Sonntag, 23. Februar 2020

Tiefer sehen, mehr vertrauen. (Predigt) hl

Predigt von Hans Löhr am Sonntag Estomihi in den Kirchen in Thann und Sommersdorf. Predigttext: Lukas 18, 31-43


Liebe Gemeinde,
als ich das letzte Mal zu euch hier gepredigt habe, ging es um das Thema: „Es ist wichtiger, wie du glaubst als was du alles glaubst.“ Darum geht es auch in der biblischen Geschichte vom Blinden von Jericho, die heute unser Predigttext ist. Doch hört zunächst den ersten Teil, in dem davon die Rede ist, dass Jesu Jünger nichts begriffen haben.
 Jesus nahm seine zwölf Jünger beiseite und sagte ihnen: »Wir gehen jetzt nach Jerusalem. Dort wird sich alles erfüllen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben. Man wird ihn denen übergeben, die Gott nicht kennen. Die werden ihren Spott mit ihm treiben, ihn misshandeln, anspucken und schließlich auspeitschen und töten. Aber am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.« Die Jünger begriffen nichts. Was Jesus damit sagen wollte, blieb ihnen verborgen, und sie verstanden es nicht.“ Lukas 18,31-34.
Die Jünger sind sozusagen taub für das, was Jesus sagt, mehr noch, sie sind blind für das, wer Jesus ist und worum es ihm geht. Sie wollen und können nicht wahrhaben, dass er in der Hauptstadt Jerusalem auf Betreiben der Mächtigen in Staat und Kirche misshandelt und getötet werden wird. Ist er aus ihrer Sicht nicht Gottes Sohn? Ist er aus Gottes Sicht nicht sein Menschensohn? Da muss er doch für seine Gegner unangreifbar sein.
Der Weg ans Kreuz ist der Weg der Liebe
     Die Jünger erkennen nicht, dass Jesus den Weg der Liebe geht, genauer: der Feindesliebe. Nur auf diesem Weg kann er seine Freunde und Feinde, kann er uns und alle Menschen, ja die ganze Schöpfung erlösen. Denn, wie er selbst sagt, „niemand hat größere Liebe als wer sein Leben lässt für seine Freunde“ und nach seinem Tod muss man hinzufügen, auch für seine Feinde. Und die Feindesliebe ist nichts Geringeres als Gottes Liebe zu den Menschen. Sie ist mit Jesus auf die Welt und somit auch zu uns gekommen. Sie zeigt sich in allem, was er sagte und tat.
     Die meisten Menschen in der Bibel und auch später in der Kirche bis in unsere Gegenwart haben geglaubt und glauben noch, dass Gott nur seine Freunde lieben würde, dass Jesus nur sie erlösen würde. Alle anderen aber seien verdammt und verloren. Dieser Irrtum hat viel Leid in die Welt gebracht und hat dazu geführt, dass sich Christen bekriegt haben, weil sie sich gegenseitig den rechten Glauben abgesprochen haben.
     Wir heute können und dürfen glauben, dass kein Geschöpf verloren und verdammt ist, das Gott geschaffen hat. Auch der Mörder von Hanau, der sich der gerechten, menschlichen Strafe durch Selbstmord entzogen hat, ist und bleibt ein Kind Gottes. Das ist für uns nur schwer anzunehmen, weil unser Herz oft zu eng ist für unsere Feinde und Verbrecher. Ja, er wäre zu Recht von einem menschlichen Gericht abgeurteilt und dann lebenslang eingesperrt worden.
Gottes weites Herz
Aber Gott richtet und urteilt anders als wir Menschen das tun. Sein Herz ist weit genug auch für die Feinde. Darum heißt es in der Bibel von ihm, er sei barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte. Ich weiß, dass vielen das nicht gefällt. Ich habe selbst meine Probleme damit. Doch er tut nicht, was wir wollen, sondern was er will. Er regiert nicht nach unseren Vorstellungen, sondern nach seinen. Das habe ich zu respektieren.
     Und das haben auch Jesu Jünger nicht verstanden. Sie haben allzu menschlich von ihm gedacht. Sie haben übersehen, dass Jesus mit allen Geschöpfen seines himmlischen Vaters Erbarmen hat. Sie waren blind für seine voraussetzungslose und grenzenlose Liebe. Und davon handelt nun der zweite Teil des heutigen Predigttextes:

