Samstag, 21. November 2020

Liebe und Lebenswirklichkeit hl

Losung: Gott, deine Güte ist besser als Leben. Psalm 63,4 

Lehrtext: Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1. Johannes 4,16 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

»Gott ist Liebe« – gäbe es ein Grundgesetz des Glaubens, wäre das wohl der Artikel 1. Was sollte Gott auch sonst sein. Nun, wem im Leben so richtig übel mitgespielt worden ist, sieht das vielleicht anders. Vielleicht würde ich es an seiner Stelle auch anders sehen. Aber Gott sei Dank kann ich mich nach wie vor zu diesem Satz bekennen: »Gott ist Liebe«.

     Schwieriger ist es schon mit dem darauf folgenden Satz im Lehrtext: »Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.« Ja, das möchte ich schon auch. Aber ich kann das nicht immer. Ich kann nicht jeden Menschen in Vergangenheit und Gegenwart lieben. Erst gestern habe ich in der Losungsauslegung von den „Finsterlingen“ geschrieben. Sie zu lieben, übersteigt meinen Glauben, meinen Verstand und meine Kraft. Das konnte und kann nur Jesus Christus, in dem Gottes Liebe bis zum letzten Atemzug geblieben ist.

     Der Verfasser des ersten Johannesbriefs hatte wunderbare Glaubenseinsichten und hat sie in wunderbaren Sätzen formuliert wie im heutigen Lehrtext. Aber dann greift er im selben dritten Kapitel doch wieder kräftig daneben, wenn er schreibt: »Wer in Gott bleibt, der sündigt nicht; wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen noch erkannt.« Und noch drastischer: »Wer Sünde tut, der ist vom Teufel« (1. Joh 3,8a).

     Für mich geht das an der Lebenswirklichkeit komplett vorbei, auch an der Lebenswirklichkeit dessen, der das geschrieben hat. Und darum sagt Martin Luther: »Der Mensch ist gerecht und Sünder zugleich«. Daran ändert auch nicht die Beichte und auch nicht die Vergebung, die dem zugesprochen wird, der seine Sünden bekennt. Ich komme als Sünder zur Beichte und gehe als Sünder wieder davon. Ich komme als der, der Gott recht ist (den er gerecht gemacht hat) zur Beichte, und gehe als der, der ihm recht ist wieder davon.

     „Wie oft soll ich meinem Bruder oder meiner Schwester vergeben?“, wird Jesus gefragt. Und er antwortet: „Nicht siebenmal, sondern 7 × 70 mal“, was so viel bedeutet wie immer. Ich bin ein Mensch, der auf Gottes Vergebung und die seiner Mitmenschen angewiesen bleibt. Und gerade deshalb, bleibe ich auch in seiner Liebe. Nicht, weil ich die übermenschliche Kraft hätte, nicht mehr zu sündigen, sondern weil Gott weiß, dass ich gerade als der, der immer wieder versagt, seine Liebe brauche. Das ist seine Güte, von der ich lebe (Losung).        

Gebet: Herr, ich kann nicht aus eigener Kraft in der Liebe bleiben. Aber gerade deshalb bleibst du in mir. Denn nur so heilst du mich und vergibst mir. Doch ich bitte dich, dass du mir immer wieder von deiner Kraft gibst, damit ich auch die lieben kann, mit denen ich Probleme habe. Amen 

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr 

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