Freitag, 24. Januar 2020

Wie auf Überhebliche reagieren? hl

Losung: Alle hoffärtigen Augen werden erniedrigt, und die stolzen Männer müssen sich beugen; der HERR aber wird allein hoch sein an jenem Tage. Jesaja 2,11

Lehrtext: Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Galater 6,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

wünscht du dir manchmal offen oder insgeheim, dass die, die ihre Nase hoch tragen, die Überheblichen, die andere herabsetzen, um sich selbst großartig fühlen zu können, dass die mal von ihrem hohen Ross fallen und so richtig im Dreck landen? Dass Gott es denen mal so richtig zeigt?
     Offengestanden, ich hätte nichts dagegen, wenn das geschähe. Manchmal tritt das ein, und dann trage ich meine Schadenfreude offen zur Schau oder freue mich zumindest klammheimlich. Aber meistens triumphieren die Unverschämten und machen anderen das Leben schwer. Warum bricht Gott nicht ihren hämischen Stolz?
     Der Prophet Jesaja hatte sich das sehr gewünscht (Losung). Und so droht er den Israeliten, die sich vom HERRN abgewandt hatten, mit einem Strafgericht. Gott soll ihnen ja nicht vergeben, sondern sie mal so richtig demütigen. Einmal, so sagt der Prophet, wird schon der Tag kommen, an dem der HERR all die Hochmütigen erniedrigen wird. (Jesaja 2,7-12)

Die eigenen Ressentiments erkennen

Ja, das wäre nicht schlecht. Oder? Naja, solche Gedanken kommen nicht gerade aus edlen Motiven. Da schwingen immer auch Ressentiments mit. Der Duden, das Wörterbuch der deutschen Sprache, übersetzt dieses Fremdwort als „gefühlsmäßige, oft unbewusste Abneigung, die auf Vorurteilen, einem Gefühl der Unterlegenheit, Neid oder Ähnlichem beruht“.
     Es stimmt, mir sind Ressentiments nicht völlig fremd. Aber bei Lichte besehen, kann ich mich dafür nur schämen. Wer bin ich denn, dass ich mich nun meinerseits über andere erheben dürfte, um ihnen alles Schlechte an den Hals zu wünschen? Nein, ich muss nicht alles hinnehmen und schon gar nicht gutheißen, was die Überheblichen tun. Auch nicht, was die tun, die Macht und Geld haben, um ihre egoistischen Interessen durchzusetzen und andere zu demütigen. Es ist nicht nur in Ordnung, sondern auch geboten, sie zu kritisieren und, falls möglich, zu stoppen. Aber Gottes Strafgericht auf sie herabpredigen? Das bringt nichts und ändert sie auch nicht. Er lässt sich von mir nicht einspannen. Wenn ich auf sein Strafgericht für andere hoffe, dann muss ich damit rechnen, dass es auch über mich kommt: „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.“ (Matthäus 7,1) Stattdessen will ich mich hüten, so zu sein wie sie.
     In den USA versucht gerade die Demokratische Partei den Präsidenten Donald Trump von den Republikanern durch ein Gerichtsverfahren zu Fall zu bringen. Auch das wird scheitern und den Demokraten nur schaden. Ich selbst bin auch fassungslos, wie ein solcher Mann an die Spitze des höchsten Amtes der Vereinigten Staaten gewählt werden konnte. Doch statt sich auf den Präsidenten zu fixieren und ihm mit Amtsenthebung zu drohen, sollten die Demokraten seine Wählerinnen und Wähler in den Blick nehmen und selbst eine alternative Politik anbieten, die diese überzeugt.

Die sich selbst betrügen

     In den Sätzen, die dem heutigen Lehrtext vorausgehen, schreibt Paulus: »Wer sich einbildet, besser zu sein als die anderen, der betrügt sich selbst. Darum soll jeder sein Leben genau prüfen. Dann wird er sich über seine guten Taten freuen können, aber keinen Grund zur Überheblichkeit haben. Denn jeder ist für sein eigenes Tun vor Gott verantwortlich. Das ist schon schwer genug! Meint nur nicht, ihr könntet euch über Gott lustig machen! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten: Wer sich nur auf sich selbst verlässt, den erwartet der ewige Tod. Wer sich aber durch den Geist Gottes führen lässt, der wird durch ihn ewiges Leben empfangen.«
     Bis auf den Schluss kann ich dem Apostel zustimmen. Paulus hat das doch gar nicht nötig, so zu drohen. Mit der guten Botschaft von Jesus Christus von Gottes Barmherzigkeit und Liebe überzeugt er mich bei weitem mehr. Und die anderen, die Spötter? Sie betrügen sich selbst, weil sie von der Schönheit des Glaubens und der Kraft des Gottvertrauens nichts wissen wollen.     

