Mittwoch, 13. November 2019

Erfüllt von Gottes Geist hl

Losung: Er wird herrlich werden bis an die Enden der Erde. Micha 5,3

Lehrtext: In Jesus Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid erfüllt durch ihn, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist. Kolosser 2,9-10

Liebe Leserin, lieber Leser,

am Heiligen Abend ist es wieder soweit. Dann wird in zahllosen Kirchen in aller Herren Länder diese Weissagung  aus dem Buch des Propheten Micha vorgelesen:
»Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist… Er aber wird auftreten und sein Volk weiden in der Kraft des HERRN. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden bis an die Enden der Erde. Und ER wird der Friede sein.« 
     Von Anfang an haben Christen diese Worte aus dem Alten Testament auf Jesus bezogen. Manche meinen sogar, dass deshalb die Weihnachtsgeschichte in Bethlehem angesiedelt worden ist.
     Viele halten von unserer heutigen Losung und dem Text, zu der sie gehört, nichts mehr. Sie meinen, solche Worte wären eine Zumutung an ihren Verstand. Sind sie auch. Doch als die frühen Christen von Jesus sagten, dass er "herrlich werden würde bis an die Enden der Erde", war das noch eine viel größere Zumutung. Das römische Weltreich war zur damaligen Zeit übermächtig. Der Kaiser in Rom war gottgleich. Niemand konnte seine Macht infrage stellen. Niemand? Eine kleine, machtlose Christenschar mit ihren winzigen Gemeinden in den Dörfern und Städten der hintersten römischen Provinz tat das. Und heute bekennen sich weltweit Christen zu Jesus als ihrem Herrn »bis an die Enden der Erde«.
     Doch beweisen tut das nichts. Es bekennen sich auch weltweit Muslime zu Mohammed und Allah „bis an die Enden der Erde“.
     Nein, geschichtliche Ereignisse und Tatsachen haben für den Glauben keine Beweiskraft. Was im heutigen Lehrtext steht, bleibt unbeweisbar. Doch ich glaube genau das. Weil sich hier das Zentrum unseres Glaubens wie unter einem Vergrößerungsglas zeigt: »In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.«
     Nein, Jesus ist nicht Gott, weil er dies und das gesagt und getan hat. Wegen seiner Lehre und Taten wäre er bestenfalls ein Guru, ein besonderer Prophet, wie zum Beispiel die Muslime meinen. Auf den sympathischen Sohn der Maria kam es nicht an. Aber auf den Geist, der in ihm wohnte und ihn bewegte, da kam und kommt es an bis heute: Auf den Geist des lebendigen Gottes, auf den Geist seiner Menschenliebe und seines Friedens, auf den Geist der Versöhnung, der heilt und aus dem alles hervorgeht, der in allem wirkt und auf den alles zuläuft.
     Dieser Geist erfüllte Jesus. Alles was wir von Gott wissen müssen, „seine ganze Fülle“, kam in ihm zum Vorschein. Ihn will er weitergeben an dich und mich. Sind wir dazu offen und bereit?

Gebet: Herr, in dir lebt der Geist des Friedens. Schenke auch mir diesen Geist, dass ich mit mir selbst im Frieden und versöhnt leben kann, dass ich mit meinen Angehörigen so leben kann, mit meinen Freunden, Bekannten und Nachbarn. Schenke diesen Geist allen die Verantwortung tragen für den Frieden in dieser Gesellschaft und in der Welt. Nur in dir werde ich den Frieden finden, den ich suche und brauche. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 12. November 2019

Wenn der Wolf kommt hl

Losung: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Hesekiel 34,11

Lehrtext: Als Jesus das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Matthäus 9,36

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal geschehen Dinge, die für andere bedeutungslos sind, die einen selbst aber bewegen. Einen Tag, bevor ich Losung und Lehrtext las, um darüber nachzudenken und das Ergebnis mit dir zu teilen, bin ich früh mit dem Gedanken aufgewacht: "Nur einer ist der gute Hirte für alle Menschen, Jesus. Nur einer sorgt für mich, dass mir nichts mangelt. Nur einer war und ist bereit, sein Leben für mich zu geben. Und ich, der ich Pastor bin, auf Deutsch „Hirte“, und alle meine Kollegen in allen kirchlichen Ämtern, wir sind nur Mietlinge."
So nennt Jesus die „Lohnschäfer“, die ihre Arbeit für Geld machen und sagt dazu: Wenn der Wolf kommt, dann laufen sie davon und lassen die Schafe im Stich.
     Wenn der Wolf kommt – wenn er kommt im Pelz der Sorge und des Kummers, wenn er kommt im Pelz von Krebs und Schlaganfall, wenn er kommt im Kleid der Einsamkeit und Depression, wenn er kommt in welcher Verkleidung auch immer, - an welchen Pastor, an welchen Hirten soll ich mich dann wenden? Die „Lohnschäfer“ haben durchaus ihre Berechtigung. Manche von ihnen sind gute Seelsorger. Manche versuchen die „Schafe“, die ihnen anvertraut sind, so gut sie können zu versorgen. Aber es sind nicht ihre Schafe. Sie selbst sind ja auch nur ein Schaf, nicht nur der Pfarrer, auch der Bischof. Alle gemeinsam sind wir Schafe des einen guten Hirten. Und jeder von uns hat nur ihn, - wenn der Wolf kommt.
  
