Sonntag, 22. März 2020

Wie wird es weitergehen? hl

LosungEs ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart. Daniel 2,28

Lehrtext: In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Kolosser 2,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie wird es weitergehen mit dir und mir in dieser Krise? Werden die Ausgangsbeschränkungen bei uns in Bayern demnächst zu einer kompletten Ausgangssperre? Was machen wir dann in unseren Wohnungen? Wie kommen wir da miteinander oder auch allein aus? Werden wir in dieser Krise glimpflich davonkommen, ohne Ansteckung und ohne schwer zu erkranken? Wie lange wird das Ganze dauern? Und was wird danach sein? Wird sich das Leben wieder normalisieren oder wird vieles anders sein als zuvor und nicht mehr so werden, wie es war?
     Solche und ähnliche Fragen gehen jetzt nicht nur mir durch den Kopf. Aber noch kann niemand darauf eine verlässliche Antwort geben. Denn wir können nicht in die Zukunft schauen. Wir können nicht mal um die nächste Kurve blicken. Wir wissen einfach nicht, was wirklich auf uns zukommt. Wir können mutmaßen. Wir können uns fürchten. Wir können hoffen. Wir können so gut es geht Vorsorge treffen. Aber wir können nicht wissen.

Hoffnungsschimmer China

     Ich blicke jetzt auf China, wo das Virus ausgebrochen ist und wo die Infektionen inzwischen zum Stillstand gekommen zu sein scheinen. Das ist auch ein Hoffnungsschimmer für Europa und unser Land. Aber mehr noch nicht. Wir haben unter uns leider keinen Propheten wie den Daniel, der dem König Nebukadnezar die Träume gedeutet und die Zukunft gezeigt hat (Losung). Doch Daniel war, im Unterschied zu den anderen Propheten des Alten Testaments, nur eine Sagengestalt. Die Legenden über ihn sollten die gläubigen Israeliten mutig und stolz machen, dass Gott auch das Geschick des mächtigen Königs Nebukadnezar aus Babylon in seiner Hand hat.      
     Kein Mensch, weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart, noch in der Zukunft konnte, kann und wird wissen können, was sein wird. Schon gar nicht die armseligen Handleser, Kartenleger, Kristallkugelgucker, Wahrsager, Horoskopersteller und wie sie alle heißen und was sie alles tun.

Was ich von meiner Zukunft sagen kann

     Das Einzige, was ich im Hinblick auf meine eigene Zukunft sagen kann, ist das, was Dietrich Bonhoeffer in seiner Gefängniszelle gebetet hat: »Herr, ich kenne meine Wege nicht; aber du weißt den Weg für mich.« Manche meinen, das sei aber wenig. Ich meine, für mich ist das viel. Mich macht ein solches Vertrauen auf Gott ruhiger und gelassener. Ja, ich bin vorsichtig und versuche zu tun, was man jetzt vorbeugend tun kann. Doch mehr geht nicht. Es kommt wie es kommt. Und dann muss ich jeweils schauen, wie ich mit der Situation zurechtkomme. Mein Glaube wird mir dabei helfen. Das hoffe ich.
     Der heutige Lehrtext heißt in seinem Zusammenhang: »Ich setze mich dafür ein, dass Gott euch allen Mut und Kraft gibt und euch in seiner Liebe zusammenhält. Er schenke euch tiefes Verstehen, damit ihr die ganze Größe seines Geheimnisses erkennt. Dieses Geheimnis ist Christus. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen.«
     Manche fragen im Blick auf die Koronakrise, wie Gott sowas zulassen könne, ob sie sein Strafgericht über uns Menschen sei, ob sie für ihn ein Mittel sei, um uns etwas klarzumachen. Ich weiß nur, dass auch allerlei Viren zur Schöpfung dazugehören und ihren Zweck erfüllen. Sie sind Bestandteil der Welt, in der ich lebe wie auch Naturkatastrophen und schließlich der Tod. Auf diese Welt mit ihren Licht- und Schattenseiten bin ich gekommen. Eine andere gibt es nicht. Und wie die allermeisten Menschen lebe ich gerne auf ihr, auch wenn das Leben manchmal mühsam ist.
     Diese Welt, so glaube ich, hat Gott erschaffen. Und das Geheimnis dieses Gottes, so sagt es der Lehrtext, ist Jesus Christus, der „Gotthilft“. Er lag für mich in der Krippe. Er hing für mich am Kreuz. Mit ihm überwindet Gott, was mich fürchten machen will.
     Wie wird es weitergehen mit dir und mit mir in dieser Krise? Es wird weitergehen mit Gottes Hilfe. Und er weiß auch wie.

