Mittwoch, 22. November 2017

Schafe!, Schafe! hl

LosungHilf deinem Volk und segne dein Erbe und weide und trage sie ewiglich! Psalm 28,9 

Lehrtext: Jesus spricht: Ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden. Johannes 10,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Schafe auf der Weide sind ein Hingucker. Wenn kleine Kinder aus dem Autofenster schauen rufen sie entzückt: „Schafe!, Schafe!“ Aber auch Erwachsenen zaubert der Anblick einer Schafherde mit ihrem Schäfer ein Lächeln ins Gesicht. Gründe dafür gibt es viele: Schafe gelten als harmlos, Lämmer sind süß, eine Herde mit Hirten in der Natur hat etwas Idyllisches an sich. In der Bibel gibt es noch andere Gründe, warum da Schafe eine so große Rolle spielen. Sie brauchen einen Hirten, ohne den sie nicht existieren könnten. Einen, der sie zu nahrhaften Weidegründen führt, zu Wasserquellen, der sich um sie kümmert und sie bei Gefahr beschützt. So wie es der Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ beschreibt.
     Das kommt auch in der heutigen Losung zum Ausdruck. Der Mensch, der diesen Satz zum ersten Mal gebetet hat, wusste, dass er sein Schicksal nicht allein in der Hand hat und auch sein Volk ohne Gottes Schutz in Gefahr gerät. Natürlich gab es auch damals Verantwortliche in Politik und Kirche, Könige, Priester, hohe Beamte, Militärs... Aber die Geschichte zeigt, dass auf sie nur bedingt Verlass ist. Darum bittet jener Mensch, dass Gott sein Volk segnen, versorgen und sicher durch die Zeiten tragen möge.

    Schade, dass wir nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche in Berlin auf absehbare Zeit keine stabile Regierung haben werden. Aber ich bin zuversichtlich, dass es eine konstruktive Lösung geben wird. Jetzt müssen alle kühlen Kopf bewahren und Geduld haben, die politisch Verantwortlichen genauso wie wir, die Bürgerinnen und Bürger.
     Noch zuversichtlicher aber bin ich, dass Gott seine Menschen nicht im Stich lässt, dass er uns auf seine Weise „weidet“ und in die Zukunft führt. Würde ich das nicht glauben, wäre mir um die Zukunft vor allen meiner Kinder und Enkel bang. Aber auch wenn wir von ihm geführt werden, wir müssen schon auch selbst etwas zur Gestaltung stabiler Lebensverhältnisse beitragen und dabei bereit sein, auf ihn zu hören und ihm zu folgen.

     Im Lehrtext spricht Jesus von „anderen Schafen“. Das sind wir, die wir nicht zum Volk der Juden gehören, aus dem er kommt. Mit ihnen zusammen und nicht ohne sie und ebenso mit den Menschen aus anderen Völkern und Religionen sollen wir eine Herde werden, seine Herde, sein Volk. Und er wird unser aller Hirte sein. 
     Ja, das ist Zukunftsmusik. Aber eine, die man jetzt schon hören kann so wie das Lied aus Beethovens neunter Sinfonie, deren vierter Satz zugleich die Europahymne ist: „Freude schöner Götterfunken … Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.“ In diesem Gedicht ist es allgemein die Freude, die uns zu Brüdern und Schwestern macht. In der Bibel ist es die spezielle Freude, von der der Engel in Bethlehem singt: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr!“ Das ist für mich der Grund, warum ich mich freuen kann. Und diese Freude verbindet uns Menschen gleich welcher Herkunft, statt uns zu trennen. Sie will uns verbrüdern, statt verfeinden. Sie wird uns erlösen, statt verdammen. Diese Freude hat Hand und Fuß. Sie liegt in der Krippe. In ihr kommt Gott zu uns, der große Menschenhirte.

Gebet
Schaue die Zertrennung an,
der kein Mensch sonst wehren kann;
sammle, großer Menschenhirt,
alles, was sich hat verirrt.
Erbarm dich, Herr! 
(EG 262,3 Johann Christian Nehring, 1704)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 21. November 2017