Ein Blinder wird geheilt

(HL: bindet sich eine Augenbinde um, wirft sich eine Decke über und nimmt einen Stock)
SG: Jesus und seine Jünger waren unterwegs nach Jericho. In der Nähe der Stadt saß ein Blinder an der Straße und bettelte. Er hörte den Lärm der vorbeiziehenden Menge und fragte nach:
HL: »Was ist denn da los?«
SG: Einige riefen ihm zu: »Jesus aus Nazareth kommt vorbei!« Als er das hörte, schrie er laut:
HL: »Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!« 
SG: Die Leute, die der Menschenmenge vorausliefen, fuhren ihn an, er solle still sein. Aber er schrie nur noch lauter:
HL (geht auf die Knie): »Jesus, hab Erbarmen mit mir!«
SG: Jesus blieb stehen und ließ den Mann zu sich führen. Als dieser nahe herangekommen war, fragte er ihn: »Was soll ich für dich tun?«
HL: »Herr, ich möchte sehen können!« 
SG: »Du sollst sehen können!«, sagte Jesus zu ihm. »Dein Glaube hat dich geheilt.« Im selben Augenblick konnte der Blinde sehen. Er folgte Jesus und lobte Gott. Und auch alle, die seine Heilung miterlebt hatten, lobten und dankten Gott.“ (Lukas 18,35-43. Ende des Predigttextes)
Hast du schon mal so gebetet wie der Blinde von Jericho und gesagt: „Herr, hab Erbarmen mit mir!“ Ja, das hast du so oft du am Sonntag einen traditionellen Kirchengottesdienst besucht hast. Auch heute wieder. Du hast das, was der Pfarrer auf Griechisch vorgesungen hat, auf Deutsch nach gesungen: „Kyrie eleison – Herr, erbarme dich!“ Genau das waren die Worte des Blinden von Jericho, die die Kirche in den Gottesdienst übernommen hat. Doch so zu rufen und zu beten hat nur Sinn, wenn du auch glaubst, dass Gott, so wie er dir in Jesus begegnet, Erbarmen mit dir hat.
Ein Blinder sieht tiefer
     Das Merkwürdige dieser Geschichte aus Jericho ist nun, dass im Grunde genommen die Sehenden blind und der Blinde sehend war. Die vielen Leute, einschließlich der Jünger Jesu glaubten nicht, dass Er sich des Blinden erbarmen würde. Deshalb wollten sie ihn mundtot machen, weil er ihrer Meinung nach störte und fehl am Platz war. Aber, so heißt es in der Geschichte, er fügte sich nicht, sondern schrie nur umso lauter: „Jesus, hab Erbarmen mit mir!“.
     Wer macht eigentlich dich mundtot, wenn du rufen möchtest und solltest „Herr, hab Erbarmen mit mir, hilf mir!“ Vielleicht sind das deine Zweifel, dein Kleinglauben oder deine Bequemlichkeit, die dich davon abhalten, so zu beten. Vielleicht sind es auch deine Sorgen, die dich gefangen nehmen oder die Alltagsgeschäfte, die dir kaum noch Zeit lassen, dich auf Gott und seine Hilfe zu besinnen.
     Der Blinde von Jericho sah sozusagen mit seinem inneren Auge die göttliche Kraft in Jesus, die ihn heilen konnte. Und er wusste: Jetzt oder nie. Wenn ich nicht jetzt all meinen Glauben zusammenkratze und all mein Vertrauen auf ihn setze, dann bleibe ich für immer blind. Dann muss ich für immer in der Nacht leben. Und darum scherte er sich nicht um die Leute. Es ging ja nicht um ihre Meinung, sondern um seine Rettung. Sollten sie von ihm halten, was sie wollten. Er würde sich nicht mundtot machen lassen. Er würde so lange und so laut schreien, bis Jesus ihn hören musste. Und so geschah es auch.
     Die Leute sahen in dem, was Jesus sagte und tat, hauptsächlich ein Spektakel, ein Schauspiel, das ihre Sensationslust befriedigte. Tiefer sahen sie nicht. Sie waren blind für Gott, der in ihm zu ihnen kam. Aber der Blinde sah und schrie.
     Zwischenbemerkung: Wen siehst eigentlich du in Jesus? Wer und was ist er für dich? Wenn du im Gottesdienst „Herr, erbarme dich“ singst, meinst du das wirklich so? Und kannst du in Jesus die voraussetzungslose und grenzenlose Liebe Gottes sehen? Ich selbst habe lange dazu gebraucht. Doch eines Tages sind mir beim Blick auf das Altarkreuz die Augen aufgegangen. Und ich sah: Der da leidet und stirbt, tut das für mich. So groß ist seine Liebe. Und viel später, wenige Jahre vor Ende meiner Dienstzeit, sah ich noch tiefer und sah: Der da leidet und stirbt, tut das auch für seine Feinde. Und darum galt sein letztes Gebet ihnen, als er am Kreuz sagte: »Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun«.
Die Würde des Blinden und unsere Würde
     Doch nun geschieht in unserer Geschichte noch etwas Bemerkenswertes. Jesus lässt den Blinden zu sich bringen. Und dann? Nein, dann heilt er ihn nicht. Er prüft auch nicht seinen Glauben. Prüft nicht seinen Lebenswandel. Verlangt kein polizeiliches Führungszeugnis. Er achtet den Menschen in dem Blinden, er achtet seine Würde. Und statt ihn schnell mal eben zu heilen, fragt er ihn: »Was willst du, dass ich dir tun soll?« Natürlich wusste Jesus und wussten auch alle Leute, die das miterlebt hatten, was der Blinde wollte. Doch er wollte ihn nicht entmündigen, sondern aus seinem eigenen Mund den Wunsch hören. Der Blinde war für Jesus nicht ein Objekt, nicht ein Gegenstand, den er behandelte. Er war für ihn ein eigenständiger Mensch, der selbst handeln, der entscheiden und sagen konnte, was er wollte.
     Das Gleiche gilt auch für dich und mich. Wir sind für Gott keine Marionetten, die er nach Belieben tanzen lässt. Er hat uns Würde gegeben, die uns niemand nehmen darf. Für ihn sind wir ein Gegenüber, sind seine selbstständigen Kinder, die sich für oder gegen ihn, für oder gegen den Glauben entscheiden können. Und darum, so meine ich, sollten wir von unserer Würde auch Gebrauch machen und ihm auch selbstständig und freiwillig sagen, was wir wollen und wofür wir ihm danken.
     Aber weißt du auch wirklich, was du von Gott willst? Das Sprichwort sagt: Ein Gesunder hat viele Wünsche, ein Kranker nur einen. Was ist zur Zeit dein größter Wunsch, dein wichtigstes Anliegen, das du Gott im Gebet sagen möchtest?
     Natürlich weiß er, was ein jeder von uns braucht und will. Aber er will es von uns selbst hören. Auf diese Weise machen wir uns bewusst, was wir wirklich wollen und zeigen ihm unseren Glauben, indem wir ihm das sagen. Jedes Gebet ist ein Ausdruck unseres Gottvertrauens. Und genau damit und dadurch hilft er dir und mir, so wie er auch dem Blinden von Jericho geholfen hat. Deshalb sagt Jesus am Ende der Geschichte: „Dein Glaube hat dich geheilt.“ Denn ohne Glauben hätte er nicht aus ganzem Herzen „Kyrie eleison!“ gerufen, hätte er nicht „Herr, hab Erbarmen mit mir!“ geschrien.
     Nein, liebe Freunde, es kommt nicht darauf an, was du alles glaubst, sondern wie du glaubst. Jesus prüft dein Glaubenswissen nicht. Aber ihm ist dein Vertrauen wichtig. Zeige ihm mit deinen Gebeten, dass du ihm vertraust und rechne fest damit, dass er dir helfen wird. Das geschieht nicht immer genau so wie du es willst. Aber er hilft dir so, wie es für dich aufs Ganze gesehen am besten ist. Amen

