Mittwoch, 24. Dezember 2025

Wie es Weihnachten wird hl

Ich steh an deiner Krippen hier

von Paul Gerhardt

Ich steh an deiner Krippen hier, / o Jesu, du mein Leben; / ich komme, bring und schenke dir, / was du mir hast gegeben. / Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, / Herz, Seel und Mut, nimm alles hin / und lass dir’s wohlgefallen.


Da ich noch nicht geboren war, / da bist du mir geboren / und hast mich dir zu eigen gar, / eh ich dich kannt, erkoren. / Eh ich durch deine Hand gemacht, / da hast du schon bei dir bedacht, / wie du mein wolltest werden.


Ich lag in tiefster Todesnacht, / du warest meine Sonne, / die Sonne, die mir zugebracht / Licht, Leben, Freud und Wonne. / O Sonne, die das werte Licht / des Glaubens in mir zugericht’, / wie schön sind deine Strahlen!


Ich sehe dich mit Freuden an / und kann mich nicht satt sehen; / und weil ich nun nichts weiter kann, / bleib ich anbetend stehen. / O dass mein Sinn ein Abgrund wär / und meine Seel ein weites Meer, / dass ich dich möchte fassen!


Eins aber, hoff ich, wirst du mir, / mein Heiland, nicht versagen: / dass ich dich möge für und für / in, bei und an mir tragen. / So lass mich doch dein Kripplein sein; / komm, komm und lege bei mir ein / dich und all deine Freuden.


Frohe Weihnachten


Ihr / dein 


Hans Löhr


P.S. Am besten die Verse nicht nur lesen, sondern sich Zeit nehmen, sie zu meditieren: Was bedeutet jeder einzelne Satz für mich?


Sonntag, 21. Dezember 2025

Darum geht's hl

Lehrtext: Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit. Titus 3,4-5

Liebe Leserin, lieber Leser,

Das ist es, was du und was ich unbedingt brauchen: die Freundlichkeit und die Barmherzigkeit Gottes. 

Das ist es, was wir an Weihnachten feiern, seine Menschenliebe: Sie kommt als schutzloses und verletzliches Kind in einem Viehstall zur Welt, liegt in einem Futtertrog - dort, wo die Hirten, die Ärmsten der Armen leben: draußen vor der Tür, in der Kälte, bei den Tieren (Lukas 2).*
Und auch das gehört dazu: gleich darauf wird das obdachlose Kind verfolgt, muss mit seinen Eltern nach Ägypten fliehen und dort als Migrant leben (Matthäus 2,13-15).
Das ist es, worum es Gott geht, worum es in der Bibel geht und im Glauben.

Aber ist das auch, worum es mir geht? 

Glaube ich denn jeden Tag aufs Neue, dass er mich liebt und freundlich zu mir ist? Gerade dann, wenn ich nicht liebenswert bin und seine Freundlichkeit nicht verdiene?
Glaube ich denn, dass er mich auch dann noch liebt, wenn ich davon nichts zu spüren meine? Wenn es mir nicht gut geht? Wenn ich niedergeschlagen und enttäuscht bin?

Ja, so verstehe ich die gute Nachricht von Jesus: Gott liebt die Gescheiterten, die mit ihrem Leben und ihrem Glauben nicht gut zurecht kommen: die Zweifler und Untröstlichen, die sich durchs Leben kämpfen müssen und immer wieder verlieren; und nicht zuletzt die Leidenden, die sich gottverlassen fühlen wie Jesus am Kreuz. Sie alle hat er nicht vergessen. Doch auch sie sind darum nicht besser als andere.

Ihm geht es nicht zuerst darum, ob jemand reich ist. Das bin ich auch, wenn ich mich mit anderen vergleiche: mit denen, die arm und elend sind - anderswo und auch in unserem Land.
Ihm geht es nicht darum ob jemand Macht hat in Politik, Wirtschaft und Militär. Der Stall von Bethlehem steht nicht in den Zentren der Macht. Nicht in Jerusalem und Rom damals. Nicht in Washington, Moskau oder Berlin heute.
Und es geht ihm nicht darum, ob jemand glaubt, dass er Gott gefalle, weil er, anders als andere, alles richtig machen würde. 
Wegen solcher Dinge liebt Gott uns Menschen nicht.

Ihm geht es um uns, wie wir wirklich sind hinter unseren Masken und Fassaden. Um dich und mich. Denn alle sind wir im Grunde unseres Herzens bedürftig und arm. Alle. Da kann er nicht anders als barmherzig sein.

