Dienstag, 22. August 2023

Tragekraft hl

Losung: Der HERR, euer Gott, versucht euch, um zu erfahren, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieb habt. 5.Mose 13,4 

Lehrtext: Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt. 1.Korinther 10,13

 

Liebe Leserin, lieber Leser,                                                    

das Leben ist kein Honigschlecken, sondern eine ständige Herausforderung. In manchen Zeiten ist es eine Lust zu leben. Dann wiederum nehmen die Lasten zu und werden drückend. Manchmal schwebst du durchs Leben. Manchmal kriechst du. Das sind Erfahrungen, die wohl jeder macht. Eigentlich sind sie nicht der Rede wert. Es ist eben so. Aber entscheidend ist, wie ich damit umgehe. Und da hilft mir der Glaube.

Gott versucht niemanden (Martin Luther, Kleiner Katechismus)

Mit dem Gottesbild, das in der heutigen Losung steht, kann ich nichts anfangen. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Anders mit dem Lehrtext. Da steht Gottes Treue im Mittelpunkt. Auch hier schwingt noch der Gedanke der Versuchung mit, den ich für meinen Glauben ablehne. Doch geht es um das Ende der Versuchung, sodass Menschen nicht mehr darunter zerbrechen, sondern ihr Leid und ihre Lasten ertragen können.

Aber stimmt das? Können wir beide nicht manche Beispiele nennen, in denen Menschen unter ihren Lasten zerbrochen sind, weil ihre Kraft nicht mehr reichte? Vielleicht warst auch du schon mal in der Situation, dass du gedacht hast, jetzt geht es nicht mehr, jetzt bin ich am Ende. Und dann ging es für dich doch weiter und für mich ebenso. Deshalb will ich nicht die negativen Beispiele bei anderen suchen, sondern will bei mir und meinem Glauben bleiben und sagen:

Das hoffe ich

Ja, das hoffe ich, dass ich immer wieder so viel Kraft bekomme, dass ich auch das Schwere in meinem Leben tragen kann. Und ich hoffe das deshalb, weil Jesus mir hilft, meine Last zu tragen, weil er mich zu sich ruft und mir zusagt, dass er es mir leichter machen will: »Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben.« Matthäus 11,28+29 

Gebet: Herr, ich danke dir, wenn ich im Großen und Ganzen zurechtkomme. Ich freue mich und preise dich, wenn ich ab und zu beglückende Momente erlebe. Ich sage dir aber auch, was mir zu schaffen macht, was meine Seele bedrückt und meinen Körper belastet, mit einem Wort, was mir wehtut. Du wirst mir tragen helfen und mir so viel Kraft geben, dass ich auch heute wieder durch den Tag komme. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärk. Sten wachsen lässt. 

Montag, 21. August 2023

Das große Geheimnis hl

Losung: Ich will ihnen ein Herz geben, dass sie mich erkennen sollen, dass ich der HERR bin. Jeremia 24,7 

Lehrtext: Paulus schreibt: Betet für uns, auf dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir vom Geheimnis Christi reden können. Kolosser 4,3

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Gott erkennen – die Menschen der Bibel glaubten noch, dass sie Gott erkennen könnten wie er ist. Sie stellten ihn sich als menschenähnliches Wesen vor nach dem Satz »Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde; zum Bilde Gottes schuf er ihn." (1. Mose 1,27). Heute wissen wir, dass es umgekehrt war. Die Menschen schufen sich Gott nach ihrem Bilde, weil sie ihn sich anders nicht vorstellen konnten. Falsch war das trotzdem nicht, weil man sich auch heute den Gott der Bibel nicht anders vorstellen kann als ein persönliches Wesen, das den Menschen anspricht und auf menschliche Weise mit ihm umgeht, als „Vater“ wie Jesus sagt.

Gott stellt sich selbst vor

Wer, wie und was Gott an und für sich ist, kann sich sowieso niemand vorstellen, weder jetzt noch in Zukunft. Dazu ist unser Gehirn heillos überfordert. Du kannst nur in Demut zu ihm beten und von ihm reden. Demgegenüber hat Gott sich uns in dem Menschen Jesus bekannt gemacht. In ihm will er erkannt und geliebt werden. In ihm will er unser Vertrauen gewinnen und den Glauben wecken. In ihm stellt er sich uns vor.

 "Gott ist das Geheimnis Christi", heißt es im Lehrtext. Für mich ist es der wichtigste Satz der Gotteserkenntnis. Wie könnte ich auch ohne und außer Jesus Christus zutreffend von ihm reden? Ja, Jesus ist das Geheimnis Gottes. In ihm allein und nur in ihm begegnet mir mein Schöpfer, in dem ich geboren wurde, lebe, sterbe und bleibe. Diesem Gott vertraue ich mein Leben an. In seine Hand hat er meinen Namen geschrieben. In seiner Hand steht meine Zeit. Mit seiner Hand, segnet, behütet und rettet er mich – und dich. 

Gebet: Herr, ich danke dir, dass ich nicht wie mit der Stange im Nebel herumstochern muss, wenn ich zu dir bete und von dir rede. Ich habe Jesus vor Augen, den Freund der Kinder, den Freund der Bedeutungslosen, den Freund der Ohnmächtigen und derer, die scheitern und versagen. Du bist der Menschenfreund und darum auch mein Freund. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

P.S. Für alle die noch ein paar zusätzliche Gedanken lesen möchten:

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als menschlich von Gott zu reden, im Rahmen, dessen, was ich hier auf der Erde erkennen und verstehen kann. Aber zugleich will ich mir bewusst sein, dass ich immer nur in Bildern und Gleichnissen von Gott reden kann, weil ich ihm nur so gerecht werde. Von Gott kann man nicht berichten, wie man von Ereignissen in unserer Welt und Zeit berichtet. Von ihm kann man nur erzählen, von ihm, der letztlich unsagbar bleibt, nicht zu fassen ist mit unserem menschlichen Geist. Er ist und bleibt das große Geheimnis dieser Welt und meines Lebens. Er ist und bleibt das Geheimnis Jesu Christi, in dem seine Liebe aufscheint und Licht in diese dunkle Welt bringt.

Alles, was in der Bibel von Jesus gesagt wird, besonders in den Briefen des Paulus und anderer, ist der respektable Versuch, möglichst zutreffend von dem Geheimnis Jesu Christi und damit von Gott zu reden. Doch da es menschliche Versuche sind, bleiben sie unzulänglich. Da verbietet es sich, dass wir fundamentalistisch und fanatisch von Gott reden, so als hätten wir ihn in der Hosentasche, als wüssten wir alles über ihn und könnten mit unserem winzigen Gehirn den unermesslichen Schöpfer aller Dinge fassen und erklären. Ich rede nicht von ihm, weil ich so viel wüsste, sondern weil ich sein Wirken und seine Nähe in meinem Leben immer wieder gespürt habe und spüre. Und weil ich die verschiedenen Ereignisse, die ich erfahre, mit ihm zusammenbringen, die guten wie die schlimmen. So bleibe ich mit ihm in Beziehung. Letztlich ist mein Glaube und alles, was ich von Gott erfahre und weitergeben kann, sein Geschenk (Losung).

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Sonntag, 20. August 2023

Nachtspaziergang hl

Losung: Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. 1.Mose 1,3

 

Lehrtext: Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Epheser 5,9

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

Licht ist göttlich. Am späten Freitagabend bin ich wieder in meinem geliebten Wiesengrund spazieren gegangen. Niemand war mehr unterwegs. Es wurde immer stiller. Im Westen verabschiedete sich der Tag mit einem letzten hellen Streifen am Himmel. Ich tauchte ein in die sternenklare Nacht. In den Wiesen war ich weit weg von künstlichen Lichtquellen. Der Mond war noch nicht aufgegangen. So konnte ich über mir die Himmelslichter sehen, Sterne und Sternbilder und das sanft schimmernde Band der Milchstraße. Den Feldweg unter mir konnte ich im schwachen Licht nur ahnen. Wie wohl tat mir dieser Spaziergang in der Sommernacht! Die Sterne funkelten wie Diamanten auf schwarzem Samt. Ich fühlte mich reich beschenkt. Das Herz ging mir auf und meine Seele wurde dankbar und weit.

Das weiß ich

Ich bin einigermaßen orientiert, wie das Universum mit seinen zahllosen Sonnensternen und Planeten entstanden ist. Ich weiß, dass die kleinen Lichtpunkte am Himmel unvorstellbar große und unvorstellbar weit entfernte, glühende Gasbälle wie die Sonne sind. In ihnen verschmelzen Atome, strahlen Energie ab und erzeugen die Element, aus denen ich bestehe und alles, was es sonst gibt. Das ist das eine.

Das fühle ich

Das andere aber ist, was meine Sinne wahrnehmen und meine Augen sehen. Und das mutet mich ganz anders an, als was ich weiß. Mir kam bei dem nächtlichen Spaziergang das Kinderlied in den Sinn „Weißt du wie viel Sternlein stehen“. Meine Mutter hat es mir in meinem Kinderbett oft vorgesungen und ich wieder meinen Kindern. Und oft habe ich es bei den Taufen singen lassen, die ich mit den jungen Familien gefeiert habe. Und manchmal habe ich dazu gesagt: „In diesem Lied singen wir den vielleicht schönsten Satz unseres Glaubens: »Gott im Himmel hat an allen / seine Lust, sein Wohlgefallen. / Kennt auch dich und hat dich lieb.«

Das war es, woran mich die Sterne erinnert haben. Sie haben mir von unserem gemeinsamen Schöpfer erzählt, der das Licht am Himmel geschaffen hat und uns Menschen und in uns das Licht des Glaubens und der Hoffnung. 

Gebet: Herr, wie wunderbar bist du. Wie wunderbar ist, was du tust! Mehr noch als mein Kopf erkennt das meine Seele. Lass meine Augen dein Licht sehen und das Licht des Glaubens und der Hoffnung in mir leuchten. Du bist mein gütiger Gott. Das zeigst du mir in Jesus Christus, dem Licht der Welt. So will auch ich in seinem Licht gütig sein (Lehrtext). Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt.  

Samstag, 19. August 2023

Wahrhaftig hl

Losung: Du, HERR, du kennst mich, du siehst mich und prüfst, ob mein Herz bei dir ist. Jeremia 12,3 

Lehrtext: Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus. Epheser 4,15

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

 

wahrhaftig sein, das wünsche ich mir von mir und auch von meinen Mitmenschen. Wie wohltuend ist es, wenn man von jemandem den Eindruck hat, dass er wahrhaftig, ehrlich und arglos ist. Nur hat eben ausnahmslos jeder Mensch immer auch eigene Interessen, die ihm helfen, in der Gemeinschaft mit anderen zurechtzukommen. Sie gehören zu den kleinen Schwächen, auf die man hoffentlich Rücksicht nimmt, statt ihn deswegen ständig zu kritisieren. Schließlich hat jeder seine blinden Flecken, die verhindern, dass er sich so sehen kann wie andere ihn sehen. Und oft sind es ja gerade jene kleinen Schwächen, die den anderen liebenswert machen. 


Ein guter Rat


Jedenfalls ist es kein Zeichen von Wahrheitsliebe, wenn man brutal offen ist und dem anderen jede Wahrheit wie einen nassen Lappen um die Ohren schlägt. Und darum ist das durchaus ein guter Rat, den mir mal mein Schwiegervater gegeben hatte: »Man soll nicht alles sagen, was wahr ist; aber was man sagt, soll wahr sein.« Das heißt für mich "wahrhaftig sein in der Liebe" (Lehrtext) statt in der Gnadenlosigkeit.


Das schwarze Buch


Gut, dass Gott mir manch negatives Gefühl und manch problematischen Gedanken durchgehen lässt, statt alles in ein schwarzes Buch zu schreiben, um irgendwann mit mir abzurechnen. In meinem Kindergarten gab es so ein schwarzes Buch, aus dem dann am 11. November, am Martinstag, der "Pelzmärtel" (die evangelische Version des Nikolaus) vorgelesen hat. Meist blieb es bei einer strengen Ermahnung, aber die kleine Kinderseele hat sich trotzdem schrecklich gefürchtet. Übrigens muss es auch ein goldenes Buch gegeben haben. Aber ich kann mich nicht erinnern, ob daraus jemals etwas zu meinen Gunsten vorgelesen wurde.

 

Gebet:

HERR, du erforschest mich und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Amen (aus Psalm 139)

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 18. August 2023

So wäre das Glück vollkommen hl

Losung: Wohl denen, die sich an seine Zeugnisse halten, die ihn von ganzem Herzen suchen. Psalm 119,2 

Lehrtext: Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich. Matthäus 5,19

 

Liebe Leserin, lieber Leser,  

in der Überlieferung des Evangelisten Matthäus sagt Jesus zu Beginn der Bergpredigt: »Meint nur nicht, ich sei gekommen, das Gesetz und die Worte der Propheten aufzuheben. Nein, ich will sie nicht aufheben, sondern voll zur Geltung bringen!.« Und im übernächsten Vers sagt er, was im heutigen Lehrtext steht: »Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich«.

Na immerhin wird dieser Mensch weder verflucht noch verdammt, sondern ist ebenfalls im Himmelreich, also bei Gott. Nun könnte man meinen, dass Jesus die strikte Einhaltung sämtlicher mosaischer Gebote aus dem Alten Testament einfordert. Und manche Christen haben das auch so gesehen.

Liebe erfüllt alles, was Gott will

Aber da gibt es noch ein anderes Wort von ihm, von dem her seine Äußerungen in der Bergpredigt gelesen und verstanden werden können. So heißt es im Evangelium des Matthäus im Kapitel 23,37-40: »Du sollst lieben, Gott deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt (5. Mose 6,5). Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (4. Mose 19,18). In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.« Somit ist das ganze mosaische Gesetz erfüllt, wenn ein Mensch diese beiden Gebote beachtet.

Allein damit habe ich ein Leben lang zu tun. Aber Gott und die Menschen, sogar die Feinde zu lieben – ist das eine Last oder eine Freude? Ist Liebe eine Pflicht oder Neigung? Und gibt es denn daneben noch viele andere Dinge, die ähnlich wunderbar und erfüllend sind, wie zu lieben? 

Vom Glück der Liebe

Ich denke dabei an die Verszeile von Goethe, die er am Schluss seines Gedichtes „Willkommen und Abschied“ (1789) schreibt: »Und doch, welch Glück, geliebt zu werden! Und lieben, Götter, welch ein Glück!«

Ja, das ist ein Liebesgedicht für eine Frau. Ich mache da, was das Glück zu lieben betrifft, keinen Unterschied.

Gebet: Herr, ich weiß nicht, was andere Religionen von ihren Anhängern alles verlangen. Aber ich weiß, was du von mir verlangst, und das ist alles in allem nur das Eine, dass ich dich und meine Mitmenschen liebe. Wenn mir das durchgehend gelänge, wäre mein Glück vollkommen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 17. August 2023

Herrschen und dienen hl

Losung: Gideon sprach: Ich will nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein. Richter 8,23 

Lehrtext: Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Matthäus 23,11

 

Liebe Leserin, lieber Leser,  

Menschen können mit Gewalt über mich herrschen. Sie können mich zwingen, dies oder das zu tun oder zu lassen. Doch eines dürfen sie nicht: mein Inneres beherrschen. Sie versuchen das auf alle mögliche Weise. Besonders geschickt ist die Werbung. Aber solange es geht und ich kann, will ich mich dagegen zur Wehr setzen. Das ist schwer, weil ich das oft gar nicht sofort merke. Nur zwei Wesen gestehe ich freiwillig zu, mich zu beherrschen: Gott und meinem Ich. Er soll und ich will mich beherrschen.

Was uns Menschen möglich gemacht hat

Das Evangelium sagt, dass Gott so über mich herrscht, dass er mir in Jesus dient. Die Bibel erzählt in der Schöpfungsgeschichte, dass Gott Sonne, Erde, Mond und Sterne aufgeboten hat, damit es den Menschen, damit es dich und mich geben kann. Die Entwicklungsgeschichte (Evolution) aller Dinge berichtet, dass es uns nicht gäbe ohne das Universum, das vor 13,82 Milliarden Jahren entstanden ist. Von damals bis heute müssen alle Entwicklungsschritte auf das Allerfeinste aufeinander abgestimmt gewesen sein, damit auf dem Planeten Erde Leben möglich wurde und auch wir entstehen konnten. Man kann das feststellen. Man kann das beweisen. Begreifen kann das niemand. Mit alledem dient mir Gott.

Doch vor allem dient er mir mit seiner Liebe, indem er barmherzig zu mir ist, mir hilft und vergibt. Er gibt mir mit der Bibel sein Wort, damit ich mich orientieren, glauben, lieben und hoffen kann.

Nicht andere, sondern sich selbst beherrschen

Und nun bin ich dran. Ich kann ihm und meinen Mitmenschen dienen, indem ich mich beherrsche. Indem ich mir nicht alles durchgehen lasse, meine Gefühle und meine Zunge im Zaum halte und erst mal höre, statt herauszuplatzen.

Dienstleister statt Herrscher

In der Kirche und in der Demokratie darf es keine Herrscher geben. Da sind alle Funktionsträger vom Bundespräsidenten bis zum Müllmann Dienstleister. Das gilt auch für Ärzte, Lehrer, Richter, Polizisten, Sachbearbeiter, Bischöfe und Pfarrer ob Männer oder Frauen. Dafür werden sie von unseren Steuern bezahlt. Manchmal muss man den einen oder auch die andere daran erinnern, dass es so ist. Die Macht, die sie zum Ausüben ihrer Funktion benötigen, hat ihnen das Volk auf Zeit geliehen. Sie gehört ihnen nicht. Sie müssen verantwortlich damit umgehen und dürfen sie nicht missbrauchen.

Gebet: Herr, nur du allein bist Herrscher und König. Nur du allein bist Gott. So wie du dich in Jesus Christus zeigst, bist du der Vater, der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde, dein und mein Gott in Zeit und Ewigkeit. Das macht mich frei von allen menschlichen Herrschaftsansprüchen. Das macht mich frei, meinen Mitmenschen mit deiner Liebe zu dienen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 16. August 2023

Auf Zeit hl

Losung: Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibet nicht. 1.Chronik 29,15 

Lehrtext: Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. 2.Korinther 4,16

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 


vor Gott bin ich ein „Fremdling und Gast“ auf dieser Erde und bleibe nicht (Losung). Ich werde wieder gehen, er nicht. Ich bin ihm hier willkommen -  auf Zeit. Er hat mich eingeladen und gibt mir, was ich zum Leben brauche. Er bereitet vor mir einen Tisch und schenkt mir voll ein. Nach mir aber kommen andere, die zum Leben benötigen, was ich jetzt habe. Auch sie auf Zeit.


Die Erde ist des Herrn. 

Geliehen ist der Stern, 

auf dem ich lebe.


Alles ist geliehen, mein ganzer Besitz, meine Kindheit, meine Jugend, meine guten Jahre, meine Gesundheit, mein Alter. Ich sehe es jeden Tag im Spiegel am Verfall meiner „äußeren Gestalt“ (Lehrtext). 

Alles habe ich auf Zeit: was mich ausgemacht hat und ausmacht, insbesondere die Menschen, mit denen ich zusammenlebe und die mir am Herzen liegen. Aber ebenso diese Welt. Nichts bleibt. Alles ist flüchtig wie der Schatten (Losung). Nichts gehört mir wirklich. Alles ist geliehen. Alles, woran ich hänge. Alles, was ich liebe. Auch mein Leben. Alles. 

Wie bin ich bisher damit umgegangen? In welchem Zustand werde ich es dem Eigentümer zurückgeben? Früher oder später muss ich es wieder loslassen. Nur Gott ist mir nicht geliehen. Er bleibt mir und ich ihm.


Gebet: Herr, ich freue mich über das, was ich bin und habe. Ich weiß aber auch, dass ich es wieder hergeben muss. Einmal werde ich von dieser Erde wieder gehen. Doch du bleibst mir. Ich will nicht klagen über das, was ich wieder verliere, sondern dir danken, dass ich es gehabt habe. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 15. August 2023

Gottes geliebter Feind hl

Losung: Wenn eines Menschen Wege dem HERRN wohlgefallen, so lässt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen. Sprüche 16,7 

Lehrtext: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matthäus 5,44-45


Unter allen Geboten der Bibel ist das wichtigste, seine Feinde zu lieben. Wer das kann, dessen Liebe ist vollkommen. Der liebt wie Jesus geliebt hat. In dem wirkt Gottes Liebe.

Es wäre schön, liebe Leserin, lieber Leser,

wenn wir beide uns in diesem Glauben einig wären.

Jesus sagt bewusst nicht „Fürchtet eure Feinde!“. Er sagt auch nicht „Schadet ihnen!“ Er sagt ganz bewusst „Tut denen Gutes, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen.“ Mit einem Wort: „Liebt sie!“ Lies dazu bitte auch Lukas 6,27-37.


