Montag, 22. Januar 2024

Einander gerecht werden hl

Losung: Träufelt, ihr Himmel, von oben, und ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit! Die Erde tue sich auf und bringe Heil, und Gerechtigkeit wachse mit auf! Ich, der HERR, erschaffe es. Jesaja 45,8 

Lehrtext: Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. 2.Petrus 3,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich spüre sofort, wenn mich jemand ungerecht behandelt. Das nehme ich auch nicht so ohne weiteres hin. Aber weiß ich denn so genau, was gerecht ist und wer im Recht ist? Und was meint dieses übergroße und zentnerschwere Wort „Gerechtigkeit“? Wir Menschen haben verschiedene Vorstellungen davon je nachdem, wo wir leben, was wir glauben und wie wir erzogen wurden. In der vom jüdischen Glauben durchdrungenen Bibel kommt dieses Wort oft vor, gerade auch im Neuen Testament und da vor allem in den Schriften des ehemaligen Pharisäers und späteren Christen Paulus.

Gott ist kein Prinzipienreiter

Bei Gott geht es nicht um so ein großes Wort, das für alle ohne Ausnahmen und Abstriche gilt, nicht um ein allgemeines Gerechtigkeitsprinzip. Er macht mit mir nicht kurzen Prozess, wenn ich versagt habe. Bei ihm geht es, meinem Glauben und Verständnis zufolge, darum, dass er mir gerecht wird wie nur er es kann. Und dass er dir gerecht wird so wie du bist. Seine Gerechtigkeit ist nicht immer und überall und unveränderlich dieselbe. Nicht mal in unserer Rechtsprechung wäre es gerecht, wenn jeder genau gleich behandelt würde. Auch da spielen die Umstände eine Rolle, inwieweit man einen Menschen für sein Verhalten verantwortlich machen kann.

Doch das ist klar, kein Gericht dieser Welt kann einem Mensch wirklich gerecht werden. Das kann nur Gott, sein Schöpfer und Herr. Nur er schaut auf den Grund meines Herzens und weiß, was nichteinmal ich selbst weiß: warum ich so bin wie ich bin und mich so verhalte wie ich mich verhalte.

Gespräch mit Professor Jüngel

Ich erinnere mich an ein Privatgespräch mit dem großen Theologen (klick) Eberhard Jüngel in Tübingen. Darin ging es um ein Leitbild für die zukünftige Arbeit der evangelischen Kirche zunächst in München und dann darüber hinaus. Ich schlug vor, dass in diesem prägenden Satz die beiden Begriffe „Gottes Liebe und Gerechtigkeit“ vorkommen sollten so wie die beiden Brennpunkte einer Ellipse. Da fragte mich Professor Jüngel „Wieso? Gottes Gerechtigkeit ist doch seine Liebe!“ Da hatte ich verstanden, dass Gott uns Menschen gerade mit seiner Liebe gerecht wird. Diese seine Liebe zeigt sich uns in Jesus Christus und nur in ihm. Von ihr ist kein Geschöpf ausgeschlossen, nichteinmal ein Mensch mit seinen seelischen Abgründen. Sie allein erlöst und befreit.

Mit dieser Liebe sollen auch wir Christen anderen gerecht werden, nicht zuletzt unseren Feinden. Darum sagt Jesus auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot: »Du sollst Gott von ganzem Herzen lieben, von ganzer Seele und mit all deiner Geisteskraft. Das andere aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« (Matthäus 22,34-40). Und auf die Nachfrage, wer denn nun mein Nächster sei, antwortet er, »der, dem du der Nächste bist« (Lukas 10,29-37). Und das, liebe Leserin, lieber Leser, kann jeder Mensch sein, auch ein Feind wie in jener Geschichte, mit der Jesus die Frage nach dem Nächsten beantwortet. Auch wen ich nicht leiden kann, hat ein Recht darauf, dass ich ihm mit meiner Liebe gerecht werde so wie Gott mir mit seiner.

Gebet: Herr, darauf kann ich mich verlassen, dass du mir vergeben hast noch bevor ich dich darum bitte.  Du willst retten und nicht vernichten, aufrichten und nicht hinrichten, mir vergeben und nicht mich aufgeben, mich aus meinen negativen Gefühlen, Gedanken, Worten und Taten befreien und nicht einsperren in meiner Schuld. Gib mir die Kraft, dass auch ich mit meiner Liebe meinen Mitmenschen gerecht werden kann Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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»Die Bibel ist so voller Gehalt, dass sie mehr als jedes andere Buch Stoff zum Nachdenken und Gelegenheit zu Betrachtungen über die menschlichen Dinge bietet.« J.W. von Goethe aus: „Dichtung und Wahrheit“
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt.
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Sonntag, 21. Januar 2024

Geber und Empfänger hl.

Losung: Hiob: Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? Hiob 2,10 

Lehrtext: Paulus: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Römer 8,28

Liebe Leserin, lieber Leser, 

nein, Hiob, das Böse nehme ich nicht an, aber wenn es sein muss, will ich es ertragen. Ja, Hiob, von Gott habe ich viel Gutes empfangen. Dafür bin ich dankbar. Aber auch das, was ich als böse erlebe, hat mit ihm zu tun, auch wenn ich nicht verstehe wie ich das mit ihm vereinbaren kann. Er wird einmal dieses Rätsel lösen. Das soll mir jetzt genügen.

