Freitag, 23. Oktober 2020

Der gebundene Gott hl

 Losung: Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen. Jesaja 55,3 

Lehrtext: Der Gott des Friedens, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt. Hebräer 13,20-21 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

nicht ich habe mich an ihn, sondern Gott hat sich an mich gebunden - unauflöslich. Und nun geht er mit mir und ich mit ihm durch dick und dünn, durch gute und böse Tage, durch Sünde und Schuld und einmal auch durch den Tod. Er wird mich nicht mehr los und ich ihn nicht. Wir beide müssen miteinander auskommen, wobei er das kleinere Problem ist. Oder soll ich besser sagen: Wobei er mein Glück ist? Denn was würde ich ohne ihn tun? Was könnte ich denn da noch hoffen? Worauf mich verlassen? Wer sonst würde mich bedingungslos lieben?

Ja, Gott hat sich an mich gebunden in dem Augenblick, als er in Jesus Mensch geworden ist. In dem Augenblick, als er mich geschaffen hat. Und nun kann mich »nichts mehr von seiner Liebe trennen, die in Christus Jesus ist, meinem Herrn.« (Römer 8,39) 

Gebet:  Gott des Friedens, du kommst  in Jesus Christus, dem guten Hirte, und suchst uns, wenn wir uns verlaufen haben. Du lässt keinen einzigen von uns im Stich und keiner ist von dir vergessen. Du bindest dich an jedes deiner Geschöpfe und gibst ihm so seine Würde und seinen Wert. So begegnest du mir in ihnen allen. So bin auch ich ein Mensch, mit dem du zusammenbleibst für immer. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Donnerstag, 22. Oktober 2020

Eine Handbreit hl

Losung: Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Psalm 39,6 

Lehrtext: Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. 2.Timotheus 1,10 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

kurz und zerbrechlich ist das Menschenleben und wenn es 90 Jahre währt. War es nicht vorgestern, dass ich ein Kind war und gestern, dass ich jung war und voller Lebensenergie? Der Morgen ist vorüber. Der Tag hat sich geneigt. Die Schatten werden länger. Bald ist es Nacht: »Siehe, meine Tage (!) sind eine Handbreit bei dir.« Eine Handbreit.

     Ich habe an meine Urgroßeltern keine Erinnerung. Und meine Urenkel werden sich nicht an mich erinnern. Vielleicht bleibt ein Foto, eine Notiz. Aber das bin dann nicht mehr ich. 

     Meine zweite Tochter hat vor kurzem ein Paket Wäsche mit einem Zettel von meiner Mutter hervorgekramt. Darauf waren mit ihrer akkuraten Handschrift die Wäschestücke verzeichnet, die sie ihr einst vermacht hatte. Für meine Mutter waren Bett- und Tischwäsche noch kostbar. Doch der Geschmack hat sich geändert. Jetzt wird sie nicht mehr gebraucht. Meine verheirateten Kinder haben genug, um sich eigene Bett- und Tischwäsche zu kaufen. Aber was sie sich nicht kaufen können, ist die Erinnerung an ihre geliebte Oma, die der Zettel wieder geweckt hat. Für ihre Kinder aber hat er keine Bedeutung mehr.

     Die beiden Bibelworte und die Gedanken, die ich mir dazu mache, sagen mir: Hans, sei realistisch und nimm dich nicht so wichtig. Wenn du kannst, mach anderen das Leben leichter, aber sei ihnen keine Last. Lass sie jetzt machen und nimm dich zurück. Sie sollen dich einmal nicht als Nörgler in Erinnerung behalten. Jetzt, da deine Zeit abnimmt, soll Gott in deinem Leben zunehmen. Aber auch, wenn ich winziger Lebensfunke vor dem Ewigen »gar nichts« bin, wie die Losung sagt, so bin und bleibe ich für den Barmherzigen doch sein Kind, das er nicht vergisst. 

