Dienstag, 9. April 2019

Ob es weiterhin Kirche geben wird? hl

Losung: So spricht der Herr: Ich will mich selbst als Wache um mein Haus lagern. Sacharja 9,8 

Lehrtext: Jesus spricht zu Petrus: Die Pforten der Hölle sollen meine Gemeinde nicht überwältigen. Matthäus 16,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

muss man sich um die Kirche Sorgen machen?
     Viele, die in der Kirche Verantwortung tragen, machen sich Gedanken, was man heute tun muss, damit es Kirche morgen noch gibt. Ich selbst habe früher in einem solchen Projekt mitgearbeitet, in dem es um die Zukunftsfähigkeit von Kirche gegangen ist. Alle paar Jahre werden von der Kirchenleitung neue Programme ins Leben gerufen, mit denen dem wachsenden Desinteresse und den unvermindert anhaltenden Kirchenaustritten begegnet werden soll. Doch die Erfolge sind bescheiden. 
     Ein Problem der Kirche sehe ich darin, dass sie in ihrem Traditionalismus gefangen ist, in kunsthistorisch interessanten, aber für einen zeitgemäßen Glauben untauglichen Gebäuden. In veralteten Ritualen, Bräuchen und Formen. Und in einer Art der Verkündigung, die immer weniger anspricht, weil sie einem rückständigen Welt- und Gottesbild verpflichtet ist.
     Doch ich will mir um die Kirche keine Sorgen mehr machen. Wäre sie eine staatliche Behörde oder ein Wirtschaftsunternehmen, dann schon. Dann wäre es sinnvoll, zu überlegen, was man machen muss, um solche Einrichtungen auf Vordermann zu bringen. Aber die Kirche?
     Ob es diese Institution weiterhin geben soll, ist zweitrangig. Erstrangig aber ist, dass es Menschen gibt, die im Namen Jesu zusammenkommen, die gemeinsam auf Gottes Wort aus der Bibel hören, es neu verstehen und sich daran orientieren wollen. Die gemeinsam beten und singen und kompromisslos auf den barmherzigen Gott vertrauen. Die sich von ihm lieben lassen und ihn wieder lieben und seine Liebe an andere weitergeben. Die glauben, dass er ihnen in Jesus begegnet, in seinen Worten und Taten, in seinem Sterben und Auferstehen.
     Ob das viele sind, die eine solche Glaubensgemeinschaft, eine solche Gemeinde bilden oder nicht, ist zweitrangig. Jesus zufolge genügen zwei oder drei, die in seinem Namen zusammenkommen, damit er mitten unter ihnen ist. Ob es Kirchengebäude gibt, ist zweitrangig. Ob es Bischöfe, Pfarrer und Diakone – Männer wie Frauen – gibt, ist zweitrangig. Ob es Kirchengesetze und kirchliche Behörden gibt, ob Kirchensteuern und Mitgliederlisten – das alles ist zweitrangig. Ob es eine katholische und eine evangelische Konfession gibt, ist zweitrangig.
     Das Versprechen Gottes in der Losung, seine Gemeinde zu schützen und die Zusage Jesu, dass selbst die Macht des Todes (Hölle) ihr nichts anhaben kann, gilt nicht dem, was ich soeben aufgezählt habe. Versprechen und Zusage gelten denen, die dem dreieinigen Gott vertrauen und versuchen, sein Liebesgebot zu erfüllen. Ihre Zahl spielt dabei keine Rolle. Ihr Geld und ihre Macht auch nicht. 
     Ob es in Zukunft noch Kirche geben wird und in welcher Form, ist Gottes Sache. »Denn«, so schreibt Martin Luther, »wir sind es doch nicht, die da könnten die Kirche erhalten; unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen; unsere Nachkommen werden‘s auch nicht sein; sondern der ist's gewest, ist's noch, wird‘s sein, der da spricht: „Ich bin bei euch bis an der Welt Ende“.«

Gebet: Herr, du Schöpfer des Universums, du lächelst über unsere menschlichen Versuche, den Glauben zu organisieren. Als ob es darauf ankäme, dass ein Mensch dem anderen Vorschriften im Glauben machen dürfte. Als ob es darauf ankäme, in deiner Gemeinde Macht auszuüben und Besitz anzuhäufen. Alles, was du von uns willst, sind nur zwei Dinge: Liebe und Gottvertrauen. Was dem dient, wirst du erhalten. Was dem im Weg steht, wirst du untergehen lassen. Schenke uns deine Liebe und stärke uns im Vertrauen auf dich. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Montag, 8. April 2019