Zwischen den Polen hl

LosungWohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist! Psalm 112,5 

LehrtextWie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Lukas 6,31 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist denn das gar so schwer, dass wir Menschen auf dieser Erde miteinander auskommen? Ist denn das gar so schwer, dass wir am Arbeitsplatz, in der Familie oder in der Partnerschaft miteinander auskommen? Ist das denn gar so schwer, dass ich mit mir selbst auskomme?
     Ja und nein. Ja, es ist schwer, weil, wie der Apostel Paulus schreibt, »ich ja selbst nicht verstehe, was ich tue. Das Gute, das ich mir vornehme, tue ich nicht; aber was ich verabscheue, das tue ich... Zwar habe ich durchaus den Wunsch, das Gute zu tun, aber es fehlt mir die Kraft dazu.« (Römer 7,15.18) So gesehen, ist es schwer, das Richtige zu tun. 
     Aber doch ist es auch wieder leicht, weil es eben nicht kompliziert ist. Ich muss mich nicht erst durch ein Handbuch für die richtige Lebensführung durcharbeiten. Ich muss nicht erst die Betriebsanleitung lesen, wie ich denn mit anderen auskommen kann. Ich muss nur tun, was Jesus im Lehrtext sagt: darin meinen Mitmenschen zuvorkommen, was ich mir von ihnen für mich erwarte. Ich schreibe bewusst „zuvorkommen“, weil es nicht im Sinne Jesu ist, zu warten, bis andere den ersten Schritt getan haben. Und weil dieses Warten die Beziehungen erst recht vergiftet.
     So bin ich hin und hergerissen zwischen diesen beiden Polen: Einerseits fehlt mir die Kraft, das Gute zu tun; siehe Paulus. Andererseits macht es mir Freude, einen anderen Menschen zu überraschen mit einer Gefälligkeit, einem Gruß, einem Besuch, einem Kompliment...
     Ja, schwer ist es mit anderen auszukommen, wenn ich nur meinen augenblicklichen Gefühlen und Gedanken folge, mich von den Impulsen treiben lasse, die ich gerade spüre. Wenn ich also nur mich im Blick habe. Die Bibel nennt das Sünde. Leichter ist es, wenn ich mich frage, was meinem Mitmenschen gut tut. Wenn ich mich bemühe, ihn zu verstehen und ich ihn nicht gleich aufgebe, wenn es zwischen uns beiden mal verkantet ist. Schwer ist es, wenn ich sage: Der ist für mich gestorben. Leichter, wenn ich mit ihm leben will.
     Meine Motivation, das Meine für das Zusammenleben mit anderen zu tun ist, dass Gott das Seine für das Zusammenleben mit mir getan hat (siehe Losung). Er ist zu mir barmherzig und leiht nicht nur gern, sondern schenkt gern und kommt mir in allem, was er sich von mir Gutes erwartet, zuvor.
     Ist denn das gar so schwer, dass wir Menschen miteinander auskommen, im Großen wie im Kleinen, mit anderen Staaten und Völkern und ebenso in Familie und Partnerschaft? Eigentlich nicht. Weil das, was Jesus im Lehrtext sagt, die „Goldene Regel“ für das Zusammenleben genannt wird, - auch in anderen Religionen. Wer also Frieden will, sollte auch Frieden anbieten.

Gebet: Herr, ich bitte dich um die Kraft, das Gute, das ich mir vornehme, auch tun zu können. Ich bitte dich um die Kraft zum ersten Schritt, um gerade auch auf den zugehen zu können, mit dem ich mich schwer tue. Ich danke dir, dass du das alles bei mir getan hast und auf mich zukommst, immer wieder, mit deiner Barmherzigkeit und Liebe. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 20. November 2017

Was ich will und was ich nicht will hl

LosungIhr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes. 5.Mose 4,2 

LehrtextJesus sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun. Lukas 8,21 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie willst du leben? Wie sollst du leben? Als ein Mensch, der an Gott glaubt, suchst du die Antwort auf diese Fragen in der Bibel und findest sie vielleicht im heutigen Losungswort. Doch wenn du den Befehl des Mose in diesem Bibelwort wörtlich nimmst, musst du Jude werden und alle seine 613 Gebote und Verbote peinlich genau beachten. Jesus aber hat, wie du vielleicht weißt, alle zusammengefasst im Doppelgebot der Liebe: „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Matthäus 22,37-40). In diesem Gebot, so fügt er hinzu, sind alle anderen Gebote erfüllt.
     Ich jedenfalls bin im wahrsten Sinne des Wortes heilfroh, dass ich keine 613 Gebote und Verbote beachten muss, sondern mich auf eins konzentrieren kann. Und das zu erfüllen, ist schwer genug und bleibt eine lebenslange Aufgabe. Und doch will ich auch nach diesem Gebot leben, denn ich weiß von keiner besseren Orientierung für ein sinnvolles, menschenwürdiges Leben als die Liebe. Und ist es nicht wunderbar, lieben zu können? Das gilt für die Liebe unter Menschen genauso wie für die Liebe zu Gott. Immer wieder denke ich mir manchmal: Was für ein schöner Glaube, der auf der Liebe gründet und nicht auf Befehl und Gehorsam; denn Liebe kann man nicht befehlen. Sie ist ein Kind der Freiheit.
     Unter Nächstenliebe verstehe ich freundlich und hilfsbereit zu sein, aufrichtig und verständnisvoll. Unter der Liebe zu Gott verstehe ich dankbar und froh zu sein, vertrauensselig und treu. Ja, ein solcher Mensch möchte ich sein. Ich bin es nicht so wie ich will. Ich bin nicht am Ziel dieser Liebe, aber auf dem Weg. Manchmal bleibe ich stecken. Manchmal verirre ich mich. Manchmal stolpere ich. Aber ich kenne das Ziel und weiß, in welche Richtung ich weiterleben möchte.
     Und auch das weiß ich, dass ich auf diesem Weg Jesus zur Seite habe, nicht nur als meinen Herrn, sondern auch als meinen Bruder (Lehrtext). Was für eine erstaunliche Aussage, wenn er in diesem Bibelwort (Lukas 8,21) sagt: Meine Mutter ist nicht Maria und meine Brüder und Schwestern sind nicht meine leiblichen Geschwister wie Jakobus, Joses, Judas und Simon samt meinen Schwestern (siehe Markus 6,3 u.a.). Sondern meine wahre Mutter und meine wahren Geschwister sind die, die Gottes Wort hören und tun, die Gott und ihren Nächsten lieben wie sich selbst.