Gebet: Herr, was einmal mit mir wird, wenn ich gestorben bin, weiß ich nicht. Doch ich tröste mich damit, dass du es weißt. Dir gehöre ich in der Zeit und dir gehöre ich in der Ewigkeit. Ich bin dir dankbar für das Leben, das du mir gegeben hast trotz aller Brüche und Enttäuschungen. Für den Segen, den ich von dir bekommen habe. Für meine Kinder und Enkel und nicht zuletzt für meinen Glauben. Und wenn es nach deinem Willen soweit ist, möchte ich es dir wieder dankbar zurückgeben können. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Mittwoch, 21. Oktober 2020

Kraft aus der ich lebe hl

 Losung: Ein Engel rührte Elia an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes. Könige 19,5.8 

Lehrtext: Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. 2.Korinther 4,7 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

kein Mensch kann 40 Tage und 40 Nächte gehen, auch nicht der Prophet Elia. Das ist wahr. Aber genauso wahr ist, dass kein Mensch auch nur einen einzigen Schritt gehen kann, ohne dass Gott ihm die Kraft dazu gibt.

     Warum ist dann in der Losung von 40 Tagen und Nächten die Rede? Die Zahl 40 ist eine symbolische Zahl: Das Volk Israel war 40 Jahre in der Wüste bis es in das gelobte Land kam. Jesus war 40 Tage in der Wüste, wo er fastete und sich auf seine Aufgabe vorbereitete.

     Drei Tage oder vier vielleicht sogar fünf kann ein Mensch Tag und Nacht gehen. Aber 40 liegen weit jenseits seiner Möglichkeiten und Kraft. Drei, vier oder fünf Jahre kann eine Gruppe oder ein kleines Volk in der Wüste überleben. Aber 40 liegen weit jenseits seiner Möglichkeiten und Kraft. Drei Tage hält man es in der Wüste gerade noch ohne Wasser aus und ein paar Tage länger ohne Essen. Aber 40 liegen weit jenseits menschlicher Möglichkeit und Kraft.

     Die Zahl 40 macht dem Bibelleser von vornherein klar, dass das alles nur mit Gottes Hilfe möglich ist und verhindert den Fehlschluss, als könnten Menschen das aus eigener Kraft.

     Wir sind zerbrechliche Gefäße, die nicht viel aushalten (Lehrtext). Wie sollen wir da ohne Gottes Hilfe 70, 80 oder gar 90 Jahre alt werden können? Wer nur ein bisschen bei Verstand ist, weiß, dass er nicht aus eigener Kraft lebt. Nicht nur, dass er vom ersten Lebenstag an auf andere angewiesen ist, sondern auch auf Gottes Segen, der sich in der Fruchtbarkeit der Natur, in der Lebensenergie und in den Selbstheilungskräften des Körpers zeigt, die einem Menschen geschenkt sind.

     Und das gilt genauso für das Glaubensleben. Im Glauben kann ich erkennen, dass ich ganz und gar auf Gott angewiesen und von ihm abhängig bin. Nichts, aber auch gar nichts kann ich aus mir heraus bewirken. Alles, wirklich alles bekomme ich von ihm geschenkt (Lehrtext). Das ist Gnade. Martin Luther sagt am Ende seines Lebens dazu: »Wir sind Bettler, das ist wahr.« Ja, vor Gott stehen wir mit leeren Händen und einem leeren Herzen, damit er sie fülle. 

Gebet:. Herr, du bist die Kraft aus der ich lebe. Du gibst mir jeden Tag so viel Energie wie ich brauche. Doch du gibst sie nicht im Voraus, damit ich mich nicht auf mich selbst, sondern auf dich verlasse. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Dienstag, 20. Oktober 2020

Glücks- und Unglückstage hl

Losung: Freu dich, wenn du einen Glückstag hast. Und wenn du einen Unglückstag hast, dann denke daran: Gott schickt dir beide, und du weißt nicht, was als Nächstes kommt. Prediger 7,14 

