was sein darf und was nicht. Alle diese Gräueltaten begannen damit, dass abweichende Meinungen nicht mehr geduldet und oppositionelle Kräfte ausgerottet wurden.
     Es ist schon fast ein Gesetz, dass man es Menschen nicht erlauben darf, diktatorisch und totalitär zu werden. Ausschließlich Gott darf das Recht haben, die Völker zu einen, dass alle ihm einträchtig dienen (Losung) und bekennen, wem allein alle Macht und Ehre gebührt (Lehrtext). Wehe aber, wenn Menschen sich erdreisten, dem ein bisschen nachhelfen zu wollen. Es bleibt unsere Aufgabe, zu ertragen, dass wir unterschiedlich sind, abweichende Meinungen haben, verschiedenen Religionen und Konfessionen anhängen, unterschiedliche Ziele verfolgen und Lösungen im Streit der Meinungen finden müssen. Es bleibt aber auch dabei, dass dies alles ohne Zwang und Gewalt geschehen muss, um neue Katastrophen zu verhindern.
     Hier in Deutschland haben wir die Möglichkeit, unterschiedliche politische Auffassungen frei und ungehindert zu äußern, Parteien mit je eigenen Zielen zu bilden und geheim zu wählen. Wir haben aber dieses Recht nur so lange, wie wir davon Gebrauch machen. Darum gefährdet jeder, der nicht zur Wahl geht, unsere Demokratie und Freiheit. Ich sage das so deutlich, weil wir uns den Luxus der Politikverdrossenheit und der Wahlmüdigkeit nicht leisten dürfen. Auch wenn man mit keiner Partei übereinstimmt, ist man doch verpflichtet, unter den vielen die zu wählen, mit der man sich noch am ehesten identifizieren kann.
     Wir brauchen eine lebendige Demokratie mit einer stabilen Regierung und einer starken Opposition. Das ist nicht zuletzt auch eine Voraussetzung dafür, dass die Glaubensfreiheit in unserem Land erhalten bleibt.
     Was Losung und Lehrtext heute sagen, ist ein Versprechen, das Gott erfüllen wird und nur er allein. Würden wir Menschen das versuchen, wäre es eine verhängnisvolle Gleichschaltung mit den aus der Geschichte bekannten Folgen.

Gebet: Herr, in allen Religionen der Welt suchen dich Menschen, um dich zu ehren und dir zu dienen. Ich bitte dich, dass du dich ihnen zu erkennen gibst. Doch zuerst bitte ich dich, dass du dich uns, den Christen, zu erkennen gibst als der Gott, der in Jesus zu uns kommt, als der Gott des Friedens und der Gerechtigkeit, der menschenfreundlich und barmherzig ist, der rettet und erlöst. Gib uns die Gelassenheit und Kraft, all die anderen Religionen und abweichenden Glaubensformen zu ertragen. Wir wollen aber durch unser gutes Beispiel auch andere zum Glauben an dich einladen, dass sie mit uns bekennen: Du bist der Herr und Vater von allem was lebt. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 18. September 2017

