Donnerstag, 11. Oktober 2018

Von Minderwertigkeitsgefühlen frei werden hl

Losung: So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne. Jeremia 9,22-23 

Lehrtext: Wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk. Galater 6,3-4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist eigentlich die Wurzel von Stolz, Hochmut, Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit? Vielleicht gibt es mehrere Antworten. Aber eine ist sicher das eigene Minderwertigkeitsgefühl. Denn wer sich seines Wertes bewusst ist, hat es nicht nötig, sich über andere zu erheben und sie herabzusetzen nur, um sich ein bisschen besser zu fühlen. Viele reagieren ihr Minderwertigkeitsgefühl an Randgruppen ab, an Flüchtlingen, an Schwulen, an Juden. Das war früher so, das ist heute so. Das ist in Deutschland so, das ist in anderen Ländern so, besonders da, wo die Populisten auf dem Vormarsch sind. 
     Im Losungswort sagt Gott: "Grund zum Stolz hat nur, wer mich erkennt und begreift, dass ich der HERR bin. Ich bin barmherzig und sorge auf der Erde für Recht und Gerechtigkeit." Dieser Vorgabe sollen die folgen, die ihm gehören. Sie sollen in seinem Namen ebenfalls barmherzig sein und "auf der Erde für Recht und Gerechtigkeit" eintreten. 
     Das betrifft die Schutzrechte auch der Fremden, die Menschenrechte auch der Schwulen, die Menschenwürde auch der Juden, das Lebensrecht auch der Obdachlosen, Behinderten und Pflegebedürftigen, das Recht auch der Kinder auf eine lebenswerte Zukunft  und das Recht der Tiere, artgerecht leben zu können und nicht gequält zu werden. 
     Wer Gott kennt, hat keinen Anlass, sich minderwertig zu fühlen (Losung). Er kann davon frei werden, wenn ihm bewusst wird: Jeder Mensch hat denselben Wert, weil er ein Geschöpf Gottes ist. Er bringt seinen Mitmenschen Wertschätzung entgegen und unterstützt sie bei Bedarf. Das zeichnet ihn als Kind Gottes aus. 
     "Wer", sagt der Lehrtext, "sich jedoch einbildet, besser zu sein als die anderen, der betrügt sich selbst. Darum soll jeder sein Leben genau prüfen. Dann wird er sich über seine guten Taten freuen können, aber keinen Grund zur Überheblichkeit haben. Denn jeder ist für sein eigenes Tun vor Gott verantwortlich. Das ist schon schwer genug!" (Übersetzung "Hoffnung für alle").

Gebet: Herr, so viele Menschen leiden an Minderwertigkeitsgefühlen und hätten doch keinen Grund dazu, weil jeder für dich gleich wertvoll ist. Du hebst uns aus dem Staub der Bedeutungslosigkeit und stellst uns alle vor dich als deine Söhne und Töchter. Darum bitte ich dich, dass viele, dass alle Menschen ihren Wert erkennen, den du ihnen gibst und die Würde ihrer Mitmenschen achten. Fange du bei mir damit an, dass ich mich davor hüte, über andere abfällig zu denken oder zu reden und vergib mir, wenn es geschieht. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr

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Mittwoch, 10. Oktober 2018

Angesprochen von Gott hl

Losung: Und Hiobs Freund antwortete auf seine Klagen: "Gott ist mehr als ein Mensch. Warum willst du mit ihm hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man's nicht. Er warnt im Traum, wenn der Mensch schläft, auch durch Schmerzen auf seinem Bett." Hiob 33,13-14 

Lehrtext: Die beiden Jünger sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da Jesus mit uns redete auf dem Wege und uns die heilige Schrift erklärte? Lukas 24,32 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hat Gott schon mal zu dir gesprochen? Ich glaube schon, dass er das getan hat und tut. Aber er spricht nicht unbedingt so wie ein Mensch redet. In der Losung heißt es, dass er auf verschiedene Weise reden kann: im Traum, durch Schmerzen und, wie ich glaube, durch ein Wort der Bibel, durch ein Lied, durch die Wunder der Natur, auch durch den Mund eines anderen Menschen und manchmal auch durch eine Krankheit oder sonst eine Katastrophe. Aber, und da bin ich mir ziemlich sicher, er spricht auch und gerade dann zu mir, wenn mein Alltag ohne Störungen verläuft, wenn es mir gut geht und ich mich meines Lebens freuen kann. Dann sagt er auf seine Weise: "Spürst du, wie ich dich segne? Spürst du, wie ich auf dich achte? Spürst du, wie ich dich liebe?" Aber beachte ich das auch? Oder halte ich das alles für so normal, dass ich es gar nicht mit Gott in Verbindung bringe?
     Der Lehrtext erzählt die Geschichte von zwei Jüngern, die nach Emmaus unterwegs waren und zu denen sich der auferstandene Jesus gesellte, ohne sich zu erkennen zu geben. Die beiden glaubten nach wie vor, er sei tot. Und so erkannten sie ihn erst, als er beim Abendessen das Tischgebet sprach und das Brot brach. Doch im selben Augenblick war er vor ihren Augen verschwunden. Im Nachhinein merkten sie, dass sie ihn auch schon vorher hätten erkennen können an der Art und Weise, wie er ihnen die hebräische Bibel erklärte. Denn so, wie er sie auslegte und wie er von Gott sprach, hatte noch niemand zu ihnen gesprochen. Das berührte ihr Herz.
     Und nun zu meiner Erfahrung. Ich weiß nicht, wie genau das geschehen ist, doch im Lauf der letzten 20 Jahre hat sich auch mein Verständnis der Bibel noch einmal geändert. Mir ist immer klarer geworden, dass mir Gott nur in Jesus begegnet, in der Art und Weise, wie er gesprochen, was er getan und wie er gelebt hat und auch, wie er gestorben ist und dadurch, dass er auferstanden ist. In dieser Klarheit lese ich seitdem die ganze Bibel und verstehe vieles neu und anders als zuvor. Jetzt entdecke ich an vielen Stellen auch im Alten Testament, dass hier von einem barmherzigen Gott die Rede ist, der alle seine Geschöpfe bedingungslos liebt, sie segnet, behütet und ihnen vergibt. So sehe ich Gott in einem anderen Licht, im Licht seines Sohnes, der von sich selbst sagt: „Ich bin das Licht des Lebens“. Alles andere aber, das ich mit Jesus nicht in Verbindung bringen kann, hat auf meinen Glauben keinen Einfluss mehr. 