Lehrtext: Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Römer 8,28 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

schade, dass man seine Glückstage nicht festhalten kann. Gut, dass auch die Unglückstage wieder vergehen. In den letzten Tagen ging es mir gesundheitlich nicht so toll. Da habe ich mir immer wieder gesagt: „Das wird wieder anders. Da muss ich eben jetzt durch. Ich hab keinen Grund, mich hängen zu lassen. Gott geht mit mir auch durch die Täler. Daran halte ich fest. Ich lasse mir meinen Lebensmut doch nicht von der Finsternis nehmen. Ich halte lieber Ausschau nach dem Licht am Ende des Tunnels.“

     Müssen mir also auch die Unglückstage zum Besten dienen (Lehrtext)? Paulus meint zu wissen, dass dies bei denen so ist, die Gott lieben. Liebst du Gott? Liebe ich Gott? Ja, das habe ich in vielen Jahren gelernt. Auch die Liebe kann man lernen, wenn sie mehr sein soll als nur ein flüchtiges Gefühl.

     Und was ist mit denen, die ihn nicht kennen und nicht lieben? Die, wie der Apostel meint, nicht »nach seinem Ratschluss berufen sind«? Denen geht es auch nicht schlechter als mir. Nur in einem, allerdings wesentlichen Punkt unterscheide ich mich von ihnen: Ich kann auf Gott vertrauen und muss nicht bangen, ob sich zufällig in meinem Leben auch wieder etwas zum Besseren wendet. 

Gebet:. Herr, immer wieder schenkst du mir helle und glückliche Tage. Und immer wieder bringst du mich auch durch die dunklen hindurch. Darum will ich nicht klagen, sondern mich freuen, dass ich dir in den guten Zeiten danken und in den schlechten vertrauen kann. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Montag, 19. Oktober 2020

befreit hl

 Losung: Der HERR macht die Gefangenen frei. Psalm 146,7 

Lehrtext: Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Johannes 8,36 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

anlässlich der Wiedervereinigung vor 30 Jahren hatte ich eine Initiative gestartet, in Ost- und Westdeutschland eine Generalamnestie für alle Gefangenen zu erlassen, von denen keine Gefahr für Leib und Leben ausging. Das wäre meines Erachtens in der Geburtsstunde des wiedervereinigten Deutschland eine angemessene, humanitäre Geste gewesen. Die Initiative wurde von vielen Prominenten unterstützt, darunter bekannte Schriftsteller und Politiker. Letztlich blieb sie aber erfolglos, weil die Mächtigen in Bonn zu jener Zeit nichts dafür übrig hatten.

     Den Impuls zu dieser Initiative bekam ich aus der Bibel, wo an mehreren Stellen davon die Rede ist, dass der Herr die Gefangenen frei macht (Losung) und Jesus selbst sagt: »Ich bin gekommen, den Gefangenen zu verkünden, dass sie frei sein sollen.« (Lukas 4,18; Jesaja 61,1).

     Welchen Gefangenen? Den braven? Den unschuldigen? Den politischen? Den religiösen? Jesus selektiert an dieser Stelle nicht. Er hat alle im Blick. Auch ehemalige Mörder? Es scheint so.

     Johannes spiritualisiert den Freiheitsbegriff. Bei ihm geht es lediglich um die Freiheit von der Sünde (Lehrtext). Doch Jesus hat den ganzen Menschen im Blick. Er heilt den Leib, den Geist und die Seele. Er befreit Menschen auch aus dem Gefängnis der materiellen Not, wenn er Hungernde speist. Er befreit sie vom Gehorsam gegenüber der Kirche/Synagoge und ihren Gesetzen. Er befreit sie auch von dem selbstmörderischen Wahn, die römischen Besatzer mit Waffengewalt anzugreifen und so die äußere Freiheit herbeizuzwingen. Er befreit sie von ihren Minderwertigkeitskomplexen, Sorgen und Ängsten und eröffnet ihnen die herrliche Freiheit der Kinder Gottes.

     Das Reich der Freiheit – mit ihm hat es begonnen, mit dir und mir wird es weitergebaut. Aber wer soll es bauen, wenn nicht die, die er innerlich freigemacht hat?
     Das Reich des Friedens – mit ihm hat es begonnen, mit dir und mit mir wird es weitergebaut. Aber wer soll es bauen, wenn nicht die, die er innerlich friedensfähig gemacht hat?
     Das Reich der Liebe – mit ihm hat es begonnen, mit dir und mit mir wird es weitergebaut. Aber wer soll es bauen, wenn nicht die, die wie er auch ihre Feinde lieben? 

Gebet:. „Erlöser“ und „Befreier“  das, Herr, ist von jeher dein Name. Du befreist mich von den gottlosen Bindungen dieser Welt. Du befreist mich von den Banden, in die ich mich selbst verstrickt habe. Du machst mich ganz und gar frei und so dir gleich. Du befreist mich nicht nur von Schuld und Leid, sondern auch vom Tod. Doch nur mit deiner Hilfe werde ich auch frei bleiben. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Sonntag, 18. Oktober 2020

Der böse Gehorsam hl

 Losung: Gehorsam ist besser als Opfer. 1.Samuel 15,22 

Lehrtext: Paulus schreibt: Euer Gehorsam ist bei allen bekannt geworden. Deshalb freue ich mich über euch. Römer 16,19   

Liebe Leserin, lieber Leser, 

geh doch bitte mal in dich und spüre dem nach, was du fühlst und denkst, wenn du das Wort „Gehorsam“ liest. Schade, dass du mir das jetzt nicht sagen kannst. Dann sage ich, wie es mir mit diesem Wort geht.

     Mich schaudert es. Dieses Wort war der Ausgang zahlloser Verbrechen. Und als man dann zum Beispiel einigen wenigen Nazi-Verbrechern nach dem Krieg den Prozess gemacht hat, waren sie so feige, nicht zu ihren Taten zu stehen, sondern versuchten die Schuld auf andere zu schieben. „Wir“, so sagten sie unisono, „wir standen doch unter dem Diktat von Befehl und Gehorsam. Wir haben nichts anderes getan, was andere uns befohlen haben so wie das doch überall auf der Welt ist in allen Staaten und Armeen. Darum haben wir keine Schuld.“ Nun, die großen, namhaften Verbrecher sind damit nicht durchgekommen, aber viele, zu viele „kleinere“, ohne die das furchtbare Morden und Schlachten von Menschen nicht möglich gewesen wäre. Leider hatten sie in einem Punkt recht. In vielen Staaten werden nach wie vor die eigenen Soldaten nicht oder nur pro forma verurteilt, wenn sie Kriegsverbrechen verübt haben, allen voran in den Vereinigten Staaten. Und diejenigen, die Kriegsverbrechen aufdecken, wie Julian Assange, werden gnadenlos verfolgt.

     Ich habe nicht zuletzt daraus gelernt, dass es ein Verbrechen sein kann, gehorsam zu sein, wenn man für seine Tat nicht selbst Verantwortung übernimmt. Wer einen Befehl ausführt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er selbst die Verantwortung für die Folgen trägt. Andernfalls muss er den Befehl verweigern wie sehr ihm das auch persönlich schaden mag. Und das gilt nicht nur beim Militär, das gilt immer und überall.

     Ich tue mir heute leichter, so etwas zu sagen, weil ich erstens nie in einen ernsthaften Loyalitätskonflikt geraten bin und zweitens in einer Zeit lebe, in der der Gehorsam in Misskredit geraten ist. Noch zur Zeit meine Eltern waren es neben der Familie der Staat und die Kirche, die den Kindern den Gehorsam im wahrsten Sinn des Wortes eingebläut haben. Da hatte ein Mensch oft nicht die Freiheit noch die innere Kraft, sich gegen jene drei Riesen zu behaupten und eine eigene Entscheidung zu treffen. Prügelnde Pfarrer und Lehrer waren noch in meiner Jugendzeit keine Seltenheit.

     Natürlich wünsche ich mir auch heute von meinen Kindern, dass sie tun, was mir wichtig ist. Doch wenn sie das nicht tun, was soll ich dann machen? Rumschreien? Irgendwelche wirkungslosen Sanktionen verhängen? Beleidigt sein? Leere Drohungen ausstoßen? Ich habe so gut wie keine Druckmittel, und das ist gut so. Was mir bleibt, sind meine Argumente und Bitten und dass ich darüber nachdenke, warum sie sie manchmal nicht erfüllen. Und dann muss ich mich ändern und mich fragen, ob ich nicht falsche Erwartungen und vielleicht auch falsche Werte habe.

     So, das war nun ein langer Anlauf bis zum Nachdenken über die beiden Bibelworte heute. Nein, ich will Gott nicht gehorsam sein im Sinn des Alten Testaments. Ich will die 613 Gebote und Verbote, an die sich die strenggläubigen Juden noch heute zu halten versuchen, nicht befolgen. Für mich gibt es nur das eine Gebot Jesu, wenn er sagt: »Du sollst Gott, deine Mitmenschen und deine Feinde lieben wie dich selbst.« Damit ist sein Wille erfüllt. Daraus ergibt sich alles andere von selbst. Und damit habe ich ein Leben lang zu tun. Auf der Grundlage dieses Gebots entscheide ich, ob ich das, was andere von mir wollen, auch selbst tun will.

     Dann muss ich niemandem gehorchen, nur weil er eine entsprechende Position hat, nur weil er Apostel, Papst oder Bischof ist, Lehrer oder Pfarrer, Vater und Mutter, Vorgesetzter, Chef oder Polizist oder sonst eine staatliche Behörde. Dann bin ich frei zu entscheiden, ob ich das, was ich tun soll, verantworten kann und will. Natürlich muss ich dann auch bereit sein, mit den Folgen meiner Entscheidung zu leben. Aber das gehört nun einmal zur Freiheit dazu. 

Gebet:. Herr, du bist kein Feldwebel. Du hast keine Freude daran, dass ich aus Angst irgendwelche Gebote befolge. Du freust dich aber, wenn ich aus eigener Einsicht tue, was anderen und mir selbst gut tut. Darum will ich nicht Böses mit Bösem vergelten und Feindschaften pflegen. Ich will deinen Weg gehen und mich fragen, was denn du an meiner Stelle tun würdest. Amen 

Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Samstag, 17. Oktober 2020

Jesus – das einzigartige Phänomen hl

 Losung: Nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, noch von dir, als dass du den HERRN, deinen Gott, fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem HERRN, deinem Gott, dienst von ganzem Herzen und von ganzer Seele? 5.Mose 10,12 

Lehrtext: Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein. Jakobus 1,22 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

die Forderung aus der heutigen Losung war und ist für viele eine Überforderung. Vielleicht sogar für jeden Menschen. Kein Wunder, dass sich manche als Sünder und Versager gefühlt haben, wenn sie dieses Wort für bare Münze genommen haben. Wenn sie geglaubt haben, genau das müssten sie tun, immer Gottes Wegen und Weisungen folgen und ihm mit ganzer Hingabe dienen. Ich jedenfalls kenne niemanden, der dazu in der Lage wäre.

     Etwas anderes ist es, wenn es mir selbst ein Anliegen ist, Gott zu ehren und mich an ihm zu orientieren. Allerdings nicht an irgendwelchen Buchstaben des Gesetzes, sondern an der Person Jesu, der für mich in dieser unzuverlässigen Welt die einzige verlässliche „Größe“ ist, der einzige Mensch, auf dessen Liebe, ja sogar Feindesliebe noch Verlass war, als er schon am Kreuz hing. 

Die Kraft zu berühren 

     Er hat die Kraft, mich im Innersten zu berühren. Ich weiß selbst nicht wie. Aber wenn ich die Geschichten lese oder höre, die ich doch schon so oft gelesen und gehört habe, wie er den gesellschaftlich Geächteten ihre Achtung und Selbstachtung wieder zurückgegeben hat, wie respektvoll er mit Verrufenen umgegangen ist. Wenn ich vom Zöllner Zachäus (Lukas 19) höre, von der Ehebrecherin (Johannes 8), von der fremden Frau aus Samaria (Johannes 4), vom Hauptmann von Kapernaum, einem Heiden, Ausländer und Besatzer (Matthäus 8). Wenn ich höre, wie er sich Kindern zuwendet und sich für sie Zeit nimmt (Markus 10) und die vom Leben Beschädigten heilt. Wenn ich solche und andere Geschichten über ihn lese und höre und die Geschichten, die er selbst erzählt hat wie die vom ‚Barmherzigen Samariter‘ oder vom ‚Verlorenen Sohn‘, - dann hat er mich plötzlich wieder für sich gewonnen. Ich kann dieses Phänomen nicht erklären. Ich weiß nur, dass ich da nicht der einzige bin. Aber ich weiß auch, dass es vielen anderen nicht so geht.

     Und nun sagt der Lehrtext völlig zu Recht: »Allerdings genügt es nicht, seine Botschaft nur anzuhören; ihr müsst auch danach handeln. Alles andere ist Selbstbetrug!« (Jakobus 1,22). Mit anderen Worten: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ (Erich Kästner). Jesus nur zu bestaunen, sich von seinen Geschichten fesseln zu lassen und von seinem Mitleiden berührt zu werden, das genügt nicht. Ich muss mich schon auch fragen, inwiefern ich mich dazu bringen lasse, selbst hilfsbereiter, barmherziger und liebevoller zu werden. 

Gebet: Herr Jesus Christus, du warst zu deiner Zeit einzigartig und bist das bis heute geblieben. Staunend frage ich mich, woher hast du das alles gewusst? Woher hattest du die Zuwendungskraft gerade zu denen, die Zuwendung brauchen, weil sich so viele von ihnen abwenden? Du hast alle staatlichen und religiösen Gesetze, die Menschen klein machen, gesprengt, weil dir nur ein Gesetz wichtig war und ist: Die Liebe. Das hast du mit dem Leben bezahlt. Doch Gott hat dich auferweckt und dir damit rechtgegeben. In der großen Finsternis bist du das Licht der Welt und das Licht in meinem Leben. Durch dich muss sich nicht zynisch werden, sondern kann offen und empfindsam bleiben. Amen 

Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 16. Oktober 2020

Hüter deiner Seele hl

 Losung: Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Psalm 121,4 

Lehrtext: Jesus Christus wird euch auch fest machen bis ans Ende. 1.Korinther 1,8 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

»Der dich behütet, schläft nicht«, er, der Hüter Israels, ist auch dein Hüter, der nachts an deinem Bett sitzt und tagsüber dir zur Seite steht. Der Unglück von dir fernhält und im Leid dafür sorgt, dass du darin nicht untergehst. Der es immer wieder neu Tag werden lässt – für dich. Der dir ungeahnte Kräfte gibt, wenn du meinst, du seist am Ende. Der eine Tür für dich öffnet, wo du keinen Ausweg siehst. Der dich nach langer Trauer wieder lächeln lässt und dein Vertrauen stärkt – ins Leben und in sich. Der dir seinen Segen gibt und seine Liebe schenkt. Der dir in Jesus Christus freundlich begegnet und dir treu ist für immer. Der mit dir dein Leid und den Tod überwindet, weil er dich nicht verlieren will, er, dein Hirte und Hüter. 

Gebet:.

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. (Psalm 23)

Amen 

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Donnerstag, 15. Oktober 2020

Frohbotschaft statt Drohbotschaft hl

 Losung: Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wege und von euren bösen Werken. Jeremia 25,5 

Lehrtext: Paulus schreibt: Ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde. Römer 7,22-23 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

es ist schon lange her, dass ich einen von diesen Predigern in einer Großstadt gesehen habe, die von ihren Obstkisten herunter den Teufel an die Wand malten. Sie forderten mit rollenden Augen und schriller Stimme die Passanten auf, sich zu bekehren, weil entweder das Weltende bevorstünde oder sie sonst in die Hölle kämen oder beides. Ich war dann jedes Mal unangenehm berührt und habe mich für sie fremdgeschämt, weil sie aus dem Glauben eine Karikatur machten und die Menschen anwiderten.

