Freitag, 11. September 2020

Was Gott zu deinen Tränen sagt hl

Losung: Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen. Psalm 39,13 

Lehrtext: Die kanaanäische Frau fiel vor Jesus nieder und sprach: Herr, hilf mir! Matthäus 15,25 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

„Schweige nicht zu meinen Tränen“ - was soll Gott zu deinen Tränen sagen? Im Grunde genommen nicht viel anderes, als was man zu einem Kind sagt, das weint: „Komm schon her. Ja ich weiß, das tut dir jetzt arg weh. Weine dich ruhig aus. Du wirst sehen, es wird alles wieder gut …“

     Und wie sagt er das? Er tut das manchmal durch einen anderen Menschen und manchmal während du betest. Während du ihm deine Tränen zeigst und dein Leid klagst. Er kann dich aber auch bei einem Spaziergang trösten oder wenn du deinen Hund oder eine Katze streichelst.

     Lass dich dann von ihm in den Arm nehmen. Er ist doch dein guter Vater. Wie das geht? Einfach so, dass du das ganz fest glaubst.

     Und zweifle nicht, dass er dein Leid nicht sehen oder zu deinen Tränen schweigen würde. Er hat das in Jesus bei der Frau aus Kanaan getan (Lehrtext), die doch nach damaligen Begriffen eine Heidin war und nicht den rechten Glauben hatte. Warum sollte er das nicht auch bei dir tun? Du bist doch seine Tochter, sein Sohn. Du bist doch ein Gotteskind. Und wenn du nicht weißt, wie du in deiner Not beten sollst, dann tu‘s wie jene Frau und sage: »Herr, hilf mir!« 

Gebet: Herr, du großer Menschentröster, sei bei denen, die Hilfe brauchen. Lass sie deine Nähe spüren. Trockne ihre Tränen. Heile ihre Schmerzen, wende ihre Not. Und wenn ich untröstlich bin, so hilf auch mir. Amen.

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Donnerstag, 10. September 2020

Ermutigung, Zuversicht und Kraft hl

Losung: Gott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. 1.Mose 9,13 

Lehrtext: So sollten wir einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung. Hebräer 6,18 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

muss ich Sorge haben, dass Gott eines Tages die Erde wieder zerstören könnte, die er geschaffen hat? Nein. Die Sintflut-Geschichte im Alten Testament erzählt, dass er sich mit der Erde verbündet hat oder anders gesagt, dass er ihr verbunden ist und bleibt. Dafür steht der Regenbogen am Himmel, das Zeichen des Friedens zwischen Gott und seinen Geschöpfen. Von ihm droht der Erde keine Gefahr, im Gegenteil. Von ihm nicht …

     Der Lehrtext kommt heute arg ‚geschraubt‘ daher. So reden Studierstuben-Theologen, aber keine normalen Leute. In der neuen Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“ heißt es etwas verständlicher: »Gottes Zusage und sein Eid ermutigen und stärken alle, die an der von Gott versprochenen Hoffnung festhalten.«

     Ermutigung und Kraft – wer kann das nicht gebrauchen? Ich kann das nicht aus mir schöpfen. Ich lasse sie mir schenken von dem, der mir auch das Leben geschenkt hat. 

Gebet: Herr, du bist ein Gott des Friedens, einer, der seine Menschen immer wieder ermutigt und stärkt. Ich vertraue dir, dass du für mich da bist. Darum will auch ich für andere da sein und sie so etwas von deiner Hilfe spüren lassen. Amen.

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Mittwoch, 9. September 2020

Horoskop und Gottvertrauen hl

 Losung: Es sollen hertreten und dir helfen die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt. Jesaja 47,13-14 

Lehrtext: Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade. Hebräer 13,9 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

woraus schon überall Menschen versucht haben die Zukunft zu lesen! Aus Gedärm und Vogelflug, aus geschmolzenem Blei und Kugeln aus Glas, aus Spielkarten und Pendelschwingungen und immer wieder aus den Sternen. Wissenschaftler haben deswegen schon mehrere Experimente mit sogenannten Zukunftsdeutern gemacht und ihnen viel Geld geboten, wenn wenigstens ein erkennbarer Teil ihrer Voraussagen eintreffen würden. Aber noch hat keiner von ihnen auch nur einen Cent verdient.