Gebet: Herr, du lässt mich nicht im Stich. Wenn ich mich in diesem Leben verrannt habe, kommst du und suchst mich. Wenn der Wolf kommt, kommst du und beschützt mich. Wenn ich Angst habe, kommst du und nimmst mich in den Arm. Es lässt dich nicht kalt, wie es mir geht. Denn von jeher kennst du mich und gehöre ich dir. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Montag, 11. November 2019

Ruf nach dem starken Mann hl

Losung: Werdet ihr der Stimme des HERRN nicht gehorchen, so wird die Hand des HERRN gegen euch sein wie gegen eure Väter. 1.Samuel 12,15

Lehrtext: Paulus schreibt: Ich will, dass ihr weise seid zum Guten, aber geschieden vom Bösen. Römer 16,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wir auch! Wir auch!“ – So quengelten die Israeliten wie kleine Kinder ihrem Propheten Samuel die Ohren voll. Sie wollten endlich auch mal einen König haben wie die heidnischen Völker ringsum. Gott und seinem Propheten war das, der Bibel zufolge, nicht recht. Gott selbst sollte König über sein Volk sein und nicht irgendein Mensch. Aber die Israeliten waren unbelehrbar. Und so gab er ihnen den Saul. Mit dem sind sie dann gleich so richtig an die Wand gefahren.
     Und später ging es auch in der christlichen Welt so weiter. Wieder wollte man einen starken Mann über sich, den man verehren, dem man huldigen konnte: Wir wollen einen Papst, wir wollen einen Kaiser, wir wollen einen Führer. Wie das geendet hat, kann man in den Geschichtsbüchern nachlesen. Der Papst mag sich Stellvertreter Jesu Christi auf Erden nennen. Der Kaiser mag von sich behaupten, von Gottes Gnaden die Regierungsgewalt zu haben. Der Führer mag von sich behaupten, von der Vorsehung auserwählt worden zu sein.   
     Sie alle waren und blieben doch Menschen, fehlbar, irrtumsfähig, charakterschwach, manchmal seelisch krank wie König Saul. Und so rannten zum Beispiel unsere Vorfahren jahrhundertelang immer wieder gegen dieselbe Wand, holten sich blutige Nasen und haben nichts gelernt. Zuletzt vor gut 80 Jahren. Wer von einer glorreichen, deutschen Geschichte träumt, der sollte lesen lernen.
     Der alte Samuel hat in seiner letzten Ansprache das Volk gewarnt und gesagt: »Werdet ihr, das Volk und euer König, der Stimme des Herrn nicht gehorchen, so wird die Hand des Herrn gegen euch sein wie gegen eure Vorfahren.« (Losung) Eine klare Ansage. Aber wie so oft, hat die Drohung nichts gefruchtet.
     Doch dabei blieb es nicht. Statt zu drohen und zu strafen hat Gott uns einen König so ganz nach seinem Herzen gegeben. Den König aus dem Stall und mit der Dornenkrone, der zu dir sagt: »Komm her zu mir, wenn du nicht mehr kannst, wenn du überlastet und erschöpft bist. Ich richte dich wieder auf. Vertraue mir, denn ich bin sanftmütig und bereit, dir zu dienen.« (Matthäus 11,28)
   
Gebet: Herr, ich bitte dich für alle, die Verantwortung haben in Staat und Gesellschaft. Gib ihnen deinen Geist, den Geist des Friedens und der Gerechtigkeit, den Geist der Versöhnung und Menschenliebe. Aber ich werde sie nicht anhimmeln noch sonst wie verehren, denn du allein sollst diese Welt und sollst auch mich regieren nach deinem Willen und Plan. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Sonntag, 10. November 2019

Wie Gott hilft hl

Losung: Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Psalm 127,1

Lehrtext: So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. 1.Korinther 3,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe nach einem Sturz mit unangenehmen Folgen selbst erfahren, wie gut unser Leben in Mitteleuropa inzwischen organisiert ist, speziell in unserem Land. Krankentransport, Krankenhaus, Untersuchungen, Operation, Nachsorge, Medizintechnik, Medikamente, Rehabilitation … Das alles steht im Bedarfsfall zur Verfügung, weil die Gesunden mit ihren Krankenversicherungsbeiträgen das finanzieren und zu Recht hoffen, selbst davon zu profitieren, wenn es einmal nötig sein sollte. Da hat sich in den letzten Jahrzehnten ganz viel getan. Natürlich hat unser Gesundheitssystem auch Schwächen. Aber weißt du ein anderes Land, in dem du krank sein möchtest?
     Was nach dem Sturz alles auf mich zukommen würde, wusste ich nicht. Doch ich war von Anfang an guter Dinge, dass mir geholfen würde. Und so beschloss ich, mich nicht selbst zu bemitleiden, mich nicht als Opfer zu fühlen, sondern meinen Mut zu behalten und für alles, was mir Gutes getan würde, dankbar zu sein.
     Gerade Letzteres hat mir geholfen, nicht unwillig zu werden, wenn es unangenehm wurde und ich Schmerzen leiden musste. Ich war zu jedem freundlich, vom Chirurgen bis zur Putzfrau. Und warum? Weil ich von Natur aus so ein freundlicher, netter Mensch wäre? Eher nicht. Sondern weil mir klar war und ist, was in den beiden Bibelworten heute steht: Gott ist am Werk in dem, was andere Menschen mir Gutes tun. Das half mir, dass ich mich in meinem Glauben geborgen fühlen konnte. 
    