Gebet: Herr, auch wenn es mir mal nicht gut geht, weiß ich doch, dass du gut zu mir bist. Auch wenn ich dir und meinen Mitmenschen die Liebe schuldig bleibe, weiß ich doch, dass du mich liebst. Auch wenn ich versage, weiß ich doch, dass du mir vergibst. Auch wenn ich mir Sorgen mache, weiß ich doch, dass du für mich sorgst. Auch wenn ich Angst habe, weiß ich doch, dass du bei mir bist. Auch wenn ich weinen muss, weiß ich doch, dass du mir die Tränen trocknest. Und auch wenn ich dich nicht mehr höre, weil ich so sehr mit mir beschäftigt bin, weiß ich doch, dass du auf verschiedene Weise zu mir sprichst. Ich weiß das, weil ich glaube und dir vertraue. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 9. Oktober 2018

Gott sehen hl

Losung: Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; er steht mir zur Rechten, so wanke ich nicht. Psalm 16,8 

Lehrtext: Durch den Glauben verließ Mose Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn. Hebräer 11,27 

Darum geht's im Glauben, liebe Leserin und lieber Leser, immer wieder, dass wir uns wie Mose an den halten, den wir nicht sehen, als sähen wir ihn. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Auch heute geht es wieder genau darum und auch morgen wird es wieder von Neuem so sein. Denn der Glaube ist nicht eine Besitz, den ich irgendwie und irgendwo aufbewahren und nach Belieben hervorholen könnte. Ich muss immer wieder neu glauben wollen. Schöner gesagt: Ich will immer wieder neu glauben. Und das geschieht mit jedem Gebet, mit jedem geistlichen Lied oder Song, sooft ich mich für das Wort der Bibel interessiere.
     Ja, der Glaube ist nicht mein Werk, er ist Gottes Geschenk. Doch was nützt es mir, wenn ich es wegstelle und nur ab und zu hervorhole? Irgendwann werde ich es dann ganz vergessen haben. Andererseits wirkt mein Glaube umso stärker, je selbstverständlicher ich mit ihm lebe. Es ist eben schon ein Unterschied ob ich gottvergessen vor mich hinlebe oder mich an ihn halte. Es ist ein Unterschied, ob ich mir schon beim Aufwachen seiner bewusst bin und mit meiner "Glaubenshand" Gottes Hand ergreife oder ob ich ohne ihn durch den Tag stolpere. Und das gilt auch, wenn ich eine Reise antrete, zu einem Konfliktgespräch muss, in eine Prüfung gehe, ins Krankenhaus, wenn ich eine schwierige Entscheidung zu treffen habe oder mir sonstwie Sorgen mache um Angehörige oder um mich selbst. Immer macht es einen Unterschied, ob ich mich dann an den halte, den ich nicht sehe, als sähe ich ihn - oder ob ich gottesblind bin. 
     Darum geht's im Glauben, liebe Leserin und lieber Leser, immer wieder, dass ich mich wie Mose an den halte, den ich nicht sehe, als sähe ich ihn. 

Beten mit der Losung aus Psalm 16 (Übersetzung: "Hoffnung für alle"): 
Ich sehe immer auf den HERRN. Er steht mir zur Seite, damit ich nicht falle. Darüber freue ich mich von ganzem Herzen. Bei dir, HERR, bin ich in Sicherheit. Ich gehöre ja zu dir. Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn du bist bei mir; aus deiner Hand empfange ich großes Glück. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Montag, 8. Oktober 2018

Was Mut macht hl

Losung: Jonathan ging hin zu David und stärkte sein Vertrauen auf Gott. 1.Samuel 23,16 

Lehrtext: Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Epheser 4,3 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das ist wunderbar, wenn du ein gesundes Selbstvertrauen und einen starken Lebensmut hast. Das hilft dir durch manche Krise hindurch und über manche Probleme hinweg. Aber manchmal wirst du durch die Umstände so entmutigt, dass du nicht mehr kämpfen willst und dir selbst nichts mehr zutraust. Dann bist du entmutigt, fühlst dich kraftlos und ohnmächtig. Das ist dann alles andere als wunderbar. Das ist eine Katastrophe. Dann, wenn du auch noch mit deinen seelischen Kräften am Ende bist, brauchst du Hilfe von außen. Dann brauchst du jemanden, der dich wieder ermutigt so wie Prinz Jonathan den späteren König David ermutigt hat.
     Doch womit kann ich einen anderen ermutigen, nicht aufzugeben? Da gibt es viele Möglichkeiten. Die in meinen Augen beste hatte Jonathan gewählt. Er sagte sinngemäß zu seinem Freund David. "Du lässt jetzt den Kopf hängen und willst dich aufgeben. Aber damit machst du nichts besser, gar nichts. Es kommt ja nicht nur auf deine Kraft und deinen Mut an. Da ist noch einer, auf den es entscheidend ankommt, und das ist unser Gott. Wenn du nicht mehr auf dich und andere Menschen vertrauen kannst, dann kannst du immer noch auf ihn vertrauen. Er wird dir helfen. Aber er erwartet auch von dir, dass du zugleich alles tust, was in deinen Kräften steht."
     Eine solche Ermutigung wie sie Jonathan dem David gegeben hat, bleibt durch die Zeiten hindurch aktuell bis heute. Wenn es dir gerade so ähnlich wie David damals gehen sollte, dann sprich:

Gebet: Herr, manchmal habe ich nicht mal mehr die Kraft zu beten. Doch ich kratze den Rest meiner Energie zusammen und sage dir. Du musst mir jetzt helfen. Du musst! Sonst bin ich verloren. Ich nehme dich beim Wort, dass du mein Gott sein willst, der für mich da ist und mir hilft. Ich nehme dich beim Wort, dass du mir treu sein willst. Zeige nun, dass du auch kannst, was du versprochen hast. Und ich verspreche dir, dass ich gleichzeitig alles, was in meinen Kräften steht, tun werde, um meine schlimme Lage zu ändern. Ich werde kämpfen, ich werde mich nicht aufgeben, ich will diese Katastrophe überwinden und ich werde das auch, weil du mir hilfst. Amen