     Aber auch solche „Propheten“ mit ihren Drohbotschaften finden immer wieder Anhänger, die ihnen Glauben schenken. Bis heute spielen Drohung und Angst in allen Religionen eine große Rolle: ‚Wenn du nicht dies und jenes tust und glaubst, wird es dir schlecht ergehen.‘ Doch damit bringt man niemanden zu einem gesunden Glauben, sondern macht ihn krank oder stößt ihn ab.

     Die heutige Losung ist ebenfalls Teil einer schrecklichen Drohbotschaft aus dem Kapitel 25 des Jeremiabuches. Mit dem Propheten gleichen Namens hat sie nichts zu tun, sondern ist ein Anhängsel an seine Botschaft, um auf diese Weise ernst genommen zu werden. Den Verfassern, vermutlich Priestern, ging es darum, das Volk der Israeliten bei der Stange, also beim Glauben zu halten, indem sie ihm mit einem vor Zorn schäumenden Rachegott gehörig Angst einjagten. Vermutlich hatten sie selbst Angst und glaubten tatsächlich, dass Gott die Juden vernichten würde, wenn sie nicht so lebten und glaubten, wie das Gesetz es vorschrieb. Hier eine Kostprobe: »Siehe, bei der Stadt Jerusalem fange ich an mit dem Unheil, und ihr solltet ungestraft bleiben? Ihr sollt nicht ungestraft bleiben, denn ich rufe das Schwert über alle herbei, die auf Erden wohnen, spricht der HERR Zebaoth.« (Jeremia 25,29)

     Im Lehrtext kommt gleich viermal das Wort Gesetz vor, offenbar das Lieblingswort des ehemaligen Pharisäers und späteren Apostels Paulus. Doch mein Lieblingswort ist ein anderes. Es heißt Evangelium. Nicht wegen ihrer Drohbotschaft ist die Bibel Gottes Wort, sondern wegen ihrer Frohbotschaft. Manche meinen, beides müsse nebeneinanderstehen, weil man sonst die Bibel verkürze.

     Ich meine das nicht. Für mich ist Jesus keine Drohbotschaft und auch nicht das, was er gesagt und wie er gelebt hat. Er braucht nicht noch den schwarzen Zwilling „Gesetz“ an seiner Seite. Er steht über dem Gesetz aus den fünf Büchern Mose. Er treibt die Menschen nicht mit Drohungen und Schlägen auf den scheinbar richtigen Weg, sondern geht selbst voran in den Spuren von Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Auf diesem Weg folge ich ihm gern.

 Gebet: Herr Jesus Christus, ohne dich würde ich Gott nicht kennen. Ohne dich würde ich nicht glauben. Ohne dich müsste ich ohne Gottvertrauen leben. Ohne deine Liebe würde meine Seele frieren. Du selbst bist Gottes helles Wort. Du allein. Auf dich will ich schauen, dir folgen. Amen 

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Mittwoch, 14. Oktober 2020

Das einzige Bild von Gott hl

Losung: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen. Prediger 12,13 

Lehrtext: Petrus sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm. Apostelgeschichte 10,34-35 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

fürchtest du Gott? Ja, so steht‘s in der Bibel und so habe ich es im Konfirmandenunterricht in Luthers Kleinem Katechismus gelernt: »Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten.« Ja, auch lieben und vertrauen, aber an erster Stelle fürchten.« Denn Gott ist die höchste, allmächtige Instanz, die den Menschen gebietet, was sie tun sollen und verbietet, was sie nicht tun sollen. Und auch das steht in der Bibel: Wenn sie sich nicht daran halten, dann werden sie von ihm bestraft. Und wenn das nicht schon im Diesseits geschieht, dann eben im Jenseits. Dann wird Gott die unfolgsamen Menschen vom Teufel in der Hölle foltern und brennen lassen auf ewig.

     Nun, wer so glaubt – und das haben fast alle Christen im Mittelalter getan und auch noch darüber hinaus –, kann sich mit dem Alten Testament zufriedengeben. Der braucht Jesus Christus und das Evangelium nicht. Aber so primitiv ist der Glaube auch im Alten Testament nicht. Immerhin verzichtet Gott da hin und wieder auf die Durchsetzung der Strafe und vergibt seinem Volk oder einzelnen Menschen. Das heißt dann Gnade. 