Gebet: Herr, ich will nicht mehr auf Menschen hören, die mir weismachen wollen, was im Glauben richtig oder falsch ist. Ich will nicht auf die hören, die mir mit allen möglichen biblischen Geboten kommen und sich dahinter verstecken, um Einfluss auf mich nehmen zu können. Ich will nicht auf die hören, die den Eindruck erwecken, als wüssten sie in den Dingen des Glaubens alles besser und seien es höchste kirchliche Würdenträger und Gelehrte. Ich will schlicht und einfach auf dich hören und nach deinem Wort leben. So will ich dich und meine mit Menschen lieben so gut ich kann, weil du auch mich liebst. Und ich will dich bitten, mir dazu immer wieder die nötige Kraft zu geben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 19. November 2017

Bist du gesegnet? hl

LosungDer HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. 5.Mose 2,7 

LehrtextSo ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. 1.Korinther 3,7 

- Manchmal, liebe Leserin, lieber Leser, manchmal muss einem manches einfach gesagt werden, weil man es selbst nicht glaubt oder übersieht.
- Manchmal muss dir gesagt werden und musst du dir sagen lassen, dass du gesegnet bist. Ja gesegnet! Und mir muss das ebenso gesagt werden.
     Ich habe heute die Mutter eines jungen Mannes getroffen, der eine Augenklappe tragen muss, weil er doppelt sieht, dessen linke Gesichtshälfte gelähmt ist, dessen linker Arm den Befehlen des Gehirns unzureichend folgt, der auf dem linken Ohr nichts hört, beim Artikulieren beeinträchtigt ist und nur schleppend laufen kann.
     Dieser Mann ist gesegnet und wie! Wieso? Weil er Mitte August nach einem Unfall mit schwersten Kopfverletzungen so gut wie tot war. Ich hatte das in diesen Losungsauslegungen schon mal kurz erwähnt. Und nach einiger Zeit auf der Intensivstation im künstlichen Koma ist er wieder aufgewacht und macht seither unglaubliche Fortschritte. Nach der Reha kommt er kommenden Montag heim. Er ist noch nicht am Ziel. Noch hat er einen weiten Weg vor sich bis sich die genannten Beeinträchtigungen weiter bessern. Und manches wird ihm wohl bleiben. Aber er und seine Familie und wir, seine Freunde und Bekannten, sind einfach nur glücklich und froh und total dankbar. Was für eine Gnade! Was für ein Wunder! - Was für ein Segen! 
     Für den jungen Mann haben mehr Menschen gebetet, als man es vorher hätte vermuten können, auch solche, die ihn gar nicht persönlich kennen. Auch Esoteriker und Schamanen haben auf ihre Weise ihm gute Gedanken geschickt. Ein atheistischer Freund fragte mich: "Sind denn meine guten Gedanken für ihn ähnlich hilfreich wie deine Gebete?" "Ach weißt du, mein Guter", sagte ich, "für Gott ist es ein Leichtes, aus deinen Gedanken ein wunderbares Gebet zu machen. Denke nur weiterhin gut an ihn." 
     Aber worauf ich eigentlich hinaus will: Segen ist immer relativ. Will sagen: Hätte jener junge Mann keinen Unfall gehabt und würde trotzdem solche Einschränkungen haben, käme wohl keiner auf die Idee zu sagen, dass er gesegnet ist. So aber kann man Gott gar nicht genug preisen. Oft ist unsere Bewertung nur eine Frage der Perspektive, der Blickrichtung.
     Und wie ist das mit dir? Bist du gesegnet? Empfindest du das so, wenn du darüber nachdenkst? Ich kann das von mir so sagen.
     Nein, ich bin nicht mit Glück überschüttet. Auch bei mir gibt es Dinge, die ich gern anders hätte. Jedenfalls denke ich das so. Aber wenn ich's genau bedenke, bin ich im Vergleich zu den meisten anderen Menschen auf diesem Planeten ein Glückskind, einer, dem Gott viel Gutes getan hat und tut. Ich habe wirklich keinen Grund, unzufrieden zu sein, obwohl ich's immer wieder mal bin. Selbst die Brüche in meinem Leben, selbst das, was mir nicht gelungen ist, wo ich etwas vermisse, das ich für wichtig halte - selbst das hat sich im Nachhinein manches Mal noch zum Guten gewendet, hat mich reifer, gelassener und stärker gemacht. Und mit dem, dem ich nichts Positives abgewinnen kann, kann ich zumindest leben.
     Ja, ich bin gesegnet auch in vielem, das ich mit Kopf und Hand getan habe (Losung). Und meistens ist es so, wie es im Lehrtext heißt: Ich habe manches begonnen und wenn es dann erfolgreich war, hat Gott das Gedeihen dazu gegeben. Und wo es nicht erfolgreich war, hatte es bestimmt auch seinen Sinn, selbst wenn ich ihn nicht verstehe. Jedenfalls ist es mir lieber, mein Leben und auch das jenes jungen Mannes im Zusammenhang mit Gott zu sehen und zu bewerten als ohne ihn. Viel lieber!
     Nochmal: Wie ist das mit dir? Bist du gesegnet?