Das Geheimnis meines Lebens

Gott ist nicht nur das Geheimnis der Welt, sondern auch meines Lebens. Er offenbart sein Geheimnis in Jesus Christus. Auf ihm ruht der Segen seines himmlischen Vaters. Und doch litt er unter Menschen, ohne selbst ihnen Leid zuzufügen, wurde er von ihnen getötet, ohne selbst zu töten. Schließlich war es seine himmlische Bestimmung, gerade auch seine Feinde zu lieben und zu retten. Darauf kann sich vor ihm jeder berufen, auch du und ich.

Durch ihn kann ich glauben, dass Gott Liebe ist (1. Johannes 4,16) allen schlechten Erfahrungen zum Trotz. Durch ihn kann ich vertrauen, dass mir alle Dinge, die guten wie die schlechten, zum Besten dienen (Lehrtext). Aber, lieber Paulus, nicht weil ich Gott liebe, sondern weil er mich liebt (1. Johannes 4,10). Nicht weil ich berufen bin, sondern weil wir alle berufen sind, ohne Ausnahme. Denn wie du selbst sagst (Kolosser 1,19): »Gott war in Christus und versöhnte die Welt (!) mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.« 

Gebet: Herr, lass das Böse in meinem Leben nie stärker werden als meinen Glauben. Und wenn es mich doch niederringt, so richte du mich wieder auf und überwinde in mir und mit mir das Böse mit Gutem. Denn dein ist die Macht und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Samstag, 20. Januar 2024

Der Mensch, das wunderliche Wunder hl

Losung: Der HERR hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den Himmel ausgebreitet durch seinen Verstand. Jeremia 10,12 

Lehrtext: Gottes geliebter Sohn ist vor allem, und alles hat in ihm seinen Bestand. Kolosser 1,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist in unserem modernen Weltbild noch Platz für Gott? Viele, die sich im Internet, im Fernsehen oder auch in Büchern über die Erkenntnisse der Naturwissenschaft informieren, besonders der Astronomie, scheinen das zu verneinen. Schließlich kann man heute die Entstehung von Materie und damit auch des Universums und letztlich von uns Menschen mit der Evolution erklären, ohne dass man dazu noch einen Schöpfer bräuchte. Das verunsichert viele, das kränkt manche, das fegt die Glaubensreste vom Tisch wie Krümel des Brotes, von dem man sich lange ernährt hat.

Das Wunder des Seins

Und jetzt? Die Frage bleibt trotzdem unbeantwortet, warum überhaupt etwas ist und vielmehr nichts. Warum das Universum sozusagen auf uns Menschen gewartet zu haben scheint und alle Möglichkeiten aufgeboten hat, dass Leben auf dem winzigen Planeten, auf dem Staubkörnlein Erde entstehen konnte.

Natürlich sind weitere wichtige Fragen bis jetzt unbeantwortet. Vor allem, warum das Universum zu 95 % (!) aus dunkler Materie und dunkler Energie besteht, von der man bis jetzt so gut wie keine Ahnung hat außer, dass es sie aufgrund der Bewegungen der Himmelskörper geben muss. Doch selbst wenn man eines Tages dieses Rätsel lösen könnte, bleibt die Frage, warum es uns, warum es die Schöpfung überhaupt gibt.

Die Frage nach dem Schöpfer

Und da beginnt das Fragen nach dem Schöpfer: Ist da eine Macht und Kraft, die alles geschaffen hat und fortwährend entstehen lässt? Ist sie das Geheimnis der Welt? Und ist das eine gute Macht und Kraft, der wir vertrauen können, die es gut mit uns meint, mehr noch, die dich und mich liebt?

Beweisen lässt sich das nicht. Das Gegenteil lässt sich aber auch nicht beweisen, dass alles aus blindem Zufall entstanden sei ohne Sinn und Zweck, ohne einen schöpferischen Willen.

Letzten Endes muss man sich wieder mal entscheiden, wie man diese Welt und sich selbst sieht und versteht. Letzten Endes muss man sich selbst fragen, ob man das Glaubensbekenntnis noch mitsprechen kann: „Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde - und an Jesus Christus“ ... „Er ist vor allem, und alles hat in ihm seinen Bestand“ (Lehrtext). Ich habe mich entschieden.

Glaube und Wissenschaft: keine Gegensätze

Für mich sind Glaube und Wissenschaft keine Gegensätze. Im Gegenteil. Je mehr ich vom Universum, von seinen kleinsten Bestandteilen, den Elementarteilchen, und von seinen größten Gebilden, den Quasaren und Galaxien mit ihren ungeheuren, schwarzen Löchern im Zentrum erfahre, desto größer wird das Wunder des Lebens auf der Erde und damit das Wunder Mensch. Die Welt und der Mensch lassen mich staunen: Seine Kreativität, seine Fantasie und Schaffenskraft, seine Kunst und Wissenschaft, seine Fähigkeit zu Mitleid und Liebe, zu selbstloser Hilfe und Hingabe … Aber der Mensch lehrt mich auch fürchten: Seine Gier und sein Hass, seine Grausamkeit und seine Zerstörungswut, seine Herrschsucht und seine Kriege, seine Gemeinheiten und Bosheiten … Ich bin ein Mensch.

»Wäre das Weltall empfindungsfähig, würde es „aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern. Denn wozu dient all der Aufwand von Sonnen und Planeten und Monden, von Sternen und Milchstraßen […], wenn sich nicht zuletzt ein glücklicher Mensch unbewusst seines Daseins erfreut?«
Johann Wolfgang von Goethe, Hamburger Ausgabe, Band 12, C.H. Beck, München 1998, S. 98

Gebet: Herr, ich bin so froh, dass ich dir vertrauen und danken kann. Im Glauben fühle ich mich geborgen. Aus dem Glauben schöpfe ich Kraft für die Herausforderungen meines Lebens. Durch den Glauben erkenne ich dich in Jesus Christus,, der meine Hoffnung und meine Freude ist, meine Stärke und mein Licht. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 19. Januar 2024

Zwickmühle hl

Losung: Gib mir weder Armut noch Reichtum, gib mir zu essen, soviel ich brauche. Sprüche 30,8 

Lehrtext: Wir haben nichts in die Welt gebracht; darum können wir auch nichts hinausbringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so wollen wir uns damit begnügen. 1.Timotheus 6,7-8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hm, was meinst du zu den heutigen Bibelworten? Sie sind in einer Agrargesellschaft vor 2000 Jahren entstanden. Vor 150 Jahren herrschten in Deutschland noch ähnliche Verhältnisse wie damals, bevor dann durch Technik und Industrialisierung die große Revolution begann, die die Gesellschaften der sogenannten entwickelten Länder von Grund auf veränderte und inzwischen alle Weltgegenden erreicht hat. Passen da die Prinzipien aus Losung und Lehrtext überhaupt noch?

Kein zurück mehr und kein „weiter so“

Wenn der Konsum jetzt auf das Notwendigste eingeschränkt würde, wie die beiden Bibelworte nahelegen, wenn es auf mittlere bis lange Sicht kein wirtschaftliches Wachstum mehr gäbe, käme es zum großen Zusammenbruch unseres wirtschaftlichen, finanziellen und vermutlich auch politischen Systems. Aber wenn es immer so weitergeht wie jetzt, schaut es auch nicht besser aus. Unsere Art zu wirtschaften und zu leben kann nur eine begrenzte Zeit lang funktionieren. Und was kommt dann? Es ist verzwickt.

Der Kampf jeder gegen jeden um die letzten Ressourcen? Oder vielleicht findet die Menschheit doch noch Auswege, von denen wir jetzt noch nichts wissen. Vielleicht wird es Lösungen geben, die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können. Ob uns die künstliche Intelligenz dabei helfen wird? So viel ist jedenfalls klar: die Eroberung und Besiedlung fremder Welten im Weltall ist keine Option. Zu lebensfeindlich sind andere, erreichbare Planeten. Zu groß sind die Entfernungen zu anderen Planetensystemen um fremde Sonnen, als dass man ernsthaft damit rechnen könnte, sie zu überbrücken. Also müssen wir auf unserer „Mutter Erde“ bleiben und versuchen, hier miteinander auszukommen und das Leben und somit die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Verantwortungsbewusster leben

Das darf aber nicht bedeuten, dass die jetzt lebenden Generationen nach dem Motto handeln: „Nach uns die Sintflut“, auch wenn es den Anschein hat, dass es sich so verhält. Es bleibt uns um unsere Kinder, Enkel und Urenkel willen schon gar nichts anderes übrig, als uns zu mäßigen, zu begrenzen und die Erde bewohnbar zu lassen. Ich denke, wir müssen dazu nicht gleich einen Salto rückwärts machen. Aber wir müssten meiner Meinung nach alle miteinander rücksichtsvoller, behutsamer und verantwortungsbewusster werden – aus Verantwortung gegenüber unseren Nachkommen und aus Verantwortung vor Gott, dem Schöpfer von allem, was lebt.

Gebet: Herr, wird es eine Zukunft für uns und unsere Nachkommen geben? Was soll werden, wenn du nicht hilfst? Wenn du deine Schöpfung nicht schützt und deine Menschen nicht rettest? Ja, wir müssen uns selbst anstrengen wie es nur irgend geht, damit wir das Leben bewahren, unser eigenes und das der Mitgeschöpfe. Doch ohne deinen Segen haben wir keine Chance. Du wirst, du musst uns helfen, weil du doch unser Vater bist. Gib uns die Besonnenheit und die Kraft, dass wir tun, was in unseren Möglichkeiten steht, und tue du, was nur du tun kannst, damit das Leben eine Zukunft hat. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Donnerstag, 18. Januar 2024

Wem dienen? - eine Entscheidung hl

Losung: Elia sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach, ist's aber Baal, so wandelt ihm nach. 1.Könige 18,21 

Lehrtext: Jesus spricht: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Matthäus 6,24 

Liebe Leserin, lieber Leser,

in meiner ersten Grundschulklasse war eine schwarze Mitschülerin, die offenbar an Hüftdysplasie litt, einer angeborenen Fehlentwicklung der Hüftpfanne. Jedenfalls hinkte sie stark. Nun hatte es ein schwarzes Kind im Deutschland der Fünfzigerjahre ohnehin nicht leicht. Der mörderische Rassenwahn der Nazis war gerade mal zehn Jahre her. Da hatte sich so einiges in den Köpfen festgesetzt, was nicht gleich wieder verschwand. Und dann kam hinzu, dass dieses Mädchen vermutlich das Kind eines schwarzen, amerikanischen Besatzungssoldaten war. Ob sie von uns Kindern ausgegrenzt worden ist? Ich kann mich daran nicht mehr erinnern, aber daran, dass sie eben hinkte. Das hatte sich mir so stark eingeprägt, dass ich noch heute weiß, wie sie damals ausgesehen hat.

