Freitag, 14. Juni 2019

Geduld und Zeit hl

LosungAbrahams Knecht schwieg still, bis er erkannt hätte, ob der HERR zu seiner Reise Gnade gegeben hätte oder nicht. 1.Mose 24,21 

Lehrtext: Geduld habt ihr nötig, auf dass ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. Hebräer 10,36 

Liebe Leserin, lieber Leser,

     ich warte nicht gern. Ich mag Ungewissheit nicht. Aber es hilft nichts, das Leben lehrt mich immer wieder, zu warten und auszuhalten, bis bestimmte Dinge reif sind, dass sie geschehen. Gestern habe ich in unserem Gartenbeet an einer Radieschenpflanze gezupft, um zu sehen, ob das Radieschen schon groß genug zum Verzehr ist. War es natürlich nicht. Letzte Woche gab es noch keine rote Frucht im Erdbeerbeet. Inzwischen haben wir die ersten Erdbeeren gegessen. Alles hat seine Zeit, alles braucht seine Zeit und ich brauche Geduld.
    Jemand hat mir mal von der Gebets-Ampel erzählt. Wenn du Gott um etwas bittest, kann es sein, dass die Ampel bald auf Grün springt und deine Bitte erfüllt wird. Manchmal springt sie auf Rot, und dein Gebet wird nicht erhört. Meistens aber steht sie auf Gelb. Und anders als bei der Verkehrsampel, können die Gelbphasen bei Gott ganz schön lang sein. Seine Mühlen mahlen langsam, sagt das Sprichwort, vielleicht zu langsam für unsere schnelllebigen Zeit, wo alles sofort zu geschehen hat. Vielleicht können auch deswegen viele mit dem Glauben und mit Gott nichts anfangen, weil sie schlicht und einfach keine Geduld haben.
      Ich warte nicht gern. Ich mag Ungewissheit nicht. Aber es hilft nichts, das Leben lehrt mich immer wieder, zu warten. Ein Kind braucht neun Monate, bis es auf die Welt kommt. Ein Mann braucht 40 Jahre, bis er gescheit wird – das sagen zumindest die Schwaben. Und ich brauche ein ganzes Leben, um im Glauben zu wachsen und Gottvertrauen zu lernen.

Gebet: Herr, einen ganzen Tag braucht die Erde, um sich vom Morgen zum Abend und vom Abend zum Morgen zu drehen. Ein ganzes Jahr braucht sie, um mit uns Menschen um die Sonne zu reisen. Und doch fliegen wir mit der Erde und der Sonne schneller als eine Pistolenkugel durch das Weltall. Was bedeutet da schon mein Begriff von Zeit? 
     Du bist der Herr über die Zeit, über meine und über die im Universum. Du gibst den Takt vor. Nach dir muss sich alles richten. Nichts geht schneller und nichts dauert länger als du es willst. Lass mich das erkennen und nach dem Rhythmus leben, den du mir schenkst. Lass mich geduldig und aufmerksam darauf achten, wann du etwas für mich tust und wann es für mich an der Zeit ist, deinen Willen zu tun (Lehrtext). Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Donnerstag, 13. Juni 2019

Gute Früchte, schlechte Früchte hl

LosungGott hat den Menschen aufrichtig gemacht; aber sie suchen viele Künste. Prediger 7,29 

Lehrtext: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Matthäus 7,16 
                           
Liebe Leserin, lieber Leser,

doch, das glaube ich auch, dass Gott uns aufrichtig gemacht hat, dich und mich. Wie soll man sich sonst in den Spiegel schauen können? Wie soll man sonst einander vertrauen können? Aber er hat uns auch geschaffen als Menschen, die ein Gewissen haben und sich entscheiden können, aufrichtig zu sein oder zu lügen. Und er hat uns Jesus gesandt, die Wahrheit in Person, damit er uns die kleinen und großen Lügen vergebe und auch die halben Wahrheiten, die doch nichts anderes sind als ganze Lügen.
     Ja, wir „suchen viele Künste“, wie wir uns durchs Leben mogeln können. Matthias Claudius hat 1778 unsere Losung in seinem populären Lied "Der Mond ist aufgegangen" zitiert. Da heißt es in Vers 4:

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder,
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste,
Und suchen viele Künste,
Und kommen weiter von dem Ziel.  