Gebet: Mein Gott, wenn ich's recht bedenke, verdanke ich deinem großen Segen, dass ich überhaupt bin und dass es mir alles in allem schon so viele Jahre gut geht. Verzeih, wenn ich manchmal vor anderen so tue, als hätte ich das, was gelungen ist, nur mir zu verdanken. Du weißt, ich tu‘s, weil ich mir Anerkennung wünsche. Dabei sollte es mir doch genügen, dass du mich als deinen Menschen anerkennst und dafür sorgst, dass ich dankbar sein kann. Halte du deine schützende und segnende Hand auch weiterhin über mich, meine Lieben und alle, die dich darum bitte. Und über die anderen auch. Amen

Ach bleib mit deinem Segen
bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen
in uns reichlich vermehr.
(Josua Stegmann, 1627)

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Samstag, 18. November 2017

Licht auf der Bühne des Lebens hl

LosungDas Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Jesaja 9,1

LehrtextJesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. Titus 2,14 

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Theater oder in der Oper wird manchmal ein einzelner Künstler auf der Bühne besonders hervorgehoben, indem  er mit einem Scheinwerfer von oben angestrahlt wird, während alles um ihn herum dunkel bleibt. Dein „Scheinwerfer“ ist Jesus Christus, das Licht der Welt. In ihm und durch ihn leuchtet Gottes Gnade für dich, das Geschenk seiner Liebe.
Doch was hilft es dir, wenn du davon nichts weißt oder dieses Licht nicht siehst? Du brauchst „Augen des Glaubens“, damit du wie das Volk in der Losung das Licht sehen kannst, das hell über dir scheint. Doch wie bekommt man solche Augen? Bei mir sind es zwei Dinge: 
     Zum einen lasse ich mich berühren von biblischen Geschichten, insbesondere davon, was die Bibel von Jesus erzählt. Und ich lasse mich berühren von Musik, von geistlichen Liedern: von alten Chorälen aus dem Gesangbuch ebenso wie von neuen Lobpreisliedern, von der h-moll Messe von Johann Sebastian Bach und von der c-moll Messe von Wolfgang Amadeus Mozart, vom Musical "Jesus Christ Superstar", von Oratorien, Kantaten und Spirituals.
     Zum anderen bin ich irgendwann mal davon ausgegangen, dass es so ist. Dass das, was die Bibel sagt, für mich stimmt. Dass ich in jenem Licht leben und Gott, wie er sich in Jesus zeigt, mein Vertrauen schenken kann. Ich frage nicht mehr: Ist das wirklich so? Stattdessen glaube ich, dass es für mich wahr ist. Im Licht der Bibel und des Glaubens sehe ich diese Welt und mich selbst anders. Jetzt bin ich nicht mehr ein Zufallsprodukt der Evolution inmitten anderer Zufallsprodukte. Jetzt bin ich ein Geschöpf und Kind Gottes, von ihm geschaffen, gesegnet, behütet, geliebt und erlöst. Jetzt „sehe“ ich das »große Licht« aus der Losung auch über mir. 
     Manchmal sehe ich es auch nicht, wenn ich allzu sehr mit mir selbst beschäftigt bin, mit meinen Problemen und Sorgen. Aber dann glaube ich wieder, dass gerade dann sein Licht besonders hell über mir scheint. Und dieser Glaube und dieses Gottvertrauen wächst mit jedem Gebet, das ich spreche. Da bleibe ich mit meinem Gott in Kontakt und er mit mir. Da vergewissere ich mich, dass er für mich da ist.
     Im Lehrtext heißt es in einer neueren Übersetzung: »Jesus Christus hat sein Leben für uns gegeben und uns von aller Schuld befreit. So sind wir sein Volk geworden, das ihm allein gehört; dem vergeben ist und das bereit ist, von ganzem Herzen Gutes zu tun.« Irgendwannn einmal habe ich kapiert, dass es auf diese Reihenfolge ankommt. Dass er zuerst etwas für mich getan hat und ich daraufhin in der Lage bin aus Dankbarkeit Gutes zu tun. Ja, ich will mich nach ihm richten. Nicht weil ich das müsste, sondern weil es mich erfüllt.
     Es ist ein gutes Gefühl, mir bewusst zu machen, dass ich auf der Bühne des Lebens in Gottes freundliches Gnadenlicht getaucht bin. Darin will ich bleiben.

Gebet: Herr, du bist das Licht der Welt. Sei und bleibe du auch mein Licht, jetzt und in Zukunft. Zeige mir in diesem Licht deine Wahrheit und leuchte mir auf meinem Weg. Leuchte,  wenn es um mich und in mir dunkler wird bis dein großer Tag anbricht. Amen

Morgenglanz der Ewigkeit,
Licht vom unerschaffnen Lichte,
schick uns diese Morgenzeit
deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht
unsere Nacht. 

Leucht uns selbst in jener Welt
du verklärte Gnadensonne;
führ uns durch das Tränenfeld
in das Land der süßen Wonne,
da die Lust, die uns erhöht,
nie vergeht. 
(Christian Knorr von Rosenrot, 1654)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 17. November 2017

Sein sind die Lebenden und sein sind die Toten hl

LosungDeine Toten werden leben. Jesaja 26,19 

LehrtextSelig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihren Mühen. Offenbarung 14,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Toten, so sagt es der Prophet in der Losung, gehören Gott. Sie sind seine Toten. Ich muss mir um sie keine Sorgen machen. Ich muss nichts tun, damit sie selig werden. Sie sind geborgen in Gott. Die Lebenden, so sagt es die Bibel, gehören Gott. Sie sind die Seinen. Muss ich mir dann um mich Sorgen machen? Und was muss ich tun, um ihm zu gefallen? Nein, denn auch ich bin geborgen in Gott und du auch. Wir können unseren täglichen Aufgaben nachgehen im Vertrauen darauf, dass für uns gesorgt ist, dass auch morgen die Sonne aufgehen wird und wir Brot auf dem Tisch haben und wir mit unseren Kräften und Möglichkeiten uns die nötigen Mittel zum Leben verschaffen können. Das geht so, Tag für Tag, seitdem wir auf der Welt sind, bis wir eines Tages auch zu seinen Toten gehören, die leben werden und die ausruhen von ihren Mühen (Lehrtext).