Himmel Erde Hölle hl

LosungDer Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. Psalm 115,16 

LehrtextWem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen. Lukas 12,48 

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor acht Jahren ist von Dieter Wellershoff ein Krimi mit dem Titel „Der Himmel ist kein Ort“ erschienen. Darin schreibt er von dem jungen Pfarrer Henrichsen, der sich sich in einer tiefen Lebenskrise befindet. Sie macht auch vor seinen theologischen Überzeugungen nicht halt. Bei einer Predigt versagt ihm die Stimme, und immer mehr beginnt er, an den Inhalten seiner Religion zu zweifeln und den Himmel als leeren Ort zu begreifen. 
     Nein, der Himmel ist kein Ort. Du kannst nicht sagen: Hier ist er und dort ist er nicht. Und doch ist der Himmel nicht leer. Er ist dort, wo Gott ist. Und wo ist Gott nicht? Er ist überall im Universum und darüber hinaus. Vor allem aber ist er hier bei uns auf dieser winzigen Erde, bei dir und bei mir. Hier auf unserem Planeten ist er in seinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen, um ganz nah zu sein. So sagt es die Bibel. Und so glaube ich es. 
     Die Hölle aber, wenn man denn von ihr sprechen will, sie ist ein Ort und der ist die Erde. Denn die Hölle gibt es nur da, wo Menschen sind. Der französische Philosoph und Schriftsteller Jean-Paul Sartre sagte einmal: "Die Hölle, das sind die anderen". Ich füge hinzu: Die Hölle, das kann auch ich selbst sein, für die anderen und für mich. Wie viele machen sich nicht das eigene Leben zur Hölle.
So bekommt der alte, vor bald 50 Jahren geänderte Satz aus dem Glaubensbekenntnis noch einmal eine neue Färbung, in dem es von Christus hieß: "Niedergefahren zur Hölle. Aufgefahren in den Himmel." Ja, Gott ist in Jesus in die Menschenhölle niedergefahren, nicht nur in die Hölle der antiken Sklaverei und der modernen Menschenvernichtungslager, in die Hölle von Ausbeutung und Krieg, sondern auch und gerade in unsere kalte, zwischenmenschliche Hölle, in der nicht wenige im Eis der Lieblosigkeit und der eigenen Lebenslügen erfrieren.
Doch Gott hat uns die Erde nicht dazu gegeben, dass wir sie einander zur Hölle machen, sondern zu einem Ort des friedlichen Zusammenlebens von Mensch und Mensch, von Mensch und Tier, von Mensch und Natur. Diesen Ort zu bewahren, ist sein Auftrag, den er uns allen gegeben hat (1. Mose 2,15). Mit diesem Ort hat Gott uns viel gegeben und anvertraut, sehr viel. (Lehrtext) Er hat uns Ver-Antwort-ung gegeben für seine Erde. Und er wird von uns Menschen Antwort verlangen, was wir aus ihr gemacht haben. 
     Nein, der Himmel ist kein Ort. Aber die Erde. Sie ist unsere gemeinsame Heimat und das soll sie auch für unsere Kinder und Kindeskinder bleiben.

Gebet: Herr, ich mache mir Sorgen um unsere Zukunft auf der Erde, besonders um die Zukunft meiner Kinder und Enkel. Sie sieht zur Zeit nicht gut aus. Ich weiß nicht, wie wir wieder zu unserer Verantwortung für deine Schöpfung zurückfinden können, wenn du uns nicht dabei hilfst. Erbarme dich! Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 17. September 2017