Sicher ist sicher

Dieses Kind fiel mir wieder ein, als ich die Losung las. Offenbar litten die Israeliten zur Zeit des Elia im 9. Jahrhundert vor Christus an geistlicher Hüftdysplasie. Der Prophet warf ihnen vor, auf beiden Seiten zu hinken (Losung). Sie hatten sowohl den Gott Israels als auch den Fruchtbarkeitsgott Baal verehrt, dessen Kult die Königin aus Phönizien mitbrachte. Sicher ist sicher, so dachten sie wohl. Lieber ein Gott zu viel als einer zu wenig.

In der Losung fordert Elia seine Landsleute auf, sich zu entscheiden, wem sie denn nun dienen wollen: Baal oder Gott? Fast 1000 Jahre später sagt Jesus in der Bergpredigt seinen Zuhörerinnen und Zuhörern: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Gott des Geldes, Matthäus 6,24). Wieder sollen sich die Menschen entscheiden, wer ihnen nun heilig sein soll, wem sie gehören und dienen möchten.

Und wie ist das heute in unserer Gesellschaft? Ich denke, es dürfte nicht allzu schwer fallen, diese Frage zu beantworten.

Gelassener werden oder sparen bis zuletzt?

Aber das Geld ist nun mal wichtig, damals wie heute, auch mir. Ich bin kein Franz von Assisi, der alles weggab, was er besessen hatte und als armer Bettelmönch Jesus nachfolgen wollte. Immer wieder hat das Geld in meinem Leben eine Rolle gespielt wie auch im Leben aller anderen, die ich kenne. Das tut es auch heute noch. Aber ich bin in finanziellen Dingen inzwischen gelassener, seitdem ich mir klargemacht habe, dass das Geld wohl bis zu meinem Lebensende reichen wird und ich großzügiger sein kann als ich bisher war. Wenn ich mich aber in meinem Bekanntenkreis umsehe, dann ist es fast überall das gleiche: Man spart bis zuletzt aus lauter Sorge, es könnte nicht reichen. Und dann zieht man dir das Hemd ohne Taschen an und du musst von dieser Welt und weißt nicht, was die Erben mit deinem Geld machen werden. Schon das Alte Testament kommt darauf zu sprechen: »Ach, Herr, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird.« (Psalm 39,6+7)

Im Rheinland gibt es das Sprichwort »Man muss auch gönnen können«. Ja, man muss auch anderen etwas gönnen, aber auch sich selbst. Jedenfalls möchte ich nicht die Zahlen auf meinem Konto anbeten, sondern „mit warmen Händen“ von dem geben, was ich habe und auch mir selbst etwas leisten. Das freut beide, den Empfänger und mich.

Etwas bleibt immer übrig

Und auch dann bleibt immer noch etwas übrig für andere, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Mein Projekt sind die Hospitalschiffe „Mercyships“ vor der Westküste Afrikas, auf denen christlich motivierte Ärzte und medizinische Mitarbeitende eine Zeit lang kostenlos die Patienten vom Festland versorgen. Und dann unterstütze ich noch mit einem kleinen Betrag die Gefangenenhilfsorganisation „Amnesty International“. Dass beide Organisationen auch Nichtchristen helfen, spielt für mich keine Rolle. Für Jesus hat es auch keine Rolle gespielt, ob die, denen er geholfen hat, gläubig waren und ein moralisch einwandfreies Leben geführt haben.

Gebet: Du, Herr, sollst mein Gott sein und nicht das Geld. Du, Gott, sollst mein Herr sein, damit ich frei bleibe und mich nicht vom Mammon beherrschen lasse. Dir gebe ich all meine Sorge um materielle Dinge und nehme dafür aus deiner Hand das Gold des Gottvertrauens. Es soll mir mehr wert sein als alles, was ich besitze. Doch ich danke dir auch, dass ich keine finanzielle Not leiden muss und gut leben kann. Auch das ist ja eine Gabe deines Segens. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Mittwoch, 17. Januar 2024

Überwundene Enttäuschung hl

Losung: Ich hatte Ephraim laufen gelehrt und sie auf meine Arme genommen. Aber sie merkten nicht, dass ich sie heilte. Hosea 11,3 

Lehrtext: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Johannes 14,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was sich zwischen Gott und dir abspielt, ist das eine tragische Geschichte wie die, von der die Losung handelt? Ja, vielleicht ist es so, dass das, was er den Israeliten (=Ephraim) gesagt hat, jetzt für dich gilt und auch für mich:

»Von Klein auf habe ich dich geliebt. Du aber hast mich vergessen, der ich dir das Laufen beigebracht und dich auf dem Arm getragen habe. Hast dich anderen zugewandt, die interessanter und vielversprechender schienen als ich: dem Mammon, dem Gott des Geldes, oder dem Gott des Erfolgs, des Glücks und wie die Götter auch in deiner Zeit alle heißen. Hast ihnen deine Seele verkauft und deine Lebenszeit geopfert. Zur Strafe für deinen Undank musst du nun ihr Sklave sein. Und trotzdem kehrst du nicht zu mir, deinem Gott, zurück und suchst stattdessen Hilfe, wo du keine finden wirst.