Gebet: Herr, damit es mit dem, was wir Menschen tun, etwas Rechtes werde, braucht es dich und deinen Segen. Du nimmst so viele in deinen Dienst, ohne dass sie etwas davon ahnen. Du hilfst durch Christen und Muslime, Atheisten und Gleichgültige. Darum sehe ich in allem, was mir gut tut, dich am Werk und bin dankbar für die Menschen, die du mir über den Weg schickst. Amen
    
Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Samstag, 9. November 2019

religiöser Rausch und Gottvertrauen hl

Losung: Wer bestimmt den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweist ihn? Jesaja 40,13

Lehrtext: Wir sollen nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Apostelgeschichte 17,29

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer bestimmt, wer nimmt Einfluss auf den Geist des Herrn? Was meinst du? Wenn du Gott von Herzen bittest, wird das eine Wirkung haben? Und wenn du zehnmal den Jakobsweg gehst, wenn du nicht nur 10 %, sondern 90 % deines Einkommens spendest, wenn du gelobst eine Kapelle zu bauen oder ins Kloster zu gehen oder dich selbst geißelst – wird das irgendeine Wirkung auf ihn haben? Nein, wird es nicht.

Diese Bitte gilt immer

     Du kannst das zwar alles machen, aber Gott bewegst du damit nicht, etwas zu tun, was in deinem und nicht in seinem Sinn ist. Immer gilt die Bitte aus dem Vaterunser »Dein Wille geschehe« oder was Jesus selbst gebetet hat: »Vater, nicht wie ich will, sondern wie du willst.« Gott braucht keine menschliche Einflussnahme und erst recht keine Ratgeber, die ihm sagen, was er zu tun hat. Somit bricht auch der ganze Heiligen- und Marienkult in sich zusammen.
     Und das Gebet? Ich halte viel davon, ihm zu sagen, was ich für mich und für andere auf dem Herzen habe. Dabei vertraue ich auf seine Zusagen und sage ihm, was damit übereinstimmt. Und ich achte darauf, wie Menschen in der Bibel gebetet haben, zum Beispiel in den Psalmen und orientiere mich daran. Dann, so glaube ich, bin ich mit meinem Gebet im Bereich seines Willens (= Reich Gottes) und gehe davon aus, dass er mich hört. Dann wird er das Seine tun zu dem, was ich zu tun bereit und fähig bin.
     Und was ist mit den »goldenen, silbernen und steinernen Bildchen, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht«? Und die riesigen Kathedralen und Dome des Mittelalters und die Peterskirche in Rom – hat Gott damit irgendwas zu tun? Nein, hat er nicht.
     Sie wurden zumeist zur Befriedigung der eigenen Eitelkeit errichtet auf dem Rücken der kleinen Leute, die dafür ausgepresst und mit harter Hand gezwungen wurden. Das ist ernüchternd. Aber vielleicht wird es Zeit, dass manche aus ihrem religiösen Rausch aufwachen.

Was bleibt dann noch?

     Für mich bleibt nur das: Dass ich auf den liebenden und barmherzigen Gott von ganzem Herzen vertraue, wie er mir in Jesus Christus begegnet. So wie es beispielsweise im Psalm 37 heißt: »Vertraue auf den Herrn und hoffe auf ihn. Er kennt den guten Weg und bringt dich ans Ziel.« Das ist alles. Ist das wirklich so einfach? Nein, einfach ist das nicht. Ein solches Gottvertrauen verlangt von dir, dass du alle sonstigen Glaubenskrücken wegschmeißst und dich mit leeren Händen und einem brennenden Herzen ihm zuwendest.
    