Gebet: Gott, du bist Herr über uns Lebende und unsere Toten. Beide gehören wir dir in Zeit und Ewigkeit. Du überlässt uns nicht einer dunklen Schicksalsmacht. Du überlässt uns nicht dem Nichts. Du überlässt uns nicht uns selbst. Sondern du kümmerst dich um uns und sorgst dafür, dass wir in dir geborgen sind. Darum vertrauen wir uns dir an im Leben und im Sterben. Darum hoffen wir auf dich auch für die, die uns vorausgegangen sind und denen auch wir einmal nachfolgen werden. Du hast uns alle ins Leben gerufen. Du rufst uns auch wieder alle zu dir, wo alles begonnen hat und alles vollendet wird. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 16. November 2017

Warum mich Weihnachten tröstet hl

LosungNationen werden zu deinem Licht gehen und Könige zu deinem strahlenden Lichtglanz. Jesaja 60,3

 LehrtextEs werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. Lukas 13, 29+30

Liebe Leserin, lieber Leser,

der strahlende Lichtglanz von Jerusalem, um den es in der Losung geht, ist Gott selbst. Doch der Schöpfer von Himmel und Erde ist kein Lokal- und Nationalgott. Er ist universell, überall zugleich. Darum heißt es am Anfang des Johannesevangeliums von Jesus: »Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben.« 
     In ihm sehe ich den "strahlenden Lichtglanz" Gottes. In ihm begegnet mir Gott selbst, wo ich auch bin, ob in Sommersdorf oder Jerusalem, in San Francisco oder Timbuktu, in Murmansk oder in Kapstadt. Bei seiner Geburt, so erzählt es die Weihnachtsgeschichte, nahmen ihn die Menschen nicht auf. Da kam er bei den Tieren zur Welt. Nicht im Königspalast, sondern im Stall. Und er lag nicht in einer goldenen Wiege, sondern in einem schäbigen Futtertrog. Und es duftete nicht nach Balsam und Weihrauch, sondern stank gottserbärmlich nach der Pisse von Ochs und Esel. Mitten in einer Mistlache stand damals die Krippe. Da kam, da kommt der strahlende Lichtglanz zu uns Menschen. 
     Zu denen zuerst, die, hungrig und zerlumpt, nicht besser leben als ihre Tiere, zu Schafhirten und Viehtreibern. Die sonst immer die Letzten sind, die auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter stehen, die weit weg sind von Tempel und Palast, von Kirche und Politik, - die sind bei Gott plötzlich die Ersten unter allen Menschen, die Ersten, denen das Evangelium gilt: »Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch (!) große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr«. Das tröstet auch mich. Denn nun weiß ich: Ich kann nicht tiefer sinken als in sein Herz. Ich kann nicht tiefer fallen als in seine Hand. 
     Diesen Gott liebe ich, weil er mein Herz berührt. Ich würde ihn nicht lieben, wäre er zuerst der Gott der Reichen und Schönen, der Mächtigen und der Stars, der Päpste, Bischöfe und Pfarrer. Ein solcher Gott könnte mir gestohlen bleiben. Weil er sich aber zuerst der Letzten erbarmt hat, der rohen und verwahrlosten Hirten, Menschen der untersten Schublade, kann ich darauf vertrauen, dass er sich auch meiner erbarmt, dass er mich genauso wenig vergisst wie sie, was auch immer mit mir geschieht. Und auch derer, die jetzt die Ersten sind, wird er sich erbarmen. Denn hinter den schönsten Fassaden wohnen oft die ärmsten Menschen.
     Und dann werden wir einmal alle zusammen sein: Die Letzten und die Ersten, Asiaten und Europäer, Afrikaner und Amerikaner, Arme und Reiche, du und ich... Wir alle, die wir seine Einladung angenommen haben, werden an seinem Tisch sitzen und das Fest der Erlösten feiern. Und die anderen? Die auch!

Gebet
Du kannst nicht tiefer fallen
als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen
barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade
durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade
trotz aller unserer Not.

Wir sind von Gott umgeben
auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben
und sein in Ewigkeit. (Arno Pötzsch)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 15. November 2017

Was ist dein Gott? hl

LosungEuer Herz sei ungeteilt bei dem HERRN, unserm Gott. 1.Könige 8,61

LehrtextWer dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm. 1.Korinther 6,17 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist dein Gott? Das, woran dein Herz hängt, schreibt Martin Luther in seinem Großen Katechismus. Nun, mein Herz hängt auch an meiner jüngsten Enkeltochter. Deshalb ist sie aber nicht mein Gott. Darum möchte ich sagen: ‚Mein Gott ist, worauf ich bedingungslos und ganz und gar vertraue.‘ Das kann schon mal nicht sein, was in dieser Welt und Zeit ist und genauso unvollkommen und vergänglich wie ich es bin. Das kann kein anderer Mensch sein und nicht Geld und Besitz und erst recht nicht ich selbst. Zu alledem kann ich nur ein begrenztes Vertrauen haben. 
     Also ist doch Gott mein Gott? Ja schon. Aber vertraue ich ihm wirklich bedingungslos? Vertraue ich ihm ganz und gar? Ich bin mir da nicht so sicher. Ich weiß doch, dass ich kein so großer Glaubensheld bin. Im Augenblick - ja da kann ich sagen „mein Herz hängt an ihm“. Das kostet mich nichts. Deswegen werde ich nicht verfolgt oder anderweitig benachteiligt. Und außerdem geht's mir zur Zeit ganz gut, da kann ich freilich uneingeschränkt sagen „ich hänge an ihm“. Aber wenn sich die Zeiten ändern? Wenn die Winde rauer wehen, mir ins Gesicht?
     Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht auf ein stolzes Bekenntnis zu Gott festnageln lassen. Aber er hat sich in Jesus zu mir bekannt und sich darauf festnageln lassen im wahrsten Sinn des Wortes. Er hat sein Herz ungeteilt bei mir (vergleiche Losung). Er hängt an mir mehr noch als ich an meinen Kindern. Doch er ist nicht eines Geistes mit mir (vergleiche Lehrtext). Sein Geist ist nicht wankelmütig, sondern treu. Sein Geist wird nicht getrübt durch Enttäuschung, Zorn oder Schuld. Sein Geist ist hell und klar:

Gebet:
Du bist ein Geist der Freuden,
Von Trauern hältst du nichts,
Erleuchtest uns im Leiden
Mit deines Trostes Licht.
Ach ja, wie manches Mal
Hast du mit süßen Worten
Mir aufgetan die Pforten
Zum goldnen Freudensaal.

Du bist ein Geist der Liebe,
Ein Freund der Freundlichkeit,
Willst nicht, dass uns betrübe
Zorn, Zank, Hass, Neid und Streit.
Der Feindschaft bist du feind,
Willst, dass durch Liebesflammen
Sich wieder tun zusammen,
Die voller Zwietracht seind. (Paul Gerhardt, 1653)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Martin Luther hat es so gesagt: »Einen Gott haben«, so schreibt er zum ersten Gebot, »heißet etwas haben, darauf das Herz gänzlich vertraut.« Denn dieses «Gebot fordert: das ganze Herz des Menschen und alle Zuversicht auf Gott allein zu setzen und auf niemand anders.«

Dienstag, 14. November 2017

Von Sternguckern, Galaxien und Wahrheit hl

LosungEs sollen hertreten und dir helfen die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt. Jesaja 47,13-14 

LehrtextIch habe keine größere Freude als die, zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln. 3.Johannes 1,4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du neugierig? Kannst das ruhig zugeben. Ist erstmal nichts Schlechtes. Die Neugier treibt uns Menschen seit vielen Jahrtausenden an, die Welt zu erforschen, unser Wissen zu erweitern und neue Möglichkeiten zu erschließen. So weit, so gut. Zur Neugier gehört auch, wissen zu wollen, was die Zukunft bringt. Auch das ist verständlich. Aber problematisch wird es, wenn wir dabei in die Esoterik abgleiten. Das jedenfalls sagt das heutige Losungswort. Denn Astrologie im Sinne von Wahrsagerei [nicht zu verwechseln mit Astronomie, der Wissenschaft vom Universum] bringt nichts, höchstens den Sternguckern, die daran verdienen. 
     Aber was sollen die circa 300 Milliarden (!) Sterne allein in unserer Milchstraße (1) , diese glühenden Gasbälle mir schon sagen? Und was die Sterne in den mehr als eine Billion beobachtbaren Galaxien im Universum, ganz zu schweigen von den zusätzlich 90 Prozent Galaxien, die nicht beobachtbar sind? Unsere Zukunft, sagt die Bibel, ist Gott. Er hat mir etwas zu sagen. Er ist der Herr über Zeit und Ewigkeit. In seiner Hand steht auch meine Lebenszeit.
     Wahrheit statt Wahrsagerei - darum geht es im Lehrtext. Die Wahrheit über Gott und die Welt und damit auch über mich erfahre ich durch Jesus Christus. Er, so sagt es das Evangelium, ist diese Wahrheit. Er hat nicht große Sprüche gemacht, sondern uns Menschen Gottes Liebe gebracht und dafür sein Leben gegeben. Denn wahr ist nur, was in Liebe geschieht. Alles andere ist wirklich. In dieser Wahrheit kann ich unter, genauer, in seinem Sternenhimmel leben (wandeln) und du auch.  

Gebet: Herr, was sein wird - du allein weißt es. Ich aber lebe jetzt. Und jetzt will ich dir vertrauen. Jetzt deine Freundlichkeit weitergeben so gut ich kann und dich damit ehren. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

(1) "Milchstraße" ist der Name unserer spiralförmigen Heimat-Galaxie. Eine Galaxie ist eine durch die Schwerkraft gebundene Ansammlung von Sternen (= Sonnen) und ihren Planeten sowie von Gasnebeln. 

Unsere Sonne ist ein mittelgroßer Stern. Für einen Umlauf um das Zentrum der Milchstraßen-Galaxis benötigt sie 220 bis 240 Millionen Jahre bei einer Geschwindigkeit von 961.200 km/h. Während du diese Zeilen liest, rast du also mit der Erde mit einer Geschwindigkeit von 108000 km/h um die Sonne und mit der Sonne mit fast einer Million Stundenkilometern durch die Milchstraße und mit der Milchstraße im Supercluster der lokalen Gruppe mit zwei Millionen Kilometern pro Stunde durch das Universum. Suchst du schon mal den Sicherheitsgurt?