Was Gott selbst tut


Warum dieses Gebot so wichtig ist? Weil es das ist, was Gott selbst tut. Weil es das ist, was er in Jesus zeigt, wofür er am Kreuz gestorben ist. Und weshalb wir ihm ohne Vorbehalte, Zweifel und Furcht vertrauen können. Denn wenn Gott seine Feinde liebt, was sollte es dann noch geben können, das uns von seiner Liebe trennen kann? Nicht nur äußere Dinge, von denen Paulus in Römer 8,38-39 schreibt, sondern auch mein Inneres, meine Zweifel, mein Unglaube, mein Versagen, meine Schuld – nichts, aber auch gar nichts, was mich zu einem Feind Gottes macht, kann mich von seiner Liebe scheiden. 

Er liebt seine Feinde. Das macht mich zu seinem Freund. Mehr noch, zu seinem Kind.


Wie sich verhalten?


Und du? Und ich? Jetzt kommt’s zum Schwur. Wie verhalten wir uns gegenüber unseren tatsächlichen oder angeblichen Feinden? So wie unsere Regierung und die Medien?: 

Fürchten wir uns? 

Sind wir empört? 

Wollen wir sie bestrafen (sanktionieren)? 

Wollen wir sie ruinieren? 

Wollen wir sie bekämpfen (lassen) mit immer mehr und immer schrecklicheren Waffen? 

Wollen wir auf unseren Bedingungen beharren und den Krieg solange fortsetzen, bis sie erfüllt sind?

Wollen wir dabei den Tod und das Leid von immer mehr Menschen in Kauf nehmen und wissen wir wirklich wofür? 

Wollen wir Friedensverhandlungen ablehnen und somit auch Kompromisse? 

Wollen wir den Hass schüren, 

- indem wir die Feinde verteufeln, 

- indem wir uns für die allein Guten halten und sie für die Bösen, 

- indem wir ständig Gründe und Ausflüchte suchen, warum wir sie fürchten und bekämpfen müssen, 

- indem wir mit Steinen werfen, obwohl wir im Glashaus sitzen,

- indem wir es auf das Äußerste ankommen lassen? 

Müssen wir uns dann nicht am ehesten vor uns selbst fürchten?


Was ist mein Anteil?


Wer Feinde hat, muss sich fragen, warum? 

Was ist mein Anteil an dieser Feindschaft? 

Bin ich wirklich gänzlich unschuldig, oder will ich das lieber nicht so genau wissen? 

Habe ich etwas versäumt? 

Habe ich meinen Feind provoziert? 

Gedemütigt? 

Bloßgestellt? 

Habe ich seine Interessen ignoriert? 

Hätte ich mich anders verhalten können und sollen? 

Was kann ich beitragen, was vermeiden, damit der Konflikt nicht eskaliert? 

Habe ich versucht, in die Schuhe meines Feindes zu schlüpfen und das Problem aus seiner Sicht zu sehen?

Ist der andere wirklich mein Feind, behandelt er mich entsprechend oder übernehme ich nur das Feindbild anderer?

Werde ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht und lebe ich auch selbst meine Werte, nach denen ich ihn beurteile?


Keine Steinzeit in Herz und Hirn


„Liebt eure Feinde!“ - drei Wörter, die der Menschheit so viel Leid ersparen könnten. Kriegen wir denn die Steinzeit nie aus Herz und Hirn? Gewalt ist keine Lösung. „Liebt eure Feinde!" Ich weiß selbst, wie schwer das ist. Ich weiß selbst, wie oft ich daran scheitere. Doch das darf kein Gegenargument sein. Vielmehr glaube ich, wenn es mir gelingt, Gott wirklich von ganzem Herzen zu lieben, dass ich dann auch die Kraft bekomme, meine Feinde zu lieben. Ich will versuchen, wenigstens persönlich mit niemand verfeindet zu sein. Ich will versuchen, so gut ich kann Christ zu sein, weil mir das wichtigste Gebot Jesu nicht  egal ist: „Liebt eure Feinde!“


Gebet: Herr, der Einzige, der uns vor uns selbst retten kann, bist du. Ich vertraue dir, dass du es tust. Eine andere Hoffnung habe ich nicht. Gib uns deinen Frieden. Entfeinde unser Herz und fange bei mir damit an. Amen

Herzliche Grüße,

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