Gebet: Herr, es ist dein guter Wille, in dem mein ganzes Leben geborgen ist. Denn ich vertraue darauf, dass nur geschehen kann, was du willst, auch wenn ich manches nicht verstehe. Und was du für mich willst, das ist gut. Amen
    
 Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Freitag, 8. November 2019

beichten und beten hl

Losung: Die Israeliten sprachen zu Samuel: Lass nicht ab, für uns zu schreien zu dem HERRN, unserm Gott, dass er uns helfe. 1.Samuel 7,8

Lehrtext: Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Jakobus 5,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

kurz vor der Konfirmation musste ich noch zum Pfarrer in die Sakristei zur Einzelbeichte. Für mich und alle meine Mitkonfirmanden war das ein schreckliches Erlebnis. Ich glaube, keiner
von uns ist jemals wieder freiwillig zu einer Einzelbeichte gegangen.
     Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein entwürdigendes Verfahren im Sinne Jesu ist. Wenn überhaupt, dann am ehesten so, wie es im heutigen Lehrtext steht. Da gibt es dann nicht auf der einen Seite den kleinen, reuigen Sünder und auf der anderen den „Beichtvater“, der Macht über ihn hat, weil er dessen Schwächen und Versagen kennt. Da müsste dann dieser genauso bereit sein, sein Herz auszuschütten und seine geheimsten Regungen zu offenbaren. Doch davon habe ich noch nie gehört. Ob jemals im Beichtstuhl einer dem anderen seine Sünden von gleich zu gleich bekannt hat? Ich kenne das nur aus meinem Lieblingsfilm „Broken Silence“.
     Doch ich will die Beichte nicht verteufeln. Wem es ein persönliches Anliegen ist, beichten zu können, der soll das auch tun dürfen. Nur eingefordert darf sie nicht werden.
     Dem zweiten Teil des Lehrtextes und auch der Losung aber kann ich voll und ganz zustimmen. Es ist etwas Schönes, wenn ein Mensch für den anderen betet. Und mir selbst tut es gut, wenn ich höre, dass andere das für mich tun.
     Ich bete unter anderem für die Schwerkranken in unserer Gemeinde und auch für meine Angehörigen, die Probleme haben. Aber ich musste mich regelrecht überwinden, auch für die zu beten, die mir weh getan haben und die mir nicht wohlgesonnen sind. Gern tue ich das noch immer nicht. Aber ich habe keine Wahl. Wenn Jesus sagt, dass ich meine Feinde lieben soll, dann heißt das auch, für sie zu beten.

Gebet: Herr, so wie du für deine Freunde und Feinde gebetet hast, so will auch ich beten. Ich tue das für sie. Ich tue das aber auch für mich. Dass sich meine innere Einstellung zu ihnen ändert und ich sie mit deinen Augen sehen kann. Bete du auch in mir. Amen 

Herzliche Grüße


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Donnerstag, 7. November 2019

Alles ist sein hl

Losung: Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibet nicht. 1.Chronik 29,15

Lehrtext: Jesus spricht: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Johannes 14,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer ist Gott? Und wer bin ich vor ihm als Mensch?
     Für meinen Glauben ist es wichtig, dass ich mir den ungeheuren Unterschied zwischen ihm und mir immer wieder einmal bewusst mache. Dazu hilft das Gebet von König David, aus dem die heutige Losung kommt. Er hat es gesprochen, als er selbst und das Volk der Israeliten so viel sie konnten an Material, Gold und Edelsteinen zusammen getragen hatten, um Gott einen richtigen Tempel zu bauen.
     Und so betet der König:
Gebet: »Gelobt seist du, HERR, Gott Israels, unseres Vaters, von Ewigkeit zu Ewigkeit!  Dein, HERR, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. Dein, HERR, ist das Reich, und du bist erhöht zum Haupt über alles. Reichtum und Ehre kommt von dir, du herrschst über alles. In deiner Hand steht Kraft und Macht, in deiner Hand steht es, jedermann groß und stark zu machen. Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen. Denn was bin ich? Was ist mein Volk, dass wir freiwillig so viel zu geben vermochten? Von dir ist alles gekommen, und von deiner Hand haben wir dir's gegeben. Denn wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibet nicht. HERR, unser Gott, all dies Viele, das wir beschafft haben, dir ein Haus zu bauen, deinem heiligen Namen, ist von deiner Hand gekommen, es ist alles dein.«
     Es ist alles dein – dieser Satz gehört meines Erachtens zum Zentrum des Glaubens. Alles was ich bin und habe, all mein Besitz, mein Vermögen, meine Fähigkeiten und Talente, meine Familie, meine Gesundheit und mein Leben – alles ist sein. Alles kommt von Gott und durch ihn und ohne ihn ist nichts, was ist. Darum tue auch ich gut daran, ihn ähnlich zu loben und zu preisen, wie das König David getan hat. Darum tue ich gut daran, auf alle Einbildung, auf allen Hochmut, auf allen Selbstruhm zu verzichten. Darum tue ich gut daran, auch wenn ich eine größere Summe spende, mich nicht für edel und etwas Besseres zu halten. Denn was könnte ich Gott geben, das ihm nicht ohnehin gehört?
     Ja, ich will seine Größe und Majestät, seine Kraft und Herrlichkeit preisen. Doch zugleich muss ich mich nicht klein machen, wie David noch meinte, dass er und sein Volk Fremde und Gäste vor dem höchsten Gott seien. Durch Jesus Christus bist du, bin ich, sind wir alle Kinder Gottes, von ihm gewollt und geliebt. Durch ihn haben wir eine Heimat, die nicht von dieser Welt ist. (Lehrtext) Ich weiß nicht wie und was das sein wird. Aber ich glaube und vertraue darauf, dass Gott selbst dieser Ort ist, aus dem mich nichts mehr vertreiben kann.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Mittwoch, 6. November 2019