Montag, 13. November 2017

Beten mit der Badewanne hl

LosungDie Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! Psalm 25,17 

LehrtextDer Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. Philipper 4,7 

Liebe Leserin, lieber Leser,

letzte Woche in der U-Bahn fuhr die Angst mit. Man sieht sie den vielen Menschen, die da auf kleinem Raum zusammen sind, nicht unbedingt an. Die meisten schweigen, starren auf ihr Handy oder schauen ausdruckslos aus dem Fenster. Aber in jedem Wagen fahren Männer und Frauen mit, die vom Arzt eine schlechte Nachricht bekommen haben, deren Partnerschaft auf der Kippe steht oder die aus der Wohnung raus müssen. Ihr Arbeitsplatz ist nicht sicher oder sie haben mit dem Chef oder den Kollegen große Probleme. Sie machen sich Sorgen um  Angehörige oder um ihre finanzielle Situation. Und dann sind da noch die, denen der Klimawandel und seine Folgen Angst macht oder die politische Situation wie Terror und Kriegsgefahr... Auch wer an Gott glaubt, kann Angst haben wie jener Mensch in der heutigen Losung.
     Großenteils sind die Ängste berechtigt und lösen sich nicht so ohne weiteres in Luft auf. Aber ich bin ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Die beiden Bibelworte heute enthalten zwei Mittel ihnen beizukommen. 
     Das eine ist, Gott meine Angst zu sagen, möglichst genau, und ihn zu bitten, mich da herauszuholen (Losung). Und das andere, mich mit dem Wort aus dem Lehrtext segnen zu lassen, mit dem Frieden Gottes. Beide sind je eine Seite derselben Medaille, der Goldmedaille des Gottvertrauens. Um sie zu gewinnen, mache ich mir bewusst, dass Gott auch in meinen Ängsten bei mir ist. Und wie? Indem ich zum Beispiel mit der Badewanne bete.
     Normalerweise dusche ich lieber. Aber als ich neulich spät abends vom Schreibtisch aufgestanden bin, habe ich erst gemerkt, dass ich ganz ausgekühlt war. Da habe ich mir eine Badewanne eingelassen, um wieder warm zu werden. Es war einfach wunderbar, bis zum Kinn im Wasser zu liegen und zu spüren, wie die Wärme in den Körper kam. Und dann sagte ich unwillkürlich:

Gebet: Herr, wie dieses Wasser, so umgibst du mich von allen Seiten. In deiner Gegenwart kann ich mich entspannen. Deine Liebe wärmt mich und durchdringt mich und vertreibt die kalte Angst. Bleibe bei mir. In dir bin ich geborgen. Amen

Als ich dann im Bett lag, habe ich noch die wohlige Wärme des Badewassers in mir gespürt. Schnell habe ich noch mit dem Daumen ein kleines Kreuz über meinem Herzen gemacht und bin "bewahrt im Frieden Gottes(Lehrtext) eingeschlafen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 12. November 2017

Zurechtweisen, aber wie? hl

LosungDu sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. 3.Mose 19,17

LehrtextWeist die Nachlässigen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig mit jedermann. 1.Thessalonicher 5,14 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mal ehrlich, möchtest du von jemandem zurechtgewiesen werden? Von deinen Eltern, deinem Partner, deinem Chef? Ich nicht. Mir gefällt das Wort „zurechtweisen“ nicht. Gut, wenn jemand der Meinung ist, aus irgendwelchem Grund mit mir unzufrieden zu sein, dann kann er ja mit mir darüber reden und sagen: „Ich verstehe nicht, warum du das und das gesagt oder getan hast“. Dann kann ich mich dazu verhalten. Aber wenn einer kommt und herumkritisiert: ‚Das hast du falsch gemacht, da hast du dich daneben benommen, du hast versagt …‘ – wenn mir jemand so kommt, mache ich zu und lass mir auch nichts sagen. Ich frage mich dann und manchmal auch ihn: ‚Wer bist du, dass du so mit mir redest? Bist du denn vollkommen? Wie steht's mit dem „Balken in deinem Auge“ (Matthäus 7,3-5) und dem Glashaus, in dem du sitzt?‘
     Andererseits ist Schweigen auch keine Lösung, wenn etwas geschieht, womit ich nicht einverstanden sein kann. Aber immer gilt der Grundsatz: „Der Ton macht die Musik“. Das gilt erst recht für denjenigen, der in der stärkeren Position ist und einen Schwächeren kritisiert. Einfach unkontrolliert losbrüllen und seinen Emotionen freien Lauf lassen, ist zumeist die schlechteste Variante. Leider platzt auch mir manchmal der Kragen, wenn meine jüngeren Kinder überhaupt nicht mehr vom Smartphone aufschauen und zuhören, wenn ich ihnen etwas zu sagen habe. Aber stolz bin ich nicht darauf. Doch wenn die Schwächeren bei den Starken und Mächtigen kein Gehör finden, haben sie meines Erachtens das Recht, auch mal richtig laut zu werden.
     Am Schluss des heutigen Lehrtextes steht, was an erster Stelle stehen sollte, wenn man sich mit jemandem auseinandersetzt: »Seid geduldig mit jedermann!« Das gilt meines Erachtens umso mehr, weil Gott doch auch mit mir geduldig war und ist. Was mir aber an der Losung gefällt, ist, dass ich mich nicht im Hass von meinem Bruder abwenden, sondern mich mit ihm auseinandersetzen soll, um zu klären, was die Beziehung stört. Und was mir am Lehrtext gefällt, ist, dass er uns Christen einen Auftrag gibt, den wir der ganzen Gesellschaft zumuten sollten: „Tragt die Schwachen!“ Wir können das nicht nur an die sozialen Einrichtungen delegieren. Jeder ist aufgerufen, ob von der Bibel oder von seinem sozialen Gewissen, dazusein und anzupacken, wenn Not am Mann und an der Frau ist. 