     Und die Horoskope? Warum sind sie so beliebt? Weil man aus ihnen nichts herausliest, sondern seine Wünsche und Ängste in sie hineinliest und man dann hofft oder fürchtet, dass sie Wirklichkeit werden könnten.

     Nein, von alledem lasse ich mich nicht irre machen. Ich brauche in der Silvesternacht kein schwankendes Herz zwischen Furcht und Hoffnung. Ich brauche auch für das neue Jahr Gottvertrauen so wie ich es auch im alten gebraucht habe. Das beruhigt und macht das Herz fest (Lehrtext). 

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mir die Möglichkeit geschenkt hast, dir zu vertrauen. Ich nehme dein Geschenk gerne an. Es ist mit das Kostbarste in meinem Leben. Darum werde ich darauf achten, es nicht wieder zu verlieren. Amen.

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Dienstag, 8. September 2020

Das große Glück der Undankbaren und Bösen hl

 Losung: Ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich so an euch handle zur Ehre meines Namens und nicht nach euren bösen Wegen und verderblichen Taten. Hesekiel 20,44 

Lehrtext: Er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Lukas 6,35 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Gott, so glaube ich, ist kein kleinlicher Erbsenzähler (vergleiche Losungsauslegung von gestern), sondern, wie der Lehrtext sagt gütig selbst gegen die Undankbaren und Bösen.    

     Mein Eindruck ist, dass mir ein solches Bibelwort wie dieses oder auch Jesu Gebot der Feindesliebe in meiner Kindheit und Jugendzeit verschwiegen worden ist. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, im Kindergottesdienst, Konfirmandenunterricht oder Religionsunterricht jemals davon gehört zu haben. Hoffentlich hast du etwas anderes erlebt. Stattdessen ist Gott immer wieder als pädagogisches Instrument zur Erziehung der Kinder und Jugendlichen missbraucht worden.

     Und so haben sich viele von dem Erbsenzähler abgewandt ohne je den gütigen Gott kennengelernt zu haben.

     Auch die Losung ist an diesem Punkt unmissverständlich. Um seiner selbst willen hat Gott kein Interesse, Menschen zu strafen. Stattdessen ist er in Jesus gekommen, um auch die Undankbaren und Bösen und auch mich anzunehmen und zu heilen. 

Gebet: Herr, du handelst nicht nach unseren Maßstäben, sondern nach deinen. Du hast eine andere Vorstellung von gut und böse, richtig und falsch als wir. Denn du siehst den Dingen und auch uns Menschen auf den Grund. Wie gut, dass keiner von den sogenannten Heiligen, kein Apostel, kein Prophet und kein Papst und schon gar kein Pfarrer Gott ist. Denn sie alle urteilen menschlich. Du aber urteilst göttlich. Dein Urteil ist Gnade und statt zu strafen liebst du mich. Amen.

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Montag, 7. September 2020

Gott und die Erbsenzähler hl

Losung: Deine Augen stehen offen über allen Wegen der Menschenkinder. Jeremia 32,19 

Lehrtext: Wir haben unsre Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt, welcher ist der Heiland aller Menschen, besonders der Gläubigen. 1.Timotheus 4,10 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Gott schläft nicht, hat es vorgestern in der Losungsauslegung geheißen. Er hält die Augen auf, um mich zu behüten. Aber die Losung heute sagt, dass »seine Augen auch über allen Wegen der Menschenkinder offenstehen«. Wozu, um sie, um uns alle zu kontrollieren? Nein. Um uns zu behüten, ausnahmslos.

     Er, so sagt der Lehrtext, ist ja nicht der Verderber, sondern der Retter (Heiland) aller (!) Menschen. Genau so sehe ich das auch. Was ich nur nicht verstehe, ist, warum dann noch dasteht »besonders der Gläubigen«. Sind wir, die wir an Gott in Jesus Christus glauben, so viel besser als andere? In welcher Hinsicht? Ich für meinen Teil kann auf diesen Zusatz verzichten.    

Gebet: Herr, du bist der Retter aller Menschen, sonst wärst du nicht Gott, sondern ein kleinlicher Erbsenzähler. So sind vielleicht wir Menschen. Aber du bist großzügig und hast mit allen Erbarmen. Dafür liebe ich dich. Amen.