Gebet: Herr, wir brauchen in dieser Zeit allen Mut und Kraft. Du wirst sie uns geben. Halte uns in deiner Liebe zusammen, dass wir füreinander beten und einstehen so gut es geht. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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Samstag, 21. März 2020

Haben wir denn keinen Gott mehr? hl

LosungDer Herr spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke. 3.Mose 26,6

Lehrtext: Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. Philipper 4,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Nichts Genaues weiß man nicht“ - das ist kurz zusammengefasst die Situation, in der wir uns zur Zeit alle befinden. Auch die Experten haben keine wirklich gesicherten Erkenntnisse, sondern können nur mutmaßen. Sie empfehlen vorbeugende Maßnahmen. Die Politiker ordnen sie an. Keiner will sich dem Vorwurf aussetzen, irgendetwas versäumt zu haben. Aber es gibt auch andere Stimmen, auch wenn sie in der Minderheit sind. Bei der Berichterstattung zur Coronakrise in den Medien kann man zurecht kritisch nachfragen: Was wird eigentlich berichtet und was nicht? Und warum ist das so?
     Immerhin gibt es seit zwei Tagen auch die positive Nachricht, dass in China keine Neuinfektionen mehr festgestellt werden. Ganz schlimm aber ist die Situation für die Flüchtlinge, die nun keine Chance mehr haben, nach Europa eingelassen zu werden. Die aber auch in ihren Elendslagern so gut wie keine medizinische Versorgung bekommen, wenn sich dort das Virus ausbreiten sollte.

Sein Friede gibt innere Ruhe

     „Nichts Genaues weiß man nicht“. Diese Ungewissheit belastet. Niemand kann sagen, wie es in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten weitergehen wird. Werden die Infektionen in die Höhe schnellen oder nicht? Wie kommen die Menschen bei uns in Bayern mit der Ausgangssperre klar? Gerät die medizinische Versorgung an ihre Grenzen? Oder kann bald Entwarnung gegeben werden und das Leben sich wieder normalisieren?
     In dieses Fragen hinein sagt Gott im heutigen Losungswort: »Ich will Frieden geben in eurem Land; niemand soll in Angst und Schrecken leben müssen.«
     Ich kenne Mütter von kleinen Kindern, die jetzt in Panik sind. Ich kenne Großeltern, die in Panik sind. Dass sie sich sorgen und vorsichtig sind, kann ich verstehen. Das tue ich auch. Aber Panik hilft nicht. Sie macht alles nur noch schlimmer. Haben wir denn keinen Gott mehr, an den wir uns wenden, auf den wir vertrauen können? Haben wir nur noch uns selbst? Nein, ich kann mich nicht in meiner eigenen Hand wärmen. Kann nicht aus mir selbst Frieden und Geborgenheit schöpfen. Aber ich kann mich von Gott damit beschenken lassen. Denn nicht meine, von den Medien und den Meinungen anderer beeinflusste Vernunft gibt mir innere Ruhe, sondern sein Friede, den Jesus bringt.

Gebet: Herr, all mein Fragen und Mutmaßen führt zu nichts. Meine Befürchtungen – wer kann sie zerstreuen? Meine Ungewissheit – wer kann mich davon befreien? Ich lege das alles in deine Hand. Nimm meine Unruhe, damit ich in mir Raum habe für deinen Frieden. Du regierst auch in dieser Zeit. Du bist bei mir im Tal der Bedrohungen. Du wirst mich wieder gut hinausbringen. In deinem Frieden bin ich geborgen am Tag und in der Nacht. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 20. März 2020

