Sonntag, 8. November 2020

Sex in der Bibel hl

Losung: Josef sprach zur Frau des Potifar, die ihn verführen wollte: Wie sollte ich ein so großes Unrecht begehen und wider Gott sündigen? 1.Mose 39,9 

Lehrtext: Paulus schreibt an Timotheus: So sei nun stark, mein Kind, durch die Gnade in Christus Jesus. 2.Timotheus 2,1 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Sex-Geschichten gibt’s auch in der Bibel. Warum auch nicht. Sex ist ein Dauerbrenner, ein menschliches Grundbedürfnis ähnlich wie Essen und Trinken. Allerdings hochbrisant, oft mit Lust und Leid verknüpft und manchmal mit Schuld.

     So war es auch im Alten Ägypten, wo Josef, Jakobs Sohn, als Sklave an Potifar verkauft wurde. Aber da er intelligent und  geschickt war, ist er bald zum Verwalter von Potifars Personal und Vermögen aufgestiegen. Darüberhinaus war der junge Hebräer außergewöhnlich attraktiv. Kein Wunder, dass die ägyptische Damenwelt auf ihn aufmerksam wurde.

     Die Bibel erzählt: »So kam es, dass Potifars Frau ein Auge auf ihn warf. Eines Tages forderte sie ihn auf: »Komm mit mir ins Bett!« Josef wies sie ab: »Mein Herr hat mir seinen ganzen Besitz anvertraut und kümmert sich selbst um nichts mehr in seinem Haus. Er gilt hier nicht mehr als ich. Nichts hat er mir vorenthalten außer dich, seine Frau! Wie könnte ich da ein so großes Unrecht begehen und mich gegen Gott versündigen?« (1. Mose 39,7-9)

      In der langen, wunderbaren Josef-Erzählung kommt Gott nur selten vor. Aber wenn, dann an den entscheidenden Stellen. So auch hier. Der unbekannte Erzähler stellt uns Josef als einen Mann mit einem moralischen Kompass vor. Er hätte auch sagen können: „Ich will mich nicht gegen meinen Herrn und deinen Mann versündigen.“ Doch Josef nennt gleich die höchste Instanz und gibt somit der Frau des Potifar zu verstehen, dass jede Diskussion zwecklos ist. Er hätte wahrscheinlich auch Lust gehabt, mit ihr ins Bett zu gehen. Thomas Mann deutet das in seinem Roman „Joseph und seine Brüder“ an. Doch er wollte seinen Herrn nicht hintergehen und das Vertrauen, das dieser in ihn setzte, nicht missbrauchen. Aber noch wichtiger war ihm, Gott zu respektieren und sich an seinem Willen zu orientieren.

     Und, ist Josef dafür belohnt worden? Überhaupt nicht. Mehr als zehn Jahre verbrachte er im Gefängnis, weil Potifars Frau über die Zurückweisung so wütend war, dass sie ihn bei ihrem Mann der Vergewaltigung beschuldigte. Was galt da schon das Wort eines Sklaven gegenüber dem Wort der Herrin? Josef hatte einfach keine Chance.

     Und ‚die Moral von der Geschicht‘? Was man für richtig hält, soll man um seiner selbst willen tun und nicht wegen möglicher Belohnung oder aus Angst vor Strafe. Manchmal aber ist die Kraft dazu nicht stark genug. Jeder Mensch hat eben auch seine Grenzen. Und darum sagt Paulus im Lehrtext zu seinem Schüler Timotheus: »So sei nun stark, mein Kind, durch die Gnade in Christus Jesus.«       

Gebet: Herr, du kennst meine Kraft und meine Schwäche. Hilf mir, auch dann die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn mir das möglicherweise zum Nachteil gereicht. Denn »deine Kraft ist in den Schwachen mächtig« (2. Korinther 12,9). Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

Morgen stelle ich "die großen Fragen" und versuche, meine Antworten zu geben.