Wer ergreift die Initiative? hl

Losung: Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren. Psalm 86,9

Lehrtext: Es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen. Matthäus 24,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie lange das wohl dauern wird, bis alle Völker kommen und vor dem Herrn, unserem Gott anbeten?  (Losung). Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Mann, der das heutige Losungswort geschrieben hat, mit einem viel früheren Termin gerechnet hatte. Er wäre wohl verwundert, dass 2500 Jahre später die Welt zerstrittener und gespaltener ist als zuvor. Und dass sich nach wie vor Religionen bekriegen.
Doch die gute Nachricht von Jesus Christus hilft mir, dieses Wort anders zu verstehen. Wir müssen nicht darauf warten, bis auch das letzte Volk gekommen ist und Gottes Name ehrt. Stattdessen hat Gott selbst die Initiative ergriffen und ist an Weihnachten zu den Völkern gekommen. Es gehört zum Zentrum meines Glaubens, dass die entscheidenden Dinge von Gott ausgehen und nicht von uns Menschen. Das gilt im Großen wie auch in unserem kleinen Leben.
Und genau das sollen wir weitersagen (Lehrtext),
Spätestens in unserer Zeit haben wir durch die neuen Medien ungeahnte Möglichkeiten, das Evangelium weiterzugeben. Ob es aber auch angenommen wird, ist Sache derer, die es hören.

Gebet:
Tu der Völker Türen auf;
deines Himmelreiches Lauf
hemme keine List noch Macht.
Schaffe Licht in dunkler Nacht.
Erbarm dich, Herr. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 5. November 2019

heller hl

Losung: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Jesaja 60,1

Lehrtext: Jesus spricht: Ich bin als Licht in die Welt gekommen, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe. Johannes 12,46

Liebe Leserin, lieber Leser,

zwei schöne Licht-Worte sind Losung und Lehrtext. Doch was bedeuten sie heute am Dienstag konkret für dich?
Ich will mal versuchen, diese beiden großen Scheine in kleine Münzen einzuwechseln. Wann wird es denn in mir licht? Wenn ich an Gott denke und daran, dass er dieser lichtlosen Welt und somit auch mir das Licht seiner Liebe schenkt.
Klingt banal, ist aber so. Solange ich es nur mit mir zu tun habe, mit meinen Gedanken und Gefühlen, hängt manche dunkle Wolke über meinem Kopf. Doch in Gedanken an Gott und im Gebet verändert sich meine Innenwelt und damit auch meine Außenwelt. Egal wie es mir gerade geht, dann bin ich erst einmal dankbar. Das ist bei mir fast schon ein Automatismus, dass ich beim Gedanken an Gott erst einmal dankbar bin. Ich hab ja auch allerhand Gründe dazu.
Ja und dann wird es in meinem Leben irgendwie heller und ich werde wieder zuversichtlicher. Das ist nicht spektakulär. Damit locke ich niemand hinter dem Ofen seiner Gleichgültigkeit hervor. Aber für mich ist es gut so.

Gebet:. Du bist das Licht der Welt
du bist der Glanz, der uns unseren Tag erhellt,
du bist der Freudenschein,
der uns so glücklich macht
dringst selber in uns ein.
Du bist der Stern in der Nacht,
der allem Finsteren wehrt,
bist wie ein Feuer entfacht,
das sich aus Liebe verzehrt,
du das Licht der Welt. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Montag, 4. November 2019

Staatsbürger und Christ hl

Losung: Die Gnade des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind bei denen, die seinen Bund halten. Psalm 103,17-18

Lehrtext: Wandelt nur würdig des Evangeliums Christi. Philipper 1,27

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie wandelt, wie lebt man würdig des Evangeliums Christi? Hast du eine Vorstellung? Und lebst du selbst so?
     Im griechischen Urtext heißt es wortwörtlich übersetzt: »Einzig und allein darauf kommt es an, dass ihr als Staatsbürger ausgewogen zum Evangelium Christi lebt.« Hm, das klingt doch gleich ganz anders und gibt dem Bibelwort einen völlig anderen Sinn.
     Auf diese Übersetzung hat mich vor vielen Jahren Pfarrer Karl Steinbauer aufmerksam gemacht, der schon lange gestorben ist, aber dessen Bibelverständnis in mir weiterlebt. Er hatte sich an dieses Gebot des Apostels Paulus gehalten und saß dafür in verschiedenen Gefängnissen der Nationalsozialisten und im KZ Sachsenhausen.
     Also darum geht es, dass ich mich in meinem Leben als Staatsbürger, als politischer Mensch, an der guten Nachricht von Jesus Christus ausrichte. Das, liebe Leserin, lieber Leser, mag dir vielleicht nicht besonders aufregend erscheinen, sofern du mit den Gesetzen und der Politik deines Landes weitgehend übereinstimmst. Doch wer in einer Diktatur lebt, für den geht der heutige Lehrtext an die Existenz.
     Ich will dir nicht vorschreiben, wie du politischen denken, leben und handeln sollst, sondern stelle dir nur drei Fragen:
1. Wie ist das im Hinblick auf Rüstungen und Militär? Welche Meinung hast du dazu? Was heißt da „ausgewogen zum Evangelium Jesu zu leben“?
2.. Was bedeutet das für dich im Hinblick auf den Zustand der Umwelt, besser der Schöpfung?
3. Wie verhältst du dich zu Menschen aus anderen Ländern, zu Zugewanderten, Asylsuchenden, Flüchtlingen usw. Was bedeutet da für dich: "ausgewogen zum Evangelium"?
     Und wenn man jetzt noch die heutige Losung hinzunimmt, so muss ich fragen: Wie respektiere und ehre ich Gott mit meinem Leben als Staatsbürger in meinem Land?
     Darauf, liebe Leserin, lieber Leser, muss jeder von uns seine ganz persönliche Antwort finden und sie abstimmen mit dem Evangelium, mit der guten Nachricht von Jesus Christus.

