Sonntag, 20. Mai 2018

Was darf ich hoffen? (Predigt) hl

Die etwas andere Pfingstpredigt von Hans Löhr
Bibelwort: Jesaja 25, 6-9 (neue Übersetzung)

Liebe Freunde,

heute rede ich zu euch über die Frage „Was darf ich hoffen?“. Jeder von uns denkt immer wieder einmal darüber nach, was wohl die Zukunft bringt. Und jeder denkt darüber nach, was nach dem Tod sein wird. Wird dann alles aus sein? Kommt dann das große schwarze Loch, in dem alles verschwindet? Oder gibt es ein Leben nach dem Tod? Und wenn ja, wie wird das wohl sein?
Das wäre schon interessant, wenn ich jetzt jeden einzelnen von euch fragen könnte, welche Antworten er gefunden hat oder ob er es aufgegeben hat, auf diese Frage überhaupt eine Antwort zu finden. Und darum stelle ich jetzt die Frage noch einmal: „Was darf ich hoffen?“
Kann ich denn über die Grenze des Todes hinaus einen Blick werfen? Mit den Augen der Vernunft und des Verstandes gelingt mir das nicht. Aber vielleicht mit den Augen der Hoffnung?
Wer weit blicken will, wer über den Horizont des Alltags hinausschauen will, muss hoch hinauf, muss auf einen Berg steigen. Von da sieht er Dinge, die die Menschen im Tal nicht sehen.
2006 sind meine Frau und ich mit einer gemeinsamen Freundin auf den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo gestiegen. Man braucht dazu keine besonderen bergsteigerischen Fähigkeiten. Man braucht etwas Kondition und vor allen Dingen Zeit, vier bis fünf Tage für den Aufstieg, damit sich der Körper allmählich an die große Höhe gewöhnen kann. Immerhin geht es auf fast 6000 Meter hinauf, doppelt so hoch wie die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg.
Auf die Einzelheiten gehe ich jetzt nicht ein, da im Rahmen einer Predigt nicht die Zeit dazu ist. Nur so viel kann ich sagen: Es war in der dünnen Luft anstrengend, unglaublich anstrengend.
Die letzte Etappe zum Gipfel begannen wir um Mitternacht, damit wir zum Sonnenaufgang oben sein konnten. Und als es dann im Osten, über dem indischen Ozean dämmerte, wusste ich, dass sich die Mühen gelohnt hatten. Lange vor den Menschen, die in den Ebenen Tansanias leben, sahen wir das Licht. Während unten noch alles dunkel war, ging uns die Sonne auf. Wir waren überwältigt von dem Erlebnis und jeder von uns lobte und dankte Gott auf seine Weise.
Heute nun steige ich mit euch auf den Berg der biblischen Verheißung, von dem aus wir über den Horizont des Todes hinausblicken können, hinein in Gottes neue Welt. Dort, wo der Morgenglanz der Ewigkeit alles überstrahlt. Ich lese euch jetzt diese Verheißung aus dem Buch des Propheten Jesaja einmal vor. Ihr könnt den Text an der Leinwand mitlesen und von da an, wo „alle“ geschrieben steht, bitte ich euch laut mitzulesen:
Es wird geschehen:
Der Herr, der Herrscher der Welt,
wird den Trauerschleier zerreißen, der allen Völkern das Gesicht verhüllt;
er wird das Leichentuch wegziehen, das über den Nationen liegt.
Von jedem Gesicht wird er die Tränen abwischen.
und den Tod wird er für immer vernichten
Für alle Völker wird er ein Festmahl geben mit feinsten Speisen und besten Weinen.
Der Herr, der mächtige Gott, hat es versprochen!
An jenem Tag wird man sagen:
(alle) »Er, der Herr, ist unser Gott!
Auf ihn hatten wir unsere Hoffnung gesetzt und er hat uns die Rettung gebracht;
wir haben nicht vergeblich gehofft.
Nun können wir voll Freude singen, weil er unser Erlöser ist!«