Guter Mut in Zeiten wie diesen hl

LosungDer HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes. Psalm 27,5

Lehrtext: Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. 2.Korinther 12,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

keine Kirchengottesdiensten mehr in Deutschland. Wahrscheinlich nicht einmal am Karfreitag und an Ostern. Das ist bitter. Gerade jetzt bräuchten Menschen einen Ort, wo sie sich gemeinsam ihres Glaubens vergewissern können. An dem ihr Gottvertrauen und ihre Zuversicht gestärkt werden.
     Aber braucht es dazu Kirchengebäude? Warum hat der Verfasser des Bibelwortes nicht geschrieben: ‚Der Herr deckt mich in seinem Tempel in Jerusalem zur bösen Zeit“? Warum erinnert er sich an die Frühzeit seines Volkes, als die Israeliten 40 Jahre lang herumziehen mussten bis sie endlich in das versprochene Land kommen durften? In dieser Zeit haben die Wandernden die Bundeslade, eine Art hölzernen Behälter mit den zehn Geboten und anderen Kultgegenständen mit sich getragen. Und wenn sie sich lagerten, stellten sie für Gott ein Zelt auf, in dem die Lade ihren Platz fand. So war für alle sichtbar: ‚Gott ist da. Er zieht mit uns. Er ist da, wo wir sind‘.
Daran hatte sich der Beter des Psalms 27 erinnert, als es ihm schlecht ging und er Gottes Nähe brauchte (Losung).
     Ja, es wäre schön, wenn die Kirchen nach wie vor offen wären und sich die Gläubigen in ihnen versammeln könnten, um Gottes Wort zu hören, ihre Anliegen im Gebet vor ihn zu bringen und ihn mit ihren Liedern zu bitten, zu loben und zu danken. Ja, das wäre schön.
Aber notwendig ist das nicht.

Mein Glaube ist sein Zelt

     Notwendig, also Not wendend ist das Vertrauen, dass Gott da ist, wo ich bin. Mein Glaube ist sein Zelt, in dem er wohnt, in dessen Schutz ich geborgen bin (Losung). Das kann ich überall und zu jeder Zeit aufstellen, wo ich bin. Dazu muss ich nur meine Hände falten. Gott lässt sich nicht einsperren in Tempel, Kathedralen, Dome und Kirchen. Er will bei mir sein, will mich auf meinem Lebensweg begleiten und führen und, wenn es sein muss, mich schützen und tragen. Und dich auch.
     Denn wenn ich schwach bin, ist er stark. So gibt er mir die Kraft, auch Lasten und Leid zu tragen. So gibt er mir die Geduld, in „böser Zeit“ auszuhalten und durchzuhalten. Da ich das weiß, besser: Da ich mir das zu Herzen nehme und darauf vertraue, bin ich guten Mutes auch in Zeiten wie diesen.

Gebet (YouTube Video):
Wo ich auch stehe, du warst schon da.
Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah.
Was ich auch denke, du weißt es schon.
Was ich auch fühle, du wirst verstehn.
Du kennst mein Herz, die Sehnsucht in mir.
Als wahrer Gott und Mensch warst du hier.
In allem uns gleich und doch ohne Schuld.
Du bist barmherzig, voller Geduld.
Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem darum liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf,
Und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem darum liebst.

(Quelle: Musixmatch, Songwriter: Albert Frey, Änderung: Hans Löhr)

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 19. März 2020

Gottes Wesen hl

LosungDer HERR wandte sich Israel wieder zu um seines Bundes willen mit Abraham, Isaak und Jakob und wollte sie nicht verderben, verwarf sie auch nicht von seinem Angesicht bis auf diese Stunde. 2.Könige 13,23

Lehrtext: Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Römer 11,29

Liebe Leserin, lieber Leser,

in Zeiten wie diesen voll Verunsicherung, Angst, Hysterie, Besserwisserei und Leichtsinn frage ich neu nach meinem Gott. Was sind seine offenbaren Wesenszüge, die es mir ermöglichen, ein stabiles, vertrauensvolles, persönliches Verhältnis zu ihm zu haben?
     Im Alten Testament erscheint Gott manchmal so unberechenbar wie Naturgewalten: Erst erschafft er die Menschen und segnet sie, dann will er sie wieder verderben (Sintflut), dann rettet er sie doch (Noah). Erst machte er einen Menschen zum König, bald darauf verwirft er ihn wieder (Saul). Erst hilft er seinem Volk, den Israeliten, gegen seine Feinde, dann lässt er diese als grauenhaftes Strafgericht über sie kommen (Aufstieg und Untergang der Staaten Israel und Juda im neunten und sechsten Jahrhundert vor Christus). Erst lässt er Salomon einen Tempel bauen, dann lässt er es zu, dass er durch die Babylonier und später noch einmal durch den Römer Titus wieder zerstört wird.

