Dienstag, 6. Januar 2026

Anders sehen hl

Gott wird sichtbar

Liebe Leserin, lieber Leser, 

unsere katholischen Glaubensgeschwister feiern heute den „Dreikönigstag". Und die evangelischen Christen? Für uns heißt dieser Tag „Epiphanias”, auf Deutsch: „Erscheinung” (des Herrn). In einem Satz: Gott ist in Jesus sichtbar geworden (erschienen) nicht nur für die Juden damals, sondern genauso für uns heute und alle Welt. Damit zeigt er sich, zeigt, wer und wie er ist:

Er führt nicht Krieg gegen uns Menschen, sondern bringt uns mit Jesus seinen Frieden. 
Er droht nicht, sondern hilft. 
Er straft nicht, sondern verzeiht. 
Er spaltet uns Menschen nicht in die Guten und die Bösen, nicht in die, die vorgeben richtig zu glauben und in die anderen. 
Er ist keine undurchschaubare, launische Macht, der wir ausgeliefert wären. 
Er ist der Gott der Liebe für dich und mich - und die andren auch. Ja, auch für sie.

So will er gesehen und geglaubt werden. Und deshalb zeigt er sich in Jesus, in dessen Worten, Taten und Leben.

Epiphanias bedeutet für mich aber auch einen Unterschied: 
Da sich Gott in Jesus zeigt, habe auch ich die Chance, ihn anders zu sehen. Aber nicht nur ihn, sondern auch mich, meine Mitmenschen und seine Schöpfung. Ich könnte anders sehen als andere und verstehen, was es im Licht des Glaubens bedeutet.

Ein Beispiel:
Zwei gehen in der Wintersonne unter blauem Himmel spazieren. Beide genießen dieses Erlebnis und freuen sich. Aber der eine von beiden sieht anders. Er sieht das stille Wirken des gütigen Gottes. Er sieht es in der riesigen Sonne und im winzigen Schneekristall ... Er erlebt das als Geschenk und ist dankbar.

Und darum wird mir an Epiphanias wieder bewusst: 
Als Mensch lebe ich nicht glaubenslos auf die Welt fixiert. Ich muss nicht nur mit meinesgleichen reden oder Selbstgespräche führen. Als Geschöpf und Kind Gottes habe ich die Möglichkeit, mit ihm im Gespräch zu bleiben. Er wird es nicht abbrechen. Wem sonst als ihm kann ich alles sagen, wirklich alles? Wem sonst kann ich klagen, was mich schmerzt und was mich freut? Er kennt ja das unsagbare Menschenleid, kennt Verzweiflung und Todesangst. Ist da selbst hindurchgegangen. Und er kennt das Glück der Menschen, unsere Freude und Dankbarkeit.

So wäre ich über das, was ich neu sehe und erkenne mit Gott im Gespräch. Aber nicht mit irgendeiner anonymen höchsten Macht, sondern mit dem, der sich in Jesus zeigt, 
So müsste ich, was ich erlebe, nicht nur mit mir selbst ausmachen. Ich könnte ihm sagen, was mich bewegt und er würde den Sturm in mir stillen. *
Ja, als sein Geschöpf und Kind habe ich dazu die Möglichkeit. Werde ich sie ergreifen? Nicht nur heute, sondern auch morgen noch?

Gebet: Herr, das wünsche ich mir, dass die Verbindung mit dir nicht abreißt. Und wenn sie unterbrochen ist, weil ich mit meinen Gedanken und Gefühlen ganz woanders bin, dass du dann die Unterbrechung reparierst. Schenke mir und allen anderen die Gnade, dich in Jesus zu erkennen und dir zu vertrauen. Denn was soll ich schon mit einem Leben ohne dich? Amen

Herzliche Grüße und eine gesegnete, friedvolle Epiphaniaszeit.

