Mittwoch, 20. Februar 2013

BrückenbauerInnen ebl

Losung: Gott spricht: Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen. Jesaja 57,16

Lehrtext: Jesus sprach zu dem Gelähmten: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben. Lukas 5,20

Liebe Leserinnen und Leser dieser Gedanken,

es ist gut, dass für Gott ein neuer Anfang mit uns Menschen immer möglich ist. In der heutigen Losung sagt er unmissverständlich: "Ich klage nicht länger an, ich lasse meinem Zorn nicht unbegrenzt freien Lauf."  (Altes Testament, Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 57, Vers 16) Und schon sind wir mitten drin im heißen Thema 'Vergebung'. Heiß deshalb, weil es in unserem Alltag immer wieder aktuell ist. Zwischen Kindern, zwischen Kindern und Erwachsenen, zwischen Erwachsenen.
Es ist ganz gut, einmal die Verse 'drumherum' zu lesen und mitzubekommen, worauf Gott sich konkret bezieht. Wer hat ihn verletzt? Sein Volk, seine geliebten Israeliten, mit denen er so viel vorhat. Sie waren habgierig und haben Gott darüber vergessen. Was ist die Folge? Gott wird in seinem Verletztsein wütend. Die Israeliten bekommen die Konsequenzen ihres Handelns am eigenen Leib zu spüren. Was ist das Ende? Gott wendet sich nicht frustriert ab, sondern fängt mit seinen Leuten neu an, er richtet sie wieder auf.
Darin zeichnet sich ein Lebens- und Liebesmuster ab, das Gott uns zur Nachahmung ans Herz legt: Verletzungen passieren (wir sind nicht mehr noch nicht wieder im Paradies ...). Wut darüber darf sein (wir sind Menschen ...). Doch dann ist die Vergebung und der Neuanfang für den anderen und auch für mich der beste Weg (und dabei hilft mir Gott ...).
Am eigenen Leib haben das die Leute erlebt, die Jesus innerlich und äußerlich von ihren 'Beschädigungen' geheilt hat. Im Lehrtext muss Jesus nur zu einem gelähmten Mann sagen: "Mensch, deine Sünden sind dir vergeben." (Neues Testament, Evangelium des Lukas, Kapitel 5, Vers 20) Und er kann befreit aufstehen und wieder gehen!

Gebet: "Gott, du hast die Möglichkeit, meine Vergebungsbereitschaft wachsen zu lassen. Da gibt es Situationen, die so verfahren scheinen, dass es über die aufgeworfenen Gräben keine Brücken gibt. Aber das ist in deinen Augen nicht so. Du überbrückst die größte Kluft. Hast es in Jesus am Kreuz gezeigt und machst daher auch uns Mut, tapfer Brücken über Streitgräben zu bauen. Danke. Amen."

Schneegrüße aus Sommersdorf!

Ihre / eure

Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 19. Februar 2013

Willkommen im Club der Weltverbesserer! ebl

Losung: Sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede. Jeremia 6,13-14

Lehrtext: Wir sehen darauf, dass es redlich zugehe nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen. 2.Korinther 8,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

damit wir die heutige Losung verstehen, müssen wir wissen, welchen Auftrag der Prophet Jeremia von Gott bekommen hatte. Er war 'Warner'. Fünfzig (!) Jahre lang warnte er die Leute im südlichen Teil des heutigen Israel, dass sie besser ihr Leben mit Gott gestalten sollten als ohne ihn.
Doch er redet sich 'den Mund fransig'. Keiner hört auf ihn, frustriert muss er feststellen: "Vornehme wie Geringe sind darauf aus, sich zu bereichern. Propheten wie Priester täuschen das Volk: Sie tun so, als wären die Wunden meines Volkes nur leichte Schrammen. 'Alles steht gut', sagen sie, 'alles ist in Ordnung' (Altes Testament, Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 6, Verse 13-14). Jeder scheint nur auf seinen Vorteil aus zu sein - und das beobachtet Jeremia an den Armen genau so wie an den Reichen. Auch die 'hohe Geistlichkeit' ist nicht viel besser. Dabei ist die Fürsorge für den Nächsten doch ein Herzensanliegen Gottes ...
Der Lehrtext unterstreicht es, dass wir uns als Christen 'vertikal' und zugleich 'horizontal' ausrichten müssen: "Wir sehen darauf, dass es redlich zugehe nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen." (Neues Testament, 2.Brief an die Korinther, Kapitel 8, Vers 21). Unsere Beziehung zu Gott ist die vertikale, unser Leben miteinander die horizontale Dimension unseres Lebens. Einen lebendigen Glauben ohne Auswirkung auf unser Zusammenleben mit anderen gibt es ebenso wenig wie ein wirklich gutes Zusammenleben ohne jeden ethischen Maßstab.
Über die Zustände in unserer heutigen Gesellschaft lange zu philosophieren, bewegt nicht viel, wie ich meine. Es geht darum, ob und dass ich diese Anstöße aus der Bibel persönlich nehme.

Gebet: "Gott, du hast damals an den Verhältnissen in Juda gelitten und du leidest sicher auch heute an mancher Ausprägung in unserer Gesellschaft. Zeige uns, wo wir deinen Willen in die Tat umsetzen können. Nimm uns mit in dein Team, wenn es darum geht, unsere Welt nach deinem Willen zu verändern, sie besser zu machen. Amen.

Liebe Grüße aus dem Sommersdorfer Pfarrhaus!

Ihre / deine

Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 18. Februar 2013

Hörst du mich, Herr? ebl

Losung: Wie sollte ich ein so großes Unrecht begehen und wider Gott sündigen? Gen. 39,9

Lehrtext: Wir wollen alle Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht umgarnt. Wir wollen mit Ausdauer laufen in dem Wettlauf, der noch vor uns liegt. Hebräer 12,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Hörst du mich, Herr, wenn die Stürme toben? Wenn ich nichts seh' als die hohen Wogen? Halt mich ganz nah, ganz nah bei dir, reich mir die Hand, greif nach mir!" - das singen wir manchmal im Lichtblick-Gottesdienst als ein Gebet. Immer wieder einmal bitten mich die Musikerinnen und Musiker unserer Lichtblick-Band, dieses Lied im Gottesdienst zu spielen. Es spricht so vielen von uns aus der Seele und nimmt unsere Erfahrungen mit Gott, unser Suchen nach ihm, unser Zweifeln und die Hoffnung auf, die wir in ihn setzen. Mit 'alten' Worten, aber in der Aussage gleichklingend, lesen wir als Losung heute im 82. Psalm die Bitte: "Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt." (Altes Testament, Psalm 83, Verse 2-3) Die tobenden Feinde können ja so vielfältig sein! Eine Sucht, ein verkorkstes Beziehungsleben, eine harte Krankheitsdiagnose, quälende Bedingungen am  Arbeitsplatz - ich könnte die Liste endlos weiterführen. Mancher von uns betet über einem Anliegen schon seit Wochen oder sogar seit Monaten - und es scheint doch keine Veränderung zum Besseren einzutreten.
Warum das so ist? Warum uns Gott manchmal das 'Kein-Anschluss-unter-dieser-Nummer-Gefühl' zumutet? Ich kann es dir und Ihnen nicht erklären. Ich weiß nur, dass es so ist - aus eigener Erfahrung.
Der Lehrtext für heute hilft auf den ersten Blick auch nicht weiter: "Der Herr erfüllt seine Zusagen nicht zögernd, wie manche meinen. Im Gegenteil: Er hat Geduld mit euch, weil er nicht will, dass einige zugrunde gehen. Er möchte, dass alle die Gelegenheit finden, von ihrem falschen Weg umzukehren." (Neues Testament, 2. Brief des Petrus, Kapitel 3, Vers 9)
Eines wird mir jetzt doch klar: Zeit ist für Gott wohl etwas ganz anderes als für uns. Eile und Drängeln scheint es für ihn nicht zu geben. Wir müssen also unsere Maßstäbe aus der Hand legen und uns in seine Hand befehlen. Nicht leicht - aber für  mich ohne Alternative.

Gebet: Vater, es geht mir manchmal wie dem Psalmbeter Asaph - ich habe das Gefühl, dass meine Gebete ins Leere gehen und du mich nicht hörst. Ich bete um eine Einsicht oder um eine Veränderung und es bleibt doch alles beim Alten. Bitte gib mir Weisheit, zu unterscheiden, wo ich wirklich warten lernen muss und wo ich schon längst das nahe Liegende tun sollte und nur dazu den Mut aufbringen muss. Amen.

Auf geht's - mit Gott - in eine neue Woche!

