Samstag, 4. April 2026

Trotz allem Frohe Ostern! hl

Kundgebung für den Frieden (Ostermarsch)

Redebeitrag von Hans Löhr, Pfr. iR, am 4.4.2026 auf dem Martin-Luther-Platz in Ansbach


Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,


lasst mich mit einer Geschichte beginnen, der ich mit 15 Jahren in der Schule begegnet bin. Geschrieben hat sie Wolfgang Borchert kurz nach dem Krieg. Sie heißt „Nachts schlafen die Ratten doch” Mit den Kriegen heute und dem neuen Militarismus in unserem Land scheint sie erst mal wenig zu tun zu haben. Doch hört selbst:


„Nachts schlafen die Ratten doch”


Ein Mann hat den Krieg überlebt und streift nun durch die Trümmer von Berlin. Auf einem Schutthaufen sitzt ein neunjähriger Junge mit einem Stock. Der Mann fragt ihn, was er denn hier mache. Der Junge antwortet: „Ich muss aufpassen.”

„Aber worauf musst du denn aufpassen?” „Auf meinen kleinen Bruder.” „Und wo ist er?” „Er liegt hier unter den Trümmern und ist tot.” Der Mann schweigt. Dann sagt er: „Ich weiß was Besseres. Komm mit. Ich zeige dir meine Kaninchen, die haben gerade Junge.”

„Nein, ich muss aufpassen, sonst kommen nachts die Ratten und fressen meinen kleinen Bruder.” „Die Ratten? Aber die schlafen doch nachts.” „Aber unser Lehrer hat gesagt, dass die Ratten nachts nach Fressen suchen.” „Da hast du aber einen dummen Lehrer. Die Ratten schlafen nachts, ganz bestimmt. 

Also komm jetzt. Ich schenk dir eins von meinen Kaninchen und zu essen bekommst du auch was.” „Ich weiß nicht.” „Komm nur, nachts schlafen die Ratten doch.” (nacherzählt und gekürzt)


Die Menschen in den Blick nehmen


Mich hat diese Geschichte damals berührt. Und sie hat mich dazu bewegt, den Sinn militärischer Gewalt zu hinterfragen. Sie hat mir geholfen, von den vielen verlogenen Heldengeschichten aus dem Krieg wegzukommen und stattdessen die Opfer in den Blick zu nehmen: die Einzelschicksale, die Familien, die Kinder. 

Deshalb geht es mir heute nicht nur um den Iran, den Libanon, die Ukraine und Gaza. Nicht nur um das gebrochene Völkerrecht oder militärische und politische Kommentare. 

Mir geht es um die Menschen in diesen Ländern, die genauso fühlen wie du und ich. Die sich fürchten und leiden, trauern und verzweifeln. Die leben möchten und sich wieder freuen. Und die doch sinnlos sterben müssen für die Interessen der Mächtigen.

Und da mache ich keinen Unterschied: Auch um die zivilen Opfer in Israel und Russland geht es. Aber ebenso um die israelischen, russischen und amerikanischen Soldaten, denen der Angriffskrieg ihrer eigenen Regierung Tod, Unglück und Leid bringt. An sie alle will ich erinnern. Darum stehe ich hier.


Jesu naive Friedensbotschaft


In meiner pazifistischen Einstellung wurde ich noch bestärkt, als ich in Jesu Bergpredigt las: „Selig sind, die Frieden schaffen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.” Und das heißt nicht, Frieden schaffen mit militärischer Gewalt, mit völkerrechtswidrigen Kriegen, aus Machtgier und Geldgier. 

In seinen Worten heißt das: 

Lass die Waffe stecken, denn alle, die zu Waffen greifen, werden durch Waffen umkommen.” Schlage nicht zurück. Gib um des Friedens willen nach. Reiche die Hand zur Versöhnung. Und wenn es sein muss, leide für den Frieden und nicht für den Krieg.

Das ist doch naiv, sagen die Kriegstüchtigen. Man muss sein Land verteidigen. Die anderen sind doch die Bösen. - Wirklich?  Das hat man schon immer so gesagt. Und dann hat man die jungen Männer ins Feuer geschickt, um zu töten und getötet zu werden.


Ich habe die Erzählungen nicht vergessen, wie in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts die sterbenden Soldaten in den Schützengräben geschrien haben. Und sie haben nicht geschrien: Hurra, ich sterbe, aber Deutschland oder Frankreich oder die Sowjetunion soll leben. Wisst ihr, was sie geschrien haben? – Mama! Ein jeder in seiner Sprache. Und die Verschütteten in den zerbombten Städten ebenso.