Gebet: Herr, von dir lasse ich mir gern etwas sagen, weil ich weiß, dass mir das zum Besten dient. Ich will nicht orientierungslos durchs Leben irren, sondern auf den Weg schauen, den du zeigst. Gib mir aber auch die nötige Geduld mit meinen Mitmenschen, weil doch auch du Geduld mit mir hast. Gib mir Kraft, sie, wenn nötig, zu tragen, weil auch du mich trägst. Gib mir die Bereitschaft, sie bei Bedarf zu trösten, weil auch du mich tröstest. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Das passende Zitat: 
»Unruhestifter zurechtweisen, Kleinmütige trösten, sich der Schwachen annehmen, Gegner widerlegen, sich vor Nachstellern hüten, Ungebildete lehren, Träge wachrütteln, Händelsucher zurückhalten, Eingebildeten den rechten Platz anweisen, Streitende besänftigen, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Gute ermutigen, Böse ertragen und – ach – alle lieben.« Aurelius Augustinus (354-430), Bischof von Hippo

Samstag, 11. November 2017

Feuermauer hl

LosungIch selbst will, spricht der HERR, eine feurige Mauer rings um Jerusalem her sein. Sacharja 2,9

LehrtextJesus spricht: Die Pforten der Hölle sollen meine Gemeinde nicht überwältigen. Matthäus 16,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 29. Mai 1453 eroberten die Muslime die christliche Stadt Konstantinopel, das heutige Istanbul. Lange hielten ihre mächtigen Mauern dem Ansturm der Türken stand. Aber dann war es die "Kerkoporta" eine kleine, vergessene Tür, durch die die Eroberer eindrangen und ein furchtbares Blutbad anrichteten. Stefan Zweig hat dieses Ereignis in seinem Buch „Sternstunden der Menschheit“ anschaulich beschrieben und daran erinnnert, wie damals das christliche Europa Konstantinopel schmählich im Stich gelassen hat.
     In der heutigen Losung sagt Gott durch den Propheten Sacharja, dass er „eine feurige Mauer rings um Jerusalem“ sein will, unüberwindbar für jeden äußeren Feind. Doch Jerusalem ist seitdem mehrfach erobert worden. Seine Mauern wurden geschleift, seine Paläste und schließlich auch der Tempel zerstört. Die Juden haben gegen den Rat des Propheten wieder Schutz hinter selbst gebauten Mauern aus Stein gesucht, die ihnen dann doch nichts geholfen haben, so wie auch die meisten Städte in früherer Zeit trotz ihrer Mauern erobert und zerstört wurden. Nicht nur Jerusalem, auch Konstantinopel, auch Rom - die ehemaligen Hauptstädte der Christenheit. Auf Gott allein wollte man sich lieber doch nicht verlassen. Und was hat's genützt?
     Ich kenne mich in militärischen Angelegenheiten nicht aus. Aber ich kenne mich einigermaßen in mir aus und weiß: Wenn ich mich in allem nur auf mich selbst verlasse, auf meinen Verstand, auf meine Kraft, auf meine Möglichkeiten, dann bin ich verlassen. Eine gewisse Zeit mag ich den Widrigkeiten des Lebens widerstehen. Aber dann? Manchmal schaue ich mit gemischten Gefühlen auf das, was in meinem Leben möglicherweise noch passieren könnte. Und dann taucht die Frage auf: Wie wird es sein, wenn ich einmal alt bin? Und wie wird das dann mit dem Sterben sein? Gut, dass ich es nicht weiß.
     Mir hilft bei alledem das Bild, dass Gott selbst eine feurige Mauer sein will. Ich bin so frei und nehme sein Versprechen persönlich. Er soll um mich eine solch unüberwindbare Mauer sein, die mich vor dem Ansturm des Bösen schützt. Und ich hoffe auch, dass er das tun wird. Wenn da nur nicht die "Kerkoporta" wäre, jene kleine vergessene Tür, durch die das Unheil in mein Herz dringen kann. Was nützt mir Gottes Feuermauer, wenn ich nicht auch auf mich selbst achte, auf die "undichte Stelle" meines Herzens, in die sich die negativen Gedanken und Gefühle einschleichen können? Vermutlich bin ich von innen mehr bedroht als von außen. Gegen andere Menschen kann ich mich wehren. Aber gegen mich selbst? Ich muss auch auf mich selbst aufpassen und dem Bösen widerstehen.
     Seiner Gemeinde gibt Jesus die  Zusage, dass „die Pforten der Hölle“, also die Macht des Todes sie nicht zerstören wird. Zu seiner Gemeinde gehören alle, die vor uns geglaubt haben, die ihm jetzt vertrauen und die das in künftigen Zeiten tun werden. In ihr sind wir vereint mit unseren Vorfahren, mit unseren Mitmenschen heute und denen, die nach uns kommen werden. Jesu Gemeinde ist mehr als jede in der Zeit existierende Kirchengemeinde. Sie ist seine Schar in Zeit und Ewigkeit, geschützt von Gott mit einer Mauer aus dem Feuer seiner Liebe. 

Gebet: Herr, sei du eine solche Mauer für mich, dass ich mich bei dir sicher und geborgen fühlen kann. Das bitte ich dich für alle, die auf dich vertrauen, für alle, die dir gehören. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr