Sonntag, 30. November 2025

Mein König hl

Liebe Leserin, lieber Leser, 

was Jesus dir bedeutet, weiß ich nicht. Aber was er mir bedeutet, will ich dir mit wenigen Worten sagen. Und das sind zunächst nicht meine eigenen Worte, sondern Sätze aus dem Buch des Propheten Sacharja. In ihnen steht das Bibelwort für die erste Adventwoche:

9Du,Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10Denn ich will die Wagen (heute: Panzer) vernichten in Ephraim und die Rosse (heute: Kampfjets) in Jerusalem, und der Kriegsbogen (heute: das Gewehr) soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sacharja 9,9+10. Wochenspruch 9,9b)

In diesen Worten hat sich Jesus wiedererkannt. Und damit die Menschen damals das nicht nur von ihm hörten, sondern ihn auch so sehen konnten, hat er sich auf einen Esel gesetzt und ist nach Jerusalem hineingeritten als König des Friedens. Daran erinnert uns das Evangelium, heute, am ersten Advent.

Er kam nicht auf einem Schlachtross mit dem Schwert in der einen und dem Geldsack in der anderen Hand. Ja, so hätten ihn damals viele gerne gesehen. So möchten ihn zu viele auch heute noch sehen. 

Er kam auf seine Weise nach Jerusalem, nicht um zu erobern, sondern Gottes Willen für uns zu erfüllen. Er blieb uns treu bis in den Tod und liebte seine Freunde und Feinde. Er kam, nicht um zu strafen; nicht um zu verdammen. Er kam und kommt nicht, um sich gewaltsam zu rächen. Der „Heiland aller Welt zugleich” kommt, um zu vergeben und zu versöhnen. 

Das klingt vielleicht harmlos, war es aber nicht. Dafür hat man ihn umgebracht. Denn er widersprach den Autoritäten: „Ich aber sage euch: liebet eure Feinde!” Er hatte seine eigenen Gesetze und forderte so die Mächtigen heraus. Er war ihr Gegenbild. 

Auch wir heute können neu sehen, worauf es Gott ankommt: nicht auf Geschäftemacherei mit dem Glauben in Tempel und Kirche; nicht auf Macht und Geld; nicht auf Gewalt; nicht auf das Wohl der Wenigen zu Lasten der Vielen; nicht auf religiöse Überheblichkeit.

Er sah in den Menschen, er sieht in uns allen, was uns verbindet über alle Unterschiede hinweg. Ausnahmslos alle sind wir zuerst die liebesbedürftigen Kinder des Vaters im Himmel. Nicht „Alle Menschen werden Brüder", wie Schiller sagt. Denn wir sind bereits Brüder und Schwestern, Geschwister Jesu, Gottes Kinder. Von ihm haben alle die gleiche Menschenwürde. Jetzt kommt es darauf an, auch zu leben, was wir sind.

Er sah die Kinder Gottes in den Armen und Reichen, in den Migranten und Einheimischen, in Kranken und Gesunden, Frauen und Männern, Kindern und Erwachsenen, Freien und Knechten, Frommen und Gleichgültigen, in den Juden und Samaritern, Griechen und Römern, - Israelis und Palästinensern, Russen und Ukrainern. Er sah die Kinder Gottes in denen, die sich bemühen, anständig zu sein. Aber in den anderen auch. 

Er sah, wie Gott uns alle sieht. Wie er dich sieht in diesem Augenblick. Er sieht uns alle als Menschen, die seine Liebe brauchen.

Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist es, was Jesus mir bedeutet, mir ganz persönlich, weshalb ich heute den ersten Advent feiere. 

Nein, es ist nicht alles gut, weder bei mir noch in der Welt. Vieles kann ich nicht verstehen und nur schwer mit meinem Glauben vereinbaren. Doch mitten hinein in alle Not, in alles Leid, in alles Kriegsgeschrei kommt er, der Friedenskönig ohne Rüstung und Geld, um seinem Namen Ehre zu machen: „Jesus”, der „Gott hilft”, der in einem Stall geboren wird und in einer Futterkrippe liegt, der leidet und am Kreuz hängt, weil zu viele von ihm nicht gestört werden wollen. Er kommt und ruft mich auf den Weg des Friedens.

Das bedeutet er mir. Und du? Was bedeutet er dir?

Gebet: Herr, du teilst mit mir Freude und Leid. Du hilfst mir die Lasten tragen und heilst meine wunde Seele. Mache auch mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man sich hasst und vertrauen kann, wo man sich voreinander fürchtet. Dass ich die Faust öffne und den Gegnern die Hand reiche. Amen

Herzliche Grüße und einen gesegneten Advent

Ihr / dein

Hans Löhr

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Hinweis zu Losung und Lehrtext
1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. 
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5 Kommentare:

  1. Herzlichen Dank für diese klaren Worte lieber Herr Löhr.
    Ich wünsche allen einen gesegneten, licht-und friedvollen 1. Advent

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  2. Lieber Herr Löhr vielen Dank ja Jesus der höchste und heruntergekommene Gott gab alles für uns weil er jeden Menschen auf dieser Erde so unbegreiflich und vollkommen liebt trotz unserer Unvollkommenheit was für ein Gott das kann ich kleiner fehlerhafter Mensch nur staunend und dankbar annehmen Ihnen ihrer Familie und allen Lesern einen gesegneten 1. Advent und ja wir dürfen uns auf die Ankunft unseres Herrn freuen die sicher eines Tages kommen wird Halleluja

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  3. Diesem Dank schließe ich mich an, lieber Herr Löhr.
    Ihnen und uns allen wünsche ich eine gesegnete Adventszeit.

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  4. Danke für die klare Auslegung und die gute Übersetzung der alten Worte in unsere heutige Welt (Panzer, Kampfjets, Gewehre). Jesus hätte nicht gewollt, dass wir von lieblichen Duftkerzen vernebelt alte Lieder singen, ohne seine Botschaft in Bezug zu der heutigen Realität zu bringen. Er wollte und will helfen und wir sind heute seine Arme.

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