Der Lehrtext heißt in einer neuen Übersetzung: "Geht in Liebe aufeinander ein. Setzt alles daran, dass die Einheit, wie sie der Geist Gottes schenkt, bestehen bleibt. Sein Friede verbindet euch miteinander." - Das ist ein anderes Thema. Damit fordert Paulus die Christen in Ephesus auf, die Streitigkeiten beizulegen und sich im Geist Jesu wieder zu versöhnen. 
     Was für die Gemeinde gilt, das gilt auch sonst, wo Menschen Probleme miteinander haben: in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Freundschaft und in der Ehe und Familie. Aber manchmal braucht es auch in solchen Fällen einen Anstoß von außen. Den will der heutige Lehrtext geben. Was wir damit machen, ist dann unsere Sache. Wir bleiben für unser Verhalten verantwortlich. Und je nachdem wie wir uns entscheiden, müssen wir den Preis bezahlen und die Folgen tragen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Sonntag, 7. Oktober 2018

Was für ein Gott ist das? (Predigt) hl

Erntedankfest 2018. Predigt über Psalm 145 von Hans Löhr im Lichtblickgottesdienst

Herbsttag von Rainer Maria Rilke:

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Ja, liebe Freunde,

es ist Zeit, Erntedank zu feiern und Gott dem Herrn für den großen Sommer zu danken. Für die vielen Sonnentage seit April und das viele Obst an den Bäumen, an den Sträuchern und in den Weingärten. Manche Apfelbäume sind unter der Last ihrer Früchte zusammengebrochen. Viele Pflaumen sind unter dem Baum liegen geblieben, weil man sie einfach nicht mehr alle essen und verarbeiten konnte. Nicht nur die Menschen, auch die Wespen, Hornissen und andere Insekten haben sich an den Birnen satt gegessen. Manche Brombeere und Himbeere ist ungepflückt am Strauch vertrocknet. Die Weinbeeren allerdings wurden fast alle gelesen, weil der Jahrgang 2018 besonders vielversprechend ist.     
     Es stimmt, bei den Feldfrüchte ist in diesem trockenen Jahr der Ertrag etwas kleiner ausgefallen und auch auf den Wiesen ist weniger Gras gewachsen. Aber alles in allem ist die Ernte trotzdem zufriedenstellend. Auch heuer können wir wieder dankbar sein.
     Doch jetzt frage ich dich: Weißt du eigentlich, was das für ein Gott ist, dem du dankst? Von ihm gibt es vermutlich so viele unterschiedlichen Vorstellungen wie Gäste hier im Lichtblick-Gottesdienst sind. Darum möchte ich mit euch jetzt das Bibelwort für die Predigt lesen. Es soll uns helfen, Gott besser kennenzulernen. Ich beginne und bitte euch, jeweils den eingerückten Vers zu lesen:
Der HERR ist gut zu allen und schließt niemanden von seinem Erbarmen aus, darum sollen dich alle deine Geschöpfe loben. Auf das Wort des HERRN kann man sich verlassen, und was er tut, das tut er aus Liebe. 
Alle: Gnädig und barmherzig ist der HERR; groß ist seine Geduld und grenzenlos seine Liebe.  
Wer keinen Halt mehr hat, den hält der HERR; und wer am Boden liegt, den richtet er wieder auf.
Alle: Gnädig und barmherzig ist der HERR; groß ist seine Geduld und grenzenlos seine Liebe.  
Alle schauen erwartungsvoll zu dir, und du gibst ihnen zu essen zur rechten Zeit. Du öffnest deine Hand und sättigst deine Geschöpfe; allen gibst du, was sie brauchen. 
Alle: Gnädig und barmherzig ist der HERR; groß ist seine Geduld und grenzenlos seine Liebe, denn er hat allen das Leben gegeben!  (Psalm 145,8-10.14-16)
So spricht die Bibel von Gott. Ist das nicht wunderbar? Dieser Gott begeistert mich. Aber stimmt das auch mit deinem Bild von Gott überein? 
     Mein Gottesbild hat sich im Lauf meines Lebens deutlich geändert. Als kleines Kind haben mich hauptsächlich die Engel interessiert. Das hängt vielleicht mit dem Bild zusammen, das mir meine Großmutter geschenkt hatte. Darauf sieht man, wie zwei Kinder an einem Abgrund spielen. Doch hinter ihnen steht ein großer, weißer Schutzengel und passt auf sie auf.
     Später, in der Grundschule, wurde mir viel von Jesus erzählt. Doch ich konnte Jesus und Gott nicht zusammenbringen. Der eine war auf der Erde und vollbrachte Wunder. Der andere war ein strenger, alter Mann mit weißem Bart über den Wolken, so wie er im Religionsbuch abgebildet war.
     Diese Vorstellung von Gott spukte noch in meiner Konfirmandenzeit durch meinen Kopf. Doch je älter ich wurde, desto mehr verblasste dieses Bild. Und damit trat auch Gott in den Hintergrund. Dafür trat Jesus mehr hervor als Vorbild, wie man sich als Christ verhalten solle. Doch zu ihm beten konnte ich nicht. Ich beließ es beim Vaterunser. Das hat sich geändert.
     Ja, ich glaube, dass Gott der allmächtige Schöpfer des Himmels und der Erde ist. Aber was sagt das über ihn aus, sein Wesen und seine Beziehung zu mir?
     Die Bibel sagt von ihm, das, was er gemacht hat, sei sehr gut. Sie sagt weiter, dass er „alles, was lebt, ernährt“ und dass er seine Geschöpfe segnet, damit sie das Leben weitergeben. Und sie sagt, dass er uns Menschen nach seinem Bild geschaffen hat. So spricht die Bibel von Gott als einem persönlichen Wesen, das sich an seiner Schöpfung freut, sich um seine Geschöpfe kümmert und zu den Menschen eine Beziehung eingeht.
     Das ist etwas anderes, als wenn Gott nur irgendeine anonyme Kraft ist, aus der alles hervorgeht. Er ist auch mehr, als eine Art Uhrmacher, der die Welt zusammengebaut hat und sie nun sich selbst überlässt.
     Mit dem Psalm 145 haben wir vorhin gemeinsam gesagt: „Grenzenlos ist seine Liebe, denn er hat allen das Leben gegeben.“
     Die Bibel gibt mir die Sprache, mit der ich von Gott reden kann. Von ihr erfahre ich, dass eine unbegreifliche Kraft das Universum, die Erde und alles, was lebt, geschaffen hat. Doch jetzt kommt das Eigentliche: Diese unbegreifliche Kraft wird Gott genannt. Er ist ein persönliches Wesen. Er liebt seine Geschöpfe grenzenlos, auch dich und mich.
     Heute sagen viele, vor allem Gebildete: „Ja, das Universum ist mit allem, was lebt, aus einer unbegreiflichen Energie hervorgegangen. Aber weder ist sie persönlich, noch hat sie Gefühle und liebt. Diese Kraft hat mit Gott nichts zu tun. Sie ist die Evolution, die Entwicklung von allem, was ist. Sie begann vor 13,7 Milliarden Jahren mit dem Urknall und dauert seitdem an. Sie hat keinen erkennbaren Sinn und kein Ziel. Niemand kann wissen, was sie bewirkt hat. Niemand kann die Frage beantworten: Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“ Soweit die naturwissenschaftliche Sicht.
     Auch ich meine: Ja, die Wissenschaftler haben mit ihrer Evolutionstheorie recht. Alles, was sie bisher erforscht haben, sei es im Makro- oder im Mikrokosmos, ist plausibel und beweisbar. Und sie geben uns damit erstaunliche Einblicke in wahre Wunderwelten. Doch an einem entscheidenden Punkt habe ich eine andere Sichtweise. Und darum glaube ich:
     Nicht ein Zufall oder ein Urknall, sondern Gott ist der Schöpfer von allem, was ist. Von allem! Vielleicht war er es, der die Naturgesetze geschaffen hat und sich der Evolution als eines Werkzeuges bedient. Entscheidend ist für mich, dass er die Welt und alles, was lebt geschaffen hat und dass er seine ganze Schöpfung grenzenlos liebt. Und das, liebe Freunde, können auch Naturwissenschaftler sagen, für deren persönliches Leben Gott wichtig ist und bleibt.
     Das wirkt sich darauf aus, wie ich mich erlebe. Wenn ich an Gott denke, dann glaube ich, dass alles von dieser unbegreiflichen Kraft eingehüllt ist in seine Liebe. Alles ging aus ihr hervor, alles ist jetzt in ihr geborgen und alles wird wieder mit ihr eins werden: alle Sterne und Sonnen, alle Galaxien, alle Planeten, auch diese winzige, staubkornkleine Erde mit allem was auf ihr lebt, mit dir und mir. Nichts, was aus Gottes Liebe hervorgegangen ist, wird je aus ihr herausfallen. Das war so, das ist so, das wird so sein. Das glaube ich. Und ich lade auch dich zum Glauben an diesen persönlichen Gott ein, von dem es in der Bibel heißt: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
     Zu ihm kannst du sagen, bevor du heute einschläfst: „Mein Gott, ich schlafe ganz in Frieden, denn du deckst mich mit deiner Liebe zu.“ Und wenn du morgen aufwachst, kannst du sagen: „Danke, lieber Gott, schön, dass du da bist. Mit deiner Liebe umgibst du mich von allen Seiten und bringst mich gut durch den Tag.“ Aber vielleicht hast du Sorgen oder großen Kummer, sei es deinetwegen oder wegen eines Menschen, der dir nahesteht. Dann sage: „Herr, mein Leid, und sei es noch so groß, kann mich nicht von deiner Liebe trennen. Darauf vertraue ich und daraus schöpfe ich Kraft, um meine Last zu tragen.“
     Ich weiß, dass so vieles in dieser Welt und manches in meinem Leben dagegen spricht. Dennoch halte ich an diesem Glauben, dennoch halte ich an diesem Gott fest. Denn das gibt meinem Leben und auch der Welt einen Sinn. Und auch das glaube ich, dass Gott größer ist als alle meine Bedenken und Zweifel, größer als mein Leid, und dass die Schwerkraft seiner Liebe mich auch dann noch hält, wenn ich davon nichts zu spüren meine. So wie es im heutigen Bibelwort heißt: „Wer keinen Halt mehr hat, den hält der HERR; und wer am Boden liegt, den richtet er wieder auf.“
 Und nun noch ein Letztes. Auch dieser Gott der Liebe ist noch immer unfassbar und gesichtslos. Wie begegnet er mir, sodass ich ihn erkennen und wieder lieben kann?
     Er begegnet mir in Jesus. Der Sohn gibt dem Vater im Himmel ein Gesicht, gibt ihm sein Gesicht. Die Bibel sagt: Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. In dem, was Jesus sagte, was er tat, wie er lebte erkenne ich ihn. Jetzt erst bricht die Sonne hinter den Wolken des Alten Testaments hervor. Im Psalm 145, den wir vorhin gemeinsam gesprochen haben, leuchtete sie schon einmal kurz auf, strahlend und schön. Doch erst mit Jesus wird vollends klar, wer und wie Gott ist, wie er zu mir und zu dir ist, da es heißt: „Gnädig und barmherzig ist der HERR; groß ist seine Geduld und grenzenlos seine Liebe, denn er hat allen das Leben gegeben!“
      Diesem Gott danken wir, nicht nur heute am Erntedankfest. Ihm verdanken wir alles, was wir sind und haben. Amen  