Aus Gold und Smaragden hl

Losung: Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen. Psalm 130,6 

Lehrtext: Meine Lieben, baut euer Leben auf eurem allerheiligsten Glauben und betet im Heiligen Geist, und bewahrt euch in der Liebe Gottes und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus. Judas 1,20-21 

Liebe Leserin, lieber Leser,

vermutlich bist du schon einmal nachts wach gelegen und hast darauf gewartet, dass es doch endlich Tag werden möchte. Dann weißt du auch, dass in solchen Augenblicken die Zeit, die sonst so rasch verrinnt, im Schneckentempo vergeht.
     So geht es auch Menschen, die für andere wachen, sei es an einem Krankenbett oder, wie zur Zeit des Alten Testaments, auf den Mauern der Stadt Jerusalem. Nacht für Nacht spähten die Wächter in die Dunkelheit, ob sie nicht vielleicht irgendetwas Verdächtiges bemerkten. Ich kann mir vorstellen, wie sie sich jedes Mal von neuem freuten, wenn es hinter dem Ölberg endlich dämmerte, der Himmel erst grau wurde, dann rosa und schließlich blau. Wenn endlich die Sonne über den Bergrand stieg und ihre Strahlen die Spitzen der Türme Jerusalems in Gold tauchten, während tief unter ihnen das Kidrontal zwischen Tempelberg und Ölberg noch vom Nachtschatten bedeckt war.
     Vielleicht hatte der Mann, von dem unsere heutige Losung aus dem Psalm 130 stammt, ebenfalls Wachdienst auf den Mauern Jerusalems gehabt und wusste daher, wie es den Wächtern zumute war, wenn sie auf den Morgen warteten. Aber er wartete nicht nur auf die Sonne. Er wartete auch auf Gott, aus welchem Grund auch immer. Und in ihm brannte die Sehnsucht, seine Nähe und Hilfe zu spüren.
     Vermutlich kennst auch du, der du das liest, diese Sehnsucht. Denn es gibt Zeiten, da scheint einem Gott weit weg zu sein. Da reibt sich die Seele am Zweifel wund, vor allem in schlaflosen Nächten.
     Beim Nachdenken über die heutige Losung fiel mir auch dieser Vers aus Psalm 90 ein: "Schenke uns deine Liebe jeden Morgen neu! Dann können wir singen und uns freuen, solange wir leben!“ Genau das brauchten die Menschen der Bibel. Genau das brauche auch ich an jedem neuen Tag. Das ist wie die erste Tasse frisch gebrühten Kaffees für die Seele. Mehr noch, das ist, wie wenn dir jemand liebevoll „Guten Morgen“ sagt und dich dabei zärtlich an sich drückt. Ja, so ist Gottes Liebe. Darauf wartet meine Seele mehr als die Wächter auf den Morgen.
     Die formelhafte Sprache des Lehrtextes heute ist nicht einfach zu verstehen. Auch da hilft eine neue Übersetzung. Dann heißt dieser Satz sinngemäß: »Für euch, meine lieben Freunde, ist der Glaube, den Gott euch selbst geschenkt hat, wie ein festes Fundament: Baut euer Leben darauf! ...« Diesen Gedanken nehme ich zusammen mit jener Bitte aus Psalm 90 mit in den neuen Tag.
     Apropos neuer Tag. Eines Morgens wird sich die biblische Verheißung erfüllen, aus der Philipp Nicolai 1599 kunstvoll einen Vers geschmiedet hat mit Buchstaben aus Gold und Noten aus Smaragden und woraus Johann Sebastian Bach kongenial einen Choral-Satz geschaffen hat.
     Sooft ich das höre, sehe ich mich mit den Wächtern Zions (Jerusalems) auf den Zinnen über der Stadt stehen und warten. Dann wird es hell, und ich höre, wie sie mit ihrem Gesang die Bewohner wecken, weil Christus selbst kommt, strahlender als das Licht der Sonne, an seinem Tag. Das Warten ist zuende und ich sehe, was ich glaube.
     Diese höchst seltene Harmonie von Text und Musik berührt und tröstet mich ganz wunderbar, sooft ich sie höre (klick):