Unberechenbare oder verlässliche Größe?

     Im Alten Testament wird zwar auch ein anderes Gottesbild gezeichnet wie das vom fürsorgenden, guten Hirten (Psalm 23) oder das vom nahen und schützenden Gott (Psalm 139). Aber im Vordergrund steht schon Gott als unberechenbare Größe. Vor ihm muss man sich fürchten. Ihm muss man Opfer bringen und peinlich genau nach seinen Forderungen leben, wenn man nicht bestraft werden will.
     Und im Neuen Testament? Auch da können sich die Verfasser der Evangelien und Briefe, vor allem der Apostel Paulus, nicht gänzlich freimachen von den alttestamentlichen Wesenszügen Gottes. Und doch tritt Gott da in Jesus deutlich anders in Erscheinung. Jetzt ist er nicht mehr mal so und dann wieder so. Jetzt muss man sich vor ihm nicht mehr fürchten. Jetzt erscheint Gott als verlässliche Größe, als himmlischer Vater, der seine Kinder liebt und der von ihnen wieder geliebt werden kann. Jetzt lässt er nicht mehr die Brandung als Gericht über die Menschen kommen, sondern ist selbst der Fels in der Brandung. Ist in Jesus das personifizierte Gottvertrauen: Er verhindert den Sturm nicht. Aber er ist mit im Sturm und mit im Boot. So stillt er den Sturm der Angst in den Herzen seiner Jünger.

Gottes einziger Wesenszug

     Er verwundet nicht mehr, sondern heilt. Er verdammt nicht mehr, sondern vergibt. Er gibt seine Geschöpfe nicht mehr verloren, sondern rettet sie durch den Tod hindurch. Das Evangelium, die gute Nachricht, besagt: »Nichts kann uns scheiden von seiner Liebe, die in Jesus Christus ist, unserm Herrn« (Römer 8,39). Nichts. Mein Unglaube nicht. Meine Sünde nicht. Keine anderen Mächte. Nicht einmal der Tod.
     Nun hat Gott keine unterschiedlichen Wesenszüge mehr. Nun kennen wir an ihm nur noch diesen einen Wesenszug: »Gott ist Liebe« (1. Joh. 4,8). Von nun an ist er nicht mehr selbst Sturm, Erdbeben, Krieg, Seuchen, Hunger und Leid. Von nun an ist er in alledem das Fundament, auf dem du und ich Halt finden. Auch jetzt in diesen Corona-Zeiten. Auch in den Wechselfällen unseres persönlichen Lebens.
     Nein, „Gottes Gabe kann ihn nicht gereuen“ (Lehrtext). Gottes Gabe ist sein Sohn Jesus Christus, der uns die Liebe des Vaters bringt.

Gebet: Herr, auf dich verlasse ich mich ganz und gar. Worauf sollte ich mich denn sonst verlassen? Auf meinen Glauben? Auf meine Kraft? Auf meine Vernunft? Auf andere Menschen und Mächte? Das alles ist brüchig und vergänglich. Aber du bist der ewige Fels, auf dem ich die Hütte meines Lebens bauen kann. Wenn alles bricht, du verlässt mich nicht. Größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Amen
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 18. März 2020

Genug für Mensch und Tier hl

LosungEs wartet alles auf dich, HERR, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. Psalm 104,27-28

Lehrtext: Ihr habt schon geschmeckt, dass der Herr freundlich ist. 1.Petrus 2,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

für frühere Generationen war es selbstverständlich, vor dem Essen zu beten und manchmal danach zu danken. Ich tu’s heute noch und komme mir dabei manchmal wie ein Fossil vor. Meine Kinder nehmen das hin. Ob sie innerlich damit was verbinden können, weiß ich nicht. Aber wenn ihre Freunde mit am Tisch sitzen, wird es immer ein bisschen komisch. Nun gut, sie wissen, dass ich Pfarrer bin und denken sich vielleicht, dass ich das von Berufs wegen tun muss. In ihrer Lebenswelt jedenfalls kommt das Tischgebet nicht vor.
     Einem, wie ich meine, schönen alten Tischgebet liegt unsere heutige Losung zugrunde. Es heißt:

Gebet: Aller Augen warten auf dich, Herr,
und du gibest ihnen ihre Speise zu seiner Zeit;
du tust deine milde Hand auf und sättigest alles,
was da lebet, mit Wohlgefallen. Amen

Heinrich Schütz (1585 bis 1672) hat diese Worte zusammen mit dem Vaterunser vertont. Hier das Video. Sie stehen in dem wunderbaren Schöpfungspsalm 104.

     Der, von dem dieser 2500 Jahre alte Psalm stammt, hatte ein weites Herz. Er dachte bei diesen Worten nicht nur an sich oder das Menschengeschlecht. Er hatte auch die Tiere im Blick und stellte sich vor, wie auch sie auf Gott schauen und darauf warten, dass er ihnen Speise gebe.
     Zurück zum Tischgebet. Wenn ich solche Worte bete, wird mir bewusst, dass das „tägliche“ Brot nicht selbstverständlich ist. Es ist die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit und beides ist ein Geschenk Gottes. Ja, auch dass ich mir mein Brot, meinen Lebensunterhalt mit meiner Arbeit verdienen kann, ist ein Geschenk. Auch das macht meine Menschenwürde aus. Nicht umsonst leidet bei Arbeitslosen auch das Selbstwertgefühl.
     Leider haben heute viele den Sinn dafür verloren, dass Gott uns und allen seinen Geschöpfen den „Tisch der Natur“ deckt. Noch immer ist genug für alle da. Und wenn heute jemand hungern muss, dann weil die Politik in seinem Land versagt. Dass wir uns bemühen, die Güter der Erde zu teilen, ist nicht eine Frage des Mitleids und der Barmherzigkeit, sondern der Gerechtigkeit. Meiner Meinung gilt das auch für Insekten, Vögel und Wildtiere, deren Lebensraum und Nahrungsgrundlagen zunehmend beschnitten werden. Drastisch gesagt: Wir schlagen Gott die Speise aus der Hand, mit der er alle seine Geschöpfe sättigen will.
     Beim Tischgebet wird mir auch bewusst, dass ich mein ganzes bisheriges Leben seine Freundlichkeit schmecken durfte. Das ist heute noch so und wird auch morgen so sein.
     Alle Menschen in unserem Land machen tagtäglich die Erfahrung, dass sie sich sattessen können. Ich glaube, wir wären zufriedener und freigebiger, wenn wir diese Erfahrung mit Gott zusammenbringen könnten. Dann bräuchte es keine Panikkäufe wie in diesen Tagen und niemand müsste aus irrationaler Angst Berge von Nudeln, Konserven und Klopapier horten. Ob das auch meine Kinder bedenken, wenn ich beim Mittagessen das Bibelwort sage: „Danket dem Herrn; denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich“? Ich werde sie mal fragen. 
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 17. März 2020

Den Glauben üben und Zuversicht gewinnen hl

LosungDein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen. Psalm 19,12

Lehrtext: Übe dich darin, den Willen Gottes zu tun! 1.Timotheus 4,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

Händewaschen nach jedem Einkauf, nach jedem Arztbesuch, nach jedem Apothekenbesuch. Hände waschen, wenn man außerhalb seiner vier Wände etwas angefasst hat. Keine Hände mehr schütteln. Mindestens 2 bis 3 Meter Abstand zu anderen Personen. Keine Besuche bei Großeltern. Keine Besuche bei Enkeln. Menschenansammlungen meiden … Lassen wir uns durch die Gebote zur Eindämmung der Corona-Infektion warnen. Das dient, so hoffe ich, zu unserem Besten und zum Besten unserer Mitmenschen.
     Die Bibel sagt, dass sich der Mensch warnen lässt, ist nicht nur in Zeiten von Ansteckungsgefahr wichtig, sondern immer. Achte auf das, was Gott sagt, damit du dich nicht selbst und andere in Gefahr bringst. Achte auf die Goldene Regel, die in Jesu Bergpredigt steht: »Alles, was du willst, dass andere dir tun sollen, darin komme ihnen zuvor.« Mehr ist zu alledem nicht zu sagen. Diese Gebote verstehen sich von selbst, auch wenn sie weithin nicht beachtet werden.
     Denn man muss auch den Glauben üben (Lehrtext), und dazu gehört, auf Gottes Gebot zu achten. Gerade der Glaube aber versteht sich nicht von selbst. Die Mönche und Nonnen in den Klöstern wissen das. Sie üben regelmäßig zu bestimmten Gebetszeiten am Tag ihren Glauben. Sie verstehen selbst ihre Alltagsarbeit als eine Glaubensübung und halten sich an das Gebot des Benedikt von Nursia: »Bete und arbeite.« Genauer: Bete für deine Arbeit und arbeite für dein Gebet!  
     Ich selbst habe es in meinem Leben mehr als einmal erfahren: Wenn ich im Glauben nachlässig werde, dann reißt er ab. Dann verschwindet er hinter den üblichen Alltagsdingen. Aber ich habe ebenfalls erlebt: Wenn ich täglich bete, wenn ich auch tagsüber immer wieder mal an Gott denke – so wie gestern, als ich zum ersten Mal in diesem Jahr eine Lerche über mir habe singen hören – und ihm danke, dann stärkt das meinen Glauben und damit auch meine Zuversicht und meine Lebensfreude.

Gebet: Herr, der Kontakt mit dir hilft mir, ruhig und besonnen zu bleiben. Wenn ich bete und über dich nachdenke, werde ich zuversichtlich. Du bist die Quelle meiner Energie und Freude. Ja, ich will auf dich achten. Ich verlass mich aber auch darauf, dass du auf mich und meinen Glauben achtest, damit ich ihn nicht mehr verliere. Amen
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 16. März 2020

Es geht gut aus hl

LosungIch rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt. Psalm 57,3

Lehrtext: Wer beharrt bis an das Ende, der wird selig. Markus 13,13

Genau so, liebe Leserin, lieber Leser, wie es die Losung sagt, geht Beten: Ich rufe zu Gott, ich bitte ihn für dieses und jenes und zugleich bin ich dankbar und voll Zuversicht, dass er »meine Sache zum guten Ende führt«.
     Aber was das gute Ende ist, bestimme nicht ich, sondern er. Und das macht er nicht von meinem Gebet abhängig. Das tut er aus Gnade. Und das heißt, er führt meine Sache zum Guten Ende, weil er das von Anbeginn so gewollt hat. Das muss ich ihm nicht erst sagen. Aber ich muss es mir sagen. Und das geschieht nicht zuletzt dadurch, dass ich es ihm sage und ihn um das bitte, was ich auf dem Herzen habe. Beim Beten mache ich mir bewusst, dass da ein Gott ist, der mir hilft.
     Doch ich vertraue dabei nicht auf eine anonyme Macht, auf einen unzugänglichen, unpersönlichen Gott, sondern auf den, der in Jesus zu mir kommt, dessen Name auf Deutsch heißt „Gott hilft“. Zu diesem Gott kann ich reden, ihm mein Herz ausschütten. Ich kann ihn bitten, ihm danken, ihm Lieder singen. Auf ihn kann ich vertrauen. Und darum verstehe ich auch den Lehrtext für mich so, dass ich nicht erst selig werde, wenn ich bestimmte Bedingungen erfüllt habe, sondern dass ich jetzt schon selig, also gerettet bin. Solange ich an Gott festhalte, solange kann ich auch in dem Glauben und Bewusstsein leben, dass er „meine Sache zum Guten Ende führt“ auch jetzt in der Corona-Zeit. Verliere ich den Glauben, verliere ich auch die Zuversicht. Lass uns beide am Gottvertrauen festhalten. Das ist es, was Halt gibt. Er ist es, der hält.

Gebet: Herr, nicht die Energie des Universums, sondern deine Kraft hält mich in der Bahn und bringt alles zu einem guten Ende. Darauf vertraue ich gerade jetzt in diesen unsicheren Zeiten. Du kennst mich und hast einen Weg für mich. Dafür bin ich dankbar. Das gibt mir Lebensmut und Zuversicht.  Amen
                           
Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 15. März 2020

Ruhe in unruhigen Zeiten hl

LosungGott sprach zu Salomo: Weil du weder um langes Leben bittest noch um Reichtum noch um deiner Feinde Tod, sondern um Verstand, auf das Recht zu hören, siehe, so tue ich nach deinen Worten. 1.Könige 3,11-12

Lehrtext: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Matthäus 6,33

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du weise? Von Salomo heißt es in der Bibel, dass er weise gewesen sei. Vielleicht hat das auch damit zu tun, was wir heute in der Losung von ihm lesen können. Dann hieße weise sein, nicht selbstsüchtig zu sein. Nicht immer nur die eigene Person in den Mittelpunkt zu rücken. Nicht immer nur ich, ich, ich zu denken und zu sagen, sondern auch DU. Dann hieße weise sein, auf das göttliche Recht zu hören, auf sein Liebesgebot und danach zu tun.
     Beides macht demzufolge einen weisen Menschen aus: Er hat durchaus auch sich im Blick. Er liebt sich, aber zugleich Gott und seinen Nächsten.
     In diesen Corona-Zeiten zeigt sich manche Unvernunft. Offenbar sind viele von der Panik erfasst, auf Klopapier verzichten zu müssen und so kaufen sie die Regale im Supermarkt leer. Andererseits geht auch eine Welle der Hilfsbereitschaft durch unser Land. Da gibt es Anschläge in den Treppenhäusern, dass man bereit ist, für die älteren Mitbewohner mit einzukaufen, damit sie nicht Gefahr laufen, sich in der Öffentlichkeit anzustecken. In Italien gehen Bewohner von großen Mietshäusern auf die Balkone und singen sich gemeinsam Mut zu. In München organisieren junge Familien gemeinsam die Betreuung ihrer Kindergarten- und Schulkinder. Im Bundestag in Berlin verabschieden alle Parteien gemeinsam und ohne Gegenstimme innerhalb eines Tages ein Gesetz, das Kurzarbeit erleichtert.
     Die Corona-Epidemie ist eine Herausforderung für die Hilfsbereitschaft in unserem Land. Bis jetzt sieht es gut damit aus. Corona ist aber auch eine Herausforderung für den Glauben. Da zeigt sich nun, ob das Bibelwort, das so oft zitiert wird »Gott hat uns nicht den Geist der Furcht geben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.« (2. Tim. 1,7), ob dieses Wort nur ein Lippenbekenntnis ist, oder tatsächlich meine innere Verfassung prägt und mein Verhalten nach außen bestimmt.
     Im Lehrtext heißt es: »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit.« Anders und einfacher gesagt: „Schaut in solchen Zeiten zuerst auf Gott und nicht auf euch selbst. Schaut nicht zuerst auf eure Sorgen und Ängste. Lasst euch nicht von Panik anstecken. Schaut vielmehr auf den, der weiß, was er will und tut, was er sagt. Gott hat auch das Virus im Griff. Dieses Vertrauen macht euch in Krisenzeiten besonnen und hilft euch hindurch.“
     Ja, liebe Leserin, lieber Leser, solche Sätze lasse ich mir gerne sagen. Sie helfen mir, Ruhe zu bewahren und die Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, die jetzt angesagt sind. Und vielleicht ist so eine Zeit wie diese auch dazu gut, dass wir wieder mehr zusammenrücken und für einander da sind, dass wir Zeit haben, uns zu besinnen und über unseren Glauben nachzudenken. 

Gebet: Großer Gott, du bist auch der Herr über alles, was mich bedroht und mir Angst macht. Du wachst über mir und siehst, wie es mir geht. Kein Haar fällt von meinem Kopf, ohne dass du es weißt (Lukas 12,7; 21,18). Und nichts geschieht, ohne dass du es willst. In dir bin ich geborgen zu jeder Zeit. Amen
                           
Herzliche Grüße,

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