Samstag, 6. Oktober 2018

Ein kostenloses Antidepressivum hl

Losung: Halleluja! Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen im Rate der Frommen und in der Gemeinde. Psalm 111,1 

Lehrtext: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Kolosser 3,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist es bloße Taktik, dass der Beter des Psalms 111, aus dem die heutige Losung kommt, Gott lobt? Wenn das so wäre, würde Gott es sofort merken und ein solches Lob würde nichts bewirken. Und wenn es ehrlich gemeint ist? Wenn das Lob tatsächlich aus tiefstem Herzen kommt? Auch dann kannst du damit bei Gott nichts bewirken. Er lässt sich nicht schmeicheln und nicht bestechen, nicht gnädig stimmen und sich nicht vereinnahmen. 
     Ist es dann sinnlos, Gott zu loben zumal in einem Gemeinde-Gottesdienst? Bei ihm wirkt Lob nicht, aber bei dem, der lobt. Denn damit mache ich mir bewusst, was mir Gott Tag für Tag Gutes tut und schon getan hat. Damit mache ich mir bewusst, dass er der Schöpfer der Welt und meines Lebens ist. Mir das klarzumachen, tut mir gut. Das macht mich zuversichtlich und dankbar. Und das wiederum lässt mich mit einem positiven Gefühl in den neuen Tag gehen.
     Passend dazu heißt es im heutigen Lehrtext: »Unterweist und ermahnt euch gegenseitig mit aller Weisheit und dankt Gott von ganzem Herzen mit Psalmen, Lobgesängen und Liedern, die euch Gottes Geist schenkt.« Unsere Loblieder oder unser Lobpreis, wie man heutzutage sagt, sind eben nicht Mittel zum Zweck, um bei Gott irgendetwas zu erreichen, sondern Ausdruck einer Dankbarkeit, die von Herzen kommt. Ich muss damit nicht warten, bis wieder ein Gottesdienst stattfindet. Ich kann ihm jederzeit und an jedem Ort ein Loblied singen, laut oder leise, kann summen oder pfeifen. Ich kann auch bei Liedern mitsingen, die ich mir von einer Lobpreis-CD anhöre. Die Bibel sagt, das erhebt meine Seele . Wir sagen heute, das hebt meine Stimmung und macht mich unbeschwert und froh.