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Samstag, 7. November 2020

Nicht rezeptpflichtig: Glaube und Geduld hl

Losung: Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir. Jona 2,8 

Lehrtext: Tut es denen gleich, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben. Hebräer 6,12 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wohl jeder geht mit niederschmetternden Nachrichten oder schlimmen Erfahrungen auf seine Weise um. Der eine verstummt, der andere schreit seinen Schmerz hinaus. Der eine verkriecht sich, der andere erzählt seinen Mitmenschen davon. Der eine versinkt in Selbstmitleid, der andere kämpft dagegen an.

     Ich weiß nicht, wie du dich in solchen Fällen verhältst. Aber für mich kann ich bestätigen, was die beiden Bibelworte heute sagen: Wenn die „Seele verzagen“ will, sind die wichtigsten Kräfte „Glauben und Geduld“. Sie sind meines Erachtens die besten Medikamente gegen Panik und Verzweiflung. Sie sind nicht rezeptpflichtig und haben keine Nebenwirkungen.

     Und wie ist das bei dir? Welche Mittel und Strategien kannst du empfehlen?    

Gebet: Herr, wenn meine Seele in Aufruhr ist, zu wem soll ich denn sonst gehen als zu dir? Manchmal hilft auch ein guter Freund. Aber wenn ich mitten in der Nacht wach liege und vor Unruhe nicht schlafen kann, bist nur noch du da. Mit Glauben und Geduld hast du mich schon durch manche einsamen Stunden gebracht. Hilf mir damit auch in Zukunft. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

Und morgen heißt es: Sex in der Bibel

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Freitag, 6. November 2020

Glauben trotz Unheil? hl

 Losung: Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der HERR, der dies alles tut. Jesaja 45,6-7 

Lehrtext: Der Herr richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus. 2.Thessalonicher 3,5 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

»Ich bin der Herr, und sonst keiner, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil.« (Losung) An diesem Satz habe ich ganz schön zu kauen. Ja, ich glaube, dass Gott die alles bestimmende Wirklichkeit ist, dass er allein Herr ist und neben ihm nichts und niemand, dessen Wille geschieht. Neben ihm gibt es keinen Platz für den Zufall und keinen für dunkle Mächte. Aber schafft er wirklich auch Unheil?

     Für viele negativen Dinge sind wir Menschen selbst verantwortlich. Aber Gott hat uns auch so geschaffen, dass wir Unheil über uns und andere bringen können. Und dann gibt es ja auch noch Naturkatastrophen, wie jüngst das Erdbeben in der Türkei, und unheilbare Krankheiten. Die treffen unterschiedslos solche, die in unseren Augen gut und solche die in unseren Augen böse sind, Erwachsene wie Kinder. 

Den Widerspruch aushalten 

     - Aber bestimmt Gott auch diese finsteren Wirklichkeiten? Ist er auch da am Werk? Ja.

     - Aber ist er nicht der Gott, der sich in Jesus als Menschenfreund zeigt, der seine Geschöpfe und damit auch uns Menschen bedingungslos liebt? Ja.

     ­- Aber wie kann er dann beides zugleich schaffen: Licht und Finsternis, Frieden und Unheil?

    Ich weiß es nicht. Ich bin nicht er. Ich weiß nur, dass ich diesen Widerspruch aushalten muss und dass Gott nicht in meine menschliche Logik passt.

     Das alles stellt meinen Glauben infrage und lässt mich zweifeln insbesondere, wenn es Menschen trifft, die mir nahe stehen oder mich selbst. Aber habe ich eine Wahl? Natürlich könnte ich Gott abschwören und nichts mehr von ihm wissen wollen. Aber das ist für mich keine Wahl. Dann käme zu dem Unheil, das jeder Mensch auf die eine oder andere Weise erleidet auch noch der Gottesverlust hinzu. Dann wäre ich in meinen Nöten und Ängsten ganz allein. Gott sei Dank können mir andere Menschen beistehen und mich trösten. Und das ist für mich enorm wichtig, dass sie das tun. Aber letzten Endes muss wohl jeder in seinen einsamen Stunden die schlechten Nachrichten vom Arzt und das Leid mit sich selbst ausmachen – oder eben mit Gott.

