Mittwoch, 11. März 2026

Vertrauen und Trost für Klein und Groß hl

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Amen, ja mein Glück ist groß.” -  Kommt dir diese Liedzeile bekannt vor? Sie beschließt das Lied: „Weil ich Jesu Schäflein bin”. Aber vielleicht kennst du den Psalm 23, der diesem Lied zugrunde liegt.

Doch ist das hier nicht ein Kinderlied? Ja. Wir Kinder haben das Lied „Weil ich Jesus Schäflein bin ” damals im Kindergarten und in der Grundschule gesungen. Ob ich es verstanden habe? Eher nicht. Aber offenbar strahlte es Geborgenheit aus und weckte mein Vertrauen in Jesus, den guten Hirten. Jedenfalls hat es mich so beeindruckt, dass ich es noch heute auswendig kann.

Und jetzt, da ich alt bin, kommt es mir wieder öfter in den Sinn. Inzwischen gehört es zu meinem Abendgebet vor allem dann, wenn mir vor dem Einschlafen noch viel durch den Kopf geht: das gegenseitige Totschlagen in den aktuellen Kriegen, die vielen Lügen, aber auch private Sorgen. Dann sage ich zu mir: „Weg jetzt mit all dem Negativen in meinem Kopf. Weg mit dem, was ich ohnehin nicht ändern kann. Sei einfach dankbar für so viel Gutes in deinem Leben, auch für die Kraft, zu tragen, was  zu tragen ist.”

Dann bete ich jenes Kindergebet. Und je bewusster ich jeden einzelnen Vers bete, desto ruhiger werde ich, desto mehr fühle ich mich bei meinem guten Hirten geborgen und spüre eine stille Freude.

1. Weil ich Jesu Schäflein bin,

freu ich mich nur immerhin

über meinen guten Hirten,

der mich wohl weiß zu bewirten,

der mich liebet, der mich kennt

und bei meinem Namen nennt.


2. Unter seinem sanften Stab

geh ich ein und aus und hab

unaussprechlich süße Weide,

daß ich keinen Mangel leide;

und sooft ich durstig bin,

führt er mich zum Brunnquell hin.


Marie Luise von Hayn, 1778


Glauben wie ein Kind? Durchaus. Doch zugleich verstehen wie ein Erwachsener auf dem Hintergrund der Lebenserfahrungen, die du bisher gemacht hast.


Zuletzt noch ein Einwand: Ist jenes Lied nicht zu idyllisch, und flach? Früher haben mich vor allem so süßliche Bildworte gestört wie 'Schäflein', 'Schoß' und  'süße Weide'. Inzwischen stehe ich drüber und lass mich davon nicht ablenken. 

Im Psalm 23 steht zumindest noch die Zeile „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir”.

Hm, der Einwand ist berechtigt. Ich kann da nur von mir reden: Wenn ich jenes Lied bete oder auch für mich leise singe, dann ist der Psalm 23 wie eine zweite Stimme, die darunter liegt. Dann bin ich mir jenes „finsteren Tales“ durchaus bewusst. Ich kenne es. Und ich weiß, dass noch das eine oder andere auf mich wartet. 

Aber da gehört noch der zweite Teil der Zeile hinzu: „Du bist bei mir”. Im Kinderlied heißt das so: „Der mich liebet, der mich kennt / und bei meinem Namen nennt”. Darauf vertraue ich. Auf den, der selbst durch finstere Täler gegangen ist und darum weiß, wie einem Menschen zumute sein kann.

Doch über den finsteren will ich auch die „schönen Tage” nicht vergessen. Und darum schließe ich diese kleine Besinnung mit dem dritten und letzten Vers:


3. Sollt ich denn nicht fröhlich sein,

ich beglücktes Schäfelein?

Denn nach diesen schönen Tagen

werd ich endlich heimgetragen

in des Hirten Arm und Schoß.

Amen, ja, mein Glück ist groß!


Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


6 Kommentare:

  1. Vielen lieben Dank für die trostreichen Worte . Ich bin gern Jesu Schäflein , auch im Alter ....

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  2. Lieber Herr Löhr schön von Ihnen heute morgen eine Andacht zu lesen und danke für die Liedverse eines der Lieblingslieder meiner Mutter am Lebensende ich bin so dankbar das sie an Jesus glaubt und ich sie bei ihm in der Ewigkeit wiedersehe ihnen ihrer Familie und allen Lesern Gottes reichen Segen herzliche Grüße Angelika

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  3. Danke, lieber Pastor Löhr.
    Sehr intensiv, bewegend und neuen Glaubensmut schenkend!
    Habe es noch nie so interpretierend gelesen. Das Lied war auch für mich fern in der Kindheit platziert. Gott segne Sie und schenke Ihnen die Kraft, die Sie täglich brauchen.
    (Was ja auch eine Bitte für uns alle ist)

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  4. Was haben wir doch für einen guten Herrn ! Mit ihm will ich in den neuen Tag starten und für seine Fürsorge und Liebe danken. Möge es für alle ein Tag voller Segen, Güte und auch Dankbarkeit werden.

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  5. Ich hatte jetzt Besuch von einem Christ,wir hatten nicht den gleichen Glauben ,aber er hat mich sehr in meinen Glauben verunsichert.Ich vermisse Gottes barmherzige, gnädige Worte für Menschen die Gott fern sind ,für mich ,die sich nicht ihres Glaubens sicher ist.

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  6. Hans Löhr11.03.26, 13:09

    Sie haben Ihren eigenen Glauben, wie klein und unvollkommen er Ihnen auch vorkommen mag. Aber, das glaube ich, Gott liebt das Kleine und Unvollkommene, auch den Menschen, der so ist und so glaubt. Was er uns sagt, sagt er mit dem Leben und den Worten Jesu.
    Zu mir spricht er besonders aus diesem Wort:
    „Kommt alle zu mir, die ihr erschöpft und belastet seid. Ich will es euch leicht machen ... Denn ich bin sanftmütig (behutsam) und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen." (Matthäus 11,27.28)
    Was andere sagen, kann man sich anhören und dann nach dem Wort des Paulus verfahren: „Prüft alles, und was gut ist und euch gut tut, behaltet.”
    Das Wort Gottes in Jesus ist keine Droh-Botschaft, sondern eine Froh-Botschaft (auf Griechisch: Ev-Angelium)

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