Samstag, 14. März 2020

Lebensquelle – Lebensnetz hl

LosungBei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Psalm 36,10

Lehrtext: Wer den Sohn hat, der hat das Leben. 1.Johannes 5,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

sehr lange Zeit hat man das heutige Losungswort vom Menschen her gedacht, als sei er allein aus Gottes Quelle gekommen. Vielleicht hat das auch der Verfasser des Psalm 36 so gemeint. Heute können und müssen wir das anders sehen. Heute heißt es:

Gebet: Herr, bei dir ist die Quelle allen Lebens, der Pflanzen und Tiere, der Meeres- und Landbewohner, der Vögel und der kleinsten einzelligen Lebewesen. Sie alle fließen gemeinsam mit mir, dem Menschen, aus deiner Quelle. Denn ich bin ebenso Geschöpf wie sie, bin Natur wie sie. Ohne sie kann ich nicht sein. Auch ich bin ein Faden im wunderbar  farbigen Teppich der Schöpfung, den du webst. Diese Einsicht lässt mich staunen über alle Maßen und dich preisen mit jedem Herzschlag und Atemzug. Amen

Der Mensch, du und ich, wir können nur gemeinsam mit den anderen Lebewesen leben, nicht ohne und nicht gegen sie. Denn ohne die winzigen Geißeltierchen wäre die Erde nicht fruchtbar, gäbe es keine Pflanzen und damit auch keine Nahrung. Ohne Insekten würden keine blühenden Gräser, Sträucher und Bäume bestäubt und gäbe es keine Früchte. Ohne Bakterien im Darm, könnten wir die Nahrung nicht verdauen. Wir sind nicht mehr und nicht weniger als eine Faser im großen Gespinst des Lebens. Gleich den anderen Lebewesen werden wir geboren, blühen wir auf, welken und vergehen. So wie wir mit ihnen leben, so werden, wie Paulus schreibt, auch sie mit uns erlöst:
     »Gott hat allen Geschöpfen die Hoffnung gegeben, dass sie zusammen mit den Kindern Gottes einmal von Tod und Vergänglichkeit erlöst und zu einem neuen, herrlichen Leben befreit werden. Wir wissen ja, dass die gesamte Schöpfung jetzt noch leidet und stöhnt wie eine Frau in den Geburtswehen. Aber auch wir selbst, denen Gott bereits jetzt seinen Geist als Anfang des neuen Lebens gegeben hat, seufzen in unserem Innern. Denn wir warten voller Sehnsucht darauf, dass Gott uns als seine Kinder zu sich nimmt.« (Römer 8, 20b-23)
     Massentierhaltung, Monokulturen, Pestizide, Überdüngung, Zerstörung des natürlichen Lebensraums – alle Folgen der industriellen Landwirtschaft zerreißen das Netz des Lebens, das uns bisher getragen hat. Darüber können die jüngsten Bauernproteste mit grünen Kreuzen nicht hinwegtäuschen. Darüber kann aber auch die Gier von uns Verbrauchern nach immer mehr und immer billigerem Fleisch nicht hinwegtäuschen. Noch sind wir in diesem Teufelskreis gefangen. Werden wir uns daraus erlösen lassen? Wird uns Einsicht und Glauben zur Besinnung bringen?
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 13. März 2020

Die meisten sind hilfsbereit hl


LosungDu sollst dem Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten. 3.Mose 19,14