Ihre/deine

Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 17. Februar 2013

Sechs Wochen anders leben ebl

Predigt im Lichtblick am 17.02.2013, Elfriede Bezold-Löhr

„Liebe Leute,
schon lange macht mich schwer unzufrieden, dass ich abends, wenn der Alltag geschafft ist, vor dem Fernseher versumpfe. Es ist eine Sucht, nicht abschalten zu können, ein Nicht-hinspüren-wollen, was mich bewegt, was mir Angst macht. Dabei wünsche ich mir Zeit, um zu regenerieren, vielleicht einen Brief zu schreiben, eine schöne Musik zu hören … Warum fällt es mir so schwer, achtsam mit mir zu sein? Ich fühle mich gerade so als Erstklässler in dieser Lebensschule … Zwei Abende habe ich es nun schon geschafft (trotz großer Versuchung, denn ich schiele ja doch ins Fernsehprogramm). Am ersten Abend habe ich mir eine Kerze angezündet, euren ersten Fastenbrief gelesen und Zeit gefunden, zwei Freunde anzurufen.
Herzliche Grüße, Mechthild“
Mechthild macht mit bei der Aktion ‚Sieben Wochen anders leben‘. Dahinter steht der Verlag ‚Andere Zeiten e.V.‘ aus Hamburg. Dort arbeiten Christinnen und Christen, die anderen Mut machen wollen, ihren Glauben alltäglich zu leben. Wer will, kriegt in diesen Wochen immer wieder einen ermutigenden Fastenbrief. Das ist ein Angebot, auf dem Segen liegt.
Ich bin eigentlich keine Freundin von Foren. Aber es ist berührend, in dem ‚Fastenforum‘ auf ‚www.anderezeiten.de‘ zu lesen, was Menschen in diesen Wochen erleben. Viele verzichten auf etwas, was sie sonst genießen: zum Beispiel auf Süßes. Oder auf Alkohol. Einer will auf Trendwörter verzichten, die er eigentlich völlig blöd findet. Sven versucht, auf Pornos aus dem Internet zu verzichten.
Andere beschenken sich in dieser Zeit: Barbara gönnt es sich, in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersamstag pünktlich zu sein. Sie verzichtet „auf zeitliche Unordnung“. Anja beschenkt sich mit einem einstündigen täglichen Spaziergang. Sie merkt, „dass durch diese Spaziergänge etwas passiert, sich etwas entwickelt, etwas entsteht“.
Sehr offen erzählen die Männer und Frauen, was ihnen gelingt und sie freut. Genau so ehrlich erzählen manche, dass sie schon am ersten Tag an ihren guten Vorsätzen gescheitert sind. Und immer wieder ist von Gott die Rede. Und von der Sehnsucht, ihm zu begegnen, indem man ‚anders lebt‘. Geht das? Was sagt die Bibel dazu? Was bringt uns Jesus zu diesem Thema bei? Nach dem Gebet und dem Lobpreis dazu mehr.
Fasten in der Bibel
Schon im Alten Testament ist vom Fasten die Rede. Vor besonderen Festtagen wie dem großen Versöhnungstag sollen die Israeliten fasten (3.Mo.16, 29). König David fastet tagelang, als sein Sohn schwer krank wird. Er hofft, Gott damit gnädig zu stimmen (2.Sam.12). Im Buch des Propheten Jesaja findet sich ein ganzes Kapitel über das falsche und über das echte Fasten. Da ‚wettert‘ Gott richtiggehend: „Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter! Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? (…) Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!“  (Jes.58, 3b – 6) Fasten hat also nichts mit bedripstem oder gar aggressivem Gehabe zu tun. Fasten ist in allererster Linie etwas Befreiendes.
Jesus knüpft da nahtlos an. In seiner Bergpredigt bekommen wir mit, was ihm zum Thema ‚fasten‘ wichtig ist. „Manche von euch“, so sagt er dort, „fasten scheinbar aus religiösen Beweggründen. In Wirklichkeit möchten sie nur gewisse fromme Kreise beeindrucken. Wenn dann nach einem beiläufigen Hinweis auf die Dauer ihres Fastens ein Raunen durch die Reihen geht, sind sie restlos zufrieden. Ich sage euch: Wenn ihr fastet, vergesst eure säuerliche Mine. Macht euch frisch und begegnet den Menschen wie sonst auch. Versagt es euch, mit irgendeinem Wort anzudeuten, was ihr gerade aus Liebe zu Gott tut. Er wird mit Sicherheit nicht übersehen, wie ernst ihr es meint, wenn ihr mit Fasten eurem Gebet mehr Nachdruck verleihen wollt! (Mt.6, 16 – 18)
Nur einmal wird davon erzählt, dass Jesus selber gefastet hat – da dann gleich vierzig Tage lang. Vierzig Tage hält er sich in wüstenähnlicher Landschaft auf und lernt dort viel über Macht und Ohnmacht. Danach beginnt er sein Leben als Wanderprediger.
Warum fasten?
Fasten ist in der Bibel kein Selbstzweck. Manchmal hat es einfach nur die Aufgabe, Menschen auf ein Fest vorzubereiten. Essen fasten vor dem Feiern? Das macht durchaus Sinn. Denn ganz banal: Wenn ich hungrig bin, schmeckt das Essen am besten.
Wer es sich antut und nur zwei oder drei Tage völlig auf’s Essen verzichtet, macht eine wunderbare Entdeckung: Die Geschmacksnerven werden extrem empfindsam. Schon ein Bissen Apfel ist eine wahrhaftige Explosion von Aromen im Mund! Wie viel köstlicher sind dann noch der Schweinsbraten und die Klöße und der frische Salat! Fasten vor dem Feiern, um dann umso intensiver und dankbarer genießen zu können – ein guter Grund.
Wer fastet, das lernen wir aus der Bibel, sollte die Chance nutzen und aus seinem Alltagstrott aussteigen. Nur nicht essen und trotzdem ‚business as usual‘ treiben – das ist schwierig. Könnte sein, dass es uns sogar schlecht gelaunt macht und wir es dann an anderen auslassen.
Gepflegt, ‚entschleunigt‘ und doch aufmerksam durch einen Fastentag gehen – das könnte uns gut tun, wie Jesus meint.
Wer fastet, hat plötzlich Zeit, die vorher nicht da war. Wenn ich nicht einkaufen und kein Mittagessen kochen muss, keine Essenszeit habe und danach keine Küche aufzuräumen ist, sind das schnell zwei oder sogar drei Stunden. Diese Zeit ist mir geschenkt, wenn ich faste. Da kann ich im Winter ein Bad nehmen. Oder spazieren gehen. Oder mich mit dem Buch hinsetzen, das ich schon lange lesen will. Ich kann eine ‚Expedition zum Ich‘ mit Klaus Douglass und Fabian Vogt unternehmen. Mir ein ‚Filetstück‘ aus der Bibel durchlesen, von Fabian Vogt sehr schön in unsere Zeit übersetzt. „Wer bin ich wirklich?“ „Was bestimmt mein Handeln?“ „Wie bekomme ich eine Beziehung zu Gott?“ Wichtige Fragen für mich und für mein Leben. Es ist gut, wenn ich mir die Zeit gönne und darüber nachdenke. Fastentage machen’s möglich. --- Wer von uns Frauen jetzt denkt: „Und was mache ich mit meinem Mann und mit den Kindern?“ Diejenigen erinnere ich daran: Es gibt in vielen Metzgereien eine heiße Theke. Schicken Sie Ihre Lieben da mit ruhigem Gewissen hin, wenn kein anderer außer Ihnen den Kochlöffel übernimmt. Es geht oft leichter, als wir Frauen denken J
Ein ähnlicher Effekt – denken wir an den Brief von Mechthild am Anfang der Predigt – träte mit einem ‚Bildschirm-Fasten‘ am Abend ein. Wie viel Zeit wäre plötzlich frei, wenn der Bildschirm  dunkel bliebe? In vielen Leben ist es sicher eine ganze Stunde am Tag. Oder sogar zwei oder noch mehr. Welche Möglichkeiten tun sich da auf, diese Zeit geistlich zu füllen!
Das Herz auslüften
Fasten soll, so wünscht Gott es sich, für uns trotz und gerade im Verzicht etwas Befreiendes haben. Es soll Dinge möglich machen, die so sonst nicht passieren würden. Da kann es helfen, wenn wir uns austauschen. Mit einem Menschen, der uns gut tut, der unsere Gedanken versteht und uns inspiriert. In der Bibel ist das Fasten ganz oft mit Gebet verbunden. Ich kann mich an einem Fastentag bewusster als sonst ‚rückbinden‘ an Gott. Da eröffnet sich ja plötzlich die Zeit, im Stillen mit Gott zu reden. Oder ein Lobpreis-Lied anzuhören, das mir aus der Seele spricht.
„Das Herz ‚auslüften‘ ist anstrengend, aber auch befreiend“, schreibt Annette im Fastenforum von ‚Andere Zeiten‘. Sie hat Recht. Jetzt haben wir die große Chance, solche befreienden Erfahrungen zu machen. Die sechs Wochen, die vor uns liegen, sind eine besondere Zeit. Wir sind auf dem Weg hin zum Osterfest. Wir machen uns mit Jesus ein letztes Mal in Richtung Jerusalem auf. Wir gehen mit ihm seiner Kreuzigung entgegen. Und wir haben in uns den Keim Hoffnung auf die Auferstehung. Nur in einer Sache Verzicht zu üben in diesen sechs Wochen – das kann für mich und für dich und für Sie vieles verändern. Trauen Sie sich. Amen.