Das verstehe ich oft nicht. Gilt das auch für solche, die anderen das Leben schwer machen? Als Mensch habe ich andere MaßstäbeIch urteile und verurteile nach meinen Werten. Darum kann und will ich nicht alle lieben, schon gar nicht die Menschenfeinde, denen das Leben, die Würde und das Glück anderer egal ist. Doch vor Gott kann ich mich damit nicht rechtfertigen. Vor ihm muss ich eingestehen, dass ich versage, da ich auch die lieben soll, die ich nicht leiden kann.

Er aber weiß, dass Drohungen und Strafen alles nur schlimmer machen. Er weiß, wie sehr jeder Mensch seine Freundlichkeit und Liebe braucht. Und so schenkt er sie bedingungslos uns allen mit dem Kind im Futtertrog. Da finde ich sie und nirgends sonst.

Gebet: Herr, was bin ich ohne dich: ein Mensch voll Unruhe und Sorge. Einer, der ständig um sich selbst kreist, um seine eigenen Befindlichkeiten. Der erwartet, dass andere sich ändern müssen, damit es ihm gut geht. Einer wie ein Schilfrohr im Wind der Zeit.
Aber du hilfst mir, von mir abzusehen und auf dich zu schauen, auf Jesus, das Kind in der Krippe, den Mann am Kreuz, der von deiner Liebe zeugt und für sie bürgt. Amen

Herzliche Grüße und einen gesegneten vierten Advent,

Ihr / dein 

Hans Löhr 

* Was der Evangelist Lukas mit seiner Weihnachtsgeschichte erzählt, hat bis heute eine tiefere Bedeutung für den, der glaubt und versteht. Deshalb begnügt er sich nicht mit einem Bericht nüchterner, historischer Fakten.
Er verwendet eine bildhafte Sprache, die eine Wahrheit ausdrückt, die sich anders nicht sagen lässt. Er erzählt nicht wie es war, sondern was es bedeutet, dass Gott in dieser Welt Mensch wird.

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Hinweis zu Losung und Lehrtext
1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. 
 Hinweis für Smartphone-Nutzer
So finden Sie frühere Auslegungen: Weiter nach unten gehen. Auf den Link "Web-Version anzeigen" tippen. In der rechten Spalte gewünschtes Jahr antippen.. Sie können die Losungsauslegungen gerne über WhatsApp, E-Mail etc. weitergeben: Den Link einfach markieren, kopieren und versenden. Der Text ist teilweise diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.
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Sonntag, 14. Dezember 2025

Trost im Advent hl

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Ich möchte dich etwas fragen: Hast du zu Hause einen Adventskranz? Also, ich kaufe jedes Jahr einen, denn für mich wäre die Adventszeit ohne Kranz trostlos. Mein Kranz hat vier dicke, rote Kerzen, wie wohl die meisten Adventskränze. Aber der erste Adventskranz hatte 24 Kerzen: vier große weiße für jeden Sonntag und 20 kleine rote für jeden Werktag vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend. 

Und dieser „Kranz” war ein schlichtes, großes Wagenrad mit Holzspeichen. Aufgehängt hat es im Jahre 1839 der evangelische Pfarrer und Pädagoge Hinrich Wichern in Hamburg. Er leitete eine Einrichtung für Straßenkinder, die kein rechtes zu Hause hatten. Sie fragten ihn in der Adventszeit ständig, wie viele Tage es noch bis Weihnachten wären. Da kam er auf die Idee mit dem Rad und den Kerzen. 

Damals hat man in solchen diakonischen Einrichtungen jeden Morgen eine Andacht gehalten. Pfarrer Wichern zündete dabei jeden Tag eine weitere Kerze an. Und so erlebten die Kinder, wie es immer heller und heller wurde und der Glanz von Weihnachten sich immer mehr in ihrem Speisesaal ausbreitete. Dazu sangen sie Adventslieder und Pfarrer Wichern erzählte ihnen, was Weihnachten bedeutet.

Der ursprüngliche Adventskranz war also beides: eine  Art Adventskalender und Zählhilfe. Zugleich war er ein sichtbares Zeichen für die Botschaft von Weihnachten, von Jesus Christus, dem Licht der Welt inmitten von Finsternis von Krankheit, Armut und Leid. Das Tannengrün als Zeichen der Hoffnung kam erst ein paar Jahre später hinzu.