Gebet: Herr, du weißt, ich bin schnell bei der Hand mit einem Urteil über andere, die ich nicht leiden kann. Aber so mache ich mich selbst überheblich und mit Schadenfreude setze ich mich selbst herab. Damit meine Gefühle nicht außer Kontrolle geraten, brauche ich dich. Du hältst mir den Spiegel vor, damit ich vor mir selbst erschrecke und mich ändere. Darum will ich immer wieder von neuem fragen: 'Wie würdest du dich verhalten, was würdest du sagen und tun?' In deinem Plan haben auch die Überheblichen einen Zweck, sonst würdest du sie nicht dulden. Ich verstehe das alles nicht. Aber ich tröste mich damit, dass du es verstehst. Amen 

Ihr / dein Hans Löhr


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Donnerstag, 23. Januar 2020

Das Gnadentor hl

Losung: Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. Psalm 116,8

Lehrtext: Jesus erlöste die, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. Hebräer 2,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

fürchtest du dich vor dem Tod? So geht es mir damit:
     Eines Tages sagt der Tod zu mir: „Es ist soweit. Du musst mir folgen. Ich habe Gewalt über dich. Komm nur mit ins schwarze Erdloch. Komm nur mit ins Feuer des Krematoriums. Da ist Endstation. Da heißt es: Rien ne va plus, nichts geht mehr. Aus!“
     Das sind keine schönen Aussichten. War’s das dann mit mir? „Du entkommst mir nicht.“ Sagt der Tod. Nun, mit Disziplin und etwas Glück kann ich mein Leben vielleicht ein paar Jährchen verlängern. Dazu brauche ich keinen Schnaps wie der Brandner Kasper, der damit den "Bandlkroamer" (Tod) hereingelegt hat. Aber früher oder später wird er mich einholen und abholen. Das ist gewiss. "Warte nur, balde ruhest du auch.“

Der Tod sagt jenes, Christus sagt dieses:

     Heute sagt Christus zu mir: „Fürchte dich nicht, vertraue. Ja, du wirst sterben. Doch der Tod ist nicht dein Herr, sondern mein Knecht. Auch die Erinnerung an dich wird verblassen und verschwinden. Dann kennt dich kein Mensch mehr.
     Aber Gott kennt dich. Er hat dich bei deinem Namen ins Leben gerufen. Er ruft dich bei deinem Namen wieder zu sich. Was er mit der begonnen hat, musst du nicht vollenden. Er wird das tun.
     Du brauchst keine Angst zu haben vor dem, was nach dem Tod kommt, vor keinem von Menschen erfundenen Fegefeuer, vor keiner Hölle, vor keinem Gericht. Ich habe dich erlöst. Über dem Tor, durch das du aus diesem Leben in jenes gehen wirst, steht „Gnade“. Da warte ich. Da trockne ich deine Tränen und führe dich zu meinem und deinem Vater. Und du wirst sein und bleiben im Reich seiner Liebe. Nein, nicht der Tod ist dein Herr, sondern ich bin's. Du gehörst mir und nicht ihm.

Eine Restfurcht bleibt

     Und vor wem fürchtest du dich? Und wer ist Herr über dich? Christus oder der Tod?
Ich bin kein Glaubensheld. Ich fürchte mich vor dem Tod, vor allem vor dem Sterben. Aber ich will nicht, dass mich der Tod oder der Gedanke an ihn beherrscht. Ich will, dass Jesus Christus mein Herr ist. Ihm vertraue ich. Ihm gehöre ich im Leben und im Sterben. Das lässt die „Furcht vor dem Tod“ schrumpfen. Aber vollständig werde ich sie in diesem Leben wohl nicht überwinden.    
   