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Sonntag, 6. September 2020

Menschliche Wünsche, göttliche Zusagen hl

Losung: Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Psalm 121,7 

Lehrtext: Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. 1. Thessalonicher 5,23 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ja, das wünsche ich dir, dass Gott dich vor allem, was dir deine Lebensfreude raubt, behüte. Er behüte dich vor Krankheiten und Verletzungen an Leib und Seele. Das ist mein Wunsch. Wichtiger aber ist die Zusage der Bibel. Denn im selben Psalm 121 steht noch dieser Satz:

     »Der HERR wird nicht zulassen, dass du fällst; er behütet dich und schläft nicht. Er gibt auf dich acht; er steht dir zur Seite und bietet dir Schutz vor drohenden Gefahren.« Luther hat Teile dieses Psalms als Wunsch und andere als Zusage übersetzt. Wünsche kommen von Menschen, Zusagen aber von Gott.

     Den Lehrtext gebe ich hier in einer neuen Übersetzung wieder. Da heißt er dann: »Möge Gott, von dem aller Friede kommt, euch helfen, ein Leben zu führen, das ihm in jeder Hinsicht gefällt. Er bewahre euch ganz und gar, damit ihr fehlerlos seid an Geist, Seele und Leib, wenn unser Herr Jesus Christus kommt. Gott ist treu, und was er in euch begonnen hat, das bringt er auch ans Ziel.«

     „Fehlerlos“ (untadelig) kann und muss ich nicht sein. Weil Gott menschenfreundlich ist, darum ist er auch fehlerfreundlich. Sonst aber habe ich dem Lehrtext nichts mehr hinzuzufügen.    

Gebet: Herr, wie gut mir dieses Wort tut, dass du es bist, der ans Ziel bringt, was er in mir begonnen hat. Das entlastet mich von aller verkrampften Frömmigkeit und aller Leistungsreligion. Du sagst mir zu, dass du mich behütest am Tag und in der Nacht. Das habe ich bisher so erlebt. Darauf verlasse ich mich auch in Zukunft. Amen.

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Samstag, 5. September 2020

Offene Fragen hl

 Losung: HERR, du bist der Armen Schutz gewesen in der Trübsal, eine Zuflucht vor dem Ungewitter, ein Schatten vor der Hitze, wenn die Tyrannen wüten. Jesaja 25,4 

Lehrtext: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut. Offenbarung 2,8-9 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

stimmt denn, was die Losung sagt? Ja und nein. Gott hat zahllose Menschen vor den Tyrannen dieser Welt gerettet. Zahllose sind aber auch ohne Hilfe geblieben.

    Eine Million und zweihunderttausend Kinder haben die Nazis in ihren Vernichtungslagern umgebracht. Die Neonazis heute bestreiten das natürlich, weil selbst sie keine Verehrer von Kindermördern sein möchten, was sie de facto aber sind.

     Aber auch bei den Bombenangriffen der Alliierten des 2. Weltkriegs auf deutsche Städte und bei den Atombombenabwürfen der Amerikaner auf Hiroshima und Nagasaki wie bei ihren Angriffen mit Napalmbomben auf Vietnam sind zahllose Kinder verbrannt.

Keine Antwort auf brennende Fragen

     Wo war da Gott? Warum war er nicht wenigstens Schutz und Zuflucht für diese  Kinder? Weißt du es? Ich weiß das nicht.

     Und wenn Christus, wie die Offenbarung (Lehrtext) sagt, „Bedrängnis und Armut“ der Gläubigen kennt, warum hat er dann nicht beispielsweise den Frauen geholfen, die von den Kirchen als Hexen verbrannt worden sind oder den angeblichen Ketzern, die in Spanien von der päpstlichen Inquisition dem Feuer übergeben wurden? Auch das weiß ich nicht. Noch viele solche Fragen wären zu stellen zum Beispiel zum Leid der Sklaven und der Ureinwohner Amerikas. Diese Fragen, die ich nicht beantworten kann, sind für mich eine schwere Anfechtung. Aber ich kann und will sie nicht verdrängen. Ich muss sie wenigstens mir stellen.

     Nun gut, ich kann sagen, irgendwann waren diese schrecklichen Dinge vorbei. Aber auch in unserer Gegenwart tauchen wieder neue Greueltaten auf. Soll ich mich damit beruhigen, dass heute mehr Menschen durch Selbstmord sterben als durch Krieg und Gewaltverbrechen? Nein.