Gottes Reue

Doch
wie könnte ich dich aufgeben, wie dich im Stich lassen? Ich kann dich doch nicht vernichten! Mein Entschluss hat sich mir umgedreht, mit aller Macht ist die Reue in mir entbrannt.
Ich kann meinem glühenden Zorn nicht freien Lauf lassen, ich kann dich nicht noch einmal preisgeben! Denn ich bin Gott und nicht ein Mensch; ich, der heilige Gott, komme, um dir zu helfen, und nicht, um dich zu vernichten
.« (Hosea Kapitel 11)

Licht durch die Wolken

Was für eine Anklage! Wie könnte ich mich da verteidigen? Und dann doch wieder der Durchbruch der Gnade, die Kraft des Erbarmens, der Sieg seiner Liebe über die Enttäuschung. Das, liebe Leserin, lieber Leser, das ist er: unser Gott, der sein Licht schon im Alten Testament durch schwere Wolken schickt, bis es in Jesus hell und ungetrübt aufleuchtet. Er verherrlicht sich im Namen seines Sohnes Jesus, der auf Deutsch heißt: „Gott hilft!“ Ja, in ihm kommt Gott, um seinen Menschenkindern zu helfen, gerade weil sie seine Liebe nicht verdient haben.

Ich muss immer wieder staunen, wenn ich in der Bibel lese, wie Gott göttlich und in Jesus menschlich wird; wie er heilig wird durch seine Gnade und zugleich dein und mein Diener in seiner Liebe. Er hätte allen Grund, sich von dieser Welt und uns unverbesserlichen Menschen abzuwenden. Stattdessen aber kommt er, um uns nicht uns selbst und unserem Schicksal zu überlassen (Lehrtext). So haben Menschen ihn damals erfahren. So haben sie von ihrem Glauben erzählt, damit auch wir zum Glauben finden.

Gebet: Herr, nach meinen Maßstäben bist du unbegreiflich. Wer gleicht dir schon in deiner Liebe und Treue? Wir belohnen heute und strafen morgen, verurteilen selbstgerecht und verehren uns selbst, wenn wir andere verehren. Wir rufen „Hosianna!“ und im nächsten Augenblick „Kreuzige!“, weil wir unser schwankendes Herz zum Maß aller Dinge machen. Du aber bleibst dir treu und liebst uns in Jesus bis zum bitteren Ende. So wirst du vollenden, was jetzt noch im Werden ist. Das will ich nicht vergessen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Dienstag, 16. Januar 2024

pfeifen und rufen hl

Losung: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43,1 

Lehrtext: Jesus sah auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Lukas 19,5 

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Kind habe ich mit meiner Familie am Rande eines großen Waldes gewohnt. Das war für mich ein Abenteuerspielplatz ohne gleichen. Und je älter ich wurde, desto tiefer ging ich mit meinen Freunden oder allein in den Wald und bin auf nahezu jeden Baum geklettert, der sich dafür angeboten hat. Aber wenn es Zeit war, trat meine Mutter vor die Haustür und rief laut: „Hansi, komm heim, essen!“ Wenn ich darauf nicht reagiert habe, hat sie meinen Vater vor die Haustür geschickt. Und der pfiff auf zwei Fingern so laut, dass ich es nicht überhören konnte. Sein unverwechselbarer Pfiff bedeutete das gleiche wie der Ruf meiner Mutter. Ach wie gern würde ich heute nochmal seinen Pfiff hören!

Gott ruft mich auf seine Weise

Gott pfeift mir nicht. Aber auch er ruft mich bei meinem Namen (Losung), dass ich nicht vergesse, wem ich gehöre und wo ich daheim bin. Er ruft auf seine Weise, mal durch ein Wort der Bibel, mal durch ein Lied, mal durch die Wunder der Natur, mal durch die Zuneigung meiner Kinder, mal durch die Wertschätzung, die ich von anderen erfahre und manchmal auch durch Enttäuschung, Schmerzen und Leid. Und er ruft auch durch Menschen, die mir helfen, zum Beispiel durch Ärzte und Ärztinnen, Apotheker, Arzthelferinnen usw. Durch sie alle und viele andere mehr sagt er mir: ‚Du musst dich nicht fürchten. Ich lass dich nicht im Stich. Du gehörst doch zu mir.‘

Und tatsächlich, ich fürchte mich selten. Und falls ich doch einmal Anlass dazu habe, sage ich zu dem, was mir Angst machen will: „Komm nur her, du hast es nicht nur mit mir zu tun. Hinter mir steht der, der Himmel und Erde gemacht hat, der Allmächtige. Auf ihn verlasse ich mich. Er wird dir wehren, mir etwas anzutun. Und wenn ich seine Macht und Kraft auch nicht gleich spüre, so wirkt sie dennoch zu seiner Zeit. Du wirst schon sehen.“

Er lädt sich bei mir ein

Wen Gott bei seinem Namen ruft, wie sollte der noch auf andere hören? Wen Jesus ruft, wie sollte der noch auf dem Baum seiner Einsamkeit sitzen bleiben? (Lehrtext) Ich kann mich nicht selbst bei ihm einladen. Doch er lädt sich bei mir ein. Wie sollte ich ihm da nicht die Tür öffnen und ihn in meinem Leben willkommen heißen?