Gebet: Jesus Christus, du bist mein Herr. Vor dir bin ich kein Knecht, sondern dein Bruder. Durch dich bin ich nicht die Beute des Todes, sondern ein freies Kind des barmherzigen Vaters. Ich danke dir für den Glauben, den du durch deinen Geist in mir wirkst. Er ist mein Schutz vor der Todesfurcht und meine Hoffnung auf ein Leben in deiner Liebe. Amen

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 22. Januar 2020

Gott hat den längeren Arm und Atem hl

Losung: Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht. Jesaja 7,9

Lehrtext: Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen. 1.Timotheus 6,12 Lehrtext:

Liebe Leserin, lieber Leser,

bloß keine Panik! Sie macht alles nur noch schlimmer. Das gilt heute genauso wie damals zurzeit des Propheten Jesaja. So heißt es in seinem Buch:
     »Als Ahas König von Juda war, versuchten König Rezin von Syrien und König Pekach von Israel Jerusalem zu erobern. Doch sie konnten die Stadt nicht einnehmen. Dem Königshaus wurde gemeldet: »Syrische Truppen sind in Israel angekommen.« Der judäische König und das Volk zitterten vor Angst wie Bäume im Sturm. Da gab der HERR dem Propheten Jesaja den Auftrag: »Geh und sag dem König, er soll nichts Unüberlegtes tun, sondern Ruhe bewahren. Ermutige ihn mit dieser Botschaft: ‚Hab keine Angst und lass dich nicht einschüchtern! Rezin und der Sohn von Pekach sind nichts als verkohlte, qualmende Brandscheite. Sie haben sich einen bösen Plan ausgedacht. Aber ich, der HERR, sage: Daraus wird nichts! Es wird ihnen nicht gelingen! Vertraut jetzt mir, dem Herrn! Wenn ihr nicht fest im Glauben steht, dann könnt ihr nicht bestehen!« (Jesaja 7,1-9 gekürzt)

Mit den richtigen Waffen kämpfen

     König Ahas von Jerusalem war versucht, den üblichen Kampf zu kämpfen, den Kampf mit Waffen und Gewalt. Aber, so sagt der Prophet Jesaja, es gibt eine mächtigere Kraft als das Militär. Sie ist das Vertrauen auf Gott. Sie garantiert, dass wir bestehen können.
     Das lässt mich fragen, ob auch ich immer mit den richtigen Mitteln kämpfe. Ob ich zu den untauglichen Waffen der Wut greife oder des Beleidigtseins, der Resignation oder der Ungerechtigkeit, des Schweigens oder des Schreiens und, und, und. Oder ob ich mich im Glauben dazu durchringe, Gott mit seinen Waffen für mich kämpfen zu lassen. Ob ich ihm zutraue, dass er die Angelegenheit so regelt, wie es für alle am besten ist.
     Wenn ich den Kampf des Glaubens kämpfe, überwinde ich mich um meines Glaubens willen etwas zu tun, was ich sonst so nicht tun würde: Dass ich nicht in erster Linie meinen Gegner überwinde, sondern mich selbst, dass ich ruhig und besonnen bleibe und darauf vertraue, dass Gott  den längeren Arm und Atem hat.
    
Gebet: Herr, ich muss ja nicht auf jeden Baum der Empörung krabbeln, den man mir in den Weg stellt. Ich muss ja nicht gleich emotional oder gar ausfällig werden, wenn man mich angreift. Ich muss ja nicht Gleiches mit Gleichem heimzahlen und Böses mit Bösem vergelten. Denn ich bin nicht auf mich allein gestellt. Und was wird, hängt nicht nur von mir ab. Darum vertraue ich auf dich, dass du meine Sache so führst, wie es für alle Beteiligten am besten ist. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 21. Januar 2020

Bist du frei? hl

Losung: Ich bin der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat, dass ihr nicht ihre Knechte bleibt, und habe euer Joch zerbrochen und habe euch aufrecht einhergehen lassen. 3.Mose 26,13