Das, liebe Freunde, ist der hohe Berg, von dem aus wir sehen, was wir hoffen dürfen, Gottes neue Welt. Das habe nicht ich mir ausgedacht. Das steht so in der Bibel. Natürlich sind das menschliche Bilder für das, wofür wir Menschen keine Worte haben. Auch der Prophet Jesaja wusste, dass er von menschlichen Vorstellungen sprach, damit die Israeliten ihn auch verstanden. Ja, diese Sprachbilder sind noch nicht die Sache selbst. Aber sie enthalten eine göttliche Wahrheit. Denn sie sagen:
‚Habt keine Angst vor dem, was sein wird. Habt auch keine Angst vor dem Tod und dem was danach kommt. Freut euch vielmehr, dass ihr in Gottes unmittelbarer Gegenwart sein und mit ihm das große Fest feiern werdet. Er wird euch nicht verurteilen wegen eurer Schuld. Er wird euch nicht bestrafen wegen eures Versagens. Ihr müsst in keinem Fegefeuer brennen und vor keiner Hölle euch fürchten.
Stattdessen wird Gott den Schleier der Trauer zerreißen und das Leichentuch wegziehen. Er wird die Tränen trocknen und den Tod töten. Und er wird euch einladen zum großen Freudenmahl mit besten Speisen und köstlichem Wein. So werdet ihr‘, sagt diese Verheißung, ‚so werdet ihr eure Befreiung feiern, die Erlösung aus allem Bösen und dem Tod. So werdet ihr mit allen Geschöpfen Gottes das Leben feiern und die Liebe, die euch Gott mit Jesus geschenkt hat. Dann wird er alles vollenden, was er einst begonnen hat. Dann wird alles gut.‘
Und was der Prophet Jesaja in seiner Bildersprache sagt, soll jetzt nicht nur so dahingesagt sein. Was wir auf dem Berggipfel seiner Verheißung sehen, das wollen wir jetzt in diesem Gottesdienst vorwegnehmen. Wollen es darstellen und spielen. So wollen wir hören, sehen und schmecken, was wir hoffen dürfen.
Denn darum geht es: Wir müssen uns nicht vor einem bösen Ende fürchten. Wir dürfen auf einen neuen und guten Anfang hoffen. Denn das himmlische Licht aus Gottes neuer Welt strahlt in unsere alte Menschenwelt. Wenn das Alte vergangen ist, wird Gott mit seinen Geschöpfen neu beginnen. Das macht uns Hoffnung und Lebensmut.
Um diese Bibelworte darzustellen, brauche ich jetzt Gerd, der sich auf diesen Tisch legen soll. Gerd, du bist jetzt für ein paar Augenblicke tot. Aber dann, Gerd, aber dann… Lass dich überraschen. Christine bitte ich, sich neben ihn zu stellen und ihr mit einem Trauerschleier bedecktes Gesicht in ihren Händen zu verbergen. Und dich, Gerhard, bitte ich, dass du die biblische Verheißung noch einmal vorliest, so langsam, dass alles geschehen kann, was die Worte sagen:
[Das Vorlesen beginnt: Schleier wird zerrissen, Tuch wird weggezogen, Tränen werden getrocknet, Totenkopf auf Papier wird zerknüllt und in einer Blechbüchse verbrannt, alle kommen nach vorn, bekommen einen Schluck Wein, erheben ihr Glas auf Gott den Vater, Jesus den Sohn und den Gott den hl. Geist und preisen ihn mit einem „Halleluja – Gelobt sei Gott!“]
  Ja, liebe Freunde, das dürfen wir hoffen, für uns und die ganze Welt. Nicht das Böse wird triumphieren, sondern Gott. Er ist unsere Sonne. Sie geht auf über der Nacht des Todes und schenkt uns neues Leben. Wir hoffen nicht vergeblich. Darum loben wir den großen König und singen:
[Alle singen, wo sie gerade stehen, das Lied „Zehntausend Gründe“:]
Komm und lobe den Herrn, meine Seele sing, bete den König an!
Sing wie niemals zuvor, nur für Ihn Und bete den König an!
Ein neuer Tag und ein neuer Morgen und wieder bring ich dir mein Lob,
Was auch vor mir liegt, und was immer auch geschehen mag -
Lass mich noch singen wenn der Abend kommt! …
Komm und lobe …]
[HL spricht mitten unter den Gottesdienstgästen das Schlussgebet und den Segen]

Samstag, 19. Mai 2018

Gott heilt, was zerbrochen ist hl

Losung: Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. Psalm 147,3 

LehrtextJesus ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften. Lukas 9,11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja, ich glaube, das stimmt, was die heutige Losung sagt. Dieses Wort wurde deshalb in die Bibel aufgenommen und steht noch heute in ihr, weil viele Menschen damals wie heute diese Erfahrung machen: »Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden«. Doch in dem Augenblick, wo das so ist, wo in dir etwas zerbrochen ist und deine seelischen Wunden bluten, ist das schwer zu glauben. Da überlagert der Schmerz den Glauben, das Leid die Hoffnung, die Angst das Vertrauen. Da helfen auch keine billigen Trostworte. Keine Aufforderungen zum Beten. Das aber kann helfen, dass einer den andern in den Arm nimmt, still für ihn betet und schweigend bei ihm aushält, ohne ihn mit Ratschlägen zu erdrücken. So kommt Gott von einem zum andern. So beginnt Heilung: leise, langsam, behutsam.
     Gott hat viele Möglichkeiten, Menschen in ihrer seelischen Not zu helfen. Doch die, dass ein Mensch dem andern beisteht, ist eine seiner wirksamsten. Er ist vor allem ein heilender Gott. Er heilt, was zerbrochen ist. Das macht ihn aus. Das zeigt sich in Jesus. 
     In ihm kommt er zu uns. An ihm sehe ich, dass ich nicht zurückgewiesen werde, wenn ich seine Hilfe brauche (Lehrtext). Er hat die Menschen damals geheilt. Er heilt auch mich heute. Gut, wenn mir das klar ist, bevor ich in eine Notlage komme. Dann weiß ich, woran ich mich halten kann, wenn ich jemand brauche, der hilft und heilt.
     Und noch ein letzter Gedanke: Es gibt Krankheiten, die sind, wie man so sagt, nicht heilbar. Doch ich kenne Patienten, deren Seele gesund ist und die es gelernt haben, ihre Krankheit anzunehmen und damit zu leben. Aber es gibt auch Krankheiten wie die Demenz, vor der wir alle Angst haben, die uns unsere Ohnmacht spüren lässt. Sie fordert uns heraus, einander nicht im Stich zu lassen, den Kranken ihr Los zu erleichtern und sie als Aufgabe Gottes an uns Gesunde anzunehmen. Sie fordert uns heraus, in unseren guten Tagen demütiger zu werden und alles, auch was wir nicht verstehen und nicht beherrschen, in seine Hand zu legen.