Heute nun feiern wir den dritten Advent. Ich zünde die dritte Kerze an und singe für mich ein paar Adventslieder: „Wie soll ich dich empfangen”, „Macht hoch die Tür” und das kleine schlichte Lied:

Seht, die gute Zeit ist nah
Gott kommt auf die Erde,
kommt und ist für alle da,
kommt, dass Friede werde,
kommt, dass Friede werde.

Hirt und König, Groß und Klein,
Kranke und Gesunde,
Arme, Reiche lädt er ein,
freut euch auf die Stunde,
freut euch auf die Stunde.

Seht, er wird geboren als Kind,
Gott kommt auf die Erde.
Kommt und nimmt uns, wie wir sind,
kommt, dass Friede werde,
kommt, dass Friede werde!


(Text: Friedrich Walz 1972 nach einem mährischen Weihnachtslied)


Früher habe ich die Lieder oft nur vor mich hingesungen. Jetzt achte ich mehr denn je auf den Text. Ich brauche einfach die gute Nachricht und den Trost von Weihnachten.

Die meisten Adventslieder kenne ich schon aus meiner Kindheit. Sie sind für mich alles andere als abgedroschen. Sie sind selber so etwas wie Adventskränze mit Licht für die Augen und die Seele.

Unabhängig davon, wie es dir gerade geht, wünsche ich dir in dieser Zeit ein paar Augenblicke der Stille, in denen solche Glaubenssymbole wie der Lichterkranz und in 10 Tagen auch der Christbaum zu dir sprechen. Augenblicke, in denen du auf die Texte der Lieder achtest und aufs Neue die Weihnachtsgeschichte hörst - wie ein Kind.

Und hier als Gebet noch zwei Strophen aus dem Adventslied „Wie soll ich dich empfangen”. Paul Gerhardt hat es 1653, kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, geschrieben.

Was hast du unterlassen

zu meinem Trost und Freud,

als Leib und Seele saßen

in ihrem größten Leid?

Als mir das Reich genommen,

da Fried und Freude lacht,

da bist du, mein Heil, kommen

und hast mich froh gemacht.


Nichts, nichts hat dich getrieben

zu mir vom Himmelszelt,

als das geliebte Lieben,

damit du alle Welt

in ihren tausend Plagen

und großen Jammerlast,

die kein Mund kann aussagen,

so fest umfangen hast.


Herzliche Grüße und eine gesegnete dritte Adventswoche

Ihr / dein 
Hans Löhr 


Donnerstag, 11. Dezember 2025

Nachdenken über Gottes Liebe hl

Lehrtext: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Johannes 3,16

Liebe Leserin, lieber Leser,  

Halten wir fest, was im Neuen Testament steht: Gott ist Liebe (1. Johannes 4,8 und 16). Halten wir daran fest - allen unseren negativen Erfahrungen zum Trotz. Ich jedenfalls will daran festhalten, auch wenn andere sagen, Gott sei auch gerecht und deshalb belohne er die Guten und strafe die Bösen. 

So  machen wir Menschen das. Aber Gott ist kein Mensch. Er wird Mensch in Jesus, aber einer, der selbst noch seine Feinde liebt. Er zeigt  damit, was Liebe  bewirkt: dass Menschen menschlich werden. 

Und was ist mit seiner Gerechtigkeit? Sehr lange glaubte ich, dass zwischen seiner Liebe und seiner Gerechtigkeit ein Unterschied bestünde. Doch seine Liebe ist seine Gerechtigkeit. Damit wird Gott jedem Menschen auf seine Weise gerecht.

Ja, mit seiner Liebe wird er uns gerecht, dir auf deine und mir auf meine Weise. Damit sieht er uns so, wie wir in seinen Augen sind und nicht in den Augen anderer oder in unsern eigenen. Er sieht mich auch in meinem Scheitern und meiner Schuld als liebenswerten Menschen.

Er liebt nicht zuerst die Frommen und nicht die Guten - die schon auch. Er liebt die Anderen, die mit ihren problematischen Gefühlen, negativen Gedanken und verletzenden Worten. Die moralischen Versager und Selbstgerechten. Die mit ihrem schwierigen Charakter und ihren Brüchen. Auch mich.