Siehe auch die Predigt zum selben Thema aus 2013

Samstag, 22. Februar 2020

Wer ist verantwortlich? hl

Losung: Ihr sagt: »Der Herr handelt nicht recht.« So höret nun, ihr vom Hause Israel: Handle denn ich unrecht? Ist's nicht vielmehr so, dass ihr unrecht handelt? Hesekiel 18,25

Lehrtext: Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 1.Johannes 1,8-9

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wie kann Gott das zulassen? Das ist nicht gerecht!“ Wer weiß, wie viele Menschen das schon gesagt haben. Bei vielen kann ich diese Frage verstehen. Beantworten kann ich sie nicht. Den Amoklauf mit elf Toten am letzten Mittwoch in Hanau hat ein Mensch zu verantworten. Er hat sich dazu entschieden, andere aus Hass zu ermorden. Wollte ich Gott dafür verantwortlich machen, dann müsste ich zugleich wollen, dass wir alle seine willenlosen Marionetten sind, die keine eigenen Entscheidungen treffen können. Aber der Preis der Willensfreiheit ist, dass der Mensch sich auch für das Böse entscheiden, es wollen und tun kann.
     Verantwortlich ist und bleibt der Mörder, der auch noch seine Mutter und sich umgebracht hat. Verantwortlich sind wir alle, dass wir verächtliches Denken und Reden über Menschen mit Migrationshintergrund unterlassen und andere in die Schranken weisen, die sich so äußern.
     Auch bei Unglücksfällen sind fast immer Menschen die Verursacher aus Unachtsamkeit, Trunkenheit oder regelwidrigem Verhalten. Viele Krankheiten sind selbstverschuldet wegen falscher Ernährung, zu wenig Bewegung und schlechter Angewohnheiten. Ich denke, jeder weiß oder spürt selbst, wo er sich ändern müsste. »Aber wenn wir sagen, wir haben keine Schuld, so betrügen wir uns selbst.« (Lehrtext) Jedenfalls sollte man bei allem, wofür Menschen verantwortlich sind, Gott erst einmal aus dem Spiel lassen und sich an die eigene Nase fassen.

Fragen, auf die es keine Antwort gibt

     Doch warum hat Gott die Opfer von Hanau nicht geschützt? Sie hatten ja keine Wahl. Warum schützt er nicht die missbrauchten Kinder? Warum nicht Menschen vor Demenz? Warum nicht die Tiere vor dem entsetzlichen Leid, das wir Menschen ihnen antun? … Wir bitten ihn doch immer wieder, dass er uns behüten möge. Und wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann hat er das auch getan. Aber warum bei anderen nicht?
     Ich weiß es nicht. Alles was mir bleibt, ist, ihm das Leid der Opfer zu klagen und um seine Kraft für ihre Angehörigen und Freunde zu bitten. Alles was mir bleibt, ist, trotzdem oder gerade deshalb an ihm festzuhalten. Ich weiß sonst keine Hilfe.   

Gebet: Herr, gib mir die Kraft, dass ich jeden Tag aufs Neue für meine Mitmenschen und für mich Verantwortung übernehme. Dass ich mich in meiner kleinen Welt bemühe um Gerechtigkeit, Frieden und Mitmenschlichkeit. Dass ich freundlich bleibe, versöhnlich und hilfsbereit. Ich klage dir das Leid aller, die Opfer werden von Machtgier, Geldgier, Rassismus und Hass. Höre meine Klage und erhalte mir den Glauben. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 21. Februar 2020

goldener Sternenstaub hl

Losung: Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen. Und der Mensch gab einem jeden seinen Namen. 1.Mose 2,19.20

Lehrtext: Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Matthäus 6,26

Liebe Leserin, lieber Leser,

1969 sang Joni Mitchell ihr Lied über das legendäre Woodstock-Konzert. 400 000 junge Leute trafen sich damals in der Nähe von New York unter dem Motto „Freiheit, Liebe, Frieden“, um die großen Stars der Rock- und Popmusik zu hören. Auch ich glaubte damals noch, dass wir, die junge Generation, die durch Macht und Geld, Krieg und Gewalt verdorbene Welt retten könnten.
     Und Joni Mitchell sang: „We are stardust, we are golden, caught in the devil's bargain. And we've got to get ourselves back to the garden“ – „Wir sind Sternenstaub, wir sind golden. Wir sind gefangen in des Teufels Geschäft. Und wir müssen unseren Weg zurück in den Garten (= das Paradies) finden“.

Vom Tod der Sterne zum Leben auf der Erde

     Heute, 50 Jahre später, stimmt es noch immer, dass Gott »alle Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel« und auch dich und mich aus Staub gemacht hat. Ja, wir sind Sternenstaub, Milliarden Jahre alter Kohlenstoff, entstanden im Todeskampf früherer Sterne. Sie haben ihre Materie in einem letzten Aufbäumen (Supernova) in das Weltall geschleudert. Dann sind sie erloschen, und in seinen Tiefen ist aus ihrem Staub die winzige Erde entstanden und aus der Erde das Tier und der Mensch. Und ja, wir sind „golden“ und nicht Dreck. Für Gott sind wir kostbar, kostbarer als alles andere. Warum nicht auch für uns selbst?
     So können wir heute die Schöpfung nacherzählen und das Wunder unserer Existenz bestaunen. Was da für ein ungeheurer, unvorstellbarer Aufwand getrieben werden musste, damit es Menschen geben kann, damit es dich und mich gibt, ist Thema anderer Losungsauslegungen (siehe hier und hier).
     Heute, 50 Jahre später, stimmt es aber schon lange nicht mehr, dass wir die Welt retten könnten. Es stimmte auch damals nicht. Und es stimmt auch nicht, dass wir „unseren Weg zurück in den Paradiesgarten“ finden müssen. Jeder Versuch, das zu tun, führt eher in die Hölle des politischen oder religiösen Fanatismus als ins Paradies.

Gottes Aufgabe für den Menschen

     Nein, wir retten die Welt nicht. Unsere Aufgabe von Gott heißt, sie so, wie sie ist, zu bebauen und zu bewahren. Aber sie erlösen aus dem Todesgriff von Macht und Geld, Krieg und Gewalt, Sünde und Schuld – das kann nur Gott. Und ich glaube mit der Bibel, dass er das durch seinen Sohn Jesus Christus getan hat, auch wenn sich das endgültig erst in seiner Zukunft erweisen wird.
     Bis dahin will ich versuchen, mein Leben so gut es geht zu leben, gemeinsam mit den Vögeln unter dem Himmel und den Tieren auf dem Felde. Von ihnen, sagt Jesus, soll ich lernen, mir nicht so viele Sorgen um den morgigen Tag zu machen. Gott selbst sorgt für mein Auskommen so wie er sich auch um seine Tiere sorgt.

Gebet: Herr, was du geschaffen hast, erscheint mir so alltäglich und selbstverständlich, und doch ist jeder Vogel und jeder Wurm ein unfassbares Wunder. In deinen Augen sind alle deine Geschöpfe kostbar, denn du hast sie gewollt und gemacht. Wir alle können auf deiner Erde gemeinsam auskommen, wenn wir ihr und uns mit Respekt und Feingefühl begegnen. Rette uns aus unserer Gier und Angst, womit wir uns und anderen das Leben verderben. Gib uns Gottvertrauen, damit wir dankbar und zufrieden werden. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 20. Februar 2020

Worte wie Balsam hl

Losung: So spricht der HERR: Ich habe zu euch gesprochen, immer wieder mit Eifer gesprochen, ihr aber habt nicht auf mich gehört! Jeremia 35,14

Lehrtext: Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Lukas 11,28

Liebe Leserin, lieber Leser,

„mit Eifer“ - also eindringlich hat Gott  gesprochen (Losung), so wie eine Mutter ihrem Kind ins Gewissen redet. Doch ihm ging es nicht anders als ihr. Irgendwann will der Sohn oder die Tochter die Vorhaltungen der Mutter nicht mehr hören. Ihr heranwachsendes Kind will und muss eigene Erfahrungen machen, gute und ebenso schlechte. Muss sich selbst am Feuer brennen, bevor es die Flamme scheut. Das tut ihm weh, aber der Mutter auch.
     Ebenso leidet Gott die Schmerzen seiner Kinder mit (Jesaja 53,4a), die sie sich gegenseitig, aber auch immer wieder selbst zufügen. Wir haben einen „sympathischen“ Gott, wörtlich übersetzt: einen der mitleidet.
     Sein Wort für uns Menschen, so sagt es die Bibel, ist Jesus Christus (Johannes 1,14). Auf ihn sollen wir hören (Matthäus 17,5 u.a.). Er droht nicht und schimpft nicht. Er befiehlt nicht und schreit nicht (Jesaja 42,2a). Er sagt, was mich tröstet und beruhigt, was mich ermutigt und heilt (Matthäus 11,28 u.a.). Sein Wort ist Balsam für das wunde Herz. Mit ihm bin ich gut dran, bin ich „selig“ (Lehrtext).
     Aber er redet nicht nur. Er ist Gottes lebendiges Wort, sein Lamm, welches die Sünden der Welt trägt (Johannes 1,29) und ihre Schmerzen - auch meine.
Ich habe einen „sympathischen“ Gott. Du auch.

Gebet: Herr, du sprichst zu mir nicht mit Drohungen und Verboten. Du redest freundlich mit mir durch Jesus Christus. Durch ihn sagst du mir, dass du für mich da bist, um mir zu helfen und mich zu retten. Durch ihn erfahre ich, dass du mich liebst. Manchmal kann ich das kaum glauben. Aber dann bin ich doch wieder getröstet und heilfroh, was dein Wort, was dein Sohn mir sagt. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 19. Februar 2020

versöhnt hl

Losung: Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Psalm 50,1

Lehrtext: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 2.Korinther 5,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

gestern hieß es in der Losungsauslegung: „Das Geheimnis des Glaubens ist Jesus Christus“, in dem Gott war. In dem er ist. In dem er die ganze Welt, alle ohne Ausnahme, auch dich und mich mit sich selber versöhnt. In dem keine Sünden mehr aufgerechnet werden. In dem aber die Sünder, also die im Glauben versagt haben, aufgerichtet werden.
Das ist es, was die große Welt hören soll vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Wenn du und ich versöhnlich leben, vielleicht hört das dann auch unsere kleine Welt.

Gebet: Herr, du bist mit mir versöhnt. Du selbst hast den ersten Schritt auf mich zu getan und mir die Hand gereicht. Nun kann auch ich ein versöhnlicher Mensch sein für die, mit denen ich lebe. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 18. Februar 2020

Glaubensgeheimnis hl

Losung: Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost; denn der HERR hat Großes getan. Joel 2,21

Lehrtext: Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. 1.Timotheus 3,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist das Geheimnis des Glaubens? Im Lehrtext wird es gelüftet: Jesus Christus. Und sein Geheimnis ist Gott, der in ihm zu dir und zu mir kommt. Wir müssen ihn nicht länger über den Wolken suchen oder in wilden Theorien oder in einer anonymen Energie.
Gott ist da! Das will ich mir heute wieder klar machen. Das tröstet mich und macht mich froh (Losung).
  
Gebet: Herr, wo sonst solltest du sein, wenn nicht hier, wo ich bin? Was sonst sollte mich trösten und froh stimmen, wenn nicht deine Gegenwart? Mit dir halte ich auch schwierigen Herausforderungen stand. Mit dir freue ich mich meines Lebens. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Montag, 17. Februar 2020

alle hl

Losung: Es werden sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden. Psalm 22,28

Lehrtext: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 1.Timotheus 2,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

einmal, so sagt es die Losung, wird es soweit sein. Einmal werden den Menschen die Augen aufgehen und sie werden staunen, wer der wahre König ist. Wer alles regiert und über sie herrscht. Und sie werden sich als seine Geschöpfe und Kinder erkennen, alle, auch die Großen dieser Erde. (Psalm 22,28+29)
     Einmal wird es soweit sein, weil Gott sie alle nicht nur retten will, sondern wird. Einmal wird es soweit sein, dass seine Wahrheit uns alle erleuchtet.
     Dieser Ausblick soll mich heute gelassener und zuversichtlicher machen. Nicht ich habe ja mein Schicksal in der Hand geschweige denn das der Erde. Gott selbst wird dafür sorgen, dass dies alles geschieht.

Gebet: Herr, ich weiß nicht wann und wie das alles geschehen wird. Aber das soll mich nicht beunruhigen. Wichtig ist, dass du es weißt. Das aber will ich glauben, dass ich selbst mit der ganzen Schöpfung deinem Licht entgegengehe und nicht der Finsternis, dass wir vor dir alle eins sein werden und nicht verloren sind. Amen

Herzliche Grüße, 

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 16. Februar 2020

Angst und Trost hl

Losung: Der du mich tröstest in Angst, sei mir gnädig und erhöre mein Gebet! Psalm 4,2

Lehrtext: Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Matthäus 5,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Mensch, der den Vers aus Psalm 4 (Losung) gebetet hat, war mutig und ehrlich genug, sich einzugestehen dass er auch Angst hat. Ich weiß nicht, wovor. Darum frage ich mich selbst: „Wovor hast du Angst?“
     Ich mache mir zwar um manches Sorgen, aber Angst habe ich eigentlich nicht. Ich frage mich schon, welche Beschwerden das Alter mit sich bringen wird. Aber Angst macht mir das nicht. Angst habe ich höchstens vor Demenz. Dann müsste ich auch meinen Glauben verlieren. Gott sei Dank weiß ich nicht, ob es dazu kommen wird. Vielleicht wird diese Angst ja völlig unbegründet sein. Hoffentlich. Und so will ich sie an den abgeben, der mich in meiner Angst und in meinem Leid trösten kann.

Gebet: Herr, meine Hoffnung auf dich soll größer sein als meine Angst um mich. Ich will nicht auf mögliche Krankheiten und Katastrophen starren, sondern auf dich schauen. Du heilst und rettest. Dir gehört mein Leben. Du bist meine Zukunft. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Samstag, 15. Februar 2020

Raus aus dem Zwielicht hl

Losung: Kommt nun, lasst uns wandeln im Licht des HERRN! Jesaja 2,5

Lehrtext: Ihr habt die Zeit erkannt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil is pop wet jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen. Römer 13,11-12

Liebe Leserin, lieber Leser,

wann willst du eigentlich mit dem Glauben anfangen? Wenn du dir sicherer bist, dass da ein Gott ist? Wenn du mal mehr Zeit zum Glauben hast? Wenn andere, die dir wichtig sind, auch damit beginnen?
     Das heutige Losungswort sagt: »Kommt, wir wollen schon jetzt mit dem HERRN leben. Er ist unser Licht!« Schiebe den Glauben nicht vor dir her. Fang heute damit an. Jetzt. Überlege nicht mehr lang. Tue den ersten Schritt und sage:

Gebet: Herr, ich will glauben und mit dir leben. Du kennst mich und meine kleine Kraft. Hilf mir dabei. Ich will nicht weiter im Zwielicht des Zweifels verharren. Ich stehe auf vom Schlaf meiner Gleichgültigkeit. Ich laufe los und springe in deine Arme. Du wirst mich auffangen. Du wirst mich begleiten und tragen. Nimm meine Glaubenshand. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 14. Februar 2020

Glaubenshilfe hl

Losung: Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? 2.Samuel 12,9

Lehrtext: Lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. Hebräer 12,1-2

Liebe Leserin, lieber Leser,

du bist es nicht, der mit dem Glauben angefangen hat. Und du wirst es auch nicht sein, der ihn vollendet. Auch dein Glaube ist nicht dein Werk, sondern sein Geschenk. Ist Gnade.
     Was kann die Losung damit meinen, dass wir „das Wort des Herrn verachten“? Ich denke, das betrifft vor allem so ein Mut-mach-Wort, von dem in der gestrigen Losungsauslegung die Rede war. Denn wenn Gott überhaupt etwas missfällt (was vielleicht allzu menschlich gedacht ist), dann dies, dass wir uns von ihm nicht Mut zum Leben machen und nicht lieben lassen.
     Und genau das ist es auch, was mich beschwert, wenn ich meine, für mich allein leben zu müssen. Dann schleppe ich die Last meiner Einsamkeit und Gottverlassenheit mit mir herum. Dann höre ich nicht, wenn Jesus sagt: „Komm zu mir, gib mir deine Last. Ich will es dir leichter machen.“ Auch wenn ich glaube, bleibt das Leben immer noch schwer genug. Aber aus dem Glauben schöpfe ich Geduld und Kraft für die täglichen Kämpfe, die ich bestehen muss (Lehrtext). Und oft ist der schwerste Kampf der mit mir selbst, mit meinen Enttäuschungen, meiner Glaubensmüdigkeit und meinen Sorgen.
     Doch ich will meinen Kopf nicht hängen lassen und nur noch auf die Steine auf meinem Weg starren. Ich will ihn heben und zu Jesus aufsehen. Er ist das große Versprechen, dass Gott mir hilft - beim Leben und beim Glauben.

Gebet: Herr, ich danke dir für meinen Glauben. Er ist mir täglich eine Hilfe. Durch ihn werden die Dinge, derentwegen ich mir Sorgen mache, kleiner und die, für die ich dankbar sein kann, größer. Du hast den Glauben in mir angefangen, du wirst ihn vollenden. Erhalte ihn mir, dass ich ihn auf meinem Lebensweg nicht verliere. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 13. Februar 2020

Mut-mach-Wort hl

Losung: Der HERR, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht! 5.Mose 31,8

Lehrtext: Jesus spricht: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Johannes 10,27-28

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute bekommst du vom Losungswort eine kräftige Ermutigung für den Tag. Moses hat dieses Wort einst seinem Nachfolger Josua gesagt. Doch Gott ermutigt dich und mich auf verschiedene Weise heute genauso. Darum wollen wir beide uns dieses Wort gesagt sein lassen als die Botschaft, die uns ganz persönlich gilt: »Sei mutig und stark! Der HERR selbst geht vor dir her. Er steht dir bei und verlässt dich nicht. Immer hält er zu dir. Hab keine Angst und lass dich von niemandem einschüchtern!« (5. Mose 31,8)
     Geh mit diesem Wort in den Tag. Geh damit auf die Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt. Nimm dieses Wort überall hin mit, wo du heute sein wirst. Nimm es auch mit in den Abend und in die Nacht und wieder in den nächsten Tag. Mach es dir zu eigen als ein Wort, das keine Eintagsfliege ist, sondern Bestand hat.
     Weil es ein so wichtiges Mut-mach-Wort ist, kannst du es auch auf einen Zettel schreiben, an die Innenseite deiner Schranktür kleben oder in den Geldbeutel tun. Bewahre es an einem Ort auf, wo es dich immer wieder daran erinnert: Du bist nicht allein. Gott geht mit. Hab keine Angst. Lass dich nicht einschüchtern.
     Der Lehrtext erinnert dich, dass du einen guten Hirten hast, der dich kennt und beschützt. So können diese beiden Bibelworte dein Gottvertrauen stärken und damit auch dein Selbstvertrauen und deine Zuversicht. Vergiss nicht, sie sind dir gesagt, dir ganz persönlich. Durch sie spricht Gott selbst zu dir.

Gebet: Herr, ich brauche dringend deine Ermutigung. Damit hilfst du mir, ohne Angst zu leben und auch die schwierigen Dinge anzunehmen, die mich einschüchtern wollen. Ich bin ja nicht allein, sondern wir, du und ich, wir sind zu zweit. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 12. Februar 2020

Der Menschenfreund hl

Losung: Ich will gedenken an meinen Bund, den ich mit dir geschlossen habe zur Zeit deiner Jugend, und will mit dir einen ewigen Bund aufrichten. Hesekiel 16,60

Lehrtext: Der Gott aller Gnade, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. 1.Petrus 5,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott sei Dank ist wenigstens für evangelische Christen die Zeit vorbei, in der die Mächtigen in der Kirche den Gläubigen Vorschriften machen und ihren Willen aufzwingen konnten. Lange, zu lange haben sich Pfarrer als geistliche Oberlehrer aufgespielt, die meinten, den Menschen Sitte und Moral beibringen zu müssen. Die sich mit unerbittlicher Strenge eingemischt haben in die persönlichsten Angelegenheiten und den Gemeindegliedern im Hinblick auf die Sexualität die Hölle heiß und das Gewissen schlecht gemacht haben.
     Noch zu der Zeit als ich jung war, wurden zum Beispiel ledige Mütter gebrandmarkt, indem sie im Gottesdienst auf einem ganz bestimmten Pranger-Bänkchen sitzen mussten. Sie durften dann auch nicht in Weiß heiraten beziehungsweise einen Schleier aufsetzen. Die Männer aber kamen, wie auch sonst, fast immer besser weg.
     Der Pfarrer war zumindest im Dorf die unumschränkte Autorität, der die Kinder in der Schule ungestraft prügeln durfte und vor dem sie sich dann versteckt haben, wenn sie ihn auf der Straße erblickten. Man hat damals auf den Kanzeln mehr das Gesetz, also die Gebote und Verbote, gepredigt als das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus. Warum das so war oder gar sein musste – ich weiß es nicht. Vielleicht war das der Zeit geschuldet, die durch und durch von Männern dominiert war, welche meinten, ihren Machtanspruch durchsetzen zu müssen. So etwas ist immer ein Zeichen von Minderwertigkeitsgefühlen und Angst.
     Und Gott? Die Bibel zumindest spricht von ihm als dem Vater im Himmel, der sich mit seinen Menschenkindern auf ewig verbündet hat (Losung). Der sie nicht niedermacht, sondern aufrichtet. Nicht demütigt, sondern stärkt. Nicht zerbricht, sondern kräftigt (Lehrtext). Gerade in Jesus Christus zeigt sich Gott, wie er ist: Den Versagern kommt er zu Hilfe und legt begütigend seinen Arm um ihre Schultern. Den Schuldigen vergibt er. Die an Leib und Seele Zerbrochenen heilt er. Die Verachteten ruft er bei ihrem Namen und gibt ihnen ihre Würde zurück. Die Erniedrigten baut er wieder auf. Kurz und gut: Er kommt zu dir und zu mir und zu jedem anderen auch als einer der tröstet, heilt, segnet, behütet, verzeiht und rettet.
     Ist Gott wirklich so einseitig? Wo bleibt denn da sein Gesetz? Sein Zorn? Wo seine Bedingungen und Urteile? Ja wo? Jesus hat sie in seiner Krippe hinweg geliebt und an seinem Kreuz durchkreuzt. Nun braucht sich kein Christ mehr von irgendeinem Mächtigen in irgendeiner Kirche oder Gemeinschaft etwas sagen zu lassen, es sei denn, dass dieser mit gleicher Demut und Liebe den Menschen dient, wie es Jesus getan hat und tut.

Gebet: Herr, du bist der Menschenfreund. Du machst es möglich, dass ich dankbar und froh sein kann. Ich muss in Glaubensdingen keine Angst haben. Ich kann frei und unbeschwert leben, weil ich dir vertraue. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 11. Februar 2020

Durch dick und dünn hl

Losung: Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Psalm 23,3

Lehrtext: Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Johannes 10,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie sieht dein Lebensweg aus? Wie sieht dein Lebensweg aus? Ist er geradlinig? Ist er einfach und eben? Ist er wie eine Autobahn? Meiner ist kurvenreich, manchmal schwierig, mal steil, mal abschüssig und unübersichtlich. Mein Lebensweg ist wie meine Lieblingsoption in meinem Motorrad-Navi: Kurvenreiche Strecken. Da brauche ich länger als auf der Autobahn, aber da erlebe ich auch mehr. Da gibt es aufregende Berg- und Talfahrten in den entlegensten Gebieten. Manchmal verfahre ich mich auch. Dann muss ich wieder umkehren.
     Die „rechte Straße“ auf der Gott mich führt scheint mir auch mehr so eine kurvenreiche Strecke zu sein als eine Autobahn. Aber er bürgt mit seinem Namen dafür, dass das der richtige Weg für mich ist. Er ist meine verlässliche Navigationshilfe. Aber wenn ich nicht auf ihn höre, komme ich vom rechten Weg ab und verfranze mich hoffnungslos.

Rechter Weg im prallen Leben

     Der rechte Weg – er ist keineswegs immer der bequemste und breiteste. Das jedenfalls sagt Jesus in seiner Bergpredigt. Er ist aber auch nicht der Weg engherziger und lustfeindlicher Moral, so als ob man sich mit Askese und Verzicht den Weg selbst suchen könnte statt sich von seinem Hirten führen zu lassen. Der rechte Weg, so verstehe ich ihn, führt durch Freud und Leid, auf lichte, sonnige Höhen und in tiefe, dunkle Täler, mitten hinein in Konflikte und Streit und wieder hinaus, in Krankheit und Genesung, durch Freuden und Schmerzen, durch den Tod ins Leben.
     Der rechte Weg ist der, den ich im Vertrauen auf meinen guten Hirten gehe, von dem es in einem Kinderlied aus dem Gesangbuch heißt: »Der mich liebet, der mich kennt und bei meinem Namen nennt« (Lied: „Weil ich Jesus Schäflein bin“).
     Ach so, ja, eingangs habe ich dich gefragt: „Wie sieht dein Lebensweg aus?“ - Und?

Gebet: Ja Herr, du sollst nicht nur mein guter Hirte sein, du bist es. All die Jahre bist du mit mir gegangen durch dick und dünn und wenn ich meinte, dass es nicht mehr weitergehe, hast du mir den Ausweg gezeigt. Wenn ich dich nicht hätte, müsste ich mich bang fragen: Was wird wohl morgen sein und was übermorgen und überhaupt in der Zukunft? Doch dieses Fragen führt zu nichts, weil ich nicht einmal um die nächste Kurve schauen kann. Ich kenne meine Wege nicht, aber du kennst mich und weißt den Weg für mich. Amen

Herzliche Grüße,

Ihr / dein Hans Löhr

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