Freitag, 15. Februar 2013

Hast du dich auf Gott verlassen können? hl

Losung: Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Jesaja 55,12

Lehrtext: Jesus sprach zu den Jüngern: Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals. Lukas 22,35

Liebe Leserin, lieber Leser,

kann man sich auf das Wort Gottes und auf das von Jesus wirklich verlassen? Das ist die Frage, die hinter der heutigen Losung und dem Lehrtext steht. Die Bibel beantwortet diese Frage mit ja, indem sie auf das Versprechen Gottes für sein Volk hinweist, das in Babylon 70 Jahre im Exil gefangen war. Der Prophet Jesaja hat Gottes Wort an die Israeliten weitergegeben und sie vorausschauen lassen auf den Tag der Freiheit. So stellte er ihnen ein Ziel vor Augen und verhinderte, dass sie während ihrer Gefangenschaft in Hoffnungslosigkeit ertrunken sind (Losung). Eines Tages war es dann soweit. Die Perser haben die Babylonier besiegt, und die Israeliten konnten wieder heim in ihr Land.
Auch die Jünger von Jesus bestätigten, dass sie sich auf sein Wort verlassen konnten, nachdem sie von ihrer Aussendung (= Mission) zurückgekommen waren (Lehrtext).
Und jetzt sind Sie / bist Du gefragt: Kannst Du das auch bestätigen, dass man sich auf Gottes Wort verlassen kann? Wie war das bisher in Deinem Leben? Hat Gott Wort gehalten? Hat er Dich behütet? Hat er Dir das tägliche Brot gegeben? Hat er Dich aus Gefahren und Krankheiten gerettet? Hat er Dir einen neuen Weg gezeigt, als Du nicht mehr weiter wusstest? Hat er Dir eine neue Chance gegeben, nachdem Du versagt hattest? Hat er Dich getröstet und wieder aufgerichtet, nachdem Du am Boden zerstört warst?
Wenn Du darauf ja sagst, dann weißt Du, dass Du Dich auch in Zukunft auf sein Wort verlassen kannst.

Gebet: Herr, was vor mir liegt, ist ungewiss. Muss ich mich vor der Zukunft fürchten? Ich lege meine Hand in Deine Hand und verlasse mich auf Dein Wort. Das ist besser als wenn ich den Weg wüsste. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Donnerstag, 14. Februar 2013

Etwas Göttliches tun hl

Losung: Ich will ihr Trauern in Freude verwandeln. Jeremia 31,13

Lehrtext: Unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit. 2.Korinther 4,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

möchten Sie / möchtest Du heute etwas Göttliches tun? Menschliches, allzumenschliches tun wir ohnehin. Aber etwas Göttliches, das wär doch mal was! Göttlich ist es, wenn man Menschen, denen es nicht so gut geht, eine Freude macht (Losung). Gott hat das so gemacht, als er den Israeliten durch seinen Propheten ausrichten ließ, dass die 70 Jahre im Exil zu Ende gehen und sie bald wieder in ihr Land heimkommen werden. So etwas Großes kann nur Gott. Aber auch etwas Kleines kann göttlich sein, wenn Du zum Beispiel jemandem, der eine schwere Zeit durchmacht, eine Karte schreibst und ihm mitteilst, dass Du an ihn denkst und für ihn betest. Oder noch besser, wenn Du ihm sagen kannst, was Du an ihm schätzt und was er Dir bedeutet.
Wertschätzung tut jedem gut, besonders denen, deren Selbstwertgefühl in schweren Stunden angeknackst ist. Und jeder freut sich über ein ehrliches Kompliment. Das kostet Dich wenig, doch dem anderen bedeutet es viel.
Ob sich dadurch Trauer gleich in Freude verwandelt, kommt auf den Einzelfall an. Aber leichter ums Herz wird es einem so auf jeden Fall.
Der Lehrtext scheint Leidende auf den Himmel zu vertrösten. Ich sehe das umgekehrt: Von Gott her fällt ein Licht auch in meine dunklen Stunden. Das hellt mich auf.

Gebet: Guter Gott, heute möchte ich Dir einmal danken, dass ich anderen eine Freude machen kann. Das tut ja auch mir gut. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 13. Februar 2013

Zutraulich? Ich bin so frei! hl


Losung: Nun hat der HERR mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet hatte. 1.Samuel 1,27

Lehrtext: Jesus sprach: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr's empfangt, so wird's euch zuteil werden. Markus 11,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Ein Kind! Ein Kind! Endlich ein Kind!” Hanna war außer sich vor Freude als sie doch noch schwanger wurde und den Samuel gebar. Sie hatte inständig darum gebetet, immer wieder. Und schließlich hatte sie Gott versprochen, ihm ihren Sohn zu weihen, ihn zum Dienst im Tempel wegzugeben, sobald sie ihn nicht mehr stillen würde. Gott erfüllte ihr die Bitte, und Hanna hielt Wort.
Bei den alten Römern galt gegenüber ihren Göttern der Grundsatz „do ut des”– „ich gebe dir etwas, damit du mir auch etwas gibst”. Das hatte etwas Berechnendes und Geschäftsmäßiges an sich. Bei Hanna war das anders. Sie brachte Gott kein Geschenk, sondern brachte ihm ihre Not. Sie ließ sich erst von ihm beschenken und zeigte ihm dann ihre Dankbarkeit. Sie wusste, Gott lässt sich nicht manipulieren, auch nicht durch Gebete. Er bleibt in seinen Entscheidungen frei. Und doch will er, dass ich ihn bitte. Nicht, um mich damit zu erziehen und auch nicht, weil ihm das schmeichelt, sondern weil ich von ihm als freier Mensch geschaffen worden bin. Zwischen ihm und mir besteht kein Automaten-Verhältnis, wo alles von selbst läuft. Er will kein Marionettenspieler sein, der nur an den Fäden zu ziehen braucht, damit der Mensch tanzt, wie Gott will. Er will mich als ein freies Gegenüber, als seinen Partner, der sich aus freien Stücken ihm zuwendet und zu ihm eine Beziehung aufnimmt. Er zwingt mich nicht dazu, sondern überlässt die Entscheidung mir.
Doch Halt, in gewisser Hinsicht muss ich mich jetzt korrigieren. Auch Hanna brachte Gott ein Geschenk, damit sie von ihm den Sohn bekam. Aber das war kein Opfertier und keine Geldspende, sondern ihr Glaube. Jesus ermuntert uns dazu, dass, wenn wir von Gott etwas wollen, wir ihm unseren Glauben, unser Zutrauen entgegenbringen, dass er's auch geben wird.
Manchmal sagen wir, wenn uns ein Vogel auf die Hand fliegt, um die Körner zu picken, die wir ihm hinhalten: „Der ist aber zutraulich!” Gott hält mir seine Hand hin, gefüllt mit all dem Guten, das er mir geben will. Aber hinfliegen zu ihm muss ich schon selber. – Ich bin so frei.

Gebet: Mein Gott, ich weiß, dass Du nicht alle meine Wünsche erfüllst. Und Du weißt, was Du tust. Du tust mir auch dann etwas Gutes, wenn Du mir jetzt etwas vorenthältst, was mir auf lange Sicht schadet. Auch wenn ich das im Augenblick nicht verstehe, will ich darauf vertrauen, dass Du alle meine Bitten so erfüllst, wie es für mich zum Besten ist. Amen

Herzliche Grüße zum Aschermittwoch!