Lehrtext: Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Galater 6,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bin wahrhaftig kein Engel, aber dass man so gemein sein kann wie in der Losung beschrieben, ist für mich unvorstellbar und absolut indiskutabel. Wenn ich jemanden dabei ertappen würde, der so etwas macht, ich fürchte, ich würde mich dazu hinreißen
lassen, ihm ein paar saftige Ohrfeigen zu verpassen. Ein solcher Mensch respektiert weder Gott noch seine Mitmenschen. Er zeigt durch sein Verhalten, dass er ein massives Problem hat und in psychiatrische Behandlung gehört.
     Ich bin wahrhaftig kein Engel und erfülle darum „das Gesetz Christi“ (Lehrtext) nur teilweise. Manchmal habe ich zu viel mit meinen eigenen Lasten zu tun, als dass ich noch auf die anderer aufmerksam wäre und sie ihnen abnähme. Aber welch eine Wohltat, wenn andere mir helfen, meine Last zu tragen!
     Vor einem guten Monat bin ich ins Nachbarhaus umgezogen, und dabei hat mir ein halbes Dutzend Freunde aus unserer Gemeinde selbstlos geholfen. Vieles hätte ich allein nicht geschafft, wozu sie Begabung, Kenntnisse und eine ganze Menge Geschick haben. Jetzt ist der Umzug fertig, und ich fühle mich in meinem neuen Häuschen pudelwohl.
     Aber es geht auch eine Nummer kleiner. Schon ein Lächeln kann es einem anderen etwas leichter machen. Ein gutes Wort kann ihn aufatmen lassen. Und eine kleine Aufmerksamkeit kann ihm den Tag retten. Alles was es dazu braucht, ist ein bisschen Freundlichkeit und ein klein wenig Zeit.

Gebet: Herr, ich danke dir für die Gesten der Barmherzigkeit, die es nach wie vor in unserem Land gibt. Die meisten sind hilfsbereit, wenn jemand Hilfe braucht. Für mich ist das ein Zeichen, dass du mit deiner Liebe in uns wirkst, auch wenn wir das selbst gar nicht merken. Amen
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 12. März 2020

Wie ich die Bibel verstehe und was ich glaube hl

LosungHERR, führe meine Sache und erlöse mich; erquicke mich durch dein Wort. Psalm 119,154

Lehrtext: Philippus lief hin und hörte, dass der Mann aus Äthiopien den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. Apostelgeschichte 8,30-31

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie liest man die Bibel? (Lehrtext) Diese Frage ist so alt wie die Bibel selbst. Manche meinen, sie würden die Bibel verstehen, wenn sie den Wortlaut verstehen. Das trifft auf weite Strecken zu. Aber an den entscheidenden Stellen hilft das wörtliche Verständnis der Heiligen Schrift nicht mehr. Da braucht es ein Gesamtverständnis dessen, worauf es in ihr ankommt, um die Einzelheiten zu verstehen. Und dazu ist es nötig, das Evangelium, also die Gute Nachricht von Gott, zu entdecken und von ihr her alles andere zu beleuchten und zu beurteilen.
     Ich werde nun mal in aller Kürze 10 Sätze nennen, die mir im Laufe vieler Jahre beim Studium der Bibel wichtig geworden sind und meinen Glauben ausmachen: 

10 zentrale Sätze

1. Der ewige, heilige und lebendige Gott ist alles in allem. Er ist der Schöpfer und darum mehr als seine Schöpfung. Er hält die Welt in seiner Hand und ist zugleich in ihr, überall und zu jeder Zeit. Für sich ist er Vater, Sohn und Heiliger Geist.
2. Er ist ein liebender Gott: Der Vater liebt den Sohn in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes von Ewigkeit her. Als solcher hat er die Welt geschaffen. Alles, was ist, ist von ihm aus Liebe geschaffen. Auch du und ich.
3. Gott ist für alle seine Geschöpfe da. Er will und wird keines verlieren. Zu seiner Zeit wird er alle retten und vollenden, auch dich und mich. Nichts, was er geschaffen hat, hat er dazu gemacht, um es zu verdammen.
4. Gott hat sich auf verschiedene Weise bereits den Menschen im Alten Testament gezeigt so wie er sich auf verschiedene Weise seit jeher auch den Menschen anderer Religionen zeigt. (Paulus schreibt dazu im ersten Kapitel des Römerbriefs: »Was man von Gott erkennen kann, ist unter allen Menschen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken.«) Doch unzweideutig zeigt er sich (für mich) in seinem Sohn Jesus Christus. In ihm hat er sein Herz offenbart und kommt so zu jedem, der Jesus vertraut. Trotzdem ist Gott größer und mehr, als mein kleines Menschenhirn fassen und verstehen kann.
5. Wie Gott ist, hat er schon Mose wissen lassen, als er ihm seinen Namen offenbart hat: „Jahwe“ - auf Deutsch: „IchBinDa“.
6. Was Gott tut, hat er Josef und Maria wissen lassen, als er ihnen den Namen des Kindes durch einen Engel sagen ließ: „Jesus“ – auf Deutsch: „GottHilft“.
7. Das ist das Evangelium, die gute Nachricht. Gott ist für seine Menschen da, für dich und mich, um zu helfen. In Jesus zeigt er sich als der bedingungslos liebende und barmherzige Gott. Er ist zu uns wie eine Mutter zu ihrem neugeborenen Kind: Er tut alles für uns, wir können nichts für ihn tun. Was wir auch tun, seinen Willen können wir nicht beeinflussen. Was wir auch tun, es kann nur nachträgliche Dankbarkeit sein für das, was er längst für uns getan hat und noch tun wird.
8. Gott liebt in Jesus Christus auch seine Feinde. Er dient ihnen wie uns. Er geht auch für sie in den Tod, nimmt ihre Feindschaft auf sich und erlöst uns alle.
9. Er macht uns schon in diesem Leben glücklich (= selig), wenn wir seinem Willen gemäß leben und uns nach dem einzigen Gebot richten, das er uns durch Jesus gibt: „Gott und jeden Mitmenschen lieben wie sich selbst mit ganzer Hingabe und Kraft.“ In dem wir das tun, erreichen wir bei ihm nichts, aber zeigen ihm unsere Dankbarkeit. So bekommt unser Leben Sinn.
10. Weil er dein und mein Hirte ist, wird uns nichts mangeln. Er begleitet uns durch das finstere Tal der Leiden und des Todes. Er umgibt uns von allen Seiten, segnet und behütet uns, schenkt uns immer wieder neue Kraft, Lebensfreude und Zuversicht. Er ist unser Licht auch dann noch, wenn es in uns und um uns finster wird, und ruft uns wieder zu sich, wann er will. 

Wie die Bibel zur Guten Nachricht / zum Evangelium wird.

Natürlich sind diese zehn Punkte nicht vollständig, aber sie enthalten das Wesentliche für meinen Glauben. Mit diesen Einsichten im Kopf, oder besser noch im Herzen, lese ich die Bibel und verstehe sie. So wird sie für mich zur Guten Nachricht (= Evangelium), die mich tröstet und erfreut, stärkt und ermutigt. Dazu will ich im Kontakt mit Gott bleiben, mich ihm im Gebet öffnen und ihn an und in mir wirken lassen. Manchmal fehlt es mir dazu an Disziplin, Energie und Hingabe. Aber dann, so erlebe ich es, erinnert er mich auf die eine oder andere Weise wieder an sich, sodass ich zu ihm sagen kann: ‚Schön, dass du da bist.‘

Gebet: Danke, Herr, dass du mir in Jesus Christus begegnest. Danke für den Glauben und alle Hilfe in meinem Leben. Du bist meine Freude. Schön, dass du da bist. Amen
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 11. März 2020

demütig oder gedemütigt hl

LosungAll sein Tun ist Wahrheit, und seine Wege sind recht, und wer stolz einherschreitet, den kann er demütigen. Daniel 4,34

Lehrtext: Jesus spricht: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Matthäus 11,29