Ihretwegen hat Gott der Welt seinen Sohn Jesus gegeben, nicht damit er ihnen eine Standpauke halte noch sie bestrafe und verdamme. Sondern dass er sie liebe wie den kleinen Zachäus, der ein großer Betrüger war. Wie die Prostituierte, die zu seinen Füßen weinte. Wie den Verräter Judas und den Feigling Petrus, der ihn verleugnete. Wie jene Ehebrecherin, die die selbstgerechten Männer steinigen wollten und die er aus ihren Händen gerettet hat. 

„Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein”, hat er damals gesagt - und sagt es heute zu mir, wenn ich andere verurteilen will.

Gott liebt diese Welt und somit auch dich. Vielleicht sollten wir an den Spiegel einen Zettel hängen, auf dem steht: „Vergiss nicht, du bist von Gott geliebt, jetzt, in diesem Augenblick.” - Das ist so und das bleibt so ob ich das glaube oder nicht.

Gebet: Ja, Herr, so ist es. Darauf will ich vertrauen. Hilf mir, dass ich meine Mitmenschen und mich selbst so sehen kann, wie du mich siehst. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

Lied zum Lehrtext:

Gott liebt diese Welt

1. Gott liebt diese Welt / und wir sind sein Eigen.

Wohin er uns stellt, / sollen wir es zeigen:

Gott liebt diese Welt!

2. Gott liebt diese Welt. / Er rief sie ins Leben.

Gott ist’s, der erhält, / was er selbst gegeben.

Gott gehört die Welt!

3. Gott liebt diese Welt. / Feuerschein und Wolke

und das heilge Zelt / sagen seinem Volke:

Gott ist in der Welt!

4. Gott liebt diese Welt. / Ihre Dunkelheiten

hat er selbst erhellt: / Im Zenit der Zeiten

kam sein Sohn zur Welt!

5. Gott liebt diese Welt. / Durch des Sohnes Sterben

hat er uns bestellt / zu des Reiches Erben.

Gott erneut die Welt!

6. Gott liebt diese Welt. / In den Todesbanden

keine Macht ihn hält, / Christus ist erstanden:

Leben für die Welt!

7. Gott liebt diese Welt. / Er wird wiederkommen,

wann es ihm gefällt, / nicht nur für die Frommen,

nein, für alle Welt!

8. Gott liebt diese Welt / und wir sind sein Eigen.

Wohin er uns stellt, / sollen wir es zeigen:

Gott liebt diese Welt!


Text und Melodie: Walter Schulz 1962/1970.


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Hinweis zu Losung und Lehrtext
1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. 
 Hinweis für Smartphone-Nutzer
So finden Sie frühere Auslegungen: Weiter nach unten gehen. Auf den Link "Web-Version anzeigen" tippen. In der rechten Spalte gewünschtes Jahr antippen.. Sie können die Losungsauslegungen gerne über WhatsApp, E-Mail etc. weitergeben: Den Link einfach markieren, kopieren und versenden. Der Text ist teilweise diktiert. Erkennungsfehler bitte melden. Sie werden nachträglich korrigiert.
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Dienstag, 9. Dezember 2025

aufgehoben, getragen, gerettet hl

Losung: Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten. Jesaja 46,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich kenne außer der Bibel kein anderes Buch, in dem es so unmittelbar um mich geht. Und bei dir dürfte es ebenso sein. Und so haben es seit den Tagen der Israeliten viele erfahren. Jeder von uns wird auf seine Weise angesprochen. 
Vielleicht sind dir andere Bibelworte wichtiger als mir. Und doch erfährst auch du aus diesem Buch Anspruch und Zuspruch, Weisung und Trost. 
Gottes Weisungen helfen, einen Weg durch die Zeit zu finden. Das mag nicht der bequemste und leichteste sein. Aber wenn ich den gehe, dann gilt zugleich: „Herr, du bist mein Hirte. Du leitest mich. Auch in finsteren Zeiten bist du bei mir und tröstest mich.” (Psalm 23,4)
Und was ist, wenn ich seinen Weg nicht gehen will? Ist dann etwa mein Wille stärker als sein Wille? Das wäre absurd. Und wenn ich ihn nicht gehen kann, weil er mir zu anstrengend ist? Muss ich dann am Wegrand zurückbleiben?
Die Antwort lese ich in der heutigen Losung, einem meiner Lieblingsworte aus der Bibel.
Ich bin schon länger grau. Aber auch, wenn deine Haare noch ihre natürliche Farbe haben oder gefärbt oder ausgefallen sind - er hat auch dich getragen, bis heute. Und ich glaube ihm, dass er das auch in Zukunft tun will. Denn wenn wir ihm nicht mehr folgen können, warum auch immer, dann trägt er uns.
Manchmal wankt mein Glaube. Aber dann sage ich mir: ,Hans, auf deinen Glauben kommt es nicht an, sondern dass Gott tut, was er zusagt, auch wenn du das gerade nicht glauben kannst. Er hat das bisher getan. Er hat bisher getragen. Er wird das auch weiterhin tun. Solange er will.' 
Und, liebe Leserin, lieber Leser, es gibt keinen Grund, weshalb er das nicht auch bei dir tut.