Lehrtext: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Galater 5,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Protestantismus, so sagt man, sei die Konfession der Freiheit. Hoffentlich stimmt das auch. Und hoffentlich können wir, die wir evangelisch sind, diese Freiheit auch glauben und leben. Und das hängt dann nicht mehr von der Konfession ab, sondern von jedem einzelnen.
     Warum sollen nicht auch Katholiken die evangelische, also evangeliumsgemäße Freiheit glauben und leben können? Entscheidend ist, dass ich meinen Glauben und die daraus wachsende Freiheit vor Gott selbst verantworte. Dass ich sie mir von Jesus persönlich schenken lasse unabhängig davon, was kirchliche „Würdenträger“, Dogmen und Normen dazu sagen.
     Und diese Freiheit hat mit der Einsicht Martin Luthers zu tun, die er aus der Bibel gewonnen und in zwei Sätzen auf den Begriff gebracht hat:
1.   »Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan im Glauben.
2.   Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan in der Liebe.«
     Wer auf Gott vertraut, wie er ihm in Jesus begegnet, braucht sich im Glauben von niemandem etwas sagen zu lassen. Da genügt es, selbst die Bibel zu lesen. Wer auf Gott vertraut, wie er ihm in Jesus begegnet, kann sich seinem Mitmenschen nicht entziehen. Der weiß, dass er nicht für sich selbst lebt, sondern für und mit anderen zusammen.
       Gott hat mir meine Freiheit geschenkt, dass ich sie mit anderen lebe und nicht ohne sie. Meine Freiheit findet an der meiner Mitmenschen ihre Grenze: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ (Rosa Luxemburg).
     Ja, ich bin in Glaubensdingen frei von kirchlicher Bevormundung. Doch zugleich bin ich auch frei zum Dienst am Mitmenschen. Das sind die beiden Seiten der Medaille „Freiheit“.
     Und ein Letztes: Wer frei ist, kann nicht ertragen, dass andere unfrei sind. Insofern ist die eigene Freiheit immer zugleich auch ein Auftrag, die Unfreien zu befreien.
     In Indien kämpft die Christin Pranitha Timothy mit schwacher Stimme, aber in der Kraft des Glaubens unermüdlich dafür, dass Menschen aus der Schuldsklaverei befreit werden. In Westeuropa und den USA arbeitet die Gefangenenhilfsorganisation „amnesty international“, die sich für politische und religiöse Gefangene in aller Welt einsetzt. Doch auch bei uns gibt es Sklaven, wenn auch etwas anderer Art. Damit meine ich alle Suchtkranken, die von ihrer Sucht (Lehrtext: „Joch der Knechtschaft“) versklavt werden und die sich nach Befreiung sehnen.
     Zum Schluss stelle ich eine gewagte Frage: Sind nicht auch Menschen, die Gott nicht kennen wollen oder können so etwas wie Sklaven ihrer selbst?
    
Gebet: Jesus, dich allein erkenne ich als meinen Herrn über mir an. Weil ich dir gehöre, bin ich frei. Wenn ich dir in meinen Mitmenschen diente, wäre ich frei. Ich aber weiß, dass ich mich von vielen Dingen abhängig mache aus Sorge, Schwäche und Angst. Hol mich da raus und führe mich in das Land der Freiheit, in das kompromisslose, unbedingte Vertrauen auf Gott. Amen

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 20. Januar 2020

Was heißt „Versöhnung“? hl

Losung: Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht anrechnet und in dessen Sinn nichts Falsches ist. Psalm 32,2

Lehrtext: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus. 2.Korinther 5,17-18

Liebe Leserin, lieber Leser,

ehrlich gesagt, die Losung heute verstehe ich nicht: Wie kann im Sinn eines Menschen nichts Falsches sein, der offenbar schuldig geworden ist und dem der Herr seine Schuld nicht anrechnet? Vielleicht kann mir das jemand von den Leserinnen und Lesern erklären.
     Aber es erscheint mir auch gar nicht so wichtig. Wichtiger ist für mich, was der Lehrtext sagt: Gott hat einen Schlussstrich gezogen unter dem Alten. Was vorbei ist, ist vorbei. Nun lebe ich in einer neuen Situation. Nun bin ich durch Christus mit Gott versöhnt und das nicht, weil ich das gewollt oder geschafft hätte, sondern weil es Gottes Wille und Werk war und ist.
     Doch was heißt ‚versöhnt‘? Wenn ich mich mit einem anderen Menschen versöhne, dann geh ich auf ihn zu und biete ihm Frieden an. Dann bin ich bereit, das, was zum Zerwürfnis geführt hatte, nicht weiter zu verfolgen, sondern auf sich beruhen zu lassen. Dann reiche ich ihm die Hand. Und genau das tut Gott. Ich will nicht vergessen, dass er es war, der in Jesus auf mich zugegangen ist, der das Alte vergangen sein lässt, und mir die Hand zur Versöhnung reicht.
     Nun liegt es an mir, wie ich reagiere. Werde ich mich abwenden und ihm die kalte Schulter zeigen? Oder werde ich mich meinerseits ihm zuwenden und seine ausgestreckte Hand ergreifen? Zur Versöhnung kann niemand gezwungen werden. Das ist eine freiwillige Sache. Da muss jeder selbst entscheiden, ob er dazu bereit ist.
     Ich für meinen Teil sehe keinen Grund, warum ich Gottes ausgestreckte Hand nicht ergreifen soll. Aber vielleicht gibt es ja Menschen, die zu stolz sind, um sich einzugestehen, dass sie Gottes Versöhnung nötig haben. Die vielleicht auch zu stolz sind, auf die Versöhnungsgesten ihrer Mitmenschen einzugehen. Beides hängt wohl zusammen. Dabei wäre es für alle Beteiligten so gut, wenn man gemeinsam neu anfangen könnte. Gott jedenfalls ist dem Lehrtext zufolge dazu bereit. 
     