Zion hört die Wächter singen; 
das Herz tut ihr vor Freude springen;
sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig;
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron,
Herr Jesu, Gottes Sohn!
Hosianna! Wir folgen all
zum Freudensaal
und halten mit das Abendmahl.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Sonntag, 7. April 2019

Lebensfroher Glaube hl

Losung: Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Psalm 84,3 

Lehrtext: Jesus spricht: Bleibt in meiner Liebe! Das habe ich euch gesagt, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. Johannes 15,9.11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn du etwas mit Leib und Seele tust, dann tust du das ganz und gar. Der Mensch aus der Losung freut sich ganz und gar in Gott. Anders gesagt und genau übersetzt: Er jubelt Gott zu so wie ein Fußballfan seiner Mannschaft zujubelt, wenn sie ein schweres Spiel doch noch gewonnen hat. Dann ist ein solcher Fan ganz aus dem Häuschen.
     Kannst du dir vorstellen, dass Besucher unserer Kirchengottesdienste ganz aus dem Häuschen sind? Nicht mal in unserem zeitgemäßen Lichtblickgottesdienst freuen sich die Leute so über Gott und jubeln ihm zu. Doch es gibt charismatische Gemeinden und Pfingstgemeinden und es gibt vor allem die Gospelgemeinden der Afroamerikaner, in denen dies geschieht. In den Filmen „Blues Brothers“ und „Sister Act“ wird so eine Begeisterung im Gottesdienst wunderbar inszeniert.
     In Deutschland war die Kirche jahrhundertelang besonders schwerblütig und lustfeindlich. Heinrich Heine meint, dass das mit den germanischen Göttern zu tun habe, die nach der Missionierung in die Hölle verbannt worden sind. Als Repräsentanten des Bösen hätten sie dann sozusagen aus der Unterwelt heraus Angst und Schrecken verbreitet. Jedenfalls war die katholische Kirche in den romanischen Ländern, besonders in Italien und Frankreich, freundlicher und lebensbejahender.
     Offenbar klebt uns die religiöse Schwerblütigkeit noch immer an der Seele, auch in der evangelischen Kirche. Der Pfarrersohn und Philosoph Friedrich Nietzsche sagte dazu: »Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde. Und als ich meinen Teufel sah, da fand ich ihn ernst, gründlich, tief, feierlich. Er war der Geist der Schwere. Durch ihn fallen alle Dinge.« (Zarathustra Buch I)
     Ernst, gründlich, tief, feierlich – so habe ich meine evangelische Kirche erlebt und so tritt sie noch heute an vielen Orten in Erscheinung. Wo bleibt da die Lebensfreude? Wo die Lust? Wo die Begeisterung? Wo sind da Gottes Fans, die ihm mit Leib und Seele zu jubeln? Kein Wunder, dass die jungen Leute mit den Kirchen in Deutschland kaum noch etwas anzufangen wissen. Der Protestantismus war einst unter Martin Luther eine Befreiung in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen. Da blühte nicht nur der Glaube auf, sondern auch die Musik, die Dichtkunst und die Kultur im Ganzen. Doch dann ist dieser lebendige Glaube unter den schwarzen Talaren der Geistlichkeit allmählich erstickt. Dann wurde er zum immerwährenden Karfreitag: „ernst, gründlich, tief, feierlich“ …
     Dem halte ich das Wort Jesu aus dem heutigen Lehrtext entgegen: „Bleibt in meiner Liebe, auf dass meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde.“ Wenn uns das gelingt, wenn wir seine Liebe leben und seine Freude ausstrahlen, dann werden auch unsere Gemeinden wieder attraktiv. Doch dazu wird wohl jeder von uns bei sich selbst anfangen müssen.

