Sonntag, 21. April 2019

Der Gott der Lebenden (Osterpredigt) hl

Predigt von Hans Löhr am Ostersonntag 2019 im Lichtblick-Gottesdienst

Liebe Freunde,

Quasimodo, der hässliche Glöckner und Esmeralda, die schöne Zigeunerin - viele kennen diese Namen aus Victor Hugos Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ oder aus dem gleichnamigen Film. Und wer schon mal in Paris war und vor und in der Kathedrale gestanden hat, der war schockiert, als er am Mittwochabend die Bilder von der brennenden Kirche gesehen hat.
Aber ich habe noch etwas anderes gesehen. Dieses Bild:


Mitten aus der Zerstörung heraus, aus Schutt und Asche ragt ein goldenes Kreuz. Es ist leer. Denn der Todeskampf Jesu ist zuende. „Es ist vollbracht“. So sagte er, als er starb. Seine Liebe zu uns, Gottes Liebe in ihm, hat gesiegt. Nicht der Tod, nicht die Sünde, nicht der Hass haben gesiegt. Nicht Zerstörung und Gewalt, nicht Krieg und Leid. Gesiegt hat die Liebe Gottes zu den Menschen, zu allen, auch zu seinen Feinden.
     Das Kreuz von Notre-Dame ist ein Osterkreuz, ein Siegeszeichen. Golden leuchtet es über dem Brandschutt. Auf unserem Reisachfriedhof steht seit ein paar Jahren ein großes Holzkreuz. Auch das ist leer. Hoch ragte es über die Gräber. Auch das ein Zeichen dafür, dass in Jesus das Leben über den Tod gesiegt hat. Aber nicht das Leben als solches, sondern das Leben, das liebt. Und jedes Kreuz über einem Grab sagt dasselbe: »Tod wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch Jesus Christus.« So schreibt es der Apostel Paulus. So können wir es glauben.
     Und darum, liebe Freunde, ist für mich jenes Bild mit dem goldenen Kreuz aus Notre-Dame ein Osterbild. Es stimmt, nach wie vor wüten Tod und Zerstörung, Feuersbrünste, Krankheiten und Kriege. Doch aus dem ganzen Elend ragt das leere Kreuz, das Osterkreuz und sagt: »Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!« 
     Ja, an Ostern geht es um die Auferstehung Jesu. Doch sie ist kein Selbstzweck. Gott hat ihn doch für dich und für mich auferweckt, damit auch wir eine Hoffnung haben, die über Tod und Grab hinausreicht in seine Herrlichkeit. Aber wie kann ich das glauben?
     Viele Jahre habe ich mit Menschenaugen auf das Geschehen geschaut, das die Bibel von der Auferstehung erzählt: Habe vor meinem inneren Auge Jesu leeres Grab gesehen. Habe den auferstandenen Jesus vor mir gesehen, wie er seiner Jüngerin Maria begegnet. Habe ihn mit den zwei Jüngern nach Emmaus wandern sehen. Habe den zweifelnden Thomas gesehen, wie er seine Hand in Jesu Wunde legt. Habe den Auferstandenen am See Genezareth gesehen im Kreis seiner Jünger, wie er letzte Anweisungen erteilt und sie tröstet mit dem Wort: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Und heuer? Ostern 2019 sehe ich erstmals mit seinen Augen auf dich und auf mich.
     Letzten Mittwoch haben wir auf dem Friedhof in Thann von einer 91jährigen Abschied genommen. Wir haben vertraute Lieder gesungen wie „So nimm denn meine Hände“ und „Harre meine Seele“. Wir haben vertraute Bibelworte gehört, darunter auch dieses, da Jesus sagt: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben.« (Johannes 11,25f.) Und ich habe mir gedacht: ‚Nein, das stimmt nicht. Ich weiß doch, dass ich sterben muss auch wenn ich glaube. Aus meiner Sicht kann das einfach nicht sein.‘ Und dann habe ich weitergedacht: ‚Aber aus der Sicht Jesu stimmt es doch. Aus seiner Sicht bin ich nicht tot, auch wenn ich sterbe.‘ In so einer wichtigen Frage, wenn es um Tod und Leben geht, will ich mich nicht auf meine Sicht, auf meinen Verstand, auf meinen Glauben verlassen, sondern auf ihn und das, was er sagt.
     Und er sagt im Matthäusevangelium zu den Sadduzäern: »Habt ihr denn nicht gelesen von der Auferstehung der Toten, was euch gesagt ist von Gott, der da spricht (2. Mose 3,6): „Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.«