Gebet: Herr, ich will mich nicht hinter den vielen in unserem Land verstecken, die ihr Mäntelchen nach dem Wind der herrschenden Meinung richten. Ich will lieber auf dich schauen, wenn es darum geht, wie ich als Staatsbürger lebe. Aber zugleich weiß ich doch auch, dass ich immer wieder Kompromisse eingehe, um nicht allzu sehr anzuecken und als Außenseiter dazustehen. Gib mir im entscheidenden Augenblick die Kraft, mich zu dir und deinem Evangelium zu bekennen und danach zu leben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Sonntag, 3. November 2019

Nimm Gott beim Wort (Predigt) hl

Predigt zum Reformationsfest 2019 von Hans Löhr in Reuth und Neuendettelsau


Liebe Gemeinde,

Karl-Heinz hat endlich wieder Arbeit. Fast drei Jahre war er arbeitslos gewesen und lebte zuletzt von Hartz 4. Nur weil er eisern sparte, konnte er sein Häuschen halten, das noch nicht abbezahlt war. Er musste jeden Cent buchstäblich zweimal umdrehen, bevor er ihn ausgab. Ja, Karl-Heinz hat gelernt zu sparen und sich zu bescheiden. Seinen Mittelklasse-BMW hat er längst verkauft. Jetzt fährt er einen gebrauchten Kleinwagen. Im Supermarkt sieht er sich nach Sonderangeboten um. Und er geht schon lange nicht mehr aus, alleine nicht und schon gar nicht mit seiner Frau und den beiden Kindern. Essen im Gasthaus, das ist nicht mehr drin.
     Karl-Heinz ist gerade drei Wochen in der Firma, da macht der Chef mit seiner kleinen Belegschaft einen Betriebsausflug nach Rothenburg. Man kehrt in einem Restaurant der gehobenen Klasse ein, um zu Abend zu essen. Karl-Heinz muss mitgehen, wohl oder übel. Nachdem er einen flüchtigen Blick auf die Speisekarte geworfen hat, gibt er sie sogleich an seinen Nebenmann weiter. Nein, diese Preise will und kann er sich nicht leisten. Er bestellt sich nur ein Mineralwasser und täuscht eine Magenverstimmung vor. Die Kolleginnen und Kollegen aber suchen sich die besten Speisen aus: Rehbraten und Zanderfilet, Entenbrust und Pfeffersteak, Schweinelendchen und Spanferkel. Karl-Heinz läuft das Wasser im Mund zusammen. Aber es hilft nichts, da muss er jetzt mit seinem Mineralwasser durch.