So sind wir. Oder nicht? Bei vielen Aufführungen, auf Plattenaufnahmen und in Liederbüchern wird diese Strophe weggelassen. Der moderne, aufgeklärte und glaubensneutrale Mensch fühlt sich da offenbar in seinem Stolz verletzt und will sich darin nicht mehr wiedererkennen. Ich meine allerdings, dass Matthias Claudius gerade uns heutigen Menschen damit den Spiegel vorhält, dass er mir den Spiegel vorhält. Oder haben uns die "vielen Künste" bis hin zur künstlichen Intelligenz näher an das "Ziel" einer gerechten und auch noch in Zukunft lebensfreundlichen Welt gebracht? Haben sie uns gar näher zur Aufrichtigkeit, näher zum Glauben, näher zu Gott gebracht? 
     »An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen« – sagt Jesus im Lehrtext. Wen? »Die in Gottes Namen auftreten und falsche Lehren verbreiten! Sie kommen zu euch, getarnt als Schafe, aber in Wirklichkeit sind sie reißende Wölfe.« (Matthäus 7,15 +16) Und was für schlechte Früchte bringen diese? Jesus fährt fort: »Nicht wer mich dauernd ›Herr‹ nennt, wird von Gott bestätigt werden, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Am Tag des Gerichts werden viele zu mir sagen: ›Aber Herr, wir haben doch in deinem Auftrag prophetisch geredet! Herr, wir haben doch in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und viele Wunder vollbracht!‹ Aber ich werde ihnen entgegnen: ›Ich habe euch nie gekannt. Ihr habt meine Gebote mit Füßen getreten, darum geht mir aus den Augen!‹«  
     Das alles, was Jesus da aufzählt, sind religiöse Aktivitäten, die bei Menschen großen Eindruck machen. Damit aber lenkt ein religiöser Wundertäter die Blicke auf sich und verstellt den Blick auf Gott. Worauf es aber bei Gott ankommt, was eine gute Frucht ist, sind keine Zauberkunststückchen, sondern der oft unscheinbare und demütige Dienst am Nächsten. Ist meine Bereitschaft, dem anderen zuzuhören, bei ihm in seiner Not auszuhalten, ihm gegebenenfalls zu vergeben, ihn zu unterstützen, für ihn zu beten und mit ihm freundlich, geduldig, gütig und barmherzig zu sein. Worauf es ankommt, ist, dem anderen Menschen im übertragenen Sinn nicht den Kopf, sondern die Füße zu waschen. So hat es Jesus selbst bei seinen Jüngern getan und hinzugefügt: »Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass ihr tut, was ich euch getan habe.« (Johannes 13) »Denn wer unter euch der Größte sein will, der sei Diener von allen

Gebet: Herr, ich bin darauf angewiesen, dass mir andere dienen, wenn ich in Not bin. Gib auch mir die Kraft, für die dazusein, die mich brauchen so wie auch du für sie und für mich da bist. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Mittwoch, 12. Juni 2019

Schweinefleisch und Mäuse hl

LosungIch will einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden, wo man nichts von mir gehört hat; und sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkündigen. Jesaja 66,19 

Lehrtext: Jesus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Matthäus 28,18-20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

soll man entsetzt sein oder nachsichtig lächeln über den Eifer jenes Unbekannten (Tritojesaja?), der die nachfolgenden Sätze im Jesajabuch geschrieben hat, aus denen die heutige Losung kommt?: 
     Siehe, der HERR wird kommen mit Feuer, dass er vergelte im Grimm seines Zorns und mit Schelten in Feuerflammen. Denn der HERR wird durchs Feuer richten und durch sein Schwert alles Fleisch, und die vom HERRN Getöteten werden viele sein. Die Schweinefleisch essen, gräuliches Getier und Mäuse, die sollen miteinander weggerafft werden, spricht der HERR. Ich kenne ihre Werke und ihre Gedanken und komme, um alle Völker zu versammeln, dass sie kommen und meine Herrlichkeit sehen. Und ich will einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden, wo man nichts von mir gehört hat; und sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkündigen.  (Jesaja 66,15-19)
     Ich möchte diesem eifernden Schreiber mit Nachsicht und Verständnis begegnen. Aus seinen Worten spricht verletzter Stolz und ein starkes Minderwertigkeitsgefühl. Er versucht beides mit einer künstlichen Überheblichkeit auszugleichen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Er versteigt sich in Gewaltphantasien gegenüber denen, die mächtiger waren als sein kleines und ohnmächtiges  Volk Israel. Problematisch aber wird es, wenn er dafür auch noch Gott in Anspruch nimmt. Er soll für ihn das tun, wozu er selbst zu schwach und unbedeutend ist. Gott selbst soll für ihn richten und vernichten, wegraffen und umbringen. Das wäre dann Gottes "Herrlichkeit", die man den Heiden unter die Nase reiben könnte.
     Gott sei Dank haben die Israeliten wie auch ihre Nachfahren, die Juden, auf solch aggressiv motivierte Missionierung weitgehend verzichtet. Anders die Muslime und Christen, die sich in ihrem Missionseifer manches Mal schlimmster Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben. So können sich Letztere bei ihren gewaltsamen Aktionen gegen Afrikaner und die Ureinwohner Amerikas mitnichten auf das Jesus-Wort im heutigen Lehrtext berufen. Denn wenn es da heißt, "lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe", so meint Jesus damit zuallererst das Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben wie sich selbst - besonders aber die Fremden, die "Heiden" und die Feinde (siehe Matthäus 5, 44-48, das wichtigste und am wenigsten beachtete Gebot Jesu und der ganzen Bibel). Mögen wir uns bei diesem Gebot auch winden wie ein Aal, wir kommen ihm nicht aus.
     Soll man denn dann überhaupt "missionieren", also zum Glauben an Jesus Christus einladen? Ich meine schon, aber eben einladen und nicht zwingen. Und am besten lädt man andere - auch in unserem Land - zum Glauben und Gottvertrauen durch das eigene, positive Beispiel ein. Das ist der Weg, zu tun, was Jesus im heutigen Lehrtext sagt.

Gebet: Herr Jesus, du hast Gottes Liebe verkündigt und gelebt. Und wir? Wir müssen ständig mit unseren negativen Gefühlen und Gedanken kämpfen, mit Missgunst und Angst, Aggression und Hass, mit unseren Minderwertigkeitskomplexen und unserer Überheblichkeit. Erlöse uns davon. Erlöse uns von dem Bösen und heile uns mit deiner Liebe. Schenke uns den Geist von Pfingsten, den Geist der Freiheit und Versöhnung, den Geist der Barmherzigkeit und des Friedens. So können wir dir nachfolgen und auch andere zum Glauben einladen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Dienstag, 11. Juni 2019

Woran denkst du? hl

Losung: Der HERR kennt die Gedanken der Menschen: Sie sind nur ein Hauch! Psalm 94,11 

Lehrtext: Christus möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung. Philipper 3,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was denkst du? Was beschäftigt dich zur Zeit in deinen Gedanken? Auch wenn es vielleicht nicht einfach ist, hast doch auch du die Fähigkeit, über deine eigenen Gedanken nachzudenken. Und du hast die Möglichkeit, deine Gedanken zu lenken. Hast du schöne Gedanken, so bleibe dabei. Sind deine Gedanken aber finster oder auf Negatives fixiert, so versuche, auf andere Gedanken zu kommen.
     Mir helfen dabei diese Gedanken: „Nein, ich will mich jetzt nicht selbst fertig machen. Ich werde mich jetzt von meinen negativen Gedanken lösen, gebe sie an Gott ab und denke an das, was in meinem Leben trotz allem gut ist und wofür ich dankbar sein kann.“
     Manchmal aber, wenn Probleme zu lösen sind, muss ich auch an das hindenken, was unangenehm und schwierig ist. Manchmal muss ich einen bestimmten Sachverhalt gedanklich durchdringen wie eine Mathematik-Aufgabe oder ein Schach-Problem. Dann darf ich mich nicht ablenken. Dann muss ich mir darüber Gedanken machen, wie ich zu einem positiven Ergebnis komme.
     Aber alles hat seine Zeit: Probleme lösen, hat seine Zeit und sich von Problemen lösen, hat seine Zeit. Unangenehmes auszuhalten hat seine Zeit. Aber auch suchen und erleben, was angenehm ist, hat seine Zeit. Und auch das hat seine Zeit, mir klarzumachen, dass so oder so Gott an mich denkt. Er sagt von sich: »Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über dich habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich dir gebe Zukunft und Hoffnung.« Jeremia 29,11
     In einem Lied heißt es: „Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du.“ Er hat dich gedacht, bevor jemand anderes an dich gedacht hat. Und er wird auch dann noch an dich denken, wenn alle deine Gedanken verweht sind wie ein Hauch (Losung) und sonst niemand mehr an dich denkt. Dass ich das so sagen kann, dafür steht Jesus Christus. Je mehr ich ihn erkenne, desto mehr erkenne ich Gott (Lehrtext) und mich selbst.

Gebet: Herr, du weißt was ich denke. Du kennst meine Gedanken von ferne. Du kennst sie, noch bevor sie mir selbst bewusst werden. Lenke du meine Gedanken in deinem Sinn und hilf mir, dass auch ich sie lenken kann auf dich und auf die, denen es gut tut, wenn ich an sie denke. Denke an mich noch in meinem Grab. Denke an mich in deinem Reich. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Montag, 10. Juni 2019

„Dann werden die Steine schreien“ hl

LosungDer HERR wird König sein immer und ewig. 2.Mose 15,18 

Lehrtext: Die ganze Menge der Jünger fing an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Lukas 19,37-38 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die politischen. die militärischen, die kirchlichen, die in den Medien verbreiteten und die eigenen Lügen lassen sich nicht für immer unterdrücken. Einmal kommen sie ans Licht. Und wenn man Menschen verbietet zu sagen, was wahr ist, dann, so Jesus zu den empörten Pharisäern, "werden die Steine schreien" (Folgesatz des Lehrtextes).
     Nun, manche wollen geradezu belogen und betrogen werden getreu dem Sprichwort "Mundus vult decipi, ergo decipiatur." ("Die Welt will betrogen sein, also soll sie betrogen werden."). In den USA und in England ist das mindestens die Hälfte der Wählerinnen und Wähler. In der Türkei sind es vielleicht noch mehr. In Polen, Ungarn, Russland und China sind das auch nicht gerade wenig. Viele Menschen haben Angst vor der Wahrheit. Vielen ist sie zu unangenehm, zu unbequem, zu kompliziert. Viele haben Angst vor der Wahrheit über sich selbst und lügen sich deshalb ein Leben lang in die eigene Tasche. Sie schönen ihre eigene Vergangenheit und verschließen vor dem eigenen moralischen und charakterlichen Versagen die Augen nach dem Motto: "Ich doch nicht."  -  Wirklich? 
     Offenbar gibt es keinen Menschen, der von Grund auf ehrlich wäre, vor allem sich selbst gegenüber. Ich behaupte das nicht einfach so, sondern beziehe mich auf umfangreiche Untersuchungen und Recherchen. Siehe dazu beispielsweise den Artikel "Wir Guten" in der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende. Darin heißt es: »Ein moralisch stets einwandfreies Leben zu führen, ist unmöglich. Jeder Mensch verstrickt sich in Konflikte. Ein Leben ohne Widersprüche kann nur eines sein: eine dreiste Lüge.«. Vielleicht ist die Selbstlüge so etwas wie ein Schutzmechanismus der Evolution, um sich nicht ständig mit sich selbst und den eigenen Schwächen und dunklen Seiten beschäftigen zu müssen. Vielleicht.
     Die beiden Bibelworte heute behaupten, was viele ohnehin nicht glauben: "Der Herr ist König und wird es sein für immer." Der Lehrtext geht noch einen Schritt weiter: »Gepriesen sei der König, der im Auftrag des Herrn kommt! Gott hat Frieden mit uns geschlossen.« (Übersetzung: "Hoffnung für alle") Ist das auch eine Lüge? Für mich nicht.
     Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist eine Botschaft mit Sprengkraft. Wenn Gott durch Jesus Frieden mit seinen Menschen geschlossen hat, dann muss man ja vor ihm keine Angst mehr haben, weder vor seinem Zorn, noch vor seiner Strafe, noch vor der ewigen Verdammnis. Wenn das so ist, dann haben Tempel, Synagoge und Kirche ja keine Macht mehr über die Menschen. Und die vielen kleinen, selbstgerechten Diktatoren in den vielen christlichen Gemeinschaften und Konventikeln auch nicht mehr. Dann haben sie keine Druckmittel mehr in der Hand. Dann können sie kein gutes Gewissen mehr verkaufen. Dann fällt die ganze Einzigartigkeit, Exklusivität, Erwählung, Selbsttäuschung und der ganze Absolutheitsanspruch wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Dann sind wir alle ganz normale Menschen, mit denen Gott Frieden geschlossen hat und die darum ebenfalls mit ihren Mitmenschen und ihren Feinden Frieden schließen können - und mit sich selbst. Dann können wir die Pharisäer aller Zeiten und Länder links liegen lassen und gemeinsam singen und sagen:

GebetHerr Jesus, wir loben und wir ehren dich. Du bist unser Friedenskönig. Durch dich lernen wir Gott kennen, wie er schon immer war. Durch dich verlieren wir unsere Angst und fassen Vertrauen. So können wir glauben ohne Furcht und Druck, ohne schlechtes Gewissen und Zwang. So können auch wir Frieden schließen mit unserem Nächsten und mit unserm Feind. Nimm alle Lüge weg und lass deine Wahrheit in unserem Leben leuchten. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Sonntag, 9. Juni 2019

freigesprochen hl

LosungWeise mich zurecht, HERR, aber im Gerichtsverfahren, nicht in deinem Zorn, damit du mich nicht auslöschst. Jeremia 10,24 

Lehrtext: Wenn der Fürsprecher kommt, wird er die Welt überführen und aufdecken, was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist. Johannes 16,8  

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich lasse mich mal auf die menschliche Vorstellung des Propheten Jeremia ein, dass es bei Gott ein ordentliches Gerichtsverfahren (Losung) gäbe, um die Übertretungen (= Sünde) eines Menschen, um meine Übertretungen zu ahnden. Und nun besetze ich das Gericht mit meinem Bild vom dreieinigen Gott. Dann ist Gottvater der Ankläger, der Heilige Geist der Verteidiger (Fürsprecher, siehe Lehrtext) und Jesus der Richter. 
     Dann sagt Gottvater: "Hans hat mein Gebot übertreten. Dafür muss er zur Rechenschaft gezogen werden." Der heilige Geist entgegnet: "Ja, das stimmt. Aber ich plädiere auf mildernde Umstände, weil Hans ein Geschöpf mit begrenzter Kraft, widerstreitenden Gefühlen und einem schwankenden Glauben ist." Dann fällt Jesus das Urteil und sagt: "Strafe muss um der Gerechtigkeit willen sein. Ich nehme die Strafe auf mich und spreche Hans frei. Er soll unbeschwert als ein erlöster und fröhlicher Christenmensch weiterleben können und versuchen, es künftig besser zu machen." 
     So, liebe Leserin, lieber Leser, erfahre ich, "was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist." (Lehrtext) So erfahre ich, was Gnade ist. So erfahre ich, wer und wie Gott ist, der sich in Jesus zeigt.
     Dass es bei ihm genau  solche Gerichtsverfahren mit Richter, Rechtsanwalt und "Staats"-Anwalt gibt, glaube ich nicht. Jeremia stellt sich das so vor, weil es bei uns Menschen so ist. Doch Gott ist kein Jurist. 
     Aber das glaube ich schon, dass ich ein fehlbarer Mensch (Sünder) bin, der durch Jesus vor Gott gerecht ist. Darum muss ich nicht mir und anderen etwas vormachen, kann ich auf Selbstgerechtigkeit verzichten und der Mensch sein, der ich bin.