Gebet: Herr, dich zu loben, baut mich auf. Dir zu danken, macht mich zufrieden. Daran merke ich, dass auch mein Loblied ein Geschenk deines Geistes ist. Lege mir gerade dann ein solches Lied auf meine Zunge, wenn mir nicht zum Singen zumute ist. Denn dir ein Lied zu singen und dir zu danken ist vielleicht das beste Antidepressivum, das es gibt. Amen
,
Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Freitag, 5. Oktober 2018

Friede: Gabe und Aufgabe hl

​​​​Losung: Er wird der Friede sein. Micha 5,4 

Lehrtext: Der Herr des Friedens gebe euch Frieden allezeit und auf alle Weise. Der Herr sei mit euch allen! 2.Thessalonicher 3,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

noch nie konnten Menschen in die Zukunft schauen. Seit 300.000 Jahren, seitdem es uns Menschen gibt, wussten sie allerdings, was sie höchstwahrscheinlich auch in der Zukunft erwarten würde: Kriege, Seuchen, Hunger. Diese drei „schwarzen Reiter“ begleiteten die Menschen verlässlich auf ihrem langen Weg bis unmittelbar vor unsere Gegenwart. Doch seit 50 Jahren ist das anders. Die Kriege sind stark zurückgegangen. Heutzutage sterben pro Jahr mehr Menschen an Übergewicht oder durch Selbstmord als in einem Krieg. Die Pocken sind ausgerottet. Die Pest wurde zurückgedrängt. Wo immer in der Welt Seuchen ausbrechen, hat man sie in verhältnismäßig kurzer Zeit im Griff wie zuletzt die Ebola-Seuche in Afrika. Und zu unserer Zeit müssen kaum noch Menschen an Hunger sterben. Wenn trotzdem welche verhungern, dann liegt das an politischen Fehlern.
     Zu verdanken hat das die Menschheit dem wissenschaftlichen Fortschritt, vor allem in der Medizin, und der verhältnismäßig guten internationalen Zusammenarbeit, sei es wirtschaftlich oder politisch. Leider sind diese Errungenschaften aufs Neue in Gefahr, weil eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler in vielen Ländern wieder Zuflucht bei dem alten und hochgiftigen Rezept des Nationalismus sucht. Es ist in hohem Maße irrational, dass so viele bereit sind, die erstaunlichen Erfolge der letzten 50 Jahre wieder aufs Spiel zu setzen. Offenbar fürchten sie die zunehmende Unübersichtlichkeit ihres Lebens durch die rasante Entwicklung der Technologien mehr, als dass sie die alten Feinde der Menschheit fürchten wie Überheblichkeit, Fremdenfeindlichkeit, Selbstisolation und Ignoranz.
     Hätte der Prophet Micha damals schon gewusst, dass es auf dieser Welt eine nie dagewesene, über 70jährige Friedenszeit geben würde, in der es Menschen wenigsten in bestimmten Regionen der Erde verhältnismäßig gut gehen würde, er hätte wohl geglaubt, dass der Messias gekommen wäre und sein Rech aufgerichtet hätte (siehe Losung in ihrem Zusammenhang). 
     Wir Christen hingegen glauben, dass wahr geworden ist, was der Prophet Micha angekündigt hatte: Der Friedenskönig ist in Bethlehem geboren. Seitdem verbinden einige Menschen mit ihm die Hoffnung, dass nicht erst im Jenseits und nicht erst am Ende der Zeit, sondern hier und jetzt Friede möglich ist genauso wie eine umfassende Heilung von Krankheiten und der Sieg über den Hunger. Nicht zuletzt diese Hoffnungen haben mit zu unserem gegenwärtigen, siebzigjährigen Friedensreich beigetragen. Doch um der Wahrheit die Ehre zu geben, dass es soweit kommen konnte, ist nicht nur Christen und schon gar nicht der Kirche zu verdanken. Letztere war zu oft und zu lang in Machtkämpfe, Kriege, Verfolgung Andersdenkender, Missbrauch und Wissenschaftsfeindlichkeit verstrickt, als dass sie sich jene Erfolge an die eigene Brust heften dürfte..
     Und darum glaube ich, worauf der Lehrtext hinweist: Nicht Päpste, Bischöfe und Pfarrer, nicht Generäle und Offiziere, nicht die Mächtigen in Politik und Wirtschaft geben uns "Frieden allezeit und auf alle Weise" (Lehrtext), sondern unser Herr Jesus Christus im Namen des lebendigen Gottes. Doch dazu braucht er Menschen, die seinen Frieden für sich annehmen und weitergeben, die bereit sind, im Namen Gottes Verantwortung zu übernehmen und im Kleinen wie im Großen für Ausgleich, Verständigung, Versöhnung und Gerechtigkeit zu sorgen. Dazu braucht er dich und mich.

Gebet: Herr, ich kann dir gar nicht genug danken, dass ich in dieser Zeit und in diesem Land leben darf. Wie sehr hast du mich mit dieser langen Friedenszeit und Wohlstand gesegnet! Ich weiß aber auch, dass diese deine Gabe für mich und meine Mitmenschen zugleich eine Aufgabe ist. Ich weiß, dass es jetzt auch an uns liegt, das, was du geschenkt hast, zu schätzen und zu bewahren. Schenke uns allen dazu die nötige Einsicht, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und den zerstörerischen Mächten zu wehren. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Gott und Gott ist zweierlei hl

Losung: Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt. 5.Mose 29,17 

Lehrtext: Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. Epheser 4,31-32  

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott sei Dank habe ich mit diesem Gott nichts zu schaffen, von dem Mose sagt: »Aus eurem Volk soll sich von heute an niemand mehr vom HERRN, unserem Gott, abwenden und den Göttern dieser Völker nachlaufen. Wer so etwas tut, ist wie eine giftige Pflanze unter euch, die bittere Früchte trägt. 18 Vielleicht hört mancher von euch heute von den Strafen, die der Herr androht, und redet sich ein: ›Es wird mir weiterhin gut gehen, auch wenn ich nicht bereit bin, die Gebote des Herrn zu befolgen.‹ Doch er irrt sich! Er wird sterben und das ganze Volk mit sich ins Verderben reißen. 19 Der HERR ist nicht bereit, diesem Menschen zu vergeben; seinen ganzen Zorn wird er an ihm auslassen. Alle Fluchworte, die in diesem Buch stehen, werden ihn treffen. Der HERR wird jede Spur von ihm auslöschen.«
     Drohen, zürnen, strafen, töten, verfluchen und ausrotten - das ist nicht mein Gott. Meiner begegnet mir in Jesus. Einen anderen kenne ich nicht. Dieser Gott ist mein himmlischer (=göttlicher) Vater, der mich sucht und findet, heilt und segnet, erfreut und ermutigt. Der mir barmherzig ist und gnädig, der mich behütet, mir vergibt und mich erlöst. Mit einem Wort, der mich liebt. Er verlangt von mir nicht, dass ich einem anderen den Glauben abspreche oder ihn gar verfolge und ausrotte "wie eine giftige Pflanze". Für ihn sind Menschen, die anders glauben oder nicht glauben kein Unkraut, sondern ebenfalls seine Geschöpfe und Kinder. Wäre es nicht so, müsste ich in Angst und Schrecken vor jenem Gott und seinen fanatischen Anhängern leben oder ich würde ihn einfach vergessen.
     Doch Gott sei Dank ist es anders. Er erwartet von mir nichts anderes, als wie er sich mir in Jesus zeigt: Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung sind fern von IHM samt aller Bosheit. Er ist zu uns freundlich und herzlich. Darum können auch wir einander vergeben, wie Gott uns vergeben hat in Christus. (vergleiche Lehrtext)  Diesem Gott folge ich, an ihn halte ich mich.

Gebet: Herr, wie bin ich froh, dass ich nicht ein menschengemachtes Zerrbild von dir anbeten muss, sondern dass du dich mir in Jesus zeigst. Es macht mich traurig, dass sich nach wie vor so viele vor einem wütenden alten Mann mit Bart über den Wolken fürchten. Es macht mich traurig, dass andere wegen dieser Karikatur den Glauben überhaupt verwerfen und verlieren. Doch du verwirfst sie nicht. Du findest die, die dich nicht finden können. Zeige dich deinen Kindern, dass sie dich erkennen, dir vertrauen und sich über dich freuen können. Amen

Viele Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Trotzalledem: Ermutigung und Zuversicht hl

Losung: Israel aber wird errettet durch den HERRN mit einer ewigen Rettung, und ihr werdet nicht zuschanden noch zu Spott immer und ewiglich. Jesaja 45,17 

Lehrtext: Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. Jakobus 5,8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ermutigung zum Leben im Diesseits oder Vertröstung auf ein Leben im Jenseits? Was trifft zu? 
     Das habe ich mich gefragt, als ich Losung und Lehrtext gelesen habe. Die Kirche hat lange Zeit vor allem die Armen und Unterdrückten aufs Jenseits vertröstet, ohne sich entschieden für die Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse im Diesseits einzusetzen. Das war nicht nur falsch, sondern ein Verbrechen an diesen Menschen und am Gebot Jesu, sich der Armen anzunehmen. Gott sei Dank hat sich das heute zumindest im unserem Land geändert. 
     Darum lese ich Losung und Lehrtext als Ermutigung zum Leben in dieser Zeit und Welt. Ich brauche sie angesichts der vielen ungelösten, globalen Probleme. Ich brauche Lebenszuversicht angesichts der rasanten Entwicklung von Biotechnologie, künstlicher Intelligenz und Big Data, die längst eingesetzt hat und die die Verhältnisse in naher Zukunft so radikal ändern wird wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Und niemand kann sagen, wohin die Reise geht. Die Politiker können es nicht, weil sie es selbst nicht wissen. Die Wissenschaftler können es nicht und die  Philosophen auch nicht. Allesamt können sie bestenfalls Vermutungen anstellen. Doch gesicherte Erkenntnisse hat niemand. Das ist nicht meine persönliche Meinung. Das ist der gegenwärtige Wissensstand.
     Was mich trotzdem ermutigt, ist die Losung. Ich lese sie in dem Glauben: Was Gott damals den Israeliten gesagt hat, das sagt er heute dir und mir. Weshalb sollte ich mich sonst mit solch alten Texten befassen? Was mir Lebenszuversicht gibt, ist der Lehrtext. Auch ihn lese ich in dem Glauben: Was die ersten Christen damals gehofft haben, dürfen wir auch heute hoffen. Weshalb sollte ich mich sonst mit dem Brief des Jakobus befassen? Diese ermutigenden Worte kann ich in dem einen Satz zusammenfassen: Alles wird gut - letzten Endes, weil alles in Gottes Hand steht.
     Doch was heißt das? Werde ich rosigen Zeiten entgegengehen? Nein. Ich weiß für mich persönlich, dass mit zunehmendem Alter auch gesundheitliche Beschwerden zunehmen werden. Ich weiß, dass eines Tages meine Organe versagen und ich sterben werde. Eines Tages? Ja, heute oder morgen oder auch erst in zwei, drei Dutzend Jahren. Aber einmal wird es so sein. Das also weiß ich. Was ich nicht weiß, was ich aber für möglich halte, ist, dass allgemein schwere Zeiten auf uns alle zukommen werden. Auch solche Zeiten, ja sogar Katastrophen gehören zu unserem Dasein dazu. Bisher sind wir in Westeuropa in den letzten 70 Jahren glimpflich davongekommen. Vielleicht dauert das noch eine Weile an. Schön wär's. Aber das Leben muss und soll auch dann weitergehen, wenn es anders kommt.
     Und auch dann muss und soll gelten: Alles wird gut. Ich kann das nicht sagen im Blick auf den Zustand dieser Welt. Ich kann das nicht sagen im Blick auf die Regierenden oder eine Oppositionspartei irgendwo auf der Welt. Ich kann das nicht sagen im Blick auf die Wirtschaft oder Wissenschaft. Ich kann das nur sagen im Blick auf Gott, wie er sich mir in der Bibel in Jesus Christus zeigt. Und das ist nicht der Blick des Verstandes, sondern der Hoffnung. Ein Blick, der über all das hinausgeht, was ich hier in dieser Welt sehe. 
     Ihm, meinem Gott, vertraue ich mein Leben an, das meiner Angehörigen und die Welt im Ganzen und sage:   

Gebet: Herr, meine Zeit steht in deiner Hand: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Du weißt, was ich nicht weiß. Du siehst, was ich nicht sehe. Du tust, was ich nicht tun kann. Ich vertraue darauf, dass du vollenden wirst, was du begonnen hast; dass du retten wirst, was du geschaffen hast. Nichts kann dich davon abhalten, keine böse Macht, kein menschliches Versagen, nicht einmal der Tod. In diesem Glauben überwinde ich meine Verzweiflung und Angst. Mit diesem Glauben machst du mir Mut, weiterhin Tag für Tag ein "Apfelbäumchen" zu pflanzen, etwas zu tun, was Zukunft hat auch wenn die Probleme dagegensprechen. So will ich tun, was in meinen Kräften steht. Denn ich bin damit nicht allein. Du bist ja ebenfalls am Werk. Amen 

Herzliche Grüße


Hans Löhr

Mit Spracherkennung diktiert. Erkennungsfehler bitte melden, sie werden im Internet-Blog korrigiert.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

Dienstag, 2. Oktober 2018

großmütig und gottesfürchtig – was ist das? hl

Losung: Saul sprach zu David: Wo ist jemand, der seinen Feind findet und lässt ihn im Guten seinen Weg gehen? Der HERR vergelte dir Gutes für das, was du heute an mir getan hast! 1.Samuel 24,20 

Lehrtext: Vertrage dich mit deinem Widersacher sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist. Matthäus 5,25 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mach doch bitte mal einen kleinen Test und frage dein Kind oder Enkelkind oder sonst wen aus deiner Umgebung, was die beiden Wörter „großmütig“ und „gottesfürchtig“ bedeuten. Vielleicht kommst du ja selbst ins Grübeln und fragst dich, wie sie genau zu verstehen sind. Und wenn du auf deine Frage keine zutreffende Antwort bekommst und selbst etwas unsicher bist, dann lies ihnen die nachfolgende Geschichte vor, aus der die heutige Losung kommt. Und falls sie die nicht hören wollen, dann lies sie für dich selbst.

Eine spannende Geschichte: David und Saul

1 Auch David zog weiter und blieb in den unzugänglichen Bergen bei En-Gedi. 2 Kaum hatte Saul, der König der Israeliten, die Philister wieder aus dem Land vertrieben, da wurde ihm gemeldet: »Dein Feind David ist jetzt in der Wüste von En-Gedi!« 3 Saul wählte 3000 Elitesoldaten aus ganz Israel aus und machte sich auf die Suche nach David und seinen Leuten. Als sie in der Nähe des Steinbockbergs vorbeikamen 4 und dort bei den eingezäunten Schafweiden eine Höhle fanden, ging der König hinein, um seine Notdurft zu verrichten. Ausgerechnet im hintersten Winkel dieser Höhle hatten David und seine Männer sich versteckt.5 »Das ist die Gelegenheit, David!«, flüsterten einige von ihnen ihrem Anführer zu. »Der HERR hat doch versprochen, dir eines Tages deinen Feind auszuliefern. Jetzt kannst du mit ihm tun, was du willst!« Da schlich sich David nach vorne und schnitt unbemerkt einen Zipfel von Sauls Mantel ab. 6 Doch er hatte ein schlechtes Gewissen dabei, und sein Herz klopfte wild. 7 Als er wieder zu seinen Männern kam, sagte er: »Der HERR bewahre mich davor, meinem König etwas anzutun, denn der HERR hat ihn zum König erwählt.« 8 David verbot seinen Männern, sich an Saul zu vergreifen. Nach einer Weile verließ Saul die Höhle wieder, um seine Suche fortzusetzen. 9 David ließ ihm einen kleinen Vorsprung, trat dann zum Ausgang und rief: »Mein Herr und König!« Saul drehte sich um; David verneigte sich tief vor ihm und warf sich zu Boden. 10 Dann begann er zu reden: »Warum glaubst du dem Geschwätz einiger Leute, die behaupten, ich wolle dich ins Verderben stürzen? 11 Heute kannst du mit eigenen Augen sehen, dass es nicht wahr ist! Vorhin in der Höhle hat der HERR dich mir ausgeliefert. Meine Leute wollten mich dazu verleiten, dich umzubringen. Doch ich habe dich verschont. Ich dachte: ›Niemals kann ich meinem König etwas antun, denn er ist vom HERRN selbst auserwählt worden.‹ 12 Schau, mein Vater, was ich hier in der Hand halte: einen Zipfel deines Mantels! Den habe ich abgeschnitten, anstatt dich zu töten. Glaubst du jetzt, dass ich kein Verräter bin und nichts Böses gegen dich im Schilde führe? Ich habe dir nichts getan, und trotzdem verfolgst du mich und willst mich beseitigen. 17 Da begann Saul laut zu weinen und rief: »Bist du es wirklich, mein Sohn David? 18 Du bist ein besserer Mensch als ich. Du bist gut zu mir, obwohl ich dich schlecht behandelt habe. 19 Gerade heute hast du wieder bewiesen, wie großmütig du bist: Obwohl der HERR mich dir ausgeliefert hat, hast du mich nicht umgebracht. 20 Wer lässt schon seinen Feind unbehelligt laufen, wenn er ihn einmal in seiner Gewalt hat? Der HERR möge dich für deine Großmütigkeit belohnen! (1. Samuel 24,1-20)

     Spätestens jetzt weißt du, was das Wort „großmütig“ bedeutet. Und „gottesfürchtig“ heißt im Zusammenhang mit dieser Geschichte nicht, dass ich mich vor Gott fürchten muss, sondern dass ich ihn und seine Entscheidungen respektiere. 
     Warst du schon mal großmütig? Bestimmt. Du hast ganz gewiss immer wieder mal auf einen Vorteil verzichtet, um das Zusammenleben mit anderen nicht aufs Spiel zu setzen. In Bayern sagen wir dazu „leben und leben lassen“. Und damit meinen wir, nicht den andern „übern Tisch ziehen“ oder sich ihm gegenüber egoistisch aufführen, sondern auch einem anderen Menschen seinen Anteil am Lebensglück gönnen. Denn für mich selbst reicht es immer noch, auch wenn ich ihm ein Stück vom Kuchen gebe. Diese Haltung kommt ihm wie auch mir selbst zugute. Denn wenn ich großmütig bin, freut sich der andere über mich und ich fühle mich selbst gut.
     Doch es gibt ja nicht nur den privaten Egoismus, sondern auch den politischen, wenn man Menschen, die in unser Land aus welchem Grund auch immer zugewandert sind, nicht das Schwarze unterm Fingernagel gönnt. Man nennt das dann Nationalismus. Einen solchen Fanatiker erkennt man auch daran, dass er sich selten mit seinem deutschen Nachbarn verträgt, mit ihm streitet oder sogar gegen ihn prozessiert. Wie viele Nationalisten es in Bayern gibt, wird man demnächst nach der Landtagswahl sehen.
     Jesus gibt in seiner Bergpredigt den Rat, dass man sich auch dann noch mit seinem Prozessgegner gütlich  einigen soll, wenn man bereits auf dem Weg zum Gericht ist (Lehrtext). Ich habe es vor einiger Zeit mal erlebt, wie zwei juristische Parteien mit ihren Rechtsanwälten zuerst eine gütliche Einigung versucht haben, bevor sie vor Gericht gezogen sind. Sie hatten mich als neutralen Beobachter mit hinzugebeten. Warum genau, kann ich nicht sagen. Vielleicht hofften sie, dass sie in meiner Anwesenheit etwas weniger hitzig sein würden. Jedenfalls ist es ihnen tatsächlich gelungen, sich zu einigen und einen Prozess zu vermeiden. So richtig glücklich war danach keiner von beiden. Aber darum ging es auch nicht. Sie waren zu Kompromissen bereit und haben sich so noch größere Probleme erspart.

Gebet: Herr, was wäre mit mir, wenn du zu mir nicht großmütig wärst? Woran könnte ich mich orientieren, wenn ich dich nicht respektierte und mir deine Gebote egal wären? Nein, ich will deine Geduld mit mir nicht überstrapazieren, aber ich will mich auch künftig darauf verlassen können, dass du ein großmütiger und großzügiger Gott bist. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Montag, 1. Oktober 2018

Prost! hl

Losung: Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns. Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern! Psalm 90,17

Lehrtext: Jesus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Johannes 15,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

für Sister (Schwester) Elly in Tansania ist es selbstverständlich, dass sie vor einer wichtigen Arbeit betet. Ihr Glaube begleitet sie durch den Tag. Und was sie tut, tut sie für ihren Herrn Jesus Christus und in seinem Namen. Sie ist ungemein fleißig und diszipliniert. Da könnten sich viele Weiße eine Scheibe abschneiden. Und weil sie auch noch klug ist und fähig, ihre Mitarbeiterinnen zu führen und anzuleiten, hat sie auch in ihrer Arbeit Erfolg.
     Doch den hält sie sich nicht selbst zu gut, sondern ist überzeugt, dass Gott ihre Gebete erhört und ihre Arbeit segnet. Ja, der Satz aus der Losung ist ihr vertraut und sie hat ihn so oder so ähnlich schon oft gebetet. Ich bringe ihn hier noch einmal in einer neuen Übersetzung: „HERR, unser Gott! Zeige uns deine Güte! Lass unsere Mühe nicht vergeblich sein! Ja, lass unsere Arbeit Früchte tragen!“
     Aber warum soll nur Sister Elly in Tansania so denken und beten? Ich denke, ihre Glaubenshaltung passt genauso gut nach Europa, auch in unser Land, auch in unsere Häuser, Geschäfte und Fabriken. Warum soll man Gott nur bei der Taufe, bei der Konfirmation und bei der kirchlichen Trauung um seinen Segen bitten? Warum nicht täglich? Ich meine, jeder Tag ist es wert, dass er von Gott gesegnet wird und jede Arbeit, dass sie von Erfolg gekrönt ist. Vielleicht magst du ja mal ausprobieren, wie sich das auf deine Einstellung zur Arbeit auswirkt, wenn du so wie in der heutigen Losung betest.

     Die Winzer sagen, dass der Wein-Jahrgang 2018 ein ganz besonderer sein wird. Nicht nur, weil die Weinstöcke über und über voll hingen, sondern auch, weil  die Qualität des Weins die der Vorjahre übertreffen soll. Da ich ab und zu gern einen Schluck trinke, freue ich mich schon auf diesen Jahrgang.
     Nicht jedes Jahr tragen die Weinstöcke so intensiv wie heuer. Aber deshalb reißen die Winzer sie nicht heraus, wenn die Erträge einmal magerer ausfallen. Es lag eben auch am Wetter und daran, dass es keinen Frost gegeben hat, nachdem die Weinstöcke ausgetrieben hatten und die Fruchtansätze keinen Hagelschauern zum Opfer gefallen sind. Nein, am Weinstock selbst liegt es nicht, wenn die Weinlese mal nicht so gut ausfällt. Im Gegenteil. Er ist der Garant dafür, dass an seinen Reben (Trieben) überhaupt Trauben wachsen.   
     Jesus greift dieses Bild vom Weinstock, den Reben und den Früchten (Trauben) auf. Er veranschaulicht damit, dass eine Rebe nicht aus sich selbst Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie aus dem Weinstock herauswächst. So, sagt er, sollt auch ihr mit mir verwachsen sein. Dann werdet ihr Frucht bringen und den Menschen damit eine Freude machen. Im Brief an die Galater, im Kapitel fünf Vers 22 heißt es dazu: „Diese Frucht ist Liebe, Freude, Langmut, Friede, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ Ein Wein aus solchen „Trauben“ schmeckt himmlisch. Prost!

Gebet (EG 368):
In allen meinen Taten
lass ich den Höchsten raten,
der alles kann und hat;
er muss zu allen Dingen,
solls anders wohl gelingen,
mir selber geben Rat und Tat.

(Paul Fleming 1633)

Herzliche Grüße und eine gesegnete neue Woche!

Hans Löhr

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