Hans Löhr 

Dienstag, 12. Februar 2013

So erlebst du Gott hl

Losung: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt, was dir hilft, und dich leitet auf dem Wege, den du gehst. Jesaja 48,17

Lehrtext: Jesus sprach: Ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. Matthäus 23,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie das geht, dass Gott spürbar in Ihr / Dein Leben eingreift und Dir hilft? Allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz sage ich: Das ist ganz einfach. Da hat sich seit den Zeiten der Bibel bis heute nichts geändert. Der Schlüssel zum „Erfolg” ist nicht Gott, sondern bist Du, genauer, Dein Glaube. Wer Gottes Macht und Wirklichkeit in seinem Leben spüren will, braucht zu ihm ein persönliches Verhältnis. Irgend eine Gottesidee, irgend eine Vorstellung von göttlicher Energie im Kosmos oder sonstige unpersönliche Gottesvorstellungen helfen nicht.
Entscheidend ist der Glaube, den uns Jesus, unser großer Glaubenslehrer, geschenkt hat, dass wir Gott als unseren guten, gerechten und barmherzigen Vater lieben (Lehrtext). Ja, lieben und nicht einfach irgendwie denken oder annehmen oder fürwahr halten.
Entscheidend ist, dass wir auch wirklich von Herzen glauben und darauf vertrauen, was zum Beispiel der 23. Psalm sagt: „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.” Gott ist nicht irgendein Hirte, sondern Dein Hirte. Er weidet nicht irgendjemand auf grüner Aue, sondern Dich. Und wenn Du durch Dein ganz persönliches finsteres Tal gehst, ist er bei Dir! Bei wem denn sonst?
Passt ein solch einfacher Glaube überhaupt zu unsrer modernen Zeit? Dein Glaube muss zu Dir passen, denn Du willst ja, dass Gott Dir den Weg zeigt, den Du gehen kannst und Dir hilft, so oft Du ihn brauchst. Aber es hängt nun einmal alles von Dir ab, davon, dass Du Gott, dass Du Jesus ganz und gar zutraust, was die Bibel sagt: "Er lehrt Dich. Er hilft Dir und leitet Dich auf Deinem Weg (Losung)." Und dass du das auch willst. Wenn Du so mit Gott lebst und ihn liebst, wirst Du das auch erfahren. Das sage nicht ich. Das sagt Dir die Bibel. Wie das geht? Indem Du damit beginnst - und durchhältst.
Ob ich das auch so mache? Das tut nichts zur Sache. Aber ich will die Antwort trotzdem nicht schuldig bleiben. Ja, ich lebe mit Gott und liebe meinen himmlischen Vater. Aber nicht immer. Manchmal falle ich aus dem Glauben auch wieder heraus und versuche auf eigene Faust zu leben und Entscheidungen zu treffen. Leider. Warum das so ist? Vielleicht bin ich nicht diszipliniert genug. Aber wenn ich dann wieder darauf vertraue, dass Gott jederzeit um mich ist, und ich zu ihm wieder sagen kann: Ich liebe Dich! – dann geht es mir gut und den Menschen, die mit mir zusammen sind.
Alles hängt von Dir ab, habe ich gesagt. Und doch wirkt er zugleich Dein Wollen und Vollbringen (Phil 2,13). Ein Widerspruch? Nur für uns, aber nicht für Gott.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

PS: Hier ist der Link zur Predigt vom letzten Sonntag (klick): Was willst Du?

Montag, 11. Februar 2013

Sehen, wofür man danken kann hl

Losung: Du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen! Psalm 22,20

Lehrtext: Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. 2.Thessalonicher 3,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

doch, es gibt sie schon die Situationen, in denen Sie / du den Eindruck hast, als wärst du nicht nur von der Welt, sondern auch von Gott verlassen. Aber so ist es nicht. Der Eindruck täuscht. Es macht Gottes Wesen aus, dass er da ist. Immer und überall. Er umgibt dich von allen Seiten und hält seine Hand über dir. Das ist nicht nur so dahingesagt. Das wird dir in der Bibel versprochen. Das kannst du Tag für Tag erleben, wenn du darauf achtest.
Vielleicht hattest du den Eindruck, von Gott verlassen zu sein, als du schwer krank warst oder als eine Beziehung zerbrochen ist oder als dir gekündigt wurde. Tatsächlich aber ist das passiert, dass du bei einem solchen Ereignis ganz und gar auf das Unglück fixiert warst und nicht mehr wahrgenommen hast, was gleichzeitig Gutes in Deinem Leben da war. Da gab es auf der einen Seite die schwere Krankheit und auf der anderen Seite Ärzte, Krankenhäuser, Medikamente. Da warst du auf der einen Seite todunglücklich, weil das Glück mit einem anderen Menschen zerbrochen ist, und gleichzeitig waren andere da, die als deine Angehörigen oder Freunde zu dir gehalten haben. Da hast du einerseits den Arbeitsplatz verloren, und andererseits hat sich wieder eine Tür für dich aufgetan und du hast neue Möglichkeiten entdeckt.
In alledem zeigt sich, dass Gott treu ist und seine Menschen nicht im Stich lässt. Das Unglück, das man gerade erlebt, ist eben nicht alles. Gleichzeitig gibt es so viel Positives, in dem sich Gottes Gnade zeigt, und wenn es erst einmal nur das ist, dass dein Kühlschrank voll ist, du ein Bett hast und ein Dach überm Kopf, dass du nicht auf der Flucht sein musst, nicht verfolgt wirst und Krieg Dein Leben nicht bedroht. Das Geheimnis, von einem Unglück nicht zerdrückt zu werden, ist, dass man auch das andere sieht, wofür man danken kann.

Gebet: Ja, Herr, ich rechne damit, dass du da bist und mir hilfst, wenn ich dich brauche. Doch manchmal wird mir die Zeit schon lang, bis ich deine Hilfe spüre. Dann schenke mir als Erste Hilfe den Glauben, dass du treu bist und mich nicht im Stich lassen wirst. Amen

Herzliche Grüße und einen Blick für das Gute an jedem Tag!

Ihr / Dein

Hans Löhr 

Sonntag, 10. Februar 2013

Was willst du? hl

Predigt von Hans Löhr am Sonntag Estomihi in den Kirchen von Sommersdorf und Thann. 

Ein Blinder wird geheilt (Lukas 18,35-43)
Jesus und seine Jünger waren unterwegs nach Jericho. In der Nähe der Stadt saß ein Blinder am Straßenrand und bettelte. 
Er hörte den Lärm der vorbeiziehenden Menge und fragte neugierig: "Was ist da los?" 
Einige riefen ihm zu: "Jesus von Nazareth kommt nach Jericho!"
Als er das hörte, schrie er laut: "Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" 
Die Leute fuhren ihn an: "Halt den Mund!" Er aber schrie nur noch lauter: "du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" 
Jesus blieb stehen und ließ den Mann zu sich führen. Dann fragte er ihn: "Was willst du? Was soll ich für dich tun?" "Herr", flehte ihn der Blinde an, "ich möchte sehen können!" "Du sollst wieder sehen!", sagte Jesus zu ihm. "Dein Glaube hat dir geholfen." 
Im selben Augenblick konnte der Blinde sehen. Er ging mit Jesus und lobte Gott. Zusammen mit ihm lobten und dankten alle, die seine Heilung miterlebt hatten.

