Donnerstag, 29. Oktober 2020

Das Gebot, das alles verändert hl

 Losung: Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes. 5.Mose 4,2 

Lehrtext: Meine Lieben, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt. 1.Johannes 2,7 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

»Was ich euch jetzt schreibe, meine Lieben, ist kein neues Gebot, sondern die Botschaft Gottes, die ihr von Anfang an gehört habt. (Lehrtext) Und trotzdem ist dieses Gebot neu, weil Christus es verwirklicht hat und ihr jetzt danach lebt. Wenn nun jemand behauptet, im Licht zu leben, hasst aber seinen Bruder oder seine Schwester, dann lebt er in Wirklichkeit immer noch in der Finsternis. Nur wer seine Glaubensgeschwister liebt, der lebt wirklich im Licht.« (1. Johannes 2,7-10)

     Der Verfasser des ersten Johannesbriefs ist nah dran an dem zentralen Gebot, »das Christus verwirklicht hat.« Und doch trifft er es nicht. Denn das Zentrum von Jesu Gebot ist nicht die Liebe zu den Glaubensgeschwistern, sondern zu den Feinden (Matthäus 5,43-47). Doch dazu ist der Verfasser nicht in der Lage, weil für ihn alle, die nicht so denken und glauben wie er selbst, mit dem Teufel im Bunde sind (Siehe Losungsauslegung vom 26.10.20). Zu seinen Gunsten sei gesagt, dass er wahrscheinlich das Lukas-Evangelium und das Matthäus-Evangelium mit Jesu Bergpredigt gar nicht gekannt hat.

     Selbst im Alten Testament gibt es bereits Anklänge an ein solches Gebot, auch wenn erst Jesus es in aller Klarheit und Deutlichkeit ausgesprochen hat. Denn bei ihm sprengt dieses Gebot auch die religiösen und ethnischen Grenzen, so zum Beispiel in seiner Beispielerzählung zur Feindesliebe vom „Barmherzigen Samariter“ (Lukas 10,25-37).

     Mit diesem Gebot steht und fällt alles! Es hat nicht nur eine ethische Bedeutung, wie normalerweise gelehrt wird, sondern zentrale Heilsbedeutung: Jesus selbst hat es in seiner schwersten Stunde am Kreuz vollendet, als er Gott bittet, auch noch seinen Mördern zu vergeben. Seit der Zeit darf jeder darauf vertrauen, dass ihm vergeben ist. Dass er, wie es traditionell heißt, von Sünde, Schuld und Tod ganz ohne eigenes Zutun erlöst ist. Das hat Gott durch die Auferweckung Jesu Christi von den Toten beglaubigt. Ohne die Auferweckung aber hätte es keine Zeugen von Jesus, hätte es keine Gemeinden gegeben und würden wir von alledem nichts wissen. Wer das nicht glaubt, hat darum auch keine Gewissheit, dass es sich so verhält. Trotzdem gilt das alles auch für ihn.

     Durch Jesus glauben wir an Gott, der seine Feinde liebt. Wer sollte dann noch verdammt sein? Christus erlöst uns nicht durch sein Blut, sondern durch Gottes Liebe zu den Feinden, die in ihm ist und die er auch am Kreuz nicht verrät. Zum Zeichen dessen ist er Mensch und ist es Weihnachten geworden ist. Seitdem können wir sagen: Niemand ist von Gottes Liebe ausgeschlossen. Sie gilt universell, ist also grenzenlos und bedingungslos. Das muss Konsequenzen haben für den Glauben, für das Verständnis der Bibel, für das eigene Verhalten. Mit diesem „Gott der Feindesliebe“ im Herzen kannst du alle (!) biblischen Schriften neu und anders lesen und denen, die dir das Leben schwer machen, fair, hilfsbereit und versöhnlich begegnen. Ich schreibe bewusst „kannst“. 