Gebet: Herr, warum gehört Kranksein zum Leben? Ich finde darauf keine Antwort. Aber ich weiß, dass du mir, wenn ich krank war, besonders nahe gekommen bist. Mich stärkt im Glauben und lässt dankbar sein, dass meine Wunden wieder heilten und ich immer wieder gesund geworden bin. Sei du bei denen, die dich um Heilung bitten. Hilf ihnen durch die, die sie behandeln und pflegen und segne sie beide. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Freitag, 18. Mai 2018

Nach uns die Sintflut? hl

Losung: Moses trat vor Gott und sprach: Sie haben sich Götter von Gold gemacht. Vergib ihnen doch ihre Sünde! 2.Mose 32,31.32 

LehrtextWas mit Händen gemacht ist, das sind keine Götter. Apostelgeschichte 19,26 

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Sie haben sich Götter von Gold gemacht.« (Losung). Wer? Die Israeliten? Oder müsste es nicht richtiger heißen "wir": Wir haben uns Götter aus Gold gemacht in unserer alles verschlingenden Gier? Unser Gott heißt „Profit um jeden Preis“, um jeden Preis! 
     Jeder, der das hier liest, kann, wenn er denn will, Bescheid wissen, wie hoch dieser Preis ist, wie es um unsere Umwelt steht, um unsere Wiesen und Felder. Um das Trinkwasser in Westmittelfranken. Um Insekten und Vögel, Rebhühner, Hasen und Igel. Um Hühner und Schweine in den Mastställen, Viehtransportern und Schlachthöfen. Um die sogenannten Hochleistungskühe in den Melkständen. Von den vielen anderen Missständen will ich gar nicht erst reden. 
     Kurz nach unserem heutigen Losungswort heißt es in der Bibel: Gott spricht »Ich werde die Israeliten für ihre Schuld zur Rechenschaft ziehen, wenn die Zeit dazu gekommen ist.« Das muss er bei uns nicht. Das besorgen wir schon selbst. Wir, und damit meine ich unsere Gesellschaft in Deutschland, wir ziehen uns schon selbst zur Rechenschaft mit allen Konsequenzen. Oder siehst du das anders, und in deinen Augen ist das alles gar nicht so dramatisch? Vielleicht hast du ja recht. Vielleicht.
     Geld regiert die Welt, sagt das Sprichwort. Gott regiert die Welt, sagt die Bibel. Was sagst du? Wer regiert dich?
Ehrlich gesagt, ich habe nicht die Kraft, aus dem "Tanz ums Goldene Kalb" (siehe Losung und ihren Zusammenhang) auszusteigen. Das beschämt mich. Somit habe ich auch nicht das Recht, mich moralisch über die zu erheben, die in der ersten Reihe "tanzen". Aber ich habe zunehmend ein ungutes Gefühl. Soll ich reden wie die Leichtsinnigen in der Bibel reden: »Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot«? (Jesaja 22,13; 1. Kor. 15,32) Oder wie es in der Neuzeit heißt: »Nach uns die Sintflut.«? Karl Marx, dessen zweihundertster Geburtstag vor kurzem begangen wurde, hat es in seinem Hauptwerk „Das Kapital“ so ausgedrückt: „Après moi le déluge! (Nach uns die Sintflut) ist der Wahlspruch jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation.“ (Wikipedia).
     Wo ist unser Moses, der vor Gott hintritt und sagt: „Vergib ihnen diese Sünde.“? 

GebetHerr, wirst du mir meine Sünde vergeben auch wenn wir beide wissen, dass ich mich daraus nicht befreien kann? Und was wird einmal mit meinen Kindern und Enkelkindern sein? Werden sie die Folgen tragen müssen, dass 'der Tanz ums goldene Kalb' immer irrer und wirrer wird? Ich gestehe dir, ich bin ratlos und hilflos. Meine einzige Hoffnung bist du, dass du uns nicht uns selbst überlässt. Du weißt den Weg, den ich nicht weiß. Du hast die Kraft, die ich nicht habe. Sei barmherzig mit deiner unbarmherzigen Welt. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Donnerstag, 17. Mai 2018

Ticket für Gott hl

Losung: Der HERR wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht. Psalm 102,18 

LehrtextJesus spricht im Gleichnis: Der Zöllner stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus. Lukas 18,13-14 

Liebe Leserin, lieber Leser,

     ich kann Gebete „herunterbeten“, nur damit ich meine angebliche Pflicht getan oder mein Gewissen beruhigt habe. Ich kann das Vaterunser herunterleiern, ohne dass mir daraus  auch nur eine einzige Bitte aus dem Herzen kommt. Ich kann in einem Gottesdienst die Gebete aus einem Buch ablesen, ohne mit dem Herzen dabei zu sein, nur zu dem Zweck, um der Gemeinde zu demonstrieren, dass ich lesen kann. Oder ich kann ein Gebet zu meinem Herzensanliegen machen und Gott meine tiefsten Gefühle und Gedanken sagen. Ein Gebet, das diesen Namen verdient, hat eben genau damit zu tun: mit dem Herzen, mit dem, was mich berührt und bewegt. Herzlose Gebete kann man getrost vergessen, weil Gott für sie kein Ohr hat. Ein aufrichtiges Gebet aber, es sei eine dringende Bitte oder ein Lob und Dank, nimmt Gott an. Davon bin ich überzeugt.
     Wer von Menschen verlassen ist, denn verlässt Gott nicht (Losung). Wem es leid tut, dass er sein Leben so oft ohne Gott lebt, dem wendet er sich zu (Lehrtext). So sagt es die Bibel. So will ich es glauben. Ich weiß ja, dass ich vor Gott nicht im Recht bin. Ich weiß um meine Schwächen, meine Defizite und mein Versagen. Wenn ich sie ihm sage und zeige, dann sind sie so etwas wie die Eintrittskarte in seine heilsame Gegenwart. Doch mit dem Ticket der Selbstgerechtigkeit und des religiösen Hochmutes bekomme ich keinen Zugang zu ihm.