[Predigttext wird von einer Kirchenvorsteherin am Altar vorgelesen, während HL in der Sakristei den Talar auszieht, sich eine Decke umgehängt, eine schmutzige Binde um die Augen bindet, einen Stock und eine Schale mit ein paar Münzen nimmt. Nach dem Ende der Lesung kommt HL in den Kirchenraum und tastet sich mit dem Blindenstock in den Mittelgang, während er mit der Schale und den Münzen klappert]
»Eine milde Gabe für einen Blinden! (Pause) Nur eine kleine Spende. Ich will doch auch leben! (Pause)« [HL nimmt die Binde ab, legt die Decke über seinen Arm und sagt:]
So ging es mir, bevor ich Jesus getroffen habe. Seitdem bin ich gesund. Seitdem habe ich ein neues Leben. Aber davor war es schrecklich. Ich fühlte mich so hilflos und den Leuten ausgeliefert. Ich wusste, ich war ihnen lästig. Doch jetzt bin ich ein neuer Mensch. Hier, der Blindenstock, die Binde, die Bettelschale – als ich sie noch brauchte, waren es die Zeichen meiner Krankheit. Jetzt lege ich sie unter das Kreuz Jesu. [HL holt das Altarkreuz vorne an die Kante des Altartisches, lehnt den Blindenstock daneben, die Binde, die Bettelschale und wirft auf den Fußboden die Decke] Jetzt brauche ich das alles nicht mehr. Jetzt sind diese Sachen Zeichen meiner Heilung. Ich kann sie Jesus abgeben. Ihm, der mir geholfen hat.
Doch der Reihe nach: Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich einer der blinden Bettler von Jericho war. In meiner Jugend bekam ich eine Augenkrankheit. Und dann wurde es im wahrsten Sinn des Wortes finster in meinem Leben. Niemand konnte, niemand wollte mir helfen. Es gab damals keine Krankenversicherung, die mir eine Behandlung hätte finanzieren können. Keine staatliche Unterstützung. Ich führte ein elendes Leben. Aber ich hatte mich damit abgefunden. Irgendwie kam ich ja über die Runden.
Da bemerkte ich eines Tages, dass viele Leute auf der Straße zusammenliefen. Ich fragte sie, was los sei. Einer sagte zu mir: »Jesus von Nazareth kommt nach Jericho!« »Jesus von Nazareth? Ich hatte schon von ihm gehört. Man erzählte sich von ihm viele wundersame Dinge, dass er so von Gott reden würde, wie keiner davor, wie kein Pfarrer und kein Bischof. Und dass er Kranke gesund gemacht habe. Würde er vielleicht auch mir…? Nein, mir doch nicht. So ein berühmter Mann gibt sich doch nicht mit einem kranken und zerlumpten Bettler ab wie ich einer bin. So dachte ich. Aber dann merkte ich, dass er immer näher kam und es keimte eine nicht gekannte Hoffnung in mir auf. Vielleicht doch? Mir wurde schlagartig klar: Das ist die einzige Chance in deinem Leben. Wenn dir einer helfen kann, dann er.
Ich nahm allen meinen Mut zusammen und rief: „Jesus, Sohn Davids, hab Mitleid mit mir! Kyrie eleison! ” „Pst! ”Machten die Leute. „Halt den Mund! Du störst!” Doch ich spürte ein mächtiges Zutrauen zu Jesus in mir. Ich ließ mich von den Leuten nicht mundtot machen. Ich schrie aus Leibeskräften: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Kyrie eleison!” Ich wusste, Jesus musste mich gehört haben. Was würde geschehen? Würde er mich beachten? Da packten mich zwei links und rechts und sagten: „Wir bringen dich zu ihm.” Als ich vor ihm stand, fragte er mich: „Was willst du? Was willst du, dass ich dir tun soll? ” Was für eine seltsame Frage. Er sah doch, dass ich blind war. Wollte er mich veräppeln? Nein, den Eindruck hatte ich nicht. Und so sagte ich entschieden und überzeugt: „Herr, dass ich wieder sehen kann. ”
Ich wusste genau, was ich wollte. Meint ihr hier, das sei selbstverständlich? Ich kenne Blinde, die wollen blind bleiben. Die haben Angst, dass sich ihre Situation verändert, wenn Sie plötzlich sehen können. Angst vor einem neuen Leben. Als Bettler wissen sie, wie sie ihren kärglichen Lebensunterhalt zusammenkriegen. Aber was ist, wenn sie gesund sind? Wovon sollten sie leben? Die Leute würden sie nicht mehr beachten. Sie wären nicht mehr interessant. Wie würden sie dann zurechtkommen?
Und wie ist das bei euch? Wisst ihr, was ihr wollt? Habt ihr schon mal was gewagt, das euer Leben verändert hat? Ohne Garantie, dass das auch gut geht? Habt ihr den Arbeitsplatz gewechselt und das Risiko einer zeitweiligen Arbeitslosigkeit auf euch genommen? Seid ihr freiwillig umgezogen? Habt ihr eine große Reise unternommen, von der euch andere abgeraten haben? Habt ihr jemanden geheiratet - aus Liebe-, von dem euch andere abgeraten haben.
Doch, die Frage von Jesus war schon berechtigt, wenn er sagte: „Willst du wirklich etwas ändern in deinem Leben? Was genau ist es, wobei ich dir helfen soll? Du musst das wissen, du musst das sagen können. Du musst das wollen, wenn sich bei dir etwas ändern soll.”
Mir war schlagartig klar: Er braucht meinen Willen, meinen Glauben, mein Gottvertrauen, um mir helfen zu können. So war das bei mir. Und darum sagte Jesus: „Dein Glaube hat dir geholfen. Dass du mir das zugetraut hast, das hat dich geheilt.” Und so wurde ich gesund und es begann ein neues Leben für mich – mit ihm.
Soweit, liebe Gemeinde, die Geschichte des Blinden von Jericho. Ich lerne für mich daraus:
Erstens, was Jesus damals für den Blinden getan hat, kann er auch heute für mich und für dich tun. Er kann auch uns neues Leben schenken, wenn wir ihm das zutrauen. Wäre es nicht so, was bräuchten wir uns dann mit einer Geschichte abzugeben, die 2000 Jahre alt ist? Nur wenn sie mit uns heute zu tun hat, ist sie auch wichtig.
Zweitens, die Voraussetzung dafür, dass sich bei mir etwas verändert, ist, dass ich das auch wirklich will. Ich muss im Gebet Gott sagen können, was er für mich tun soll, immer wieder und wieder. Manchmal tagelang oder wochenlang oder sogar jahrelang.
Drittens, ein solches Gebet macht nur dann Sinn, wenn ich Gott auch ganz und gar zutraue, dass er mir helfen kann und wird. Vielleicht wird das nicht genau so geschehen, wie ich mir das vorstelle. Aber doch so, wie es mir schließlich zum Besten dient.
In jedem Sonntagsgottesdienst hier in der Kirche rufen wir Jesus mit dem Satz des Blinden von Jericho, ich auf Griechisch und ihr auf Deutsch: „Kyrie eleison – Herr erbarme dich. Christe eleison – Christus erbarme dich!” Meinen wir das wirklich ernst? Was wäre, wenn er jetzt plötzlich vor uns stünde und zu dir sagen würde: „Ich habe dich rufen gehört. Hier bin ich. Was willst du von mir?” Was werden wir, was wirst du ihm dann sagen? „Entschuldigung, ich habe nichts dabei gedacht. Ich will gar nichts von dir.” Oder: „Herr Jesus, da schau: Das sind meine Sorgen, das ist meine Angst und meine Not. Du kannst mir helfen. Dir traue ich das zu. Kyrie eleison!” Wenn du das so oder so ähnlich zu ihm sagen kannst, bleibt das nicht ohne Wirkung. Dann wird sich etwas für dich zum Guten ändern.
Der Blinde von Jericho hatte seinen Blindenstock, die Binde und die Bettelschale unter das Kreuz gelegt. Er hat das alles losgelassen, hat es Jesus  gegeben und ein neues Leben gewagt. Was wirst du unter das Kreuz legen? Was hergeben, was los lassen und was aufgeben für ein anderes, ein neues Leben?
·        Vielleicht die unnötigen Tabletten, die du ständig zu dir nimmst?
·        Vielleicht einen unrealistischen, schädlichen Wunsch?
·        Vielleicht eine schlechte Angewohnheit, die du schon längst loswerden möchtest, und die dich und andere belastet?
·        Vielleicht irgendeine Abhängigkeit, nicht nur vom Alkohol, sondern auch von einem Menschen, der dir nicht gut tut oder vom Fernsehen oder von anderen Dingen?
·        Vielleicht eine alte Schuld oder einen alten Streit?
·        Vielleicht auch das falsche Bild, das du von dir hast, dass du immerzu jung aussehen und den Anschein erwecken musst, als seist du topfit, obwohl du doch älter wirst?
Denke an den Blinden von Jericho: Wenn du willst, dass in deinem Leben etwas anders werden soll, dann hör nicht auf das, was andere sagen. Dann lass die Leute reden. Du aber rede mit deinem Gott. Sage ihm klipp und klar, was du willst und traue ihm zu, dass er dir geben wird, was gut für dich ist. So wirst auch du seine Wunder erleben. Amen HL
(Bezugnahme auf den Aspekt der Dankbarkeit im Fürbittengebet.
Rekronstruktion des mündlichen Vortrags)

Freitag, 8. Februar 2013

Starker Tobak ebl

Losung: So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und weicht mit seinem Herzen vom HERRN. Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. Jeremia 17,5.7

Lehrtext: Wir haben an Christus Anteil bekommen, wenn wir die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende festhalten. Hebräer 3,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

was wir heute als Losung lesen, ist dann, wenn wir es ernst nehmen, 'starker Tobak', eine echte Herausforderung. In der 'Guten Nachricht für Dich' klingt sie so: "Der Herr sagt: 'Fluch über alle, die sich von mir abwenden und stattdessen auf die Hilfe vergänglicher Menschen vertrauen! Doch Segen soll über alle kommen, die allein auf mich, den HERRN, ihr Vertrauen setzen!'" (Altes Testament, Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 17, Verse 5 und 7)

Viel erklären muss ich zu diesen Versen nicht - denn es ist klar verständlich ausgesagt, worum es Gott geht. Aber einfach umzusetzen ist der Anspruch Gottes nicht. Erst gestern Abend bei der Vorbereitung des nächsten Kinderlichtblicks sind wir in einen intensiven Austausch genau zu diesem Thema geraten. Da konnte der eine in unserer Runde sagen: "Ich weiß ganz klar, was Gott von mir will - nur tun will ich es nicht unbedingt gern." Und der andere gesteht ein: "Mir ist oft noch nicht einmal klar, was Gott von mir will."