Liebe Leserin, lieber Leser,

was heißt demütigen? (Losung) Und was heißt demütig sein? (Lehrtext)
Wenn man einen anderen demütigt, dann beschämt man ihn. Man setzt ihn herab und verletzt damit seine Würde und seinen Stolz. Oft demütigt man ihn auch, wenn man ihn bestraft. Demütigt Gott? Manchmal hat es den Anschein, wenn zum Beispiel der Massenmörder Stalin nach einem Schlaganfall viele Stunden hilflos auf dem Boden liegt. Er hatte verboten, dass man ohne seinen Befehl sein Zimmer betreten dürfe. Das hat ihm schließlich das Leben gekostet.
     Ich hätte nichts dagegen, wenn Gott es gewesen wäre, der ihn, den scheinbar allmächtigen Stalin, so gedemütigt hatte. Trotzdem sollte ich mir die Schadenfreude verkneifen und sie seinen Opfern überlassen, die alles Recht der Welt haben, sich darüber zu freuen. Aber demütigt Gott wirklich? Gut, auch Hitler ist einen schmählichen Tod gestorben. Und die anderen führenden Nazis, die sich nicht selbst umgebracht hatten, hat man in Nürnberg gehenkt. Aber der grausame Diktator Franco starb friedlich in seinem Bett wie, meines Wissens, auch der Massenmörder Mao. Demütigt Gott? Wenn ja, warum den einen und nicht auch den anderen?
     Bei den Mächtigen, die den Machtlosen viel Leid zufügen, hätte ich nichts dagegen. Aber werden nicht auch ihre Opfer gedemütigt, wie zum Beispiel jetzt die Flüchtlinge aus Syrien an der türkisch-griechischen Grenze, indem man sie als politischen Spielball missbraucht und menschenunwürdig behandelt?
     Und wie ist das bei dir? Bist du schon mal gedemütigt worden? Hast du dahinter Gott am Werk gesehen?
     Das alles sind schwierige Fragen. Ich kann sie nicht beantworten. Darum halte ich mich lieber an den Lehrtext, besser: an den demütigen Jesus.
     Demütigen und demütig sein – diese beiden Wörter haben eigentlich nichts miteinander zu tun, obwohl sie so ähnlich klingen. Wenn Jesus von sich sagt, er sei „von Herzen demütig“, dann heißt das, er ist ganz und gar bereit, uns Menschen zu dienen. Das ist ja die eigentliche Bedeutung von Demut: Mut zum Dienen.
     In ihm begegnet mir Gott, der bereit ist, seinen Menschen, die er geschaffen hat, zu dienen. Und diese Bereitschaft geht soweit, dass er uns nicht nur mit seinem Wort und seiner Tat einen Dienst erweist, sondern noch mit seinem Leiden und Sterben.
     Statt mich wegen meines Versagens und wegen meiner Schuld zu demütigen, nimmt er das auf sich. Statt mich sterblichen Menschen mit dem ewigen Tod zu demütigen, überwindet er ihn am Kreuz. Spätestens dort, an diesem Marterpfahl, hätte er sich von uns lossagen können. Aber er hat das nicht getan. Er hat uns mit seiner Treue gedient und blieb uns zugewandt bis zuletzt.

Gebet: Herr, ich glaube nicht, dass du es bist, der mich demütigt. Wenn ich mich gedemütigt fühle, dann durch andere Menschen oder durch mein eigenes Versagen. Ich glaube aber, dass du mir in Jesus dienst mit deiner Liebe und Treue. Das richtet mich wieder auf und gibt mir meinen Wert. Amen
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 10. März 2020

Sein Geist und Seine Kraft hl

LosungDer HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Psalm 27,1

Lehrtext: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 2.Timotheus 1,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

Corona, drohende Wirtschaftskrise, rechtsradikale Anschläge, Spannungen in der Familie, Probleme mit der eigenen Gesundheit, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, finanzielle Sorgen: »Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?« (Losung)
     Ist das wirklich so einfach, wie es die Losung sagt? Ja. Manchmal muss man sich inmitten der Dinge, die einen bedrücken, zu Gott bekennen. Nein, ich muss nicht alles aus eigener Kraft stemmen. Er ist meine Kraft. Wenn ich mit meiner am Ende bin, fängt er mit seiner Kraft an. Wenn mir meine Sorgen über den Kopf wachsen, schrumpfen sie in seiner Gegenwart.
     Wes Geistes Kind bin ich? Des Geistes, der nur das Negative sieht? Der Panik verursacht? Der resigniert? Nein. Ich bekenne, ich bin ein Kind des Geistes der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Ich habe nicht diesen Geist. Ich bin nicht dieser Geist. Er ist mir gegeben und ich bin sein Kind. (Lehrtext)

Gebet: Herr, du bist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Du bist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Solange ich nur auf mich und meine kleine Kraft schaue, muss ich mich sorgen, ob ich all das schaffen werde, was auf mich einstürmt. Darum schaue ich auf dich. Du hast Himmel und Erde geschaffen. Du wirst auch mit dem fertig, was mich verzagen lässt. Amen
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 9. März 2020

Aus der Zwickmühle befreit hl

LosungEure Sünden halten das Gute von euch fern. Jeremia 5,25

Lehrtext: Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Römer 7,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal stehe ich mir selbst im Weg. Und auch das stimmt, ich habe mir mehr als einmal den Weg zu anderen verbaut, weil ich mich unbedacht geäußert hatte. Ich hätte einfühlsamer und besonnener sein sollen, statt unverblümt und schonungslos. Im Nachhinein ist mir das peinlich und in bestimmten Fällen schäme ich mich auch.
     Ich habe auf diese Weise Menschen verloren, die vielleicht Freunde geworden wären. Habe Türen zugeschlagen, hinter denen es vielleicht einen guten Weg gegeben hätte. Habe Chancen vertan, die mir besondere Erlebnisse ermöglicht hätten. Mein Versagen hat das Gute von mir ferngehalten, was für mich bereit gelegen hatte. Das gilt im Hinblick auf  andere Menschen und auf Gott (Losung).

Ein freimütiges Bekenntnis

     Aber warum ist das so? Der Apostel Paulus sagt von sich freimütig: »Ich will eigentlich Gutes tun und tue doch das Schlechte; ich verabscheue das Böse, aber ich tue es dennoch.« (Lehrtext) Paulus drückt sich da etwas drastisch aus. Aber er bringt eine Erfahrung zur Sprache, die ich kenne. Und er weiß einen Trost, wenn er kurz darauf schreibt: »Wer wird mich jemals aus dieser verderblichen Zwickmühle befreien? Gott sei Dank! Durch unseren Herrn Jesus Christus bin ich bereits befreit.« (Römer 7,24.25a) 
     Manchmal stehe ich mir selbst im Weg. Aber dabei bleibt es nicht. Durch Jesus gibt mir Gott täglich eine neue Chance. Er öffnet neue Türen, wenn alte ins Schloss gefallen sind und schenkt mir neue Möglichkeiten.

Gebet: Herr, ich habe schon manche gute Chance vertan. Was wäre nicht alles möglich gewesen, wenn ich verständnisvoller, einfühlsamer und besonnener gewesen wäre? Und doch staune ich, dass du mir so viel Gutes gegeben hast. Ich habe alles in allem keinen Grund zu klagen, aber allen Grund, mich bei dir zu bedanken. Amen
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 8. März 2020

Segne meine Feinde hl

LosungDu sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. 3.Mose 19,17

Lehrtext: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matthäus 5,44-45

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Internet ist voll von wunderschönen Gedichten und Liedern, aber auch voll von Hass, Häme und Ressentiments, leider. Oft sind das die sogenannten „Wutbürger“, die so hassen, weil sie meinen, sie seien zu kurz gekommen, sie würden benachteiligt und ignoriert. Sie werden dadurch bestätigt, dass ihnen aus der Politik, aus den Kirchen und Medien Ablehnung entgegenschlägt. Man behandelt sie so, als hätten sie das politische Corona-Virus. Auf diese Weise schaukeln sich aber die Emotionen immer höher, bis es im Extremfall zum Gewaltausbruch kommt. Kann man dagegen was tun?
     Ja, sagen Losung und Lehrtext. Sage also, was du denkst. Sage, wenn du anderer Ansicht bist. Aber achte darauf, dass aus deinen Worten nicht Abscheu und Ablehnung sprechen, nicht Verachtung und schon gar nicht Hass. Gib dem anderen die Chance, deine Argumente zu hören und nicht auf deine negativen Emotionen zu reagieren. Achte seine Würde, die er anderen vielleicht abspricht. Und vergiss nicht: Auch er oder sie ist ein Kind Gottes und somit dein Bruder, den er genauso liebt wie dich.
     Du meinst vielleicht, das hätte ich jetzt dir gesagt. Nein, mir. Wenn du dich auch angesprochen fühlst, umso besser. Aber zunächst fordern die beiden Bibelworte heute mich heraus. Ja, ich weiß wohl, dass das Wichtigste im Glauben und in der Bibel die Feindesliebe ist. Da gelten keine Ausflüchte. Ich weiß aber auch, dass ich das leichter sage und schreibe als vollbringe.
     Meine Feinde lieben, also die, die mich nicht leiden können und ich sie nicht, heißt nicht, ihnen um den Hals fallen und tun, was sie wollen. Aber es heißt, das Gespräch mit ihnen suchen, ruhig und freundlich bleiben, sie als meine Mitmenschen achten und ihnen helfen, wenn sie Hilfe brauchen. Vor allem aber heißt das, für sie beten. Für sie und nicht gegen sie. Und wenn sie in die Lage kommen, dass sie meine Vergebung brauchen, dann ihnen vergeben – ohne Wenn und Aber.    