Das, liebe Friedensfreunde und alle, die jetzt zuhören, das ist Krieg. Und davor schützen keine Minister und Generäle, keine Waffen und keine Armeen. Im Gegenteil.


Fragen an meine Kirche


An dieser Stelle frage ich nun meine evangelische Kirche:  

-  Warum unterstützt du in deinen offiziellen Äußerungen die Politik der Regierung, dass Deutschland mehr Soldaten brauche und aufrüsten müsse? Hast du vergessen, wohin das führt?

– Warum bestärkst du die Menschen in unserem Land, dass Waffen und Militär für sie Zuflucht und Schutz seien. War das denn jemals so?

Und noch schlimmer: 

- Warum behauptest du, dass im Extremfall auch der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden dürfe?

Ist das die Botschaft, Kirche, die du für die Menschen heute hast?


Zurück zum Anfang


Zurück zum Anfang: Der neunjährige Bub auf dem Trümmerhaufen hatte doch recht: Die Ratten schlafen nicht, auch nachts nicht. Sie schliefen 1945 nicht in den Trümmern von Berlin und Ansbach. Sie schlafen heute Nacht nicht in Kiew und Gaza, in Teheran und Beirut. Sie fressen die toten Kinder unter dem Schutt der zerbombten Häuser - heute und überall, wo die Mächtigen einen Krieg verbrechen und die Machtlosen leiden. Wo Angst den Verstand lähmt und Furcht den Mut zum Frieden tötet.


Trotzkraft des Glaubens


Doch wir wollen uns nicht entmutigen lassen. In jedem von uns steckt eine Kraft, die die Mächtigen nicht ersticken können. Es ist die Kraft zum zivilen Widerstand gegen Rüstung und Krieg, die Kraft, gegen den Strom zu schwimmen. Für mich als Christ ist es die Trotzkraft des Glaubens.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen und trotz allem Frohe Ostern!

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17 Kommentare:

  1. Amen.Gott möge uns helfen🙏

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  2. Lieber Herr Löhr danke für Ihre Auslegung ja Krieg ist schlimm und wäre unnötig wenn alle Menschen nach dem Frieden der nur bei Jesus zu finden ist trachten würden und doch wenn ich in mein innersten schaue wieviel Wut und Streit finde ich da und muss immer wieder um Vergebung und Frieden Bitterkeit meinem Nächsten in Frieden zu leben und kann nur beten Herr sei mir Sünder gnädig Ihnen Ihrer Familie und allen Lesern ein gesegnetes Osterfest herzliche Grüße Angelika

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  3. Karl Felleiter04.04.26, 07:48

    Vielen herzlichen Dank für die klaren Worte. Ich freue mich darauf, Sie heute live zu hören!
    Eine Schande, wie sich die offizielle Kirche in der EKD-Denkschrift dem Zeitgeist der sogen. Zeitenwende anbietert und damit den Kern ihrer Friedensbotschaft verleugnet.

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  4. Ich möchte Ihnen heute , Herr Loehr,fürs Teilen ihrer Friedenskundgebung in Ansbach danken und ich möchte euch heute auch vom Frieden berichten. Bin in Südburgenland in Österreich zu Hause, war 47 Jahre verheiratet und bin seit 22.Oktober 2025 geschieden und am Mittwoch, den 1.April 2026 haben wir meiner lieben Schwiegermutter die letzte Ehre erwiesen. Mein Ex-Mann und ich, wir hatten auch lange Krieg, bis zur Scheidung, da habe ich mich bewusst für den Frieden entschieden und ab diesem Zeitpunkt läuft alles halbwegs gut, wir vertragen uns besser als vorher. Was ich heute zum Ausdruck bringen will, wenn es nicht so gelaufen wäre, hätte ich beim Begräbnis meiner Schwiegermutter nicht mit der ganzen Familie dabeisein können, ich wäre in der Kirche irgendwo gesessen, hätte alleine getrauert und keinen Frieden gehabt, meine Schwiegermutter war meine Mutter, sie hat zwar von unserer Trennung (dement) Gott sei Dank nichts mehr mitgekriegt, denn ich hatte sie fast 50 Jahre und meine Mama hatte ich leider nur knappe 10Jahre, diese heurige Karwoche ist für mich Frieden, Trauer und Dankbarkeit, Elisabeth

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  5. Wie wahr sind doch Ihre Worte! Möge die Friedensbotschaft in die Herzen der Menschen dringen. Bitte lieber Vater lass doch endlich die Waffen schweigen! Hilf, dass Verständigung und Friedensverhandlungen stattfinden! Bewahre uns den Glauben an Deine Macht, denn nur Du kannst helfen. Allen ein gesegnetes und behütetes Osterfest !