Ich erlebe immer wieder, dass 'Gottvertrauen' ein Prozess ist. Nichts, was mit einem Donnerknall in mein Leben hineinplatzt, sondern etwas, das ich irgendwann zum ersten Mal wage. Und dann wieder wage. Es ist ein Lernprozess, der im Kleinen als Kind bei mir angefangen hat und sich über die Jahre und Jahrzehnte meines Lebens vertieft und auf immer mehr Bereiche meines Lebens ausdehnt. Ich will nicht aus Angst vor Gottes Fluch das Vertrauen in ihn lernen. Mich motiviert die Freude auf seinen Segen. Und Gott muss mit mir viel Geduld haben.

Im Lehrtext klingt es ähnlich streng wie in der Losung: "Wir gehören erst wirklich zu Christus, wenn wir die Zuversicht, die uns am Anfang geschenkt wurde, bis zum Ende unerschütterlich festhalten!" (Neues Testament, Brief an die Hebräer, Kapitel 3, Vers 14) Auch da gilt das, was ich bereits geschrieben habe: Ich kann darum nur beten - verordnen kann ich mir die Zuversicht nicht selbst.

Gebet: "Gott, unser Vater, wir brauchen großes Vertrauen zu dir, wenn wir unsere Beziehung zu dir über alles andere, über jede zwischenmenschliche Beziehung stellen sollen. Aber spätestens am Ende unseres Lebens auf dieser Welt sind wir ja tatsächlich vollkommen auf uns selbst gestellt und es bleibt uns nur unsere Hoffnung auf dich als den Herrn über das Leben und über den Tod. Deshalb bitte ich dich: Hilf mir geduldig, dass mein Vertrauen in dich wächst. Gib mir die Jahre, die ich brauche. Hilf mir und hole mich immer wieder zu dir zurück, wenn ich ausschließlich meine Menschenwege gehe. Danke. Amen."
 
Einen herzlichen Gruß aus dem Sommersdorfer Pfarrhaus

und ein schönes Wochenende!

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Donnerstag, 7. Februar 2013

Getragen ebl

Losung: Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein. Psalm 71,16

Lehrtext: Wenn Christus auch gekreuzigt worden ist in Schwachheit, so lebt er doch in der Kraft Gottes. Und wenn wir auch schwach sind in ihm, so werden wir uns doch mit ihm lebendig erweisen an euch in der Kraft Gottes. 2.Korinther 13,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jürgen Mette heißt der Mann, dessen Lebensgeschichte mich in den letzten Tagen ziemlich beschäftigt hat. Er ist Zimmermann und Theologe (die Verbindung lässt zu Recht auf eine interessante Lebensgeschichte hoffen!) und erzählt in dem Buch "Alles außer Mikado" sehr offen, was mit ihm passiert, als er erfährt, dass er an Parkinson erkrankt ist. "Herr P." heißt bei ihm die Krankheit und sie stellt alles auf den Kopf. Nein, nicht alles. Es gelingt Herrn P. nicht, Jürgen Mettes Vertrauen in Gott kaputt zu machen. Auf bewegende Weise erzählt er, wie er in seinem Zittern und in seiner Schwäche mit Gottes Hilfe eine neue, ganz andere Stärke entwickelt. "Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein", singt David in seinem Psalm mit dem Titel 'Bitte um Gottes Hilfe im Alter'. (Altes Testament, Psalm 71, Vers 16) Jürgen Mette ist hoch musikalisch - er könnte dieses Bekenntnis mit David zweistimmig singen...

Schwach sein oder stark sein - diese Eigenschaften haben bei Gott eine andere Bedeutung als in unserer Welt. Bei Gott und im Vertrauen auf ihn können Menschen ungeahnte Stärken entwickeln, die nach unserem gängigen Deutungsschema ganz klar auf der Verliererseite des Lebens stehen. Im Lehrtext bezieht Paulus diese Beobachtung auf Jesus: "Als Christus am Kreuz starb, war er schwach. Aber jetzt lebt er durch Gottes Kraft. Auch ich bin mit Christus schwach. Aber ich werde mit ihm leben und mich stark erweisen euch gegenüber aus Gottes Kraft." (Neues Testament, 2. Brief an die Korinther, Kapitel 13, Vers 4)

Gebet: "Gott, das ist tröstlich zu wissen, dass 'stark sein' und 'schwach sein' bei dir ganz anders gemeint ist als bei uns Menschen. Du lehnst Schwäche nicht ab. Du hilfst uns vielmehr und richtest uns auf. Du änderst unseren üblichen Blickwinkel und zeigst uns Chancen und Möglichkeiten, wie wir mit deiner Hilfe unser Leben neu und anders verstehen und annehmen können. Und wenn es sein muss, trägst du uns. Danke, Vater."

Herzlich grüßt Sie und dich

Ihre / deine

Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 6. Februar 2013

Wieder beruhigt ebl

Losung: Himmel und Erde sind dein, du hast gegründet den Erdkreis und was darinnen ist. Nord und Süd hast du geschaffen. Psalm 89,12-13 

Lehrtext: Wir haben einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn. 1.Korinther 8,6 

Liebe Losungsleserinnen und -leser,

sicher macht es einen Unterschied, ob ich denke: "Alles ist ein gigantischer Zufall, die Existenz unserer Erde ebenso wie die Tatsache, dass ich auf ihr lebe", oder ob ich in mir die Gewissheit habe: "Nichts ist reiner Zufall. Gott in seiner Macht als Schöpfer steht hinter allem, was ist. Auch hinter mir und meinem Leben mit allen seinen Facetten." Ich bin dankbar dafür, dass meine Eltern in mich schon als Kind das Vertrauen in unseren allmächtigen Gott gelegt haben. Ich kann ohne einen Augenblick zu zögern nachsprechen, was ein gewisser 'Etan' (bei Luther heißt er 'Ethan') heute als Losung betet: "Himmel und Erde sind dein, Gott, du hast gegründet den Erdkreis und was darinnen ist. Nord und Süd hast du geschaffen." (Altes Testament, Psalm 89,12-13; für die ganz Neugierigen noch eine kleine Personalie: Über diesen Etan wissen wir nur, dass er ein berühmter Weiser war und sein Vater Serach hieß, siehe 1.Kö.5, 11)

Auch Paulus zweifelt daran keine Sekunde. Er schärft den Leuten in Korinth, die erst vor Kurzem den christlichen Glauben für sich entdeckt haben, als 'Mini-Glaubensbekenntnis' ein: "EINER ist Gott: der Vater, von dem alles kommt und zu dem wir unterwegs sind. Und EINER ist der Herr: Jesus Christus, durch den alles geschaffen ist und durch den wir das neue Leben erhalten." (Neues Testament, 1. Brief an die Korinther, Kapitel 8, Vers 6)

Das wird Paulus nicht müde, weiterzusagen: In einer Welt mit vielen Göttern - die Griechen hatten jede Menge Götter! - halten Christen fest an dem EINEN, "dem Vater von allem, was lebt, der über allem steht und durch alle und in allen wirkt" (Eph.4, 6).

Gebet: "Gott, ich danke dir dafür, dass ich dich kennen darf. Du bist der Ursprung und das Fundament, auf dem alles ruht. Das gibt mir Sicherheit angesichts einer Welt, die sich immer schneller um sich selbst zu drehen scheint. Hilf mir, immer wieder in dir zur Ruhe zu kommen und meinen Weg gelassen zu gehen. Amen."

Be-ruhigt grüßt Sie und dich an diesem neuen Tag

Ihre / deine

Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 5. Februar 2013

Kratziges Lob ebl

Losung: Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für. Psalm 89,2

Lehrtext: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. Markus 7,37

Liebe Leserin, lieber Leser,

ob beim Haare Waschen in der Dusche oder beim Autofahren, ob beim spazieren Gehen im Altmühlgrund oder beim Entdecken der ersten Schneeglöckchen - summen und singen, leise oder laut, das geht immer. Auch mit kratziger Stimme freut Gott mein Lob und meine Seele kann sich ausdrücken (ich habe es erst gestern im Lichtblick selbst erlebt :-). Für alle Stimmungslagen gibt es Musik, die mich auffängt und trägt. Da würde mir David, selber leidenschaftlicher Sänger und Musiker, sicher zustimmen. Er hat gesagt: "Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für." (Altes Testament, Psalm 89, Vers 2) Das ist die Losung für diesen Tag und damit sind wir alle eingeladen, heute zumindest ein Loblied - und wenn es nur eines ist! - auf Gott zu singen.