Gebet 1: Herr, wenn ich am Boden liege, hebst du mich auf. Wenn ich keine Kraft mehr habe, trägst du mich. Wenn ich verloren bin, rettest du mich. Das hast du bisher getan. Das tust du auch heute wieder und wirst du morgen tun. 
Denn du sagst selbst: ich will heben und tragen und erretten. 
Und ich nehme dich beim Wort.
Amen

Gebet 2: Herr, wie auch immer es mir mit meinem Glauben geht, wie auch immer mein Befinden ist – du musst mich tragen, wenn ich nicht mehr kann. Und du wirst das auch tun. Das zeigst du mir mit Jesus, dem guten Hirten, der auch das verlorene Schaf sucht und findet und auf seinen Schultern sicher nach Hause trägt. Darauf vertraue ich. Amen

Herzliche Grüße, 
Ihr / dein Hans Löhr 

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Sonntag, 7. Dezember 2025

Kopf hoch! hl

Wochenspruch: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28)

Liebe Leserin, lieber Leser,

was wird aus dir noch werden – und aus mir? Was wird noch auf uns zukommen in einer Zeit, in der so vieles ins Rutschen geraten ist?

Keine angenehmen Fragen – aber wir sind nicht die Ersten, die sie stellen. Menschen aller Zeiten wussten es: Nichts bleibt, wie es ist. Auch ich wünsche mir einen ruhigen Lebensabend, wie ihn meine Großeltern und Eltern erleben durften. Aber ich habe das nicht in der Hand.

Was also tun? Soll ich mir Sorgen machen? Soll ich mich fürchten? Beides ändert nichts. Aber die vielen negativen Nachrichten gehen auch an mir nicht spurlos vorbei.

In diese Grundstimmung hinein sagt das Bibelwort für die zweite Adventswoche – in meinen Worten: „Kopf hoch!“

Wenn das jemand einfach so sagt, fühle ich mich nicht ernst genommen. Dann höre ich nur eine Floskel. Dann denke ich mir: Der hat gut reden – weiß er denn, wie es mir geht?

Darum braucht es einen wirklichen Grund, warum ich den Kopf heben kann, wenn ich eigentlich allen Grund hätte, ihn hängen zu lassen.

Lukas nennt diesen Grund: Erlösung. Eine, die ich mir nicht selbst schaffen kann. Eine, die von Gott kommt, indem er auf eine Weise eingreift, die noch nicht sichtbar ist – aber verheißen. Es geht nicht um billigen Trost und nicht um vertröstende Jenseitsfloskeln. Es geht darum, dass Gott die Welt nicht sich selbst überlässt. Dass er ihr Ende kennt, wie er ihren Anfang kennt. Gerade in schweren Zeiten halte ich mich an diesem Glauben fest.

Gott hat die Geschichte in der Hand – meine persönliche und die große menschliche. Ihm darf ich meine Sorgen ans Herz legen. Nicht irgendeinem Gott, sondern dem, der sich uns in Jesus gezeigt hat: nah, zugewandt und menschlich.

Und so bete ich:

Herr, wie es mir auch geht und was auch auf mich zukommt – Freude oder Leid –, ich will es aus deiner Hand nehmen. Stärke in mir den Glauben, dass du heilen und zurechtbringen kannst, was wir nicht können. Lass mich standhaft bleiben im Glauben und geduldig im Vertrauen. So will ich den Kopf nicht hängen lassen, sondern aufblicken zu dir, meinem Helfer. Amen.

„Kopf hoch?“ – ja, gerade jetzt. Nicht weil ich wüsste, wo’s langgeht, sondern weil Gott den Weg für mich weiß (D. Bonhoeffer). Er hat mich ohne mein Zutun ins Leben gerufen. Und er wird mich – und diese Welt – zu seinem Ziel führen. Wie und wann, das bleibt seine Sache.