Ihr / dein 

Hans Löhr 

* siehe Lehrtext zum Epiphaniasfest:  „Jesus sagt zu den Jüngern: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?, und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; und es ward eine große Stille.” Matthäus 8,26

Sonntag, 4. Januar 2026

Stern über Bethlehem hl

Lichtblick-Gottesdienst am 4. Januar 2026

Begrüßung:

Gottes Segen zum neuen Jahr, liebe Freunde. Schön, euch nach langer Zeit wiederzusehen, seit ich das letzte Mal hier gepredigt habe. Viele von euch sind mir vertraut. Und etliche sind in den letzten Jahren neu zur Lichtblick-Gemeinde hinzugekommen. Ich denke, wir alle können dankbar sein, dass dieser Gottesdienst so viele Jahre nach seiner Gründung weitergeht vor allem dank der vielen Ehrenamtlichen, die ihn tragen.

Aber ich will heute noch kurz auf die augenblickliche Situation in der Welt eingehen. Vielen macht Angst, dass seit gestern auch das US-Militär unter Trump mitten in der Nacht ein anderes Land überfällt, den Präsidenten fesselt und ihn gewaltsam entführt. Wieder wird das Völkerrecht gebrochen, wie es schon Putin in der Ukraine getan hat. Wieder wird der internationalen Ordnung schwerer Schaden zugefügt. Wir wissen nicht, was das in Zukunft für uns alle bedeutet. Kein Wunder, dass viele tief besorgt sind.

Aber, liebe Freunde, aber: wir feiern trotzdem in den Gottesdiensten weiterhin unseren Glauben und leben ihn: öffentlich und zu Hause. Denn trotz allem Kriegsgeschrei gilt, was bisher schon gegolten hat: "Die Herren dieser Welt gehen. Unser Herr aber kommt." An diesen Bekenntnis lasst uns festhalten.

Und jetzt beginnen wir gemeinsam im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und singen das erste Lied.


Lied: Stern über Bethlehem


.....


Predigt:

Liebe Freunde,

ich nehme an, dass ihr in der Weihnachtszeit zu Hause Sterne aufgehängt habt, zum Beispiel am Christbaum oder an den Fenstern. Auch in den Geschäften der Städte und Dörfer hängen überall  Sterne. Worauf sie hinweisen und was sie uns sagen, will ich nun erzählen:


Noch zwei Tage sind sie unterwegs, die drei Könige, zwei Tage bis zum 6. Januar. Aber das wissen sie noch nicht. Und ebenso wenig wissen sie, wo ihre lange Reise endet, und schon gar nicht, was sie dort erwartet.

Sie wissen auch nicht, dass sie einen falschen König suchen am falschen Ort, einen neugeborenen Prinzen im Palast des Königs Herodes in Jerusalem. 

Denn sie sehen den Stern nicht mehr, denn sie haben aufgehen sehen und haben die Orientierung verloren. 


Und wir? Wissen wir mehr?

Wissen wir so genau, was wir im Leben suchen? Und wenn wir gefunden haben, was wir wollten, hat es sich dann gelohnt? Oder klopfen auch wir, wie jene Könige, an der falschen Tür? Weil wir wohl alle meinen: was groß und mächtig ist, sei verehrungswürdig und wertvoll. Das muss doch irgendwie oben sein, über uns, etwas, zu dem wir aufblicken können.


Die drei Könige müssen weiterwandern, nach dem kleinen Dorf Bethlehem, wohin sie Herodes und seine Berater schicken. Da sehen sie zu ihrer Freude den Stern wieder. Doch zu ihrer Überraschung steht er über einem windschiefen Stall. 


Und der neugeborene König? Weit und breit kein Palast. Nichts, wozu man ehrfürchtig aufblicken könnte. Stattdessen müssen sie sich bücken, um durch die kleine Stalltür zu kommen. 

Sie sehen auch da keine goldenen Wiege, sondern einen Futtertrog. Darin ein Kind armer Leute. Davor knien Hirten, raue Gesellen in Lumpen.