     Ihn kann ich anklagen, wie es auch die Menschen der Bibel getan haben. Ihm kann ich meine Wut, meine Enttäuschung, meine Verzweiflung zeigen. Ihm kann ich mein Leiden und meine Schmerzen sagen. Ihn kann ich bitten, in meinen dunklen Stunden bei mir zu bleiben. Ich nehme an, dass Menschen, die nie eine Gottesbeziehung hatten, das nicht verstehen können.

     Über alledem will ich nicht vergessen, dass er eben auch das Licht bewirkt und nicht nur die Finsternis, den Frieden und nicht nur das Unheil. Über alledem halte ich fest an der Hoffnung, dass das Gute überwiegt und einmal alles heil wird. Darum will ich mir auch den Hinweis aus dem Lehrtext gesagt sein lassen und „mein Herz auf die Liebe Gottes ausrichten“, die er mir mit Jesus schenkt. 

Gebet: Herr, in meinen schweren Stunden zeige mir dein menschliches Gesicht. Komm zu mir in Jesus, der meine Schmerzen gefühlt, meine Angst empfunden, mein Leid gelitten hat. Und dann hülle mich ein in deinen Frieden, dass ich ruhig werde in deiner Gegenwart und annehme, was ist. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

Morgen geht es um ganz besondere Medikamente

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Donnerstag, 5. November 2020

Du Wunschkind hl

Losung: Von all dem Guten, das der HERR dem Haus Israel zugesagt hatte, war nichts dahingefallen; alles war eingetroffen. Josua 21,45 

Lehrtext: Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid wie Isaak Kinder der Verheißung. Galater 4,28 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

vielleicht warst du für deine Eltern ein Wunschkind. Oder du warst ihnen von Anfang an willkommen, auch wenn sie sich dich ursprünglich nicht gewünscht hatten. Vielleicht bist du auch in deiner Familie so „mitgelaufen“, nachdem du schon mal da warst, und das war für dich ganz okay. Schlimm nur wäre es, wenn man dich hätte spüren lassen, dass du nicht erwünscht warst. Darunter können Menschen ihr Leben lang leiden.

     Für Gott bist du ein Wunschkind oder, wie der Lehrtext sagt, ein Kind der Verheißung. Gott hatte Abraham viele Nachkommen versprochen. Aber daraus schien nichts zu werden. Und als Abraham und seine Frau Sara schon alle Hoffnung aufgegeben hatten, kam doch noch Isaak auf die Welt als erster Zweig an Abrahams Stammbaum, dem noch viele Zweige folgen sollten.

     Paulus sagt, dass wir alle Nachkommen Abrahams seien nach dem Glauben und somit Kinder der ursprünglichen Verheißung. Wir haben also eine lange Ahnenreihe, die bis tief in biblische Zeiten hinabreicht.

     So bist auch du Gottes Wunschkind. Denn ohne seinen Wunsch und Willen würde es dich nicht geben. Und Wunschkinder, liebe Leserin, lieber Leser, werden besonders geliebt. Das sollte deinem Selbstwertgefühl einen kräftigen Schub geben und dir helfen, deinem himmlischen Vater fest zu vertrauen. 

Gebet: Herr, das glaube ich, dass du mich als dein Menschenkind gewollt und geschaffen hast, gesegnet und behütet in guten und in schlechten Zeiten bis zu dieser Stunde. Und dass du es bist, der mir diesen Glauben schenkt und mir in Jesus zeigst, wer und wie du für mich bist. Das zeigt mir deine Liebe.
Du bist meine Kraft und Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen
 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

Und morgen denke ich mit dir über die Frage nach: Glauben trotz Unheil?

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Mittwoch, 4. November 2020

»Leben soll keine Straf sein« hl

Losung: Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke, Israel! Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem! Denn der HERR hat deine Strafe weggenommen. Zefanja 3,14-15 

Lehrtext: Jesus Christus ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. 1.Johannes 2,2 

Die Bitten der Kinder 

Die Häuser sollen nicht brennen.
Bomber sollt man nicht kennen.
Die Nacht soll für den Schlaf sein.
Leben soll keine Straf sein.
Die Mütter sollen nicht weinen.
Keiner sollt töten einen.
Alle sollen was bauen.
Da kann man allen trauen.
Die Jungen sollen`s erreichen.
Die Alten desgleichen.

Bertolt Brecht (1951) 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

es ist schon so, manchmal, Gott sei Dank selten, kann man den Eindruck haben, als sei das Leben eine Strafe. Das war für viele in Europa in den Kriegszeiten des letzten Jahrhunderts so. Darum das Gedicht „Die Bitten der Kinder“ von Bert Brecht. Das ist heute noch so für Menschen in Syrien oder Afghanistan. Und dann denken sogar Menschen, die nicht glauben, an eine höhere Macht, die diese Strafe verhängt haben könnte. Und manchmal kommt auch im Leben eines einzelnen Menschen so viel Leid zusammen, dass er sich fragt: „Warum werde ich nur so gestraft?“ Ich hoffe sehr, dass das bei dir jetzt nicht der Fall ist.

     Aber Krieg ist immer ein Versagen der Mächtigen auf beiden Seiten. Und auch das Corona-Virus lässt sich, soweit ich weiß, auf den falschen Umgang von Menschen mit Tieren zurückführen. Dafür kann man keine „höhere Macht“ verantwortlich machen. Trotzdem denkt man, wenn Schicksalsschläge sich häufen, unwillkürlich daran.

     In der Bibel waren die Propheten der Ansicht, dass die Großmächte wie Assyrien und Babylon der Stock waren, mit denen Gott sein Volk gezüchtigt habe. Der Grund war in ihren Augen das religiöse und politische Versagen der Eliten und die soziale Ungerechtigkeit im Land. Umso größer war die Freude, als die Zeiten von Krieg und Unterdrückung endlich vorbei waren und das zerstörte Jerusalem wieder aufgebaut werden konnte (Losung)Aber stimmt denn der verständliche Eindruck, dass Gott sowohl ganze Völker als auch einzelne Menschen wegen ihrer Sünden straft? Und was ist mit den Unschuldigen, vor allem den Kindern in einem Krieg? Werden die gleich mitgestraft?

     Das kann und will ich nicht glauben. Gott hat in Jesus ein ganz anderes Gesicht gezeigt. Nicht um Strafe geht es, sondern um Versöhnung (Lehrtext). Wir Menschen strafen uns meistens selbst. Und wenn ich als einzelner den Eindruck habe, dass meine Schicksalsschläge seine Strafe seien, so ist das ein hilfloser und verzweifelter Versuch, eine Antwort auf Fragen zu finden, auf die es keine Antwort gibt.

Gerade in meinen Leiden begegnet mir in Jesus nicht ein strafender, sondern der treue Gott, der meinen dornigen Weg mitgeht und die Last mitträgt. Dem menschliche Leiden nicht fremd sind, weil er sie selbst erlitten hat.

     Ja, wir Menschen versagen immer wieder, wenn es darum geht, das Böse mit Gutem zu überwinden und die Gier, den Egoismus und den Hass in den Griff zu bekommen. Doch statt zu schlagen und mit der Hölle zu strafen, macht Gott uns allen (Lehrtext) mit Jesus ein Angebot: Er sieht das Versagen nicht an, sondern streckt die Hand zur Versöhnung aus, damit wir sie ergreifen und es ihm gleichtun. 

Gebet: Herr, manchmal wünschte ich mir, du würdest die Guten belohnen und die Bösen bestrafen. Aber wer ist schon wirklich gut und wer schon wirklich böse? Und auf welche Seite gehöre ich? Nein, mir ist es lieber, du strafst nicht, sondern heilst unsere zerrissene Welt mit dem Geist der Versöhnung, dem Geist Jesu. Schenke auch mir diesen Geist. Amen 

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr 

Und morgen frage ich dich, ob du ein Wunschkind bist

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Dienstag, 3. November 2020

Einladung zum Tanz hl

Losung: Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Jesaja 66,10

Lehrtext: Hanna pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Lukas 2,38

Ach Jerusalem, du Sehnsuchtsort so vieler Menschen aus so vielen Ländern in so vielen Jahren. Du viel beweinte Stadt auf dem Zion. Immer wieder zerstört und immer wieder aufgebaut. Du Glaubensheimat von Juden, Christen und Muslimen. Du Zankapfel der Religionen. Du Schicksalsort, wo sich entscheiden wird, ob die Menschen im eignen Blut ertrinken oder es lernen, versöhnt zu leben.