     Das aber kann ich sagen: Auch zahlreiche Glaubende vor mir haben das gewusst und trotzdem an Gott festgehalten. Zwar sind viele an Gott irre geworden. Viele aber auch nicht. Und warum ich weiterhin an ihm festhalte? Weil ich zu meinem Glauben keine Alternative sehe. Wer sonst ist auch noch im tiefsten Leid bei uns Menschen als der, der selbst am Kreuz gelitten hat und gestorben ist? Wer sonst ist meine letzte Hoffnung als der, der auferstanden ist? Dieser Glaube hilft mir, auch jene verstörenden Fragen auszuhalten.

     Ja, ich muss viele Fragen unbeantwortet stehen lassen. Doch ich kann eben auch tief dankbar sein, dass mir und meinen Lieben solche schlimmen Sachen bisher erspart geblieben sind. Das ist für mich aber auch eine Verpflichtung, mich im Rahmen meiner Möglichkeiten gegen Hass, Rassismus, Militarismus, politischen Extremismus und auch Tierquälerei einzusetzen. Natürlich bitte ich Gott, dass er uns vor dem Bösen bewahre, wie es im Vaterunser heißt. Aber zugleich will ich für diese Bitte auch etwas tun. Nur die Hände falten und in den Schoß legen, reicht nicht.    

Gelassenheitsgebet:
Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
  den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
  Gib mir, einen Tag nach dem anderen zu leben,
  einen Moment nach dem anderen zu genießen.
  Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren,
  sie anzunehmen, wie Jesus es tat.
  Gib mir die Bereitschaft, diese Welt voll Glück und Leid, Liebe und Schuld zu
  akzeptieren wie sie ist,
und nicht, wie ich sie gern hätte.

  Gib mir das Vertrauen, dass durch dich schließlich und endlich alles gut wird.
  Und gib mir die Kraft, deinen Willen hinzunehmen und mich danach zu richten.
  So werde ich in diesem Leben immer wieder froh und dankbar sein
  und im nächsten glücklich für immer.

  Amen.
(Übertragung des Gelassenheitsgebets aus dem Englischen ins Deutsche)

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Freitag, 4. September 2020

Gott segne und behüte dich! hl

Losung: Der HERR segne dich und behüte dich. 4.Mose 6,24 

Lehrtext: Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Johannes 1,16 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wen segnet und behütet eigentlich Gott? Dich ganz bestimmt und mich auch. Und wen noch? Alles, was lebt. Jeder Mensch wird von ihm gesegnet. Jedes Tier wird von ihm gesegnet mit dem kreatürlichen Segen, also mit Fruchtbarkeit und Lebensenergie. Sogar jede Pflanze wird auf diese Weise von ihm gesegnet. Gottes kreatürlicher Segen ist elementar und universal. Darum sprechen wir auch von einem gesegneten Land und einer gesegneten Ernte, wenn Sonnenschein und Regen in einem guten Verhältnis stehen und die Erde noch fruchtbar ist, bevor sie der Mensch ... Naja, das ist ein anderes Thema.

Verschiedene Segensweisen

     Aber dieser Segen ist nicht der einzige. Wir Menschen sind, so glaube ich, auch mit der Fähigkeit zu glauben und zu lieben, zu hoffen und zu vertrauen gesegnet. Vielleicht können manche prinzipiell nicht glauben und lieben. So genau weiß ich das nicht. Es sind ja auch nicht alle Männer und Frauen fruchtbar, weshalb manche Paare kinderlos bleiben müssen. Deshalb bleiben sie aber nicht ungesegnet. Gott schenkt noch andere Kräfte und Möglichkeiten, die Menschen bereichern und erfreuen.

     Schließlich können wir uns ja auch gegenseitig auf unterschiedliche Weise segnen. Ich wünsche auch denen, von denen ich weiß, dass sie nicht glauben, Gottes Segen zum Geburtstag. Und nicht selten bekomme ich die Rückmeldung, dass sie genau dieser Wunsch freut. Und dir kann ich einen gesegneten Tag wünschen oder eine gesegnete Woche, also eine gesegnete Zeit, die nichts Besonderes ist, aber auch nicht selbstverständlich. Denn ein Tag ohne Hunger und Krieg, ohne Furcht und Flucht, ohne übermäßige Schmerzen und Todesangst ist ein gesegneter Tag auch und gerade dann, wenn er, wie manche zu sagen pflegen, stinknormal und stinklangweilig ist.