Gebet: Herr, du bist ja nicht nur in unseren schweren Zeiten da. Du schenkst uns auch die guten Zeiten, dass wir uns unbeschwert unseres Lebens freuen können. Du selbst strahlst uns an mit einem liebevollen Blick, warm und hell, und schenkst uns immer wieder schöne Tage und frohe Stunden. So werde auch ich froh, wenn ich an dich denke und zuversichtlich, wenn ich mit ihr lebe. Fülle mich mit deiner Freude, dass ich sie weitergebe an die, mit denen ich zusammen bin. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Samstag, 6. April 2019

Antwort auf die Frage nach dem Warum hl

Losung: Ich erkenne, HERR, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Hiob 42,2 

Lehrtext: Der Hauptmann sprach zu Jesus: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Matthäus 8,8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

gehörst vielleicht auch du zu denen, die zwar an Gott glauben, aber nicht daran, dass er allmächtig ist? Denn, so sagen sie: Wenn Gott allmächtig wäre, dürfte es das Böse nicht geben, weder Sünde, Leid noch Tod.
     In dem großartigen und umfangreichen Weisheitsgedicht der Bibel, im Buch Hiob, bleibt der Mensch gleichen Namens bei seiner Erkenntnis, dass Gott allmächtig sei. Und er tut das, obwohl er im eigenen Leben und am eigenen Leib so viel namenloses Leid erfahren musste: Alle seine Söhne sind ihm gestorben. Seinen märchenhaften Besitz hat er verloren und ebenso seine Gesundheit. Der einst so bewunderte und geachtete Hiob ist nur noch ein Häuflein Elend. Und da er sich keiner Schuld bewusst ist, verlangt er von Gott eine Erklärung für sein furchtbares Schicksal. Doch er bekommt keine. Stattdessen weist Gott ihn darauf hin, was er von Anbeginn der Welt alles getan hatte und noch tut. Er lässt ihn seine Macht ahnen und führt ihm die großen Werke vor Augen, die ein Mensch nicht begreifen kann.
     Da wird Hiob klar, dass er nie würde verstehen können, warum alles so ist, wie es ist, das Gute wie das Böse, die Freude wie das Leid, das Leben wie der Tod. Und daraufhin sagte er den Satz aus der heutigen Losung: »Ich erkenne, Herr, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer.« Wie gesagt, das Buch Hiob ist ein großartiges Weisheitsgedicht von einem genialen, aber uns leider unbekannten Verfasser. Johann Wolfgang von Goethe hat 2000 Jahre später den Anfang dieses Gedichts in seine Tragödie „Faust“ übernommen. 
     Im Hiob-Buch schlägt sich der Mensch mit der Frage herum, warum er leiden muss, obwohl er sich keiner Schuld bewusst ist. Letzten Endes findet er darauf keine Antwort. Die Frage nach dem „Warum?“ bleibt bis heute unbeantwortet. Angesichts der Größe und Macht Gottes erfährt der Mensch nur seine eigene Begrenztheit und erlebt, dass er auf sich selbst zurückgeworfen bleibt. Das Unbegreifliche bleibt unbegriffen.
     Doch dann geschieht etwas, was sich niemand ausgedacht hat. Gott selbst kommt in seinem Sohn Jesus zu den Menschen und wird Mensch. Er kommt zu den Leidenden und wird selbst ein Leidender. Er kommt zu den Sterbenden und wird selbst ein Sterbender. Er kommt zu den Toten, steigt in ihr Reich hinab (Glaubensbekenntnis) und wird selbst ein Toter. Er teilt das Schicksal seiner Menschenkinder und gibt auf all ihre Fragen die eine, umfassende Antwort: Liebe.
     Der Allmächtige wird selbst ohnmächtig. Er verzichtet darauf, den gordischen Knoten des Leidens und des Bösen mit Gewalt zu durchschlagen. Stattdessen zeigt sich seine Macht von einer ganz anderen Seite, zeigt sich in seiner Liebe sogar zu seinen Feinden. Nur sie gibt ihm die Kraft, das ganze schwere Menschenschicksal selbst zu ertragen, mit seinen Kindern mitzutragen und so – und nur so – zu überwinden: »Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?« (1. Kor. 15,55)
     Und du? Und ich? Was ist mit unserem Schicksal, mit unseren Fragen, mit unseren Schmerzen, Sorgen und Ängsten, mit unserer Schuld? Christus trägt auch das alles mit. Er ist in alledem bei uns. Das ist das Eine. Und das Andere ist, dass ich selbst trage, was getragen werden muss, dass ich selbst annehme, was angenommen werden muss, auch wenn ich nicht weiß, warum ich das muss. Dass ich zu allem, was mir widerfährt, zu Gutem wie zu Bösem sage: „Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“ Ich muss mich dem stellen, was ist. Verdrängen und fliehen hilft nicht. Ich mache es nicht besser, wenn ich es verfluche oder bejammere oder anderen dafür die Schuld gebe. Aber in der Kraft der Liebe Jesu Christi kann ich auch das Schwere annehmen, verwandeln und überwinden. Muss mir mein Schicksal zum Besten dienen. (Römer 8,28)
     Das lerne ich aus der Bibel. Das glaube ich. Ob ich das aber auch kann, steht auf einem anderen Blatt. Ich sehe nur keinen anderen Weg, keine Alternative. Und darum bete ich:

Gebet: Herr, was für ein Schicksal auch immer mir noch beschieden ist, ich will es aus deinen Händen nehmen und tragen in der Kraft deiner Liebe. Gib mir diese Kraft. Ich will das tun im Vertrauen darauf, dass du mich nicht allein lässt, sondern bei mir bist und bleibst auch in den schwersten Stunden. Doch auch in meinen guten Zeiten will ich im Glauben bei dir bleiben und dir für allen Segen danken, den du mir gibst. Denn du bist alles in allem und ich bin in dir. Amen

Gott will ich lassen raten,
denn er all Ding vermag.
Er segne meine Taten
an diesem neuen Tag.
Ihm hab ich heimgestellt 
(anvertraut) 
mein Leib, mein Seel, mein Leben
und was er sonst gegeben;
er mach´s, wie´s ihm gefällt.
(Georg Niege, 1592) 

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Freitag, 5. April 2019

Vertrauen hilft. Segen stärkt. hl

Losung: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 1.Mose 32,27 

Lehrtext: Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren den Blutfluss hatte, trat von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes. Denn sie sprach bei sich selbst: Wenn ich nur sein Gewand berühre, so werde ich gesund. Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und die Frau wurde gesund zu derselben Stunde. Matthäus 9,20-22 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Dein Glaube hat dir geholfen“, sagt Jesus zur Frau aus dem Lehrtext. Wie ist das bei dir? Hat dir dein Glaube auch schon einmal geholfen? Und hilft er dir noch? Wie könnte das sein?
     So viel ist mir jedenfalls klar: Der Glaube, der mir hilft, kann von keinem Bischof, Pfarrer oder Lehrer abgeprüft werden. Darauf kann mir kein Mensch Zensuren geben. Der Glaube, der mir hilft, hat nichts damit zu tun, dass ich an irgendetwas oder an irgendjemand glauben würde. Nicht einmal an Gott. Wenn ich könnte, würde ich auch das Glaubensbekenntnis umschreiben und statt des ersten Satzes »Ich glaube an …« besser schreiben und sagen: »Ich vertraue auf Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde und auf Jesus Christus …« Was soll mir auch ein Gott, den ich fürwahrhalten muss? Ich brauche meinen himmlischen Vater, dem ich vertrauen kann.
     Auch die Frau aus dem Lehrtext hat ja nicht an Jesus geglaubt, weil sie beispielsweise seine Jungfrauengeburt fürwahrgehalten hätte. Sie hat ihm schlicht und einfach vertraut. Sie hat ihm zugetraut, dass seine Nähe ihr helfen würde, ohne ihn genau zu kennen. Und sie ist nicht enttäuscht worden.
     Wenn ich seine oder Gottes Hilfe brauche, dann macht es auch für mich nur dann Sinn zu beten, wenn ich ihm zutraue, dass er mir auch helfen kann und wird.
     Gestern habe ich erfahren, dass ein Mensch, der mir sehr nahe steht, nach erfolgreicher Krebsoperation nun schon wieder ein schlechtes Untersuchungsergebnis bekommen hat. Noch müssen weitere Untersuchungen erfolgen, bevor die Ärzte sich sicher sind, wie sein Zustand tatsächlich ist und welche Maßnahmen getroffen werden müssen. Der mir das mitgeteilt hatte, sagte dazu: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Und ich antwortete: „Gut, dass du mir das gesagt hast. Jetzt kann ich für ihn beten.“
     Nein, auf eine Hoffnung, die zuletzt stirbt, will ich nicht vertrauen. Ich vertraue auf den lebendigen Gott, der mir in Jesus begegnet, der auch zuletzt nicht stirbt, sondern die Macht hat, Kranke zu heilen und die Toten zu sich zu rufen. Ich vertraue in diesem konkreten Fall darauf, dass er jenem Menschen auch ein zweites Mal helfen wird. Daran halte ich fest.
     Den Satz aus der heutigen Losung hat Jakob gesprochen, der Sohn Isaaks und Enkel Abrahams. Ich denke mir, dass er nicht nur diesen einen Satz gesagt hat, als er am Fluss Jabok mit Gott gerungen hatte. Ich glaube, dass er gesagt hat: „Ich werde dir, Herr, den Segen abringen, den ich brauche. Du willst ihn mir nicht schenken, wie du sonst tust. So will ich mit dir darum kämpfen. Ja, ich habe deinen Segen nicht verdient. Im Gegenteil. Ich weiß sehr wohl, dass ich meinen blinden Vater und meinen Bruder schmählich hintergangen habe. Aber das soll mich nicht von dir trennen. Darum ringe ich jetzt mit dir. Darum klammere ich mich an dir fest und lasse dich nicht aus, bis du mich wieder segnest - mit dir, mit deiner Gegenwart. Bis du in deinem Segen bei mir bleibst. Denn ohne dich bin ich nichts. Mit dir aber bin ich, was ich bin.

Gebet: Herr, eingehüllt in deinen Segen will ich leben und mich meines Lebens freuen. Aber wenn's sein muss, will ich auch leiden, will ich lachen und weinen. In der Kraft deines Segens will ich meine Lasten tragen, meine Arbeit tun, glauben, hoffen und lieben. Will ich eines Tages sterben und mit dir auferstehen. In der Kraft deines Segens will ich an dir festhalten und dir vertrauen, - was auch immer geschieht. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Donnerstag, 4. April 2019

Gräber, die nichts taugen hl

Losung: Siehe, jetzt sprechen sie: Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren, und es ist aus mit uns. Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Hesekiel 37,11-12 

Lehrtext: Jesus spricht: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören, die werden leben. Johannes 5,25 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bin bis 4. April verreist, deshalb erhalten Sie bis dahin Losung und Lehrtext mit je einem Gedanken. 

Zur Losung: Ja, du kannst deine Hoffnung begraben. Diese Möglichkeit bleibt dir immer. Und trotzdem hast du die Rechnung ohne Gott gemacht. Denn er selbst ist die lebendige Hoffnung für dich und für mich. Wie sollte ihn, den Schöpfer der Welt, ein Grab halten können, dass du ihm gegraben hast? Du kannst auch dich selbst samt deiner Hoffnung begraben und als Untoter noch eine Weile weiterleben, bist du auch körperlich gestorben bist. Niemand wird dich daran hindern. Aber auch du wirst nicht in dem Grab bleiben, das du dir selbst geschaufelt hast. Gott holt dich herauf. Wie? Keine Ahnung. Aber dass er mächtiger ist als Tod und Grab, das glaube ich allemal.

Zum Lehrtext: Wenn in der Bibel im Zusammenhang mit Jesus von der Zukunft die Rede ist, dann heißt es immer: „Schon und noch nicht“. Schon jetzt hören wir „die Stimme des Sohnes Gottes“ aus dem Evangelium. Schon jetzt leben wir als Söhne und Töchter des lebendigen Gottes. Aber noch sind wir auf dieser vergänglichen Welt. Noch werden wir sterben. Noch ist die Stunde nicht da, wo es keinen Raum mehr geben wird und keine Zeit, sondern nur noch ihn. Doch sie kommt.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Mittwoch, 3. April 2019

Diese Hoffnung stirbt nicht hl

Losung: HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig? 2.Mose 15,11 

Lehrtext: Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen. Kinder, hütet euch vor den Götzen! 1.Johannes 5,20.21 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bin bis 4. April verreist, deshalb erhalten Sie bis dahin Losung und Lehrtext mit je einem Gedanken. 

