Dienstag, 8. Januar 2013

Verlässlich ebl

Losung: Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht! Jeremia 14,9

Lehrtext: Christus spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Matthäus 28,20

Liebe Leserinnen und Leser,

am Sonntag haben wir in der Aula der Burgoberbacher Schule wieder gemeinsam Lichtblick-Gottesdienst gefeiert. Es war ein ganz besonderer Morgen, der erste Lichtblicksonntag im neuen Jahr. Viele Segenswünsche wurden zwischen den Leuten ausgesprochen und eine große Dankbarkeit für unsere Gemeinschaft im Glauben stand im Raum.
Zugleich gehen wir in diesem Gottesdienst durch eine Zeit der Umbrüche - verdiente Mitarbeitende hören nach Jahren auf und es ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, wer sie in ihrem Können und ihrer Verlässlichkeit auf die Schnelle ersetzt. Da heißt es dann, auf Gott zu vertrauen und mit Jeremia zu beten: "Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!" (Altes Testament, Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 14, Vers 9).
Das hat der 'Lichtblick' mich in den letzten Jahren auf ganz besondere Weise gelehrt: zu vertrauen darauf, dass das, was in Gottes Namen geschehen soll, auch wirklich geschieht. Dass sich immer wieder Menschen finden, die bereit sind, ihre Zeit und ihre Kraft einzubringen und sich in der Gemeinde zu engagieren. Es ist wahr, was Jesus uns zusagt: "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Neues Testament, Evangelium des Matthäus, Kapitel 28, Vers 20) In diesem Vertrauen gehen wir zuversichtlich in das Jahr, das eben erst angefangen hat. Ich bin gespannt, was mit Gott 2013 möglich sein wird in unseren Dörfern mit seinen Gottesdiensten.

Gebet: "Vater, das ist eine so wertvolle Zusage, die du uns machst: Du bist bei uns jede Minute unseres Lebens. Du begleitest uns, du forderst uns heraus, du tröstest uns, du schenkst uns Orientierung. Danke für deine Fürsorge. Mach uns immer wieder neu dazu bereit, uns dir anzuvertrauen. Danke, Vater. Amen."

Einen guten Tag dir und Ihnen!

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 7. Januar 2013

Muss ich mich klein machen? ebl

Losung: Josua fiel auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach: Was sagt mein Herr seinem Knecht? Josua 5,14

Lehrtext: Jesus sprach: Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun. Lukas 8,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bete in allen möglichen Situationen: auf dem Fahrrad strampelnd oder im Auto sitzend, mit Kuchenteig an den Händen oder beim hastigen Zusammenpacken meines Unterrichtsrucksacks. Ich vertraue darauf, dass Gott mich hört, egal wie die äußeren Umstände gerade sein mögen. Und doch eröffnet mir das Verhalten von Josua eine neue Perspektive und macht mich nachdenklich, denn von ihm sagt die Bibel: "Er fiel auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach: Was sagt mein Herr seinem Knecht?" (Altes Testament, Buch Josua, Kapitel 5, Vers 14 b) Josua drückt damit seine Ehrfurcht vor Gott aus. Indem er sich klein macht, erkennt er die Größe Gottes allein durch seine Körperhaltung an. In dieser Demut ist er dann auch bereit, genau hinzuhören auf das, was Gott ihm sagen will.
Es ist mir schon fremd, mich beim Gebet hinzuknien - noch fremder wäre es mir, mich auf meine Knie niederzulassen und mit meiner Stirn den Boden zu berühren, wie es Josua gemacht hat. Da sperrt sich etwas in mir, obwohl ich Gott in seiner Herrlichkeit und Macht nicht anzweifle. Ich bin wohl doch sehr stark geprägt von meiner lutherischen Volkskirche: Da steht man beim Beten auf, um Gott seine Ehrfurcht zu zeigen.
Der Lehrtext heute nimmt mir ein bisschen etwas von meiner Verunsicherung, wenn ich Jesus sagen höre: "Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun." (Neues Testament, Evangelium des Lukas, Kapitel 8, Vers 21) Er war vorher gefragt worden, welche Leute ihm nahe stehen würden - ob es nicht doch in erster Linie seine Blutsverwandten wären. Die Antwort, die Jesus damals gegeben hat, schockiert heute noch. Er sagt: "Ich bin den Menschen nahe, denen Gott wichtig ist. Nicht denen, mit denen ich durch meine Geburt oder andere äußere Umstände in Verbindung gebracht werde."
Gottes Wort hören und es dann in meinem Leben umsetzen, so gut ich kann - das ist es, worauf es Jesus ankommt. Daraus ziehe ich folgenden Schluss: Äußerlichkeiten wie fromme Rituale oder Traditionen haben nicht von selbst eine Bedeutung, sondern nur dann, wenn sie mich Gott näher bringen und mich in seiner Nähe bewahren.

Gebet: "Gott, du zeigst mir heute, dass meine innere Einstellung zu dir DER Punkt ist, auf den es ankommt. Wenn ich mit dir reden will, dann kann ich das in jedem Augenblick meines Lebens tun. Dafür bin ich dir dankbar. Zugleich bitte ich dich: Zeige mir die Formen von Spiritualität, die mich auf meinem Weg mit dir weiter bringen. Lehre mich, immer wieder aufmerksam auf dich zu hören. Danke für die Gemeinschaft in deinem Namen, in den Kirchengottesdiensten und im Lichtblick und im Hauskreis. Amen."

Einen guten Start in die neue Woche

wünscht dir und Ihnen

deine /Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 6. Januar 2013

Wie soll ich leben? - Das Unabänderliche annehmen hl

Lichtblickgottesdienst am 06.01.2013 Aus der Reihe: Wie soll ich leben? 1/2

Liebe Freunde,
»Mit 17 hat man noch Träume, da wachsen noch alle Bäume in den Himmel… – der Liebe.« Ja, viele hier kennen dieses Lied. In jungen Jahren träumen wohl die meisten Menschen, wie ihr Leben mal sein sollte: Wir träumen von der idealen Frau oder vom idealen Mann, von einer glücklichen Familie, von beruflichem Erfolg und Wohlstand mit allem, was dazugehört. Manche träumen auch von Ruhm und Macht. Mit 27 sieht das schon ein bisschen anders aus. Mit 37, 47, 57, 67 und 77 noch anders.
Zur Frage „Wie man am besten leben soll“ gibt es eine unübersehbare Ratgeber Literatur. Das beginnt mit der Apotheken Umschau und reicht bis zu den Philosophen der römischen und griechischen Antike wie Seneca oder Epikur. Aber mir geht es jetzt nicht um allgemeine Ratschläge, sondern um die Frage „Wie soll ich, wie kann ich leben, wenn mein Leben nicht so verläuft, wie ich es mir einmal erträumt habe. Wie soll ich leben angesichts der Abschiede, Brüche und Verluste, die ich erleide und die zum Leben nun mal genauso dazugehören wie Erfüllung und Glück?

Einsatz als Notfallseelsorher
Vor einiger Zeit wurde ich von der Polizei als Notfallseelsorger im Landkreis angefordert. Eine junge Frau hatte ihren Selbstmord angekündigt und war mit ihrem Auto verschwunden. Ihre Mutter war am Boden zerstört. Sie konnte zunächst keinen klaren Gedanken fassen. Ich hab sie dann erzählen lassen von ihrer Tochter und aus ihrem Leben. Allmählich wurde sie ruhiger. Am Schluss haben wir miteinander für die Tochter gebetet. Das hat der Mutter gut getan, auch wenn nicht klar war, wie es ihrem Kind in diesem Augenblick geht. Die Tochter hatte in eine Liebesbeziehung eine so große Enttäuschung erfahren, dass sie meinte, ihrem Leben ein Ende setzen zu müssen.
Nicht jeder geht gleich bis zum Äußersten. Aber für jeden von uns stellt sich die Frage, wie kann, wie soll ich leben, wenn Unglück mein Leben überschattet?
Unser Gott, liebe Freunde, ist kein Glücksgott, sondern ein Gott des Lebens mit allen seinen Schattierungen. Wir können ihm danken, wenn es uns gut geht und uns freuen über die Tage des Glücks, die er uns schenkt. Aber wir brauchen ihn erst recht, wenn die Freude geht und das Leid an die Haustür klopft. Manche sind dann auf Gott böse, weil er sie nicht verschont hat. Aber den Gott, auf den sie böse sind, haben Sie sich selbst gemacht. Er ist nicht der Gott der Bibel. Dieser zeigt Dir seine Kraft gerade dann, wenn Du kraftlos bist, seine Macht, wenn Du ohnmächtig bist. Auch hier unter uns sitzen nicht wenige, die erfahren haben und bezeugen können, was Jesus Christus sagt: »Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig«. Anders gesagt: In meiner Schwäche wird sich seine Kraft und Stärke zeigen. Da wo ich am Ende bin, kommt er zum Zug. In dem, was ich verloren habe, wird sich zeigen, was er mir bedeutet und gibt.
Gott lässt seine Kinder nicht im Stich. Davon bin ich überzeugt. Ja, seine Gnade geht so weit, dass selbst Schwerstbehinderte glücklich sein können. Am 24. Februar 2011 stand auf Seite 1 der Süddeutschen Zeitung: 

Glückliche Schwerstbehinderte

»Es vergeht kaum die Zeit eines Wimpernschlags, da haben sich Gesunde meist schon entschieden: Die Vorstellung, dass ihr Körper vollständig gelähmt ist, erscheint ihnen schier unerträglich. „Ich wäre lieber tot“, sagt fast jeder. Fast jeder, der keine Ahnung hat. Menschen nämlich, deren Körper tatsächlich vollständig gelähmt ist, wären nicht lieber tot. Die Allermeisten sind zufrieden mit ihrem Leben, wie eine belgische Studien mit Patienten zeigt.… Die Patienten müssen fast immer beatmet und künstlich ernährt werden, trotzdem bezeichneten sich 72 % als glücklich.… Nur 7 % der befragten Patienten gaben zu erkennen, dass sie lieber tot wären.«  Der Arzt, der die Studie leitete, sagt: »„Die Patienten sollten aber unbedingt wissen, dass sie bei guter Pflege eine ernsthafte Chance haben, wieder ein glückliches Leben zu führen.“« Doch das dauert. Erst stellen sich schwere Depressionen ein, bis sie endlich ihr Schicksal annehmen können. Dann, so die Studie, geht es »diesen Patienten… erheblich besser als ein Gesunder sich das vorstellen kann.«
Dass so etwas möglich ist, begreife ich als Gnade. Der Schöpfer lässt seine Kinder auch im Extremfall nicht im Stich, egal ob sie gläubig sind oder nicht. Aber er will uns als seine Mitarbeiter, die, wo es darauf ankommt, begleiten und helfen. »Deine Gnade reicht bis ans Ende der Welt«, haben wir soeben gesungen. Sie reicht auch in die tiefsten Tiefen menschlicher Existenz.
Bei unserem heutigen Predigtthema geht es nicht nur um Extremfälle, sondern darum, wie ich leben, wie ich damit umgehen kann, wenn ich wieder loslassen und hergeben muss.
Da muss zum Beispiel ein Bauer seinen Hof aufgeben. Und als dann die letzte Kuh fort ist, geht der heimlich in den Stall und weint. Ein Angestellter, der in Rente geht, hat plötzlich keine Kollegen mehr, keine geregelte Arbeit, keine Aufgabe die ihn ausfüllt. Und trotzdem geht das Leben weiter. Nur wie?

Sein Schicksal akzeptieren

Nach allem, was ich weiß, geht es bei jedem Verlust, egal, ob man einen Teil seiner Gesundheit verliert oder den Partner durch Tod oder Scheidung oder schließlich auch das Leben – immer geht es darum, dass ich bis zu dem Punkt komme, wo ich mein Schicksal akzeptieren kann und damit einverstanden bin. Bis man soweit ist, fließen manche Tränen, quält manche Verzweiflung, gehst Du durch das tiefe Tal der Depression. Das geht Gläubigen nicht anders als Ungläubigen. Und wenn Du schon mal an dem Punkt warst, wenn Du schon mal Dein Schicksal angenommen hattest, kann es sein, dass Du trotzdem noch ein paar Mal diesen Weg gehen musst, bis Du endgültig die Situation akzeptieren kannst, in der Du nun bist.
Als Jesus wusste, dass es keinen Ausweg mehr geben würde und sein Tod unmittelbar bevorstand, hat er im Garten Gethsemane vor lauter Angst Blut geschwitzt und Tränen geweint und Gott mehrmals auf Knien angefleht: Vater, erspare mir doch den bitteren Leidenskelch. Aber nichts geschah. Irgendwann war er dann so weit. Er hatte sich durchgerungen und gesagt: „Vater, aber nicht wie ich will, sondern wie Du willst.« »Da,« so heißt es in der Bibel, »erschien ihm ein Engel und gab ihm Kraft.«
An diesem Punkt, so glaube ich, ist der entscheidende Unterschied, wie Gläubige und Ungläubige mit einem schweren Verlust umgehen. Wer an Gott glaubt, beugt sich letzten Endes unter seinen Willen und nimmt aus seiner Hand an, was er ihm schickt. Das ist leichter gesagt als getan. Dem gehen viele innere Kämpfe und Anfechtungen voraus. Aber irgendwann kommt dann einmal die Erlösung, dass Du annehmen kannst, was Dir auferlegt ist. Dann, so hoffe ich, spüren wir, Du wie ich, dass Gottes Engel zu uns tritt und uns die Kraft gibt, die wir brauchen und den inneren Frieden, nach dem wir uns sehnen. Ja, seine Gnade reicht bis ans Ende der Welt.

Nicht liebenswert, aber liebesbedürftig
»Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig«, sagt Jesus. Diese Gnade gilt auch denen, die durch eigenes Verschulden ihr Lebensglück verspielt haben: denen, die den Bund der Ehe gebrochen haben, denen, die von einer bösen Sucht abhängig sind, denen, die strafrechtlich belangt worden sind, denen, die abgetrieben haben. Auch für sie leuchtet aus der Krippe das Gnadenlicht. Und wenn solche schweren Brüche im Leben nicht mehr rückgängig gemacht werden können, so kann Gott Dich doch heilen, wenn Du Dein Versagen bekennst und ihn darum bittest. 
Wenn ich eins über Gottes Liebe gelernt habe, so wie Jesus sie uns gebracht hat, dann dies: Er schenkt sie Dir nicht, weil Du so liebenswert wärst oder gut oder fromm oder tüchtig. Er schenkt sie Dir, weil Du sie brauchst.

Die Tochter, von der ich vorhin erzählt habe, fuhr mit ihrem Auto an einen Waldrand, nahm eine tödliche Dosis Tabletten mit, setzte sich an eine Lichtung und schluckte eine nach der anderen. Da trat ein Reh aus dem Unterholz auf die Lichtung und fing wenige Meter vor ihr in Ruhe zu fressen an. Die junge Frau legte die Tabletten weg, nahm ihr Handy, machte ein Bild von dem Reh und schickte es ihrer Mutter. Dann ging sie zurück zu ihrem Auto, um dort zu sterben. Doch in dem Augenblick, als sie ihr Handy eingeschaltet hatte, wurde das Gerät von der Polizei geortet. Ein Rettungswagen rückte aus und fand die Frau. Sie konnte im letzten Augenblick gerettet und ins Leben zurückgebracht werden. »Gottes Gnade reicht bis…«
Wie soll, wie kann ich leben mit meinem Schmerz? Manchmal gibt dir Gott dazu die Kraft aus dem Glauben. Manchmal schickt er einen Engel. Und manchmal tut er ein Wunder und schickt ein Reh. Liebe Freunde, doch, wir können leben, auch wenn das Tal, durch das wir gehen, stockfinster ist, weil Gott seine Kinder nicht im Stich lässt, Dich nicht und mich auch nicht.  Amen    Hans Löhr

Samstag, 5. Januar 2013

Wie man die Bibel lesen soll hl

Losung: Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die macht beide der HERR. Sprüche 20,12

Lehrtext: Jesus öffnete den Jüngern das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden. Lukas 24,45

Liebe Leserin, lieber Leser,

dass man die Bibel lesen soll, ist unter Christen unstrittig. Aber wie soll man sie lesen? Darüber gehen die Meinungen auseinander seitdem es die Bibel gibt. Ich versuche, nicht etwas in sie hinein zu lesen, was nicht da steht, obwohl kaum jemand dieser Gefahr entgeht. Stattdessen möchte ich aus der Bibel Gottes Zuspruch und Anspruch für mein Leben heute herauslesen.
An der Universität habe ich gelernt, die Bibel nach allen Regeln der wissenschaftlichen Kunst zu untersuchen. Das war teilweise recht spannend. Aber für meinen Glauben und für die Verkündigung des Wortes Gottes brauche ich ein anderes Verständnis:
Ich meine, was vor 2000 und mehr Jahren geschah, ist nur dann wichtig, wenn es für mich heute eine Bedeutung hat. Sonst sind das nur schöne Geschichten und Worte aus einem alten Buch, die aber jetzt nichts mehr bewegen. Ich glaube aber, dass Gott auch heute noch derselbe ist, der er damals war. Und was er damals für die Menschen der Bibel getan hat, für Abraham, Josef, David, Zachäus und Bartimäus, für Hannah, Maria Magdalena und die Frau aus Syrophönizien usw., das kann er auch heute für mich und für Dich tun, die wir an ihn glauben. Und darum ist das, was er ihnen gesagt hat, auch uns gesagt.
In diesem Glauben höre ich die Worte der Bibel anders, als ohne ihn. In diesem Glauben schaue ich auf die Geschichten der Bibel anders, als ohne ihn (Losung). In diesem Glauben verstehe ich die Heilige Schrift (Bibel) anders als ohne ihn. So bleibe ich in einer lebendigen Beziehung zu Gott, meinem Schöpfer und Vater im Himmel und zu seinem Sohn Jesus Christus.
Nicht die Wissenschaft, sondern der Glaube macht Gottes Wort lebendig, macht uns für ihn auf eine besondere Weise sehend, hörend und verständig, auch die, die nicht Theologie studiert haben.

Gebet aus der Reformationszeit:
Mein Füßen ist dein heiligs Wort
ein Leuchte nah und ferne,
ein Licht, das mir den Weg weist fort.
So dieser Morgensterne
in uns aufgeht, so bald versteht
der Mensch die hohen Gaben,
die Gottes Geist denen verheißt,
die Hoffnung darauf haben.
(Evang. Gesangbuch, bayer. Regionalteil
Nr. 620 Vers 4)

Herzliche Grüße und viel Freude bei spannenden Entdeckungen in der Bibel!

Hans Löhr 

Freitag, 4. Januar 2013

Lippenpflege hl

Losung: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen. Jesaja 6,5

Lehrtext: Eure Rede soll stets Anklang finden und doch voller Würze sein; ihr sollt imstande sein, jedermann Rede und Antwort zu stehen. Kolosser 4,6

Liebe Leserin, lieber Leser,

von wegen »Volk von unreinen Lippen«! Die Lippen in unserem Volk war noch nie so gepflegt wie heute, zum Beispiel so: »Lippenpeeling. Es befreit die Lippen von abgestorbenen Hautschüppchen, sorgt für eine bessere Durchblutung und lässt die Lippen voller und gesünder aussehen… So können Sie bald schön weich und geschmeidig küssen« - heißt es in der Frauenzeitschrift „Brigitte". Tja, hätte der Prophet Jesaja eben die richtige Zeitschrift lesen müssen.
Oder habe ich da was falsch verstanden? Vielleicht geht es ihm gar nicht um »abgestorbene Hautschüppchen«, sondern um die abgestorbene Liebe zur Wahrhaftigkeit, um Tratsch und üble Nachrede. Bemerkenswert ist, dass er, der Prophet Gottes, sich davon nicht ausnimmt. Und er sagt auch nicht: „Weh dem Volk!", sondern »weh mir!«.
Als ihm Gott in einer Vision begegnet, wird ihm schlagartig bewusst, dass er auch nicht besser ist als die Menschen, unter denen er lebt. Übrigens, rein werden Jesajas Lippen nicht durch Peeling, sondern durch eine glühende Kohle, mit der ihm ein Engel seine Lippen berührt und seine Sünden vergibt. Jetzt erst kann er die Botschaft von Gott an sein Volk ausrichten.
Jesus brennt mir nicht mit glühenden Kohlen die Sünden weg, sondern vergibt mir, wenn mir mein Versagen leid tut, durch seine Barmherzigkeit. So kann ich besser dem Rat des Apostels Paulus folgen, der im Lehrtext sagt: »Redet mit jedem Menschen freundlich; alles, was ihr sagt, soll gut und hilfreich sein. Bemüht euch darum, für jeden die richtigen Worte zu finden.« Na, das ist doch mal ein guter Vorsatz, wenn schon nicht für das ganze Jahr, so doch wenigstens für den heutigen Tag.

Gebet: Vater im Himmel, gut, dass Du nicht jedes Wort aus meinem Mund auf die Goldwaage legst. Das würde mich ziemlich beschämen. Sondern:
Hilf, dass ich rede stets, womit ich kann bestehen;
Lass kein unnützlich Wort aus meinem Munde gehen;
Und wenn in meinem Amt ich reden soll und muss,
so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn' Verdruss.
(Evang. Gesangbuch, Nr. 495,3)

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Donnerstag, 3. Januar 2013

Ich bin Ausländer – fast überall hl

Losung: Der Fremdling soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer. 3.Mose 19,34

Lehrtext: Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Hebräer 13,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir hier in Westmittelfranken können die Tageslosung problemlos gutheißen. Wir haben ja kaum Fremde in unseren Dörfern. In den Schulklassen gibt es verhältnismäßig wenige Kinder mit „Migrationshintergrund” also von Einwanderern. Der einzige Ausländer, der mir regelmäßig begegnet, ist ein Paketbote. Übrigens ein ganz ein netter. Doch das hat wohl nichts damit zu tun, dass er Ausländer ist. Er könnte auch ein unangenehmer Zeitgenosse sein, wie so mancher Deutsche auch.
Doch wie wäre es, wenn wir Verhältnisse hätten wie in Berlin-Wedding, wo man sich als Deutscher in der Schule oder auf der Straße schon selbst aus Ausländer vorkommt? Würde ich dann auch noch sagen: „Ja, das heutige Losungswort, also das Wort Gottes, hat recht. Alle Ausländer sollen bei uns mit den gleichen Rechten und Pflichten wohnen wie wir auch”? Man tut sich leicht, das zu verlangen, wenn man nicht selbst betroffen ist. Jeder Mensch hat tief in sich so etwas wie Fremdenangst - auch die Fremden vor uns. Ich meine, dass man diese Angst bei sich selbst akzeptieren muss, um sie zu beherrschen, damit sie einen nicht selbst beherrscht.
Ja, wir hier in Westmittelfranken tun uns leicht mit der Tageslosung. Aber sie würde auch dann noch uneingeschränkt gelten, wenn wir in Berlin-Wedding wohnten. Die Bibel fragt nicht danach, wie hoch der Ausländeranteil in einer Region oder in einer Stadt ist. Sie macht von dem Gebot, dass Fremde wie Einheimische wohnen sollen, keine Ausnahme.
Übrigens, Jesus war Jude, also Ausländer aus Palästina. Darf er in Deinem Leben wohnen? Und ich und Du, auch wir beide sind Ausländer – fast überall. Vielleicht wäre es gar nicht so dumm, wenn wir uns da, wo wir im Ausland zu Gast sind, nicht in erster Linie wie Deutsche benehmen würden, sondern wie Engel (Lehrtext).

Gebet: Mein Gott, Du bist der Vater auch für die Menschen, die für mich Ausländer sind. Ich danke Dir, wie viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft Du mir durch sie im Ausland schon geschenkt hast. Behüte und beschütze sie so wie mich. Segne und hilf ihnen so wie Du mich segnest und mir hilfst. Wir alle sind ja Deine Söhne und Töchter. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 2. Januar 2013

Tonangebend für dein Lebenslied hl

Losung: Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Sprüche 1,7

Lehrtext: Petrus sprach: Gott sieht die Person nicht an; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. Apostelgeschichte 10,34.35

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Chorleiter bittet um Ruhe und singt den einzelnen Stimmen seines Chores den Anfangston vor. Wer Sopran, Alt oder Bass singt, nimmt diesen Ton in sich auf. Dann kommt der Einsatz des Chorleiters, und alle beginnen das Lied mit dem richtigen Ton für jede Stimme. Bei einem Chor ist der Dirigent tonangebend und alle richten sich nach ihm. Wer gibt Ihnen / Dir den Ton an? Wer sagt Dir, wie Du denken, wie Du leben sollst? Nach wem richtest Du Dich?
Nein, die Antwort nehme ich Dir nicht ab, wenn Du jetzt sagst: „Ich richte mich nach niemandem. ” Wir alle richten uns nach anderen, schon unser Leben lang. Anfangs waren es die Eltern, später kamen die Lehrer hinzu. Und tonangebend waren und sind für uns immer auch die Menschen, die etwas gelten in der Klasse, am Arbeitsplatz, im Hörsaal, in der Gesellschaft und wo auch immer.
Losung und Lehrtext sprechen heute von der „Furcht des Herrn ”. Auch diese beiden Bibelworte stellen damit die Frage: Wer ist für Dich tonangebend? Von wem lässt Du Dir den Ton für die Melodie Deines Lebens vorgeben? Manche handeln nach dem Motto: »Wess‘ Brot ich es, dess‘ Lied ich sing.« Die reden ihren Arbeitgebern und Vorgesetzten in Kirche, Wirtschaft und Staat nach dem Mund, meistens mehr als nötig wäre. Dafür werden sie von ihren Chefs in Ruhe gelassen, aber auch insgeheim verachtet.
Die Bibel sagt: „Habe vor Gott Respekt und richte Dich in erster Linie nach ihm, nach seinem Willen, nach seinen Geboten. Dann weißt Du (Erkenntnis), was Dir und anderen gut tut und was richtig ist.” Anders gesagt, wer mit Gott vertraut ist, lebt anders, trifft andere Entscheidungen, macht andere Erfahrungen als derjenige, der das nicht ist. Martin Luther hat es auf seine ihm eigene Weise drastisch zum Ausdruck gebracht als er sagte: „Der Mensch ist ein Reittier. Entweder reitet ihn Gott oder der Teufel.” Ich weiß, das ist nicht differenziert, sondern schroff. Deshalb klingt die Frage weiter oben in unseren Ohren angenehmer, wo ich schreibe: »Von wem lässt Du Dir den Ton für die Melodie Deines Lebens vorgeben?« Aber letzten Endes läuft es auf dasselbe hinaus.
Und, weißt Du nun eine Antwort auf die Frage, wer alles in Deinem Leben tonangebend ist?

Gebet: Mein Schöpfer und Herr, gib mir Ohren, Deinen Ton aus den vielen Tönen dieser Welt herauszuhören, damit ich nach ihm mein Lebenslied singen kann. Amen

Herzliche Grüße und einen guten Start in den Alltag des neuen Jahres!

Hans Löhr 

Dienstag, 1. Januar 2013

Knien vor dem Chef hl

Losung: Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören und sagen: Im HERRN habe ich Gerechtigkeit und Stärke. Jesaja 45,23-24

Lehrtext: Ich beuge meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Epheser 3,14-15

Liebe Leserin, lieber Leser,

es war der 07.12.1970. Willy Brandt, der damalige Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland besuchte die damalige Volksrepublik Polen. Er kam, um den so genannten Warschauer Vertrag zu unterzeichnen. Am Mahnmal für die Opfer des Warschauer Ghettos, einem Stadtbezirk, in dem 1940-1943 von SS und deutschen Nazi-Soldaten tausende Juden zusammengetrieben worden waren, um sie in die Vernichtungslager abzutransportieren, - an diesem Mahnmal hat Willy Brandt einen Kranz für die Opfer niedergelegt und ist dabei spontan auf die Knie gegangen. Diese stumme Bitte um Vergebung und Versöhnung eines, der keine Schuld hatte, wirkte mehr als alle politischen Reden der damaligen Zeit.
Die Hälfte der Deutschen damals war gegen den Kniefall. Die Bild-Zeitung machte sich für sie zum Sprachrohr. Sie verunglimpfte den Bundeskanzler als einen »vermutlich aus der Kirche ausgetretenen Sozialisten« und schrieb sinngemäß, dass man nur vor Gott knien dürfe. Willy Brandt sagte später im privaten Kreis dazu: »Was wissen diese S… schon, vor wem ich gekniet habe!«
Ja, man darf nur vor Gott knien und vor seinen geschundenen und gequälten Brüdern und Schwestern (Matthäus 25,40+45). Vor einem Menschen aber, der größer, mächtiger und stärker ist als man selbst, darf ein Christ freiwillig nicht knien. Niemals! Denn nur einer ist wirklich unser Vater,  sagt Jesus, der im Himmel, und nur einer unser Meister, Christus (Matthäus 23,9).
So macht die Bibel zu Beginn des neuen Jahres klar, wer der Chef ist auch über Dein Herz und Deine Seele. Alle anderen sind höchstens Chefs über Deine Arbeitskraft und sonst über nichts. Vergiss nicht, wenn Du in das neue Jahr gehst: Du bist eine Tochter / ein Sohn des Höchsten. Das ist Deine Würde. Lass sie Dir von niemandem nehmen auch nicht von Dir selbst.

Gebet: Mein Vater im Himmel, ich geh vor Dir auf die Knie, der Du Dich mir im Bild Deines gekreuzigten Sohnes Jesus zeigst. Dir gehört mein Leben. Regiere Du mich nach Deinem Willen, so bin ich in dieser Welt ein freier Mensch. Gib mir die Größe, die Kraft und den Mut, dass ich mich vor den geringsten Deiner Brüder und Schwestern beugen und Dir in ihnen dienen kann. Amen

Der dreieinige Gott halte in diesem neuen Jahr seine schützende und segnende Hand über Dich und alle die zu Dir gehören!

Hans Löhr 

Futur – Jahreslosung 2013 hl

»Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir« Hebräer 13,14

Liebe Leserin. lieber Leser,

mein Gott, wie haben sich unsere Dörfer in den letzten 50 Jahren verändert! Mehr noch als unsere Innenstädte, die unter Denkmalschutz stehen und ihr altes Gesicht weit gehend bewahrt haben. Unsere Vorfahren würden ihr Dorf nicht mehr wieder erkennen. Die Häuser wurden allesamt aufgestockt. Die Ställe bis auf wenige Ausnahmen abgerissen. Scheunen, sofern sie noch stehen, in Garagen und Maschinenhallen umgewandelt oder zu großzügigen Wohnungen ausgebaut.
An den Dorfrändern stehen neue Siedlungen. Viele Häuser haben einen farbigen Anstrich bekommen. Die Dorferneuerung hat ihre Spuren in Form von Gehsteigen, Brunnen, Bushäuschen, Blumenrabatten und Grünstreifen hinterlassen.
Wir haben es uns schön gemacht in unseren Häusern und Wohnungen, in unserm Dorf. Endlich hat man auch das Geld für eine geschmackvolle Einrichtung und etwas Luxus. Schließlich will man sich da, wo man lebt, auch wohl fühlen.
Aber wie werden unsere Dörfer in 20, 50 oder 100 Jahren aussehen? Werden wir sie dann wiedererkennen? Werden unsere Häuser noch stehen? Wer wird einmal darin wohnen? Und wo werden wir dann sein? Auf dem Friedhof, ja. Aber ist das alles?
Nein. Ich glaube das nicht. Ich vertraue darauf, was Gott mir durch die Bibel sagt: Wir werden einmal in seiner Stadt bei ihm wohnen und dort eine Heimat haben für immer. Dann hat alles Suchen ein Ende. Dann sind wir dort angekommen, wo wir nicht mehr ausziehen müssen und nicht mehr vertrieben werden können: in der zukünftigen Stadt, die wir suchen und die uns bleibt.
Im Gesangbuch (EG 150) steht ein Lied dazu. Mein Großvater Georg hat es besonders gern gesungen. Darin ist von dieser zukünftigen Stadt die Rede, vom himmlischen Jerusalem:

Jerusalem, du hochgebaute Stadt,
wollt Gott, ich wär in dir!
Mein sehnend Herz
so groß Verlangen hat
und ist nicht mehr bei mir.
Weit über Berg und Tale,
weit über Flur und Feld
schwingt es sich über alle
und eilt aus dieser Welt.

Ja, das himmlische Jerusalem war für zahllose Generationen vor uns der Sehnsuchtsort, an den sich unsere von Kriegen, Wirtschaftskatastrophen und persönlichem Leid getroffenen Vorfahren manchmal gewünscht haben.
Ich sehne mich nicht danach. Noch nicht. Ich lebe immer noch gern auf dieser Erde zusammen mit meiner Familie. Mir geht es ja auch im Großen und Ganzen gut. Aber wer weiß, vielleicht kommen auch auf mich noch einmal Zeiten zu, in denen ich froh bin, dass ich das himmlische Jerusalem als Ziel vor Augen habe. Wo die Herrlichkeit Gottes alles Leid und alle Schuld überstrahlt.
Früher oder später muss ich ausziehen aus meinem Haus, aus meinem Dorf, aus meiner Stadt.
Früher oder später muss ich ausziehen  aus dem Gehäuse meines irdischen Lebens.
Früher oder später werde ich ankommen in seiner Stadt und eine Heimat haben, die bleibt.
Das ist mir versprochen. Das will ich glauben.

Gebet: Mein himmlischer Vater, jetzt bin ich im Glauben bei dir und du bei mir. Aber einmal möchte ich dich sehen von Angesicht zu Angesicht und in deiner Gegenwart bleiben für immer; befreit von allem, was mich hier belastet; beschenkt mit der großen Freude, die du mir durch Jesus gibst. Amen.

Gottes Segen mit Gesundheit, Erfolg und Freude im neuen Jahr!

Hans Löhr

Montag, 31. Dezember 2012

Wann tröstest Du mich? hl

Losung: Meine Augen sehnen sich nach deinem Wort und sagen: Wann tröstest du mich? Psalm 119,82

Lehrtext: Unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen. 2.Thessalonicher 2,16-17

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht war das zu Ende gehende Jahr für Sie / Dich weitgehend normal, ohne besondere Höhepunkte und ohne besondere Tiefpunkte. Vielleicht kannst Du zufrieden und dankbar abschiednehmen von 2012 und zuversichtlich hinüber treten ins neue Jahr. Vielleicht hat Dir das alte Jahr aber auch Wunden geschlagen, die immer noch weh tun, weil eine Beziehung zerbrochen ist oder Du einen lieben Menschen verloren hast oder eine andere tiefe Enttäuschung erlebt hast. Dann trifft für Dich vielleicht das Losungswort zu, dass Du Dich danach sehnst, so getröstet zu werden, wie nur Gott es tun kann. Dann formuliere aus Deiner Sehnsucht ein Gebet und wenn es nur aus den vier Wörtern der Losung besteht: »Wann tröstest Du mich?«
Gott wird Dir nicht gönnerhaft den Kopf tätscheln und sagen „Das wird schon wieder ”. Nein, er lässt Dir ersteinmal Zeit, dass Du ihm Dein Leid klagen, dass Du ihm alles sagen kannst, was Du auf dem Herzen hast. Und während Du noch redest und betest, lässt er Dich schon seine Liebe spüren und Du weißt: Ich bin nicht allein. Mein Herr Jesus Christus und Gott, mein Vater, kümmert sich um mich. Er wird mir die Zeit geben, die meine Wunden heilt.

Gebet: Wann, mein Gott, tröstest Du mich? Tröstest Du mich nicht schon dadurch, dass ich diese Frage überhaupt stellen, so ein Gebet überhaupt sprechen, an Dich glauben kann? Manchmal sind es Kleinigkeiten, womit Du mich tröstest: ein Musikstück zum Beispiel, oder ein Kind, das singt oder das wunderbare Morgenrot, das ich gestern erlebt habe. Gib mir ein Gespür, in den Kleinigkeiten Deinen Trost zu entdecken. Amen

Herzliche Grüße und einen – nein, nicht guten Rutsch, sondern getrosten Übergang vom alten ins neue Jahr!

Ihr / Dein Hans Löhr 

Freitag, 28. Dezember 2012

Und wieder wächst sie ein Stück ebl

Losung: Der Tag des HERRN ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen? Doch auch jetzt noch, spricht der HERR, bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen! Joel 2,11-12

Lehrtext: Der Herr lasse euch wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann, damit eure Herzen gestärkt werden und untadelig seien in Heiligkeit vor Gott, unserm Vater, wenn unser Herr Jesus kommt. 1.Thessalonicher 3,12.13

Liebe Leserinnen und Leser,

ein paar Tage liegt der letzte 'Beinahe-Weltuntergang' jetzt schon wieder zurück. Wir erinnern uns: Der Maya-Kalender zählte unsere letzten Tage und mancher hat sich abgesichert durch den Bau eines Schiffes oder einer Kapsel, das ihn vor dem Verderben retten sollte.
Wir haben über diese apokalyptischen Ängste anderer Leute vielleicht nur müde gelächelt. Dabei sollte uns bewusst sein, dass auch die Bibel als DAS Buch der Christen davon redet, dass eines Tages dieses Leben hier zu Ende geht. Was kommt dann? Gibt es tatsächlich so etwas wie ein Gottesgericht über die Welt? Der Prophet Joel geht fest davon aus, dass ungeheure Mächte im Namen Gottes dann toben werden: "Schrecklich ist der Tag, an dem Der HERR eingreift. Wer wird ihn überstehen?"
Ich weiß auf diese Frage keine Antwort, solche Angstmacherei schreckt mit eher ab. Sollte die nackte Angst Menschen dazu bringen, sich Gott gegenüber zu öffnen? "Selbst jetzt noch könnt ihr zu mir umkehren", sagt der HERR. "Wendet euch zu mir von ganzem Herzen"! (Altes Testament, Buch des Propheten Joel, Kapitel 2, Verse 11-12)

Auch wenn ich immer wieder den Satz  höre: "Den Leuten geht es viel zu gut - deshalb kommen sie nicht mehr in die Kirche und kümmern sich nicht mehr um den Herrgott!" - - - ich möchte nicht, dass um uns herum die Not (wieder) so groß wird, wie sie in Kriegszeiten schon war, dass sich die Gotteshäuser wieder füllen.

Ich wünsche mir, dass auch in friedlichen Zeiten immer wieder Menschen Gott für ihr Leben entdecken und ihm ihr Vertrauen schenken. Und dass in ihrem Leben wahr wird, was Paulus uns wünscht: "Der Herr lasse eure Liebe zueinander und zu allen Menschen wachsen und überströmen, sodass sie so stark wird wie unsere Liebe zu euch. Er mache euch innerlich stark, damit ihr vor unsrem Gott und Vater in untadeliger Heiligkeit dasteht, wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen Engeln kommt. Amen." (Neues Testament, 1.Thessalonicher-Brief, Kapitel 3, Verse 12 und 13)

Gebet: "Gott, so wenig ich über den Anfang unserer Welt wirklich weiß, so wenig weiß ich über ihr Ende. Ich glaube, dass Anfang und Ende von allem in deiner Hand sind und vertraue darauf, dass du es gut mit uns meinst. So lebe ich den heutigen Tag. Nur den heutigen. Und bitte dich, dass du deine Liebe in mir wieder ein Stück wachsen lässt. Danke, Gott. Amen."

Herzlich grüßt Sie und dich

Ihre / Deine

Elfriede Bezold-Löhr

Donnerstag, 27. Dezember 2012

So gut ich kann ebl

Losung: HERR, zürne nicht so sehr und gedenke nicht ewig der Sünde! Sieh doch an, dass wir alle dein Volk sind! Jesaja 64,8

Lehrtext: Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. Johannes 3,36

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade noch feiern wir Weihnachten und dann heute das: Da betet einer, der sich vorher umgesehen hat und feststellt, dass viel Unrecht um ihn herum passiert, viele Leute sich nur um sich selber drehen und dass Gott eigentlich im Alltag keine Rolle spielt: "Niemand hat dich beim Namen gerufen und bei dir Hilfe gesucht, niemand kam zur Besinnung und hielt sich an dich. (...) Dennoch, HERR: Du bist unser Vater! Wir sind der Ton, du bist der Töpfer; wir alle sind von deiner Hand geschaffen. Darum - das ist der heutige Losungsvers - sei nicht so zornig auf uns; trag es uns nicht für immer nach, dass wir uns so schwer vergangen haben. Wir alle sind dein Volk! Sieh uns doch freundlich an!" (Altes Testament, Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 64, Vers 8) Da wird deutlich, dass es Gott nicht egal ist und nie egal war, ob wir sein 'Werben' um uns 'erhören'. Immer wieder macht er uns Menschen eine Liebeserklärung - und wir stehen in der Gefahr, nur um uns selbst kreisen. Leuchtender und deutlicher, als es an Weihnachten passiert, kann Gott eigentlich in unser Leben nicht hineinsprechen. Jetzt sind wir am Zug und können kaum sagen, dass wir von Gott und seinem Mensch-Werden in Jesus nichts mitbekommen hätten. Wie wir zu Jesus Christus stehen, ist die alles entscheidende Frage: "Wer sich an den Sohn hält, hat das ewige Leben. Wer nicht auf den Sohn hört, wird niemals das Leben finden; er wird dem Zorngericht Gottes nicht entgehen." (Evangelium nach Johannes, Kapitel 3, Vers 36)

Gebet: "Gott, mein Vater, ich möchte nach diesem Leben hier deine Herrlichkeit sehen. Ich versuche, mich an Jesus Christus zu halten, so gut ich irgend kann. Es gelingt mir mal besser und mal schlechter, Herr. Bitte vergib mir, wo ich versage und sieh mich mit liebenden Augen als dein 'Neshumele', als deine geliebte Seele. Ich danke dir, Gott. Amen."

Herzlich grüßt Sie und dich

Ihre / deine

Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Die Weihnachtsfreude pustet keiner aus ebl

Losung: Fürchtet euch nicht! Haltet stand, so werdet ihr sehen, wie der HERR euch heute helfen wird. 2.Mose 14,13

Lehrtext: Die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Lukas 2,20

Liebe Losungsleserinnen und -leser,

als Kind hätten die Weihnachtsfeiertage für mich ewig dauern dürfen! Im Wohnzimmer der Geruch von Kerzen und Baumharz, über das Haus verstreut die Geschenke und übrigen Kostbarkeiten der Festtage, Erwachsene mit viel Freizeit, immer wieder gutes Essen - das war ein wunderbarer Ausnahmezustand.
Aber irgendwann stand er zwangsläufig bevor, der 'Tag danach', der Alltag. Er war oft ernüchternd, wieder ganz normal und von den üblichen Pflichten getaktet.
Seltsamerweise spielt gerade der Alltag in der Bibel eine große Rolle. Er scheint der Bereich unseres Lebens zu sein, in dem Gott gerne viel bewirken würde, wenn wir es denn zulassen. "Fürchtet euch nicht! Haltet stand, so werdet ihr sehen, wie der HERR euch heute helfen wird", ermutigt Mose seine Leute, als sie das altbekannte Muster von Lebensgefahr und Unterdrückung wieder auf sich zukommen sehen. (Altes Testament, 2. Buch Mose, Kapitel 14, Vers 13) Die Feste sind die Ausnahmezustände - im Alltag sind Durchhaltevermögen und Gottvertrauen gefordert.

Davon redet auch der Lehrtext des heutigen zweiten Weihnachtsfeiertages: "Die Hirten kehrten wieder um (zu ihren Herden, EBL), priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war." (Neues Testament, Evangelium des Lukas, Kapitel 2, Vers 20) Nach dem Fest der Alltag. Nach der Begegnung mit dem neu geborenen Retter dieser Welt wieder die Hütearbeit auf staubigen Feldern. Nach der Engelsmusik wieder das Pfeifen des Windes in den kalten Nächten. Da wird es erst richtig spannend. Denn jetzt muss sich bewähren, was sie vorher gehört und für sich durchdacht haben.
Wir sollten es machen wie die Hirten: Auch wenn die Feiertage gehen, bleiben uns doch unsere Lieder ("sie priesen Gott und lobten ihn" - ganz sicher auch mit Liedern, oder?)und die Gedanken, die uns in diesen Tagen besonders angesprochen haben. Das, was Gott dir und mir diesmal persönlich hat sagen wollen. Damit macht er uns stark für den Alltag, der morgen wieder beginnt. "Die Weihnachtsfreude, die pustet keiner aus ...." - so fängt ein Weihnachtslied unserer Kinder an. Das soll für uns alle gelten!

Gebet: "Gott, wir bitten dich: Lass nach den Feiertagen dein Licht in unserem Leben nicht ausgehen. Bleib uns in unseren Gedanken nah. Lass uns erfahren, dass du ein lebendiger Gott bist. Hilf uns, dass wir gerade in den alltäglichen Herausforderungen unser Vertrauen auf dich setzen können. Amen."

Ein unauslöschliches inneres 'Glühen' 

wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 25. Dezember 2012

Schluss mit dem Herumkrebsen ebl

Losung: Kein Bewohner Zions wird sagen: »Ich bin schwach«; denn das Volk, das darin wohnt, wird Vergebung der Sünde haben. Jesaja 33,24

Lehrtext: Der Engel sprach: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr. Lukas 2,10-11

Frohe Weihnachten, liebe Leserinnen und Leser!

"Kein Mensch im Land wird noch klagen, er sei von Krankheit und Schwäche geplagt, denn die Schuld des Volkes ist vergeben", heißt es in dem für heute gelosten Satz aus der Bibel (Altes Testament, Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 33, Vers 24). Es ist der letzte 'Pinselstrich' eines Bildes, das unsere erlöste Welt zeigt, in der Gott in seiner ganzen Herrlichkeit erkennbar wird. Alles, was den Israeliten damals zu schaffen machte, ist vergessen, jedes Leid wie fortgewischt.

Dieses Szenario ist nur dann keine nette Träumerei, wenn wir in Gott auch heute noch große Erwartungen setzen. Haben wir dazu Grund? Ja, haben wir. Und diesen Grund macht uns der heutige Lehrtext klar, der uns ins Neue Testament führt. Wir wissen es alle: Der Engel in der Christnacht hat sich zuerst mit der 'Geburtsanzeige' von Jesus an Leute gewandt, denen vieles zu schaffen machte: ihre harte Hütearbeit, ihr karges Leben, die Verachtung der besseren Leute. Hirten waren in der Zeit, als Jesus geboren wurde, fast so etwas wie der 'Abschaum' der Gesellschaft. Zu denen sagt der Bote Gottes: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr." (Neues Testament, Evangelium nach Lukas, Kapitel 2,Verse 10-11).

Das ist 'typisch Gott': An diejenigen, an die zunächst mal keiner denkt, denkt er zuerst. Er macht ihnen Hoffnung, dass sie nicht weiterhin einfach 'herumkrebsen' müssen wie bisher. "Von heute an ist nichts mehr, wie es war, Männer. Gott fängt mit euch und dieser Welt noch einmal neu an. Ihr habt mit Jesus eine ganz neue Perspektive!" So könnte der Weihnachtsengel 2012 reden. Und während er redet, steht er dir und mir gegenüber!

Gebet: "Gott, wir müssen nicht weiter herumkrebsen wie bisher. Wir sind deine geliebten Seelen! Du änderst mit der Geburt von Jesus alle Spielregeln, die Menschen sich jemals ausdenken können. Lass diejenigen unter uns, die zur Zeit ohne Hoffnung sind, deine aufmerksame Liebe erleben. Schenke ihnen eine neue Perspektive für ihr Leben. Amen.

Mit Weihnachtsfreude im Herzen

grüßt Sie und dich

Ihre / Deine Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 24. Dezember 2012

Lass Dich finden von Gott hl

Predigt zur Christvesper am 24.12.2012 von Hans Löhr
Predigttext: Johannes 1, 9.11-13: »Das Wort kam von Gott als Licht der Wahrheit in die Welt, um das Leben jedes einzelnen Menschen hell zu machen.Jesus Christus ist dieses Wort von Gott. Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf. Doch allen, die ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzten und ihn aufnahmen, gab er die Vollmacht, als Kinder Gottes leben zu können, das sind die Menschen,… für die Gott wirklich Vater geworden ist.«
Liebe Freunde,
an Weihnachten feiern wir, feierst Du das Außergewöhnliche, ja nahezu Unglaubliche, dass Gott, der Schöpfer des Universums, in dem kleinen Jesuskind Mensch geworden ist. Und mit Dir feiert das die halbe Menschheit auf allen Kontinenten und in allen Ländern dieser Erde. Aber wo findest Du, finde ich Jesus auch jenseits von Weihnachten, wenn die Feiertage wieder vorbei sind und der Alltag beginnt?
Ein Kollege von mir hat an Weihnachten ein Krippenspiel aufgeführt. Dazu hatte er sich die Baby-born-Puppe seiner dreijährigen Tochter Anna ausgeliehen. Wer hier weiß was das ist?... Das ist eine Puppe, die - ich hab mich im Internet erkundigt - Schlafaugen hat sowie weinen, Brei essen, trinken und in die Windel machen kann. Letzteres ist besonders wichtig. Das Mädchen, das beim Krippenspiel die Maria spielte, hatte diese Puppe im Arm. Die kleine Anna sah aufmerksam zu. Danach sagte sie: »Papa, hast Du gesehen, die Maria hatte auch eine Baby-Born-Puppe, genau wie ich? Aber wo war eigentlich Jesus?« Ja, wo war er? Wo ist er? Weißt Du, wo er ist?
Vorhin, zu Beginn des Gottesdienstes, war ich mit einer brennenden Kerze vor der Krippe gestanden und habe den alten Liedvers gebetet: »Ich steh an Deiner Krippen hier , o Jesu, Du mein Leben... «. Aber ist diese Kerze , die in der Krippe brennt, Jesus? Er ist das Licht von Gott, das unser Leben hell macht, sagt die Bibel. Und die Kerze weist darauf hin so wie alle Kerzen, die wir an Weihnachten anzünden. Doch wo ist er selbst?
Damals, in Bethlehem, haben die Leute nicht wahrgenommen, dass Maria, dieses vielleicht fünfzehnjährige Mädchen, mit Gottes Sohn schwanger war. Und darum haben sie sie nicht ins Haus gelassen. In jedem Krippenspiel, wird diese Szene der Herbergssuche immer wieder dargestellt. Und die Frage, die sich für den Zuschauer daraus ergibt, ist immer wieder dieselbe: Kann ich, will ich Jesus bei mir aufnehmen? In meinem Herzen? In meinem Leben? Aber, so magst Du Dich vielleicht jetzt fragen, begegnet mir denn der Mensch gewordene Gott wahrhaftig in meinem Alltag? Bei welcher Gelegenheit sollte das denn sein?
Ich denke, er begegnet dir auf vielfältige Weise. Er begegnet dir in der Bibel, in den Liedern, die wir heute singen, in deinen Gebeten. Er begegnet dir aber auch in dem Obdachlosen am Brückencenter, dem du eine Wurstsemmel kaufen kannst. Oder in dem Kollegen, den du trotz allem Ärger grüßen kannst. Oder in der gestressten Bäckereiverkäuferin, der du ein Lächeln schenken kannst. Ist Jesus, ist Gott wirklich so alltäglich? Ja, sagt die Bibel, dazu ist er zu uns auf die Erde gekommen, mitten in Dein und mein Leben, um uns im Alltag nahe zu sein..
Natascha war mit ihrem Mann vor 15 Jahren aus Russland ausgereist und nach Württemberg gekommen. Ich bin ihr auf eine Geburtstagsfeier begegnet. Da hat sie mir ihre Geschichte erzählt. Ihr Mann hat in Deutschland nicht Fuß fassen können. Er kam mit dem Leben hier einfach nicht zurecht. So hat er das bisschen Geld, das Natascha verdient hatte, vertrunken. Und so verlor er erst den Führerschein und dann die Arbeit. Als er anfing, sie zu schlagen, hat Natascha ihn verlassen. Sie packte einen Koffer mit Wäsche in ihr kleines Auto und fuhr davon. Sie wusste nicht einmal wohin. Nur weg aus diesem Leben, das keines war. Aufgewühlt wie sie war verunglückte sie. Das Auto, das noch nicht abbezahlt war, hatte Totalschaden. Natascha setzte sich in den Straßengraben und weinte sich die Augen aus. Alles war kaputt, die Ehe, ihre Existenz, das Zuhause, das Auto, und hier, in Deutschland war sie noch immer fremd. Sie wusste nicht mehr wie es weitergehen sollte. Da passierte etwas, was sie von Grund auf verändern sollte. Sie sagte: „ Herr Pfarrer, auf einmal spürte ich, wie es in mir warm wurde und leicht ums Herz. Ich erlebte eine Liebe, die ich nie zuvor gekannt hatte. Ich kannte Gott bisher nur vom Hörensagen, kannte ihn aus dem Religions- und Konfirmandenunterrichts so wie die meisten Menschen. Ich hatte nie eine persönliche Beziehung zu ihm. Doch damals, am absoluten Tiefpunkt meines Lebens, bin ich dem lebendigen Gott begegnet. Da habe ich mich bekehrt.” Und Natascha fügte hinzu, dass sie von seiner Liebe bis heute getragen wird und damals versprochen hat, sie weiterzugeben an alle, denen sie begegnet. So begann für sie ein neues Leben.
Vielleicht musst Du Gott gar nicht suchen, weil er Dich sucht bis Du Dich von ihm finden lässt. Wie war das damals in Bethlehem? Gott ist in Jesus am absoluten Tiefpunkt zur Welt gekommen, in der hintersten römischen Provinz. Er ist nicht in einem Palast geboren, nicht in einem Haus, sondern in einem Stall. Ganz unten ist er zur Welt gekommen, tiefer ging‘s nicht mehr. So wollte und konnte er den Menschen nahe sein, die selbst ganz unten waren. Er lag nicht in einer goldenen Wege, nicht in einem Stubenwagen, sondern in einem Futtertrog. Und die Nachricht von seiner Geburt haben nicht wir Pfarrer bekommen, nicht Bischöfe oder Päpste, auch keine Kanzler, Präsidenten und Bank-Vorstände, keine Wirtschaftsbosse und Stars, sondern zerlumpte Hirten, die damals der Abschaum waren.
Ja, vielleicht muss man selber mal ganz unten gewesen sein, vielleicht nicht unbedingt materiell, aber seelisch, dass man nicht mehr wusste, wie es weitergehen würde. Oder gesundheitlich, als Du vielleicht knapp dem Tod entronnen bist. Oder emotional, was die Partnerschaft betrifft. Vielleicht musst Du so etwas ähnliches erlebt haben, damit Gott Dich finden kann. Vielleicht hat unser größter Dichter, Johann Wolfgang von Goethe, Recht, der sagt:
Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,

Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.


Ja, vielleicht ist es so. Es muss nicht so sein. Du kannst auch auf anderen Wegen zu Gott finden und er zu Dir. Jeder von Euch hier hat auch schon Momente großen Glücks erlebt. Zum Beispiel, als Du über beide Ohren verliebt warst und die Welt plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen hast. Oder als Dein Kind geboren wurde. Man muss schon ein Herz aus Stein haben, wenn einen so etwas nicht im Innersten berührt. Solche Dinge stehen nicht in der Zeitung und davon berichtet auch nicht das Fernsehen. Doch für Dich sind das echte Wunder. Aber manchmal begegnet Dir der lebendige Gott eben an den Tiefpunkten Deines Lebens. Und das ist ja eigentlich auch tröstlich, dass Du gerade dann, wenn Du ihn brauchst, nicht verlassen bist.
Wo findest Du das Jesuskind und nicht nur eine Puppe? Wo findest Du Gott? Du findest ihn nicht in den spektakulären Ereignissen der Außenwelt. Du findest ihn in Dir. Sage zu ihm mit diesen Worten oder Deinen eigenen: „Mein Jesus, mein Gott, ich weiß nicht, ob ich glauben kann. In mir sind so viele Fragen und Zweifel. Ich fühle mich da unsicher. Ich weiß zu wenig und kenne mich mit dem Glauben nicht aus. Aber ich will‘s heute an Weihnachten wieder versuchen. Komm zu mir. Ich bin bereit.”
In dem Bibelwort, das ich eingangs vorgelesen habe und das dieser Predigt zu Grunde liegt, heißt es: »Allen, die ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzen und ihn aufnehmen, gibt er die Vollmacht, als Kinder Gottes leben zu können. Das sind die Menschen,… für die Gott wirklich Vater geworden ist.« Dass Gott auch für Dich wirklich Vater ist, das steht von ihm aus fest. Dir wünsche ich, dass Du das glauben kannst, damit es auch für Dich Weihnachten wird. Amen HL

Keine Nacht wie jede andere ebl

Losung: Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer. Sprüche 14,31

Lehrtext: Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Philipper 4,5

Einen gesegneten Heiligen Abend, liebe Leserin, lieber Leser!

heute feiern wir den Gott, der im Kleinen groß wird! Wir lassen uns von ihm wieder neu sagen: "Du liegst mir am Herzen. So sehr, dass ich meine göttliche Macht abstreife und ein Mensch werde wie du. Geboren in schlichten Umständen, so dass du zu mir kommen kannst wie jeder andere auch."
Ein verletzliches Neugeborenes beten die Hirten an, nachdem sie von den Engeln erfahren haben, dass ER geboren ist, der Heiland und Retter unserer Welt. Die heutige Losung lässt etwas durchschimmern davon, dass 'gering' und 'mächtig' bei Gott anders zugeordnet ist als in unserem menschlichen Wertesystem. In allem, auch im Kleinsten, ist Gott als der Schöpfer ausgeprägt. Daher mahnen die Sprüche: "Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer." (Altes Testament, Buch der Sprüche, Kapitel 14, Vers 31)

Im Lehrtext wünscht sich Paulus von seinen Freunden in Philippi, dass Freundlichkeit und Rücksichtnahme regelrecht zu ihren Markenzeichen werden: "Alle in eurer Umgebung sollen zu spüren bekommen, wie freundlich und gütig ihr seid. Der Herr kommt bald!" (Neues Testament, Brief des Paulus an die Philipper, Kapitel 4, Vers 5). Wir alle kennen es aus eigener Erfahrung, wie wohltuend ein wertschätzender Umgang untereinander ist. Damit werden wir durchscheinend für Gott und seine Güte, sein Gut-Sein. Wir müssen heute gar nicht auf 'Heiligen Abend machen' - wenn wir nur diese Ermutigung zum Gütigsein annehmen, dann wird der Abend und die Nacht heilig. Gott schafft das ...

Gebet: "Vater, danke dafür, dass du ein Mensch geworden bist wie wir. Dadurch kommst du uns nah und wir dir. Das ist das beste Geschenk, das du uns  hast machen können.
Wenn es manchem von uns schwer fällt, das anzunehmen, wenn das Herz wie vernagelt zu sein scheint - öffne du es. Dein Heiliger Geist macht es möglich. Danke, Gott. Amen."

Dass die kommende Nacht keine Nacht wie jede andere wird,

wünscht dir und Ihnen

deine/Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Freitag, 21. Dezember 2012

Leben aus dem Geist hl

Losung: Nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch. Joel 3,1

Lehrtext: Jesus sprach: Der Tröster (Beistand), der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Johannes 14,26

Liebe Leserin, lieber Leser,

·      »manchmal«, so sagte die schon längst erwachsene Tochter, »wenn ich nicht weiß, was ich in einer bestimmten Situation machen soll, denke ich an meine verstorbene Mutter und dann versuche ich in ihrem Geist, in ihrem Sinn zu handeln. Dann habe ich das Gefühl, als ob sie mir noch immer beisteht.«
·      Pastor Martin Niemöller, einer der wenigen großen Gegenspieler Hitlers in Deutschland, der dafür im KZ saß und nach dem Krieg Kirchenpräsident von Hessen wurde, sagte sinngemäß: „Ich habe mich vor wichtigen Entscheidungen immer gefragt, was würde Jesus jetzt tun? Das hat mir geholfen, in der Nazi-Diktatur nicht die Orientierung zu verlieren."
·      Einige, meist junge Christen tragen ein Armband mit der Buchstabenkombination WWJD, die Abkürzung des englischen Satzes „What Would Jesus Do“, auf Deutsch: „Was würde Jesus tun?". Es hilft ihnen, in unserer Zeit der Diktatur des Konsums und der Medien nicht die Orientierung zu verlieren.
Eigentlich müsste sich das jeder, der Christ sein will, immer wieder fragen, dann würde sich vieles zum Guten ändern. Aber Losung und Lehrtext bedeuten mehr als nur ein Erinnern daran, wie Jesus gehandelt hat und wie er vielleicht heute handeln würde. Beide Bibelworte sind eine Zusage, dass Gott bzw. Jesus den, der auf ihn vertraut, mit seinem heiligen Geist erfüllt und ihm beisteht. Und darum sagt Jesus an anderer Stelle: »Wenn ihr … vor Richtern und Machthabern verhört werdet, dann sorgt euch nicht darum, was ihr sagen oder wie ihr euch verteidigen sollt! Denn der Heilige Geist wird euch zur rechten Zeit das rechte Wort geben.« (Lukas 12,12)
Zur rechten Zeit das rechte Wort, die richtige Entscheidung, die rechte Tat – das ist alles andere als einfach. Aber Du bist dabei ja nicht auf Dich allein gestellt. Gott ist Dir in seinem Geist nah. Er hilft Dir, auch wenn Du ihn nicht siehst.
Die erwachsene Tochter, von der ich eingangs gesprochen habe, versucht im Sinn ihrer Mutter zu handeln. Wir aber können aus und mit dem Geist Gottes leben, sofern wir für ihn offen sind und darum bitten.

Gebet: Herr, ich bitte Dich, dass ich Deine Gegenwart spüren darf. Mach mich gewiss, dass Du bei mir bist und mir beistehst, auch wenn ich Dich nicht sehe. Stärke mich dazu im Glauben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Gott segnet die Hände, die arbeiten hl

Losung: Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Psalm 127,1

Lehrtext: Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott. 2.Korinther 3,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott nimmt uns das Leben nicht ab. Wofür wir ihn um seinen Beistand bitten, das müssen wir auch selbst im Rahmen unserer Möglichkeiten tun. Der Wächter muss wachen, aber durch ihn behütet Gott die Stadt. Der Arzt muss helfen, aber durch seine Kunst heilt Gott die Kranken. Der Bauer muss säen, aber durch seine Arbeit schafft Gott Brot (EG 508,2). Leben und Glauben, beten und arbeiten – das gehört zusammen wie zwei Seiten einer Medaille. Gott segnet die Hände, die arbeiten und nicht die, die im Schoß liegen.
Darum macht es Sinn, wenn wir für andere beten: für diejenigen, die Verantwortung tragen in der Politik, in der Wirtschaft, in der Erziehung, im medizinischen Bereich auch in der Kirche. Und darum macht es auch Sinn, wenn wir für uns selber beten und sagen:
»Gib, dass ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret,
wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet.
Gib, dass ichs tue bald, zu der Zeit, da ich soll,
und wenn ichs tu, so gib, dass es gerate wohl.«
(Evang. Gesangbuch Nummer 495 Vers 2)

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Weltuntergang hl

Losung: Der HERR wird dein ewiges Licht und dein Gott wird dein Glanz sein. Jesaja 60,19

Lehrtext: Johannes der Täufer kam zum Zeugnis, um von dem Licht zu zeugen, damit sie alle durch ihn glaubten. Johannes 1,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Auf Wiedersehen und frohe Weihnachten!« sage ich zu der Frau. »Wenn wir es erleben.« Sagt sie. »Wieso?« Frage ich. »Na wegen dem Mayakalender und dem Weltuntergang«. Ich bin kurz sprachlos. Das mit dem „Weltuntergang“ ist also nicht nur ein Medien-Gag, sondern da sind tatsächlich Menschen, die solchen Schwachsinn ernst nehmen und sich fürchten. Was man nicht alles glaubt, wenn man nicht (mehr an Gott) glaubt! Ich hab keine Zeit und keine Lust, mich mit der Frau noch auf eine längere Diskussion einzulassen und sage nur noch zum Abschied: »Da bin ich völlig unbesorgt.“
Ein Song aus den Achtzigern fällt mir ein. Ina Deter singt: »Geht die Welt heute unter, geht sie ohne mich.«
Übermorgen also soll nach dem ominösen Mayakalender die Welt untergehen. Übermorgen ist Wintersonnenwende. Ab da nimmt das Licht wieder zu, werden die Tage wieder länger. Darauf freue ich mich. Und darauf, dass an Weihnachten „das Licht der Welt" in der Krippe liegt, Jesus, von dem ein überirdischer Glanz ausgeht, der alles in das Licht der Gnade taucht. So hat der große Rembrandt das Krippenkind ein ums andere Mal gemalt. So hat er mit Pinsel und Farbe festgehalten, was mit natürlichen Augen nicht zu sehen ist: wie Jesus das Licht der Liebe Gottes ausstrahlt, wenn es um mich und in mir finster geworden ist. Und das geschieht nicht nur am 24. Dezember, sondern immer wieder. So wie es immer wieder Weihnachten wird, wenn einem Menschen dieses Licht aufgeht.

Gebet: Herr Jesus, Du bist das Licht, nach dem ich mich sehne, wenn es in mir finster ist, wenn Krankheit, Enttäuschung und Trauer mein Leben verdüstern. Komm und bleibe bei mir. Wärme mich mit der Liebe des Vaters im Himmel. Sei das Licht auf meinem Weg zu Dir. Amen

Einen freundlichen Lichtergruß in dieser dunklen Zeit

Hans Löhr