Dienstag, 15. August 2023

Gottes geliebter Feind hl

Losung: Wenn eines Menschen Wege dem HERRN wohlgefallen, so lässt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen. Sprüche 16,7 

Lehrtext: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matthäus 5,44-45


Unter allen Geboten der Bibel ist das wichtigste, seine Feinde zu lieben. Wer das kann, dessen Liebe ist vollkommen. Der liebt wie Jesus geliebt hat. In dem wirkt Gottes Liebe.

Es wäre schön, liebe Leserin, lieber Leser,

wenn wir beide uns in diesem Glauben einig wären.

Jesus sagt bewusst nicht „Fürchtet eure Feinde!“. Er sagt auch nicht „Schadet ihnen!“ Er sagt ganz bewusst „Tut denen Gutes, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen.“ Mit einem Wort: „Liebt sie!“ Lies dazu bitte auch Lukas 6,27-37.


Was Gott selbst tut


Warum dieses Gebot so wichtig ist? Weil es das ist, was Gott selbst tut. Weil es das ist, was er in Jesus zeigt, wofür er am Kreuz gestorben ist. Und weshalb wir ihm ohne Vorbehalte, Zweifel und Furcht vertrauen können. Denn wenn Gott seine Feinde liebt, was sollte es dann noch geben können, das uns von seiner Liebe trennen kann? Nicht nur äußere Dinge, von denen Paulus in Römer 8,38-39 schreibt, sondern auch mein Inneres, meine Zweifel, mein Unglaube, mein Versagen, meine Schuld – nichts, aber auch gar nichts, was mich zu einem Feind Gottes macht, kann mich von seiner Liebe scheiden. 

Er liebt seine Feinde. Das macht mich zu seinem Freund. Mehr noch, zu seinem Kind.


Wie sich verhalten?


Und du? Und ich? Jetzt kommt’s zum Schwur. Wie verhalten wir uns gegenüber unseren tatsächlichen oder angeblichen Feinden? So wie unsere Regierung und die Medien?: 

Fürchten wir uns? 

Sind wir empört? 

Wollen wir sie bestrafen (sanktionieren)? 

Wollen wir sie ruinieren? 

Wollen wir sie bekämpfen (lassen) mit immer mehr und immer schrecklicheren Waffen? 

Wollen wir auf unseren Bedingungen beharren und den Krieg solange fortsetzen, bis sie erfüllt sind?

Wollen wir dabei den Tod und das Leid von immer mehr Menschen in Kauf nehmen und wissen wir wirklich wofür? 

Wollen wir Friedensverhandlungen ablehnen und somit auch Kompromisse? 

Wollen wir den Hass schüren, 

- indem wir die Feinde verteufeln, 

- indem wir uns für die allein Guten halten und sie für die Bösen, 

- indem wir ständig Gründe und Ausflüchte suchen, warum wir sie fürchten und bekämpfen müssen, 

- indem wir mit Steinen werfen, obwohl wir im Glashaus sitzen,

- indem wir es auf das Äußerste ankommen lassen? 

Müssen wir uns dann nicht am ehesten vor uns selbst fürchten?


Was ist mein Anteil?


Wer Feinde hat, muss sich fragen, warum? 

Was ist mein Anteil an dieser Feindschaft? 

Bin ich wirklich gänzlich unschuldig, oder will ich das lieber nicht so genau wissen? 

Habe ich etwas versäumt? 

Habe ich meinen Feind provoziert? 

Gedemütigt? 

Bloßgestellt? 

Habe ich seine Interessen ignoriert? 

Hätte ich mich anders verhalten können und sollen? 

Was kann ich beitragen, was vermeiden, damit der Konflikt nicht eskaliert? 

Habe ich versucht, in die Schuhe meines Feindes zu schlüpfen und das Problem aus seiner Sicht zu sehen?

Ist der andere wirklich mein Feind, behandelt er mich entsprechend oder übernehme ich nur das Feindbild anderer?

Werde ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht und lebe ich auch selbst meine Werte, nach denen ich ihn beurteile?