Gebet: Herr, ich weiß, du fragst mich, ob ich damals anders gewesen wäre, als die Leute von Jerusalem über dich schrien: Kreuzige, kreuzige! Ich weiß es nicht. Ja, ich fürchte, dass ich vielleicht mitgeschrien hätte. Aber du liebst mich trotzdem, obwohl du das besser weißt als ich. So lebe ich von deiner Feindesliebe. Das soll mir eine Verpflichtung sein, auch die zu lieben, die ich nicht leiden kann und nicht verstehe. Für sie bitte ich: Segne meine Feinde. Amen

Herzliche Grüße,

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Samstag, 7. März 2020

Glaube und Verantwortung hl

LosungRede einer mit dem andern Wahrheit und richtet wahrhaftig und recht, schafft Frieden in euren Toren. Sacharja 8,16

Lehrtext: Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit. 1.Korinther 13,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

Glaube und Politik – hat das miteinander zu tun, oder sollte man das nicht schön säuberlich trennen? Politik – in diesem, aus dem Griechischen stammenden Begriff steckt das Wort „Polis“, was die Stadt oder das Gemeinwesen meint. Politik ist also das, was das Zusammenleben der Menschen in der Öffentlichkeit betrifft. Sie ist kein „schmutziges Geschäft“, sondern notwendige Voraussetzung, dass Recht und Gesetz in einer Gesellschaft herrschen und nicht Faustrecht und Willkür. Im Idealfall schützt Politik die Schwachen vor den Starken und lässt auch die Armen zu ihrem Recht kommen. In der Politik soll die Macht so verwaltet werden, dass es Gesetze gibt und eine Rechtsprechung, an die sich alle halten müssen.
     Aus diesem Grund haben Glaube und Politik viel, sehr viel miteinander zu tun. Vor allem das Alte Testament ist voll von Hinweisen und Beispielen. Doch damit Politik funktioniert, damit Recht herrscht und nicht Unrecht, Frieden und nicht Streit, braucht es den Einzelnen, der sich an Gottes Geboten und Willen orientiert. Dem Gott heilig ist und der eine höhere Macht über sich anerkennt. Das sind die Voraussetzungen, die der Rechtsstaat selbst nicht schaffen kann, von denen er aber lebt.
     Wer also meint, dass man sich um seines Glaubens willen aus dem politischen Alltagsgeschäft heraushalten soll, hat dazu nicht die Bibel auf seiner Seite. Der sollte vielleicht besser ins Kloster gehen oder Buddhist werden.
     Zum Lehrtext: Wenn einem, den man für arrogant hält, etwas zu stößt, dann sagt man bei uns in Franken oft: „Des gschieht ihm gscheit recht!“ Darin stecken Genugtuung und Schadenfreude. Ich selbst bin nicht frei von solchen Gefühlen. Aber das Wort aus dem ersten Korintherbrief ist unzweideutig: Wer nicht einen sterilen und unfruchtbaren Glauben haben will, den fordert Jesus Christus heraus, seine Mitmenschen zu lieben, auch und gerade diejenigen, die man nicht mag. Schadenfreude und Genugtuung sind dann fehl am Platz.

Gebet: Herr, du hast mich dazu geschaffen, damit ich Verantwortung in deiner Welt übernehme: Verantwortung für ein funktionierendes Gemeinwesen, in dem es gerecht zugeht; Verantwortung für deine Schöpfung und den Frieden. Hol mich heraus aus meiner Bequemlichkeit und Harmoniesucht. Gib mir die Motivation und Kraft, dass ich mich in deinem Sinn für eine lebenswerte Welt einsetze. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 6. März 2020

Kirche der Gnade oder Religionsverein hl

LosungDann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Jesaja 35,5

Lehrtext: Armen wird das Evangelium gepredigt. Matthäus 11,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

warum wird gerade den Armen die gute Nachricht von Gottes Liebe gepredigt, wie Jesus sagt? Wohl aus demselben Grund, warum er Sündern vergibt und Kranke heilt: Weil Gott sich denen zuerst zuwendet, die seiner Hilfe bedürftig sind.
     Mit Losung und Lehrtext wird heute ein weiteres Mal deutlich, worum es in der Bibel und im Glauben geht: Gott schenkt sich in Jesus den Menschen, die ihn brauchen. Er stellt dazu keine Bedingungen, verlangt keine Voraussetzungen, braucht dazu keine Kirche. Das ist Gnade.
     Wenn Kirche zu etwas nütze ist, dann dazu, dass sie genau diese Botschaft weitersagt und selbst vorlebt. Auf eine Kirche aber, die Gesetze erlässt und Vorschriften macht, die Frauen zurücksetzt und im Sexualleben der Gläubigen herumschnüffelt, die Unterschiede macht zwischen „geweihten“ Priestern und sogenannten Laien, die sich schwer tut, eigenes Versagen einzugestehen und Konsequenzen zu ziehen – wozu sollte eine solche Kirche gut sein? Entweder sie ist Kirche der uneingeschränkten Gnade Gottes und gibt sein Geschenk weiter, oder sie ist ein Religionsverein, dem es um Macht und Geld geht.
     Um nicht missverstanden zu werden: Das betrifft nicht nur die katholische Kirche, sondern auf die eine oder andere Weise auch die evangelische und die orthodoxe. Das betrifft auch manche Freikirchen und christlichen Gemeinschaften.
     Armen wird das Evangelium gepredigt. Das kann nur heißen, dass zur Verkündigung des Glaubens auch die Tat der Liebe gehört, zum „Wort für die Welt“ auch das „Brot für die Welt“. Beides gehört zusammen - untrennbar.

Gebet: Herr, ich freue mich über dein Evangelium, über das Wort von deiner grenzenlosen Gnade. Doch es erinnert mich auch, ob ich bereit bin, darauf mit meinem Tun und Leben zu antworten. Ich spüre, dass mein Glaube krankt, wenn ihm die Liebe fehlt. Heile mich, dass ich dir vertrauen und zugleich für meine Mitmenschen da sein kann. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 5. März 2020

Gebote, die schützen hl

LosungSo halte nun die Gebote des HERRN, deines Gottes, dass du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest. 5.Mose 8,6

Lehrtext: Bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist. 2.Timotheus 3,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

warum ich mich bemühe, Gottes Gebote zu halten? Nicht darum, um ihm einen Gefallen zu tun, sondern mir. Menschen mag das befriedigen, wenn sie befehlen und andere gehorchen. Das steigert ihr Machtgefühl und schmeichelt vielleicht auch ihrer Eitelkeit. Meiner Meinung nach ist das einer der unausgesprochenen Gründe, warum es Militär gibt. Und manche Untergebenen ziehen noch einen Lustgewinn daraus, dass sie einen Befehlshaber über sich haben, der ihnen sagt, wo‘s lang geht.
     Aber so ist das Verhältnis zwischen Gott und uns, seinen Menschenkindern, nicht. Ich achte auf seine Gebote, die er mir durch Jesus gibt, wie ich auf Hinweise achte, die mich davor bewahren, mich selbst in Gefahr zu bringen und zu schädigen. Das ist so ähnlich wie mit den Verkehrsregeln. Wenn ich sie beachte, will ich damit dem Bundesverkehrsminister keinen Gefallen tun und auch nicht der Polizei, sondern mir. Ich will heil durch den Straßenverkehr kommen und damit trage ich auch dazu bei, dass ich andere nicht gefährde.
     Ja, und ich will heil durchs Leben kommen. Manche Narbe an Leib und Seele zeigt mir, dass ich manchmal hätte besser aufpassen sollen. Gut, dass Gott trotzdem auf mich aufgepasst hat. Im Großen und Ganzen bin ich mit heiler Haut davongekommen, auch wenn ich nicht immer bei dem geblieben bin (Lehrtext), was er mir durch sein Wort sagt.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass ich mich an deinem Wort orientieren kann und mich wieder zurechtfinde, wenn es in meinem Leben unübersichtlich wird. Du bist mein Kompass und weißt den Weg für mich. Darum will ich auf dich hören. Amen

Herzliche Grüße,

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