Zur Losung: Für die Menschen der Bibel war das durchaus normal, dass andere Völker andere Götter hatten. Manchmal sind sie zu ihnen abgefallen, weil man die Götter zum Beispiel der Ägypter anschauen konnte als Stein- oder Holzskulpturen oder als Wandreliefs. Und sie sahen wunderlich aus mit ihrem Menschenleib und ihren Tierköpfen. Ja, diese Götter machten was her. Aber der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs war unsichtbar und wollte nicht, dass man sich irgend ein Bild von ihm machte. Die Götter der großen mächtigen Völker des Alten Orients sind mit den Reichen, in denen sie verehrt wurden, untergegangen. Der Gott der Israeliten, der Gott des Alten Testaments, der Schöpfer der Welt und der Vater Jesu Christi wird bis heute geliebt und verehrt. Auch wenn im Jahre 70 nach Christus Jerusalem und der Tempel zerstört wurden und das Gebiet der Hebräer von fremden Mächten verwaltet wurde – trotz dieser politischen Katastrophen haben die Menschen damals ihren Gott nicht aufgegeben. Und wir, du und ich, tun das auch nicht, weil unsere Vorfahren und wir selbst die Erfahrung gemacht haben und machen, dass Gott uns nicht aufgibt.

Zum Lehrtext: Denn als Christen glauben wir, dass Gott sich uns in Jesus gezeigt hat und zu uns gekommen ist. Er ist nicht der ferne, sondern der nahe Gott. Nicht der, der über den Dingen schwebt, sondern der mitten in unserem Leben dabei ist. Der weiß, was es bedeutet, wenn seine Menschenkinder leiden, weil er selbst gelitten hat. Der für uns aber auch die große Hoffnung ist, die hinausreicht über Leiden und Tod. Mag die Hoffnung vieler Menschen zuletzt sterben. Diese Hoffnung ist unsterblich.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 2. April 2019

Beten, tun und glauben hl

Losung: Die Israeliten schrien zu dem HERRN, und der HERR erweckte ihnen einen Retter, der sie errettete. Richter 3,9 

Lehrtext: Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Fürst der Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut, sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Offenbarung 1,5.6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bin bis 4. April verreist, deshalb erhalten Sie bis dahin Losung und Lehrtext mit je einem Gedanken. 

zur Losung: Beten ist nie verkehrt. Beten ist nie umsonst. Doch zugleich soll ich auch für das, worum ich bitte, tun, was in meinen Kräften steht; so wird Gott das Seine dazutun.

zum Lehrtext: Die Sprache aus dem Buch der Offenbarung ist mir fremd. Was mir aber vertraut ist, das ist die Aussage im heutigen Lehrtext, dass Jesus dich und mich liebt. Ja, das glaube ich. Und auch wenn der eine oder andere meint, eine solche Aussage sei ein bisschen schlicht, so will ich sagen: Lieber ein schlichtes Wort, das mich bewegt als intellektuell anspruchsvolle Vorträge, die mich unberührt lassen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Montag, 1. April 2019

Hoffnungsengel hl

Losung: Das Verlangen der Elenden hörst du, HERR; du machst ihr Herz gewiss. Psalm 10,17 

Lehrtext: Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes. Römer 15,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

zur Losung: Immer wieder wird in der Bibel behauptet, dass sich Gott besonders der Elenden und Armen annimmt, ihre Not sieht und ihre Gebete erhört. Wenn man die Welt so ansieht, ist das kaum zu glauben. Aber man sollte doch mal die Elenden und Armen selber fragen. Vielleicht muss man dann seine eigene Weltsicht korrigieren.

zum Lehrtext: Kürzlich zeigte mir eine Bekannte einen etwa einen Meter großen Barockengel, den ihr der Vater vererbt hatte. Überall blättert schon die Farbe ab, das Holz hat Risse, da und dort müsste man ihn zumindest kleben, damit er nicht irgendwann auseinander fällt. Aber sie will ihn so lassen wie er ist. Und sie liebt diesen Engel, weil er in der Hand einen großen Anker hält, das Zeichen der Hoffnung. 
     Hoffnung braucht der Mensch, denn auch er wird alt, und irgendwann ist eben der Lack ab. Hoffnung braucht auch der junge Mensch, dass er in dieser Welt unter erträglichen Umständen alt werden kann. Doch der Lehrtext spricht nicht von der Hoffnung im allgemeinen, was immer das sein soll. Er spricht vom „Gott der Hoffnung“. An den kann ich mich wenden, ihn bitten, auf ihn vertrauen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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