Der Pfiff meines Vaters hat mir gesagt: „Komm jetzt heim. Du bist mein Sohn. Ich warte auf dich. Die Tür steht offen und der Tisch ist gedeckt.“ Gott aber sagt mir durch Jesus: „Heute will ich dein Gast sein und morgen auch und wenn du willst, alle Tage deines Lebens. Denn du gehörst mir und ich gehöre dir.“

Gebet: Herr, höre nicht auf, mich zu rufen, wieder und wieder. Denn diese Welt ist laut, und oft höre ich dich nicht. Du brüllst nicht und pfeifst nicht, sondern sprichst leise zu meinem Herzen: ‚Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, komme, was da wolle!‘ Ja, Herr, darauf will ich vertrauen und zu dir umkehren, sooft du mich rufst. Amen

Herzliche Grüße

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Montag, 15. Januar 2024

Vom Glück, ein Kind Gottes zu sein hl

Losung: Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. Psalm 147,11 

Lehrtext: Alle, die sich von Gottes Geist regieren lassen, sind Kinder Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Knechten macht, sodass ihr euch abermals fürchten müsstet. Vielmehr habt ihr einen Geist empfangen, durch den ihr euch als Kinder Gottes erkennt, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Gottes Geist selbst gibt uns die innere Gewissheit, dass wir Gottes Kinder sind. Römer 8,15 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

„Mach mer bloß ka Schand!“, hat meine Mutter auf gut Fränkisch ihrem heranwachsenden Sohn gesagt. Im Rückblick verstehe ich besser, dass dieser Satz damals mehr ein Ausdruck ihrer Hilflosigkeit und Sorge war als ein Gebot oder gar eine Drohung. Sie hätte das gar nicht zu sagen brauchen; denn sie hatte mich so erzogen wie sie selbst erzogen worden war: sexuell verklemmt. Das hat dann auch entsprechend gedauert, bis ich unbefangener und freier wurde. Die Angst vor Schande, vor dem Gerede der Leute, was hat sie nicht generationenlang die Menschen geknechtet! Aber vielleicht hat sie sie auch ein bisschen anständiger sein lassen.

Ob Gott das auch zu mir sagt: „Mach mer bloß ka Schand!“? Schließlich, so sagt es der Lehrtext, bin ich ja auch sein Kind. Oder etwas moderner ausgedrückt: „Du bist ein Sohn / eine Tochter Gottes, du gehörst ihm.“ (Lehrtext) Und das, liebe Leserin, lieber Leser, ist mehr, als nur ein Geschöpf zu sein. Zwar sind nach meinem Glauben und Verständnis alle Menschen Kinder Gottes. Doch es bewegt sie im Innersten nicht und beeinflusst nicht ihr äußeres Verhalten, da die meisten davon nichts wissen, selbst wenn sie getauft und somit Christen sind.

Gebunden an das, was vergeht

„Du bist ein Kind, ein Sohn, eine Tochter Gottes!“ - Das hat Paulus nicht nur so dahergeredet. Das hat Folgen. Der „Geist der Knechtschaft“ bindet mich an die vergängliche, materielle Welt und die wandelbaren Werte der Gesellschaft. Da zählt, was ich leiste und besitze, was ich beruflich mache und verdiene, ob ich mich durchsetzen kann und Anerkennung bekomme, ob ich gesund und gebildet bin und mich zu benehmen weiß. Das alles spielte auch für mich eine Rolle, auch wenn das inzwischen nicht mehr so wichtig ist. Als älterer Mensch und Rentner ist man schlagartig nicht mehr so interessant. Und das hat auch sein Gutes. Die früheren Bindungen werden lockerer, auch wenn sie noch fortbestehen.

Der Geist der Freiheit

Spätestens jetzt wäre es gut, einmal über den zweiten Teil des Lehrtextes nachzudenken: „Ihr habt einen Geist empfangen, durch den ihr euch als Kinder Gottes erkennt.“ Du musst ja gar nicht ein Knecht der materiellen Welt sein, eine Marionette, der Gesellschaft, die sich vor dem Gerede anderer fürchtet. Als Kind Gottes hast du den Geist der Freiheit empfangen, „er soll mich regieren“ (Römer 8,14), schreibt Paulus.

Ach, wenn ich doch jeden Tag in der Gewissheit leben könnte, dass ich ein Kind, ein Sohn Gottes bin! (Römer 8,16) Ich könnte frei durchatmen, meine Sorgen ihm geben und dankbar und zuversichtlich leben. Also heute will ich mir das bewusst machen und morgen auch. Und übermorgen? Mal sehen. Jedenfalls geht es nicht darum, Gott keine Schande zu machen, sondern ein freier und froher Mensch zu sein, der ihm gehört.

Gebet: Herr, dein Geist gibt mir die innere Gewissheit, dass ich dein Kind, dein Sohn bin und du mein Vater. Das macht mich unbeschwert und frei. Aber ich kann das nicht erzwingen. Ich will dich darum bitten und jeden Tag aufs Neue darauf achten, was dein Geist mir sagt. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt. 

 

Sonntag, 14. Januar 2024

Verkehrte Welt hl

Losung: So spricht der HERR: Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbart werde. Jesaja 56,1 

Lehrtext: Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu. Matthäus 3,14-15 

Liebe Leserin, lieber Leser,

es waren mehrere Gründe, weshalb ich mich zur Verblüffung meiner Familie und meiner Freunde dafür entschieden hatte, Theologie zu studieren. Ich wollte zunächst auch gar nicht Pfarrer werden. Ich wollte ersteinmal für mich herausfinden, was es mit Gott auf sich hat. Den vielleicht letzten Anstoß gab ein Zeitungsfoto. Es zeigte im Jahr 1969 eine kleine Gruppe dicht zusammengedrängter Studenten im damaligen Westberlin. Sie demonstrierten gegen den Krieg der Amerikaner in Vietnam und hielten ein selbstgemachtes Kreuz hoch. Dabei wurden sie von einem Wasserwerfer der Polizei beschossen.

Wie ein Blitz

Da traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz: Vielleicht ist ja dieser Jesus gar nicht auf der Seite der Herrschenden, der gehorsamen Bürger und ihrer Moral, der Meinungsmacher in den Medien. Vielleicht berufen sich viele Lehrer, Pfarrer und andere Repräsentanten der Gesellschaft zu Unrecht auf ihn. Vielleicht ist er gar nicht auf Seiten der Staatsgewalt, ihres Militärs, ihrer Gerichte, Polizei und Wasserwerfer, sondern tatsächlich auf der anderen Seite zu finden, bei den Leidtragenden des Vietnamkriegs und bei denen, die gegen diesen bestialischen Krieg protestieren?

Heute sehe ich das nicht mehr ganz so schwarz-weiß. Aber was ich damals gelernt habe, habe ich nicht mehr vergessen: Gott, wie er sich in Jesus zeigt, richtet sich nicht nach der geltenden Moral, nicht nach den Gesetzen, nicht nach der herrschenden Meinung in Staat und Kirche. Er richtet sich ersteinmal überhaupt nicht nach uns Menschen, auch nicht nach dem Katechismus Martin Luthers. Er tritt da in Erscheinung, wo man ihn nicht vermutet, auf eine Art und Weise, die man von ihm nicht erwartet: Plötzlich kommt da in einem Stall ein Kind zur Welt, liegt in einem Futtertrog, der inmitten von Mist und Pisse eines Ochsen und eines Esels steht: Die blutjunge, unbedeutende Mutter dieses Kindes ist nicht verheiratet. Das Kind ist unehelich. Halleluja! 

So erzählt der Evangelist Lukas das Wunder der Geburt des Menschen- und Gottessohnes Jesus. Und so seltsam und im besten Sinn merk-würdig wie es begonnen hat, ging es weiter bis dahin, dass dieses Kind 30 Jahre später vom römischen Militär als angeblicher, politischer Verbrecher gekreuzigt wurde. Es ging bis dahin, dass seine Anhänger plötzlich frei von Angst die Kunde verbreiteten, er sei von den Toten auferstanden und lebe. Halleluja!

Der ungebührliche Gottessohn

Vorher aber zog der Gottessohn ohne Waffen und Geld durchs Land, predigte Frieden und Gottes bedingungslose Liebe vor allem zu den Sündern und Feinden, heilte die Ausgestoßenen und Randfiguren der Gesellschaft, redete unbefangen zu Frauen mit zweifelhaftem Ruf, säte den Samen des Gottvertrauens in die Herzen der Ängstlichen und stritt sich mit den hochwürdigen Herrschaften in Tempelkirche und Gesellschaft.

Ja so hatte man sich den Messias nicht vorgestellt, auf den die Juden schon jahrhundertelang warteten. So hatte ihn sich auch Johannes der Täufer nicht vorgestellt, als Jesus sich in die Schlange der Sünder einreihte, um sich von ihm taufen zu lassen. Wie bitte, er, der Heiland der Welt, das Lamm Gottes, will sich von ihm, Johannes, taufen lassen? Da stimmt doch was nicht. (Lehrtext) Das ist doch verkehrte Welt! Genau das ist es, wo das Himmelreich, das Reich Gottes zu uns Menschen kommt. Plötzlich ist vieles nicht mehr, wie es war. Plötzlich gilt vieles nicht mehr, was fast alle für unumstößlich gehalten hatten. Plötzlich muss man umdenken, neu denken, umkehren auf dem ausgetretenen, alten Pfad (= Sinn des Wortes Buße). Plötzlich fallen die alten Ketten von einem ab, an die man sich längst gewöhnt hatte, weil so viele sie mit sich herumschleppen. Plötzlich öffnet er die Tür in Gottes Reich auf Erden, in dieser Welt und Zeit, und man müsste nur hindurchgehen, mit ihm gehen, und schon wäre man frei, niemand mehr untertan, auch nicht sich selbst und dem alten Menschen, der man war.

