Donnerstag, 22. Juni 2023

Bund fürs Leben hl

Losung: HERR, gedenke doch an deinen Bund mit uns und lass ihn nicht aufhören! Jeremia 14,21

LehrtextGott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. 1.Korinther 1,9

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

was hat sich in meinem Leben nicht schon alles geändert und in deinem wohl auch. Eins aber bleibt durch alle Lebensjahre, Schicksalsschläge und guten Zeiten hindurch: Du bist getauft, das heißt, du bist Christ oder Christin. Doch was bedeutet das? Ich glaube, dass sich ohne dein Zutun Gott mit dir verbunden hat, dir verbunden ist und bleibt dein Leben lang und mir auch.

Viele wissen das nicht. Viele haben das wieder vergessen. vielen ist das nicht wichtig. Schade. Sie verzichten damit auf lebenslange Hilfe, auf die sie sich verlassen könnten. Ich wünsche dir, dass das bei dir anders ist und dieser Bund, dieses Bündnis dich stärkt, zuversichtlich und sicher macht.

 

Gott hat sich mit seinen Menschen verbunden. Juden waren die ersten, die davon gesprochen und geschrieben haben. Dieser Glaube musste wohl aus einer tiefen Gotteserfahrung gekommen sein. Jesus hat ihn erweitert und davon gesprochen, dass Gott sich nicht nur mit einem Volk verbunden hat, sondern mit jedem Menschen. Er selbst war zunächst den Ausgestoßenen, den Kranken und Gescheiterten verbunden, denen, die man Sünder nennt. Ihnen ist er nicht ausgewichen, wie so viele andere es getan haben. Er ging zu ihnen, um sie seine Nähe spüren zu lassen, um mit ihnen zusammen zu sein, ihr Leid zu teilen und sie zu heilen.

Im Neuen Testament ist davon die Rede, dass er mit seiner Gemeinde den "Bund fürs Leben" (Epheser 5,27.32) eingegangen ist. Da wird sie seine Braut genannt. In der Taufe feiern wir, dass dieser unauflösliche Bund für jeden von uns gilt (Evang. Gesangbuch 70,5).

Gebet: Herr, ob ich himmelhoch jauchze oder zu Tode betrübt bin, in beiden Fällen gilt: ich bin getauft. Ich bin in dieser Welt voll Glück und Leid nicht allein. Du hast dich mit mir verbunden. Ich gehöre dir. Das bleibt. Und das hängt, Gott sei Dank, nicht von mir ab, sondern von dir. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt. 

Mittwoch, 21. Juni 2023

Der Barmixer hl

Losung: Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! Psalm 25,17 

LehrtextJesus spricht: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Johannes 16,33

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Teufel, wenn es ihn denn gäbe, ist ein Barmixer. Er mixt giftige Cocktails aus Angst, Selbstgerechtigkeit und Empörung. Damit vergiftet er im Kleinen wie im Großen das Zusammenleben und die Seelen.

Doch genau genommen, mixt nicht der Teufel dieses Gebräu. Wir selbst sind es, wenn die Angst stärker ist als das Vertrauen. Wenn sie stärker ist als Jesu Zusage, dass das, was Angst macht und Schrecken verbreitet, nicht das letzte Wort haben wird. Er hat es überwunden (Lehrtext).

Zusage gegen die Angst

Angst ist in vielen Fällen irrational und unbegründet. Sie macht hysterisch, panisch und gewalttätig. Demgegenüber könnte Jesu Zusage helfen, dass ich einen kühlen Kopf bewahre, besonnen, unerschrocken und getrost bleibe. Doch dazu müsste ich ihm vertrauen, ganz und gar, und auf das, was mir Angst macht, zugehen statt den Kopf in den Sand zu stecken oder davonzulaufen. Ich denke, man sollte mehr Angst haben vor der eigenen Angst als vor dem Teufel, genauer: vor dem, das oder den man verteufelt. Und man sollte keine Cocktails trinken, wenn man nicht weiß, was alles hineingemixt ist.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass ich in diesem Land bisher keine Angst haben muss, wegen meines Glaubens oder meiner Meinung verfolgt zu werden. Auch um meine Angehörigen muss ich mir keine Angst machen und auch nicht um mich, weil ich darauf vertraue, dass du – was auch kommt – es mit mir gut machen wirst (Psalm 37,5). Du hast bisher deine schützende und segnende Hand über mich gehalten. Du wirst das auch künftig tun. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 20. Juni 2023

Ach ihr Sorgen! hl

Losung: Der HERR wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht. Psalm 102,18 

LehrtextSorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Philipper 4,6

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

es tut mir gut, immer wieder mal in der Bibel zu lesen, dass Gott mich nicht verlässt (Losung). Anders verhält es sich mit Menschen. Ihre Kraft, treu zu sein, ist begrenzt. Und meine? Doch auch wenn ich Gott nicht treu bin, hält er bei mir aus, wartet geduldig, bis ich mich ihm wieder zuwende, und hört, was ich ihm zu sagen habe. Gott sei Dank ist Gott kein Mensch.

Im Lehrtext ermutigt mich der Apostel Paulus, das Sorgen sein zu lassen. Was soll es auch bringen, wenn ich mir den Kopf zermartere, was wohl morgen oder übermorgen sein wird? Deshalb will ich aber nicht leichtsinnig sein, sondern ruhig und gelassen das tun, was ich tun kann und darauf vertrauen, dass Gott das Seine dazutut.

Es ist kein Fehler, Gott zu sagen, was man auf dem Herzen hat. Es wäre aber ein Fehler, würde ich meine Sorgen für mich behalten und sie nicht ihm geben. Es ist kein Fehler, ihn zu bitten, mir das zu geben, was ich meines Erachtens dringend brauche. Es wäre aber einer, würde ich nicht bedenken, dass in erster Linie sein Wille geschieht und nicht meiner. Und es wäre ein Fehler, würde ich ihm nicht danken für alles, was er für mich getan hat und tut, auch wenn manches anders gekommen ist, als ich mir das vorgestellt habe.

Gebet: Herr, ich mache mir Sorgen. Ja, das stimmt. Viele Sorgen mache ich mir selbst. Und oft sind diese selbstgemachten Sorgen auch noch unnötig. Ich will sie dir geben und vertrauen, dass du für mich sorgst (1. Petrus 5,7). Du weißt, ich sorge mich trotzdem, immer wieder. Wenn ich schon meine Sorgenlast nicht loswerde, so wirst du mir doch helfen, sie zu tragen. Du lässt mich nicht im Stich. Das habe ich bisher erlebt, das wird auch künftig so sein. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 19. Juni 2023

Wertvolles Nass hl

Losung: Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden; denn sie verlassen den HERRN, die Quelle des lebendigen Wassers. Jeremia 17,13 

LehrtextGott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Offenbarung 21,6

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

du bist mit lebendigem Wasser getauft. Mit "Mineralwasser"! Du wurdest übergossen mit dem kostbarsten Nass, das es gibt, das die wertvollsten Mineralien für dein Leben enthält: Gottes Barmherzigkeit und Liebe, seine Freundlichkeit und Gnade, Vergebung und Freude, seinen Schutz und Segen. Als ein solchermaßen Getaufter lebst du dein Menschenleben. Du musstest nicht, wie Siegfried, im Drachenblut baden, um unverwundbar zu sein, was dann doch ein Irrtum war. Du bist getauft mit dem »Wasser, das ins ewige Leben quillt.« (Johannes 3,14)

Dieses Wasser bleibt lebendig, solange es von Gott zu dir fließt und von dir zu deinen Mitmenschen. Ein Wasser aber, das keinen Zu- und keinen Ablauf mehr hat, kippt, ist tot und wird ungenießbar für alle, deren Leib und Seele dürstet.

Gott gibt dir sein lebendiges Wasser umsonst (Lehrtext). Aber trinken musst du schon selbst. Die Quelle, aus der es fließt, ist für mich das Wort des Evangeliums, die gute Nachricht von Jesus Christus oder noch besser: Jesus selbst. Er sagt: »Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!« (Johannes 7,37). »Und wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.« (Johannes 3,14) .

Dieses Wasser macht deine Seele stark, gesund und froh. Es weckt in dir neue Hoffnung, wenn du resignieren willst. Aus seiner Quelle schöpfst du neuen Lebensmut. Und es enthält etwas, das du weder sehen, schmecken, riechen noch anfassen kannst: Gottvertrauen.

Gebet: Herr, ohne das lebendige Wasser, das du mir schenkst, verdorrt meine Glaube. Du aber führst mich zum frischen Wasser und erquickst meine Seele mit allem, was sie zum Leben braucht. Ich will auch heute dein Wort trinken, denn du bist der Heilbrunnen und machst meine Seele gesund. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 18. Juni 2023

Mit Gottes Augen sehen hl

Losung: Himmel und Erde sind dein, du hast gegründet den Erdkreis und was darinnen ist. Nord und Süd hast du geschaffen. Psalm 89,12-13 

LehrtextEs ist alles durch Christus und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. Kolosser 1,16-17 

Liebe Leserin, lieber Leser,


was kann es bedeuten, dass »alles durch Christus und zu ihm geschaffen ist und er vor allem, und alles in ihm besteht« (Lehrtext)? Der Glaube an Gott, den Schöpfer, müsste doch genügen. Im Prinzip ja. Nur mit welcher Motivation hat Gott das gemacht? Einfach so, weil er es eben kann? Aus Langeweile? Mit guter oder böser Absicht? Der Lehrtext stellt das ein für allemal klar: aus Liebe. 

Wenn ich einfach so auf diese Welt schaue, auch auf unsere Menschenwelt, kann ich das nicht glauben. Zu viel spricht dagegen, dass Gott alles aus Liebe geschaffen hat. Doch ich lerne, nicht meine eigenen Werturteile an die erste Stelle zu setzen, sondern das, was ist, von Gott her zu sehen und zu bewerten. Und da gilt nach dem Zeugnis der Bibel und nach dem, was Jesus gesagt und getan hat und wie es ihm ergangen ist dieses Lied:


Gott liebt diese Welt,
und wir sind sein eigen.
Wohin er uns stellt,
sollen wir es zeigen:
Gott liebt diese Welt!

Gott liebt diese Welt.
Er rief sie ins Leben.
Gott ist´s, der erhält,
was er selbst gegeben.
Gott gehört die Welt! 

Gott liebt diese Welt.
Ihre Dunkelheiten
hat er selbst erhellt:
im Zenit der Zeiten
kam sein Sohn zur Welt! 

Gott liebt diese Welt.
In den Todesbanden
keine Macht ihn hält,
Christus ist erstanden:
Leben für die Welt!

Gott liebt diese Welt.
Er wird wiederkommen,
wann es ihm gefällt,
nicht nur für die Frommen,
nein, für alle Welt! (Walter Schulz, 1962)

Die Schöpfung ist noch nicht zuende. Das letzte Urteil über diese Welt ist noch nicht gefällt. Einmal, wenn Gott vollendet haben wird, was er begonnen hat, wird gelten, was im Buch der Offenbarung steht:

"Er wird bei seinen Menschen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, der da heißt 'Gott mit ihnen', wird ihr Gott sein; und er wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und 'Christus auf dem Thron' sprach: Siehe, ich mache alles neu!" (Offenbarung 21,3b-5a)


Gott hat die Welt aus Liebe geschaffen. So will auch ich sie ansehen - wenngleich bisweilen mit Schmerzen - und lieben, was er liebt.

Gebet: Herr, gegen alle Zweifel und negativen Erfahrungen, gegen Leid und Tod will ich daran festhalten, dass du die Welt und alles, was darin ist, gut und aus Liebe geschaffen hast. Nicht was ich glaube, denke und sage, soll zählen, sondern was du mir durch Christus sagst. Dich will ich preisen und loben - und sei es unter Tränen - für das, was du getan hast, tust und tun wirst. Einmal werden alle Schleier fallen und ich werde schauen, was du vollendet hast. Bis dahin will ich deiner Erde und deinen Geschöpfen treu bleiben und lieben, was du liebst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Samstag, 17. Juni 2023

Gottes Ruf an die Welt hl

Losung: Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Psalm 50,1 

LehrtextDas Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Lukas 17,20-21

 

Liebe Leserin, lieber Leser,


immerzu dreht sich der Erdball nach Osten. Immerzu wandert das Morgenrot nach Westen, immerzu folgt dem Tag das Abendrot und die Nacht. Immerzu ruft Gott der Welt zu: "Du bist mein Werk, ich habe dich aus Liebe geschaffen, habe dich gesegnet und halte dich in der Bahn. Habe dich zur Heimat gemacht für Pflanzen und Tiere und für mein Sorgenkind, den Menschen. Du gehörst mir mit allem, was auf dir ist und lebt. Ich werde auf dich achten, dass du nicht zum Teufel gehst." 

Im Psalm 50, aus dem die Losung kommt ruft Gott noch die Welt, die Menschenwelt zum Gericht. So jedenfalls hat es sich der Verfasser des Psalms vorgestellt. Doch dann kam Jesus. Durch ihn ruft Gott bis heute: »Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken« (Matthäus 11,28).


Der Mensch, das ewige Kind


Wen auch soll Gott richten und verurteilen? Ist der Mensch nicht ein Kind? Unfähig, Verantwortung zu übernehmen? Wie soll er ihn dann zur Verantwortung ziehen? Was hat der Mensch schon gelernt in den vielen tausendend Jahren, seit es ihn gibt? Er ist noch immer derselbe geblieben und wird noch immer von denselben negativen Gefühlen und Gedanken beherrscht, weil er sich nicht selbst beherrschen kann. Er schlägt sich noch immer gegenseitig den Kopf ein, weil er sich noch immer fürchtet. 

Und doch hat Gott ihn nicht verlassen. Ist zu ihm gekommen in Jesus und bei ihm geblieben. Gibt ihm das tägliche Brot. Vergibt ihm seine Schuld. Erlöst ihn von dem Bösen. Alle Hände voll hat Gott zu tun, um seine Schöpfung und den Mensch vor dem Menschen zu retten. Nein, Gott ist nicht gegangen. Er hat ausgehalten bei dem Menschen und tut das noch. Unsichtbar ist er unter seinen Menschenkindern im Geist Jesu, im Geist des Friedens, der Versöhnung und der Liebe. Unsichtbar ist er mit seinem Reich, mit seinem Geist in dir und mir und wirkt zu unserem Heil.

Immerzu dreht sich der Erdball nach Osten. Immerzu wandert das Morgenrot nach Westen, immerzu folgt dem Tag, das Abendrot und die Nacht. Immerzu ruft Gott der Welt zu: "Du bist mein Werk, ich habe dich aus Liebe geschaffen, habe dich gesegnet und halte dich in der Bahn. Du gehörst mir mit allem, was auf dir ist und lebt. Ich werde auf dich achten."

Gebet: Herr, ohne dich haben wir keine Vergangenheit. Ohne dich gibt es für uns keine Gegenwart. Ohne dich haben wir keine Zukunft. Wenn du nicht herrschst, gerät alles aus den Fugen. Wenn du nicht dienst, hat nichts Bestand. Darum hoffe ich auf dich. Auf wen sonst soll ich bauen, wem sonst vertrauen? Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 16. Juni 2023

Nicht die Kirche, der Glaube soll wachsen hl *

Losung: Das sei ferne von uns, dass wir uns auflehnen gegen den HERRN und uns heute von ihm abwenden. Josua 22,29 

LehrtextWir wollen die Versammlung der Gemeinde nicht verlassen, wie es bei einigen üblich geworden ist, sondern einander mit Zuspruch beistehen. Hebräer 10,25

 

Liebe Leserin, lieber Leser,


der Aderlass der Kirchen ist enorm. Seit kurzem ist weniger als die Hälfte der Deutschen noch Mitglied in einer der beiden großen Kirchen, und die Austritte nehmen zu. 2022 haben 380.000 Evangelische ihre Kirche verlassen. So viele wie noch nie.


Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch der Hauptgrund ist wohl, dass die Menschen Gott verloren haben. Vielleicht wurde er ihnen so vermittelt, dass er mit dem Leben heute nichts zu tun hat. Nur noch 16 Prozent der Evangelischen (!) glauben an Gott, wie er uns in Jesus Christus begegnet. Anders gesagt: 84 von 100 Mitgliedern der evangelischen Kirche glauben irgendetwas oder auch nichts. 


Austritte von Anfang an


Doch schon im Alten Testament gab es das Problem, dass sich Menschen von Gott abgewandt haben (Losung). Im Neuen Testament heißt es: "Viele seiner Jünger wandten sich  ab und gingen hinfort nicht mehr mit Jesus.  Da sprach er zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen?“ (Johannes 4,66+67). Und auch bei den ersten Christen haben einige die "Versammlungen der Gemeinde wieder verlassen"(Lehrtext). Austritte aus dem Glauben, aus der Gemeinschaft, aus der Kirche gehören offenbar von Anfang an dazu. 


Lange Zeit glaubte ich, mich an Reformprogrammen für die Kirche beteiligen zu müssen. Doch es geht nicht um die Kirche, nicht um Mitglieder- und Kirchensteuerzahlen, sondern in erster Linie um Menschen. Kirche kann so oder so sein. Menschen aber sind nicht irgendetwas. Sie sind und bleiben, ob sie das glauben oder nicht, Gottes Geschöpfe, seine geliebten Töchter und Söhne. Sie sind Geschwister Jesu. Wenn sie Gott verloren haben, so er sie doch nicht. Das haben die Kirchengemeinden ihnen zu vermitteln und dieser Aufgabe haben sie ihre Ordnung und ihre Arbeitsweise jeweils neu anzupassen. Auf keinen Fall darf jemand einen Nachteil haben, wenn er aus der Kirche austritt. In einem solchen Fall muss die Kirche beziehungsweise die Gemeinde die Gründe bei sich suchen: "Was haben wir falsch gemacht? Was haben wir unterlassen?"


Palmesel-Kirche


Die Organisation, die Landeskirche oder die Kirchenverwaltung, ist lediglich ein Lasttier, ein Palmesel, um jene Botschaft zu den Menschen zu bringen. Die Organisation und ihre hauptamtlichen Angestellten sind Dienstleister der Gläubigen und derer, die für den Glauben ansprechbar sind. Ein Bischof, eine Dekanin, ein Pfarrer, eine Diakonin sind nicht dazu da, um Macht auszuüben, sondern um als Palmesel den HERRN zu den Menschen zu tragen und ihnen zu dienen. Jesus selbst hat, obwohl er 'Herr' genannt wird, sich als Diener verstanden und seinen Jüngern die Füße gewaschen (Johannes 13).


Darum, so meine ich, sollten wir uns nicht mehr auf das Wachstum der Kirche konzentrieren, sondern auf das Wachstum des Glaubens. Der große Theologe Karl Barth sagte einmal: "Christen sind in dieser Welt fröhliche Partisanen des lieben Gottes". Sie passen sich dem jeweiligen Geist der Zeit nicht an. Sie plappern nicht nach, was Politiker, Politikerinnen und Medien vorbeten. Sie streicheln nicht die herrschenden Verhältnisse, sondern bürsten sie gegen den Strich. Sie verbreiten Jesu provokante Botschaft, die selten so subversiv, so kritisch und befreiend war wie in unserer Zeit der Orientierungslosigkeit, der künstlichen Intelligenz und des neuerlichen Waffenfetischismus.


Jesus sagt im Lukasevangelium: »Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.« (Lukas 12,32) Anders gesagt: Mitten in dieser alten Welt ist sein Reich unter euch (Lehrtext von morgen, Lukas 17,20-21). Ihr tragt es jetzt schon »inwendig in euch«. "Kleine Herde" - na und? Wenn sie nur mit Gottvertrauen und Selbstvertrauen den Menschen dient, unter denen sie lebt.

Gebet: Herr, ich brauche deine Kraft, um dem allgemeinen Anpassungsdruck widerstehen zu können. Ich brauche deinen Freimut, um mich nicht von der herrschenden Meinung vereinnahmen zu lassen. Ich brauche Gelassenheit, damit ich unbeirrt tun kann, was in deinem Sinn ist und meinen Mitmenschen dient. Du bist mir in all den Jahren meines Lebens treu geblieben. Darum will auch ich dir und deiner Gemeinde treu bleiben. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 15. Juni 2023

Wer blickt dich an? hl

Losung: Ich will mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen; denn ich habe meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen, spricht Gott der HERR. Hesekiel 39,29 

Lehrtext Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Römer 8,16

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 


woran denkst du, wenn es am Schluss eines Gottesdienstes beim Segen heißt »Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir“? (4. Mose 6,25) Wer schaut dich da freundlich an? Gott, wie ihn Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle gemalt hat oder wie du ihn von anderen Kunstwerken kennst? Ich denke an Jesus Christus, von dem es im ersten Brief an die Christen in Kolossae heißt: »Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes« (Kolosser 1,15). Gott, so bekennen es Christen von Anfang an, zeigt sich in seinem Sohn, im Kind in der Krippe, im Mann am Kreuz. 

Doch er zeigt sich nicht äußerlich, nicht mit einer bestimmten Haar- und Barttracht. Er zeigt sein Wesen, indem er dich und mich freundlich anblickt, also liebevoll zugewandt und nicht hochmütig, nicht desinteressiert, streng, zornig oder wie auch immer. Sooft du am Schluss des Gottesdienstes gesegnet wirst, ist es dieses Bild, das du mit nach Hause nehmen sollst: Das freundliche Angesicht von Jesus Christus, das Ebenbild Gottes (Losung). Trage es in dir!

Zufall oder Rumpelstilzchen?

Auch wenn du zu Gott betest, wenn du an ihn denkst, wenn du von ihm sprichst, so ist es dieser Gott, der dich in Jesus freundlich ansieht. Einen anderen kenne ich nicht. Immer ist es der, von dem Jesus im Gleichnis vom „Verlorenen Sohn“ erzählt (Lukas 15,11-24), der sich über dich freut, weil du seine Tochter oder sein Sohn bist (Lehrtext)

Wirklich? Ja schon. Denn wer oder was wärst du denn sonst für ihn? Wer sonst hätte dich gewollt und geschaffen, gesegnet, behütet und geliebt? Der Gott „Zufall“? Der Gott „Rumpelstilzchen“? Der menschenfressende Gott „Moloch“? Oder das pure Nichts?

Neulich schrieb mir ein Freund, er sei Agnostiker, also jemand, dem Gott egal sei, weshalb er sich mit ihm nicht mehr beschäftige. Wer blickt ihn freundlich an, wenn er schlafen geht und das Licht aus ist? Wenn er Probleme mit anderen hat? Wenn er einsam und am Ende ist? Und wer blickt dich in solchen Fällen an?
Einmal wird die Tür der Zeit hinter mir ins Schloss fallen und ich werde vor dem Tor der Ewigkeit stehen. Dann, so glaube ich, wird der mir öffnen, dessen Angesicht Zeit meines Lebens über mir geleuchtet hat und er wird freundlich sagen: „Willkommen daheim!“

Gebet: Herr, schon immer blickst du mich freundlich an, von der Stunde meiner Geburt bis jetzt. Oft habe ich das nicht bemerkt. Manchmal wollte ich es nicht wahrhaben. Doch jetzt sehe ich dein Angesicht in deinem Ebenbild, in deinem Sohn Jesus, meinem Bruder und Herrn. Amen

Meins Herzens Kron, mein Freudensonn
sollst Du, Herr Jesu, bleiben;
lass mich doch nicht von Deinem Licht
durch Eitelkeit vertreiben;
bleib Du mein Preis, Dein Wort mich speis,
bleib Du mein Ehr, Dein Wort mich lehr,
an Dich stets fest zu glauben.

Wend von mir nicht Dein Angesicht,
lass mich im Kreuz nicht zagen;
weich nicht von mir, mein höchste Zier,
hilf mir mein Leiden tragen.
Hilf mir zur Freud nach diesem Leid;
hilf, dass ich mag nach dieser Klag
dort ewig Dir Lob sagen.

EG 346,4+5 .Text: Georg Weissel (*1590 †1635)

Herzliche Grüße

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Mittwoch, 14. Juni 2023

Von ganzem Herzen hl

Losung: Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. Psalm 34,3 

LehrtextFreut euch! Lasst alle Menschen eure Freundlichkeit spüren. Der Herr ist nahe. Philipper 4,4-5

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

»Von ganzem Herzen lobe ich Gott, den Herrn. Wem es schlecht geht, soll es hören und sich mit mir freuen!« – So verstehe ich die Losung heute. Dahinter steht eine Erfahrung, die der Verfasser des Psalms gemacht hat und die Menschen auch heute in traditionellen wie zeitgemäßen Gottesdiensten machen: sie kommen entmutigt, deprimiert und verbittert, mit ihren seelischen Verletzungen und ihren Sorgen. Gut, wenn sie dann überhaupt kommen, weil sie sich im hintersten Winkel ihres Herzens doch noch Hilfe von Gott erwarten. Und dann geschieht es manchmal, dass sie ein bestimmtes Lied, dass sie das gemeinsame Singen tief berührt. Und sie spüren, wie sie das tröstet und wieder aufrichtet.

Vielleicht haben sie dieses Lied schon oft gesungen, aber nur mit dem Mund und jetzt singen sie es zum ersten Mal von ganzem Herzen. Und während sie die Melodie und die Worte singen, sind sie innerlich bewegt und manchmal auch zu Tränen gerührt. Denn sie spüren, dass da ein Mensch dieses Lied gedichtet hat, dem es wohl so ähnlich ergangen ist wie ihnen. Der sich überwunden hat, trotz seiner inneren Not Gott zu loben und sich so zu befreien aus dem Gefängnis seines Trübsinns. Und die, die es ihm viele Jahre später gleich tun, erleben das ebenfalls. Sie spüren, dass sich in ihnen etwas löst, dass das, was hart war, fließend und weich wird, wie die Bitterkeit verschwindet und die Sorgen leichter werden.

Woher ich das weiß? Weil ich das selbst schon erlebt habe, nicht nur einmal.

Damit man aber nicht bald wieder in das altbekannte, seelische Tief abrutscht, schreibt der Apostel Paulus im Lehrtext: »Du hast keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. Freue dich vielmehr, der du an Jesus Christus glaubst und ihm vertraust! Nochmal: Freue dich! Lass auch andere deine Güte und Freundlichkeit spüren. Er ist dir nahe, jederzeit. Er ist bei dir in seinem Geist.«

Gebet:

Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. (Link zum Song)
Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinem Namen.
Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja!

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Hinweis für Smartphone-Nutzer: So finden Sie alle Losungsauslegungen seit 2010: Weiter nach unten gehen. Auf den Link "Web-Version anzeigen" tippen. In der rechten Spalte gewünschtes Jahr, Monat und Tag aufrufen.
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt. 

Dienstag, 13. Juni 2023

stark und mächtig hl

Losung: So lass nun deine Kraft, o Herr, groß werden, wie du gesagt hast. 4.Mose 14,17 

LehrtextMaria sprach: Er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Lukas 1,49


Liebe Leserin, lieber Leser,


heute bekommst du meine Auslegung von Losung und Lehrtext als Gebet und Gedicht:

Gebet:

Du bist die Macht, dein ist die Kraft.
Du schaffst die Welt. Dein Wort erhellt
mein Leben.

Die Zeit verweht. Der Mensch vergeht.
Das frische Laub, bald ist es Staub
im Staube.

Der schroffe Berg, auch er dein Werk,
wird wieder Sand in deiner Hand,
wird Erde.

Und neu entsteht, was kommt und geht,
was du bedacht in deiner Macht.
Ich staune.
.
Auf grüner Au bist du mein Hirt.
Deckst mir den Tisch. Du bist mein Wirt.
Ich danke.

Am lichten Tag, in kalter Nacht
bist du mein Gott, gibst auf mich Acht,
mein Hüter.

Gibst mir dein Wort, gibst mir das Brot,
gibst mir den Wein und nimmst dem Tod
den Schrecken.

In Lust und Not bist du bei mir,
bist du um mich, bin ich in dir
geborgen.

Du bist im Geist, du bist im Sohn.
Sein hartes Kreuz machst du zum Thron
des Friedens.

Was auch geschieht, du hast die Macht.
Dein ist das Reich. Dein ist die Kraft
für immer.
  
Hans Löhr

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt.