Donnerstag, 15. Oktober 2020

Frohbotschaft statt Drohbotschaft hl

 Losung: Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wege und von euren bösen Werken. Jeremia 25,5 

Lehrtext: Paulus schreibt: Ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde. Römer 7,22-23 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

es ist schon lange her, dass ich einen von diesen Predigern in einer Großstadt gesehen habe, die von ihren Obstkisten herunter den Teufel an die Wand malten. Sie forderten mit rollenden Augen und schriller Stimme die Passanten auf, sich zu bekehren, weil entweder das Weltende bevorstünde oder sie sonst in die Hölle kämen oder beides. Ich war dann jedes Mal unangenehm berührt und habe mich für sie fremdgeschämt, weil sie aus dem Glauben eine Karikatur machten und die Menschen anwiderten.

     Aber auch solche „Propheten“ mit ihren Drohbotschaften finden immer wieder Anhänger, die ihnen Glauben schenken. Bis heute spielen Drohung und Angst in allen Religionen eine große Rolle: ‚Wenn du nicht dies und jenes tust und glaubst, wird es dir schlecht ergehen.‘ Doch damit bringt man niemanden zu einem gesunden Glauben, sondern macht ihn krank oder stößt ihn ab.

     Die heutige Losung ist ebenfalls Teil einer schrecklichen Drohbotschaft aus dem Kapitel 25 des Jeremiabuches. Mit dem Propheten gleichen Namens hat sie nichts zu tun, sondern ist ein Anhängsel an seine Botschaft, um auf diese Weise ernst genommen zu werden. Den Verfassern, vermutlich Priestern, ging es darum, das Volk der Israeliten bei der Stange, also beim Glauben zu halten, indem sie ihm mit einem vor Zorn schäumenden Rachegott gehörig Angst einjagten. Vermutlich hatten sie selbst Angst und glaubten tatsächlich, dass Gott die Juden vernichten würde, wenn sie nicht so lebten und glaubten, wie das Gesetz es vorschrieb. Hier eine Kostprobe: »Siehe, bei der Stadt Jerusalem fange ich an mit dem Unheil, und ihr solltet ungestraft bleiben? Ihr sollt nicht ungestraft bleiben, denn ich rufe das Schwert über alle herbei, die auf Erden wohnen, spricht der HERR Zebaoth.« (Jeremia 25,29)

     Im Lehrtext kommt gleich viermal das Wort Gesetz vor, offenbar das Lieblingswort des ehemaligen Pharisäers und späteren Apostels Paulus. Doch mein Lieblingswort ist ein anderes. Es heißt Evangelium. Nicht wegen ihrer Drohbotschaft ist die Bibel Gottes Wort, sondern wegen ihrer Frohbotschaft. Manche meinen, beides müsse nebeneinanderstehen, weil man sonst die Bibel verkürze.

     Ich meine das nicht. Für mich ist Jesus keine Drohbotschaft und auch nicht das, was er gesagt und wie er gelebt hat. Er braucht nicht noch den schwarzen Zwilling „Gesetz“ an seiner Seite. Er steht über dem Gesetz aus den fünf Büchern Mose. Er treibt die Menschen nicht mit Drohungen und Schlägen auf den scheinbar richtigen Weg, sondern geht selbst voran in den Spuren von Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Auf diesem Weg folge ich ihm gern.

 Gebet: Herr Jesus Christus, ohne dich würde ich Gott nicht kennen. Ohne dich würde ich nicht glauben. Ohne dich müsste ich ohne Gottvertrauen leben. Ohne deine Liebe würde meine Seele frieren. Du selbst bist Gottes helles Wort. Du allein. Auf dich will ich schauen, dir folgen. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr.

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Kommentare:

  1. Ja Amen
    Jesus steht über den Gesetzen, die so lange mit Strafen gedroht haben. Durch Jesus haben wir die Frohbotschaft. Er hat uns alle erlöst, wir stehen alle unter seiner Gnade. Danke
    Elisabeth

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  2. Die vollkommene Liebe treibt die Furcht hinaus. Die Trauer über die eigene Sünde mag mich zu Gott treiben, denn dann erfahre ich, was Gnade ist. Trauer entsteht nicht, wenn ich alles, was mich ermahnt, abschneide und als verfälscht hinstelle...lesen sie mal Jer. 14, 13 und ff. Es ist nun mal das alte Testament, der alte Bund. In Jesus hat Gott einen neuen Bund mit uns geschlossen, dessen Gnade wir dennoch erst begreifen, wenn wir nicht alles weichspülen wollen. Dem Raucher im Krankenhaus, dem schon ein Bein abgenommen wurde, würde ich auch nicht erzählen, dass er weiterrauchen soll, es wird schon alles wieder gut werden. Ich ermutige ihn vielmehr, zu versuchen, damit aufzuhören, damit er sich noch etwas Mobilität und Lebensqualität erhalten kann. Genauso ist es doch hilfreicher, auch Gottes Mahnungen ernst zu nehmen, statt sie als verfälscht hinzustellen. Besagter Raucher ließ sich nicht zur Umkehr bewegen. Das zweite Bein ist ab.....dennoch werde ich ihn weiter ermutigen, sich nicht wegzuwerfen, und gehen zu lassen. Gottes Gnade reicht, so weit der Himmel ist.

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    1. Ich stelle inzwischen das weitverbreitete Verständnis von einem pädagogischen Gott, der die Menschen erzieht durch Vorschriften und Ermahnen oder gar Strafen infrage. Dieses Verständnis ist meines Erachtens eine Projektion menschlichen Verhaltens an den Himmel: So wie wir Menschen miteinander umgehen, so muss auch Gott mit uns umgehen. Die Bibel ist voll von solchen pädagogischen Vorstellungen. Aber ist es diese Überhöhung menschlicher Pädagogik ins Göttliche worum es im Glauben geht? Muss es immer nach dem Schema gehen, dass einer es besser weiß als der andere? In der Kindererziehung hat das manchmal seine Berechtigung, wobei auch da das eigene Vorleben und das alltägliche, absichtslosen Zusammenleben mit den Kindern meines Erachtens die bessere Erziehung ist. Erziehungskonzepte vor allem aus Büchern waren und sind immer fragwürdig, auch aus dem Buch der Bücher.
      Ja, die Bibel enthält viel Erziehungsreligion, durchaus in guter Absicht, aber oft, sehr oft auch ohne Erfolg sowie bei dem Patienten, der trotz Ermahnungen mit dem Rauchen nicht aufgehört hat. Nicht umsonst ist gerade im Alten Testament immer wieder von der Enttäuschung Gottes die Rede, dass seine Menschen nicht so leben und glauben, wie er es will. Und deshalb hat er es aufgegeben, uns unbelehrbare Menschen ständig zu strafen, sondern ist den Weg der Liebe und der Barmherzigkeit gegangen, ist in Jesus Mensch gewordenen und hat lieber selbst gelitten als anderen Leiden zugefügt. Gott fordert nicht mehr (= Gesetz), sondern schenkt (= Gnade). So gewinnt er das Herz derer, die sich für ihn öffnen. So sind sie bereit, auf ihn zu achten und ihn in ihr Leben einzuladen. Mehr noch, so sind sie bereit, den, der sie bedingungslos (!) liebt, selbst wieder zu lieben. Und darum geht es doch. Oder?

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