Gebet:. Herr, du gehst auf mich zu und reichst mir die Hand zur Versöhnung. Und ich bin dazu bereit. Mehr noch, ich bin dir dazu zutiefst dankbar. Hilf mir, auch selbst zu meinen Mitmenschen versöhnlich zu sein. Amen

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 19. Januar 2020

Was ich wissen kann und glauben darf hl

Losung: Wenn sich der Ungerechte abkehrt von seiner Ungerechtigkeit, die er getan hat, und übt nun Recht und Gerechtigkeit, der wird sein Leben erhalten. Hesekiel 18,27

Lehrtext: Paulus schreibt: Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. 1.Timotheus 1,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

schon nach dem Glauben der Menschen im Alten Testament bekommt jeder von Gott eine neue Chance, der aus seinen Fehlern lernt und es künftig besser macht. Aber wie auch sonst, so überbietet das Neue Testament auch in diesem Fall das Alte. Denn da werden, wie der Lehrtext sagt, nicht die Gerechten (Frommen) selig gemacht, sondern Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten (= selig machen).
     Kennst du einen, der zu dir schon einmal von der Sünde gesprochen hat, eine Kindergottesdiensthelferin, einen Religionslehrer, eine Pfarrerin oder Pfarrer, oder sonst jemanden? Was immer da gesagt worden ist, hat er oder sie auch gesagt: „Unter den Sündern bin ich die oder der erste“? Wenn das so war, dann war vermutlich auch das einigermaßen zutreffend, was diese Person auch noch sonst über die Sünde gesagt hat. Wenn aber nicht, dann solltest du vorsichtig und kritisch sein.
     Wer auch immer etwas von Sünde sagt, spricht zuerst über sich selbst, über sein eigenes Versagen, über seine eigene Schuld, über seine eigene Scham. Aber er spricht dann auch davon, dass er ein Sünder ist, dem von Gott vergeben und der von Christus gerettet ist. Und das unterscheidet uns Christen von allen anderen, dass wir das wissen können und glauben dürfen.


Gebet: Ja, Herr, das weißt du, dass ich ein Sünder bin. Oft genug habe ich vor deinen Augen versagt. Oft genug habe ich dir und mir nicht vertraut. Oft genug bin ich meinen eigenen, egoistischen Plänen gefolgt und habe nicht nach dir gefragt. Oft genug bin ich dir, meinen Mitmenschen und auch mir selbst die Liebe schuldig geblieben, die du mir geschenkt hast, damit ich sie weitergebe. Das alles tut mir leid. Und darum bitte ich dich, dass du mir vergibst. Nein, ich bitte dich, vertrauen zu können, dass du mir vergeben hast. Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

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Samstag, 18. Januar 2020

Wo ist ein solcher Gott? hl

Losung: Wo ist ein Gott im Himmel und auf Erden, der es deinen Werken und deiner Macht gleichtun könnte? 5.Mose 3,24

Lehrtext: Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Römer 11,36

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja wo, wo ist ein solcher Gott? 
Einer, der Himmel und Erde geschaffen hat, Raum und Zeit? 
Einer, der in seinem Sohn zu uns Menschen kommt, zu dir und zu mir? 
Der jeden Stern in den unermesslichen Tiefen des Weltraums kennt und auch dich kleinen Menschen? 
Der für dich und mich im Stall zur Welt kommt und am Kreuz aus der Welt geht? 
Der im Himmel ist und zugleich auf der Erde? 
In dir und in mir? 
Der in der Ewigkeit ist und zugleich in der Zeit? 
Der in der Vergangenheit war, in der Gegenwart ist und in der Zukunft sein wird? 
Der liebt und leidet, heilt und vergibt, behütet und segnet? 
Der den Tod besiegt und dich auferweckt? 
Wo ist ein solcher, zu dem du jeden Tag auf’s Neue sagen kannst: 
„Guten Morgen, lieber Gott, schön, dass du da bist?