Gebet: Herr, dein Heiliger Geist ist mein Fürsprecher. Sooft ich mich ihm öffne, ändert sich etwas in meinem Leben zum Guten. Sooft ich mir bewusst mache, dass du in deinem Geist bei mir bist, werde ich ruhiger, gelassener und sehe ich mich und meine Welt mit anderen Augen. Dein Geist soll meine Gefühle und Gedanken leiten, soll meine Zunge hüten und, was ich tue, segnen. Schenke mir deinen Geist immer wieder neu und bleibe du in ihm bei mir. Amen

Herzliche Grüße und ein frohes, gesegnetes Pfingstfest!

Hans Löhr

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Samstag, 8. Juni 2019

Ohne Wenn und Aber hl

LosungDer HERR, euer Gott, ist gnädig und barmherzig und wird sein Angesicht nicht von euch wenden, wenn ihr euch zu ihm bekehrt. 2.Chronik 30,9 

Lehrtext: Tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden, auf dass Zeiten der Erquickung kommen von dem Angesicht des Herrn. Apostelgeschichte 3,19-20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja, so wie die Losung sagt, so denken wir Menschen: wenn - dann. Wenn du dich bekehrst, dann ist Gott dir gnädig. Und wenn nicht? Religiöse Fanatiker sagen dann vorlaut: 'Dann bist du verloren. Dann kommst du in die Hölle.' Und so weiter. Natürlich sehen sich sie selbst jetzt schon im Himmel. Zurecht! Aber die anderen werden sie dort auch sehen, vor allem die nach ihrer Meinung Verlorenen. 
     Und warum? Eben weil Gott gnädig und barmherzig ist. 'Aber', so höre ich sie sagen, 'ist das dann nicht billige Gnade?' Nein, sondern geschenkte Gnade. Denn das Wesen von Gottes Gnade ist, dass er sie schenkt an alle, weil alle sie brauchen. So denkt und lebt Jesus. In ihm bekehrt sich Gott zu uns Menschen, um uns zu vergeben, weil er, der himmlische Vater, seine Menschenkinder bedingungslos liebt und Jesus seine Menschengeschwister, ohne Wenn und Aber. Und du und ich - ausgerechnet wir beide - gehören auch dazu.
    Ja, so wie die Losung sagt, so denken wir Menschen. Wie gut, dass Gott anders ist. Wie gut, dass er uns das durch Jesus gezeigt hat. Und darum, liebe Leserin, lieber Leser, wollen auch wir Gott keine Bedingungen stellen nach der Art: wenn du mich segnest, dann will ich an dich glauben. Darum wollen auch wir ihm bedingungslos vertrauen - in guten wie in bösen Zeiten.

Gebet: Herr, du liebst mich bedingungslos, und ich will dich ebenso wieder lieben. Du liebst auch meinen Feind bedingungslos, und ich ...? Gib mir die Kraft zu solcher Liebe, damit ich mich als dein Kind erweise und so deinem Namen unter den Menschen Ehre mache. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Freitag, 7. Juni 2019

Neu sehen hl

Losung: Mose zu den Isrealiten: Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben. 5.Mose 4,9 

Lehrtext: Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme! Offenbarung 3,11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was die Israeliten auf ihrem Weg aus der Sklaverei in das versprochene Land mit Gott erlebt haben, kannst du in der Bibel nachlesen. Man hatte es aufgeschrieben, damit es nicht in Vergessenheit gerate. Was aber ist mit dem, was du bisher mit Gott erlebt hast? Erinnerst du dich noch daran oder hast du schon vieles wieder vergessen?
     Vielleicht fragt jetzt der eine oder die andere: ‚Habe ich denn mit Gott etwas erlebt? Habe ich denn etwas von seinen Taten gesehen?‘
     Meines Erachtens kann man nur im Glauben etwas mit Gott erleben und nur mit den Augen des Glaubens seine Taten sehen. Glaube ich, dass er die Welt geschaffen hat, nach wie vor in ihr am Werk ist und sie erhält, dann ist jeder Sonnenaufgang seine Tat, jeder blühende Akazienbaum sein Werk, jede Geburt sein Wunder. Jeder Herzschlag ist dann von ihm bewirkt, jedes Haar auf meinem Kopf von ihm gezählt, jeder Schritt von ihm behütet. Dann ist jede Freundlichkeit ein Abglanz der seinen, jeder Trost von ihm gespendet, jede Liebe von ihm geschenkt.
     Glaube ich, so ist Jesus das Größte und Schönste, was ich mit Gott erleben kann. Denn bei ihm schlafen Angst und Sorge ein und wacht das Vertrauen auf, das Vertrauen auf meinen himmlischen Vater, auf meine Mitmenschen, ja in das Leben überhaupt. Dieser Glaube ist meine Krone (Lehrtext), die ich mir auch von schlechten Erfahrungen nicht nehmen lassen will. Damit ich dieses Vertrauen behalte, will ich mich immer wieder daran erinnern, was Gott in der großen Welt und in meinem kleinen Leben getan hat und tut. (Losung)

Gebet: Herr, schaue ich auf mich, so sehe ich einen unbeständigen Menschen im Wechselbad seiner Gefühle. Schaue ich auf dich, werde ich dankbar und komme wieder ins Lot. Du warst in früheren Zeiten für mich da. Du bist es immer noch. Auf dich setze ich all mein Vertrauen. Behüte meinen Glauben, damit er nicht unter die Räder von Zweifel und Angst gerät. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

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Donnerstag, 6. Juni 2019

WWJT? hl

​​LosungSiehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht. Hiob 28,28 

Lehrtext:  Zum Frieden hat euch Gott berufen. 1.Korinther 7,15 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja, das glaube ich, wir tun gut daran, wenn uns etwas heilig ist, wenn Gott uns heilig ist und wir ihm mit Respekt und Ehrfurcht begegnen. Ich tue gut daran, auf das zu achten, was er sagt, dass ich das Böse meide; nicht nur die Tat, sondern schon die bösen Gefühle und Gedanken. 
     Ich muss gerade eine herbe Enttäuschung verarbeiten. Wie gehe ich damit um, ohne dass Ärger und Wut mein Reden und Handeln bestimmen? Wie verhalte ich mich gegenüber dem Menschen, der mich so sehr enttäuscht hat, ohne dass die Beziehung zu ihm leidet oder gar zerbricht? Ich werde nachher die ganze Misere vor Gott bringen. Soll er sie anschauen und mir konstruktive Gedanken eingeben. Das ist wahrscheinlich das Beste, was ich im Augenblick machen kann, dass ich Gott mit der Sache befasse. So fällt noch einmal ein anderer Blick darauf.  WWJT? - Was Würde Jesus Tun? Diese Frage ist ein einfaches Rezept, um Klarheit zu bekommen, wenn es in einem selbst drunter und drüber geht. Die Antwort liegt nicht gleich auf der Hand. Aber schon die Suche nach ihr hilft, mit Schuldzuweisungen aufzuhören und das Problem gemeinsam zu tragen.
     Soviel steht schon mal fest: Egal wie stark erregt ich bin - es gilt in jeder Situation, was der Lehrtext sagt: Ich bin zum Frieden berufen und nicht zum Streit. Ich soll nicht das Öl der Empörung ins Feuer gießen, sondern mit dem Öl der Besonnenheit die Wogen glätten. Und dazu muss ich mich und meine Gefühle im Griff haben. Das fällt mir schwer. Gerade jetzt. Vielleicht hilft mir das Schreiben dieser Losungsauslegung.

Gebet: Ja, Herr, was würdest du in meiner Situation tun? Du würdest nicht mit den Steinen der Beschuldigung um dich werfen, sondern die Hand reichen. Du würdest die Last nicht noch schwerer machen, sondern tragen helfen. Du würdest den anderen nicht wegstoßen, sondern annehmen. Gibt auch mir dazu die Kraft. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr



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