Behütet vor Leid, behütet in Leid. Unbehütet?

     Und wie ist es damit? Behütet Gott alle Menschen? Von mir kann ich das sagen. Er hat mich bis jetzt all die Jahre meines Lebens in guten wie in schlechten Zeiten behütet. Aber er hat mich nicht nur vor, sondern auch in Unglück und Leid behütet. Weder haben mich schwere Krisen, noch persönliches Leid, noch Krankheiten und Unglücksfälle brechen können. Nein, diese schlechten Zeiten waren weiß Gott nicht einfach. Aber sie haben weder mein Leben noch meinen Glauben zerstört. Ich meine sogar, sie haben zumindest meinen Glauben gestärkt. Und das liegt nicht an mir, weil ich vielleicht so widerstandsfähig, weil ich so ein Stehaufmännchen wäre. Ich glaube, das liegt einzig und allein an Gott, der mich vor und in allem Leid behütet hat. Und wenn ich morgen oder in naher Zukunft durch einen Verkehrsunfall oder an einer Krankheit sterben müsste, so hätte er mich bis dahin auch behütet. Und ich glaube auch, dass er mich im Tod behüten wird, damit ich nicht verlorengehe, sondern für immer ihm gehöre.

     Und was ist mit den zahllosen anderen Menschen, die zum Beispiel jung gestorben sind, die vielen Millionen Soldaten, die seit Menschengedenken sinnlos ihr Leben lassen mussten oder die Kinder, die aus unterschiedlichen Anlässen sterben mussten? Hat Gott sie etwa nicht behütet? Eine schwere, eine sehr schwere Frage. Ehrlich gesagt, ich traue mich nicht, sie zu beantworten. So oder so – ich könnte mit meiner Antwort ihren Angehörigen nicht gerecht werden.

     Aber eins traue ich mich zu sagen und sage ich am Schluss eines jeden Gottesdienstes. Denn da wünsche ich allen, die gekommen sind, dass Gott sie segnen und behüten möge. Und ich könnte das nicht, würde ich nicht glauben, dass er das auch tut. Und darum wiederhole ich noch einmal das Gebet von gestern und segne dich in seinem Namen mit diesem biblischen Segen: 

Gebet: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Donnerstag, 3. September 2020

Freundlicher Gott, freundliche Menschen hl

 Losung: Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn. Sprüche 12,25 

Lehrtext: Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. Epheser 4,32 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

unter Freunden sagt man sich freundliche Worte. In der Familie hoffentlich auch. Klar muss man mal auch Klartext reden, aber dann so, dass sich der andere nicht brüskiert fühlt, sondern damit umgehen kann. Es gibt ein bedenkenswertes Sprichwort, das heißt: Schlimmer als die Feigheit vor dem Feind ist die Feigheit vor dem Freund.

     Wenn jemand zu mir freundlich ist, wünsche ich mir, dass das ehrlich gemeint ist und sich dahinter nicht irgendeine Absicht verbirgt. Nun ja, eine gute und darum akzeptable Absicht könnte sein, dass ich mit denen, zu denen ich freundlich bin, gut auskommen möchte. Das ist hoffentlich auch in ihrem Interesse. Und eine andere Absicht könnte sein, dass ich mir wünsche, von ihnen ebenfalls freundlich behandelt zu werden nach dem Motto der Goldenen Regel von Jesus in der Bergpredigt: »Alles, was ihr euch von anderen wünscht, darin kommt ihnen zuvor.«

     Von Gott sagt die Bibel, dass er menschenfreundlich sei, ein Freund und Liebhaber seiner Geschöpfe. Und wenn es am Ende eines Gottesdienstes im Segen heißt: „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir“, dann kann ich mir nur ein freundliches Gesicht vorstellen, womit er mich liebevoll ansieht und aus dem er mir freundlich zulächelt. 

Gebet:

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 2. September 2020

Das große Lob der Schöpfung hl

Losung: Lobet den Herrn, Sonne und Mond, lobet ihn, alle leuchtenden Sterne! Denn er gebot, da wurden sie geschaffen. Psalm 148,3.5 

Lehrtext: Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen. Offenbarung 4,11 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

heute ist der Himmel noch teilweise bedeckt. Aber in den nächsten Tagen soll es wieder klare Nächte geben. Und dann will ich da, wo ich lebe zu den Sternen aufblicken und vielleicht auch du, wo du lebst. Und wir werden dasselbe sehen: Die Sternbilder des großen Wagens, des Orion, der Cassiopeia, der Leier usw. Wir werden das hellschimmernde Band unserer Milchstraße sehen mit ihren etwa 200 Milliarden Sonnen und Planeten ohne Zahl. Und wir werden mit den Ohren des Glaubens das große Lob der Schöpfung hören, am Tag den Gesang der Sonne und nachts den des Mondes und aller leuchtenden Sterne (Losung). Und wir werden mit einstimmen und mit den Worten des Franz von Assisi singen und beten: 

Gebet:

*Laudato si, o mi Signore.
*Sei gepriesen, du hast die Welt geschaffen, sei gepriesen für Sonne, Mond und Sterne, sei gepriesen für Meer und Kontinente, sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!
*Sei gepriesen für Licht und Dunkelheiten! Sei gepriesen für Nächte und für Tage! Sei gepriesen für Jahre und Gezeiten! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!
*Sei gepriesen für Wolken, Wind und Regen! Sei gepriesen, du lässt die Quellen springen! Sei gepriesen, du lässt die Felder reifen! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!
*Sei gepriesen für deine hohen Berge! Sei gepriesen für Feld und Wald und Täler! Sei gepriesen für deiner Bäume Schatten! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr.
*Sei gepriesen, du lässt die Vögel singen! Sei gepriesen, du lässt die Fische spielen! Sei gepriesen für alle deine Tiere! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!
*Sei gepriesen, denn du, Herr, schufst den Menschen! Sei gepriesen, er ist dein Bild der Liebe! Sei gepriesen für jedes Volk der Erde! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!
*Sei gepriesen, du selbst bist Mensch geworden! Sei gepriesen für Jesus, unsern Bruder! Sei gepriesen, wir tragen seinen Namen! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!
*Sei gepriesen, er hat zu uns gesprochen! Sei gepriesen, er ist für uns gestorben! Sei gepriesen, er ist vom Tod erstanden! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!
*Sei gepriesen, o Herr, für Tod und Leben! Sei gepriesen, du öffnest uns die Zukunft! Sei gepriesen, in Ewigkeit gepriesen! Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr!
(nach dem Sonnengesang des Franz von Assisi aus dem Jahr 1224)

Ja, so werden wir den Schöpfer des Himmels und der Erde preisen, deinen Gott und meinen Gott. So könnten wir es, wenn wir uns nur ein bisschen Zeit dafür nähmen. Und wir könnten dabei entdecken, dass wir mit allem anderen, was er geschaffen hat, verwandt sind. Franz von Assisi nennt in seinem Originaltext den Wind, und den Mond, das Feuer, die Sterne und den Tod Brüder, die Sonne und das Wasser Schwestern und die Erde Mutter. Laudato si, sei gepriesen, du Höchster. Gemeinsam beten wir dich an, wir, deine vielen Kinder.

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr 

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Dienstag, 1. September 2020

Begegnungszentrum von Gott und Mensch hl

 Losung: Es wird geschehen zu der Zeit, dass die Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Jesaja 11,10

 Lehrtext: Als Jesus aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. Markus 1,10-11

 Liebe Leserin, lieber Leser,

 heute gibt’s mal wieder ein bisschen Theologie und Dogmengeschichte als Impuls zum Nachdenken über die Bibel:

     Die Losung sagt: Der Endzeitkönig über alle Welt wird ein Nachkomme König Davids sein [Oder mit dem Bildwort aus dem Buch des Propheten Jesaja: Die „Wurzel Isais“ (= Vater von David)]. So glaubten und glauben es die Juden. Und Christen glauben, dass dieser König mit Jesus bereits gekommen ist und auf seine, nur den Glaubenden zugängliche Weise diese Welt und die Herzen regiert.

     Dieser König, so heißt es im Lehrtext, ist zugleich der Sohn Gottes. Das erzählt die Geschichte von Jesu Taufe im Jordan durch Johannes den Täufer. Auch ich glaube, dass die Rede von Jesus als Gottes Sohn am besten die Beziehung zwischen ihm und Gott beschreibt.

      Doch Jesus spricht von sich selbst als vom „Menschensohn“. Für mich heißt beides, dass in ihm mir Gott begegnet und dass in ihm ich Gott begegne. So macht auch das Bekenntnis der alten Kirche Sinn, dass Jesus zugleich „wahrer Mensch und wahrer Gott“ ist (siehe das nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis).

     Anders gesagt: In ihm begegnet mir, der ich ein sterblicher und fehlbarer Mensch bin, die Liebe Gottes. Zugleich begegne ich als dieser Mensch in ihm meinem barmherzigen Vater und allmächtigen Schöpfer. Jesus Christus ist sozusagen das Begegnungszentrum von Himmel und Erde, von Gott und Mensch. Für mich ist er Gott. Für Gott ist er ich. Und das gilt ebenso für dich und jedes Menschenkind. 

Gebet: Herr Jesus Christus, erst in dir und durch dich kann ich deinem Vater und meinem Gott persönlich begegnen. Erst in dir und durch dich ist er auch mein Vater und Gott. Nun ist meine Seele nicht länger ein Waisenkind. Nun weiß ich, wem ich gehöre und wer für mich da ist und sorgt. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

PS: Das Begegnungszentrum ist bildlich gesprochen der Ort, an dem sich die beiden Kreuzbalken + treffen.

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Montag, 31. August 2020

Dein Lebenselement hl

 Losung: Erkennet, dass der HERR allein Gott ist! Psalm 100,3 

Lehrtext: Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. Apostelgeschichte 17,27-28 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Im Gebet der Losungsauslegung vom 17. Juli habe ich geschrieben: »Herr, du bist das Wasser und ich bin der Fisch.« Damit sage ich mit anderen Worten, was Paulus heute im Lehrtext sagt. Und zugleich finde ich damit die Antwort auf die Frage: Wie kann ich erkennen, dass der Herr allein Gott ist (Losung)?

     Nun, im Wasser ist der Fisch in seinem Element, in seinem Lebenselement. Er kann nicht in der Luft leben, nicht in der Erde, nicht im Feuer. Ausschließlich das Wasser ist sein Element. In ihm wird er geboren, in ihm lebt er, in ihm stirbt er. Da aber der Fisch nichts anderes als Wasser kennt, könnte es sein, dass er gar nicht weiß, was Wasser ist, weil es schon immer da war und immer da sein wird, weil es so selbstverständlich ist, dass der Fisch niemals über das Wasser und sein Lebenselement nachdenkt.

     Und nun ist es nicht mehr schwer, meinen Gedankengang zu Ende zu denken. »Der Herr allein ist Gott«, sagt die Losung. In ihm bin ich in meinem Element, sagt mit anderen Worten der Lehrtext. Ein anderes Lebenselement, ein anderer Gott als er ist somit ausgeschlossen. Und weiter heißt es im Psalm 100, aus dem die Losung kommt: »Er hat uns geschaffen, wir gehören ihm! Wir sind sein Volk.« Das gilt für alles, was er geschaffen hat für alle Menschen und Tiere, für die belebte und unbelebte Natur.

Nein, ich habe mich nicht selbst geschaffen und nichts dazu getan, dass ich ihm gehöre. Mein Gott ist alles in allem: Mein Schöpfer und mein Lebenselement, mein liebevoller Vater und mein Herr. Und deiner auch. Das erkenne ich nicht einfach so. Das erkenne ich in Jesus Christus. Somit kann ich sagen: 

Gebet: Herr, schon immer habe ich dir gehört, auch, als mir das noch nicht klar war. Schon immer warst du mein Lebenselement und wirst es bleiben. Ohne dich kann ich nicht sein und außer dir habe ich keinen Ort, an dem ich sein könnte. Wo ich auch bin, bist du, jetzt und für alle Zeit. Amen 

Psalm 100: Jauchzet dem HERRN, ihr Menschen alle! Dient ihm voll Freude, kommt zu ihm mit fröhlichen Liedern! Erkennt, dass der HERR allein Gott ist! Er hat uns geschaffen, wir gehören ihm! Wir sind sein Volk, das er umsorgt wie ein Hirte seine Herde. Geht in sein Haus mit Dank, betretet es mit Lobgesang! Preist ihn und rühmt seinen Namen! Denn der HERR ist gut zu uns, seine Gnade hört niemals auf, für alle Zeiten hält er uns die Treue. 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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