Der Pechvogel

     Als die Speisen aufgetischt sind, klopft sein Nachbar ans Weinglas und gratuliert dem Chef zum 60. Geburtstag. Die Stimmung am Tisch ist bestens. Nur Karl-Heinz mit seinem Mineralwasser mag sich nicht so recht freuen. Ihm knurrt der Magen und er bedauerte sich selbst. Bevor es ans Zahlen geht, klopft sein Nachbar noch einmal ans Glas, erhebt sich und sagt: „Chef, ich möchte Ihnen im Namen der Belegschaft herzlich danken, dass Sie uns eingeladen und das Essen für uns bezahlt haben.“
      Liebe Gemeinde, Karl-Heinz kann einem leidtun. Er ist schon ein Pechvogel! Endlich könnte er mal unbeschwert etwas Gutes genießen, da verpasst er die entscheidende Information. Er kriegt nicht mit, als der Chef sagt »Im Übrigen lade ich Sie an meinem Geburtstag zum Essen ein. Bestellen Sie, was Sie wollen.«
     Ja, Karl-Heinz kann einem leidtun. Aber auslachen sollten wir ihn nicht. Er ist nicht der einzige, der eine wichtige Information nicht mitkriegt und darum unnötigerweise Verzicht übt. Mir scheint, diese Welt ist voll von Karl-Heinzen. Von Leuten, die nicht mitkriegen, dass sie eingeladen sind.
     Wir sind von Gott eingeladen, größere Geschenke in Empfang zu nehmen als ein teures Abendessen in einem Rothenburger Restaurant. Die Bibel ist voll von seinen Zusagen und Verheißungen. Und er hat sie nicht nur einmal gemacht für die Menschen damals. Er steht dazu auch heute: Die Fehler, die wir uns selbst nicht verzeihen können, er hat sie verziehen. Die Schuld, die uns andere Menschen nicht vergeben, er hat sie vergeben. Wenn ich schwach bin, schenkt er mir neue Kraft. Wenn ich mutlos bin, macht er mich wieder zuversichtlich. Habe ich Angst, so sagt er: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir.“ Bin ich krank, so heilt er mich. Fühle ich mich wertlos, so sagt er: „Du bist doch mein Kind, von mir gewollt, von mir geliebt, von mir gesegnet, von mir erlöst.“
Was er den Menschen der Bibel Gutes getan hat, das kann er auch dir tun. Also nimm ihn beim Wort. Und darum geht es heute in der Predigt, ob wir dem Wort Gottes, wie es in der Bibel enthalten ist, Glauben schenken oder nicht.
     Für Martin Luther war das keine Frage. Für ihn war Gottes Wort die Quelle zur Erneuerung der Kirche, aber auch zur Erneuerung des persönlichen Lebens. Heute erinnern wir uns an seine 95 Thesen, womit er vor 502 Jahren die Reformation einläutete. Ihm lag viel daran, dass es den Christen nicht wie Karl-Heinz geht, der die wichtigste Nachricht des Abends verpasst hatte. Niemand soll die wichtigste Nachricht seines Lebens verpassen, dass Gott ihn durch Jesus Christus liebt. Darum hat Martin Luther die Bibel in verständliches Deutsch übersetzt. Jeder sollte selbst Jesus kennenlernen. Sollte selbst Gottes Wort lesen können. Darum hat Luther dafür gesorgt, dass auch für die Kinder kleiner Leute Schulen eingerichtet wurden, wo sie lesen und schreiben lernten.
     Nun haben wir also die Bibel in unserer Sprache. Nun lasst uns auch glauben, was sie uns sagt.

Meine Bibel sagt, was ich bin

     In einer der größten Gottesdienstgemeinden der Welt, in Houston Texas, halten jedes Wochenende 45.000 Leute ihre Bibel hoch und bekennen gemeinsam: „Das ist meine Bibel. Ich bin, was sie sagt, dass ich bin; ich habe, was sie sagt, dass ich habe; ich kann tun, was sie sagt, dass ich tun kann.“
     Das heißt: Nicht irgendjemand, auch nicht du selbst, sagt dir, wer und was du bist. Die Bibel sagt dir, wer du in Gottes Augen bist. Und darauf kommt es an, wer du in den Augen deines Schöpfers und himmlischen Vaters bist.
     Vielleicht denkst du jetzt, das sind doch nur Worte, was wollen die schon bewirken? Doch unterschätze nicht die ungeheure Macht und Kraft von Worten. Wenn dich zum Beispiel jemand grob beleidigt, sagst du dann auch: ‚Das sind doch nur Worte‘? Be-leid-igen heißt doch im Wortsinn, dass ein anderer dir Leid zufügt. Und wenn dich einer lobt und sagt: ‚Das haben Sie aber toll gemacht, besten Dank!‘ – Dann lässt auch das dich nicht unberührt. Dann freust du dich. Und dieses Lob kann einen ganzen Tag oder länger nachwirken und du freust dich, so oft du daran denkst.
     Also, die Bibel sagt dir, wer und was du in Gottes Augen bist. Darauf kommt es an. Lass dich durch sein Wort aufrichten und stärken.
     Für den Finanzminister bist du ein Steuerzahler, für den Politiker bist du ein Wähler, für den Chef bist du ein Arbeitnehmer, für die Geschäftswelt bist du ein Konsument.
     Und wer bist du für dich selbst? Hast du eine gute Meinung von dir? Hast du ein gesundes Selbstbewusstsein? Oder neigst du dazu, dich selbst immer wieder zu entwerten, dich selbst herabzusetzen, dauernd an dir selbst herumzukritisieren?
     Viele, zu viele Menschen haben von sich selbst kein gutes Bild. Sie haben die Urteile für sich übernommen, die andere über sie gesprochen haben, die Eltern zum Beispiel oder die Lehrer oder der Chef und manchmal auch der Ehepartner. Zu oft haben sie gehört: du kannst nichts, du taugst nichts, du bist nichts. Sie fühlen sich als Versager, als minderwertig, als bedeutungslos. Sie wurden von anderen klein und verächtlich gemacht.
     Durch die Bibel sagt Gott etwas ganz anderes zu dir. Er sagt: »Ich kenne dich mit Namen, du gehörst mir. Ich habe meinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Tag und Nacht umgebe ich dich von allen Seiten und beschütze dich. Ich denke an dich mit Liebe und gebe dir eine gute Zukunft ...«
      Das sind Worte aus der Bibel. Worte Gottes. Auf sie kommt es an.