Gebet: Herr, Tag und Nacht wenden sich zahllose Menschen unablässig an dich. Manche aus Verzweiflung, manche, weil sie einen Herzenswunsch haben. Manche, um dir zu danken. Auch ich reihe mich immer wieder ein, um dir zu sagen, wie es mir geht und was ich mir für mich und andere erhoffe. Ich vertraue darauf, dass du mich hörst und danke dir, dass du es so oft schon getan hast. Ich weiß aber auch, dass du meine Bitten so erfüllst, wie sie deinen Plänen und deinem Willen entsprechen. Gib mir die Geduld, so lange warten zu können, bis die Zeit reif ist, dass du hilfst. Mach mich bereit, das anzunehmen, was du mir gibst, auch wenn es nicht meinen Vorstellungen entspricht. Vor allem aber bleibe mir nahe und zugewandt wie auch denen, für die ich bitte. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Mittwoch, 16. Mai 2018

unermesslich hl

Losung: Der HERR ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke. Psalm 145,9 

LehrtextAuch die Schöpfung (alle deine Geschöpfe) wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Römer 8,21 

Liebe Leserin, lieber Leser,

denke doch bitte einmal darüber nach, welche Bibelworte und biblischen Geschichten deinen Glauben geprägt haben. Vielleicht kanntest du schon als Kind solche Geschichten, die dich besonders beeindruckt haben. Solche Worte und Geschichten haben dein Bild von Gott geformt. Aber auch, was Menschen dir gesagt haben. Gut, wenn sie dir so von Gott erzählt haben, wie es mit Jesus vereinbar ist. Schlecht, wenn sie dir mit Gott Angst gemacht haben, weil er dich strafen würde, falls du nicht so parierst, wie sie es gerne gehabt hätten. Solche negativen Vorstellungen von Gott haben sich in manchen Kinderseelen festgesetzt und den Glauben getötet oder sie vergiften ihn bis heute.
     Ich hoffe sehr, dass du solche Erfahrungen nicht gemacht hast. Aber auch wenn du kein klares Bild von Gott hast, weil man dir nur von einem alten Mann mit weißen Bart erzählt hat, kannst du es heute noch korrigieren oder sogar heilen. Und dazu dienen die jesusgemäßen Worte und Geschichten der Bibel.
Ein solches Wort ist die heutige Losung und mit ihr der ganze Psalm 145, aus dem sie kommt. Ich bringe es hier in seinem unmittelbaren Zusammenhang in einer neuen Übersetzung (HFA):
»Wenn die Menschen deines Volkes zurückdenken, werden sie deine unermessliche Güte besingen. Über deine Gerechtigkeit werden sie jubeln und rufen: »Gnädig und barmherzig ist der HERR; groß ist seine Geduld und grenzenlos ist seine LiebeDer HERR ist gut zu allen und schließt niemanden von seinem Erbarmen aus, denn er hat allen das Leben gegeben.« Darum sollen dich alle deine Geschöpfe loben.«
     Du kannst aber auch diesen Psalm Davids insgesamt lesen, weil er bis auf einen, für die Zeit vor Jesus typischen Seitenhieb auf die Gottlosen (Vers 20b) eines der schönsten Loblieder der Bibel ist. Zu den „Gottlosen“ ist Jesus den Evangelien zufolge zuallererst gekommen, nicht um sie hinzurichten, sondern um sie für Gottes Güte zu gewinnen.
     Denn unser schöner Glaube ist universal. Er schließt niemanden aus, sondern alle ein. »Grenzenlos ist Gottes Liebe« sagt David in seinem Psalm. Und weiter: »Der Herr ist gut zu allen und schließt niemanden von seinem Erbarmen aus, denn er hat allen das Leben gegeben.« Genau das ist die Begründung, warum der Gott der Verdammnis und der Strafe in Jesus überwunden ist. 
     Ist er auch in dir überwunden, oder führt er in deiner Seele noch sein schauriges Eigenleben? Gib ihm keinen Platz. Nimm aber den gütigen und gnädigen Gott in dir auf und vertraue ihm von ganzem Herzen. Sieh auch deine Mitmenschen daraufhin an, dass sie Gottes Geschöpfe sind, von ihm gewollt und von ihm geliebt – ausnahmslos!
     Im Lehrtext geht der Apostel Paulus sogar noch einen Schritt weiter, wenn er schreibt: »Alle Geschöpfe Gottes«, nicht nur die Menschen, »werden frei von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.« Was für eine wunderbare Hoffnung für Mensch und Tier! Gemeinsam leiden wir unter dem Diktat der Vergänglichkeit, gemeinsam sollen wir frei werden. Wir sind Lebensgefährten in der Zeit hin zu einem gemeinsamen Ziel. Das gibt auch Tieren ihre Würde, die wir Menschen zu respektieren haben.
     Von solchen Bibelworten wie heute lasse ich mein Bild von Gott und meinen Glauben prägen. Und du?

Gebet: Ja, Herr, wenn ich an meine Lebensjahre zurückdenke, habe ich allen Grund, dich für deine „unermessliche Güte“ zu preisen. Auch was schwierig und hart war, war doch nicht umsonst. Du hast mir geholfen, meine Lasten zu tragen. Das hat meinen Glauben gestärkt. Ja, ich will dich mit allen zusammen loben, mit allen Menschen und allen Tieren. Alles was dir seine Existenz verdankt, auch Pflanzen und Berge, die Erde und alle Sonnen – sie singen dir ein Loblied allein dadurch, dass sie sind. So lobt dich die ganze Schöpfung, auch der kleinste Wurm, selbst ein Sandkorn. Alles zeugt von deiner Größe und Güte, von deiner Kraft und Herrlichkeit. Alles was du geschaffen hast in der Zeit und unter das Gesetz der Vergänglichkeit getan hast, – das alles wirst du auch aus diesem Gesetz erlösen und vollenden zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Du bist ein wunderbarer Gott. Wunderbar sind deine Werke. Wunderbar ist deine Liebe. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Dienstag, 15. Mai 2018

Mein erstes Gefühl hl

Losung: Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98,1 

Lehrtext: Singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen. Epheser 5,19 