Die drei Könige stellen sich hinten an und dann knien sie mit ihnen. Und draußen vor der Tür stehen wir. Wollen wir rein? Auch wir müssten uns demütig bücken, wenn wir in den Stall wollen zum Kind. Auch wir müssten knien vor dem, der alle Welt erhält und trägt, alle Welt! Hirten und Könige, mich und dich. Will ich das? Und du?


An diesem elenden Ort, in diesem hilflosen Kind zeigt sich Gott, so erzählt es Lukas. Da lässt er sich finden von dir und von mir - unten, ganz unten:


Großer Herr und starker König,

liebster Heiland, o wie wenig

achtest du der Erden Pracht!

Der die ganze Welt erhält,

ihre Pracht und Zier erschaffen,

muss in harten Krippen schlafen.  


Diese Wahrheit, liebe Freunde, lässt sich nicht in nüchternen Glaubenssätzen  sagen. Sie leuchtet aus den wunderbaren Bildern der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas und klingt im Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach.


Diese Wahrheit, liebe Freunde, lässt uns alles in einem anderen Licht sehen: 

Der unfassbare und heilige Gott in der Höhe wird Mensch, bekommt ein Gesicht, eine Stimme und einen Namen: "Jesus", auf Deutsch: "Gott hilft".


So kommt er auf die Erde. Aber nicht zuerst zu Königen, Stars und Präsidenten. Nicht zuerst zu Bischöfen und uns Pfarrern. Auch nicht zu den Frommen. Zuerst kommt Gott in dem Jesuskind zu denen, die ganz unten sind, am Rand der Gesellschaft, zu Hirten, die damals nichts galten. Ihnen erscheint der Engel und sagt: "Füchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr." 


Und was ist mit den anderen, mit den Bürgern in ihren festen Häusern in Bethlehem bei uns? Was ist mit allen anderen und mit dir und mit mir?  

Gott sei Dank sagt der Engel auch: "Ich verkündige Freude, die allem Volk widerfahren wird". Allen, den Armen zuerst, aber auch den Reichen. Den Machtlosen zuerst, aber auch den Mächtigen. Den Kranken zuerst, aber auch den Gesunden. Den Unglücklichen zuerst, aber auch den Unbeschwerten. Den Sündern zuerst, aber auch den Frommen. 

Sie alle sollen mit dem Kind in der Krippe Freude erfahren. Auch die, die nicht mehr glauben, hoffen und lieben können. Doch zuerst kommt Gott zu denen ganz unten, um allen zu zeigen: Gerade sie sind meine Kinder. Doch ihr anderen gehört auch dazu.


Im Licht des Sterns über Bethlehem werden wir, was wir in Gottes Augen längst sind: seine Kinder. Und das, liebe Freunde, wollen wir allen zugestehen. Denn wer bereit ist, auch im anderen ein Kind Gottes zu sehen, ist selbst eins.


So lässt mich die Weihnachtsgeschichte Gott und die Welt und auch dich und mich in einem neuen Licht sehen, im Licht seiner Liebe. Denn der Stern von Bethlehem steht auch über unserem Leben. 

Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam dem Stern folgen. Wer weiß, vielleicht finden wir dann nicht nur den Stall, sondern den, der uns gefunden hat: Jesus, den guten Hirten, der gekommen ist, uns zu suchen und zu finden, damit keiner verloren sei.


[HL: tritt vor die große Holzkrippe (mit Kerze) und spricht den ersten Vers:]


Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und lass dir’s wohlgefallen.


Alle singen noch einmal Vers 1:


Ich steh an deiner Krippen hier ...

Mitarbeiter/in 1: Ja, Jesus, ich gehöre dir. Nimm mich an so wie ich bin mit meinen guten und schwierigen Seiten, mit meinen Glauben und meinen Sorgen.