Gebet: Wo ist ein Gott im Himmel und auf Erden wie du, HERR, der es deinen Werken und deiner Macht gleichtun könnte? Von dem und durch den und zu dem alle Dinge sind? Denn von dir und durch dich und zu dir bin auch ich. Du umgibst mich ganz und gar wie das Meer seine Bewohner. In dir lebe, webe und bin ich zu jeder Zeit. In dir werde ich sterben, in dir auferstehen, in dir bleiben für immer. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Amen

Herzliche Grüße!

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 17. Januar 2020

Keine Angst vor Wölfen hl

Losung: Mose und Aaron gingen hinein zum Pharao und sprachen zu ihm: So spricht der HERR: Lass mein Volk ziehen, dass es mir diene! 2.Mose 10,3

Lehrtext: Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. Matthäus 10,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennst du den Monumentalfilm „Die Zehn Gebote“ aus dem Jahr 1956 mit Charlton Heston als Mose und Yul Brynner als Pharao? Ist ganz großes Kino und ein Meilenstein der Filmgeschichte. Beeindruckend, wie man mit den damaligen Mitteln den Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer dargestellt hat. Und man bekommt obendrein noch eine Vorstellung von der Kultur des Alten Ägyptens.
     In diesem Film sieht man, wie Mose und Aaron vor den Pharao treten und fordern: „Lass mein Volk ziehen!“ Diese Auseinandersetzung wird zu einem Machtkampf zwischen dem König der Ägypter und dem Anführer der hebräischen Sklaven. Mehrmals weigert sich der Pharao, dem Verlangen des Mose nachzugeben, weil er es doch sei, der die Macht habe, ja mehr noch, der selbst ein Gott sei. Schließlich, nach der neunten Plage, als sein eigener Sohn sterben muss, kapituliert er und Mose zieht mit den Hebräern aus Ägypten heraus in das von Gott verheißene Land.
     Vor dem übermächtigen Pharao steht Gott dem machtlosen Mose bei. Denn was Mose fordert, ist nicht seine eigene Idee, sondern Gottes Wille. Und was er will, das setzt er oft genug mit der Kraft der Schwachen durch, also ohne politische und militärische Macht und ohne Geld. Was aber ist diese Kraft?
     Aus meiner Sicht ist sie das unbedingte Gottvertrauen. Wer nicht auf die Grenzen seiner eigenen Möglichkeiten schaut, sondern auf die unbegrenzten Möglichkeiten Gottes, geht mit einer viel stärkeren Motivation, unbekümmerter und zuversichtlicher seine Herausforderungen an.
     Trotzdem soll man in heiklen Sache nicht blind ins offene Messer rennen, sondern, wie Jesus sagt, sie besonnen, gradlinig und überlegt anpacken.
     Als die ersten Christen anderen von Jesus erzählt haben, da waren sie noch so etwas wie Schafe in einer Welt, die ihnen bisweilen feindlich gesinnt war, in einer Wolfswelt (Lehrtext). Sie erlitten Verfolgung, Gefangenschaft und manchmal auch den Tod. Gott sei Dank ist das heute anders. Du kannst dich in unserem Land frei von der Leber weg zu ihm bekennen. Außer vielleicht komische Blicke und etwas Getuschel hinter deinem Rücken geschieht wenig. Aber auch das kostet schon eine gewisse Überwindung. Wer mag denn schon bei unseren Zeitgenossen als „komischer Heiliger“ gelten? Ich auch nicht. Und trotzdem, was soll‘s. Man zollt dir insgeheim auch Respekt, wenn du eine Linie in deinem Leben hast, wenn du zuversichtlich und aufrichtig sein kannst. Mit einem Wort, wenn du glaubst.

Gebet: Herr, du bekennst dich zu mir und darum will ich mich vor den Menschen auch zu dir bekennen. Ich kann ja stolz sein, dass du mein Gott bist und ich dir vertrauen kann. Statt dich schamhaft zu verschweigen, will ich lieber selbstbewusst von dir reden. Ich denke aber auch an die Christen, die jetzt in anderen Ländern ihres Glaubens wegen verfolgt werden. Steh ihnen bei mit deiner Kraft. Amen

Herzliche Grüße,

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