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    1. Ja mögen die Waffen doch lieber wieder schweigen. Nichts wird besser für irgend einen der Parteien. Wir gießen nur weiter Öl ins Feuer. Auch Jesus hat gesagt, dass wir nucht zum Schwert greifen sollen!!!
      Ich wünsche dass die Verantwortlichen und die Machthaber zum Wohle und Segen aller Menschen sich beruhigen, besonnen Agieren und weise Entscheidungen treffen.
      Frieden ein hohes Gut und ich möchte hoffen, dass wir Menschen nicht erst begreifen müssen was wir am Frieden verlieren, wenn es zu spät ist.
      Jesus, hilf uns Bitte!
      Amen

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  6. Was die allermeisten übersehen oder nicht wissen (wollen): Das Völkerrecht wurde zuvor gebrochen von diesen Terrorstaaten: Iran seit Jahrzehnten (Vernichtungsdrohung von Israel unter Einbindung derer Satelliten-Terrortruppen, auch aus Gaza). Der extrem korrupte Staat Ukraine seit 2014 (!) mit Angriffen und Morden auf die eigenen russischstämmigen Landsleute in der Ostukraine. Ist es wirklich unbiblisch sich irgandwann dagegen zu wehren? Verteidigung widerspricht nicht dem Völkerrecht, bestimmt nicht nach etlichen Jahren oder gar Jahrzehnten der Dauerbedrohung bei nuklearer Vorbereitung.

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    1. Verbreiten Sie hier nicht Ihre Verschwörungstheorien.

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    2. es sind keine - sich gut und breit informieren genügt, TV & deutsche Printmedien genügen leider nicht - im Fall Ukraine gab es bis 2014 dazu auch im dt. TV realistische Nachrichten/Reportagen

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    3. Heute aktuell zu Ostern eine weitere gute Nachricht aus einer engl. Übersetzung: "Unglaubliche Bilder erreichen uns gerade jetzt aus dem Iran: Riesige Menschenmengen jubeln, hupen, schwenken Fahnen und feiern ausgelassen, als wäre es der Tag der Befreiung, während das Khamenei-Regime unter Trumps Herrschaft zusammenbricht!". Auch das ist keine Verschwörungstheorie.

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    4. "Angesichts der internationalen Bedrohung stellt sich die Frage, wie es möglich war, dass ein mörderisches Regime islamischer Fanatiker jahrzehntelang ungestört ein Raketenarsenal bauen und Uran für Atomwaffen anreichern konnte, obwohl seine Sprecher dem Westen den permanenten Krieg angesagt und ganz offen ihre Vernichtungsabsichten erklärt hatten. In Europa ist der Krieg gegen die Mullahs in Iran extrem unpopulär. Denn er setzt der bisherigen Politik einer Kollaboration mit dem Terrorregime in Teheran um wirtschaftlicher Vorteile willen ein Ende." (Zitat Steinhöfel - zählt zu den profiliertesten deutschen Juristen mit ausgewiesener Expertise im Lauterkeitsrecht & Medienrecht)

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  7. DANKE und bitte 🙏

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  8. Danke, für Ihre mutige Stellungnahme, lieber Herr Löhr!

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  9. Leider, lieber Herr Löhr, fehlt in ihrer Ansprache - trotz "Frohe Ostern"- die eigentliche Osterbotschaft komplett. Sehr schade!
    Alles Gute, in Dankbarkeit mit Blick auf den auferstandenen Jesus Christus, denn "Auf Hoffnung hin sind wir gerettet“(Römer 8,24)

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  10. Danke Herr Löhr für Ihre Worte!
    Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, um mit der Kraft unseres Glaubens gegen den Strom zu schwimmen. Mein bisheriges Leben hat mir immer gezeigt, dass man nur mit Liebe und Friedensbestrebungen
    etwas in der Familie zum Besseren bewegen kann und so sehe ich es auch weltweit. Reich gesegnete Ostertage. Möge die frohe Botschaft viele Herzen erreichen.

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  11. Auszug aus www.cza.de. zur Losung vom Ostermontag; "Das heutige Losungswort bezieht sich auf das Volk Israel. Es ist Teil eines Liedes, das Mose kurz vor seinem Tod sang. Diesen Ausspruch des Mose betrachte ich mit hohem Respekt. Der Prophet Sacharja warnte sogar: „Denn so spricht der HERR Zebaoth, nachdem seine Herrlichkeit mich gesandt hat zu den Völkern, die euch berauben: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an.“(1) Ich glaube, diese Aussage gilt bis zum heutigen Tag. Judenverfolgung und der ständige Versuch, dieses Volk auszulöschen, ist nicht nur ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sondern ein Angriff gegen den lebendigen Gott."

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