Wo käme man hin, wenn man ginge?

Das ist zu schön, um wahr zu sein. Wo käme man denn hin, wenn man das glaubte, wenn man so lebte? Ja, »wo kämen wir hin; wenn alle sagten; wo kämen wir hin; und niemand ginge; um einmal zu schauen; wohin man käme; wenn man ginge.« (Kurt Marti). Was meinst du? Sollten wir nicht vielleicht doch mal nachsehen, was hinter jener Tür auf uns wartet, die er für uns öffnet? Dazu muss man nicht erst Theologie studiert haben.

Gebet: Herr, du bist nicht besser, lieber, größer, klüger, frömmer als ich und meinesgleichen. Du bist anders. Dich bewegt nicht der Geist eines Menschen, sondern der Geist Gottes. Du hast kein Interesse an dir, sondern an mir, dass du mich durch dieses Leben bringst, und ich mich nicht verirre und verstricke in Wünschen und Enttäuschungen, in selbstsüchtigen Erwartungen und leeren Versprechen. Du bist mein Hirte und mein Lamm. Geh mit mir auf deinen Wegen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte den Glauben am stärksten wachsen lässt. 

 

Samstag, 13. Januar 2024

Tanzen auf dünnem Eis hl

Losung: Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Psalm 39,6

 

Lehrtext: Paulus schreibt: Wir werden nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. 2.Korinther 4,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Martin Luther wusste über seinen Stellenwert Bescheid. In der ihm eigenen Sprache des späten Mittelalters sagte er von sich: „Ich bin ein alter Madensack“. Er kannte natürlich unsere heutige Losung und hat sie auch aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt: »Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben!« Dass sich unser Leben auf dünnem Eis abspielt, will man vor allem in jüngeren Jahren nicht wahrhaben. Und es wäre auch nicht gut, wenn man ständig daran dächte, dass man im nächsten Augenblick einbrechen könnte. Menschen können und sollen planen, damit sie etwas erreichen.

Nicht hinterm Ofen sitzen

Doch manchmal ist es ganz gut, sich bewusst zu machen, wie schnell alles zu Ende sein kann. Die Pandemie hat bei vielen das Gefühl der Lebenssicherheit erschüttert. Die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen tun ihr Übriges. Doch was hilft‘s, auf die großen Konflikte zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange? Das Leben muss und soll weitergehen. Zähneklappernd hinterm Ofen sitzen, ist ja auch keine Lösung.

Man kann natürlich auf die Vernunft der Mächtigen und Verantwortlichen hoffen. Ich verlasse mich darauf lieber nicht. Zu oft in der Geschichte sind Menschen davon bitter enttäuscht worden. Ich will, solange es möglich ist, zuversichtlich sein, weil ich auf Gott hoffe. Was wäre denn auch die Alternative? Nein, Furcht soll mein Leben nicht bestimmen, auch nicht die Furcht vor einem Tod zur Unzeit. Das würde mir jetzt schon meine Lebensfreude vergällen.

Planen und tun, was möglich ist

Mir ist durchaus bewusst, dass ich den größten Teil meiner Lebenszeit hinter mir habe. Ich brauche nur in den Spiegel zu schauen, um darin bestätigt zu werden, was Paulus im Lehrtext sagt: „Der äußere Mensch verfällt.“ Das muss ich hinnehmen, das will ich annehmen. Doch das darf kein Grund sein, jetzt schon zu resignieren. Solange Gott mir die Kraft gibt, will ich allen Widrigkeiten zum Trotz aktiv sein, will planen und meine Pläne ausführen. Und wenn sie nicht gelingen, dann eben andere Pläne machen. Ich muss nicht um die Welt reisen. In Europa ist es auch schön. Da gibt es ebenso viele herrliche Ecken und Winkel, die ich noch nicht kenne.

Entscheidend aber ist, dass mein innerer Mensch, meine Seele zuversichtlich gestimmt ist. Das ist nicht immer gleichbleibend der Fall. Doch hilft mir der Glaube, die seelischen Tiefs zu überwinden und mich wieder neu zu freuen an der Welt, die Gott mir schenkt, an meiner Familie, meinen Freunden, an der Musik, der Natur und vielen anderen Dingen. Nein, für mich ist die Welt kein Jammertal, auch wenn es manchmal so scheint. Sie ist ein wunderbares Geschenk. Dafür bin ich dankbar und das lasse ich mir auch nicht von denen nehmen, die gegeneinander und gegen die Natur Krieg führen. Vielleicht muss ich das noch einmal anders sehen. Aber jetzt lebe ich hier im Frieden, in einem weitgehend funktionierenden Land ohne materielle Not. Das habe ich zu schätzen gelernt.

Das Eis mag dünn sein, doch solange es hält, will ich darauf "tanzen" (nur schade, dass das in Wirklichkeit nicht mehr geht).

Gebet: Herr, ich danke dir, dass ich schon so viele Jahre in Frieden und ohne materielle Not leben darf. Ich danke dir für die Menschen, die mich begleiten und mir beistehen und für so vieles mehr. Deshalb will ich nicht nur auf das schauen, was fehlt und schmerzt, sondern auf den Segen, den du jeden Tag aufs Neue gibst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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