Fort mit der Gotteskeule 

     Ich jedenfalls brauche einen solchen Gott nicht, der befiehlt und droht und straft und ab und zu auch vergibt. Ich brauche keinen Gott, vor dem ich mich fürchten muss. Lieber gar keinen als den. Und so geht das vielen anderen auch. Meines Erachtens schimmern durch solche biblischen Texte nur allzu deutlich die Interessen machtgieriger Herrscher und Priester, die sich das Volk gefügig machen wollen. Mit der Gotteskeule konnte man schon immer Menschen einschüchtern, besonders Kinder.

      Ich kritisiere nicht Gott selbst. Wie könnte ich das tun. Aber die Bilder, die sich viele von ihm machen, vor allem die Zerr- und Schreckensbilder, unter denen zahllose Menschen seit 3000 Jahren leiden. Damit muss es endlich ein Ende haben. 

Nur ein Gottesbild stimmt 

     Ich setze ein anderes Bild dagegen, Jesus selbst, von dem es heißt: »Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes« (Kolosser 1,15). Und darum werde ich nicht müde zu betonen, dass in ihm und nur in ihm sich Gott so zeigt, wie er gesehen und geglaubt werden will: Im Kind in der Krippe und im Mann am Kreuz. Als der, der die Kranken heilt und den Gescheiterten vergibt, der den Menschen am Rand seine Freundschaft anbietet, der die Kinder zu sich kommen lässt, die Huren nicht verurteilt, die Gefangenen nicht vergisst, den Armen ihre Würde zurückgibt und niemand ausgrenzt, auch keine Fremden und Andersgläubigen. Und ich setze gegen das Zerrbild von Gott das Bild das Jesus selbst von ihm hatte. Für ihn war Gott Vater, mehr noch, er hatte eine innige Beziehung zu ihm und nannte ihn zärtlich Abbá, Papa oder Daddy, so wie auch die ersten Christen von Gott gesprochen haben und wie es dann in der Kirche leider wieder verloren ging. Vor einem liebevollen Papa muss sich niemand fürchten, im Gegenteil, ihm kannst du ganz und gar vertrauen. 

Gott ist kein Staatsanwalt, sondern Abbá 

     Er ist kein Jurist, der peinlich darauf achtet, dass alle Gesetze, Gebote und Verbote eingehalten werden und andernfalls mit Strafe droht. Wer einen Staatsanwalt als Gott will, soll ihn behalten. Ich will einen Abbá als Gott, einen, der mich bedingungslos liebt und den ich wieder lieben kann.

     Das heißt nicht, dass ich Gott nicht auch achte und ehre. Ich tue das gern und freiwillig. Ich respektiere ihn ganz und gar, den Schöpfer von Himmel und Erde und auch meinen Schöpfer, weil ohne ihn nichts ist, was ist und alles, was ist nur durch ihn sein kann. Weil ich ganz und gar von ihm abhängig bin und auch sein will. Darum muss ich nicht von Menschen abhängig sein und vor ihnen zu Kreuze kriechen.

     Ja, ich bin sein Kind und er ist mein Papa. Darüber freue ich mich und dafür bin ich dankbar. Stimmt, das ist ein kindlicher Glaube im Unterschied zu dem kindischen Glauben, den viele Erwachsene für reif, aufgeklärt und vernünftig halten. In dieser gottvergessenen und gottverzerrenden Welt bin ich nur allzu gern »ein fröhlicher Partisan des lieben Gottes«.                                                                                    

Gebet: Herr, in dir ist nur Licht und keine Finsternis. Du bist das Glück deiner Geschöpfe und das Glück deiner Menschen. Aus Liebe hast du alles geschaffen und mit Liebe wirst du alles vollenden. Auf dich kann ich vertrauen. Mit dir will ich leben. Und nie mehr will ich dich verlieren. Dich achte und ehre ich, weil du mir heilig bist. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

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