Dein Glaubenstopf

Sie gelten dir ganz persönlich. Er ist mit dir noch nicht fertig. Er sorgt weiterhin für dich und will dich mit Segen überschütten. Die Frage ist nur, wie groß dein Glaubenstopf ist, den du ihm hinstellt, damit er ihn füllen kann. Je größer dein Glaubenstopf ist, desto mehr passt von Gottes Segen hinein. Je mehr du von ihm erwartest, desto mehr kriegst du. Sei nicht so bescheiden! Nimm Gott beim Wort! Es hat eine große Kraft und bewirkt, was er sagt. Durch sein Wort hat Gott das ganze Universum geschaffen, die Erde und auch dich. Durch sein Wort macht er dir Lebensmut, spricht er dich frei von aller Schuld und ruft er dich einst aus dem Tod zu sich. Vertraue seinem Wort, glaube ihm.
          Vielleicht ist dir bis heute nicht bewusst geworden, was denn Glaube tatsächlich ist. Manche meinen, das sei ein Fürwahr-halten von dogmatischen Sätzen. Oder Glaube sei so was wie ein Vermuten, dass es da irgendwie in dieser Welt eine höhere Macht gäbe. Lassen wir uns von Martin Luther heute im Reformationsgottesdienst neu sagen, was Glaube ist. 

Heitere Dreistigkeit

Er schreibt: „Der Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade. Solche Zuversicht macht fröhlich, trotzig und lässt dich freuen über Gott und alle Geschöpfe. Dieser Glaube macht die keck, fröhlich, mutig, ja beflügelt dich zu einer heiteren Dreistigkeit, nahezu im Schwung des Übermutes, das Leben anzupacken und zu gewinnen.
     Das wär's doch, liebe Freunde, wenn wir fröhlich, beflügelt und mutig, ja sogar übermütig das Leben anpackten und gewönnen. Oder wollen wir wie Karl-Heinz hungrig und schlecht gelaunt am gedeckten Tisch sitzen? Wollen wir Mineralwasser trinken, während andere das Leben genießen, nur weil wir etwas nicht oder nicht richtig verstanden haben?

     Nein, das wäre zu schade, wo wir doch von Gott eingeladen sind, das Gute, das er uns geben will, umsonst zu empfangen. Wir sind zu einem guten Leben eingeladen, nicht zu einem Leben in Ärmlichkeit. Er hat die Rechnung für uns längst bezahlt. Worauf es für uns ankommt, ist, dass wir das wissen und glauben. Dann können wir es uns an seinem Tisch so richtig schmecken lassen. Amen

Samstag, 2. November 2019

Verlässlichkeit und Wankelmut hl

Losung: Wer als Verleumder umhergeht, gibt Vertrauliches preis, wer aber verlässlich ist, behält Geheimnisse für sich. Sprüche 11,13

Lehrtext: Bewahre, was dir anvertraut ist, und meide das ungeistliche lose Geschwätz. 1. Timotheus 6,20

Liebe Leseriner Leser,

"Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu." - Getreu diesem Sprichwort habe ich meinen Schülerinnen und Schülern in der Grundschule den Sinn der Gebote 5 bis 10 erklärt. Das gilt auch für das 8. Gebot "Du sollst deinen Nächsten nicht verleumden (falsch Zeugnis reden wider ihn)".  Vermutlich wird dieses Gebot gemeinsam mit dem 10. von den meisten Menschen am häufigsten verletzt. Deshalb wird in der Bibel an verschiedenen Stellen immer wieder darauf hingewiesen so wie auch in Losung und Lehrtext heute.
     Doch darin geht es nicht nur um das, was falsch ist, sondern mehr noch um das, was vertraulich ist. Und Vertrauen ist ein hohes Gut unter uns Menschen, das unbezahlbar ist. Es ist schnell verspielt und nur schwer wiederzugewinnen. Darum überlege ich mir gut, wem ich was von mir sage. Und noch besser sollte ich mir überlegen, was ich von und über andere sage.
     Nur Gott allein möchte ich vorbehaltlos mein Herz ausschütten. Und über ihn kann und möchte ich nur Gutes sagen.

Gebet: Herr, wenn ich meine Eltern enttäuscht oder sogar verletzt hatte, haben sie mich nicht verstoßen, weil ich ihr Kind war und gerade dann ihre Liebe besonders brauchte. Herr, wenn ich dich enttäusche und dir mein Verhalten weh tut, werde ich erst recht nicht zweifeln, ob du mich weiterhin liebst. Du hast mir durch Jesus gesagt, dass du das tun willst und was du willst, das geschieht. Darum vertraue ich dir ganz. Darum komme ich in jeder Situation zu dir und verlasse mich uneingeschränkt auf dich. Denn du bist mein treuer, verlässlicher Gott und kein wankelmütiger Mensch. Amen

Herzliche Grüße
Hans Löhr