Alle singen Vers 2:


Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.


Mitarbeiter/in 2: Und du, Jesus, willst mir gehören. Du bist damals in Bethlehem auch zu mir auf die Welt gekommen. Und heute liegst du für mich in der Krippe und zeigst mir Gottes Liebe.


Alle singen Vers 3:


Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht’,
wie schön sind deine Strahlen.


Mitarbeiter/in 3: Was wäre ich ohne dich? In meinen schweren Zeiten warst du meine Kraft. In meinen dunklen Stunden warst du meine Sonne. Du hast mich wieder froh gemacht und in mir den Glauben geweckt. Du bist auch morgen für mich da.


Alle singen Vers 4:


Eins aber, hoff ich, wirst du mir,

mein Heiland, nicht versagen,

dass ich dich möge für und für

in meinem Herzen tragen.

So lass mich doch dein Kripplein sein;

komm, komm und lege bei mir ein

dich und all deine Freuden.


Mitarbeiter/in 4: Komm, Herr, zu mir. Komm jetzt und bleibe  bei mir, was auch  geschieht. Wohne in mir mit deiner Freude und schenke mir und der Welt deinen Frieden.


HL: Also, liebe Freunde, möge der Stern von Bethlehem mit dir in das neue Jahr wandern und dich immer wieder an seine Botschaft erinnern. Und vielleicht behältst du nach dieser Zeit einen Stern vom Weihnachtsschmuck in deiner Wohnung und hängst ihn über dein Bett. Dann kann er dir, sooft du ihn siehst, sagen:„Gott ist da, in Jesus. Er hilft dir und tröstet dich.”


GW zu HL: „Und du, ja du, und ihr alle seid seine Krippe.”


HL: So sei es. Amen

.....

Donnerstag, 1. Januar 2026

Was bleibt hl

Bibelwort zum Neujahrstag:

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Hebräer 13,8

Liebe Leserin, lieber Leser,  

alles ändert sich. Alles. 

Das ist eine Binsenweisheit. Und trotzdem hänge ich an dem, was mir lieb und teuer ist und möchte keine großen Veränderungen. Denn das Neue ist ungewohnt und bringt neue Herausforderungen mit sich. 

Als ich noch jünger war, hat mir das nicht so viel ausgemacht. Aber inzwischen fällt es mir schwerer, mich darauf einzulassen.

Alles ändert sich. Wirklich? Ja. Nicht nur die Zeiten ändern sich, nicht nur ich selbst ändere mich – ob ich will oder nicht. Auch die ganze Schöpfung ändert sich fortwährend. Ständig  entstehen in unserer Milchstraßen-Galaxie und in den Milliarden anderen Galaxien neue Sonnensterne mit neuen Planeten. Und wenn ihr atomares Feuer ausgebrannt ist, vergehen sie wieder. 

Nichts ist ewig. Nichts bleibt. Das Leben nicht, die Erde nicht, die Sonne nicht. Und irgendwann auch das gesamte Universum nicht.  Nichts ist ewig. Nichts bleibt. Bis auf einen: Gott, der sich uns in Jesus gezeigt hat. 

Von ihm heißt es in der Bibel: „Gott ist Liebe. - Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Gedicht:

Der Mensch lebt und bestehet
Nur eine kleine Zeit;
Und alle Welt vergehet
Mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig und an allen Enden,
und wir in seinen Händen.

Claudius Matthias (1740 - 1815)

Gebet: Herr, ja wir sind in deinen Händen geborgen, ob wir das glauben oder nicht. Und wir bleiben da, auch wenn wir von dieser Erde wieder gehen müssen. Denn du bist ein Gott des Lebens, wie es Jesus verkündigt hat. Du zerstörst nicht, sondern rettest und schaffst neues Leben, wie es uns verheißen ist. Amen

Herzliche Grüße und ein gesegnetes neues Jahr. 

Ihr / dein 

Hans Löhr