Liebe Leserin, lieber Leser,

eigentlich kommt es nicht so oft vor, dass ich gleich mit einem Lied im Kopf aufwache, zumal dann nicht, wenn ich mir zuvor mehr als die halbe Nacht mit Computerproblemen um die Ohren geschlagen habe (weiß jemand, woher dieser Ausdruck kommt?). Aber gestern war es so. Wenn irgend möglich, versuche ich unmittelbar nach dem Aufwachen als erstes Gott zu danken, auch dann, wenn es mir nicht so gut geht. Dann kann ich schon mal etwas zufriedener und gelöster in den Tag gehen. Gestern nun war plötzlich dieser Liedanfang da: »Mein erst' Gefühl sei Preis und Dank...«. Da ich dieses Lied relativ selten singe, wusste ich nicht, wie der Vers weitergeht. Jetzt weiß ich es: »... erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang, lobsing ihm, meine Seele!«
     Zugegeben, ein neues Lied ist das nicht, wozu uns die heutige Losung auffordert. Aber immerhin ein Lied, eines, das einen Menschen innerlich verändern kann, das mich auf andere, bessere Gedanken gebracht hat. Und darum geht es meines Erachtens, dass in mir und in dir solche "Schätze" liegen, die da vor sich hinschlummern und plötzlich, wenn man sie braucht, ans Licht treten. Das können Bibelworte sein oder Liedverse. Schön, wenn man dann auch noch die Melodie dazu im Kopf hat. Du musst dann ein solches Lied auch gar nicht laut singen. Es erfüllt schon seinen Zweck, wenn es in dir singt. Dann tust du, was der Lehrtext sagt und singst dem Herrn in deinem Herzen.
     Die meisten geistlichen Lieder habe ich in den Gottesdiensten kennen und lieben gelernt, alte wie neue. Da mit anderen laut zu singen, ist eine echte Wohltat. Ja, Gott tut an einem Menschen Wunder, der singt oder sich zumindest Lieder anhört, die ihn aufbauen. Und falls du nicht so oft in einen Gottesdienst gehst, kannst du dir in unserer Zeit nahezu jedes Lied auf CD anhören oder im Internet auf YouTube. Ich kenne Leute, wenn ich bei denen im Auto mitfahre, steckt da immer eine Lobpreis-CD im Player. Eine Frau sagte mir dazu: „Sooft ich früh auf die Arbeit fahre, höre ich Lobpreislieder. Dann ist der Tag gerettet, noch bevor er so richtig begonnen hat. Dann bediene ich in guter Stimmung meine Kunden, und die merken und schätzen es, wenn ich gut drauf bin. Dann färbt davon auch etwas auf sie ab.“

Gebet: Herr, ich danke dir für die Musik und für die guten Worte, die dadurch in mir zum Klingen kommen. So tust du mir schon früh am Morgen Gutes. So belebst du mich und tröstest mich, machst mich zufrieden und froh. Ja, mein erstes Gefühl an jedem neuen Tag, den du mir schenkst soll "Preis und Dank" sein. Ich will dich mit meinen Liedern und Gebeten loben, weil ich dir damit eine Freude mache – und mir auch. Amen

Mein erst' Gefühl sei Preis und Dank,
erheb ihn, meine Seele! 
Der Herr hört deinen Lobgesang, 
lobsing ihm, meine Seele! 

Mich selbst zu schützen ohne Macht
lag ich und schlief in Frieden.
Wer schafft die Sicherheit der Nacht
und Ruhe für die Müden?

Du bist es, Herr und Gott der Welt,
und dein ist unser Leben;
du bist es, der es uns erhält
und mir's jetzt neu gegeben.
(Christian F. Gellert, 1757)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Montag, 14. Mai 2018

Kreuz und Feindesliebe hl

Losung: Die Erde ist voll der Güte des HERRN. Psalm 33,5 

Lehrtext
Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 
Matthäus 5,44-45 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja, die Erde ist voll der Güte des Herrn, aber nicht voll der Güte des Menschen. Und genau darum geht es, dass auch wir Menschen zueinander gütiger werden, um miteinander auszukommen im Kleinen, in der Partnerschaft, Ehe, Familie, Nachbarschaft, am Arbeitsplatz genauso wie im Großen, in der Gesellschaft, im Staat, in der Europäischen Union in den Vereinten Nationen.
     Zur Güte im Kleinen können du und ich etwas beitragen. Und zur Güte im Großen? Auf den  ersten Blick scheinen wir ohnmächtig zu sein im Hinblick darauf, was sich auf der Weltbühne abspielt. Aber was die Regierenden denken und tun, wird beeinflusst von dem was wir, die Menschen und Wähler in diesem Land, denken und tun. 
     Wenn die Mehrheit eine Hau-Drauf-Mentalität hat, neigen auch die Medien und die politisch Verantwortlichen in diese Richtung. Wenn wir uns bestimmen lassen von dem Gedanken „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“, dann lassen sich auch die Regierenden davon bestimmen. Wenn wir die Welt einteilen in Gute und Böse und uns selbst ganz selbstverständlich zu den Guten rechnen, dann tun das auch die Politiker. Dann ist der Westen gut und die Russen sind böse.
     Aber das Umgekehrte gilt genauso: Wenn wir auf Ausgleich und Frieden bedacht sind, auf Verständigung und Versöhnung, auf Zusammenarbeit und Partnerschaft, dann bleibt auch den Regierenden nichts anderes übrig, als in diese Richtung zu denken und zu arbeiten, wenn sie wiedergewählt werden wollen. Und das geht nach dem Motto: „Steter Tropfen höhlt den Stein“ oder nach dem anderen „Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“. Liebe Leserin, lieber Leser, gehen wir diesen Schritt, gehen wir ihn im Kleinen, setzen wir da einen Fuß vor den anderen, damit sich auch im Großen etwas bewegt.
     Die Weltlage ist wieder besorgniserregend. Wir meinen vielleicht, wir würden so schnell keinen Krieg mehr erleben, weil wir seit 73 Jahren Frieden haben. Aber das ist keine Garantie. Nicht die Statistik bewahrt uns den Frieden, sondern was jeder einzelne von uns dazu tut. Und dazu gehört nicht zuletzt, dass wir immer wieder für den Frieden beten und uns selbst darum bemühen, friedfertig zu sein. Ich sehe den politischen Fanatismus in den Vereinigten Staaten, in Israel, im Iran, ja auch in unserem Land mit großer Sorge. Ich sehe, wie sich Aggressionen gegenseitig aufschaukeln, wie Sanktionspolitik, militärische Provokation und Aufrüstung vor allem im Nahen Osten die Oberhand gewinnt. Wie internationale Verträge gebrochen werden, die den Frieden garantieren sollten. Wie auch in unserem Land wieder von mehr und mehr Rüstungsausgaben die Rede ist, weil man sich doch „verteidigen“ müsse. Gegen wen eigentlich? Gegen einen Feind, den man sich durch eigenes, haltloses Gerede und eine verantwortungslose Politik erst schafft?
     Wie wäre es, wenn Politiker statt symbolisch Kreuze in Amtsstuben aufzuhängen, das auch glaubten und täten, was der fordert, der an diesem Kreuz gestorben ist? Wie sieht es denn aus mit Jesu Gebot aus dem heutigen Lehrtext: »Liebet eure Feinde«? Ist das Kreuz nur politisches Heimatssymbol, so was Ähnliches wie ein „religiöses Hirschgeweih“ (Heribert Prantl), das man sich in die Stube hängt, oder ist es nicht gerade die immerwährende Aufforderung zur Feindesliebe? Als Jesus von den Religionsführern und den Regierenden seiner Zeit am Kreuz umgebracht wurde, da hat der Sterbende für sie, seine Feinde, gebeten: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.« Genau dafür steht das Kreuz, dass den Gottlosen, die sich selbst für fromm halten, vergeben wird und wir alle unterschiedslos, ob wir Gerechte sind oder Ungerechte,Christen oder Muslime, Russen oder Deutsche erlöst werden.
     Ja, die Erde ist voll der Güte des Herrn (Losung). Es ist an der Zeit, dass sie auch von unserer, der Menschen Güte voll wird.
     
Gebet: Herr, was hast du für eine grenzenlose Geduld und Güte, dass du trotz allem, wie sich das Menschengeschlecht seit jeher an dir versündigt, deine Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte. Was würde auch aus uns werden, würdest du das nicht tun? Wohnt nicht im Herzen eines jeden von uns Gut und Böse? Ist nicht jeder von uns zugleich gerecht und ungerecht? Gib uns die Kraft, damit auch wir miteinander barmherzig sein können und danach streben, miteinander auszukommen allen Unterschieden zum Trotz. Wehre du allen, die auf Gewalt sinnen und hilf uns zum Frieden auf Erden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Sonntag, 13. Mai 2018

Von der Kraft des Segens hl

Losung: Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. 4.Mose 6,25 

LehrtextDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! 2.Korinther 13,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was wohl die stärkste Kraft auf der Erde ist? Die US-Armee? Eine Atombombe? Ein Erdbeben? … Mein Eindruck ist, die stärkste Kraft auf der Erde sind Worte. Mit ihnen kann man aufbauen und niederreißen, ermutigen und Furcht einjagen, heilen und töten. Eine besondere Kraft steckt , wie ich glaube, in den Worten der Bibel. Manche können wir uns zueigen machen und mit ihrer Kraft andere aufbauen. 
     Ein solches Wort ist die heutige Losung. Sie ist ein Teil des Segenswortes, welches Gott Aaron gegeben hat, damit er die Israeliten segne. Noch heute segnen Menschen, die einen Gottesdienst leiten, damit die Gläubigen. Und obwohl ich selbst diesen Segen tausendmal und mehr gesprochen habe, ist er für mich nie zu einer leeren Floskel geworden. Jedes Mal bin ich mir der Bedeutung bewusst, was es heißt, Menschen zu segnen. Und jedes Mal, wenn ich einen Gottesdienst besuche und gesegnet werde, achtete ich ganz besonders auf diese Worte, lasse sie mir gesagt sein und nehme den Segen mit nach Hause: »Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!«
     Dieser Segen gehört neben dem Vaterunser zu den beiden wichtigsten Bibelworten, die wir in jedem Gottesdienst sagen oder uns sagen lassen. Das ist auch bei Taufen, Trauungen und Trauerfeiern so. Niemand soll wieder nach Hause gehen, ohne den „Vater im Himmel" um das Wichtigste gebeten zu haben, worum es im Leben und Sterben geht. Und niemand soll wieder gehen, ohne gesegnet zu sein mit Gottes Kraft, Liebe und Nähe. Das Vaterunser hat uns Jesus gegeben, damit wir wissen, wie wir zu jeder Zeit und an jedem Ort beten können (Matthäus 6,9-13). Den Segen hat uns Gott gegeben, damit wir ihn einander weitergeben (4. Mose 6,24-26). Wir können das ganz unspektakulär auch damit tun, indem wir einem anderen Menschen Gutes sagen. Indem Kinder zu ihrer Mutter heute am Muttertag ganz bewusst "danke" sagen und Männer zu ihren Frauen, wie sehr sie sie wertschätzen.     
     Doch es gibt noch andere Segensworte wie das des Apostels Paulus aus seinem zweiten Brief an die Christen in Korinth. Mit diesem Wort segne ich die Gemeinde, bevor ich in einem Kirchengottesdienst die Predigt beginne. Damit sage ich jedem Zuhörer: ‚Jesus Christus wendet sich dir jetzt voraussetzungslos zu. Du hörst jetzt Gottes Wort und seine Auslegung als einer, der von ihm bedingungslos geliebt wird. Du bist nicht allein, sondern gehörst in die Gemeinschaft der Vielen, die Gottes Heiliger Geist stiftet. Als ein solcher Mensch feierst du Gottesdienst, hörst du sein Wort, preist du ihn mit deinen Liedern und bringst du im Gebet vor ihn, was du auf dem Herzen hast. Als ein Mensch, der so gesegnet ist, gehst du wieder nach Hause, wo du lebst und dorthin, wo du arbeitest.'
     Die beiden Segensworte heute haben große Kraft, unser Leben zum Guten zu ändern, die wir sie uns zu Herzen nehmen.

Gebet: Segne mich, Herr, und behüte mich. Lass dein Angesicht über mir leuchten und sei mir gnädig. Erhebe dein Angesicht auf mich und gib mir Frieden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Samstag, 12. Mai 2018

Keine Berührungsängste! hl

Losung: Ich will die Müden erquicken und die Verschmachtenden sättigen. Jeremia 31,25 

LehrtextEs begab sich, dass Jesus zu Tisch saß in Levis Hause, da setzten sich viele Zöllner und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. Markus 2,15 

Liebe Leserin, lieber Leser,

irgendwann hat mich die Erkenntnis wie ein Blitz getroffen, dass mit der Kirche, in der ich Pfarrer bin, etwas nicht stimmen kann. Da sind einfach zu viele Leute nett, anständig, brav, gutbürgerlich, kultiviert, gebildet, gesetzestreu und fromm. Ich kann mir denken, dass du das jetzt als Provokation empfindest. Nun gut. Aber um anständig, gesetzestreu und so weiter zu sein, muss man kein Christ sein. Das können Muslime, Juden und Atheisten auch. 
     Was aber Christen von ihnen unterscheidet, ist das, was Jesus von der gutbürgerlichen Mittel- und Oberschicht seiner Zeit unterschieden hat. Gegen sie hatte er Prostituierte, Ehebrecher, Alkoholiker, Kinder, Betrüger, Ausgestoßene, Andersgläubige, Ausländer, Gesetzesbrecher und Sünder aller Art in Schutz genommen. Das kann jeder in der Bibel nachlesen. Ja selbst dem Mörder, der mit ihm gekreuzigt worden war, hat er sich ganz zuletzt noch zugewandt.
     Damit hat er von denen heftigen Gegenwind bekommen, die immer schon wussten, was Gott gefällt und was nicht, was sie selbst richtig machen und andere falsch. Darüber hat er mit ihnen heftig gestritten (siehe z.B. Matthäus 23,1-37).  Schließlich wollten sie Jesu Kritik an ihrer Selbstgerechtigkeit und seine Botschaft von Gottes Liebe für Randgruppen und Sünder nicht länger dulden. So haben sie ihn gewaltsam beseitigt und scheinbar für immer mundtot gemacht. 
     Doch sie hatten die Rechnung ohne Gott gemacht. Er hat ihn als lebendige Hoffnung für die Vergessenen, die Verachteten und Gescheiterten auferweckt. Ihnen galt und gilt in besonderer Weise seine Zuwendung. Sie standen und stehen im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. 
     Wenn das für die Kirche heute auch so ist, dann ist ja alles gut. Wenn nicht, dann ist sie der gleiche gnadenlose Religionsbetrieb wie zu jener Zeit.
     Oder verstehe ich da etwas falsch? Habe ich vielleicht eine andere Bibel? In meiner jedenfalls steht die Geschichte, aus der die heutige Losung kommt. Da heißt es im Evangelium des Markus im Kapitel zwei:
 Als Jesus weiterging, sah er (den anrüchigen) Levi am Zoll sitzen. Jesus forderte ihn auf: »Komm, folge mir nach!« Sofort stand Levi auf und ging mit ihm. Später war Jesus mit seinen Jüngern bei ihm zu Gast. Levi hatte auch viele Zolleinnehmer und andere Leute mit schlechtem Ruf zum Essen eingeladen. Viele von ihnen hatten sich Jesus angeschlossenAls aber einige Schriftgelehrte, die zur Partei der Pharisäer gehörten, Jesus in dieser Gesellschaft essen sahen, fragten sie seine Jünger: »Wie kann sich Jesus bloß mit solchen Sündern und Betrügern abgeben?« Jesus hörte das und antwortete: »Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten.« 
        Nein, Jesus ent-schuldigt nicht die Schuld, ent-sündigt nicht die Sünde. Er gibt aber auch nicht den Selbstgerechten recht und belohnt nicht die Tüchtigen und Anständigen. Ihm geht es nicht um Können oder Versagen, Schuld oder Gerechtigkeit, Sünde oder Wohlverhalten. Ihm geht es um den Menschen, um dich und mich. Er belebt uns, wenn wir glaubensmüde werden und stärkt uns, wenn wir am Ende sind (Losung), damit auch wir andere beleben und stärken können. Er vergibt uns und ist barmherzig, damit auch wir vergeben und barmherzig sein können. Er holt uns herunter vom hohen Ross der Selbstgerechtigkeit, damit wir uns selbst mit unseren Schwächen annehmen können und nachsichtig zu anderen sind. Er nimmt uns die Überheblichkeit, damit wir menschlich werden.
     Wo wir ohne Berührungsängste und Angst um unseren Ruf an seinem Tisch sitzen und unterschiedslos mit allen feiern, die er in Schutz nimmt, da stimmt es dann wieder, wenigstens in seiner Gemeinde und hoffentlich auch mit seiner Kirche. Da stimmt es mit mir und mit dir.

Gebet: Herr, du bist die Hoffnung für alle, die in dieser Ellbogen-Welt nichts zu lachen haben und an den Rand gedrängt werden. Du bist aber auch die Hoffnung für mich, wenn ich am Boden bin und neuen Lebensmut brauche. Du schenkst mir neue Energie, wenn ich erschöpft bin. Ich wende mich an dich, weil du dich mir zuwendest. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Freitag, 11. Mai 2018

Gottes Wunder in der Natur hl

Losung: Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Name so nahe ist. Psalm 75,2 

LehrtextIhr sollt verkündigen die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht. 1.Petrus 2,9 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer in diesen schönen Maientagen Gottes Wunder in der Natur nicht erkennt, ist meines Erachtens zu bedauern. Noch vor wenigen Wochen war in unserem Garten alles kahl und braun. Und dann blühten die Apfelbäume, die Kastanie und der Flieder, dass ich gar nicht wusste, wo ich zuerst hinschauen sollte. Nun entfalten die Pfingstrosen ihre Pracht und bald blüht der Holunder und dann der Jasmin ... Morgens singen die Vögel und abends fallen die Frösche in ihr Konzert ein. Da erklingt in mir immer wieder das schöne alte Lied: 
Wie lieblich ist der Maien 
aus lauter Gottes Güt,
des sich die Menschen freuen,
da alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen
mit Lust grüner Weid,
die Vöglein  hört man singen,
die loben Gott mit Freud.
     Ja, in dieses Lob stimme auch ich gern ein. Natürlich weiß ich, dass manchen der Heuschnupfen die Freude am Frühling verdirbt. Die Landwirte warten sehnsüchtig auf Regen, der nun endlich kommt. Andere sind schwermütig oder Sorgen trüben ihren Blick. Das alles und noch viele andere Dinge, die problematisch sind, kann auch der schönste Frühling nicht vertreiben. Aber gerade weil das so ist, schaue ich immer wieder auf das, was mein Herz erfreut. Denn nicht zuletzt durch die Wunder in der Natur gibt Gott mir wieder neuen Lebensmut und neue Kraft.
     Und darum spreche ich auch in dieser Losungsauslegung von seinen „Wohltaten“ (Lehrtext). Ich will das nicht für mich behalten. Und ich glaube, dass ich in seinem Licht, im Lichte Jesu, die Welt  und mich mittendrin noch einmal ganz anders sehen kann, nämlich als Gottes geliebte, aber auch verwundete Schöpfung, die er durch Jesus heilen will.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mir so viel Freude an der Natur geschenkt hast, am echten Leben und nicht nur an dem, was die Medien vermitteln. Ich freue mich über den Laubfrosch, der sich am Wasserfass versteckt, über den Igel, der nachts durch den Garten streift, über die Kaulquappen im Goldfischteich. Damit gibst du mir immer wieder Kraft, machst mich dankbar und zufrieden. Vor allem aber freue ich mich über dich, dass du so ein wunderbarer Gott bist, der mir nahe ist und dem ich alles verdanke. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Donnerstag, 10. Mai 2018

Schutzraum hl

Losung: Der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre. Jesaja 58,11 

LehrtextJesus spricht: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Johannes 14,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu meinen größten Ängsten als Kind gehörte, dass mich meine Eltern verlassen könnten. Deshalb beunruhigte es mich sehr, wenn sie gestritten haben. Sie waren mein Rückhalt, der Boden, auf dem ich stand, der Platz, an den ich gehörte. Sie waren in jeder Hinsicht mein Schutzraum. Als später meine Kinder klein waren, waren meine Frau und ich das für sie. Und wenn dann auch noch liebevolle Großeltern da sind, ist das für Kinder ein doppeltes Glück.
     Viele, zu viele Kinder in aller Welt haben dieses Glück nicht. Doch viele Menschen, ob klein oder groß, erleben Gott, erleben Jesus Christus als ihren Schutzraum, wohin sie sich immer wieder flüchten können. Dazu brauchen sie andere Menschen, die ihnen einen gesunden, angstfreien Glauben vermitteln. Dazu gehört, dass sie von Gottes bedingungsloser Liebe erfahren und ermutigt werden, ihm rückhaltlos zu vertrauen. 
     Das ist auch für meinen Glauben zentral. Ich weiß, dass es auch dürre Glaubenszeiten gibt, in denen das Gottvertrauen zu vertrocknen droht. Ich habe es aber auch erlebt, dass einem in solchen Zeiten Gott plötzlich ganz besonders nahe kommt. Doch dazu muss ich bereit sein, sie auszuhalten. Ich weiß, dass es auch Zeiten großer Einsamkeit gibt, wo du das Gefühl hast, verloren zu sein. Auch solche Zeiten wollen ausgehalten werden, auch wenn es schwer ist. 
     Nicht umsonst war Jesus 40 Tage lang in einer wasserlosen und menschenleeren Wüste, um sich auf seine Aufgabe vorzubereiten, uns Menschen in Wort und Tat Gottes Liebe zu bringen und uns bis zu seinem Tod treu zu bleiben. Das war auch für ihn eine Zeit der Anfechtung und des Zweifels, der Versuchung und der Ohnmacht. Doch er hat durchgehalten. Und danach war er stark genug, auch alles andere zu ertragen, was Menschen ihm angetan haben, auch mein Versagen.
     Ob ich solche schweren Zeiten auch durchhalten könnte, bezweifle ich. Doch ich vertraue fest darauf, dass auch meine dürren und einsamen Wüstenzeiten wieder vorübergehen, nicht weil ich so stark bin, sondern weil mir das in den heutigen Bibelworten versprochen ist.

Gebet: Herr, ich danke dir für die guten Zeiten, die ich nun schon so lange erleben darf. Und ich danke dir für den Glauben, dass ich dich in diesem Segen erkenne. Aber du weißt ja, wie es in einem Menschen aussehen kann, auch wenn äußerlich alles in Ordnung zu sein scheint. Und darum bitte ich für mich und alle, die nach dir fragen, dass du uns gerade in Notzeiten deine Nähe spüren lässt und wir bei dir geborgen sind. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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