     Jerusalem, du bist dazu bestimmt ein Ort der Freude zu sein, wo die Kinder angstfrei in deinen Gassen tanzen und Friedenslieder aus den Fenstern klingen. Wo sonst als in deinen Mauern soll sich die Verheißungen der Propheten erfüllen, dass eine neue Zeit kommen wird, in der alle Menschen Gottes Liebe weiterschenken an Freund und Feind? Wo sonst soll Jesus wiederkommen zu retten die Lebenden und die Toten?

     Jerusalem, du bist der Ort der Sehnsucht und des Glaubens. Du bist noch nicht, was du sein sollst. Doch in meinem Herzen strahlst du ‚Stadt auf dem Berge‘ schon in Gottes Glanz. Jerusalem, in dir wohnt meine Hoffnung und singt.

     Und nun, liebe Leserin, lieber Leser, stelle dein Smartphone laut oder deinen PC, klicke dieses Video an, stehe auf und tanze mit deinen Geschwistern aus Südafrika den Song „Jerusalema(Original mit Gesang):

Jerusalem ist meine Heimat
Schütze mich,
Begleite mich
Lass mich hier nicht zurück
Jerusalem ist meine Heimat
Schütze mich,
Begleite mich
Lass mich hier nicht zurück

Mein Platz ist nicht hier
Mein Königreich ist nicht hier
Schütze mich
Begleite mich
Mein Platz ist nicht hier
Mein Königreich ist nicht hier
Schütze mich
Begleite mich

Tanze, wenn du fröhlich und dankbar bist. Tanze, wenn dir dein Herz schwer ist. Tanze und klatsche dazu mit lachendem Mund und mit Tränen in den Augen. Lass deinen Gefühlen freien Lauf und schäme dich ihrer nicht. 

Dieses Lied ist inzwischen weltweit der Hoffnungssong in der Coronazeit geworden. Mittlerweile wurde das Video schon mehr als zweihundert Millionen mal abgerufen. 

Und als Gebet hier der Jerusalem-Song unserer Vorfahren, entstanden in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges: 

Jerusalem,
du hochgebaute Stadt,
wollt Gott, ich wär in dir.
Mein sehnend Herz
so groß Verlangen hat
und ist nicht mehr bei mir.
Weit über Berg und Tale,
weit über Flur und Feld
schwingt es sich über alle
und eilt aus dieser Welt.
 

(Matthäus Meyfahrt, 1626 Evang. Gesangbuch Nr. 150)

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr 

Und morgen heißet es dann: "Leben soll keine Straf sein"

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Montag, 2. November 2020

Lass dich einfach beschenken hl

Losung: Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Psalm 14,3 

Lehrtext: Da ist kein Unterschied: Alle haben ja gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verspielt. Gerecht gemacht werden sie ohne Verdienst aus seiner Gnade durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Römer 3,22-24 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

neulich erzählte mir jemand von einem Elfjährigen, der seine Familie terrorisiert. Wenn es nicht nach seinem Willen geht, schreit er minutenlang, dass man es noch auf der Straße hört. Er schmeißt mit Gegenständen nach seinen Angehörigen und zerstört in seiner Wut, was er gerade in die Finger bekommt. Die Familie ist hilflos und leidet.

     Früher sagte man, „Das ist aber ein böses Kind!“ Manche sagen das in so einem Fall noch heute. Sie verstehen nicht, dass dieses Kind nicht „terrorisiert“, sondern auf seine Weise nach Hilfe ruft. Es braucht keine Strafe, sondern Therapeuten, die  sich um eine passende Behandlung bemühen. Es steckt in diesem Alter in einem komplizierten Entwicklungsprozess, in dem die biochemischen Prozesse im Gehirn neu abgestimmt werden, was bei jedem Menschen in diesem Alter mehr oder weniger problematisch verläuft.

     Doch auch wenn sie manchmal am Ende ihrer Kraft sind, schlagen die Eltern ihr Kind nicht. Sie schenken ihm nach wie vor ihre Zuwendung und Aufmerksamkeit und bringen für ihren kleinen Sohn viel Geduld auf.

     Und jetzt zu den beiden Bibelworte und zu dir: Bist du verdorben und tust überhaupt nichts Gutes (Losung)? Und hast du die Herrlichkeit Gottes verspielt (Lehrtext)? Kurz: Bist du ein böser Mensch? Schließlich sprechen Losung und Lehrtext heute von „allen“ Menschen, zu denen du doch wohl auch gehörst. Aber das ist zu kurz gegriffen.

Ich spreche jetzt mal von mir: Ja, es stimmt schon, ich muss mir immer wieder mal meine negativen Gefühle und Gedanken verbieten. Und wenn nahezu alle in meiner Umgebung Schadenfreude geäußert hatten über die Corona-Infektion des problematischen Donald Trump, dann musste ich zu mir sagen: „Hans, da machst du jetzt nicht mit. Schadenfreude ist nicht angebracht.“ Aber dann ertappe ich mich doch immer wieder bei solchen Gefühlen und Gedanken und versuche, wenigstens meine Worte und Taten im Zaum zu halten.

     Ja, ich bleibe hin und wieder meinen Mitmenschen die Liebe schuldig, die ich von Gott bekommen habe und an sie weitergeben soll. Das ist in den Worten der Bibel Sünde. Dann wären da noch ein weltweites, ungerechtes Wirtschaftssystem, unter dem Menschen in anderen Ländern leiden, von dem ich aber in unserem wohlhabenden Land profitiere. Oder eine rücksichtslose Tierhaltung zur Produktion von Billigfleisch oder der Klimawandel. In all das bin ich mit hineinverstrickt, ob ich das will oder nicht.

     Aber bin ich deswegen schon verdorben und tue nichts Gutes? Nein, so sehe ich mich nicht. Ich weiß aber andererseits auch, dass ich mich bei Gott nicht lieb Kind machen kann, auch wenn ich mich noch so bemühe. Alle Bekehrungsversuche und Lebensübergaben bewirken bei ihm nichts. Ebenso wenig wie Spenden, Gebete, gute Taten, Bibellesen, Gottesdienstbesuche oder ein moralisch einwandfreies Leben. Mit alledem kann ich auf Gott keinen Eindruck machen und ihn auch nicht dazu bewegen, irgendetwas zu meinen Gunsten zu tun. Das alles tue ich nicht, um ihm einen Gefallen zu erweisen, sondern mir und vielleicht meinen Mitmenschen. Gott aber ist nicht zu beeinflussen. Ja nicht einmal mein Glaube ist eine „Eintrittskarte ins Himmelreich“. Was ist denn schon mein Glaube? Kann ich mir denn sicher sein, dass ich es richtig mache und dass ich genug glaube?

     Ja, ich werde »gerecht gemacht ohne Verdienst aus seiner Gnade durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist«, schreibt der Apostel Paulus im Lehrtext. Und zu Gottes Gnadengeschenk gehört auch mein Glaube, auf den ich mir nichts einbilden kann. Warum aber dann die Rede von davon, dass alle Menschen verdorben sind, sündigen und nichts Gutes tun?

Oft lag in den Kirchen und Glaubensgemeinschaften das Gewicht genau darauf: Erst hat man mit solchen Worten die Leute fertiggemacht und niedergedrückt, ihnen gedroht, Pflichten und Bußleistungen auferlegt, um sie dann mit dem Versprechen von Gottes Gnade wieder hochzukitzeln. Doch im Lehrtext liegt das Gewicht nicht auf meinem Versagen, sondern ganz auf Gottes Gnade. Mit anderen Worten: Ich soll einsehen, dass ich nichts beitragen kann, um Gott recht zu sein, sondern ich bin ihm recht weil ich sein Kind bin. Er liebt mich nicht, weil ich seiner Liebe würdig wäre, sondern weil ich sie brauche. Das ist sein Gnadengeschenk, das mich gelassen und dankbar macht.

     Wenn schon jene Eltern trotz aller Probleme ihrem schwierigen Kind Liebe und Geduld schenken, um wie viel mehr tut das Gott. Er hat Geduld mit mir und straft nicht. Er heilt von der Infektion böser Gedanken und Gefühle. Und weil ich sein Kind bin und du auch, darum sind wir ihm recht.    

Gebet: Herr, du hast alles für mich getan, alles. Das ist deine umfassende Gnade. Ich will sie nicht kleiner machen, indem ich meine, selbst etwas dazu beitragen zu müssen. Ich lasse ich mich von dir beschenken, jeden Tag aufs Neue. Was für ein Glück, dich in meinen guten und schweren Zeiten als meinen Gott und Vater zu haben! Amen

Herzliche Grüße,

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Sonntag, 1. November 2020

Die Kerze am Pflegebett hl

 Losung: Der HERR, mein Gott, macht meine Finsternis licht. Psalm 18,29 

Lehrtext: Jesus antwortete dem Blinden und sprach: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde. Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege. Markus 10,51-52 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

sie haben die Oma heimgeholt. Die Ärzte sagten, sie sei „austherapiert“, eine beschönigende Umschreibung dafür, dass sie nichts mehr für sie tun können. Nun soll sie also die letzten Wochen daheim sein und dann da auch sterben können. Vielleicht sind es aber auch nur noch Tage.

Omas schwere Krankheit hat sich wie ein schwarzer Schatten über die ganze Familie gelegt. Das Lachen im Haus ist verstummt. Man redet auch nicht mehr laut. Die ganze Atmosphäre ist bedrückend. Das belastet auch sie. Und so ruft sie die ganze Familie zu sich ans Pflegebett und sagt:

„Wie‘s mir geht, brauche ich euch nicht zu sagen. Und ich weiß selbst am besten, dass ich nicht mehr lange zu leben habe. Aber ich bin soweit, dass ich gehen kann. Schaut, ich bin 78. Ich habe mein Leben gelebt und wenn ich darauf zurückschaue und euch hier vor mir sehe, dann kann ich dankbar sein. Ich wär schon noch gerne ein bisschen bei euch geblieben. Aber einmal ist eben Schluss. Macht mir den Abschied nicht schwerer als nötig. Lebt so gut ihr könnt euer normales Leben weiter und lasst mich daran teilnehmen. Und vergesst nicht, ich gehe doch nur heim, dorthin, wo ich hergekommen bin. Und jetzt zünden wir eine Kerze an, damit es heller wird, nicht nur im Zimmer, sondern auch in uns und beten das Vaterunser.“

     Zwölf Tage später ist sie gestorben. Das war noch einmal eine schwere Zeit für alle. Aber die Kerze und das Gebet hatte niemand vergessen, der dabei war.

     Die Oma hatte gewusst, was sie wollte und der Blinde von Jericho auch. Und genau das will Gott auch von mir hören, weil es mir selbst gut tut, wenn ich mein Anliegen in Worte fasse und mir so bewusst mache. So wie der Familie damals am Pflegebett der Oma, so hilft auch mir der Glaube, wenn ich Gott bei meinen Anliegen nicht außen vor lasse. Das heißt nicht, dass alles so wird, wie ich mir das wünsche. Aber das heißt es, dass ich nicht allein durch meine schweren Zeiten gehe.    

Gebet: Herr, du bist mein Licht in dunklen Stunden. Du stehst mir bei in meiner Not. Und auch wenn es nicht mehr so wird, wie es einmal war, so lässt du mich doch auch wieder helle Tage sehen. Denn du weißt wie es mir geht und wie du mir eine Freude machst. Amen

Herzliche Grüße,

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