Hören und reden und singen können gehört zu unseren grundlegenden menschlichen Begabungen. Damit hat Gott uns beschenkt und es wird in diesem Geschenk deutlich, dass wir auf den Austausch mit ihm und mit der Welt um uns herum angelegt sind. Als Jesus eines Tages einen taubstummen Mann heilt, spüren die 'Zaungäste', dass hier ein ganzes Leben wieder heil wird. Ergriffen stellen sie fest: "Wie gut ist alles, was Jesus gemacht hat: Den Gehörlosen gibt er das Gehör und den Stummen die Sprache!" (Neues Testament, Evangelium des Markus, Kapitel 7, Vers 37)

Gebet: "Gott, unser Vater, jeder von uns muss sein Leben meistern. So kommen wir heute in ganz verschiedener Verfassung vor dich im Gebet. Manche unter uns können dich aus vollem Herzen loben, weil sie glücklich sind oder zufrieden. Danke dafür! Andere unter uns fühlen sich überhaupt nicht nach Lob und Dank, sie fragen und suchen und klagen. Schenke denen unter uns, denen es gerade so ergeht, einen langen Atem und das stabile Vertrauen in dich. Zeig dich als der treue Gott, der sich um jeden von uns sorgt. Amen."

Liebe Grüße

schickt Ihnen und dir

Ihre/deine Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 4. Februar 2013

Zuflucht ebl

Losung: HERR, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not! Jeremia 16,19

Lehrtext: Jesus sprach: Es hat mich jemand berührt; denn ich habe gespürt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist. Lukas 8,46

Liebe Leserinnen und Leser dieser Losungsauslegung,

je älter wir werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Dinge in unserem Leben passieren, die wir uns überhaupt nicht wünschen und die wir doch als Tatsachen annehmen müssen. Wir erfahren, dass jemand ernstlich krank geworden ist, den wir sehr gern haben. Wir erleben mit, dass jemand an einem gesteckten Ziel unwiederbringlich scheitert. Wir müssen das Ende einer Liebe wahrnehmen und das tut weh. Ob wir gläubig sind oder nicht - keiner von uns kommt um solche Hiobsbotschaften sein Leben lang herum.

Wie wir damit umgehen - das ist die entscheidende Frage. Mehrmals in den vergangenen Wochen war ich froh darum, mit niederschmetternden Nachrichten nicht vollkommen allein gelassen zu sein, sondern mich damit an Gott wenden zu können. "HERR, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not!" (Altes Testament, Buch des Propheten Jeremia, Kapitel 16, Vers 19) Das ist so und das soll so bleiben. Ich lege das, was ich nicht ändern kann und was mich doch so angreift, Gott hin mit der Bitte darum, mir beim Tragen zu helfen.

Jesus als der Sohn Gottes hatte auch die Kraft, Menschen ihre Last leichter zu machen, ja manche und manchen hat er völlig entlastet. Wie jene Frau, die lange Jahre unter Blutungen litt und sich am Ende nur noch auf eine einzige Weise zu helfen wusste: Sie hat heimlich - bestimmt wollte sie keinerlei Aufsehen erregen? - Jesus an seinem Gewand berührt und gehofft, dass auf diese Weise von seiner heilvollen Kraft etwas auf sie überströmt.
Jesus merkt es doch und will sehen, wer seine Hilfe braucht. Daher fragt er in die Runde: "Es hat mich jemand berührt; denn ich habe gespürt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist." (Neues Testament, Evangelium des Lukas, Kapitel 8, Vers 46)

Zufällig helfen und zufällig heilen gibt es wohl bei Gott nicht. So wie ich mich ihm zuwende, wendet er sich bewusst und liebevoll mir zu und rüstet mich mit der nötigen Kraft aus. So, dass es für diesen heutigen Tag reicht.

Gebet: "Gott, ich bitte dich für diejenigen unter uns um Kraft, die zur Zeit belastet sind. Hilf uns beim Tragen. Bewahre uns den Funken der Hoffnung. Halte unsere Augen offen für die schönen und fröhlichen Augenblicke, die es ja zur gleichen Zeit auch gibt. Danke, dass wir dich als unsere Zuflucht haben. Amen."

Einen guten Start in diese vor uns liegende Woche!

Deine / Ihre

Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 3. Februar 2013

Jesus-Freaks in der Bibel ebl

Predigt im Lichtblick am 03.02.2013 von Elfriede Bezold-Löhr

Erst heißt er „der von Gott Erbetene“. Ein Sohn aus gutem Hause. Seine Eltern haben das römische Bürgerrecht. Das heißt, dass sie wählen und in ein politisches Amt gewählt werden dürfen, dass sie Eigentum besitzen und und dass sie im Streitfall auf eine ordentliche Gerichtsverhandlung bauen können.
Als Gegenleistung müssen sie ihren Verdienst versteuern und Wehrdienst leisten. Wer das römische Bürgerrecht hat, steht gut da.
Der Sohn der Familie bekommt eine gute Ausbildung. Er kennt sich bald in den diversen philosophischen Denkrichtungen der griechischen Geisteswelt aus. Er kennt die bunt bevölkerte Götterwelt der Region und weiß, welche Gottheit mit welchen Bräuchen verehrt wird. Er selbst gehört mit seinen Eltern dem jüdischen Glauben an. Sie wohnen in Tarsus, einer lebendigen Hafenstadt in Kleinasien in der heutigen Türkei. Nur zwei Kilometer sind es damals von Tarsus aus über den Fluss Kydnos bis zum Mittelmeer.
„Der von Gott Erbetene“, kürzer „Saulus“, bekommt außerdem eine fundierte theologische Ausbildung bei einer der ersten Adressen seiner Zeit: Gamaliel, ein renomierter Schriftgelehrter, bringt ihm die Auslegung der fünf Bücher Mose bei und macht ihn mit der jüdischen Tradition vertraut.
Der Schüler Saulus lernt fleißig und vorbildlich. Er lebt auch vorbildlich – hält sich genauestens an die Jüdischen Reinigungs- und Speisegesetze und macht alles richtig.
Klug, ehrgeizig und verlässlich, wie Saulus ist, bekommt er als junger Mann einen Spezialauftrag: Er soll sich um die Anhänger eines Zimmermannssohnes kümmern. Dieser Zimmermannssohn hat allen Ernstes behauptet, der Sohn Gottes zu sein. Seine Anhänger glauben ihm das und nennen sich nach diesem ‚Christus‘ entsprechend ‚Christen‘. Eine gefährliche Sondermeinung scheint sich da zu entwickeln, vor allem in Jerusalem – und die Zahl der Anhänger wächst! Höchste Zeit, finden die jüdischen Würdenträger, einzuschreiten. Dieser Sekte muss der Garaus gemacht werden, bevor sie zu viele Leute anzieht.
Bei der Steinigung des Christen Stephanus schaut Saulus zu und haftet persönlich dafür, dass keines der Obergewänder verschwindet, das die Männer ausgezogen haben, die Stephanus mit Steinen erschlagen. Nach dieser Hinrichtung gibt Saulus den Startschuss für eine Razzia in ganz Jerusalem: Auf seinen Befehl hin wird Haus für Haus durchkämmt und Hunderte von Christen wandern ins Gefängnis.

Und dann, eines Tages, stellt sich Gott dem jungen Mann mit aller Macht in den Weg.

Saulus ist auf dem Weg in die Stadt Damaskus, um auch dort eine ‚Säuberungsaktion‘ vorzunehmen. Er hat die Stadt fast erreicht, als ihn ein gleißendes Licht blendet. Er geht in die Knie. Hört eine Stimme, die ihn fragt: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“
Saulus kann nur stammeln: „Wer … wer bist du, Herr?“
„Ich bin Jesus, den du verfolgst. Ich möchte, dass du jetzt aufstehst und in die Stadt gehst. In der Stadt wird dir dann gesagt werden, was du tun sollst.“ (Apg. 9)
Er, der vorher andere kommandiert hatte, bekommt jetzt von Jesus klare Ansagen. Er, vor dem die anderen gezittert  haben, wird jetzt blind und zittrig nach Damaskus hineingeführt. Was ihm da passiert ist, kann er sich beim besten Willen nicht erklären. Seine ganze Weisheit hilft ihm nichts. Drei Tage und drei Nächte sitzt er in vollkommener Finsternis und fastet. Am vierten Tag bekommt er erlösenden Besuch von einem gewissen Hananias. Der legt ihm die Hände auf und sagt zu ihm: „Bruder Saulus, der Herr  hat mich geschickt, derselbe Jesus, den du auf dem Weg hierher gesehen hast. Er hat mich zu dir gesandt, damit du wieder sehen kannst und mit dem Heiligen Geist erfüllt wirst.“