     Wow, das heißt doch nichts anderes, als dass Abraham, Isaak und Jakob, die schon vor langer Zeit gestorben waren, nur aus der Sicht von uns Menschen tot sind, nicht aber für Gott. Und die Kinder, die Jesus ins Leben zurückgeholt hat, wie die Tochter des Jaïrus und den Jüngling von Nain oder den Lazarus - sie waren für die Menschen damals tot, aber nicht für ihn. Und er selbst starb am Karfreitag am Kreuz und war für seine Freunde und für seine Feinde tot, ganz und gar. Sie hatten das doch alle mit eigenen Augen gesehen. Aber nicht für Gott. In seinen Augen war Jesus nicht tot.
     Und nun wage ich zu sagen: Ich glaube, dass das für alle Menschen gilt, die Gott geschaffen hat. Ja, wir alle müssen sterben so wie die, die vor uns gegangen sind. Alle, die wir begraben haben, sind tot für uns. Und wenn wir unseren letzten Atemzug getan haben, sind wir tot für die anderen, die dann noch leben. Aber nicht für Gott. Nicht in seinen Augen. Denn er ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten.
     Ich erwarte nicht, dass ihr das jetzt glaubt. Vielleicht habt ihr andere Vorstellungen von der Auferstehung der Toten. Vielleicht auch gar keine, weil ihr sowieso nicht an die Auferstehung glaubt. Aber mit meinem Osterglauben will ich Zweifel in allen Karfreitagsglauben säen. Ja, auch allen meinen eigenen Zweifeln zum Trotz, meinem eigenen Kleinglauben zum Trotz, meiner kümmerlichen Hoffnung zum Trotz will ich festhalten an dem Gott, der ein Gott der Lebenden ist und nicht der Toten. Will ich daran festhalten, dass bei ihm niemand im Tod verloren geht. Halte ich daran fest, dass aus Gottes Sicht niemand tot ist, den er aus Liebe geschaffen hat.
     Natürlich weiß ich auch, wie tief traurig ich sein werde, wenn jemand von meinen nächsten Angehörigen oder Freunden stirbt. Wie untröstlich ich dann sein werde. Wie dann die Trauer allen Glauben und alle Hoffnung überschwemmt. Und natürlich habe ich auch Angst vor meinem eigenen Sterben und davor, dass auch ich einmal von dieser Welt gehen muss und von allen, die mir am Herzen liegen.
     Ja, das alles weiß ich. Und trotzdem will ich dann mit dem letzten Rest meiner Glaubenskraft daran festhalten, dass weder meine Lieben noch ich für Gott tot sein werden. Er bleibt auch dann mein Gott. Er wird auch dann für dich und für mich da sein, wenn wir tot sind und sonst niemand mehr etwas für uns tun kann. Im Psalm 139 heißt es dazu: „Herr, immer bist du um mich. Führe ich gen Himmel, so bist du da. Bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.“ Ja, auch bei den Toten.
     Gestern habe ich in den Losungsauslegungen sinngemäß geschrieben: „Für Gott gibt es kein Dort, sondern nur das Hier; kein Damals und kein Dann, sondern nur das Jetzt. Darum ist er für mich immerzu da. Darum bin ich für ihn immerzu lebendig, auch wenn ich sterbe. In seinen Augen ist der Tod überwunden. In meinen Augen habe ich ihn noch vor mir. Ich will seinen Augen trauen.
     Seine Liebe in Jesus lässt mich erkennen, dass alles, was er schafft, gut ist. Dass nichts verloren geht. Nichts verdorben, böse oder tot ist, was mir jetzt so scheint. Er ist hinter den Kulissen meines Verstandes unablässig am Werk und erlöst und vollendet alles, auch mich, auch dich.
     Ostern, die Auferstehung Jesu, hat das ans Licht gebracht. Darum will ich heute mit euch das Leben feiern. Denn, so sagt die Bibel, „nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, nicht einmal der Tod.“ (Römer 8,38f.)
      Quasimodo, der hässliche Glöckner von Notre-Dame, hat die schöne Esmeralda im Handstreich vor dem Galgen gerettet. Schon einmal hatte in dieser Kirche das Leben über den Tod triumphiert. Am letzten Mittwochabend leuchtete das goldene Kreuz über dem Brandschutt einer zerstörerischen Feuersbrunst, das Zeichen des Auferstandenen. Ihn konnte der Tod genauso wenig festhalten wie er uns festhalten kann. Im Zeichen seines Sieges feiern wir heute Ostern, im Vertrauen auf den Gott der Lebenden, auf unseren Gott. Amen

Samstag, 20. April 2019

Das große Ja und Amen hl

LosungHöre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer. 5.Mose 6,4 

Lehrtext: Das ist das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Johannes 17,3 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was erkenne ich, wenn ich Gott erkenne? Ich erkenne ihn in den Worten und Taten, im Sterben und Auferstehen Jesu. Mit einem Wort, ich erkenne, nein, ich erfahre seine Liebe. 
     Sie wiederum lässt mich erkennen, dass Gott alles in allem ist und alles in ihm, - in Zeit und Raum und jenseits davon, wenn es einmal keine Zeit und keinen Raum mehr geben wird. Sie lässt mich erkennen, dass es für ihn kein Dort gibt, sondern nur das Hier; kein Damals und kein Dann, sondern nur das Jetzt, und dass ich darum für ihn immerzu vor ihm und in ihm bin, immerzu lebendig, auch wenn ich sterbe, auch wenn ich aus Menschensicht tot bin (Lehrtext). 
     Seine Liebe in Jesus lässt mich erkennen, dass alles, was er geschaffen hat, schafft und noch schaffen wird, gut ist. Dass nichts verloren geht. Nichts verdorben, böse oder tot ist, was mir jetzt so scheint. Er ist hinter den Kulissen meines Verstandes unablässig am Werk und erlöst und vollendet alles, auch mich, auch dich. 
     Ich erkenne, dass Gott mehr ist als alles, was in der Bibel und anderen heiligen Schriften der Menschen über ihn und von ihm gesagt wird. Ich erkenne, dass ich ihn nicht erkennen kann, wie er an und für sich ist, aber so erkennen darf, wie er sich meiner begrenzten menschlichen Vernunft, meinem winzigen Verstand, meinen Gefühlen und meinem Glauben zeigt: im Kind in der Krippe und im Mann am Kreuz.
     Seine Liebe in Jesus lässt mich erkennen, dass Gott einer ist (Losung), aber nicht einsam. Er findet sich in dem Sohn im Geist der Liebe und der Sohn findet sich in ihm. Einer geht schaffend aus dem Anderen hervor in unablässiger Bewegung und Kraft von Ewigkeit zu Ewigkeit. 
     Gott ist nicht groß und nicht klein, nicht alt und nicht jung, nicht Mann und nicht Frau. Er ist, weil er liebt. Er liebt, weil er ist. Das ist sein Wesen, das er mich erkennen lässt und alle Menschen in allen Religionen, Glaubende und Nichtglaubende, indem wir seine Liebe weitergeben. - Was aber weiß der schon von Gott, der nur den Freund liebt und nicht auch den Feind? (Matthäus 5,43-48)

Gebet: Herr, du bist der IchBinDa. Dich bete ich an, dich allein. Durch dich und für dich ist alles gut, was ist, alles, auch wenn das für mich jetzt noch nicht so ist. Du befreist mich aus allen Bindungen dieser Welt, auch von mir selbst. Dir gehöre ich in Zeit und Ewigkeit. Du bist das große Ja und Amen. 

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Freitag, 19. April 2019

Über das Vergessen hl

LosungGott hat mich wachsen lassen in dem Lande meines Elends. 1.Mose 41,52 

Lehrtext: Einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Lukas 23,42-43 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hoffentlich kannst du manches Unangenehme vergessen. Bei mir ist das so. Leider vergesse ich aber auch Sachen, die ich lieber nicht vergessen hätte, zum Beispiel einen Besuchstermin bei einem Freund in den Kalender einzutragen. Das war mir vielleicht peinlich! Hoffentlich kann ich das bald wieder vergessen.
      Josef, der Träumer und Sohn Jakobs, konnte sein jahrelanges Elend in Ägypten (Losung) offenbar vergessen. Als sich sein Schicksal durch Gottes Fügung auf das Glücklichste gewendet hatte, nannte er seinen ersten Sohn "Manasse", auf Deutsch: "Der vergessen lässt".
      Für den Terroristen, der neben Jesus am Kreuz hängt (Lehrtext), kommt alles darauf an, dass er ihn nicht vergisst. Darum sagt er: "Erinnere dich an mich, wenn du in dein Reich kommst." Und Jesus verspricht ihm, dass sie beide noch heute (nach ihrem Kreuzestod) im Paradies sein werden. Das war zu jener Zeit ungeheuerlich, etwa so, als hätte Jesus das zu Osama Bin Laden gesagt. (Die Römer haben damals nur vermeintliche oder echte Terroristen gekreuzigt und solche, die in ihren Augen politische Verbrecher waren und ihnen gefährlich werden konnten.) Ich an Jesu Stelle hätte das weder zu dem Terroristen damals noch zu Osama Bin Laden gesagt. Gott sei Dank bin ich nicht Jesus. Gott sei Dank ist er nicht ich. Weder möchte ich am Kreuz hängen, noch will er so engherzig, unversöhnlich und selbstgerecht sein wie ein Mensch.
      Menschen vergessen. Gott nicht. Doch er ist nicht nachtragend wie Menschen sind. Er vergibt. Zum Glück.

Gebet: Herr, du rufst mich bei meinem Namen (Jesaja 43,1). Du hast ihn in deine Hände geschrieben (Jesaja 49,16). Du kannst mich nicht vergessen. Das beruhigt mich. Das lässt mich darauf vertrauen, dass ich dir gehöre, komme, was da wolle. Denn nichts kann mich von deiner Liebe trennen, weder meine Sünde noch der Tod (Römer 8,38+39). Danke

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Donnerstag, 18. April 2019

Schwache Freunde hl

LosungEin Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. 1.Samuel 16,7 

Lehrtext: Der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. Lukas 22,61-62 

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Und wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen.« (Matth.  26,35). So voll hatte Petrus den Mund genommen. Und dann hat er doch versagt. Daran denken wir heute am Gründonnerstag in den Gottesdiensten. Und wenn wir dann Abendmahl feiern, wird es wieder heißen: »Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, in der er verraten wurde, …«, in der Nacht, in der er von allen seinen Freunden (!) verlassen, von Judas verraten und verkauft und von Petrus verleugnet wurde.
     Die Evangelien berichten, dass Jesus schon vorher seinen beiden Freunden (Jüngern) „ins Herz gesehen“ hatte, wie es in der Losung heißt, noch bevor sie selbst wussten, was sie tun würden. Er ließ sich damals nicht täuschen und lässt sich von mir auch heute nicht täuschen. Er kennt meine Schwächen und Grenzen, mein Versagen und meine Schuld. Und weil das so ist, hat er mit den Versagern Judas und Petrus gemeinsam das Abendmahl gefeiert und mit den anderen Jüngern, die auch nicht besser waren. Und darum bin auch ich an seinen Tisch geladen, nicht weil ich so würdig wäre, sondern weil ich seine Gemeinschaft brauche. Weil er durch sein Leiden und Sterben, durch diesen Beweis seiner grenzenlosen Liebe, auch meine Sünden vergibt. 
     Ja, er hat seine Feinde bis zum Tod geliebt. Aber vielleicht ist es ihm noch schwerer gefallen, seine so schwachen Freunde zu lieben und mich dazu. Ich nehme, was den Glauben betrifft, meinen Mund lieber nicht allzu voll, sondern bitte:

Gebet: Herr, du siehst mir ins Herz. Du weißt, wie es um mich steht. Du kennst meine Schwächen und mein Versagen aus der Vergangenheit und in der Gegenwart. Und du siehst, dass ich auch künftig kein besserer Mensch sein werde. Aber gerade darum liebst du mich ja, weil ich deine Liebe brauche und du mir nur durch sie vergeben und mich heilen kannst. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Mittwoch, 17. April 2019

Licht der Welt hl

LosungWer gerecht herrscht unter den Menschen, wer herrscht in der Furcht Gottes, der ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht. 2.Samuel 23,3-4 

Lehrtext: Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Matthäus 5,14 

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann." - Ob es jemals einen Herrscher gegeben hat, der gerecht geherrscht hat in Ehrfurcht vor Gott? Vielleicht haben es einige versucht. Aber kein Herrscher, kein führender Politiker heute kann allen gerecht werden. Dazu sind die Bedürfnisse, Wünsche, Interessen und Nöte zu unterschiedlich. Alles in allem können wir in der Bundesrepublik Deutschland seit 1945 mit unseren Regierenden verhältnismäßig zufrieden sein, vor allem, wenn wir unseren Staat mit anderen vergleichen. 
     Ein altes lateinisches Sprichwort sagt: "Über sein Vermögen (Können) hinaus kann niemand verpflichtet werden." Ich darf also von einem Menschen, egal in welcher Funktion, nicht zu viel erwarten. Ich weiß doch von mir selbst, dass ich Grenzen habe und Fehler mache.
     Trotzdem ist es schön, wenn ich von denen, die an der Regierung sind, nicht sagen muss: "Gute Nacht, Deutschland!" Sie müssen nicht gleich wie das Morgenrot leuchten (Losung). Aber man sollte von ihnen sagen können, was auf dem Grabstein des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt steht: "Man hat sich bemüht." Das ist schon viel.
     Ich wünsche mir diesen Satz nicht für meinen Grabstein. Aber es würde mir gefallen, wenn man einmal so ähnlich von mir dächte. Mehr muss nicht sein. Denn auch ich will und kann für mich nicht in Anspruch nehmen, "Licht der Welt" zu sein (Lehrtext). Es reicht schon, wenn es ein paar Menschen gibt, die mich gern sehen und bei meinem Anblick nicht gleich die Hände vors Gesicht schlagen. Ich möchte gern dazu beitragen, Menschen in meiner näheren Umgebung die Welt ein bisschen heller und freundlicher zu machen statt sie ihnen zu verdüstern. Ob das auch so ist, entscheiden sie.
     Und du, bist du "Licht der Welt"?

Gebet: Herr, wie könnte ich von mir sagen, dass ich Licht der Welt bin? Das bist doch du. Und bestenfalls bin ich in meinen besten Momenten ein Abglanz deines Lichts. Sei du aber auch mein Licht, damit ich meinen Weg in dieser Welt finde, auch in meinen dunklen Zeiten. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 16. April 2019

Lass dir kein schlechtes Gewissen machen! hl

LosungGott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen. Psalm 69,6 

Lehrtext: Erlöse uns von dem Bösen. Matthäus 6,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du Gott gegenüber ein schlechtes Gewissen, wenn du versagt und dich an einem anderen schuldig gemacht hast? Falls ja, warum? Denke darüber bitte einmal genau nach. Warum hast du dann Gott gegenüber ein schlechtes Gewissen? Von wem weißt du das? Hat Er dir das gesagt?
     Im Buch Hiob, im Alten Testament, heißt es dazu: "Schau gen Himmel und sieh; und schau die Wolken an hoch über dir! Sündigst du, was kannst du Gott schaden? Und wenn deine Missetaten viel sind, was kannst du ihm tun? Und wenn du gerecht wärst, was kannst du ihm geben oder was wird er von deinen Händen nehmen? Nur einem Menschen wie dir kann deine Bosheit etwas tun und einem Menschenkind deine Gerechtigkeit." Hiob 35,5-8
     Nein, Gott gegenüber muss ich kein schlechtes Gewissen haben. Einem Menschen gegenüber, den ich schlecht behandelt habe, schon.
     Ist es dann Gott egal wie ich mich verhalte? Das glaube ich nicht. Die Losung hat recht: Ihm ist mein Versagen und meine Schuld nicht verborgen. Und weil er mein Vater ist, der mich liebt, darum schäme ich mich dann vor ihm. Doch Scham ist was Anderes als ein schlechtes Gewissen oder gar Angst. Dann tut mir mein Verhalten leid, weil ich ihn nicht enttäuschen will.
     Seine Reaktion auf meine Schuld ist, dass er mir vergibt und mich „von dem Bösen errettet“, wie es im Lehrtext heißt und wie wir im Vaterunser bitten. Dafür steht Jesus ein mit allem, was er gesagt, getan und erlitten hat. 
     Sein Kreuzestod sagt mir nicht: „Jesus wurde von Gott an meiner Stelle wegen meiner Sünden getötet“. Was für ein kranker Glaube! Sondern: Jesus hielt an Gottes Liebe für mich bis zum bitteren Ende fest. So vergibt er mir, heilt und rettet mich, wenn ich an meinen Mitmenschen und an mir selbst schuldig werde. Das ist mein Verständnis von Karfreitag, auf den wir in dieser Woche zugehen.

Gebet: Liebe und Treue bis in den Tod – das bist du, mein Herr. Du vergibst selbst noch deinen Feinden und lässt dich von meinem Versagen und meiner Schuld nicht von deinem Weg der Barmherzigkeit abbringen. Darauf verlasse ich mich. Dafür danke ich dir. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 15. April 2019

Auf Wiedersehen! hl

LosungBist du nicht der, der uns das Leben wiedergeben kann, dass dein Volk sich deiner freut? Psalm 85,7 

Lehrtext: Jesus spricht: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Johannes 16,22

Liebe Leserin, lieber Leser,

wozu bist du auf der Welt? Damit du dich freust oder damit du leidest? Damit es dir gut geht oder schlecht? Es soll Christen geben, die meinen, die Welt sei eine Prüfung Gottes, in der wir Menschen leiden müssten, damit wir unseren Glauben bewähren. Für mich ist das nicht die "Frohe Botschaft", also das Evangelium Jesu, sondern die Unfrohe Botschaft, das Dysangelium kranker Seelen. Ich glaube doch nicht an Gott, damit er mich in diesem Leben leiden macht, sondern mich immer wieder heilt, mir neue Lebensfreude und neuen Lebensmut schenkt (Losung).
     Jesu Freunde waren traurig, als er ihnen sagte, dass er von ihnen gehen würde, fort aus diesem Leben. Sie waren traurig, weil sie ihn geliebt haben. Aber er wollte sie nicht traurig machen, sondern hat sie mit dem Versprechen getröstet, dass er sie wiedersehen und ihnen damit eine bleibende Freude machen werde.
     Letzte Woche habe ich mich von einer Sterbenden verabschiedet, die einerseits hoffte, dass es bald vorbei sein möchte, andererseits aber doch traurig war, von den Menschen fortgehen zu müssen, die ihr nahe standen. Nach einem abschließenden Gebet und dem Segen habe ich kurz überlegt, mit welchen Worten ich Abschied nehmen wollte. Und dann habe ich mich voll Überzeugung und Gottvertrauen dafür entschieden, "Auf Wiedersehen" zu sagen. 
     Nein, ich weiß nicht wann und wie das geschieht. Aber ich glaube, dass wir uns alle in Gott auf eine Weise wiedersehen werden, die wir jetzt nicht verstehen. Und dann werden wir in ihm auch Jesus wiedersehen. Und dann wird er uns mit Freude erfüllen, die nicht vergeht. Ich muss das nicht wissen. Es genügt mir, wenn ich das glaube.

Gebet: Herr, ich freue mich auf das Osterfest, weil es mich bestärkt, auf dich zu hoffen, in den schweren Zeiten meines Lebens und über mein Ende hinaus. Und wenn wir uns im Gottesdienst mit dem uralten, ewig jungen Wort „Der Herr ist auferstanden!“ grüßen, so stärkt mich das in dem Glauben, dass du mit deiner Liebe stärker bist als die Macht des Bösen und des Todes. Schenke mir und allen, die am Sonntag Ostern feiern, diesen frohen Glauben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Sonntag, 14. April 2019

Was jetzt gilt hl

MontasspruchJesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Matthäus 28,20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie immer, wenn du Bibelworte hörst oder liest, kommt alles darauf an, dass du dich selbst angesprochen fühlst. Zwar ist die Bibel vor ungefähr 3000 Jahren entstanden und vor 1800 Jahren in der heute vorliegenden Form abgeschlossen worden. Aber im Unterschied zu anderen Texten aus dieser Zeit, zum Beispiel zur Ilias und Odyssee von Homer, ist sie kein Buch der Vergangenheit. Sie enthält Gottes lebendiges Wort für dich heute. Ja, für dich. Für wen denn sonst? Und wieder einmal schreibe ich diesen Satz: Was Gott damals zu den Menschen der Bibel gesagt hat, das sagt er auch zu dir heute. Was er damals für sie getan hat, das kann er auch für dich heute tun.
     Manchmal muss man die Bibelworte ein klein wenig „ändern“, damit sie zu uns persönlich zu sprechen beginnen. Und darum lese ich für mich und für dich das Bibelwort für den Monat April, das ich heute auslege, so: »Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei dir alle Tage bis an der Welt Ende.« Und „alle Tage“ heißt alle Tage, ohne Ausnahme. Heißt, er ist bei dir und bei mir in jeder Stunde des Tages und der Nacht, ununterbrochen.
     Das verspricht er und, so glaube ich, dieses Versprechen hält er. Doch oft, zu oft, denke ich im Lauf des Tages nicht daran, dass er in diesem Augenblick bei mir ist. Meistens genügt es ja auch, dass ich diesen Glauben in mir habe und er im Verborgenen wirksam ist, auch wenn ich gerade nicht daran denke. Aber dann gibt es doch Situationen, wo es gut wäre, ich würde mich erst einmal auf Jesus Christus besinnen, bevor ich den Mund aufmache und rede. Bevor ich mich stressen lasse oder gar kopflos werde. Manchmal gelingt mir das. Aber ich wünsche mir, es würde mir öfter oder sogar immer gelingen. Dann würde ich gelassener sein, verständnisvoller, souveräner und würde mir und anderen Menschen manchen Ärger ersparen.
     Hin und wieder bete ich folgendes Gebet vor dem Aufstehen und manchmal auch untertags. Dann bin ich wieder in der Spur und es geht mir gut und anderen mit mir:

Gebet: Herr, schön, dass du jetzt für mich da bist. Immerzu hältst du deine segnende und schützende Hand über mich. Immerzu hüllst du mich in deine Liebe, auch dann, wenn ich mit meinen Gefühlen und Gedanken ganz woanders bin. Doch du schweifst nicht von mir ab. Du siehst auf mich und lenkst unmerklich meinen Schritt. Das zu glauben, darauf zu vertrauen, macht mich ruhig und froh. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Samstag, 13. April 2019

Krieg ist Mord hl

LosungEine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm. Sprüche 15,1 

Lehrtext: Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Matthäus 5,9 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Losung heute versteht sich von selbst. Sie muss nicht extra ausgelegt werden. Man findet sie im Buch der Sprüche Salomonis auch „Buch Kohelet“ genannt, einer Sprichwortsammlung im Alten Testament, aus der auch das eine oder andere deutsche Sprichwort stammt. Wir würden die Losung heute wohl so formulieren: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“
     Genau das passt auch zur Aufgabe der Kinder Gottes, Frieden zu stiften 
(Lehrtext). In der Regel ist jemand, von dem man sagt, er sei ein Feind, ursprünglich gar kein Feind. In der Regel macht man den anderen dazu, indem man ihn zu einem solchen erklärt und sich von ihm ein Feindbild malt. Dann ist es kein Wunder, dass er sich tatsächlich feindselig verhält.
     Das gilt im persönlichen Bereich genauso wie in der Politik. Wer Frieden will, muss darauf verzichten, Öl ins Feuer zu gießen. Aus diesem Grund lehne ich die Feindrhetorik der NATO, der Amerikaner und leider auch unserer eigenen, willfährigen Regierung strikt ab. Da wird Russland wieder zum Feind erklärt wie schon so oft in den letzten 200 Jahren. Und warum? Vielleicht weil man mit Aufrüstung Geschäfte machen will, oder weil man einfach einen Außenfeind braucht, um die Reihe nach innen fest zu schließen und Gefolgschaft verlangen zu können.
     Unsere ehemaligen Politiker, die den kalten Krieg erlebt hatten und dann auch die Wiedervereinigung, hatten sich danach strikt gegen eine neue Verteufelung Russlands gewandt egal ob es sich um die ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, CDU, Helmut Schmidt oder Willy Brandt, SPD, und ihre jeweiligen Minister wie zum Beispiel Hans-Dietrich Genscher, FDP, gehandelt hat. Aber man hat nicht mehr auf sie gehört.
     Auch, was ich jetzt noch sage, wird vermutlich von den meisten Leserinnen und Lesern nicht geteilt. Aber das ist nun mal meine Überzeugung:
     "Selig sind, die Frieden stiften", heißt es im Lehrtext. Übersetzt man dieses Wort Jesu in sein lateinisches Fremdwort, dann heißt es: "Selig sind die Pazifisten". Aus meiner Sicht gibt es mindestens drei Gründe, Pazifist zu sein:
     Erstens der Glaubensgrund, weil Jesus selbst das sagt.
     Zweitens Vernunft- und Verstandesgründe. Nicht umsonst war das größte wissenschaftliche Genie, Albert Einstein, überzeugter Pazifist und hat darunter gelitten, dass er sich nicht entschiedener gegen den Bau der amerikanischen Atombombe gewandt hatte.
     Drittens bringt mich die geschichtliche Erfahrung dazu, Pazifist zu sein: Weit über 100 Millionen Kriegstote im letzten Jahrhundert, darunter Millionen Kinder, die auf grausamste Weise hingemordet worden sind. Ja, Krieg ist Mord. Jeder Krieg. Wer sich daran beteiligt, macht sich schuldig und hat versagt.
     Die deutschen Soldaten hatte man damals auch belogen, sie würden für Volk und Vaterland in den Krieg ziehen. Folgsam haben sich Millionen abschlachten lassen. Wofür? Man hatte sie nur zu Komplizen des nationalsozialistischen Raub- und Rassenkrieges gemacht. Danach waren sich in unserem Land für kurze Zeit alle einig: "Nie wieder!" Und jetzt? Jetzt heult man in Politik und Medien rum, dass die Waffen und Geräte der Bundeswehr nichts taugen und fordert weitere Milliarden für die Rüstung, statt beispielsweise Polizisten,  Pflegekräfte und Erzieherinnen besser zu bezahlen. Mit Verlaub, es ist zum Kotzen.

Gebet: Herr, meine Kraft ist klein, etwas gegen Militarismus und drohende Kriegsgefahr zu tun. Doch du willst von mir, dass ich nicht nur andere kritisiere, sondern selbst friedfertig bin und niemand, auch nicht mit Worten, verletze. So will ich in meinem Umfeld selbst das leben, was ich von anderen fordere, auf Feindseligkeit verzichten, auf Drohungen und Strafaktionen. Gib mir die Kraft, dir nachzufolgen und meine Feinde zu lieben. Gib mir die Kraft zur Versöhnung und Verständigung. So will ich im Kleinen einen Beitrag für das Große leisten. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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