     Die Frage ist, ob du gegebenenfalls über deine eigenen und über die traditionellen, religiösen Schatten springen willst und kannst. Denn dann würdest du mit dem Glauben möglicherweise noch einmal ganz von vorn beginnen. Frage dich also, an welchen Gott du glaubst, an einen angsteinflößenden Staatsanwalt-Gott, bei dem es um Schuld, Gericht, Gerechtigkeit, Buße, Strafe, Gnade und Verdammnis (= ewige Folter, siehe die Offenbarung des Johannes) geht? Oder vertraust du dich im Leben und Sterben dem Vater Jesu und deinem Vater an, dem barmherzigen Gott, der alle seine Geschöpfe liebt, auch seine Feinde und der niemand verliert und vergisst? Bei dem es keine Verlorenen und keine Verlierer gibt, sondern nur Gewinner?

Gebet: Herr, als mir die Bedeutung der Feindesliebe klar geworden ist, fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich konnte noch einmal neu mit dem Glauben beginnen. Jetzt erst empfinde ich deine Liebe in ihrer ganzen Tragweite, soweit mir das möglich ist. Jetzt erst erkenne ich Gott in dir, wie er sein will. Jetzt erst wird mir der Sinn des Kreuzes und deiner Auferstehung klar. Nun kann ich ohne angezogene Handbremse glauben und dir von Herzen vertrauen. Nun wird mir bewusst, was dein Friede in mir und in der Welt bedeutet. Danke. 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Kommentare:

  1. Danke für diese Auslegung. Damit kann ich ein momentanes Problem mit Gottes Hilfe auflösen.
    Elisabeth

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  2. Der 1.Johannesbrief ist an die Mitglieder der Gemeinde gerichtet. D. h. an Brüder und Schwestern im Glauben. Johannes geht es darum Konflikte in der Gemeinde zu verhindern, indem er uns auffordert v. a. auch in der Gemeinde, Familie, dem Kernstück der Glaubensausübung, unseren nächsten mit all seinen Fehlern zu lieben, gerade weil wir selbst nicht fehlerlos sind. Das ist doch die Wurzel allen Übels. Wenn wir nicht mal in der Gemeinde, Familie in Frieden miteinander leben können, wie soll das dann nach außen hin funktionieren? Das meint Johannes und gerade darum schließt er die Feindesliebe nicht aus. Im Gegenteil, er packt das Problem bei der Wurzel.
    Und ja, durch Jesu Blut bin ich und andere Wiedergeborene reingewaschen von meinen Sünden. Denn darum hat Gott Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen gesandt hat (gab) , damit jeder der an ihn glaubt errettet wird und nicht verloren geht (Joh 3). Warum sollten wir sonst beim Abendmahl sagen, wie es uns Jesu gelelehrt hat(Mk14, 22ff), Christi Blut für dich vergossen... Wir sind nicht durch Gold und Silber(vergänglich Dingen) erlöst, sondern durch das kostbare Blut unseres Herrn (Jesus Christus), eines Lammes ohne Flecken und Fehl (1.Petrus,18-18), u. a. Eph 1,7;Hebr9, 22;Röm5, 9 usw

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    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Sie so abgrundtief böse, verdorben und schlecht sein sollen, dass Jesus gefoltert und grausam umgebracht werden musste, damit Sie mit seinem Blut reingewaschen werden können. Zwar ist von dieser atavistischen Blutwäsche schon im Neuen Testament, in den Kirchen und in evangelikalen Kreisen viel die Rede, aber deswegen muss sie noch lange nicht mit dem Evangelium konform sein. Mein Blog heißt bewusst “Nachdenken über die Bibel". Mein Schlüssel zu ihrem Verständnis ist Gottes Feindesliebe in Jesus. Das ermöglicht mir neue Einsichten und lässt meinen Glauben wachsen.

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    2. Ich glaub ich bin im falschen Film :). Lieber nicht mehr��

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  3. Lieber Herr Löhr, habe erst kürzlich Ihre Texte entdeckt. So eröffnet sich für mich ein sehr versöhnlicher, spannender, Blick auf die Bibelworte. So fühle ich: “Du stellst meine Füße auf weitem Raum“. So umfassend angenommen. Ohne wenn und aber. Mit allem. Hell und dunkel. Das gibt Hoffnung und Kraft in dieser Zeit.

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