Von jetzt an nennt er sich selber „der Kleine“.  Paulus. „Der Kleine, Geringe, Niedrige“.  Paulus, „der Kleine“, geht schnurstracks in die örtliche Synagoge in Damaskus. Es sprudelt aus ihm heraus, was er mit Jesus erlebt hat. Er, der noch Tage vorher Christen sterben sehen wollte, sagt jetzt: „Ja, Jesus ist wirklich der Sohn des lebendigen Gottes.“ Die Leute trauen natürlich ihren Ohren nicht! „Ist das nicht der Mann, der sich in Jerusalem darum bemüht hat, alle zu vernichten, die sich zu Jesus bekennen? Und kam er nicht hierher, um hier genauso durchzugreifen und alle diese Sektierer ins Gefängnis werfen zu lassen, damit sie den Hohenpriestern zur Verurteilung vorgeführt werden?“

Doch, es ist der Mann. Er ist nicht wiederzuerkennen. Aber nicht nur die Christen reiben sich die Augen. Die jüdischen Würdenträger sind genauso perplex. Ihr Garant für eine schnelle Beseitigung dieser christlichen Widerstandsnester sollte übergelaufen sein? Jetzt selber begeistert von Christus reden? Es ist unfassbar! Und es ist unerträglich. Erst schauen sie hilflos zu, dann wird klar: „Der muss auch zum Verstummen gebracht werden. Je schneller, desto besser.“ Plötzlich ist Paulus der Verfolgte. Aus Damaskus kann er nur entkommen, weil seine neuen Freunde ihn nachts in einem großen Korb über die Stadtmauer hinunterlassen. In Jerusalem, wo Paulus seinen Mund auch nicht hält, geht es ihm nicht besser! Selbst dort steht er bald auf der Todesliste.
Paulus geht zurück nach Tarsus. Dort, in seiner Heimat, bleibt er zehn Jahre. Es wird still um ihn. Könnte gut sein, dass er dort die biblischen Bücher noch einmal neu liest. Mit Augen, die ihm von Gott geöffnet worden sind.

Alles, was ich einmal für besonders wichtig und wertvoll gehalten habe, kommt mir jetzt, seit ich Jesus kenne, geradezu lächerlich vor. Ja ich halte es sogar für schädlich, weil es der alles überragenden Erkenntnis Jesu Christi entgegensteht. Für ihn habe ich gern alles aufgegeben und halte so manche großartige Sache meiner religiösen Erziehung für – entschuldigt den Ausdruck – Bockmist. Ich möchte nie mehr die Gemeinschaft mit Jesus verlieren, die ich mir nicht durch meine Gesetzestreue verdient habe, sondern die Gott geschenkt hat, weil ich mein Vertrauen auf ihn gesetzt habe. Ich möchte Jesus immer besser kennenlernen und auch am eigenen Leib die Kraft erfahren, mit der er vom Tod auferweckt wurde. Ja, ich sehne mich danach, mit ihm zu leiden und ihm im Tod ähnlich zu werden. So hoffe ich auch, mit allen, die an Christus glauben, von den Toten aufzuerstehen.“ (Phil.3 in der Übersetzung ‚Willkommen daheim‘)
Das schreibt Paulus an die Gemeinde in Philippi, die er mit Freunden gründet und dann seelsorgerlich begleitet. Sein ganzes Leben dreht sich jetzt nur noch darum, dass möglichst viele Leute etwas von Jesus Christus erfahren. Dafür reist er tausende von Kilometern, predigt sich heiser, lässt sich ins Gefängnis sperren, anfeinden und auslachen. Er stemmt sich gegen eine chronische Krankheit, die ihn quält, und lässt doch nicht nach. Bis – bis ihm in Rom der Prozess gemacht werden soll wegen seiner Missionstätigkeit. Zunächst kommt er nach zwei Jahren hinter römischen Gefängnismauern noch einmal frei. Aber – davon erzählen andere Zeitzeugnisse – am Ende wird er auf Befehl des Kaisers Nero mit dem Schwert hingerichtet, gemeinsam mit anderen Christen.

Und ich? Was hat diese ganze Sache jetzt mit mir und mit dir und mit Ihnen zu tun? Ganz schön viel! Wir verdanken es Paulus, dass wir hier im ‚Abendland‘ überhaupt von Jesus Christus etwas wissen. Er war der Erste, der sich „mit dem Evangelium unter dem Arm“ zu uns nach Europa auf den Weg gemacht hat.
Wir verdanken es Paulus, dass wir klar sagen können, worum es Gott geht: Es geht ihm um die Gemeinschaft mit uns. Nur dafür, einzig und allein deswegen ist Gott in Jesus Mensch geworden. Damit er in unserer Nähe ist.
Wir lernen an der Lebensgeschichte von Paulus auch: Näher zu Gott kommen wir nicht durch ein möglichst ‚korrektes‘ Leben. Näher zu Gott kommen wir nur, indem wir alles loslassen. Uns mit leeren Händen vor Gott hinstellen. Unsere Hände offen ausstrecken und sagen: „Füll du sie mir, Gott. Ich vertraue dir, dass du mir Brot gibst und keine Steine.“
Paulus sagt uns auch deutlich wie kein anderer, wie Gott es mit unseren Schwächen und unserer Schuld halten wird: All das ist in Jesus aufgehoben. Was hatte dieser Mann nicht alles aus seinem ‚ersten Leben‘ mitgebracht? Wegen ihm saßen Menschen unschuldig im Gefängnis. Er war verantwortlich für Todesurteile. Er war ein Mörder. Mit dem Gott eine Segensgeschichte ohnegleichen anfängt.
Das Leben von Paulus läuft nicht einlinig. Da gibt es die Zeiten des Aufbruchs. Es gibt Zeiten der Stille, ja des scheinbaren Stillstandes – zehn Jahre taucht er in Tarsus ab! Es gibt Zeiten des Erfolgs, in denen Menschen sich dem Evangelium öffnen und gläubig werden. Es gibt Zeiten der Frustration. Es gibt Streit und Krach unter den Freunden um die richtige Lehre.
Es ist bei Paulus wie im Leben von jedem von uns. Hartes und Schönes sind miteinander verwoben. Das bedeutet ‚den Glauben leben‘ Damals wie heute. Das entlastet und ermutigt mich. Gott wirkt auch in meiner Geschichte. In allen Phasen, auch wenn ich es selber gerade nicht wahrnehme. Das soll mich ermutigen. Amen.

Freitag, 1. Februar 2013

Matrjoschka oder Das Geheimnis Gottes hl

Losung: Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug! Jesaja 5,21

Lehrtext: In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Kolosser 2,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

»O ich bin klug und weise und mich betrügt man nicht« singt der aufgeblasene Bürgermeister van Bett in Albert Lortzings ‚Komischer Oper‘ „Zar und Zimmermann", um am Schluss doch als rechter Tölpel dazustehen. Sich selbst für klug zu halten, war schon immer ein Zeichen von Dummheit. So sagt es nicht nur die Bibel; das gilt allgemein, in Peking und New York genauso wie in Sommersdorf und Thann. Aber nur die Bibel sagt, dass »in Christus alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen« liegen.
Unmittelbar vor dem heutigen Lehrtext im Kolosser-Brief ist vom »Geheimnis Gottes« die Rede. Kennen Sie / kennst du dieses Geheimnis? Die Bibel verrät es uns sogleich. »Christus«, so sagt sie, »ist das Geheimnis Gottes«. Gott zeigt sich uns in Jesus Christus, wie er wirklich ist. Doch es ist wie bei der Matrjoschka, der Puppe in der Puppe, dem beliebten Spielzeug aus Rußland. Auch Christus trägt in sich ein Geheimnis – die Liebe. Anders gesagt, wer wirklich wissen will, wie Gott ist, muss auf Jesus schauen. Und wer wissen will, wie Jesus ist, muss sich lieben lassen und wieder lieben. Das ist es, »was die Welt im Innersten zusammenhält«. Denn, davon bin ich überzeugt, wie die Welt, wie ein anderer Mensch wirklich ist, das erkennst du erst, wenn du ihn mit den Augen der Liebe betrachtest und ihn daraufhin ansiehst, wie Gott ihn gedacht hat, und ihn auch so behandelst. »Alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis« liegen in Jesus Christus, in seinem Wesen, in seiner Liebe. Sie macht auch mich klug und weise, solange ich mich nicht selbst dafür halte.

Gebet: Herr Jesus Christus, ich bitte dich um Bescheidenheit. Darum, dass ich mich nicht selbst für klug halte, sondern auf dich schaue und durch dich zur Erkenntnis Gottes komme, zur Erkenntnis meiner Mitmenschen und meiner selbst. Gib mir die Weisheit, dass ich diese Welt und mich mit den Augen der Liebe und der Wahrhaftigkeit sehen kann und ich mir und anderen nichts vormachen muss. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr