Losung: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir
wendet. Psalm 66,20
Lehrtext:
Haltet fest am Gebet,
wachen Sinnes und voller Dankbarkeit! Kolosser 4,2
Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn du betest, wirst du in der Regel Gott um etwas bitten sei es für dich, sei es für andere. So machen es fast alle. Trotzdem sehe ich Bittgebete bzw. Fürbitten kritisch. Zum einen
enthalten sie ein verstecktes Misstrauen. Mit meinen Bitten sage ich zugleich: ‚Ich
traue Gott nicht zu, dass er von sich aus und von vorneherein tut, was gut für
mich ist. Ich muss ihn mit meinen Bitten erst daran erinnern.‘ Zum anderen
machen Bitten nur dann Sinn, wenn ich davon ausgehe, dass ich mit ihnen Gott zu etwas bringen kann, was in meinem Interesse ist. Mit einem Wort: dass ich ihn manipulieren kann.
Das aber, liebe Leserin, lieber Leser, ist Religion pur. Das machen auch
die Hindus, die Muslime, die Juden. Das haben auch die heidnischen Völker zur
Zeit Jesu gemacht und auch fast alle Christen von den Anfängen bis heute.
Ein untrügliches Kennzeichen von Religion ist, dass ich meine, auf verschiedene
Weise auf Gott oder die Götter einwirken zu können, genauer: sie bestechen zu können
sei es mit Bittgebeten, mit Kerzenanzünden, mit Wallfahrten,
Heiligenanrufungen, mit Geldspenden oder Tieropfern, mit Gelübden, Stiftungen und so weiter.
Jesus ging es aber nicht um Religion, sondern um Gottvertrauen. Ich kann Gott
nicht gnädig stimmen. Er ist das von Haus aus, weil er es so will. Ich kann, was meinen Glauben, ja
sogar was mein Leben betrifft, garnichts tun. Er tut alles, wirklich alles für
mich. Er hat das bisher getan. Er tut das heute und wird auch morgen alles für
mich tun: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!“ (Psalm 23,1)
Ich kann und muss mich auch nicht für ihn entscheiden. Das würde
voraussetzen, dass ich in Glaubensdingen einen freien Willen hätte. Doch das
ist leider ein hartnäckiger Irrtum, dem ich auch immer wieder anheimfalle. Gott
hat sich in Jesus längst für mich entschieden. In und mit diesem Gottvertrauen
kann ich leben. Genau darum geht es, und nur darum.
Mehr ist nicht nötig, keine
Kirche, keine Kirchenbehörde, keine Kirchengebäude, keine Gottesdienste, keine
Taufe, keine Beichte, keine Hierarchie, also keine Priester und Pfarrer,
geschweige denn Päpste und Bischöfe, keine Gebote, Regeln, Gesetze und keine Kirchenmusik,
keine sakrale Kunst, keine Kirchensteuer. Und, wie schon gesagt, auch keine
Bittgebete.
Nichts von alledem ist nötig, wenn ich in einem tiefen Vertrauen zu Gott
leben kann, wie er mir in Jesus begegnet.
ABER - ich bin ein glaubensschwacher Mensch. Mein Glaube braucht leider ein
paar von solchen Krücken, wie ich sie gerade aufgezählt habe, sonst kann er
nicht laufen. Wichtig ist nur, dass mir klar ist, all diese Dinge sind
Hilfsmittel für meinen Glauben, aber nicht glaubensnotwendig. Der eine braucht
mehr dies, der andere mehr das. Und genauso wichtig ist, dass ich nicht an diese „Gehhilfen“
glaube, sondern an Gott. Solange sie mir gut tun, benutze ich sie gern. Wenn
Sie mich aber beim Glauben eher behindern als unterstützen, stelle ich sie guten
Gewissens in die Ecke, auch die Pfarrerin, auch den Papst.
Und wie ist das nun mit den Bittgebeten? Ja, auch sie sind Gehhilfen für
mich. Gott braucht sie nicht, aber ich. Es beruhigt mich, wenn ich das, was mir
am Herzen liegt, Gott gesagt habe. Doch ich tue gut daran, wenn ich dann noch anfüge:
„Aber du, Herr, hast den Überblick und kennst meinen Weg. Darum soll geschehen, was du willst und nicht was ich will.“ Jedenfalls nimmt Gott mir meine
Bittgebete nicht übel, sondern hört sich verständnisvoll an, was ich ihm sage.
Jesus selbst hat mir mit dem Vaterunser eine solche Gehhilfe gegeben, weil er meine
Glaubensschwäche kennt. Und Gott? Ich denke, er sagt zu meinen Bitten: „Ja, mein
Menschenkind, ich weiß doch, was du brauchst. Ich sehe deine Not, ich fühle
deine Schmerzen, ich kenne deine Angst. Vertraue mir, ich werde auf alle Fälle tun, was
letzten Endes gut für dich ist. Vertraue und lebe! Ich bin für dich da.“
Es gibt noch andere Gebete, die nicht Ausdruck von Religion sind, sondern
von meinem Gottvertrauen. Und dazu gehören alle Dankgebete, alle aufrichtigen Lobpreislieder.
Dazu gehört alles, womit ich mein Vertrauen zum Ausdruck bringe, an erster
Stelle mein Lieblingspsalm. In ihm geht es nicht darum, was ich mir wünsche, sondern was ist:
Gebet:
1 Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen
Wasser.
3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um
seines Namens willen.
4 Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein
Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du
salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich
werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Amen (Psalm 23)
Herzliche Grüße!
Ihr / dein Hans Löhr
PS: Ich freue
mich über Ihren Kommentar, den Sie weiter unten schreiben können.
Sie können die Losungsauslegungen gerne über E-Mail, WhatsApp, Twitter,
Facebook etc, weiterverbreiten: Einfach markieren, kopieren und in das
jeweilige Programm einfügen.
Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden,
sie werden nachträglich korrigiert.