Keine Steinzeit in Herz und Hirn


„Liebt eure Feinde!“ - drei Wörter, die der Menschheit so viel Leid ersparen könnten. Kriegen wir denn die Steinzeit nie aus Herz und Hirn? Gewalt ist keine Lösung. „Liebt eure Feinde!" Ich weiß selbst, wie schwer das ist. Ich weiß selbst, wie oft ich daran scheitere. Doch das darf kein Gegenargument sein. Vielmehr glaube ich, wenn es mir gelingt, Gott wirklich von ganzem Herzen zu lieben, dass ich dann auch die Kraft bekomme, meine Feinde zu lieben. Ich will versuchen, wenigstens persönlich mit niemand verfeindet zu sein. Ich will versuchen, so gut ich kann Christ zu sein, weil mir das wichtigste Gebot Jesu nicht  egal ist: „Liebt eure Feinde!“


Gebet: Herr, der Einzige, der uns vor uns selbst retten kann, bist du. Ich vertraue dir, dass du es tust. Eine andere Hoffnung habe ich nicht. Gib uns deinen Frieden. Entfeinde unser Herz und fange bei mir damit an. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärk. Sten wachsen lässt. 

Montag, 14. August 2023

Weltverantwortung vor Gott hl

Losung: Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Sprüche 31,8 

Lehrtext: Denkt an die Gefangenen, weil auch ihr Gefangene seid; denkt an die Misshandelten, weil auch ihr Verletzliche seid. Hebräer 13,3

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 


wer damals, Ende der sechziger Jahre, jung und politisch interessiert war, war nicht nur rebellisch gegenüber den alten Nazis, die es immer noch zuhauf gab. Er protestierte auch gegen den grausamen Krieg der USA in Vietnam. Das dritte Thema, das uns Schüler und Studenten damals umgetrieben hat, war die soziale Gerechtigkeit bei uns in Deutschland und weltweit. Wir wollten solidarisch sein mit denen, die ausgebeutet wurden und mit denen, die dagegen kämpften.


Von konservativen und evangelikalen Christen wurde uns damals vorgeworfen, wir sollten uns mehr um den Seelenfrieden und den Glauben kümmern. Die Politik sollten wir anderen überlassen.


Mitgefühl und Einsatz für die Opfer


In meiner Senfkornbibel, die ich damals als Theologiestudent verwendete, habe ich etwas anderes gelesen, vor allem in den Schriften der Propheten des Alten Testaments. Ihnen ging es nicht abstrakt um Politik, sondern um die konkreten Menschen, die damals unter der Oberschicht und den Priestern der Tempelkirche gelitten haben. Das konnte vor Gott nicht recht sein. 

Wie bestätigt war ich in meinen Ansichten und meinem Engagement als ich damals beim Studium der Bibel jenen Satz aus der heutigen Losung fand. Ich habe ihn gleich dreimal rot und dick angestrichen: Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.

Dasselbe habe ich dann auch mit dem anderen Wort aus dem Buch der Sprüche, Kapitel 24,11+12 gemacht:

11 Errette, die man zum Tode schleppt, und entzieh dich nicht denen, die zur Schlachtbank wanken. 12 Sprichst du: »Siehe, wir haben’s nicht gewusst!«, fürwahr, der die Herzen prüft, merkt es, und der auf deine Seele achthat, weiß es und vergilt dem Menschen nach seinem Tun.

Solche Bibelworte haben meine frommen Brüder und Schwestern damals nicht so sehr interessiert. Und heute?


„Siehe, wir haben es nicht gewusst“ - das habe ich damals in den Jahren nach Krieg und Nationalsozialismus von den Erwachsenen öfter gehört. Ich wollte nicht, dass meine Kinder mir später mal ähnlich unangenehme Fragen stellen würden. Was meinen Lebensstil und ökologischen Fußabdruck angeht, hätten sie heute durchaus Grund dazu.


Meine Verantwortung


Als Christ kann ich mich nicht aus der Verantwortung vor Gott stehlen weder, was 

die Menschenwürde der Gefangenen, der „Erniedrigten und Beleidigten“ (Karl Marx), noch was die Zukunft unseres Planeten und den Frieden betrifft. Doch wenn ich darum mit dem Finger auf andere zeige, die meines Erachtens versagen, muss ich mir klarmachen, dass zugleich drei Finger auf mich selbst zurückweisen. Was ich bisher erreicht habe, ist leider auch nicht so berühmt. 


Und was kann ich jetzt tun?


Ich engagiere mich weiterhin in bescheidenem Umfang bei den genannten Themen, allerdings außerhalb von Parteien. Seit den Waffenlieferungen für die Ukraine bin ich in unserem Land politisch heimatlos. Manchmal möchte ich verzweifeln. Aber das gilt vor Gott nicht. Dann sage ich zu ihm:


Gebet: Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Amen (aus den USA. Verfasser unbekannt)


Mir kommt es nicht mehr darauf an, dass mein Engagement erfolgreich ist. Ich versuche das, was ich für richtig halte, um seiner selbst willen zu tun, unabhängig vom Beifall oder den Buhrufen anderer.

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 13. August 2023

Wir Gesegneten hl

Losung: Gott tut große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind. Hiob 9,10 

Lehrtext: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus. Epheser 1,3

 

Liebe Leserin, lieber Leser,  

was wir Menschen inzwischen alles erforschen können, davon machte sich Hiob keinen Begriff (Losung). Er würde heute vor Staunen den Mund nicht mehr zubekommen. Für uns aber ist vieles selbstverständlich, auch wenn wir wichtige Lebenszusammenhänge und Ergebnisse der Wissenschaften in der Regel nicht verstehen. Zu sehr sind wir mit unserem Alltagskram beschäftigt, um damit zurechtzukommen. Wir verwenden zwar die auf wissenschaftlicher Forschung basierenden Produkte wie das Wunderding eines Smartphones. Aber wir verstehen sie nicht wirklich.

Gott bleibt unbegreiflich

Was wir aber nicht erforschen können und niemals erforschen werden, ist Gott selbst. Erst durch ihn sind die vielen großen Dinge möglich, die wir bestaunen und die unseren Alltag erleichtern und bereichern.

Ich bin zwar Theologe, also jemand, der glaubt, etwas über Gott sagen zu können. Aber ich muss kleinlaut gestehen, dass er nach wie vor das große Geheimnis dieser Welt und meines Lebens bleibt. Er ist, wie ich immer wieder sage, das Ganze. Und alles, was wir Menschen wahrnehmen und wovon wir reden können, ist in ihm.

Ich kann mir beim besten Willen nicht anmaßen, nur annähernd jenes Geheimnis zu entschlüsseln. Ich kann aber glauben, dass er sein Geheimnis in Jesus Christus für uns alle offenbart. Dass er sich so weit in ihm zu erkennen gibt, wie er unserem winzigen Erdenhirn und unserem oft so engen Herzen  zumuten kann.

Respekt, Demut und Toleranz

Und trotzdem streiten wir seit Jahrtausenden darüber, wer ihn wohl am besten versteht und seiner Wahrheit am nächsten kommt. Doch dieser Streit ist nichts anderes als ein Ausdruck, wie sehr wir ihn missverstehen, den Schöpfer aller Dinge und Vater aller Menschen. Letztlich sind die Absolutheitsansprüche der verschiedenen Religionen und Konfessionen nur peinlich und werfen ein schlechtes Licht auf die, die sie vertreten. 

Erst recht haben in Glaubensdingen Zwang und Gewalt nichts zu suchen. Wer mit und zu anderen über Gott und Religion redet, sollte das in der Haltung des Respekts, der Demut und der Toleranz tun. Wo aber kein ruhiges Gespräch auf Augenhöhe möglich ist, ist es wohl am besten, den Respektlosen, Hochmütigen und Intoleranten aus dem Weg zu gehen, statt ihnen nachzugeben.

Das Puzzlebild

Da ich von Gott nur in einem sehr begrenzten und bescheidenen Umfang reden kann, will ich ihn lieber loben und preisen, dass er mir Jesus Christus geschenkt hat und mit ihm den Glauben. So hat er mich gesegnet mit seinem Segen und dich auch. Und dazu gehört, dass keiner von uns die ganze Wahrheit gepachtet hat, sondern dass wir unsere jeweilige Glaubenserfahrungen und Gotteserkenntnis zusammenfügen wie die Teile eines großen Puzzles. So wird das Evangelium zu einem Bild, in dem sich Gottes Herrlichkeit in Jesus Christus spiegelt.

Gebet: Herr, je mehr ich über diese Welt und über mich nachdenke, desto deutlicher wird mir die Fülle und die Kraft deines Segens. Du segnest die Erde mit Fruchtbarkeit. Du segnest mich mit Jesus Christus und machst so meine Seele reich. Du segnest mich mit deiner Gegenwart und schenkst mir deinen Frieden. Dich lobe und preise ich. Dir danke ich. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Samstag, 12. August 2023

Grund zur Freude hl

Losung: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN. 1.Samuel 2,1

 

Lehrtext: Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Lukas 10,20

 

Liebe Leserin, lieber Leser,  

ich freue mich über meine Kinder und Enkel. Ich freue mich über jeden Tag, an dem ich ohne Schmerzen aufwache. Ich freue mich über die Menschen, die mir zugetan sind. Ich freue mich über die Musik von Barock bis Rock, über die Literatur und Natur und die zahllosen größeren und kleineren Dinge, die mein Leben bereichern.

Das alles wiegt mehr als die unschönen Dinge, die es auch gibt. Und so hoffe ich, dass die Freude das Übergewicht behält. Ob das so ist und bleibt, hat ganz wesentlich mit einer anderen Freude zu tun, die, biblisch gesprochen, „nicht von dieser Welt“ ist, mit der Freude, von der die heutigen Bibelworte erzählen.

Freude auf leisen Sohlen

Die "Freude in Gott" lärmt nicht. Sie schleicht sich auf leisen Sohlen ins Herz, macht ein freundliches Gesicht und gütige Augen. Sie ist wohl mehr in den Hütten als in den Palästen dieser Welt zu Hause. Sie macht sich nicht davon abhängig, dass alles passt und erst recht nicht davon, dass andere einen glücklich machen sollen. Freude „in dem Herrn“ (Losung) befreit aus vielen Abhängigkeiten und Zwängen.

„Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn“ – heißt es in der Losung. Er hat mir nicht nur das Leben, sondern auch den Glauben geschenkt. In einem Gedicht des Malers Hans Thoma (nicht zu verwechseln mit dem antisemitischen Schriftsteller Ludwig Thoma), das ich vor nicht allzu langer Zeit hier schon einmal zitiert habe, heißt es:

Ich komm, weiß nicht woher

Ich komm’, weiß nit woher / ich bin, und weiß nit wer / ich leb’, weiß nit wie lang / ich sterb’ und weiß nit wann / ich fahr’, weiß nit wohin / Mich wundert’s, dass ich fröhlich bin. // Da mir mein Sein so unbekannt / geb’ ich es ganz in Gottes Hand / die führt es wohl, so her wie hin / Mich wundert’s, wenn ich noch traurig bin.

Ja, das möchte ich auch, mein Leben ganz in Gottes Hand geben. Ich weiß das zwar mit dem Kopf, dass das für alle Lebewesen schon gilt. Denn was soll oder könnte schon ohne Gott existieren? Wir alle sind in seiner Hand, wo sonst? Aber leider weiß mein Herz das manchmal nicht. Dann mache ich mir unwillkürlich Sorgen, bin auch mal niedergeschlagen und auf die Zukunft nicht gut zu sprechen.

Gut angeschrieben bei Gott

Doch dann denke ich auch wieder daran, dass mein Name, dass ich selbst Gott bekannt bin. Beim Propheten Jesaja sagt Gott: »Siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet.« (Jesaja 49,16). So hat er meinen Namen und damit auch mich immer vor Augen. So kann er mich nicht vergessen. Und im Lehrtext heute heißt es ganz ähnlich: »Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.«

Wenn jemand für eine besondere Tat hoch zu loben ist, so sagt man bei uns in Franken: „Das muss man ganz oben an den Schornstein schreiben“. Der Lehrtext greift noch ein bisschen höher, greift nach den Sternen und weit darüber hinaus. Er sagt: „Dein Name ist im Himmel geschrieben“. Anders gesagt, du bist bei Gott gut angeschrieben.

Das will ich nicht vergessen und du sollst das auch nicht vergessen, dass wir beide bei Gott gut angeschrieben sind und einen Stein im Brett haben. Was bei ihm geschrieben steht, kann niemand mehr auslöschen, auch du nicht. Und falls du mal den Eindruck hast, dass Gott dich vergessen habe, so denke daran, dass das unmöglich ist. Denn er hat deinen Namen in seine Hände tätowiert.

Gebet: Herr, gut zu wissen, dass ich bei dir nicht vergessen bin. Du bist bei mir von meinem ersten Atemzug an bis zu meinem letzten. Und auch dann bin ich nicht verloren und vergessen, weil du meinen Namen vor Augen hast. Was alles kommt, was alles wird mit mir und dieser Welt – ich kann daran nichts ändern. So lege ich alle meine Sorgen und Gedanken, meine Befürchtungen, aber auch meine Hoffnungen in deine Hand. Da sind sie gut aufgehoben und ich dazu. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 11. August 2023

Alles kommt vom Licht hl

Losung: Gott weiß, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht. Daniel 2,22 

Lehrtext: Das Licht scheint in der Finsternis. Johannes 1,5

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

 

alles, was die Physiker vom Himmel, vom Universum wissen, erzählt ihnen das Licht. Es ist das Licht von Sternen, die teilweise schon vor Jahrmillionen verglüht oder explodiert sind, deren Licht aber noch immer zu uns unterwegs ist (mit einer Geschwindigkeit von 300.000 Kilometer pro Sekunde). Dass diese Informationen stimmen, hat schlicht und einfach damit zu tun, dass im ganzen Universum dieselbe Physik gilt wie bei uns auf der Erde, dass überall und immer dieselben Naturgesetze existieren, dieselben vier Grundkräfte wirken (die Schwerkraft, die schwache Kernkraft, die starke Kernkraft und der Elektromagnetismus). Doch bevor das Licht vor 13,8 Milliarden Jahren in den ersten Sternen zündete, muss es finster gewesen sein.

Gott will im Dunkel wohnen …

Der Liederdichter Jochen Klepper hat eine merkwürdige Verszeile gedichtet, über die ich schon viel nachgedacht habe: »Gott will im Dunkel wohnen (1. Könige 8,12) und hat es doch erhellt« (EG 16,5 Die Nacht ist vorgedrungen). Er braucht kein Licht. Er selbst ist das Licht, das Licht am Anfang der Schöpfung und „in der Nacht von Bethlehem“. Rembrandt hat das eindrucksvoll gemalt, wie das Licht von dem Jesuskind in der Krippe ausgeht und alle erhellt, die es im dunklen Stall ansehen (Johannes 1,9-10).

… und hat es doch erhellt

Das Licht im Universum, das Licht der zahllosen Sonnen ist Gottes Mittel, womit er Leben auf der Erde möglich macht. Das Licht aus Bethlehem ist sein Mittel, womit er sich selbst uns mitteilt als Gott der Liebe und Barmherzigkeit; womit er den Glauben schafft. Das eine Licht braucht es wie das andere. Ohne Sternenlicht keine Schöpfung. Ohne Glaubenslicht keine Hoffnung.

Alles, was die Physiker vom Himmel wissen, erzählt ihnen das Licht. Alles was wir Menschen von Gott wissen, erzählt uns Jesus Christus, das Licht der Welt. Durch ihn sind wir alle „Kinder des Lichts“ (Epheser 5,8-9).                                                                                        

Gebet: Herr, du bist mein Licht. Ohne dich muss meine Seele frieren. Ohne dich finde ich meinen Weg nicht. Mit deinem Licht entzündest du in mir den Glauben, die Liebe und die Hoffnung. Und wenn es um mich und in mir einmal finster wird, so bist du der „Morgenglanz der Ewigkeit“ und ich bleibe in deinem Licht. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 10. August 2023

Freihändig durchs Leben hl

Losung: Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben, der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. Habakuk 2,4

Lehrtext: Legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen. Jakobus 1,21 

Liebe Leserin, lieber Leser,  

bin ich halsstarrig? Ja, wenn ich mit dem Kopf durch die Wand will. Ja, wenn ich auf meinen Prinzipien herumreite und anderen meinen Willen aufzwingen möchte. Ja, wenn ich nicht kompromissbereit bin und darauf poche, im Recht zu sein.

Auf diese Weise bin ich nicht nur meinen Mitmenschen und nicht zuletzt mir selbst eine Last, sondern Gott auch. Pflichterfüllung ist gut. Doch das Leben ist mehr als Pflicht. Tüchtig sein ist gut. Doch das Leben ist mehr als Arbeit. Alles richtig machen wollen, ist verständlich. Doch ist es auch das Richtige? Das macht mich vor Gott und den Menschen nicht gerecht. Ich nehme ihnen so die Möglichkeit, mich zu beschenken.

Glauben heißt vertrauen

Glauben heißt doch nicht, alles kontrollieren zu müssen, sondern vertrauen zu können. Erst der Glaube hilft mir, dass ich freihändig und aufrecht durchs Leben gehen kann und mich nicht ständig irgendwo festhalten muss. So kann Gott meine offenen Hände mit seinem Segen füllen. Wo bleibt sonst das Gottvertrauen? Es hilf mir, zuversichtlich zu sein, auch wenn ich nicht weiß, was und wie alles kommt.

Sanftmütig in beide Richtungen

Im Lehrtext sagt Jakobus, dass ich das Wort des Evangeliums mit Sanftmut annehmen und es nicht wie eine Beute an mich reißen soll. Dem stimme ich zu. Aber das ist erst die eine Hälfte der Wahrheit.

Die andere ist, dass mir dieses Wort auch in Sanftmut angeboten und nicht aufgenötigt wird. Ich will die Freiheit behalten, mich ihm in meinem Tempo zu nähern und in Ruhe darüber nachzudenken, ob das etwas für mich ist. Das Wort Gottes, das Evangelium zumal, darf mir niemand aufzwingen. Damit würde er es ins Gegenteil verkehren.

Das Samenkorn

Die gute Botschaft von Jesus Christus kann nur ein Wort des Friedens sein und nicht des Zwangs. Jeder muss das Recht haben, sie freiwillig anzunehmen, aber auch abzulehnen. Wie sagt Jesus? "Das Reich Gottes", also der Glaube in einem Menschen, "gleicht einem Samenkorn. Es muss erst in die Erde, dann von selbst in Ruhe keimen, wachsen und reifen, bis es Frucht bringt" (Markus 4,26-29). Wer aber keine Geduld hat, sondern an den Halmen zieht, damit sie schneller wachsen, zerstört sie.      

Gebet: Herr, bewahre mich vor Starrsinn, dass ich auch im Alter geduldig und verständnisvoll bleibe. Dass ich aufgeschlossen sein kann bei denen, die anders denken und glauben als ich. Dass ich neugierig bleibe auf das, was du mir noch alles schenkst, aber auch leichteren Herzens hergeben kann, was du mir nimmst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 9. August 2023

Kraft aus der Ruhe hl

Losung: Großen Frieden haben, die dein Gesetz lieben; sie werden nicht straucheln. Psalm 119,165 

Lehrtext: Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit. Kolosser 3,16

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

 

wenn ich die heutige Losung lese, denke ich: ja, so ist es. Ich habe immer wieder solche Menschen kennengelernt. Viele waren bzw. sind es nicht. Und bei mir ist es auch nicht so. Ich lebe nicht Tag für Tag aus der Tiefe des Friedens Gottes und bin nicht so gelassen, wie ich sein möchte. Ich rege mich über dies und das auf und strahle nicht die Ruhe aus, die ich gerne hätte. So laufe Gefahr, dass ich nicht so gradlinig und unerschütterlich durchs Leben gehe, wie ich es mir wünsche (Losung). Und doch erlebe auch ich immer wieder den Frieden, der aufleuchtet, wenn ich nicht nur das Wort (= Gesetz), sondern Gott selbst in Jesus liebe.

 

Lehrtext – ein Bibelwort zum Nachdenken und nicht zum Belehren

 

Und was den Lehrtext betrifft, so ist er für mich kein Text, mit dem ich dich belehren möchte, sondern ein Wort aus dem Neuen Testament, über das ich mit dir nachdenken möchte, auch wenn wir dann zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ich denke mal, du hast es nicht nötig, belehrt zu werden und schon gar nicht ermahnt zu werden, jedenfalls nicht von mir. Viel lieber gehe ich mit dir in der Bibel auf Entdeckungsreise. Viel lieber grabe ich mit dir im Bergwerk der Bibel nach dem Gold des Evangeliums. Und wenn wir dann beide fündig geworden sind, freue ich mich doppelt.

 

Gebet: Herr, „in der Ruhe liegt die Kraft“, heißt es. Aber das Sprichwort sagt nicht, was mich ruhig, gelassen und getrost sein lässt. Du bist es, bei dem ich ruhig werde. Du bist es, der mir immer wieder die Kraft gibt, mich zu beherrschen. Aus dir schöpfe ich den Frieden. Amen

Herzliche Grüße

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