Vom Tränenkrug zum Trostkrug hl

Losung: Ich will rühmen Gottes Wort. Ich will rühmen des HERRN Wort. Psalm 56,11 

LehrtextJesus spricht: Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. Johannes 6,63 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was Gott wohl gesagt hat, dass David in der heutigen Losung sein Wort „rühmt“, sich darüber freut? So wie ich die Bibel kenne, könnte er gesagt haben: 
     »Ja, David, du bist zwar König, aber noch immer ein Mensch. Dazu gehört alles, was dein Leben reich hell und schön macht. Dazu gehört aber ebenso, dass es auch für dich in dieser Welt ohne Leiden und Angst, ohne Schmerzen und Enttäuschung, ohne Trauer und Versagen nicht abgeht. Frage nicht, warum das so ist. Du wirst die Antwort noch nicht verstehen. Was auch immer du erlebst, es ist, was es ist. Und ob du es glaubst oder nicht, du findest darin meine Liebe. Du findest sie nicht nur in den frohen Tagen. Du findest sie auch in der Finsternis. Gerade da wirst du mein Licht sehen, das dich tröstet und sagt: ‚Keine Angst, ich bin da!‘ Gerade wenn du schwach und am Boden bist, wirst du meine Kraft spüren.«
     So spricht Gott aus den Worten der Bibel auch zu dir. Darüber können wir uns heute noch freuen. Doch anders als David kannst du wissen, dass er sein Wort bereits eingelöst hat. „Jesus“ heißt dieses Wort, mit dem sein Versprechen für dich in Erfüllung gegangen ist. Bist du bereit, es zu hören und dich darauf zu verlassen?.
     David hat sich darauf verlassen und hat unmittelbar vor unserer heutigen Losung zu Gott gesagt:»Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie. Das weiß ich, dass du mein Gott bist. Auf dich hoffe ich und fürchte mich nicht.« (Psalm 56,10)
     Was für ein schönes Bild! Gott kommt zu den Traurigen und sammelt ihre Tränen. Keine Träne soll umsonst geweint sein. Kein Kummer soll vergeblich gewesen sein. Er hat sie alle gesammelt und sammelt sie noch, die Tränen deiner Kindheit und Jugendzeit, die heimlichen und verstohlenen Tränen, die du als Erwachsener weinst. Jede einzelne ist gezählt! Er allein weiß, warum du sie geweint hast. Und er wäre nicht unser warmherziger Gott, wenn ihn das nicht berühren würde. Wenn er nicht auch das eine oder andere Mal mit dir zusammen weinen würde über deinen Kummer und dein Leid. Wie auch Jesus geweint hat um uns Menschen und das, was uns erschüttert und was wir uns selbst und einander antun.
     Doch dabei bleibt es nicht. Wie Jesus bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt, so verwandelt der dreieinige Gott das Wasser der Tränen in den Wein des Trostes. Aus dem Tränenkrug wird das "Herzkrüglein", von dem mitten im 30jährigen Krieg Johann Heermann gedichtet hat:
.....
Du (Jesus Christus) bist die lebendige Quelle, 
zu dir ich mein Herzkrüglein stelle.
Lass mit Trost es fließen voll,
so wird meiner Seele wohl.
     Alte Worte aus alter Zeit. Und doch berühren sie auch heute noch den, der ihnen nachlauscht und sie in sich nachklingen lässt. Ich glaube, auch die Worte der Bibel wären längst nur noch jenen bekannt, die sich für antike Schriften interessieren, wenn sie nicht das wären, was Jesus sagt: „Geist und Leben“ (Lehrtext). Sie bewegen heute noch die Herzen vieler Menschen, weil sie die Kraft haben zu trösten und aufzurichten.

Gebet: Herr, dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet (Psalm 119,105). Es ist wie der Morgenstern, der den Tag ankündigt, obwohl es noch finster ist. So schenkst du mir neuen Lebensmut. Darüber freue ich mich und darauf verlasse ich mich. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 16. September 2017

Wie wir beten können hl

LosungSei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein. Prediger 5,1 

LehrtextHerr, lehre uns beten. Lukas 11,1 

Liebe Leserin, lieber Leser,

betest du? Betest du auch frei oder sprichst du immer wieder dieselben Gebete, die du mal als Kind gelernt hast? 
     Ich habe mitbekommen, dass sich mehr Menschen als man denkt nicht frei zu beten trauen. Sie wissen nicht, wie das geht. Sie haben Angst, nicht die richtigen Worte zu finden. Sie schämen sich deswegen vor Gott. Und wenn sie dann überhaupt beten, sprechen sie solche Gebete wie „Breit aus die Flügel beide, o Jesu meine Freude“ oder „Müde bin ich geh zur ruh, schließe meine Augen zu“ oder auch das Vaterunser... 
     Gegen solche Gebete ist nichts einzuwenden. Habe ich sie doch selbst lange Zeit gebetet. Aber dabei läufst du Gefahr, dass du sie bald nur noch mechanisch abspulst und gar nicht mehr weißt, was genau du eigentlich betest. Und dann versäumst du, dass Gott bereits etwas zu deinen Gunsten tut, während du ihn noch darum bittest.
     Darum möchte ich dir Mut machen, mit deinen eigenen Worten zu beten und Gott das zu sagen, was du auf dem Herzen hast: Deinen Dank für das, was in deinem Leben gut ist und deine Bitten für das, was dir wichtig ist. Fang einfach damit an. Auch wenn du stecken bleibst, dich versprichst oder stammelst – Gott ist nicht dein Deutschlehrer, sondern dein Vater. Er freut sich über jedes deiner Gebete. Und sei beim Beten bloß nicht zu bescheiden! Geh groß ran. Bitte gegebenenfalls auch für das, was im Augenblick noch unmöglich scheint. Gott freut sich auch darüber, wenn du ihm Großes, ja Unmögliches zutraust.
     Was von der heutigen Losung ist mir nur der letzte Satz wichtig. In einer neuen Übersetzung heißt sie: »Denk erst nach, bevor du betest, sei nicht zu voreilig! Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde – also sei sparsam mit deinen Worten!« Ja, beim Beten muss man nicht viele Worte machen. Jesus sagt, dass Gott sowieso schon weiß, was man braucht. Deshalb genügt es ihm zufolge, dass man so lange und so viel betet wie ein Vaterunser (Lehrtext). 
     Doch nicht einverstanden bin ich damit, dass man erst nachdenken soll, bevor man betet. Natürlich soll man mit Herz und Hirn beten. Soll klar werden, worum man bittet, wofür man sich bedankt. Und je genauer ich sagen kann, was ich von Gott will, desto besser kann er darauf eingehen. Doch bevor man vor lauter Nachdenken überhaupt nicht zum Beten kommt, ist es besser, einfach mal anzufangen. Ich habe die gleiche Erfahrung wie der Apostel Paulus gemacht, wenn er im Brief an die Römer schreibt: »(Manchmal) wissen wir nicht, wie wir beten sollen, damit es Gott gefällt! Deshalb tritt Gottes Geist für uns ein.« (Römer 8,26) Ja, manchmal muss mir Gott selbst noch beim Beten helfen. Und er tut es dann auch.

Gebet: Herr, wenn einer weiß, was ich brauche und was mir gut tut, dann du. Darum wende ich mich mit meinen Anliegen auch an dich. Ich müsste das nicht, weil du sowieso für mich da bist. Aber wenn ich bete, fühle ich mich dir besonders nahe. Dann wird mir klar, was genau ich von dir will und welchen Beitrag ich selbst dazu leisten kann. Du hast es nicht nötig, dass ich zu dir bete. Du brauchst auch mein Lob und meinen Dank nicht. Aber ich. Denn meine Gebete sind wie Inseln im Strom der Zeit, wo ich mich ausruhen kann und darauf besinnen, wie es weitergeht. Wo ich mich vergewissere, dass ich nicht allein unterwegs bin, sondern du mich begleitest. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 15. September 2017

Sprudelnde Quelle, leises Klopfen hl

LosungVersiegen die laufenden Wasser aus sprudelnden Quellen? Mein Volk jedoch hat mich vergessen. Jeremia 18,14-15 

LehrtextSiehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer immer auf meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich einkehren und das Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir. Offenbarung 3,20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist ein Christ? 
Eine Quelle ist eine Quelle, wenn Wasser aus ihr hervorquillt. Manche Quellen sprudeln seit Menschengedenken. Andere versiegen in trockenen Zeiten, manchmal für immer. Dann sind sie keine Quellen mehr.
Ein Christ ist ein Christ, wenn aus ihm Vertrauen zu Gott quillt, der ihm in Jesus begegnet. Ein Papier, eine Computerdatei, eine Konfession macht einen Menschen zu einem Kirchenmitglied. Aber erst sein lebendiger Glaube, sein Gottvertrauen macht ihn zu einem Christen. 
Ein Mensch ist ein Christ, wenn er sich von Gott geliebt, gesegnet und behütet weiß und anderen als ein solcher begegnet: freundlich, hilfsbereit, zuvorkommend. Wenn er das, was andere ihm Gutes tun sollen, ihnen zuerst tut.
Ein Christ ist ein Mensch mit Schwächen, der in seinem Christsein immer wieder einmal versagt und sich das auch eingesteht. Der deshalb aber nicht verzweifelt, sondern aus Gottes Vergebung lebt und neu anfängt.
Ein Mensch ist kein Christ mehr, wenn sein Gottvertrauen und sein Glaube versiegen und im Sand der Zeit versickern.
Aber er bleibt ein Kind Gottes, von ihm geschaffen, von ihm geliebt, von ihm gefunden. Denn Gottes Liebe hängt nicht von meiner Glaubenskraft ab. 
Gottes Geschöpfe bleiben seine Geschöpfe. Gottes Volk bleibt sein Volk (Losung). Ich bleibe sein Kind, sein Sohn, und du auch. 
Denn Gottes Treue bleibt Gottes Treue.
Doch er drängt sich mir nicht auf. Er klopft an die Tür meines Herzens. Er sagt: „Ich bin's!“
Ich rege mich über etwas schrecklich auf. Er klopft.
Ich habe Angst. Er klopft.
Ich bin im Stress. Er klopft.
Ich habe Kummer. Er klopft.
Ich benehme mich daneben. Er klopft...
Ich überhöre sein Klopfen. Immer wieder. Bin zu beschäftigt mit mir selbst. Höre zu viel auf den "Lärm der Welt". Und dann höre ich es doch. Nicht immer. Viel zu selten. Aber ab und zu. Und ich höre, wie er sagt: „Ich bin's. Mach auf! Was nimmst du dir das alles so zu Herzen? Ich bin doch da und helfe dir.”
Wer ist ein Christ? Wer nicht alles mit sich allein ausmachen muss, sondern darauf vertraut, dass Gott da ist.“