So kann ich heute dir und mir sagen: Kopf hoch – „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sacharja 9,9)

Herzliche Grüße zum zweiten Advent

Ihr / dein

Hans Löhr

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Hinweis zu Losung und Lehrtext
1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Später kamen noch der Wochenspruch und der Monatsspruch hinzu. Ich lege diese Worte aus, weil das Nachdenken über die  Bibel den Glauben reifen lässt. 
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Dienstag, 2. Dezember 2025

Muss ich mich bekehren? hl

Losung: Bekehre du mich, so will ich mich bekehren; denn du, HERR, bist mein Gott! Jeremia 31,18

Lehrtext: Paulus sprach: Wir predigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehren sollt von diesen nichtigen Göttern zu dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat. Apostelgeschichte 14,15

Liebe Leserin, lieber Leser,  

Wie siehst du das? Musst du zu Gott, wie er dir in Jesus Christus begegnet, bekehrt werden? Und wer soll das tun? Ein Pfarrer? Jemand aus der Verwandtschaft? Oder sollst du dich selbst bekehren, wie es im Lehrtext heißt? Sollst du dich also für Gott entscheiden und ihm dein Leben übergeben?

Selten, aber manchmal doch überbietet ein Satz aus dem AltenTestament einen aus dem Neuen. Heute ist so ein Fall:

Paulus hat Lukas* zufolge gesagt: „Ihr sollt euch bekehren zu dem lebendigen Gott im Himmel” (Lehrtext).

Aber ist das die befreiende, gute Nachricht, ist das Evangelium? Oder ist das Gesetz, welches es bei Strafe zu befolgen gilt?

Demgegenüber heißt es in der Losung aus dem Buch des Propheten Jeremia:

„Bekehre du mich, so will ich mich bekehren; denn du, HERR, bist mein Gott!”  (Losung)

Paulus wird hier so zitiert, dass man sich selbst bekehren müsse. Der Prophet Jeremia hingegen bittet Gott, dass er ihn bekehren möge. Er soll ihm die Kraft geben und den Weg zeigen, mit ihm zu leben. 

Der Prophet weiß ja, wie wankelmütig und verzagt das menschliche Herz oft ist. Er weiß aus eigener Einsicht, dass er kein Glaubensheld ist und sich und Gott nichts vormachen kann mit seiner Frömmigkeit. Er ist überzeugt, dass auch die Bekehrung ein Geschenk Gottes ist und keine menschliche Leistung.

Das, so denke ich, entspricht unserer menschlichen Wirklichkeit, jedenfalls meiner. Und so bittet Jeremia Gott, ihn mit Liebe zu beschenken, damit er ihn wieder lieben kann. Was soll denn eine Bekehrung sonst sein? Und so schließe auch ich mich dieser Bitte an. 

Nein, Bekehrung hat nichts mit Druck und schlechtem Gewissen zu tun. Auf diese Weise können sich Menschen auch in anderen Religionen „bekehren” zu wem auch immer, nicht zuletzt zu politischen Weltanschauungen. 

Doch wenn Gott mich bekehrt, entlastet mich das von dem Druck, dass es allein auf mich ankäme. Ich muss nicht ständig darauf bedacht sein, wie ich nach außen wirke; muss andere nicht von mir beeindrucken, schon gar nicht mit meinem Glauben. 

Gott kann ich sowieso nicht beeindrucken. Dazu kennt er mich zu gut. Ihn kann ich nur bitten, mir das zu schenken (= Gnade), was ich brauche, um mit seine Hilfe in dieser Welt zurecht zu kommen. Um zufriedener, dankbarer und unbeschwerter sein.

Gebet: Herr, bekehre du mich, dass ich dich lieben und dir vertrauen kann. Lass mich dich auch in meinen Mitmenschen erkennen, vor allem in jenen, die meine Freundlichkeit und Hilfe brauchen. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

* Lukas war auch der Verfasser der Apostelgeschichte. Er entfaltet darin die Theologie des Paulus, wie sie ihm überliefert worden ist und wie er sie verstanden hat.

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Ich lege Losung und / oder Lehrtext aus, weil das Nachdenken über Bibelworte den Glauben reifen lässt. 
 Hinweis für Smartphone-Nutzer
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