Gebet: Herr, du bist die Quelle allen Lebens. Die Quelle meines Lebens und meines Glaubens. Aus dir, von dir, mit dir und in dir lebe ich. Manchmal dürste ich nach Trost wie in der Wüste nach Wasser, dürste nach Lebensmut und Zuversicht. Manchmal suche ich danach an den falschen Quellen, deren Wasser ungesund sind und versiegen. Aber sobald ich dich wieder höre, lebe ich auf. Amen

Herzliche Grüße  

Hans Löhr

Donnerstag, 14. September 2017

Er hat das letzte Wort hl

LosungMeine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16 

LehrtextLasst uns wachen und nüchtern sein. 1.Thessalonicher 5,6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

meine Zeit und alle Zeit – wer hat sie in der Hand? Wer hat darüber bestimmt, wann sie begonnen hat und wer wird darüber bestimmen, wann sie endet?
     Es beruhigt mich in einer Zeit, da, wie in Nordkorea, wieder Atombomben getestet werden, dass nicht der dortige Diktator Kim Jong-un über mein Leben bestimmt, auch nicht über die Zukunft des Lebens auf der Erde. Auch der amerikanische oder russische Präsident bestimmt nicht darüber. Gott, der auch die Zeit geschaffen hat, bestimmt darüber - allein. Er ist der Souverän in Zeit und Ewigkeit.
     Wann immer ein Mensch, ein Politiker, ein Arzt, ein Nachbar oder du selbst sagst, dass es vorbei ist mit dir, mit dieser Welt, womit auch immer, bedenke: Erst wenn Gott sagt, dass es vorbei ist, ist es vorbei. Er hat das letzte Wort.
Ich kann das nicht beweisen, nur glauben. Aber was heißt da schon „nur“? Was für eine Chance, dass ich das glauben kann! Das ist das beste „Heilmittel“ gegen Panik und Hysterie. 
     Nein, ich muss aus Angst vor dem Ende nicht meinen Kopf in den Sand stecken, um nichts mehr mitzubekommen. Muss mich nicht betäuben mit medialer Dauerberieselung, Alkohol, Aktivismus und wie die modernen Drogen alle heißen. Muss nicht meine ohnmächtige Wut hinausbrüllen, meinen Hass in Internetforen ausscheiden und Andersdenkende beschuldigen, nur weil ich mit meinem Leben nicht zurechtkomme. 
     Ich kann in alledem wachsam, nüchtern (Lehrtext) und gelassen sein, weil ich nicht selbst alles im Griff haben muss, sondern in Gottes Hand bin. So kann ich jetzt an meinem Ort und im Rahmen meiner Möglichkeiten für eine lebenswerte Welt tun, was ich für richtig halte auch wenn ich nicht viel bewegen kann. Manches muss man um seiner selbst willen tun, unabhängig vom Erfolg.     

Gebet

Der du die Zeit in Händen hast,
Herr, nimm auch dieses Tages Last
und wandle sie in Segen.
Nun von dir selbst in Jesus Christ
die Mitte fest gewiesen ist,
führ uns dem Ziel entgegen.

Der du allein der Ewge heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten. (Jochen Klepper)

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 13. September 2017

Geh deinen Weg! hl

LosungDer HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Psalm 32,8 

LehrtextJesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,31-32 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Navigationsprogramm „Maps“ auf meinem Smartphone führt mich auf schnellstem Weg ans Ziel. Das ist praktisch, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Wenn ich Motorrad fahre, möchte ich natürlich auch ans Ziel kommen, aber unterwegs auch etwas sehen und erleben. Deswegen lasse ich mir da mehr Zeit und fahre winzige Straßen in abgelegenen Gegenden. Auch dafür habe ich ein Navigationsprogramm.
     Gottes Navi für mich finde ich in der Bibel, zum Beispiel meinen Konfirmationsspruch: „Herr, wohin sollen wir gehen? Deine Worte bringen das ewige Leben. Wir glauben und wissen, dass du der bist, in dem Gott uns begegnet.« (Johannes 6,68+69) Das ist kein Wort für den schnellsten Weg, sondern gerade auch für manchen Umweg und Irrweg in meinem Leben, wenn ich mich wieder neu orientieren muss. Ich möchte auch gar nicht, dass mein Leben eine Autobahn ist ,auf der ich vom Start bis zum Ziel durchrase. Ich finde es auch nicht schlimm, dass ich manchen Umweg gehen musste und dass sich mancher Weg als Holzweg herausgestellt hat. Gerade auf solchen Abschnitten habe ich dazugelernt und wertvolle Erfahrungen gemacht.
     Der Weg auf dem ich unterwegs war und bin hat einen Namen. Er heißt nicht "Route 66", nicht A8 und nicht "Tour des Grandes Alpes".  Der, von dem es in meinem Konfirmationsspruch heißt, dass mir in ihm Gott begegnet, der sagt von sich: „Ich bin der Weg“ (Johannes 14,6) Und wenn ich den Namen „Jesus“ zusätzlich ins Deutsche übersetzte, dann bin ich auf dem „Gott hilft!“-Weg unterwegs.
     Damit man mich nicht falsch versteht, ich gehe nicht auf diesem Weg, weil ich so fromm wäre und mich ständig nach den Verbotsschildern richten würde, von denen man meint, dass sie dort aufgestellt wären. Nein, das tue ich nicht. Mein Weg, oder „My Way“ wie Frank Sinatra singt, das ist meine ganz persönliche Art und Weise zu leben mit allen Vor- und Nachteilen, mit dem, was schön ist und mit dem, was schwer ist, mit manchen Risiken und manchen Überraschungen. Auf diesem Weg habe ich Freunde gefunden und wieder verloren, Menschen erfreut und verletzt, habe mir die eine oder andere blutige Nase geholt, aber wurde deswegen auch gemocht. Auf diesem Weg bin ich manchmal gestolpert und hingefallen und wieder aufgestanden. 
     Aber immer ging es irgendwie weiter, weil mein Weg diesen Namen hat: „Jesus – Gott hilft“. Wenn es finster wurde, war er bei mir (Psalm 23, 4). Wenn ich mich verlaufen hatte, ging er mir nach und brachte mich wieder zurück (Lukas 15,4-7). Wenn ich am Ende war mit meiner Kraft, hat er mich wieder gestärkt und mir neuen Lebensmut eingeflößt (1. Buch der Könige 19,4-8). So habe ich es erlebt. Und darum will ich in diesem Gottvertrauen meinen Weg weitergehen bis es einmal heißen wird: „Hans, jetzt ist es genug. Jetzt bist du am Ziel.“ 
     Du gehst einen anderen Weg als ich. Aber dein Weg hat denselben Namen. Es kommt nicht darauf an, den einfachsten und schnellsten Weg zu finden, sondern den, auf dem du einen Weggefährten hast und auf dem du die Wahrheit erfährst über dich und dein Leben (Lehrtext), nämlich dass du als sein Jünger frei bist mit ihm zu gehen, wohin du willst. Geh deinen Weg, gehe ihn in Gottes Namen!

Gebet
Wo ich auch stehe, du warst schon da.
Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah.
Was ich auch denke, du weißt es schon.
Was ich auch fühle, du wirst verstehn.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und darum (!!!) liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf,
und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.


Herzliche Grüße 

Hans Löhr